Archiv für das Tag 'Afellay'

Vor dem Juventus-Spiel

17. Juli 2010

Fußball kann ja so einfach sein. Das Runde muss ins Eckige. Und beim HSV kommt noch erleichternd hinzu: Man kaufe sich für die Defensive Hummels, Höwedes und natürlich auch Subotic, für vorne würde ich Messi, Ronaldo und eventuell, wenn er nicht gerade in WM-Form spielt, auch Rooney holen. Klar. Dem besten Klub der Welt das Beste. Ich bin absolut dafür. Wenn ich dem besten Klub der Welt dann wünsche, dass er im Jahre 2011 wieder in der Champions League spielt, wenn ich glaube, dass Armin Veh aus dieser Mannschaft viel, viel mehr „herausholt“ als ein anderer Trainer, dann werde ich gleich als Irrer abgestempelt.

Dabei ist Fußball doch so einfach. Man muss nur eins und eins zusammenzählen. Und schon weiß einer, dass der HSV wieder nur Platz sieben (oder sogar noch schlechter) belegen wird, und der andere weiß natürlich, dass Veh in Wirklichkeit keine Ahnung hat. Weil alles doch so einfach ist. Im Fußball. Speziell natürlich im HSV.

Da ich ja als Wendehals in die „Matz-ab“-Geschichte eingegangen ist, da mein Ruf ja ohnehin schon ruiniert ist, rudere ich für alle diejenigen, die es nun schon viel besser wissen, sehr gerne mal wieder ein gehöriges Stück zurück. Der HSV wird natürlich nicht in die Bundesliga-Spitze zurückkehren, er wird auch erst recht nicht in die Champions League kommen, der HSV muss schwer aufpassen, dass er nicht wieder einmal in Abstiegsgefahr gerät. Wie einst unter Thomas Doll. So wird es kommen. Vermutlich. Also, noch einmal zur Erinnerung, diese Prognose gilt nur für jene Hellseher, die nichts von Optimismus und Hoffnungsschimmern in Bezug auf den HSV wissen wollen – weil sie es ja ganz genau wissen, wie (negativ) es laufen wird.

Man muss doch nur eins und eins zusammenzählen. Ich kann das zwar nicht so gut, gebe ich zu, aber der ganz fixe „fg“, der ist ein Könner. Der weiß, wie man rechnet. Obwohl er unterscheidet: Ist das nun die Matz-Rechnung, oder doch die Veh-Rechnung? Nein, weder noch. Es ist nur das kleine Fußball-einmal-eins, das hat weder mit Matz noch was mit Veh zu tun.

Und dann möchte ich bei der Gelegenheit noch an dieser Stelle, bereits an dieser Stelle sagen: Es gibt noch immer keinen neuen Spieler beim HSV. Außer zuletzt Dennis Diekmeier, der am Freitag vorgestellt wurde. Also, für diejenigen, die nicht bis zum Ende lesen möchten: Es wird in diesem Beitrag weder Hummels, Subotic noch Höwedes zum HSV kommen. Und auch kein Ronaldo, Messi oder eine der sonstigen Granaten, die der HSV bereits seit Wochen auf dem Zettel hatte. Und die er immer noch auf dem Zettel hat. Jetzt, wo die Kühne-Millionen da sind, ist es ja ohnehin viel leichter, auf dem Transfermarkt zuzuschlagen.

Zum Beispiel Afellay. Ja, da hat der Sportchef doch tatsächlich allen widersprochen, die diesen Wahnsinns-Transfer schon begraben hatte. Ich meine damit nicht Euch, sondern mich, und dazu auch sämtlichen Hamburgern Medien. Bastian Reinhardt sagt doch glatt, dass er immer noch täglich mit dem Afellay-Berater sprechen würde. Die meisten von Euch wissen, dass das nicht stimmt (es stand ja auch in den Zeitungen!), aber mich würde interessieren, worüber die beiden Herren denn täglich so sprechen. Vorstellbar ist da eigentlich alles. Nur nicht, dass Ibrahim Afellay noch zum HSV kommen wird. Oder doch? Was soll man eigentlich noch glauben? Ich werde mal Euch glauben. Denn vom HSV und von Afellay selbst kommt ja nichts Genaues.

