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“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Aufwachen Teil zwei – es muss etwas passieren!

7. September 2012

In der Ruhe liegt die Kraft. Beim HSV ist in den Tagen der Länderspielpause fast alles fast auf Null zurückgefahren. An diesem Morgen wurde eine Stunde im Volkspark trainiert, es waren die letzten Aufrechten, die dabei mitmachten. Und an diesem Freitag wird dann ja auch noch in Niendorf gespielt, um 18.30 Uhr – mit dem letzten Aufgebot. Trainer Thorsten Fink hat zehn Feldspieler zur Verfügung, holt sich noch zwei, drei A-Jugendspieler dazu – für den Fall der Fälle. Hoffentlich haben alle schon ihren Freischwimmer gemacht . . .

Für die Trainings-Kiebitze lohnt sich allerdings trotz der Tatsache, dass nur wenige Profis anwesend sind, ein Gang in den Volkspark, denn Rafael van der Vaart ist ja dabei. Und ist natürlich besonders nach der Einheit heiß begehrt. Was ich beobachtet habe: „Raffa“ erfüllt alle Wünsche, er schreibt und schreibt und lässt sich bereitwillig fotografieren. Allein, zu zweit oder in der Gruppe. Das ist schon vorbildlich. Für jeden gibt es ein Lächeln, gelegentlich auch einen Klaps auf die Schultern – der Mann versteht es, seine Beliebtheit noch zu forcieren. Wobei ich eines sagen muss: Autogramme zu schreiben ist ja nun auch nicht die schlimmste Beschäftigung. Natürlich geht da etwas Freizeit drauf, aber stellt man sich auf Dauer nur stur, dürfte der Bekanntheitsgrad auch schnell dahinschmelzen. Und wenn ich so an Uwe Seeler denke, wie viele Autogramme der Mittelstürmer Nummer eins bereits in seinem Leben gegeben hat, und wie viele er noch schreiben wird (unermüdlich und mit einem Lächeln und oft auch mit einem Spruch auf den Lippen), dann hat Rafael van der Vaart noch so einiges vor sich. Aber auch das gehört eben zum Leben eines Profi-Fußballers dazu . . .

Und er, der „kleine Engel“, ist ja nun mal der große Hoffnungsträger des HSV. An ihn klammern sich in diesen Tagen alle, und ich werde, nicht nur beim Training, immer wieder gefragt, was ich denn so denke? Geht es mit van der Vaart wieder bergauf mit dem HSV?

Meine Antwort: „Er allein wird es ganz sicher nicht richten können. Zum Glück aber hat er nun schon Könner wie Milan Badelj und Petr Jiracek an seiner Seite, die tüchtig mithelfen werden, den HSV wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Ohne diese beiden Zugänge würde auch ein Rafael van der Vaart total überfordert sein, aber zum Glück sind diese drei neuen Spieler ja noch geholt worden (oder die zwei – Badelj war ja schon Wochen vorher verpflichtet), sonst hätte ich in der Tat keinen Pfifferling mehr auf den Erstliga-Klub HSV gegeben. Im Gegensatz zu Sportchef und Trainer, die ja auch so vom Klassenerhalt überzeugt waren – das Gegenteil ist nun nicht mehr zu beweisen. Denn jetzt, und das habe ich heute beim Training mindestens vier HSV-Fans gesagt, bin ich vom Nicht-Abstieg des HSV restlos überzeugt. Obwohl ich in Richtung des 125. Geburtstages durchaus noch ein wenig skeptisch bin. So sehr viele Punkte wird der HSV am Abend des 29. September 2012 noch nicht auf seinem Konto haben – aber dann geht sollte es mal wieder losgehen.

Und wo ich gerade eben bei Sportchef (und Trainer) war. Gefragt wurde ich an diesem Morgen auch, warum ich in Sachen Frank Arnesen gestern nichts mehr geschrieben habe. Meine Antwort: „Weil ich das Gefühl habe, dass die Liebeserklärung, die alle abgegeben haben, nur vorläufig und auch nur oberflächlich ist. Hinter den Kulissen herrscht ein buntes Treiben, da geht es hoch her und auch ganz schön zur Sache. Da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen, und deswegen warte ich mal ab, wie sich das alles noch entwickeln wird.“ Ich denke mal, dass da doch noch Köpfe rollen werden . . . Aber abwarten.

Zu diesem Thema hatte ich gestern auch noch einen Anruf eines großen HSVers erhalten. Ihm habe ich im Laufe des Gesprächs gesagt: „Wie weit ist es in einem Sportverein eigentlich gekommen, wenn zu einem Treffen zwischen der Klub-Führung und dem Sportchef zwei Anwälte mitgebracht werden? Mehr Misstrauen geht ja wohl gar nicht, oder?“
Das ist doch so, als wenn es im Hause Matz eine Aussprache gäbe – und Frau M. und Herr M. bringen beide gleich ihre Scheidungsanwälte mit. Nein, meine Herren, das muss schon eine ganz besondere Situation sein, wenn „Mann“ gleich solche Geschütze auffährt. Aber diese Herren wissen eben, woran sie sind. Dass da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, sondern dass eine „Kriegerklärung“ kurz bevor steht.
Und – wer sich jetzt über dieses Wort echauffiert, der sollte sich, bevor er lospoltert, vielleicht nur noch einmal die Tatsache vor Augen führen: Besprechung beim HSV, und zwei Seiten bringen ihre Anwälte mit! Das ist ein Novum. Mein Gott, wie weit ist es mit diesem Klub schon gekommen? Und wie weit soll es noch gehen?

Bei der Gelegenheit: Ich möchte mich bei allen kleinen und großen HSVern bedanken, die mir per Anruf, sms oder per Mail zu meinem heutigen Artikel im Abendblatt gratuliert haben. Es waren auch Leute vom ganz großen Kaliber (von HSVern) dabei, und das macht mich schon ein wenig stolz. Noch besser allerdings wäre es, wenn das alles endlich einmal Konsequenzen jener Art hätte, dass der gesamte Verein wach wird und es einen Ruck durch diesen Klub gäbe. Mal im Ernst, so darf es doch nicht weitergehen, in dieser Form wird der HSV doch früher oder später an die Wand gefahren. Wenn ich vor Wochen hier noch geschrieben habe, dass die sportliche Führung endlich aufwachen sollte, damit es nicht im Sturz in Liga zwei endet, so möchte ich heute jenen Verantwortlichen, die diesen Verein lenken, zurufen: „Liebe Leute, wacht auf, stellt euer Ego ins zweite Glied, denkt an diesen ruhmreichen HSV und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Wacht auf und handelt nicht in eurem Sinne, sondern nur und einzig und allein im Sinne des Hamburger Sport-Vereins.“

Und damit ist jetzt nicht nur die Klub-Führung gemeint, sondern alle, die von sich glauben, dass es ohne sie in diesem Klub nicht geht. Bitte wacht auf!

