Archiv für das Tag 'Ailton'

Aufwachen Teil zwei – es muss etwas passieren!

7. September 2012

In der Ruhe liegt die Kraft. Beim HSV ist in den Tagen der Länderspielpause fast alles fast auf Null zurückgefahren. An diesem Morgen wurde eine Stunde im Volkspark trainiert, es waren die letzten Aufrechten, die dabei mitmachten. Und an diesem Freitag wird dann ja auch noch in Niendorf gespielt, um 18.30 Uhr – mit dem letzten Aufgebot. Trainer Thorsten Fink hat zehn Feldspieler zur Verfügung, holt sich noch zwei, drei A-Jugendspieler dazu – für den Fall der Fälle. Hoffentlich haben alle schon ihren Freischwimmer gemacht . . .

Für die Trainings-Kiebitze lohnt sich allerdings trotz der Tatsache, dass nur wenige Profis anwesend sind, ein Gang in den Volkspark, denn Rafael van der Vaart ist ja dabei. Und ist natürlich besonders nach der Einheit heiß begehrt. Was ich beobachtet habe: „Raffa“ erfüllt alle Wünsche, er schreibt und schreibt und lässt sich bereitwillig fotografieren. Allein, zu zweit oder in der Gruppe. Das ist schon vorbildlich. Für jeden gibt es ein Lächeln, gelegentlich auch einen Klaps auf die Schultern – der Mann versteht es, seine Beliebtheit noch zu forcieren. Wobei ich eines sagen muss: Autogramme zu schreiben ist ja nun auch nicht die schlimmste Beschäftigung. Natürlich geht da etwas Freizeit drauf, aber stellt man sich auf Dauer nur stur, dürfte der Bekanntheitsgrad auch schnell dahinschmelzen. Und wenn ich so an Uwe Seeler denke, wie viele Autogramme der Mittelstürmer Nummer eins bereits in seinem Leben gegeben hat, und wie viele er noch schreiben wird (unermüdlich und mit einem Lächeln und oft auch mit einem Spruch auf den Lippen), dann hat Rafael van der Vaart noch so einiges vor sich. Aber auch das gehört eben zum Leben eines Profi-Fußballers dazu . . .

Und er, der „kleine Engel“, ist ja nun mal der große Hoffnungsträger des HSV. An ihn klammern sich in diesen Tagen alle, und ich werde, nicht nur beim Training, immer wieder gefragt, was ich denn so denke? Geht es mit van der Vaart wieder bergauf mit dem HSV?

Meine Antwort: „Er allein wird es ganz sicher nicht richten können. Zum Glück aber hat er nun schon Könner wie Milan Badelj und Petr Jiracek an seiner Seite, die tüchtig mithelfen werden, den HSV wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Ohne diese beiden Zugänge würde auch ein Rafael van der Vaart total überfordert sein, aber zum Glück sind diese drei neuen Spieler ja noch geholt worden (oder die zwei – Badelj war ja schon Wochen vorher verpflichtet), sonst hätte ich in der Tat keinen Pfifferling mehr auf den Erstliga-Klub HSV gegeben. Im Gegensatz zu Sportchef und Trainer, die ja auch so vom Klassenerhalt überzeugt waren – das Gegenteil ist nun nicht mehr zu beweisen. Denn jetzt, und das habe ich heute beim Training mindestens vier HSV-Fans gesagt, bin ich vom Nicht-Abstieg des HSV restlos überzeugt. Obwohl ich in Richtung des 125. Geburtstages durchaus noch ein wenig skeptisch bin. So sehr viele Punkte wird der HSV am Abend des 29. September 2012 noch nicht auf seinem Konto haben – aber dann geht sollte es mal wieder losgehen.

Und wo ich gerade eben bei Sportchef (und Trainer) war. Gefragt wurde ich an diesem Morgen auch, warum ich in Sachen Frank Arnesen gestern nichts mehr geschrieben habe. Meine Antwort: „Weil ich das Gefühl habe, dass die Liebeserklärung, die alle abgegeben haben, nur vorläufig und auch nur oberflächlich ist. Hinter den Kulissen herrscht ein buntes Treiben, da geht es hoch her und auch ganz schön zur Sache. Da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen, und deswegen warte ich mal ab, wie sich das alles noch entwickeln wird.“ Ich denke mal, dass da doch noch Köpfe rollen werden . . . Aber abwarten.