Da ich nicht Jesus bin (das werden die „Matz-abber“ bestätigen können, die mich schon mal beim Training gesehen haben), weil mir kein Gras aus den Ohren wächst, weiß ich auch in dieser Sekunde nicht, welchen Innenverteidiger der HSV demnächst verpflichten wird. Das weiß zwar auch kein anderer Hamburger Journalist, vielleicht weiß es ja nicht einmal der HSV selbst, aber es ist natürlich ein Unding, dass ich das nicht weiß. Aber ich werde mich ab jetzt auch hüten, Spekulationen (aus dem Bauch) zum Besten zu geben. Dafür solltet Ihr hier besser Eure Gedanken veröffentlichen. Und immer fein dran denken: Nicht von 99 oder nur von 90 Prozent schreiben, siedelt es bei ungefähr zehn Prozent an, damit es hinterher noch eine kleine Lücke zum Rückzug gibt. Bei zehn Prozent hätte ich wohl heute noch eine etwas weißere Weste . . .

So, das war mein Wort zum Sonntag. An alle Besserwisser und alle diejenigen, die – wie „fg“ – eins und eins zusammenzählen können. Bei der Gelegenheit: Ihr könnt mir wirklich glauben, dass ich mir für „Matz ab“ den Hintern aufreiße. Quasi Tag und Nacht. Selbstverständlich ist es mein Privat-Vergnügen, wenn ich einen Tag und eine ganze Nacht bei einem Fan-Klub im Feindesland verbringe, aber ich denke, auch ein solcher Kontakt gehört zu einem gut geführten Blog. Wenn es dann aus Zeitgründen nicht langt, sofort jeden Neuankömmling „freizuschalten“, dann wäre es super, wenn diese Damen und Herren nicht gleich wie das HB-Männchen wild fluchen und meckern würden, sondern wenn sie Ruhe bewahren würden. Ich bin die meiste Zeit ein Einzelkämpfer, und ich kann mich leider noch nicht vierteilen. Freischaltungen sind nämlich auch immer damit verbunden, Gut von Böse zu trennen. Wobei ich nicht die Architekten-Combo meine, sondern jene Werbe-Angebote, die mich in Sachen Viagra, Sex-Filmen und sonstigen Stimulanz-Mitteln (die ich noch nicht benötige – um gleich allen den Wind aus den Segeln zu nehmen!) tausendfach erreichen. Ihr würdet wahrscheinlich sehr erstaunt sein, wenn Ihr auch mit diesem Mist noch konfrontiert werden würdet – es langt ja schon, dass man hier nicht jeden Tag einen neuen HSV-Profi frei Haus geliefert bekommt . . .

Und an alle diejenigen, die nun vermuten, dass ich ein wenig garstig bin: stimmt. Denn es wäre wirklich toll, wenn einige Leute begreifen würden, dass ich nur dann Neuverpflichtungen melden kann, wenn es welche gibt.

Beim Training war ich heute trotz allem. Passspiel stand auf dem Programmplan, die verschiedenen Übungen dauerten 45 Minuten. Anschließend folgte ein 30-Minuten-Spiel A gegen B. Die A-Mannschaft ist in meinen Augen jene Elf, die am Sonntag in Lübeck gegen Juventus Turin (Ablösespiel für Diego?) beginnen wird: Rost, Diekmeier, Besic, Benjamin, Rincon; Jarolim, Ze Roberto; Guerrero; Petric, Pitroipa; van Nistelrooy. Bei der B-Mannschaft kickte übrigens Co-Trainer Michael Oenning als Linksverteidiger mit – sah passabel aus.

Wichtig bei diesem Spiel war, dass der Ball nicht zu lange von einem Spieler gehalten wurde. Gefragt war das gepflegte Kurzpassspiel, und das möglichst direkt. Wenn es Armin Veh gegen den Strich ging, das heißt, es wurde zu langsam gespielt, dann pfiff er (mit dem Mund), unterbrach und erklärte, wie es anders besser gewesen wäre. Sah gut aus. Um 11.15 Uhr war diese Sonnabends-Einheit beendet, das A-Team siegte 3:0, wenn ich es richtig gesehen habe (ich weiß nicht, ob jedes Tor zählte, da mit Abseits gespielt wurde.).