Bei der Gelegenheit: Am Montag war ich bei der 19. Hamburger Soiree (im Hotel Vier Jahreszeiten), als Thorsten Fink und sein Trainer-Kollege Andre Schubert vom Nachbarn St. Pauli interviewt wurden. Da gab es vorher und nachher die Gelegenheit, mit HSVern und dem HSV nahestehenden Männern zu sprechen. Und so war es wohl auch gestern, beim HSV-Golf, an dem ja auch einige Spieler teilnahmen. Da wurde danach auch noch eifrig geklönt. Bei beiden Veranstaltungen wurde hinter der vorgehaltenen Hand auch (natürlich) über die aktuelle Entwicklung des HSV gesprochen. Ich war schon erstaunt, wie schonungslos offen über einen besonderen Punkt gesprochen wurde: die Leistungsfähigkeit des HSV – vornehmlich in der vergangene Saison.

Ihr erinnert euch: Niederlagen waren schon zwei Stunden später Fast-Siege, grottenschlechte Leistungen waren schon sehr bald solide Leistungen, der Mannschaft, die einen Schritt vor dem Abgrund stand, wurde immer und immer wieder die absolute Erstliga-Tauglichkeit zugesprochen. Obwohl alle Experten und viele, viele Fans stets ganz andere Spiele des HSV wahrgenommen hatten.
Mit einem Wort, es ging ums Schönreden. Darin war der HSV 2011/12 meisterlich. Was mich in dieser Woche aber besonders wunderte ist die Tatsache, dass das wohl alle HSVer so gesehen haben und hatten. Nur haben sie nie etwas dazu gesagt. Aber nun.
Wieso aber nun?

Warum sind jene Leute, die Einfluss haben oder einst hatten, nicht schon viel früher mal an die Öffentlichkeit gegangen und haben gesagt: „Wir haben die Nase voll. Hier werden uns Leistungen, die unter aller Kanone sind, als großartig verkauft. Als wenn wir alle dusselig wären . . .“
Das aber ist nie geschehen. Und jetzt im Grunde ja immer noch nicht, denn es handelte sich in diesen Gesprächen ja nur um Smalltalk. Alle Beteiligten wussten und wissen, dass ein solches Gespräch ja nicht für die Öffentlichkeit (sprich Zeitung) bestimmt war (ist). Keinerlei Gefahr also, demaskiert zu werden.

Noch einmal kurz zurück zur sportlichen Seite des HSV: Tomas Rincon und Gojko Kacar trainieren in diesen Tagen schon wieder eifrig mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Rasen – und mit Ball. Sieht so aus, als könne es mit beiden Spielern schon bald wieder losgehen. Zwei „Neuzugänge“ für den HSV – ist ja nicht verkehrt.

So, in Hamburg hat es doch noch aufgehört zu regnen, Niendorf fällt also nicht ins Wasser (und wird auch kein Wasserball). Ich habe in den Agenturen heute noch drei Meldungen gefunden, die für den einen oder anderen „Matz-abber“ durchaus von Interesse sein könnten. Besonders diese DPA-Meldung (da war doch mal was . . .):

Leipzig – Vermögend, aber bei vielen Fans unbeliebt: Fußball-Regionalligist RasenBallsport Leipzig stand Anfang der Woche zum wiederholten Male kurzfristig ohne Testspielgegner da. Diesmal wollten die Fans von Drittligist Kickers Offenbach kein Spiel gegen den von einem Brausehersteller gesponserten Verein austragen. „Mir war das Politikum RB Leipzig, was viele Fans auch bundesweit bewegt, in diesem Maße nicht bewusst“, gab Geschäftsführer Jörg Hambückers bei der Begründung der Absage zu. Offenbach wandte sich dann mit dem Testspiel-Wunsch an Dynamo Dresden. RB Leipzig fand dagegen keinen Ersatz.

„Wir kommentieren nicht, was bei anderen Vereinen passiert. Unser zukünftiger Erfolg wird nicht von solch einem Testspiel abhängen“, sagte RB-Pressesprecher Sharif Shoukry. Es sei aber mühsam und anstrengend, jedes Mal kurzfristig reagieren zu müssen: „Da steckt immer viel Arbeit im Vorfeld drin“, so Shoukry. Immerhin hatte zuletzt bereits Zweitligist FC Erzgebirge Aue – zu DDR-Zeiten als Wismut Aue selbst eine Betriebssportgemeinschaft – eine lose Testspiel-Anfrage wieder verworfen, nachdem dort Fans ihren Unmut kundtaten.

In der Vorsaison hatten Hessen Kassel und der 1. FC Union Berlin vereinbarte Testspiele gegen RB Leipzig ebenfalls nach Fanprotesten abgesagt und schließlich gleich gegeneinander gespielt. „Ich finde es sehr bedauerlich, wenn Fans aktuell auf den Zug aufspringen und oberflächlich von Tradition reden. Es geht doch bei allen Vereinen ums Geld“, sagte RB-Trainer Alexander Zorniger.

Fanforscher Martin Thein gibt Zorniger recht: „Red Bull ist für viele aktive Fans der Inbegriff der Kommerzialisierung. Aber das ist schon ein wenig scheinheilig, immerhin haben alle Vereine heute Sponsoren.“ Es gehe den Fans aber immer öfter darum, sich öffentlich Gehör zu verschaffen und Kampagnen zu starten, so Thein: „Die Vereine sind vor allem von der Wucht und Dynamik des Internets ein bisschen überfordert. Das zeigt auch, dass den Vereinen mitunter das Gespür fehlt, wie die eigene Fan-Szene zu Themen steht.“ Auch die Reaktionen der Bremer Fans auf den Sponsoren Wiesenhof oder Nürnberg, wo die Fans vehement eine Änderung des Stadionnamens fordern, würden das belegen.

Und dann noch etwas zum Schmunzeln. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man eigentlich laut loslachen und die Verantwortlichen fragen, ob sie nicht lieber auf dem Mond oder auf dem Mars um Punkte kämpfen wollen:

Der Auftritt des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton in der sechsten Liga bei Hassia Bingen nimmt immer abstrusere Formen an. Wie die Bild-Zeitung berichtet, verlangt der Verein des früheren Profis von Werder Bremen und Schalke 04 eine Antrittsgebühr bei Auswärtsspielen, sonst läuft Ailton nicht auf.
Auf viel Verständnis stößt das Team des „Kugelblitzes“ damit nicht. „So weit kommt es noch. Man stelle sich vor, der FC Barcelona bringt Messi mit nach München und verlangt von den Bayern, dass sie dafür bezahlen. Dabei schwächt sich Bingen nur selbst, wenn sie Ailton auswärts nicht spielen lassen“, sagte Georg Humbert, Vorstandvorsitzender des TB Jahn Zeiskam.