Zu diesem Thema hatte ich gestern auch noch einen Anruf eines großen HSVers erhalten. Ihm habe ich im Laufe des Gesprächs gesagt: „Wie weit ist es in einem Sportverein eigentlich gekommen, wenn zu einem Treffen zwischen der Klub-Führung und dem Sportchef zwei Anwälte mitgebracht werden? Mehr Misstrauen geht ja wohl gar nicht, oder?“
Das ist doch so, als wenn es im Hause Matz eine Aussprache gäbe – und Frau M. und Herr M. bringen beide gleich ihre Scheidungsanwälte mit. Nein, meine Herren, das muss schon eine ganz besondere Situation sein, wenn „Mann“ gleich solche Geschütze auffährt. Aber diese Herren wissen eben, woran sie sind. Dass da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, sondern dass eine „Kriegerklärung“ kurz bevor steht.
Und – wer sich jetzt über dieses Wort echauffiert, der sollte sich, bevor er lospoltert, vielleicht nur noch einmal die Tatsache vor Augen führen: Besprechung beim HSV, und zwei Seiten bringen ihre Anwälte mit! Das ist ein Novum. Mein Gott, wie weit ist es mit diesem Klub schon gekommen? Und wie weit soll es noch gehen?

Bei der Gelegenheit: Ich möchte mich bei allen kleinen und großen HSVern bedanken, die mir per Anruf, sms oder per Mail zu meinem heutigen Artikel im Abendblatt gratuliert haben. Es waren auch Leute vom ganz großen Kaliber (von HSVern) dabei, und das macht mich schon ein wenig stolz. Noch besser allerdings wäre es, wenn das alles endlich einmal Konsequenzen jener Art hätte, dass der gesamte Verein wach wird und es einen Ruck durch diesen Klub gäbe. Mal im Ernst, so darf es doch nicht weitergehen, in dieser Form wird der HSV doch früher oder später an die Wand gefahren. Wenn ich vor Wochen hier noch geschrieben habe, dass die sportliche Führung endlich aufwachen sollte, damit es nicht im Sturz in Liga zwei endet, so möchte ich heute jenen Verantwortlichen, die diesen Verein lenken, zurufen: „Liebe Leute, wacht auf, stellt euer Ego ins zweite Glied, denkt an diesen ruhmreichen HSV und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Wacht auf und handelt nicht in eurem Sinne, sondern nur und einzig und allein im Sinne des Hamburger Sport-Vereins.“

Und damit ist jetzt nicht nur die Klub-Führung gemeint, sondern alle, die von sich glauben, dass es ohne sie in diesem Klub nicht geht. Bitte wacht auf!

Bei der Gelegenheit: Am Montag war ich bei der 19. Hamburger Soiree (im Hotel Vier Jahreszeiten), als Thorsten Fink und sein Trainer-Kollege Andre Schubert vom Nachbarn St. Pauli interviewt wurden. Da gab es vorher und nachher die Gelegenheit, mit HSVern und dem HSV nahestehenden Männern zu sprechen. Und so war es wohl auch gestern, beim HSV-Golf, an dem ja auch einige Spieler teilnahmen. Da wurde danach auch noch eifrig geklönt. Bei beiden Veranstaltungen wurde hinter der vorgehaltenen Hand auch (natürlich) über die aktuelle Entwicklung des HSV gesprochen. Ich war schon erstaunt, wie schonungslos offen über einen besonderen Punkt gesprochen wurde: die Leistungsfähigkeit des HSV – vornehmlich in der vergangene Saison.

Ihr erinnert euch: Niederlagen waren schon zwei Stunden später Fast-Siege, grottenschlechte Leistungen waren schon sehr bald solide Leistungen, der Mannschaft, die einen Schritt vor dem Abgrund stand, wurde immer und immer wieder die absolute Erstliga-Tauglichkeit zugesprochen. Obwohl alle Experten und viele, viele Fans stets ganz andere Spiele des HSV wahrgenommen hatten.
Mit einem Wort, es ging ums Schönreden. Darin war der HSV 2011/12 meisterlich. Was mich in dieser Woche aber besonders wunderte ist die Tatsache, dass das wohl alle HSVer so gesehen haben und hatten. Nur haben sie nie etwas dazu gesagt. Aber nun.
Wieso aber nun?