Für die Skeptiker unter uns sei gesagt, dass so eine Trainingseinheit ja überhaupt nichts zu bedeuten hat. Da wird halt trainiert. Mehr nicht. Für die Optimisten unter uns möchte ich dann aber doch sagen, dass das, was da zurzeit im Volkspark trainiert wird, richtig gut anzusehen ist. Ich würde sogar sagen: Das ist Profi-Fußball.

Okay, okay, natürlich war es das auch unter Bruno Labbadia auch. Natürlich und selbstverständlich. Und natürlich und selbstverständlich habe ich das vor einem Jahr zu jenem Zeitpunkt auch so gelobt. Ihr, die Skeptiker, Ihr allerdings nicht, das weiß ich noch ganz genau. Nach dem 4:1 gegen Dortmund, nach dem 4:2 in Wolfsburg und nach dem insgesamt besten HSV-Bundesliga-Start aller Zeiten gab es viele, viele warnende Finger, enorm viele Skeptiker und etliche Kritiker, die sofort warnten: So geht es nicht, so wird der HSV am Ende nur Platz sieben belegen. Natürlich war es so.

Ich möchte aber den Optimisten unter uns dennoch ganz deutlich sagen, dass ich von Veh, seiner Arbeit, seiner Fußball-Philosophie überzeugt bin. Jetzt ist Zug drin. Und ich möchte noch kurz einen Zeitzeugen anfügen, der vorgestern etwas Bemerkenswertes gesagt hat. Er kam nach sechs Wochen Südafrika zum HSV-Training, sah zu, unterhielt sich danach mit Armin Veh und stellte uns gegenüber fest: „Ein Unterschied wie Tag und Nacht . . . Der Mann hat ja Klasse, der ist klasse.“ Und der, der das gesagt hat, ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit mir.

Wer bei der Aufstellung des A-Teams genau hingesehen hat, der wird den Namen David Rozehnal vermisst habe. Der Tscheche spielte bei B, und dort wird er am Sonntag wohl auch erst einmal Platz nehmen müssen. Die Chance für einen Publikumsliebling wie Benjamin, sich näher an die A-Formation heranzuspielen. Ich gönne es dem (darf man eigentlich schon „Altmeister“ schreiben?) sympathischen Allrounder, er gibt immer, auch im Training, 100 Prozent.

Am Rande der Arena wurde ja schon mehrfach in den letzten Tagen (ein wenig) kritisiert, dass der HSV einem 18-jährigen Juwel wie Heung Min Son nur einen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben hat. Keine Panik, bitte auch keine Vorverurteilungen, aber das hat mit Dingen wie einer Aufenthaltsgenehmigung zu tun. Die ist auch in seinem Fall nur begrenzt haltbar, aber der HSV, das kann ich fest versprechen, arbeitet auch an diesem Thema. Ganz hart und emsig sogar.

Kurz noch ein Wort zum Torwart-Training. Das macht, ich schrieb es bereits, Ronny Teuber in meinen Augen richtig gut, Was ich aber vielmehr sagen wollte ist das: Es geht sehr sehr ruhig, besser gesagt schweigsam zu, wenn Frank Rost, Jaroslav Drobny und Wolfgang Hesl miteinander üben. Was nicht immer gleich etwas Schlechtes bedeuten muss, ich aber würde mir doch schon ein wenig mehr „Leben“ wünschen. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Ganz zum Schluss noch einmal in (fast) eigener Sache. Unser „Thomas Toll“, ein fleißiger „Matz-abber“, hatte kürzlich die „Maulwürfe“, die es beim HSV gibt, kritisiert. Ich versprach, darauf noch einmal einzugehen, was hiermit passiert:

Es wird niemand von mir verlangen können, dass ich die „Maulwürfe“ hier in die Schranken weise, dass ich sie verurteile und niedermache. Ich habe ja viel zu oft schon in den 30 Jahren, die ich beim HSV bin, von einem „Maulwurf“ gelebt. Fast wäre ich bereit zu schreiben: Überall auf der Welt gibt es sie, diese „Maulwürfe“, und auch in allen Bereichen und Lebenslagen. Nicht nur beim HSV, nicht nur beim Hamburger Abendblatt, nicht nur bei „Matz ab“. Gebe es die „Maulwürfe“ nicht, wäre in vielen Zeitungen (und auch bei Matz ab?) schon vor Jahrhunderten der Notstand ausgerufen worden.