Dann soll es noch auf Reisen gehen:

Fußball-Bundesligist Hamburger SV wird in drei Monaten ein Testspiel der besonderen Art bestreiten. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink tritt am 8. Dezember beim brasilianischen Traditionsklub Gremio Porto Alegre an und weiht dort die neue „Gremio Arena“ in der Hafenstadt des WM-Gastgebers 2014 ein. „Das ist für alle Beteiligten und vor allem für die Spieler eine tolle Erfahrung“, sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen. „Es ist schön, dass wir uns mit einer brasilianischen Mannschaft messen können.“ Die beiden Teams kennen sich aus dem Weltpokalfinale 1983. Damals gewannen die Südamerikaner gegen den Europapokalsieger der Landesmeister 2:1 nach Verlängerung.

Zuletzt noch in eigener Sache.

Wie von „illiminatus“ vorgeschlagen, möchten wir gerne (wahrscheinlich am kommenden Mittwoch) eine „Matz-ab-live“-Sendung mit euren Fragen (an „Scholle“ und mich) senden. Jetzt seid ihr gefragt: Bitte sammelt in gewohnter Form eure Fragen. Dazu fängt einer an die Fragen in einem Kommentar zu stellen, der nächste kopiert die Fragen vom Vorgänger und stellt seine eigenen hinten an, so dass wir am Ende einen Kommentar mit allen gesammelten Fragen haben. Bitte achtet drauf, dass keine Fragen beim Kopieren verloren gehen (weil ggf. jemand anderes noch schneller beim Posten war).

Das Moderatoren-Team hat die Aufgabe, zwei neutrale „Matz-abber“ einzufangen, die mir und „Scholle“ die Fragen stellen. Es ist dann aber so wie beim Interview mit dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow: Fragen, die unter die Gürtellinie gehen, die fallen selbstverständlich unter den Tisch. Und natürlich wird auch hier eine gewisse Sendezeit nicht überschritten. Notfalls werden die Fragen, die nicht gestellt werden konnten, aufbewahrt und beim nächsten Mal gestellt. Alles klar?

Vom Spiel in Niendorf wird hier (am Ende) nach dem Schlusspfiff (natürlich) berichtet.

So, Spiel beendet, der HSV landet erneut einen Auswärtssieg. Nach einem 9:0-Halbzeitstand gab es einen 11:2-Erfolg beim Oberliga-Klub TSV Niendorf. Vor 2962 zahlenden Zuschauern brannte der HSV in Halbzeit eins ein kleines Feuerwerk ab. Schade, dass der Regen dieses Fest ein wenig (sehr) beeinträchtigte. In der zehnten Minute sorgte Testspieler Valmir Nafiu (18-jähriger Stürmer vom FC Basel) für das frühe Führungstor. Danach trafen Heung Min Son, Janek Sternberg, Nafiu, Tolgay Arslan, Rafael van der Vaart, Son, Arslan, Robert Tesche, Son und Nafiu zum 11:0. Nick Scharkowski und Ebenezer Utz trafen dann für “Scholles” tapferen Niendorfer.
HSV-Testspieler Nafiu hinterließ einen guten Eindruck, die ersten beiden Treffer von ihm waren Marke “Tor des Monats”. Das Sturm-Talent war zwar nicht volle 90 Minuten zu sehen, aber er hatte viele starke Szenen.

Aktualisiert um 20.29 Uhr

17.41 Uhr

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Endlich: Dienstag rollt der Ball im Volkspark

2. Januar 2012

Morgen ist sie vorbei, die Zeit ohne den HSV. Um 15 Uhr stehen die Helden wieder an der Arena auf dem Trainingsplatz. Endlich! Um mit dem Aktuellen zu beginnen: David Jarolim soll nach Auskunft des HSV mit von der Partie sein, auch wenn fast stündlich „etwas passieren“ könnte. Ein Vereinswechsel zum Beispiel. Auch sollen ja noch einige Nachwuchstalente ausgeliehen werden, doch noch ist nichts passiert. Romeo Castelen wird am Mittwoch nicht im Flieger sitzen, wenn es ins Trainingslager nach Marbella geht, dafür ein junger Spieler: Dennis Bergmann von der U 19, ein Mittelfeldspieler. Und auch ein „Neuer“ ist an Bord: Tolgay Arslan. Der Mittelfeldspieler lag nun ein halbes Jahr auf Eis, weil er im Vorbereitungsspiel gegen Wolfsburg umgetreten worden war, nun aber ist Arslan zurück. Er hat über Weihnachten und den Jahreswechsel eisern trainiert, fängt also in Spanien nicht ganz bei Null an.

Im Moment, gebe ich zu, sitze ich in der Redaktion und sehe fern. Sport 1, das Altherren-Turnier in Oldenburg. Gerade hat Hannover 96 gegen Werder Bremen 2:3 verloren. Bei 96 spielten Martin Groth und Andre Breitenreiter mit, bei Werder Frank Ordenewitz und kleines, dickes Ailton. Er schoss den Siegtreffer. Kurz bevor er ins Dschungelcamp geht. Dazu gab es ja aus Euren Reihen einen kleinen Schmunzel-Beitrag von „hekto“:
„Danke für den Blog nett zu lesen.
Aber dieses Ehemaligen aus den Untiefen raus holen, mag ich nicht.
Wenn denn einer dieser Ehemaligen was drauf hat und wirklich was reißen
könnte, wäre er eben kein Ehemaliger mit nichts außer großen Worten, der im
Augenblick nach ein wenig Anerkennung sucht. Für solche Problemfälle haben
wir ja das Dschungelcamp, oder die bald stattfindende Staffel ehemaliger
Fußballgott sucht Frau. Lets Dance oder so etwas.“

Dschungelcamp war das Stichwort. Ailton hat ja immer noch sein bestes Kampfgewicht, so wie er einst in Hamburg antrat: 177 Kilo. Ich freue mich schon darauf, wenn er Ameisen, Kröten und Kakerlaken essen wird und muss. Und wenn er das macht, dann wünsche ich ihm stets noch eine Extra-Portion an Kamel-Hoden und Lurch-Augen. Er sollte dabei immer an den Fehlschuss gegen Werder Bremen denken (müssen), als das Bremer Tor leer war, er die Kugel aber voll in die Hamburger Dschungel-Nacht drosch – der Frosch. Er hatte ja einst sein ganzes Geld auf die hohe Kante gelegt, aber von da muss die ganze Kohle runter gefallen sein – ins Nichts. Und nun? Er ist alt und braucht neues Geld. Hoffentlich schluckt er deshalb richtig viele Kröten . . .

Nun gut, das war ein kleiner Abstecher ins Dschungelcamp. Er sei mir verziehen.

