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Vor dem Juventus-Spiel

17. Juli 2010

Fußball kann ja so einfach sein. Das Runde muss ins Eckige. Und beim HSV kommt noch erleichternd hinzu: Man kaufe sich für die Defensive Hummels, Höwedes und natürlich auch Subotic, für vorne würde ich Messi, Ronaldo und eventuell, wenn er nicht gerade in WM-Form spielt, auch Rooney holen. Klar. Dem besten Klub der Welt das Beste. Ich bin absolut dafür. Wenn ich dem besten Klub der Welt dann wünsche, dass er im Jahre 2011 wieder in der Champions League spielt, wenn ich glaube, dass Armin Veh aus dieser Mannschaft viel, viel mehr „herausholt“ als ein anderer Trainer, dann werde ich gleich als Irrer abgestempelt.

Dabei ist Fußball doch so einfach. Man muss nur eins und eins zusammenzählen. Und schon weiß einer, dass der HSV wieder nur Platz sieben (oder sogar noch schlechter) belegen wird, und der andere weiß natürlich, dass Veh in Wirklichkeit keine Ahnung hat. Weil alles doch so einfach ist. Im Fußball. Speziell natürlich im HSV.

Da ich ja als Wendehals in die „Matz-ab“-Geschichte eingegangen ist, da mein Ruf ja ohnehin schon ruiniert ist, rudere ich für alle diejenigen, die es nun schon viel besser wissen, sehr gerne mal wieder ein gehöriges Stück zurück. Der HSV wird natürlich nicht in die Bundesliga-Spitze zurückkehren, er wird auch erst recht nicht in die Champions League kommen, der HSV muss schwer aufpassen, dass er nicht wieder einmal in Abstiegsgefahr gerät. Wie einst unter Thomas Doll. So wird es kommen. Vermutlich. Also, noch einmal zur Erinnerung, diese Prognose gilt nur für jene Hellseher, die nichts von Optimismus und Hoffnungsschimmern in Bezug auf den HSV wissen wollen – weil sie es ja ganz genau wissen, wie (negativ) es laufen wird.

Man muss doch nur eins und eins zusammenzählen. Ich kann das zwar nicht so gut, gebe ich zu, aber der ganz fixe „fg“, der ist ein Könner. Der weiß, wie man rechnet. Obwohl er unterscheidet: Ist das nun die Matz-Rechnung, oder doch die Veh-Rechnung? Nein, weder noch. Es ist nur das kleine Fußball-einmal-eins, das hat weder mit Matz noch was mit Veh zu tun.

Und dann möchte ich bei der Gelegenheit noch an dieser Stelle, bereits an dieser Stelle sagen: Es gibt noch immer keinen neuen Spieler beim HSV. Außer zuletzt Dennis Diekmeier, der am Freitag vorgestellt wurde. Also, für diejenigen, die nicht bis zum Ende lesen möchten: Es wird in diesem Beitrag weder Hummels, Subotic noch Höwedes zum HSV kommen. Und auch kein Ronaldo, Messi oder eine der sonstigen Granaten, die der HSV bereits seit Wochen auf dem Zettel hatte. Und die er immer noch auf dem Zettel hat. Jetzt, wo die Kühne-Millionen da sind, ist es ja ohnehin viel leichter, auf dem Transfermarkt zuzuschlagen.

Zum Beispiel Afellay. Ja, da hat der Sportchef doch tatsächlich allen widersprochen, die diesen Wahnsinns-Transfer schon begraben hatte. Ich meine damit nicht Euch, sondern mich, und dazu auch sämtlichen Hamburgern Medien. Bastian Reinhardt sagt doch glatt, dass er immer noch täglich mit dem Afellay-Berater sprechen würde. Die meisten von Euch wissen, dass das nicht stimmt (es stand ja auch in den Zeitungen!), aber mich würde interessieren, worüber die beiden Herren denn täglich so sprechen. Vorstellbar ist da eigentlich alles. Nur nicht, dass Ibrahim Afellay noch zum HSV kommen wird. Oder doch? Was soll man eigentlich noch glauben? Ich werde mal Euch glauben. Denn vom HSV und von Afellay selbst kommt ja nichts Genaues.