Der HSV hat – natürlich – auch seine „Maulwürfe“. Das sind Menschen, die sich mitteilen möchten, die aber auch ganz gewiss ihre ganz persönlichen Ziele verfolgen. Wie überall. Wie in fast jeder Firma. Da gibt es doch auch Vorgesetzte, die sind vielen Untergebenen ein Dorn im Auge, und dann werden diese Vorturner eben hinter der vorgehaltenen Hand „bekämpft“. So läuft das auch beim HSV. Es wäre eine riesige Überraschung, wenn es so etwas nicht beim HSV geben würde.

Und wenn Du, „Thomas Toll“, diesen Umstand kritisierst und anprangerst, ihn auch abgestellt wissen möchtest, so kann ich Dir versichern: Das wird nie etwas. Nie. Fast jeder vertritt seine eigenen Interessen, und viele, viele Menschen gehen schon immer und immer öfter über Leichen, um “maulwurf-artig” an ihre Ziele zu gelangen. So sind sie, die Menschen. Wenn auch nicht Du, lieber „Thomas Toll“, und auch nicht unbedingt ich. Aber die anderen!

Der heutige Aufsichtsrat kämpft übrigens schon seit seinem Bestehen gehen die „Maulwürfe“. Und er hat es nie geschafft, Herr der Lage zu werden. Oft haben die Räte schon geglaubt, sie hätten „ihn“, sie rieben sich vor Freude die Hände („Jetzt ist endlich Ruhe!“), aber dann gab es doch schnell wieder zwei, drei, vier oder mehr andere. So spielt das Leben. Alles ganz normal. Und wenn Du, lieber „Thomas Toll“, im HSV-Aufsichtsrat sitzen würdest, und ich auch, und ich würde Dich nicht mögen, ich würde auch mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Du unser Aufsichtsrats-Chef wirst, dann würde ich Dich wohl auch diffamieren und bloßstellen – hinter der vorgehaltenen Hand.

Oder würde ich das doch nicht machen? Darüber darf nun jeder von Euch gründlich grübeln.

Übrigens: Eine meiner größten „Maulwurf“-Storys war die Entlassung von Trainer Egon Coordes. Es geschah am Abend des 17. Septembers 1992. Da trommelte die HSV-Mannschaft in ihrem Hotel an der Langenhorner Chaussee auch alle Ersatzspieler, die nicht im Kader für das am nächsten Tag anstehende Heimspiel gegen den KSC standen, zusammen. Grund: Abstimmung über den Trainer. Coordes erhielt an diesem legendären Abend nur eine Stimme, und nach der 1:2-Niederlage (die, das nur nebenbei, der ehemalige HSV-Profi Wolfgang Rolff mit zwei Toren besiegelt hatte) wurde Egon Coordes entlassen.

Es muss damals ein Freitagsspiel gewesen sein. Und niemand wusste etwas von der Spieler-Verschwörung gegen den Trainer. Auch ich nicht. Bis Sekunden nach dem Spiel war ich absolut ahnungslos. Damals durfte man als Reporter noch in den Innenraum, um mit Spielern zu reden – ich fing den einen oder anderen HSV-Profi ab und fragte nach diesem müden 1:2-Kick. Bis einer vor mir stand, nicht mich ansah, sondern das Umfeld beobachtete und sagte: „Frag etwas anderes.“ Wie, etwas anderes? „Du sollst nicht nach diesem Spiel und dieser Pleite fragen, sondern nach anderen Dingen!“ Ich stand auf dem Schlauch. Ja, was denn dann? „Frag nach dem Trainer.“ Wieso Trainer? „Frag danach, was mit dem Trainer wird. Und was gestern am späten Abend passiert ist?“ Und? Was ist Coordes= Was ist denn mit ihm passiert . . ?