Wobei ich, passend zu Silvester, noch schnell einige Dinge loswerden möchte, die ich mir vorher schon parat gelegt hatte. Motto: Aus dem Nähkästchen geplaudert. Lustige Sachen – und nicht ganz so lustige.

Vor viele, vielen Jahren, als die Journalisten noch in den Innenraum des Volksparkstadions durften, gab es vor einem Bundesliga-Kick bei schönstem Sonnenschein ein Vorspiel. Es prallten die Frauen-Mannschaften von Hamburg und Berlin aufeinander. Ich trat gerade an die Torauslinie, als es einen Eckstoß für Hamburg vor der Ostkurve gab. Kurz bevor die Hamburgerin den Ball zur Mitte bringen wollte, ertönte ein Pfiff des Schiedsrichters. Ich würde diese Geschichte nicht schreiben, wenn dieser Mann noch pfeifen würde, aber so . . .

Peter Hülsing (Altona 93) blies in seine Pfeife, hob den linken Arm zum Zeichen des „Stopps“ und sagte der Hamburger Schützin: „Mooooooment mal, noch nicht schießen – erst muss ich mal meinen Freud Dieter begrüßen.“ Er tat, wie angekündigt, gab mir kurz die Hand, begrüßte mich nett – und pfiff dann an: „So, bitte!”

Dann war da noch Gert „Charly“ Dörfel, mit dem ich bei HH1 2006 eine WM-Sendung machen durfte. Beim Schminken verriet „Charly“: „Ich habe eine Wette laufen, ich muss in dieser Sendung das Wort Darmspiegelung unterbringen.“ Machte er, indem er über die Nationalmannschaft herzog, die gerade in Hamburg China mit 1:0 aus dem Stadion gefegt hatte. Dörfel: „Die Flanken, die die Jungs da schlagen, die bringe ich heute noch aus dem Stand – und sogar nach einer Darmspiegelung . . .“ Wette gewonnen.

Dann gab es noch eine traurige Geschichte. Länderspiel in Teheran, das war am 9. Oktober 2004: Die deutschen Journalisten waren in einem anderen Hotel untergebracht, als das DFB-Team. Als ich eincheckte, öffnete sich die Fahrstuhltür (eine von acht) – und vor mir stand Mehdi Mahdavikia. Ausgerechnet er. Welch ein Zufall. Wir fielen uns in die Arme, quatschten noch eine Weile und erfuhr dabei, dass die iranische Nationalmannschaft in diesem Hotel logierte. Ich hatte in der Heimat kurz vor dem Abflug noch eine ganz besondere Bitte mitgenommen: Eine (mir unbekannte) Frau rief mich an und bat mich, ein Mahdavikia-Trikot für ihren an Krebs erkrankten kleinen Sohn, der Mehdi-Fan war, zu erbetteln. Ich fragte Mehdi, er sagte sofort zu – und versprach mir das Trikot bei seiner Rückkehr nach Hamburg. Als ich aber wieder in der Redaktion saß, erhielt ich abermals einen Anruf dieser Frau – ihr Sohn war gestorben. Mehdi und ich waren total betroffen und traurig.

Nochmals zu dieser Iran-Reise. Es war schon etwas Ungewöhnliches und Außergewöhnliches. Nie vorher und nie nachher habe ich erlebt, wie eine deutsche Nationalmannschaft im Ausland so begeistert gefeiert wurde. Und wir Journalisten hatten einen Abend eine Einladung vom persischen Presse-Verband (wo es trotz Alkoholverbots Alkohol bis zum Abwinken gab). Ich war aber nicht mit, weil ich im Nati-Hotel, zehn Kilometer entfernt, eine Verabredung mit meinem Freund Peter (ein Freund der Nationalmannschaft, FdN) hatte. Ich lag deshalb noch eine Stunde in der Badewanne, ging dann runter ins Foyer – per Fahrstuhl. Als ich raus kam, sprach mich ein etwa 1,90 Meter großer Mann, der im schwarzen Ledermantel an mich herantrat, an – perfekt Deutsch sprechend: „Sie sind doch deutscher Journalist, oder?“ Ich: „Ja“. Er: „Was machen Sie denn noch hier, Sie sind doch alle eingeladen.“ Meine Antwort: „Ich habe eine Verabredung.“ Er: „Wo?“ Ich: „Im deutschen Mannschaftshotel.“ Er: „Mit wem?“ Ich: „Mit einem deutschen Fan.“ Er: „Aha. Ich werde Ihnen ein Taxi besorgen.“
Das tat er dann, obwohl so viele Taxis vor dem Hotel standen, ich hätte selbst eines finden können. Er gab dem Fahrer aber die Anweisung, wohin er mich zu fahren hätte: inds deutsche Mannschaftshotel.
Das war eine etwas mulmige Geschichte . . . Aber alles ging glatt. Und: Im Mannschaftshotel wurde ich schon erwartet und in Empfang genommen, ich konnte keinen einzigen unbeobachteten Schritt machen. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung im Fußball.

So, zurück nun zum ganz normalen Fußball. Und zum HSV. Da hatte es ja heute die Kai-Schiller-Geschichte über Bernd Hoffmann im Hamburger Abendblatt gegeben. Hat einigen Wirbel ausgelöst – wie erwartet. Dazu nahm, auch erwartet, der Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff Stellung. Er schrieb, für diejenigen, die es noch nicht kennen (oder nicht erhalten):

„Liebe Mitglieder,
im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 15.1. hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr detailliert öffentlich Stellung zu beziehen, weil Sie einen Anspruch haben und ich es für mehr als richtig empfinde, Sie aus erster Hand in dem mündlichen Bericht des Aufsichtsrats über aktuelle Themen zuerst zu informieren.
Bei diesem Vorsatz bleibe ich, auch wenn damit zu rechnen ist, dass nach einem heute erschienenen Artikel im Hamburger Abendblatt mit weiterer Berichterstattung zum Thema Aufarbeitung in Sachen der Ära unserer ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann zu rechnen ist.

Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung nach einer juristischen Bewertung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen und zur Kommunikation in der Mitgliederversammlung getroffen. Darüber werden wir Ihnen mit der gebotenen Ausführlichkeit in der Mitgliederversammlung Bericht erstatten. Das wird auf sachliche und unaufgeregte Weise geschehen. Wenn gezielt eine emotionale Aufladung im Vorwege erzeugt werden soll, verurteile ich das. Dadurch werden zu einer Unzeit Prioritäten verschoben.

Natürlich werden wir wie beschlossen die Aufklärung unserer Mitglieder betreiben. Aber danach haben wir volle Konzentration auf die wirklich aktuellen Themen des Vereins zu lenken. Der Vorstand hat in hervorragender Weise die Führung unseres Vereins in der Hand, er ist zusammen mit dem Trainerstab voll fokussiert auf die Umsetzung unserer neuen, sehr Erfolg versprechenden Philosophie, die dem gesamten Verein nützlich sein wird. Der Aufsichtrat unterstützt einhellig den eingeschlagenen Weg.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie am 15. Januar zur Mitgliederversammlung recht zahlreich erscheinen.“

Otto Rieckhoff
Vorsitzender des Aufsichtsrats

Es könnte vielleicht doch ein wenig brisanter zugehen, als ich noch vor Tagen gedacht habe . . .