Da ich nicht Jesus bin (das werden die „Matz-abber“ bestätigen können, die mich schon mal beim Training gesehen haben), weil mir kein Gras aus den Ohren wächst, weiß ich auch in dieser Sekunde nicht, welchen Innenverteidiger der HSV demnächst verpflichten wird. Das weiß zwar auch kein anderer Hamburger Journalist, vielleicht weiß es ja nicht einmal der HSV selbst, aber es ist natürlich ein Unding, dass ich das nicht weiß. Aber ich werde mich ab jetzt auch hüten, Spekulationen (aus dem Bauch) zum Besten zu geben. Dafür solltet Ihr hier besser Eure Gedanken veröffentlichen. Und immer fein dran denken: Nicht von 99 oder nur von 90 Prozent schreiben, siedelt es bei ungefähr zehn Prozent an, damit es hinterher noch eine kleine Lücke zum Rückzug gibt. Bei zehn Prozent hätte ich wohl heute noch eine etwas weißere Weste . . .

So, das war mein Wort zum Sonntag. An alle Besserwisser und alle diejenigen, die – wie „fg“ – eins und eins zusammenzählen können. Bei der Gelegenheit: Ihr könnt mir wirklich glauben, dass ich mir für „Matz ab“ den Hintern aufreiße. Quasi Tag und Nacht. Selbstverständlich ist es mein Privat-Vergnügen, wenn ich einen Tag und eine ganze Nacht bei einem Fan-Klub im Feindesland verbringe, aber ich denke, auch ein solcher Kontakt gehört zu einem gut geführten Blog. Wenn es dann aus Zeitgründen nicht langt, sofort jeden Neuankömmling „freizuschalten“, dann wäre es super, wenn diese Damen und Herren nicht gleich wie das HB-Männchen wild fluchen und meckern würden, sondern wenn sie Ruhe bewahren würden. Ich bin die meiste Zeit ein Einzelkämpfer, und ich kann mich leider noch nicht vierteilen. Freischaltungen sind nämlich auch immer damit verbunden, Gut von Böse zu trennen. Wobei ich nicht die Architekten-Combo meine, sondern jene Werbe-Angebote, die mich in Sachen Viagra, Sex-Filmen und sonstigen Stimulanz-Mitteln (die ich noch nicht benötige – um gleich allen den Wind aus den Segeln zu nehmen!) tausendfach erreichen. Ihr würdet wahrscheinlich sehr erstaunt sein, wenn Ihr auch mit diesem Mist noch konfrontiert werden würdet – es langt ja schon, dass man hier nicht jeden Tag einen neuen HSV-Profi frei Haus geliefert bekommt . . .

Und an alle diejenigen, die nun vermuten, dass ich ein wenig garstig bin: stimmt. Denn es wäre wirklich toll, wenn einige Leute begreifen würden, dass ich nur dann Neuverpflichtungen melden kann, wenn es welche gibt.

Beim Training war ich heute trotz allem. Passspiel stand auf dem Programmplan, die verschiedenen Übungen dauerten 45 Minuten. Anschließend folgte ein 30-Minuten-Spiel A gegen B. Die A-Mannschaft ist in meinen Augen jene Elf, die am Sonntag in Lübeck gegen Juventus Turin (Ablösespiel für Diego?) beginnen wird: Rost, Diekmeier, Besic, Benjamin, Rincon; Jarolim, Ze Roberto; Guerrero; Petric, Pitroipa; van Nistelrooy. Bei der B-Mannschaft kickte übrigens Co-Trainer Michael Oenning als Linksverteidiger mit – sah passabel aus.

Wichtig bei diesem Spiel war, dass der Ball nicht zu lange von einem Spieler gehalten wurde. Gefragt war das gepflegte Kurzpassspiel, und das möglichst direkt. Wenn es Armin Veh gegen den Strich ging, das heißt, es wurde zu langsam gespielt, dann pfiff er (mit dem Mund), unterbrach und erklärte, wie es anders besser gewesen wäre. Sah gut aus. Um 11.15 Uhr war diese Sonnabends-Einheit beendet, das A-Team siegte 3:0, wenn ich es richtig gesehen habe (ich weiß nicht, ob jedes Tor zählte, da mit Abseits gespielt wurde.).

Für die Skeptiker unter uns sei gesagt, dass so eine Trainingseinheit ja überhaupt nichts zu bedeuten hat. Da wird halt trainiert. Mehr nicht. Für die Optimisten unter uns möchte ich dann aber doch sagen, dass das, was da zurzeit im Volkspark trainiert wird, richtig gut anzusehen ist. Ich würde sogar sagen: Das ist Profi-Fußball.