So erfuhr ich von der Sitzung, vom Abstimmungsergebnis, von der bevorstehenden Trainer-Entlassung. Und ich schrieb es natürlich im Abendblatt. Die Kollegen der Bild hatten die Geschichte natürlich auch. Aber sie dachten, sie hätten sie exklusiv. Doch das war ein Irrtum. Weil mir diese brisante Story nur Sekunden nach der 1:2-Niederlage gegen den KSC von einem netten „Maulwurf“ verraten worden war. Noch heute glaubt mein Kollege Jürgen Schnitgerhans, dass ich diese Information auf dem internen Springer-Wege (über die Druckerei in Ahrensburg) bekommen habe, aber einen solchen Weg hat es in der Tat niemals und auch an keinem Tag gegeben. Es war lediglich der mitspielende „Maulwurf“ – und die Bild hatte eben auch den eigenen „Maulwurf“ (von dem ich den Namen weiß, ihn aber nicht schreiben darf). So kam es, dass die Bild und das Abendblatt die Entlassung des Trainers hatten, die Konkurrenz aber nicht. „Maulwürfe“ muss man haben. Mal hat sie dieser, mal hat sie jener. Und mal haben sie alle.

Und, lieber „Thomas Toll“, es ist ganz einfach so: „Maulwürfe“ werden niemals aussterben. Schon gar nicht beim HSV.

PS: Eine Sommergeschichte entfällt heute, ich möchte Euch nicht überfordern – bei dieser Hitze.

17.14 Uhr

Drobny da – Schalke kommt

5. Juli 2010

Gegen Schalke die Premiere, dann nach Frankfurt, dann kommt der Club und danach geht es zum Nachbarn. Und dann ist der HSV Tabellenführer der Bundesliga. Oder nicht? Ich will Euch damit verschonen, was Spieler, Trainer und Sportchef zu diesem Spielplan gesagt haben, es ist in meinen Augen alles total unwichtig. Die Dinger müssen erstens gespielt werden, und zweitens gewonnen werden. Mehr nicht. Da hilft ja jetzt auch kein Sabbbeln, wie toll dieser Plan ist, wie ausgewogen, und wie nett und wie schön. Die Vorfreude ist jetzt schon groß, dass Felix Magath heim kommt, und dann ran an die Buletten. Nein, halt Stopp, was Armin Veh gesagt hat, das will ich Euch denn doch noch verraten: „Schön, dass wir mit einem Heimspiel starten können, mit Schalke kommt gleich ein Top-Gegner. Wir werden uns gut vorbereiten.“

Für alle Veh-Gegner sei gesagt: Was soll er auch anderes sagen? Legt diese Aussage nicht auf die Goldwaage, etwas Ähnliches haben heute alle Bundesliga-Trainer gesagt. Daraus nun Schlüsse zu ziehen, dass Veh nun dies oder das denkt, dies oder jenes tun muss – oder dass er besser den Mund gehalten hätte, das wäre grundsätzlich falsch. Aber: Ich kenne ja meine Pappenheimer inzwischen ganz gut . . . Es wird etwas kommen. Leider. Dabei ist Armin Veh nur gezwungen worden, etwas zu sagen, denn der Mann ist Realist und hätte ganz sicher von allein nie Stellung bezogen. Zu was denn? Dieses Spiel gegen Schalke findet doch erst am 21. August statt.

Übrigens habe ich auch mit Felix Magath telefoniert (wer es nicht weiß: Schalkes Trainer). Mit Rafinha hat sich bislang kein Gespräch ergeben (in Sachen HSV), aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wahrscheinlich muss der HSV ja auch erst klären, was mit Guy Demel wird. Zum Bundesliga-Auftakt habe ich Felix Magath auch kurz gefragt, und was hat er geantwortet? „Dieter, was soll ich dazu schon sagen? Wir werden fit sein. Und ich bin gespannt, wen der HSV noch holen wird.“ Ich zu ihm: „Holt ihr denn noch den Spanier Raul?“ Felix Magath: „Ich hoffe es.“ Dann haben wir noch über die deutschen Halbfinalisten gesprochen, aber das ist ja nicht HSV, deswegen werde ich darüber gar nicht erst schreiben.