Und: Ich hatte bereits vor Wochen prophezeit, dass irgendwann auch Einzelheiten der Hoffmann-Ära ans Tageslicht kommen werden. Nun ist der Anfang gemacht.

Um noch ein kleines Mal sportlich zu werden:

Der HSV bereitet sich mit vier Testspielen während des Winter-Trainingslagers in Marbella (Spanien – 4. bis 12. Januar) auf die Rückrunde vor. Die Gegner der Hanseaten heißen SC Lokeren (6. Januar), FC Brügge mit Trainer Christoph Daum (beide Belgien, 8. Januar), ADO Den Haag (Niederlande, 10. Januar) und zum Abschluss UD Marbella (11. Januar). Bevor die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink am 22. Januar zum Auftakt der Rückrunde den deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt, steht noch ein letzter Test gegen Arminia Bielefeld (14. Januar) auf dem Programm.
Sorry, es ist heute etwas “dünner” geworden, aber das ist die Ruhe vor dem großen Sturm (in die Rückrunde).
Dann bis morgen, Training um 15 Uhr. Den Bericht wird es am Abend geben, am Mittwoch übernimmt dann „Scholle“, der für „Matz ab“ mit ins Trainingslager gehen wird. Er hat es sich verdient, schließlich hat er kürzlich zwei Monate am Stück gearbeitet. Und ich habe, weil es bei uns daheim eine außergewöhnliche Situation gegeben hatte (Krankheit), noch fast den gesamten Urlaub von 2011, so dass der nun auch noch genommen werden muss.

18.51 Uhr

Anitas Sommergeschichte

15. Juli 2010

Liebe geht durch den Magen. Sagt der Volksmund. Liebe geht aber auch mit oder durch den HSV. Diese sommerliche Geschichte von „anita78“ belegt es. Zur Nachahmung empfohlen – oder: Wie das Leben so spielt. Oder die Liebe? Nicht nur zur Raute. Lasst Euch überraschen – vielen Dank, liebe Anita, für diesen Beitrag. Ich wünsche allen „Matz-abbern“ viel Spaß beim Lesen. Los geht es:

Lieber Herr Matz,
ich hoffe, dass ist die richtige Adresse für eine Sommergeschichte. Nachdem ich neulich gelesen habe, dass es so wenig Geschichten von weiblichen HSVern gibt, habe ich beschlossen, meine aufzuschreiben. Vielleicht gefällt sie Ihnen ja, würde mich wirklich freuen.

Viele Grüße, anita78

Umweg über Köln

Als die WM 1990 vor der Tür stand, hat mich das eigentlich erst genervt. Fußball war so gar nicht mein Ding, und ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, was daran spannend sein soll, wenn so viele Männer über einen so langen Zeitraum hinter einem Ball herjagen, und am Ende fallen doch nicht viele Tore. Na gut . . . Ich muss zu meiner Verteidigung sagen: Ich war gerade elf Jahre alt. Eher widerwillig habe ich mir ein paar Spiele angesehen, und war plötzlich begeistert: Besonders der deutsche Spieler mit der Nummer 7 hatte es mir angetan – den Namen Pierre „Litti“ Littbarksi habe ich mir gemerkt.

Zur damaligen Zeit spielte er für den 1.FC Köln, also war mein erster Lieblingsverein schnell gefunden. Obwohl ich eine echte Hamburger Deern bin, fieberte ich seitdem bei jedem Spiel mit dem FC um die Punkte mit. Im gleichen Jahr, als ich konfirmiert wurde, dann der Schock: Litti verlässt Köln und wechselt nicht einfach nur so den Verein, sondern verschwindet gleich bis ganz nach Japan! Allerdings hatten die Kölner da schon einen so festen Platz in meinem Herzen erobert, dass ich ihnen weiter die Daumen gedrückt habe. Offenbar mit Erfolg, denn Jahr um Jahr haben sie den Klassenerhalt geschafft – ausgerechnet in meinem Abi-Jahr hat es dann nicht mehr gereicht, und sie sind abgestiegen. Das war ein Schock – aber abschrecken konnte es mich nicht.

Die Jahre vergingen, es war ein stetes Kölner Auf und Ab – und dann fing ich mein Praktikum in einer Hamburger Online-Redaktion an. Nach ein paar Tagen hieß es plötzlich „Schnapp dir mal eine Kamera, fahr zum HSV-Training und mach dort Fotos für unsere Seite.“ Zuerst dachte ich, es wäre ein Witz. Zum HSV? Ich? Niemals! Natürlich bin ich trotzdem hin gefahren – eher widerwillig stand ich am Trainingsplatz und habe brav meine Bilder geschossen. Mein Bild vom HSV war zu der Zeit nicht gerade das Beste: Beim Besuch der Köln-Spiele in der Arena waren mir vor allem die pöbelnden „Fans“ vor der damaligen Ostkurve aufgefallen, die meinten, sie müssten einen Kölner Schal verbrennen. Wenn der erste bleibende Eindruck so aussieht, ist der Weg zum Fan.

Wie dem auch sei, mein Praktikum dauerte drei Monate, in denen ich viele Tage auf dem Trainingsplatz verbracht habe – ich weiß zum Beispiel noch genau, wie ich stundenlang im Schnee auf Ailton gewartet habe, der gerade verpflichtet worden war.

Es muss wirklich so etwas wie ein HSV-Virus geben, das sich unbemerkt einschleicht und sich dann überall verbreitet – denn irgendwann habe ich mich schon auf die Besuche beim Training gefreut und wenig später sogar gehofft, dass ich wieder hinfahren darf. Dann hat mein Kollege, der die Fotos bei jedem Heimspiel gemacht hat, beschlossen, sich eine Dauerkarte zu kaufen – jetzt wurde ein Ersatz-Fotograf gesucht. Das Virus hatte mich inzwischen voll erwischt, also habe ich mich angeboten und Glück gehabt. Die nächsten zwei Jahre saß ich alle zwei Wochen direkt am Spielfeldrand, war jedes Mal unglaublich aufgeregt – und musste irgendwann aufpassen, dass ich nicht zu laut juble oder schimpfe.

Zu den Spielen bin ich meistens mit meinem Kollegen zusammen gefahren, der mir danach oft noch bei den Spielberichten geholfen hat. Inzwischen sind wir zwar keine Kollegen mehr, dafür seit zweieinhalb Jahren ein Paar, wohnen zusammen – und ich habe natürlich auch eine Dauerkarte. Bei jedem Heimspiel fiebern wir auf der Südtribüne mit, jubeln über Siege, fluchen bei Niederlagen, wundern uns über die ein oder andere Entscheidung und wünschen uns sehnlich den ersten Titel.