Warum sind jene Leute, die Einfluss haben oder einst hatten, nicht schon viel früher mal an die Öffentlichkeit gegangen und haben gesagt: „Wir haben die Nase voll. Hier werden uns Leistungen, die unter aller Kanone sind, als großartig verkauft. Als wenn wir alle dusselig wären . . .“
Das aber ist nie geschehen. Und jetzt im Grunde ja immer noch nicht, denn es handelte sich in diesen Gesprächen ja nur um Smalltalk. Alle Beteiligten wussten und wissen, dass ein solches Gespräch ja nicht für die Öffentlichkeit (sprich Zeitung) bestimmt war (ist). Keinerlei Gefahr also, demaskiert zu werden.

Noch einmal kurz zurück zur sportlichen Seite des HSV: Tomas Rincon und Gojko Kacar trainieren in diesen Tagen schon wieder eifrig mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Rasen – und mit Ball. Sieht so aus, als könne es mit beiden Spielern schon bald wieder losgehen. Zwei „Neuzugänge“ für den HSV – ist ja nicht verkehrt.

So, in Hamburg hat es doch noch aufgehört zu regnen, Niendorf fällt also nicht ins Wasser (und wird auch kein Wasserball). Ich habe in den Agenturen heute noch drei Meldungen gefunden, die für den einen oder anderen „Matz-abber“ durchaus von Interesse sein könnten. Besonders diese DPA-Meldung (da war doch mal was . . .):

Leipzig – Vermögend, aber bei vielen Fans unbeliebt: Fußball-Regionalligist RasenBallsport Leipzig stand Anfang der Woche zum wiederholten Male kurzfristig ohne Testspielgegner da. Diesmal wollten die Fans von Drittligist Kickers Offenbach kein Spiel gegen den von einem Brausehersteller gesponserten Verein austragen. „Mir war das Politikum RB Leipzig, was viele Fans auch bundesweit bewegt, in diesem Maße nicht bewusst“, gab Geschäftsführer Jörg Hambückers bei der Begründung der Absage zu. Offenbach wandte sich dann mit dem Testspiel-Wunsch an Dynamo Dresden. RB Leipzig fand dagegen keinen Ersatz.

„Wir kommentieren nicht, was bei anderen Vereinen passiert. Unser zukünftiger Erfolg wird nicht von solch einem Testspiel abhängen“, sagte RB-Pressesprecher Sharif Shoukry. Es sei aber mühsam und anstrengend, jedes Mal kurzfristig reagieren zu müssen: „Da steckt immer viel Arbeit im Vorfeld drin“, so Shoukry. Immerhin hatte zuletzt bereits Zweitligist FC Erzgebirge Aue – zu DDR-Zeiten als Wismut Aue selbst eine Betriebssportgemeinschaft – eine lose Testspiel-Anfrage wieder verworfen, nachdem dort Fans ihren Unmut kundtaten.

In der Vorsaison hatten Hessen Kassel und der 1. FC Union Berlin vereinbarte Testspiele gegen RB Leipzig ebenfalls nach Fanprotesten abgesagt und schließlich gleich gegeneinander gespielt. „Ich finde es sehr bedauerlich, wenn Fans aktuell auf den Zug aufspringen und oberflächlich von Tradition reden. Es geht doch bei allen Vereinen ums Geld“, sagte RB-Trainer Alexander Zorniger.

Fanforscher Martin Thein gibt Zorniger recht: „Red Bull ist für viele aktive Fans der Inbegriff der Kommerzialisierung. Aber das ist schon ein wenig scheinheilig, immerhin haben alle Vereine heute Sponsoren.“ Es gehe den Fans aber immer öfter darum, sich öffentlich Gehör zu verschaffen und Kampagnen zu starten, so Thein: „Die Vereine sind vor allem von der Wucht und Dynamik des Internets ein bisschen überfordert. Das zeigt auch, dass den Vereinen mitunter das Gespür fehlt, wie die eigene Fan-Szene zu Themen steht.“ Auch die Reaktionen der Bremer Fans auf den Sponsoren Wiesenhof oder Nürnberg, wo die Fans vehement eine Änderung des Stadionnamens fordern, würden das belegen.