Kommen wir zum richtig „großen Sport“ – zu Jaroslav Drobny. Der neue Torwart des HSV hat heute erstmalig im Volkspark trainiert. Noch ohne Frank Rost, Drobny war lediglich mit Torwarttrainer Ronny Teuber und mit Tom Mickel (sorry, nicht Wolfgang Hesl) auf dem Rasen. Der ehemalige Herthaner, der die Nummer 45 auf dem Rücken tragen wird, spricht Deutsch, Griechisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch. Und er kennt sich aus im Fußball, denn er hält die deutsche Bundesliga für die beste Spielkasse der Welt. Und er sagt über seinen neuen Klub: „Der HSV hat eine große Mannschaft, er hat immer große Ambitionen, und dieser HSV will immer nach vorne spielen – das gefällt mir.“

Vor drei Wochen, so Drobny, soll es den ersten Kontakt zwischen ihm und dem HSV gegeben haben, er hat sich für den Wechsel an die Elbe entschlossen: „Ich habe keine Angst.“ Vor Frank Rost? Drobny über seinen großen Konkurrenten: „Frank Rost ist ein großer Torhüter, ich habe großen Respekt vor ihm. Aber der Bessere soll spielen – und ich will immer spielen. Und wenn ich spielen will, muss ich besser sein als er.“ Begrüßt haben sich die künftige Nummer eins und die künftige Nummer zwei schon, aber zu einem gemeinsamen Training wird es erst am Dienstag kommen. Heute war Drobny mit Landsmann David Jarolim in Hamburg auf Wohnungssuche. Der bisherige HSV-Kapitän (und auch der neue?) soll dem Keeper bei der Eingewöhnung helfen, Jaroslav Drobny, die Nummer zwei von Tschechien (hinter Petr Czech), kennt von Hamburg lediglich die Arena im Volkspark.

Und dann beginnt „das Duell“. Darauf bin ich nun einmal sehr, sehr gespannt. Irgendwie denke ich immer an Oliver Kahn und Jens Lehmann. Und auch für Armin Veh wird dieser Zweikampf ein ganz besonderer sein, denn der Coach sagt: „Sicherlich ist die Situation außergewöhnlich, aber wir sind außergewöhnlich.“ Und weiter Veh: „Wir haben Jaroslav Drobny nicht als Nummer eins geholt, aber Frank Rost ist mittlerweile schon 37 Jahre alt.“ Und: „Wenn ein so guter Torwart wie Drobny auf dem Markt ist, muss man zugreifen.“

Der HSV-Trainer denkt beim Duell der Torhüter aber nicht nur an Rost und Drobny. Denn Veh sagt: „Jeder unserer drei Keeper hat die Chance, die Nummer eins zu sein, das meine ich ganz ehrlich.“ Also ist auch Hesl ein Kandidat? Veh: „Es gibt keinen Zeitpunkt, bei dem ich mich auf eine Nummer eins festlegen werde.“ Über Drobny verrät Veh: „Er hat eine gute Strafraumbeherrschung und er ist sehr gut auf der Linie. Er hat dem VfL Bochum einst die Klasse erhalten, und er hätte Hertha BSC vor einem Jahr fast zur Meisterschaft geführt. Als Hertha dann abstieg und Drobny verletzt war, haben alle sehen können, wie sehr er der Mannschaft gefehlt hat.“

Drobny wird mit dem vierjährigen Sohn Iasonas und seiner Frau nach Hamburg ziehen.

Kurz noch zum Drobny-„Partner“: Noch immer hat kein Gespräch zwischen Frank Rost und dem Trainer stattgefunden. Armin Veh berichtete nun aber über seine Eindrücke von Rost: „Er macht einen sehr guten und positiven Eindruck auf mich in den letzten Tagen.“

Die HSV-Mannschaft hat heute im Training in zwei Etappen gearbeitet. Ein Teil des Teams fuhr erst Fahrrad im Volkspark, der andere war im Kraftraum – später wurde das gewechselt.