Ich gebe zu, bei Spielen gegen den 1. FC Köln schlagen immer noch ein kleines bisschen zwei Herzen in meiner Brust. Nach so langer Zeit legt man das Fan-Sein eben doch nicht so einfach ab. Das ist wohl die einzige Partie, bei der ich mit einem Unentschieden in den meisten Fällen prima leben kann. Ansonsten bin ich inzwischen durch und durch Hamburger Deern. Und meinen Litti-Ersatz habe ich beim HSV seit dem 1. Spiel auch gefunden: Paolo Guerrero finde ich einfach große Klasse und freue mich sehr, dass der Vertrag verlängert wurde. Auf eine tolle Saison!

Viele Grüße, anita78

11.29 Uhr

Sprechstunden-Verlängerung

19. Oktober 2009

Die Dummen sterben nicht aus. Ich meine die Herren, die in manchen Vereinen das Sagen haben. Ihr kennt das bestimmt auch aus den Amateur-Klubs bei Eich um die Ecke. Die stellen Trainer ein, die es schon bei anderen Vereinen nicht geschafft haben, aber diese Dummen hoffen immer noch darauf, dass sie das Ei erfunden haben. Ich komme da nicht mehr mit. So ein Fall ist jetzt der KFC Uerdingen. Der, inzwischen in die sechste Liga abgerutscht (warum wohl?), will doch tatsächlich den lieben, netten und so braven Herrn Ailton verpflichten. Warum nehmen die nicht mich? Ich wäre genauso effektiv, aber ich bräuchte nicht eine Extra-Bratwurst. Na ja, der Trainer könnte mich nach sämtlichen Einheiten ruhig nach Hause fahren, und der Kapitän mir die Mannschaftskasse übergeben, aber das wäre es dann auch schon. Nein, nein, die ticken nicht richtig, die Herren im Westen, es ist unfassbar, was in manchen Präsidium für eine fußballerische Armut herrscht. Vielleicht sollten die als Trainer gleich auch noch Rolf Schafstall verpflichten. So, genug gelästert, nun zur Verlängerung der vierten Sprechzeit.

„Mario“ war gleich mit zwei Fragen dabei. Ob ich einen HSV-Spieler, der erst acht Bundesliga-Spiele gemacht hat, in die Nationalmannschaft empfehlen würde? Ja, ganz eindeutig ja. Wenn ich sehe, dass einer das Talent hat, dann würde ich ihn da sofort reinschmeißen. Erinnert Ihr Euch an Uwe Seeler? Der war ein 17-jähriger Knabe, als Sepp Herberger, der große Sepp Herberger ihn holte. Okay, Seeler ist eine Ausnahme, die Zeiten haben sich geändert, aber trotzdem bleibe ich dabei – immer rein mit ihm. Auch wenn er Thomas Müller heißt. So lange er dem deutschen Fußball hilft, und das muss ja noch abgewartet werden, immer rein mit ihm. Und dann die Frage, ob Felix Magath eigentlich nach seinem Krach mit Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer „gelöhnt“ hat? Hat er. Aber immerhin etwas weniger, als die erst vom Sportgericht aufgerufene Summe. So lange hat der Felix Berufung eingelegt, bis er es etwas billiger bekam – aber gelöhnt hat er dann doch noch.

Für die Hesebeck Home Company schrieb Herr Langbehn und bot zwei Bochum-Karten für Caspar Memering an. Wir werden das weitergeben. Vielen Dank!

„emkei“ fragt, warum Bernardo Romeo gehen musste? Weil Thomas Doll eine etwas anders spielende HSV-Mannschaft auf die Beine stellen wollte. Ihm schwebte ein schnelles (Konter-)Spiel vor, und dafür war Romeo nicht geeignet. Der Argentinier stand doch meistens wie festgewurzelt am Fünfmeterraum und wollte bedient werden, den Ball überv die Linie zu drücken. Okay, das hat er auch gut gemacht, aber was war, wenn der HSV kaum an den Fünfmeterraum kam? Dann hing Romeo in der Luft. Der 32-jährige stürmt übrigens noch immer in der Heimat, und zwar für jenen Klub, von dem aus er einst nach Hamburg gekommen war: Club Atletico San Lorenzo de Almagro.

„Frank“ fragte, warum Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen gehen musste? Es lag wohl nicht an einer gewissen Geldverschleuderung, sondern eher daran, dass mit Wolfgang Holzhäuser ein Mann (vom DFB) als Geschäftsführer kam, der eine etwas andere Vorstellung davon hatte, wie ein solcher Verein zu führen sei. Aus der Ferne würde ich sagen: Holzhäuser war der Beamte, Calmund der Künstler. Das passte einfach nicht, die Herren haben erst gegeneinander gearbeitet, dann knallte es richtig, es gab Hass. Und „Callis“ Ende.

„lo-king-kai“ fragte, ob Uwe Seler nicht bei der Geburtstagsfeier von Gert „Charly“ (wurde kürzlich 70) gewesen sei? Nein, er war nicht. Ich war auf der Barkasse, die mit den Gästen durch den Hafen schipperte (großartig arrangiert und organisiert, Herr Scheel!), wir warteten extra noch fünf Minuten mit dem Ablegen, weil es hieß, dass Uwe Seeler noch kommen würde – aber er kam nicht. Was „lo-king-kai“ schon vermutete, das stimmt sicher (ein bisschen): Beide Ausnahme-Stürmer sind sich noch immer nicht so richtig grün. Aber: Es war auch kein anderer Kollege aus der Meistermannschaft von 1960 mit an Bord, das sollte dem „Charly“ zu denken geben. Er machte dafür Oliver Scheel (mit-)verantwortlich, weil der es eventuell nicht geschafft hatte, die Einladungen rechtzeitig zu verschicken. Das aber muss ich an dieser Stelle eindeutig widerlegen, die Einladungen sind alle draußen gewesen, aber die angeschriebenen Herren hatten einfach keine Lust. Dafür verbürge ich mich, weil ich es nämlich von vier HSV-Meisterspielern persönlich gehört habe.

„Eifelkick“ fragte, ob der Finne Jonatan Johansson, der das 1:0-Siegtor gegen Deutschland schoss, nicht einer für den HSV sei? Sehr gute Frage! Da war ein Fachmann am Werk. Johansson ist inzwschen 34 Jahre alt – und ohne Verein. Zuletzt stürmte er (bis vor kurzem) für Hibernian FC in Schottland. Davor war er, unter anderem, bei Charlton Athletic, Malmö FF, Norwich City und den Glasgow Rangers. Johansson hat seinen Preis, aber könnte der dem HSV sofort helfen? Bruno Labbadia kennt den Finnen natürlich, der HSV-Coach bezog ihn auch mit in seine Überlegungen mit ein – aber offenbar landete Johansson genau neben Ebi Smolarek. Auch wohl deshalb, weil Bruno Labbadia sehr wohl viel von Tolgay Arslan und Tunay Torun hält und ihnen vertraut. Sauber, kann ich nur sagen, Kompliment.