Okay, okay, natürlich war es das auch unter Bruno Labbadia auch. Natürlich und selbstverständlich. Und natürlich und selbstverständlich habe ich das vor einem Jahr zu jenem Zeitpunkt auch so gelobt. Ihr, die Skeptiker, Ihr allerdings nicht, das weiß ich noch ganz genau. Nach dem 4:1 gegen Dortmund, nach dem 4:2 in Wolfsburg und nach dem insgesamt besten HSV-Bundesliga-Start aller Zeiten gab es viele, viele warnende Finger, enorm viele Skeptiker und etliche Kritiker, die sofort warnten: So geht es nicht, so wird der HSV am Ende nur Platz sieben belegen. Natürlich war es so.

Ich möchte aber den Optimisten unter uns dennoch ganz deutlich sagen, dass ich von Veh, seiner Arbeit, seiner Fußball-Philosophie überzeugt bin. Jetzt ist Zug drin. Und ich möchte noch kurz einen Zeitzeugen anfügen, der vorgestern etwas Bemerkenswertes gesagt hat. Er kam nach sechs Wochen Südafrika zum HSV-Training, sah zu, unterhielt sich danach mit Armin Veh und stellte uns gegenüber fest: „Ein Unterschied wie Tag und Nacht . . . Der Mann hat ja Klasse, der ist klasse.“ Und der, der das gesagt hat, ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit mir.

Wer bei der Aufstellung des A-Teams genau hingesehen hat, der wird den Namen David Rozehnal vermisst habe. Der Tscheche spielte bei B, und dort wird er am Sonntag wohl auch erst einmal Platz nehmen müssen. Die Chance für einen Publikumsliebling wie Benjamin, sich näher an die A-Formation heranzuspielen. Ich gönne es dem (darf man eigentlich schon „Altmeister“ schreiben?) sympathischen Allrounder, er gibt immer, auch im Training, 100 Prozent.

Am Rande der Arena wurde ja schon mehrfach in den letzten Tagen (ein wenig) kritisiert, dass der HSV einem 18-jährigen Juwel wie Heung Min Son nur einen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben hat. Keine Panik, bitte auch keine Vorverurteilungen, aber das hat mit Dingen wie einer Aufenthaltsgenehmigung zu tun. Die ist auch in seinem Fall nur begrenzt haltbar, aber der HSV, das kann ich fest versprechen, arbeitet auch an diesem Thema. Ganz hart und emsig sogar.

Kurz noch ein Wort zum Torwart-Training. Das macht, ich schrieb es bereits, Ronny Teuber in meinen Augen richtig gut, Was ich aber vielmehr sagen wollte ist das: Es geht sehr sehr ruhig, besser gesagt schweigsam zu, wenn Frank Rost, Jaroslav Drobny und Wolfgang Hesl miteinander üben. Was nicht immer gleich etwas Schlechtes bedeuten muss, ich aber würde mir doch schon ein wenig mehr „Leben“ wünschen. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Ganz zum Schluss noch einmal in (fast) eigener Sache. Unser „Thomas Toll“, ein fleißiger „Matz-abber“, hatte kürzlich die „Maulwürfe“, die es beim HSV gibt, kritisiert. Ich versprach, darauf noch einmal einzugehen, was hiermit passiert:

Es wird niemand von mir verlangen können, dass ich die „Maulwürfe“ hier in die Schranken weise, dass ich sie verurteile und niedermache. Ich habe ja viel zu oft schon in den 30 Jahren, die ich beim HSV bin, von einem „Maulwurf“ gelebt. Fast wäre ich bereit zu schreiben: Überall auf der Welt gibt es sie, diese „Maulwürfe“, und auch in allen Bereichen und Lebenslagen. Nicht nur beim HSV, nicht nur beim Hamburger Abendblatt, nicht nur bei „Matz ab“. Gebe es die „Maulwürfe“ nicht, wäre in vielen Zeitungen (und auch bei Matz ab?) schon vor Jahrhunderten der Notstand ausgerufen worden.

Der HSV hat – natürlich – auch seine „Maulwürfe“. Das sind Menschen, die sich mitteilen möchten, die aber auch ganz gewiss ihre ganz persönlichen Ziele verfolgen. Wie überall. Wie in fast jeder Firma. Da gibt es doch auch Vorgesetzte, die sind vielen Untergebenen ein Dorn im Auge, und dann werden diese Vorturner eben hinter der vorgehaltenen Hand „bekämpft“. So läuft das auch beim HSV. Es wäre eine riesige Überraschung, wenn es so etwas nicht beim HSV geben würde.