Apropos Wechsel: Der könnte sich durchaus auch in taktischer Hinsicht beim HSV ergeben. In Leck (!), beim 9:0-Erfolg am Sonntag, ließ Armin Veh im 4:2:3:1-System spielen. Und der Coach glaubt, dass er mit dieser Mannschaft am besten mit genau dieser Taktik zurechtkommen wird. Abwarten. Jeder von Euch aber darf sich schon mal Gedanken machen, wer wo dann zum Einsatz kommen wird. Abgesehen von den Neuzugängen – natürlich. Ich gehe übrigens immer noch davon aus, dass Rafinha (trotz des Schweigens des HSV!) kommt, dass der algerische Nationalspieler Madjid Bougherra kommen wird, und dass entweder Ibrahim Afellay oder Gojko Kacar für das Mittelfeld kommen. Sagt mir mein Bauch. Und auf den konnte ich mich schon bei sämtlichen Deutschland-Spielen bei dieser WM NICHT verlassen. Immer gegen Deutschland getippt, aber da sitze ich ja mit einigen ganz großen Experten in einem Boot (wie ich gelesen habe).

So, und da ich gerade bei „Matz ab“ bin. Einige Dinge sind noch zu klären: Verzweifelt schreibt uns seit Tagen ein Neuling. Er schreibt, und flucht, und schreibt und flucht, weil er nicht frei geschaltet wird. Um ihm (und anderen Neulingen) einmal kurz zu erklären, warum das so ist: Der gute Mann schreibt unter „Faust und noch so einiges dran“. Ich wollte ihm danken, dass er sich hier beteiligt, aber mein Dank kam postwendend zurück: Die „Faust“-Adresse gibt es leider nicht. Und ganz so anonym lieben wir es eben nicht mehr so sehr.

Dann zu den handsignierten Meister-Fotos des HSV: Drei Adressen brauche ich noch, und zwar von „Neu-Ossi“, von „Andreas“ (zurzeit wohl auf Urlaub) und von „Raute im Herzen“. Wäre toll, wenn Ihr das unter der Matz-ab-Gewinnspiel-Adresse machen könntet. Und bei der Gelegenheit: Bitte schreibt mir nichts Privates unter dieser Adresse, ich lese dort nur ganz selten. Diesmal hat es sich mit Sylt überschnitten, denn ich wurde von „D. Westphal“ gefragt, ob die Mannschaft im Lister Hotel A-Rosa öffentlich (bei den WM-Spielen) fernsieht. Das las ich leider zu spät – es war aber auch nicht so, die Spieler haben alle auf ihren Zimmern ferngesehen.

Und dann noch schnell zu unseren herrlichen Sommergeschichten (einige habe ich immer noch, es wird noch lange nicht abreißen!): Der letzte „anonyme“ SG-Autor – vor einigen Tagen – hat sich nun zu erkennen gegeben, er heißt „Benni Barthel“. Nochmals vielen Dank für Deine Zeilen und für Deine Mühe.

21.04 Uhr

Aogo, Guerrero und Jansen sind es

3. Juli 2010

Einen wunderschönen Sonnabend – der uns hoffentlich einen wunderschönen Sieg über Argentinien bringen wird. Auch auf Sylt herrscht nun Ruhe, aber die Sahara-Hitze hält sich beharrlich. Nicht nur den Spielern läuft bei diesen Temperaturen der Schweiß unaufhörlich von oben nach unten . . . Aber die Ablenkung hieß ja Fußball. Endlich wieder WM. Sorry muss ich schon wieder einmal sagen (Hitze? Alter? Oder das Wort mit D?), weil ich nachmittags die Niederländer gegen Argentinien spielen ließ. Für diejenigen, die den Fehler erkannt und auch moniert haben gibt es leider eine Enttäuschung: Es war kein Preis in Form eines Trikots oder handsignierten Fotos ausgesetzt. Aber ich hoffe, dass die Fehler doch nur der Hitze zuzuschreiben sind. Mit Schrecken denke ich immer noch an den „25. August“ . . . Statt des 25. Juni. So, Schluss mit der Laberei, es ist schon spät genug.