Und dann noch etwas zum Schmunzeln. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man eigentlich laut loslachen und die Verantwortlichen fragen, ob sie nicht lieber auf dem Mond oder auf dem Mars um Punkte kämpfen wollen:

Der Auftritt des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton in der sechsten Liga bei Hassia Bingen nimmt immer abstrusere Formen an. Wie die Bild-Zeitung berichtet, verlangt der Verein des früheren Profis von Werder Bremen und Schalke 04 eine Antrittsgebühr bei Auswärtsspielen, sonst läuft Ailton nicht auf.
Auf viel Verständnis stößt das Team des „Kugelblitzes“ damit nicht. „So weit kommt es noch. Man stelle sich vor, der FC Barcelona bringt Messi mit nach München und verlangt von den Bayern, dass sie dafür bezahlen. Dabei schwächt sich Bingen nur selbst, wenn sie Ailton auswärts nicht spielen lassen“, sagte Georg Humbert, Vorstandvorsitzender des TB Jahn Zeiskam.

Dann soll es noch auf Reisen gehen:

Fußball-Bundesligist Hamburger SV wird in drei Monaten ein Testspiel der besonderen Art bestreiten. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink tritt am 8. Dezember beim brasilianischen Traditionsklub Gremio Porto Alegre an und weiht dort die neue „Gremio Arena“ in der Hafenstadt des WM-Gastgebers 2014 ein. „Das ist für alle Beteiligten und vor allem für die Spieler eine tolle Erfahrung“, sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen. „Es ist schön, dass wir uns mit einer brasilianischen Mannschaft messen können.“ Die beiden Teams kennen sich aus dem Weltpokalfinale 1983. Damals gewannen die Südamerikaner gegen den Europapokalsieger der Landesmeister 2:1 nach Verlängerung.

Zuletzt noch in eigener Sache.

Wie von „illiminatus“ vorgeschlagen, möchten wir gerne (wahrscheinlich am kommenden Mittwoch) eine „Matz-ab-live“-Sendung mit euren Fragen (an „Scholle“ und mich) senden. Jetzt seid ihr gefragt: Bitte sammelt in gewohnter Form eure Fragen. Dazu fängt einer an die Fragen in einem Kommentar zu stellen, der nächste kopiert die Fragen vom Vorgänger und stellt seine eigenen hinten an, so dass wir am Ende einen Kommentar mit allen gesammelten Fragen haben. Bitte achtet drauf, dass keine Fragen beim Kopieren verloren gehen (weil ggf. jemand anderes noch schneller beim Posten war).

Das Moderatoren-Team hat die Aufgabe, zwei neutrale „Matz-abber“ einzufangen, die mir und „Scholle“ die Fragen stellen. Es ist dann aber so wie beim Interview mit dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow: Fragen, die unter die Gürtellinie gehen, die fallen selbstverständlich unter den Tisch. Und natürlich wird auch hier eine gewisse Sendezeit nicht überschritten. Notfalls werden die Fragen, die nicht gestellt werden konnten, aufbewahrt und beim nächsten Mal gestellt. Alles klar?

Vom Spiel in Niendorf wird hier (am Ende) nach dem Schlusspfiff (natürlich) berichtet.

So, Spiel beendet, der HSV landet erneut einen Auswärtssieg. Nach einem 9:0-Halbzeitstand gab es einen 11:2-Erfolg beim Oberliga-Klub TSV Niendorf. Vor 2962 zahlenden Zuschauern brannte der HSV in Halbzeit eins ein kleines Feuerwerk ab. Schade, dass der Regen dieses Fest ein wenig (sehr) beeinträchtigte. In der zehnten Minute sorgte Testspieler Valmir Nafiu (18-jähriger Stürmer vom FC Basel) für das frühe Führungstor. Danach trafen Heung Min Son, Janek Sternberg, Nafiu, Tolgay Arslan, Rafael van der Vaart, Son, Arslan, Robert Tesche, Son und Nafiu zum 11:0. Nick Scharkowski und Ebenezer Utz trafen dann für “Scholles” tapferen Niendorfer.
HSV-Testspieler Nafiu hinterließ einen guten Eindruck, die ersten beiden Treffer von ihm waren Marke “Tor des Monats”. Das Sturm-Talent war zwar nicht volle 90 Minuten zu sehen, aber er hatte viele starke Szenen.