Und wenn Du, „Thomas Toll“, diesen Umstand kritisierst und anprangerst, ihn auch abgestellt wissen möchtest, so kann ich Dir versichern: Das wird nie etwas. Nie. Fast jeder vertritt seine eigenen Interessen, und viele, viele Menschen gehen schon immer und immer öfter über Leichen, um “maulwurf-artig” an ihre Ziele zu gelangen. So sind sie, die Menschen. Wenn auch nicht Du, lieber „Thomas Toll“, und auch nicht unbedingt ich. Aber die anderen!

Der heutige Aufsichtsrat kämpft übrigens schon seit seinem Bestehen gehen die „Maulwürfe“. Und er hat es nie geschafft, Herr der Lage zu werden. Oft haben die Räte schon geglaubt, sie hätten „ihn“, sie rieben sich vor Freude die Hände („Jetzt ist endlich Ruhe!“), aber dann gab es doch schnell wieder zwei, drei, vier oder mehr andere. So spielt das Leben. Alles ganz normal. Und wenn Du, lieber „Thomas Toll“, im HSV-Aufsichtsrat sitzen würdest, und ich auch, und ich würde Dich nicht mögen, ich würde auch mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Du unser Aufsichtsrats-Chef wirst, dann würde ich Dich wohl auch diffamieren und bloßstellen – hinter der vorgehaltenen Hand.

Oder würde ich das doch nicht machen? Darüber darf nun jeder von Euch gründlich grübeln.

Übrigens: Eine meiner größten „Maulwurf“-Storys war die Entlassung von Trainer Egon Coordes. Es geschah am Abend des 17. Septembers 1992. Da trommelte die HSV-Mannschaft in ihrem Hotel an der Langenhorner Chaussee auch alle Ersatzspieler, die nicht im Kader für das am nächsten Tag anstehende Heimspiel gegen den KSC standen, zusammen. Grund: Abstimmung über den Trainer. Coordes erhielt an diesem legendären Abend nur eine Stimme, und nach der 1:2-Niederlage (die, das nur nebenbei, der ehemalige HSV-Profi Wolfgang Rolff mit zwei Toren besiegelt hatte) wurde Egon Coordes entlassen.

Es muss damals ein Freitagsspiel gewesen sein. Und niemand wusste etwas von der Spieler-Verschwörung gegen den Trainer. Auch ich nicht. Bis Sekunden nach dem Spiel war ich absolut ahnungslos. Damals durfte man als Reporter noch in den Innenraum, um mit Spielern zu reden – ich fing den einen oder anderen HSV-Profi ab und fragte nach diesem müden 1:2-Kick. Bis einer vor mir stand, nicht mich ansah, sondern das Umfeld beobachtete und sagte: „Frag etwas anderes.“ Wie, etwas anderes? „Du sollst nicht nach diesem Spiel und dieser Pleite fragen, sondern nach anderen Dingen!“ Ich stand auf dem Schlauch. Ja, was denn dann? „Frag nach dem Trainer.“ Wieso Trainer? „Frag danach, was mit dem Trainer wird. Und was gestern am späten Abend passiert ist?“ Und? Was ist Coordes= Was ist denn mit ihm passiert . . ?

So erfuhr ich von der Sitzung, vom Abstimmungsergebnis, von der bevorstehenden Trainer-Entlassung. Und ich schrieb es natürlich im Abendblatt. Die Kollegen der Bild hatten die Geschichte natürlich auch. Aber sie dachten, sie hätten sie exklusiv. Doch das war ein Irrtum. Weil mir diese brisante Story nur Sekunden nach der 1:2-Niederlage gegen den KSC von einem netten „Maulwurf“ verraten worden war. Noch heute glaubt mein Kollege Jürgen Schnitgerhans, dass ich diese Information auf dem internen Springer-Wege (über die Druckerei in Ahrensburg) bekommen habe, aber einen solchen Weg hat es in der Tat niemals und auch an keinem Tag gegeben. Es war lediglich der mitspielende „Maulwurf“ – und die Bild hatte eben auch den eigenen „Maulwurf“ (von dem ich den Namen weiß, ihn aber nicht schreiben darf). So kam es, dass die Bild und das Abendblatt die Entlassung des Trainers hatten, die Konkurrenz aber nicht. „Maulwürfe“ muss man haben. Mal hat sie dieser, mal hat sie jener. Und mal haben sie alle.