Was ich dennoch schnell los werden möchte, nämlich zum Spiel Brasilien gegen Niederlande (!), ist das: Vor dem 2:1-Siegtor verursachte Juan einen Eckstoß für Orange. Was für ein großer Fehler! Der Brasilianer hätte die Kugel sonst wo hin schießen können, aber er beförderte sie plump und kurz sowie schmerzlos zur Ecke. So etwas Rustikales hat noch nie ein Brasilianer gemacht. Ich dachte noch bei mir: Aus solchen Fehlern werden schnell mal Tore gemacht – und schon führte unser Nachbar mit 2:1. Unfassbar für mich, wie eine technisch so beschlagene Nationalmannschaft wie Brasilien einen solchen Fehler begehen konnte. Das aber nur am Rande.

Durch den Sieg der Niederländer (Joris Mathijsen erlitt vor dem Anpfiff eine Bänderdehnung im Knie) wird der HSV nun noch eine Woche länger auf die Folter gespannt. Wären Robben, van Bommel, van der Vaart und Co an diesem Wochenende nach Hause geflogen, hätte Mittelfeld-Kandidat Ibrahim Afellay wohl schon in der kommenden Woche beim HSV unterschrieben. Alle Anzeichen deuteten zuletzt darauf hin. Nun müssen sich alle weiter in Geduld üben. Watt’n Pech aber auch.

Dafür wurde ein anderes Geheimnis nun gelüftet. Nämlich die Frage, wie der Herr Kühne (von der Firma Kühne & Nagel) eines Tages wieder an seine Millionen Euro kommt, die er nun dem HSV gepumpt hat. Es soll ja so sein: Herr Kühne (73) gab 15 Millionen. 7,5 Millionen soll der HSV dafür benötigt haben, um die Kasse ein wenig auf Vordermann bringen zu können. Um es einmal salopp zu formulieren. Und 7,5 Millionen werden in einen neuen Spieler (oder zwei?) investiert. Damit der Herr Kühne eines noch weit, weit fernen Tages wieder an sein Geld gelangt, das er für das Projekt „Anstoß hoch 3“ gegeben hat, wurde ein kleiner Deal vertraglich abgeschlossen.

In diesem Deal spielen Paolo Guerrero, Dennis Aogo und Marcell Jansen die Hauptrollen. Sie sind es nämlich, die dem Herrn Kühne das Geld wieder in seine Tasche spülen (oder spielen) sollen. Diese drei Spieler sind praktisch die etwas anderen Bürgen für ihren Arbeitgeber. Diese drei Profis haben alle einen, wie es so schön heißt, virtuellen Marktwert von 7,5 Millionen Euro (oder auch mehr). Kühne stehen bei einem tatsächlichen Verkauf eines dieser drei Spieler 33,3 Prozent zu, also mindestens 2,5 Millionen Euro.

Ich bin gespannt, wie die Bundesliga-Konkurrenz auf dieses neue Modell reagieren wird. Und ich bin auch gespannt, wie dieses Geschäft von der vereinseigenen Opposition zur Kenntnis genommen wird. Spätestens bei der Außerordentlichen Mitglieder-Versammlung am 13. Juli wird dieses Geheimnis wohl gelüftet.

Wichtig ist bei diesem spektakulären und auch bislang für die Bundesliga ungewöhnlichen Deal aber noch zu wissen, dass die Entscheidungsgewalt weiterhin zu 100 Prozent beim HSV bleibt. Also hat der Herr Kühne null Mitspracherecht beim HSV, auch nicht bei Transferverhandlungen der Spieler Guerrero, Aogo und Jansen.

Noch kurz zu Hertha-Torwart Jaroslav Drobny. Er soll so schnell wie möglich einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben. Den Medizincheck hat der Keeper in Hamburg bestanden, nun fehlt nur noch das Einverständnis des Aufsichtsrats, das aber spätestens bis zum Montagvormittag vorliegen soll. Die Räte haben (wohl) schon Zustimmung signalisiert. Und dann wird ratz-fatz unterschrieben.

Guten Morgen.

0.27 Uhr (es wird immer später!)

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