Aktualisiert um 20.29 Uhr

17.41 Uhr

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Endlich: Dienstag rollt der Ball im Volkspark

2. Januar 2012

Morgen ist sie vorbei, die Zeit ohne den HSV. Um 15 Uhr stehen die Helden wieder an der Arena auf dem Trainingsplatz. Endlich! Um mit dem Aktuellen zu beginnen: David Jarolim soll nach Auskunft des HSV mit von der Partie sein, auch wenn fast stündlich „etwas passieren“ könnte. Ein Vereinswechsel zum Beispiel. Auch sollen ja noch einige Nachwuchstalente ausgeliehen werden, doch noch ist nichts passiert. Romeo Castelen wird am Mittwoch nicht im Flieger sitzen, wenn es ins Trainingslager nach Marbella geht, dafür ein junger Spieler: Dennis Bergmann von der U 19, ein Mittelfeldspieler. Und auch ein „Neuer“ ist an Bord: Tolgay Arslan. Der Mittelfeldspieler lag nun ein halbes Jahr auf Eis, weil er im Vorbereitungsspiel gegen Wolfsburg umgetreten worden war, nun aber ist Arslan zurück. Er hat über Weihnachten und den Jahreswechsel eisern trainiert, fängt also in Spanien nicht ganz bei Null an.

Im Moment, gebe ich zu, sitze ich in der Redaktion und sehe fern. Sport 1, das Altherren-Turnier in Oldenburg. Gerade hat Hannover 96 gegen Werder Bremen 2:3 verloren. Bei 96 spielten Martin Groth und Andre Breitenreiter mit, bei Werder Frank Ordenewitz und kleines, dickes Ailton. Er schoss den Siegtreffer. Kurz bevor er ins Dschungelcamp geht. Dazu gab es ja aus Euren Reihen einen kleinen Schmunzel-Beitrag von „hekto“:
„Danke für den Blog nett zu lesen.
Aber dieses Ehemaligen aus den Untiefen raus holen, mag ich nicht.
Wenn denn einer dieser Ehemaligen was drauf hat und wirklich was reißen
könnte, wäre er eben kein Ehemaliger mit nichts außer großen Worten, der im
Augenblick nach ein wenig Anerkennung sucht. Für solche Problemfälle haben
wir ja das Dschungelcamp, oder die bald stattfindende Staffel ehemaliger
Fußballgott sucht Frau. Lets Dance oder so etwas.“

Dschungelcamp war das Stichwort. Ailton hat ja immer noch sein bestes Kampfgewicht, so wie er einst in Hamburg antrat: 177 Kilo. Ich freue mich schon darauf, wenn er Ameisen, Kröten und Kakerlaken essen wird und muss. Und wenn er das macht, dann wünsche ich ihm stets noch eine Extra-Portion an Kamel-Hoden und Lurch-Augen. Er sollte dabei immer an den Fehlschuss gegen Werder Bremen denken (müssen), als das Bremer Tor leer war, er die Kugel aber voll in die Hamburger Dschungel-Nacht drosch – der Frosch. Er hatte ja einst sein ganzes Geld auf die hohe Kante gelegt, aber von da muss die ganze Kohle runter gefallen sein – ins Nichts. Und nun? Er ist alt und braucht neues Geld. Hoffentlich schluckt er deshalb richtig viele Kröten . . .

Nun gut, das war ein kleiner Abstecher ins Dschungelcamp. Er sei mir verziehen.

Wobei ich, passend zu Silvester, noch schnell einige Dinge loswerden möchte, die ich mir vorher schon parat gelegt hatte. Motto: Aus dem Nähkästchen geplaudert. Lustige Sachen – und nicht ganz so lustige.