Und, lieber „Thomas Toll“, es ist ganz einfach so: „Maulwürfe“ werden niemals aussterben. Schon gar nicht beim HSV.

PS: Eine Sommergeschichte entfällt heute, ich möchte Euch nicht überfordern – bei dieser Hitze.

17.14 Uhr

Drobny da – Schalke kommt

5. Juli 2010

Gegen Schalke die Premiere, dann nach Frankfurt, dann kommt der Club und danach geht es zum Nachbarn. Und dann ist der HSV Tabellenführer der Bundesliga. Oder nicht? Ich will Euch damit verschonen, was Spieler, Trainer und Sportchef zu diesem Spielplan gesagt haben, es ist in meinen Augen alles total unwichtig. Die Dinger müssen erstens gespielt werden, und zweitens gewonnen werden. Mehr nicht. Da hilft ja jetzt auch kein Sabbbeln, wie toll dieser Plan ist, wie ausgewogen, und wie nett und wie schön. Die Vorfreude ist jetzt schon groß, dass Felix Magath heim kommt, und dann ran an die Buletten. Nein, halt Stopp, was Armin Veh gesagt hat, das will ich Euch denn doch noch verraten: „Schön, dass wir mit einem Heimspiel starten können, mit Schalke kommt gleich ein Top-Gegner. Wir werden uns gut vorbereiten.“

Für alle Veh-Gegner sei gesagt: Was soll er auch anderes sagen? Legt diese Aussage nicht auf die Goldwaage, etwas Ähnliches haben heute alle Bundesliga-Trainer gesagt. Daraus nun Schlüsse zu ziehen, dass Veh nun dies oder das denkt, dies oder jenes tun muss – oder dass er besser den Mund gehalten hätte, das wäre grundsätzlich falsch. Aber: Ich kenne ja meine Pappenheimer inzwischen ganz gut . . . Es wird etwas kommen. Leider. Dabei ist Armin Veh nur gezwungen worden, etwas zu sagen, denn der Mann ist Realist und hätte ganz sicher von allein nie Stellung bezogen. Zu was denn? Dieses Spiel gegen Schalke findet doch erst am 21. August statt.

Übrigens habe ich auch mit Felix Magath telefoniert (wer es nicht weiß: Schalkes Trainer). Mit Rafinha hat sich bislang kein Gespräch ergeben (in Sachen HSV), aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wahrscheinlich muss der HSV ja auch erst klären, was mit Guy Demel wird. Zum Bundesliga-Auftakt habe ich Felix Magath auch kurz gefragt, und was hat er geantwortet? „Dieter, was soll ich dazu schon sagen? Wir werden fit sein. Und ich bin gespannt, wen der HSV noch holen wird.“ Ich zu ihm: „Holt ihr denn noch den Spanier Raul?“ Felix Magath: „Ich hoffe es.“ Dann haben wir noch über die deutschen Halbfinalisten gesprochen, aber das ist ja nicht HSV, deswegen werde ich darüber gar nicht erst schreiben.

Kommen wir zum richtig „großen Sport“ – zu Jaroslav Drobny. Der neue Torwart des HSV hat heute erstmalig im Volkspark trainiert. Noch ohne Frank Rost, Drobny war lediglich mit Torwarttrainer Ronny Teuber und mit Tom Mickel (sorry, nicht Wolfgang Hesl) auf dem Rasen. Der ehemalige Herthaner, der die Nummer 45 auf dem Rücken tragen wird, spricht Deutsch, Griechisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch. Und er kennt sich aus im Fußball, denn er hält die deutsche Bundesliga für die beste Spielkasse der Welt. Und er sagt über seinen neuen Klub: „Der HSV hat eine große Mannschaft, er hat immer große Ambitionen, und dieser HSV will immer nach vorne spielen – das gefällt mir.“

Vor drei Wochen, so Drobny, soll es den ersten Kontakt zwischen ihm und dem HSV gegeben haben, er hat sich für den Wechsel an die Elbe entschlossen: „Ich habe keine Angst.“ Vor Frank Rost? Drobny über seinen großen Konkurrenten: „Frank Rost ist ein großer Torhüter, ich habe großen Respekt vor ihm. Aber der Bessere soll spielen – und ich will immer spielen. Und wenn ich spielen will, muss ich besser sein als er.“ Begrüßt haben sich die künftige Nummer eins und die künftige Nummer zwei schon, aber zu einem gemeinsamen Training wird es erst am Dienstag kommen. Heute war Drobny mit Landsmann David Jarolim in Hamburg auf Wohnungssuche. Der bisherige HSV-Kapitän (und auch der neue?) soll dem Keeper bei der Eingewöhnung helfen, Jaroslav Drobny, die Nummer zwei von Tschechien (hinter Petr Czech), kennt von Hamburg lediglich die Arena im Volkspark.