„Lars“ schimpfte auf die 80-Euro-Karte für Deutschland gegen Finnland und war total verärgert über diesen Kick: „Das war eine Sauerei.“ So ist es, und da kann ich auch die Herren vom DFB nicht verstehen, die diese Vorstellung noch verharmlost haben. Ich schließe mich da voll und ganz den Worten unseres Users „Ulrich Lutkus“ an, der genau den treffenden Kommentar bei „Matz ab“ abgegeben hat. Bravo! In diesem Zusammenhang fragte „Lizarazu“, ob ich wirklich mit einem tollen Länderspiel gerechnet hatte? Ja und nein, gebe ich zu. Ja, weil ja alles schon gelaufen war, und dann fast immer ein solches Spiel dabei heraus kommt. Nein, weil ich noch immer die Worte von Joachim Löw bei der abschließenden Pressekonferenz im Ohr habe. Auf die Frage, ob die Zuschauer Spaß haben werden bei diesem Spiel, antwortete Löw: „Es geht hier nicht nur um Spaß, sondern auch um Ernst, denn es ist ein WM-Qualifikationsspiel, wir wollen die Qualifikation mit einem guten Spiel abschließen.“ Der Bundestrainer wollte, weil ich ihm diese Worte abnehme, aber die Spieler wollten eben nicht so sehr, das ist sein Dilemma.

Und noch einmal zum „Länderspiel“. „Martin“ war erstaunt, wie schnell ich den Bericht zu diesem Grottenkick fertig hatte. Natürlich geht das nur mit Laptop, auf dem Platz im Stadion geschrieben – und weg.

„Buy Emirates“ zweifelte den „filigranen Frank Pagelsdorf“ an, ich kann es nur wiederholen: Der Mann konnte richtig gut kicken, war ein Super-Techniker – und nicht immer so dick, wie er als HSV-Trainer herumlief. Und zu seinem „Abschuss“, den er sich gegen einen Kollegen der Mopo erlaubte: Es war nicht Buttje Rosenfeld, wie von „MarkusMagic“ vermutet.

Mich hat übrigens in all den Jahren weder ein Trainer noch ein sonstiger Funktionär „abgeschossen“ oder gefoult. Sie liebten mich alle. . . Nein, im Ernst („Kavennsmann“), es bestand bei den Herren kein Bedarf, mich derart vorzunehmen. Wobei es durchaus die eine oder andere Meinungsverschiedenheit (natürlich, das geht gar nicht anders!) zwischen uns gab. Aber das wurde verbal ausgeräumt. Es gibt aber in der Tat noch den einen oder anderen Fall mehr. Ich erinnere mich an ein St.-Pauli-Trainingslager auf Amrum. Da gab es etliche Strandkicks, und die waren stets hart umkämpft. Einmal trat Dietmar Demuth den Kollegen von der Welt (nicht Matthias Linnenbrügger) mit einer unglaublichen Blutgrätsche zusammen. Das war so hart, dass der Kollege in den folgenden Tagen (bis zur Abreise) nur noch hochlegen konnte. Ich hatte, übertrieben gesagt, die Angst, dass das Bein unterhalb des Knies abfallen könnte.
Mich hat es übrigens auch einmal bei einem 0:0-Spiel gegen die Mopo erwischt. Damals spielte Jörn Wolf (heute Medien-Chef des HSV) noch für die Konkurrenz, und ich beim HA Libero. Zwei, drei Minuten vor Schluss, als ich dem guten „Lobo“ (der in meinen Augen eine Fußball-Karriere leichtfertig verschenkt hat. Zuviel auf Piste?) wieder einmal den Ball vom Fuß spitzelte, zog er durch. Hei, das waren Schmerzen. Und am nächsten Tag ging es per Flieger nach München, wo die Nationalmannschaft in einigen Tagen ein WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei zu bestreiten hatte.

Hatte ich im Flieger Schmerzen, man oh man. So, als würde mein Bein platzen. Nach der Landung sah ich die Bescherung: Bein schwarz. Restlos schwarz, hinten, vorne, überall. Mit der Taxe ging es ins Olympiastadion, dann direkt zu Professor Kindermann. Dessen Reaktion: „Sofort in die Kabine.“ Dort machten sich DFB-Ärzte und Masseure sofort über das Bein-schwarz her. Plötzlich stand Dietmar Hamann neben mir, der das Training hatte abbrechen müssen. Sein Kommentar: „Wie hast du das denn gemacht?“ Ich erwähnte den Namen Wolf nicht, ich erzählte nur, wie es passiert war.“ Hamann: „Ich habe das in England auch schon zweimal gehabt, das waren mörderische Schmerzen beim Flug.“

Was gut an der Sache war: Bundestrainer Erich Ribbeck erlaubte mir in den folgenden Tagen, täglich ins Mannschaftsquartier zu kommen. Dort „fädelte“ ich mich zur Behandlung ein. Vor mir lag Hamann zur Pflege, nach mir warteten Christian Ziege und Lothar Matthäus. Das hatte ja auch etwas. Danke nochmals, Jörn! Die Kollegen damals haben mich jedenfalls darum beneidet, dass ich stets das „Heiligtum“ betreten durfte, während sie erst gar nicht in die Nähe des Hotels durften. Ich kannte aber vom HSV her Erich Ribbeck, obwohl wir uns zum Schluss nicht mehr grün waren. Das aber war bei der Nationalmannschaft dann mit einem kurzen Gespräch schnell ausgeräumt.

So, ganz kurz noch einmal zurück zur Sprechstunde. „Dylan1941“ fragte, wie es bei der NDR-Talkshow war? Gut. Aber ich muss dazu sagen, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, meinen „Pfirsich“ (wie es Thomas Doll immer auszudrücken pflegte) in das Fernsehen zu halten. Vielmehr kam ich meiner Pflicht als Ehemann von Frau M. nach, die der größte Fan von Peter Maffay ist. Und so trabte ich eben mit nach Lokstedt. Gerne aber, das gebe ich zu, weil ich auch ein (kleiner) Maffay-Fan bin.

So, letzte Frage vor Grenze: „Nils“ will wissen, ob ich immer beim HSV-Training bin? Ich versuche es, und daraus wird dann eine Zahl so um die 90 Prozent. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, vom HSV-Training zu twittern, und dem komme ich dann nach.

Fertig für diese Woche  – mit der Sprechstunde.