Vor viele, vielen Jahren, als die Journalisten noch in den Innenraum des Volksparkstadions durften, gab es vor einem Bundesliga-Kick bei schönstem Sonnenschein ein Vorspiel. Es prallten die Frauen-Mannschaften von Hamburg und Berlin aufeinander. Ich trat gerade an die Torauslinie, als es einen Eckstoß für Hamburg vor der Ostkurve gab. Kurz bevor die Hamburgerin den Ball zur Mitte bringen wollte, ertönte ein Pfiff des Schiedsrichters. Ich würde diese Geschichte nicht schreiben, wenn dieser Mann noch pfeifen würde, aber so . . .

Peter Hülsing (Altona 93) blies in seine Pfeife, hob den linken Arm zum Zeichen des „Stopps“ und sagte der Hamburger Schützin: „Mooooooment mal, noch nicht schießen – erst muss ich mal meinen Freud Dieter begrüßen.“ Er tat, wie angekündigt, gab mir kurz die Hand, begrüßte mich nett – und pfiff dann an: „So, bitte!”

Dann war da noch Gert „Charly“ Dörfel, mit dem ich bei HH1 2006 eine WM-Sendung machen durfte. Beim Schminken verriet „Charly“: „Ich habe eine Wette laufen, ich muss in dieser Sendung das Wort Darmspiegelung unterbringen.“ Machte er, indem er über die Nationalmannschaft herzog, die gerade in Hamburg China mit 1:0 aus dem Stadion gefegt hatte. Dörfel: „Die Flanken, die die Jungs da schlagen, die bringe ich heute noch aus dem Stand – und sogar nach einer Darmspiegelung . . .“ Wette gewonnen.

Dann gab es noch eine traurige Geschichte. Länderspiel in Teheran, das war am 9. Oktober 2004: Die deutschen Journalisten waren in einem anderen Hotel untergebracht, als das DFB-Team. Als ich eincheckte, öffnete sich die Fahrstuhltür (eine von acht) – und vor mir stand Mehdi Mahdavikia. Ausgerechnet er. Welch ein Zufall. Wir fielen uns in die Arme, quatschten noch eine Weile und erfuhr dabei, dass die iranische Nationalmannschaft in diesem Hotel logierte. Ich hatte in der Heimat kurz vor dem Abflug noch eine ganz besondere Bitte mitgenommen: Eine (mir unbekannte) Frau rief mich an und bat mich, ein Mahdavikia-Trikot für ihren an Krebs erkrankten kleinen Sohn, der Mehdi-Fan war, zu erbetteln. Ich fragte Mehdi, er sagte sofort zu – und versprach mir das Trikot bei seiner Rückkehr nach Hamburg. Als ich aber wieder in der Redaktion saß, erhielt ich abermals einen Anruf dieser Frau – ihr Sohn war gestorben. Mehdi und ich waren total betroffen und traurig.

Nochmals zu dieser Iran-Reise. Es war schon etwas Ungewöhnliches und Außergewöhnliches. Nie vorher und nie nachher habe ich erlebt, wie eine deutsche Nationalmannschaft im Ausland so begeistert gefeiert wurde. Und wir Journalisten hatten einen Abend eine Einladung vom persischen Presse-Verband (wo es trotz Alkoholverbots Alkohol bis zum Abwinken gab). Ich war aber nicht mit, weil ich im Nati-Hotel, zehn Kilometer entfernt, eine Verabredung mit meinem Freund Peter (ein Freund der Nationalmannschaft, FdN) hatte. Ich lag deshalb noch eine Stunde in der Badewanne, ging dann runter ins Foyer – per Fahrstuhl. Als ich raus kam, sprach mich ein etwa 1,90 Meter großer Mann, der im schwarzen Ledermantel an mich herantrat, an – perfekt Deutsch sprechend: „Sie sind doch deutscher Journalist, oder?“ Ich: „Ja“. Er: „Was machen Sie denn noch hier, Sie sind doch alle eingeladen.“ Meine Antwort: „Ich habe eine Verabredung.“ Er: „Wo?“ Ich: „Im deutschen Mannschaftshotel.“ Er: „Mit wem?“ Ich: „Mit einem deutschen Fan.“ Er: „Aha. Ich werde Ihnen ein Taxi besorgen.“
Das tat er dann, obwohl so viele Taxis vor dem Hotel standen, ich hätte selbst eines finden können. Er gab dem Fahrer aber die Anweisung, wohin er mich zu fahren hätte: inds deutsche Mannschaftshotel.
Das war eine etwas mulmige Geschichte . . . Aber alles ging glatt. Und: Im Mannschaftshotel wurde ich schon erwartet und in Empfang genommen, ich konnte keinen einzigen unbeobachteten Schritt machen. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung im Fußball.

So, zurück nun zum ganz normalen Fußball. Und zum HSV. Da hatte es ja heute die Kai-Schiller-Geschichte über Bernd Hoffmann im Hamburger Abendblatt gegeben. Hat einigen Wirbel ausgelöst – wie erwartet. Dazu nahm, auch erwartet, der Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff Stellung. Er schrieb, für diejenigen, die es noch nicht kennen (oder nicht erhalten):

„Liebe Mitglieder,
im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 15.1. hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr detailliert öffentlich Stellung zu beziehen, weil Sie einen Anspruch haben und ich es für mehr als richtig empfinde, Sie aus erster Hand in dem mündlichen Bericht des Aufsichtsrats über aktuelle Themen zuerst zu informieren.
Bei diesem Vorsatz bleibe ich, auch wenn damit zu rechnen ist, dass nach einem heute erschienenen Artikel im Hamburger Abendblatt mit weiterer Berichterstattung zum Thema Aufarbeitung in Sachen der Ära unserer ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann zu rechnen ist.

Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung nach einer juristischen Bewertung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen und zur Kommunikation in der Mitgliederversammlung getroffen. Darüber werden wir Ihnen mit der gebotenen Ausführlichkeit in der Mitgliederversammlung Bericht erstatten. Das wird auf sachliche und unaufgeregte Weise geschehen. Wenn gezielt eine emotionale Aufladung im Vorwege erzeugt werden soll, verurteile ich das. Dadurch werden zu einer Unzeit Prioritäten verschoben.

Natürlich werden wir wie beschlossen die Aufklärung unserer Mitglieder betreiben. Aber danach haben wir volle Konzentration auf die wirklich aktuellen Themen des Vereins zu lenken. Der Vorstand hat in hervorragender Weise die Führung unseres Vereins in der Hand, er ist zusammen mit dem Trainerstab voll fokussiert auf die Umsetzung unserer neuen, sehr Erfolg versprechenden Philosophie, die dem gesamten Verein nützlich sein wird. Der Aufsichtrat unterstützt einhellig den eingeschlagenen Weg.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie am 15. Januar zur Mitgliederversammlung recht zahlreich erscheinen.“

Otto Rieckhoff
Vorsitzender des Aufsichtsrats

Es könnte vielleicht doch ein wenig brisanter zugehen, als ich noch vor Tagen gedacht habe . . .

Und: Ich hatte bereits vor Wochen prophezeit, dass irgendwann auch Einzelheiten der Hoffmann-Ära ans Tageslicht kommen werden. Nun ist der Anfang gemacht.

Um noch ein kleines Mal sportlich zu werden:

Der HSV bereitet sich mit vier Testspielen während des Winter-Trainingslagers in Marbella (Spanien – 4. bis 12. Januar) auf die Rückrunde vor. Die Gegner der Hanseaten heißen SC Lokeren (6. Januar), FC Brügge mit Trainer Christoph Daum (beide Belgien, 8. Januar), ADO Den Haag (Niederlande, 10. Januar) und zum Abschluss UD Marbella (11. Januar). Bevor die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink am 22. Januar zum Auftakt der Rückrunde den deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt, steht noch ein letzter Test gegen Arminia Bielefeld (14. Januar) auf dem Programm.
Sorry, es ist heute etwas “dünner” geworden, aber das ist die Ruhe vor dem großen Sturm (in die Rückrunde).
Dann bis morgen, Training um 15 Uhr. Den Bericht wird es am Abend geben, am Mittwoch übernimmt dann „Scholle“, der für „Matz ab“ mit ins Trainingslager gehen wird. Er hat es sich verdient, schließlich hat er kürzlich zwei Monate am Stück gearbeitet. Und ich habe, weil es bei uns daheim eine außergewöhnliche Situation gegeben hatte (Krankheit), noch fast den gesamten Urlaub von 2011, so dass der nun auch noch genommen werden muss.

18.51 Uhr

Nächste Einträge »