21.30 Uhr

Fehleinkäufe in der Mittagspause

8. September 2009

Ihr kennt das sicher. Plötzlich waren wir während der Mittagspause bei den größten Fehleinkäufen des HSV in der Bundesliga-Geschichte. Von links und rechts prasselten die Namen zur Mitte. Die beiden ersten Spieler kamen 1963 aus dem Ausland: Andreas Mate (New York Hungarians) und Juhani Peltonen (Haka Valkeakosken), der nicht nur Fußballer war, sonder auch finnischer Eishockey-Nationalspieler. Das konnte er offenbar doch besser, er wurde 1966 wieder nach Finnland verkauft. Mate erging es noch schlechter, der wurde bereits im September 1965 „erlöst“.

Und weiter? Fehleinkäufe von gestern bis heute waren: Elmar May (Borussia Neunkirchen), Heinz Libuda (Groningen), Jürgen Seifert (1. FC Nürnberg), Peter Hermann (TuS Neuendorf), Volker Danner (MSV Duisburg), „Buca“ (Sao Paulo), Borisa Djordjevic (Hajduk Split), Mladen Pralija (Rayo Vallecano), Marek Saganowski (Feyenoord Rotterdam), Sascha Ilic (Daewoo Soccer), Martin Zafirov (Lok Sofia), Soner Uysal (Waldhof Mannheim), Michael Molata (Arminia Bielefeld), Joe Simunic (Melbourne Knights), Martin Dahlin (Blackburn Rovers), Alexander Kurtian (Zenit St. Petersburg), Rasoul Khatibi (Pas Club Teheran), Rene Schneider (Hansa Rostock), Kim Christensen (Lyngby Kopenhagen), Cristian Ledesma (River Plate Buenos Aires), Michael Baur (FC Tirol), Richard Kitzbichler (SV Salzburg), Vyacheslav Hleb (VfB Stuttgart), Jean Carlos Donde (Feyenoord Rotterdam), Almani Moreira da Silva (Standard Lüttich), Ailton (Besiktas Istanbul), Juan Pablo Sorin (Villarreal), Thiago Neves (Fluminense), Albert Streit (Schalke 04), Marcel Ndjeng (Mönchengladbach).

Es gibt aber noch weitere Spieler, die zu nennen wären. Die haben es zwar auf ihre Einsätze gebracht, aber enttäuschten in Hamburg trotz allem sehr: Dieter Schatzschneider (Fortuna Köln), Wolfram Wuttke (Schalke 04), Herbert Waas (FC Bologna), Richard Cyron (Gornik Zabrze), Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt), Sergio Zarate (1. FC Nürnberg), Niclas Kindvall (IFK Norrköping), Frank Ordenewitz (Furukawa Japan), Jens Dowe (München 1860), Jakob Friis-Hansen (Girondins Bordeaux), Pawel Wojtala (Lech Posen), Vanja Grubac (OFK Belgrad), Marcel Ketelaer (Bor. Mönchengladbach), Marek Heinz (Sigma Olmütz).

Eigentlich fast Stammspieler, dennoch nie richtig in Hamburg angekommen: Benjamin Lauth (1860 München) und Emile Mpenza (Standard Lüttich).

Wie gesagt, das war eine Mittagspause, vielleicht habt Ihr ja noch den einen oder anderen Name mehr auf Lager, der in dieser Liste unterzubringen wäre.

Dann zum aktuellen Tagesgeschehen. Dass ich eine „plumpe Brücke“ zum schlechten Auftritt der HSV-Zweiten und dem Nachwuchs-Chef geschlagen habe, ist mir nicht bewusst, es sollte jedenfalls keine Brücke sein. Zweierlei möchte ich zu diesem Thema hinzufügen: Wer sich den Schuh anzieht. Und: Ich kann die Arbeit von Stephan Hildebrandt gar nicht beurteilen, weil ich ihn noch nie dabei beobachtet habe. Ich höre mal so und mal so, aber vielleicht ergibt sich ja eines Tages eine bessere und genauere Beurteilung. Bis jetzt jedoch kann ich das nicht, deswegen konnte das auch keine Brücke sein.

Und dann, mir ein absolutes Herzensbedürfnis, zu Katja Kraus. Wenn ich sie als „rechte Hand“ von Bernd Hoffmann bezeichne, dann soll das auf keinen Fall ihre gute Arbeit schmälern. Ich möchte jetzt und an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Frau Kraus leistet sehr gute Arbeit für den HSV, das sagen viele HSV-Mitglieder, das möchte ich hiermit nur noch einmal bestätigen. Kürzlich saß ich mit HSV-Größen zusammen, die eher dem Beiersdorfer-Lager zuzuordnen wären, als dann die Sprache auf Frau Kraus kam, sagten alle, wirklich alle, dass sie für ihre Arbeit, die sie für den Klub verrichtet, nur zu loben wäre. Auf einen Nenner gebracht – und um alle Unklarheiten zu beseitigen: Frau Kraus, die „rechte Hand“ von Bernd Hoffmann, tut dem HSV sehr gut.

Und: Sie ist auch eng mit dem Erfolg des Hamburger Wegs verbunden. Seit drei Jahren vereint die Sponsoring-Initiative Der Hamburger Weg Sport, Politik und Wirtschaft und übernimmt gesellschaftliche Verantwortung, indem sie bedürftigen Menschen in Hamburg neue Wege ebnet. Die Initiatoren haben sich nun ein hohes Ziel gesetzt: Bis 2012 sollen 10 000 Wege geebnet werden. Um in Zukunft Hilfsbedürftige noch gezielter zu unterstützen, haben die Wirtschaftspartner des Hamburger Weges, HSV-Spieler und Prominente der Stadt Patenschaften für insgesamt acht Projekte übernommen. Gemeinsam setzen sie sich mit dem Hamburger Weg für diese Projekte ein und unterstützen sie finanziell oder aber auch durch den Einsatz von Mitarbeitern. Erster HSV-Profi, der eine solche Patenschaft übernahm, ist Torwart Frank Rost. Großartig.

Zum Abschluss noch ein Satz an “Jacek Dembinski” in den Süden der Republik. Ich habe den Spieler Dembinski natürlich kennen gelernt, aber kaum Kontakt mit ihm gehabt. Der Mensch Dembinski war fast mehr als introvertiert, wenn er nach einem Spiel aus der Kabine kam, er schlich mehr Richtung Auto, als dass er ging. Sein Kopf war immer gesenkt, was bedeutete: „Bitte nicht ansprechen.“ Lachen habe ich ihn wirklich kein einziges Mal gesehen, und eine Anekdote vom „guten Jacek“ habe ich auch nicht auf Lager. Aber so war er. Wenn er offensiver gewesen wäre, hätte er eventuell ein besseres Standing in der Mannschaft gehabt – und er wäre damit auch besser in Hamburg angekommen. Aber nun ist es zu spät, Jacek Dembinski ist Geschichte.

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