Und dann beginnt „das Duell“. Darauf bin ich nun einmal sehr, sehr gespannt. Irgendwie denke ich immer an Oliver Kahn und Jens Lehmann. Und auch für Armin Veh wird dieser Zweikampf ein ganz besonderer sein, denn der Coach sagt: „Sicherlich ist die Situation außergewöhnlich, aber wir sind außergewöhnlich.“ Und weiter Veh: „Wir haben Jaroslav Drobny nicht als Nummer eins geholt, aber Frank Rost ist mittlerweile schon 37 Jahre alt.“ Und: „Wenn ein so guter Torwart wie Drobny auf dem Markt ist, muss man zugreifen.“

Der HSV-Trainer denkt beim Duell der Torhüter aber nicht nur an Rost und Drobny. Denn Veh sagt: „Jeder unserer drei Keeper hat die Chance, die Nummer eins zu sein, das meine ich ganz ehrlich.“ Also ist auch Hesl ein Kandidat? Veh: „Es gibt keinen Zeitpunkt, bei dem ich mich auf eine Nummer eins festlegen werde.“ Über Drobny verrät Veh: „Er hat eine gute Strafraumbeherrschung und er ist sehr gut auf der Linie. Er hat dem VfL Bochum einst die Klasse erhalten, und er hätte Hertha BSC vor einem Jahr fast zur Meisterschaft geführt. Als Hertha dann abstieg und Drobny verletzt war, haben alle sehen können, wie sehr er der Mannschaft gefehlt hat.“

Drobny wird mit dem vierjährigen Sohn Iasonas und seiner Frau nach Hamburg ziehen.

Kurz noch zum Drobny-„Partner“: Noch immer hat kein Gespräch zwischen Frank Rost und dem Trainer stattgefunden. Armin Veh berichtete nun aber über seine Eindrücke von Rost: „Er macht einen sehr guten und positiven Eindruck auf mich in den letzten Tagen.“

Die HSV-Mannschaft hat heute im Training in zwei Etappen gearbeitet. Ein Teil des Teams fuhr erst Fahrrad im Volkspark, der andere war im Kraftraum – später wurde das gewechselt.

Apropos Wechsel: Der könnte sich durchaus auch in taktischer Hinsicht beim HSV ergeben. In Leck (!), beim 9:0-Erfolg am Sonntag, ließ Armin Veh im 4:2:3:1-System spielen. Und der Coach glaubt, dass er mit dieser Mannschaft am besten mit genau dieser Taktik zurechtkommen wird. Abwarten. Jeder von Euch aber darf sich schon mal Gedanken machen, wer wo dann zum Einsatz kommen wird. Abgesehen von den Neuzugängen – natürlich. Ich gehe übrigens immer noch davon aus, dass Rafinha (trotz des Schweigens des HSV!) kommt, dass der algerische Nationalspieler Madjid Bougherra kommen wird, und dass entweder Ibrahim Afellay oder Gojko Kacar für das Mittelfeld kommen. Sagt mir mein Bauch. Und auf den konnte ich mich schon bei sämtlichen Deutschland-Spielen bei dieser WM NICHT verlassen. Immer gegen Deutschland getippt, aber da sitze ich ja mit einigen ganz großen Experten in einem Boot (wie ich gelesen habe).

So, und da ich gerade bei „Matz ab“ bin. Einige Dinge sind noch zu klären: Verzweifelt schreibt uns seit Tagen ein Neuling. Er schreibt, und flucht, und schreibt und flucht, weil er nicht frei geschaltet wird. Um ihm (und anderen Neulingen) einmal kurz zu erklären, warum das so ist: Der gute Mann schreibt unter „Faust und noch so einiges dran“. Ich wollte ihm danken, dass er sich hier beteiligt, aber mein Dank kam postwendend zurück: Die „Faust“-Adresse gibt es leider nicht. Und ganz so anonym lieben wir es eben nicht mehr so sehr.

Dann zu den handsignierten Meister-Fotos des HSV: Drei Adressen brauche ich noch, und zwar von „Neu-Ossi“, von „Andreas“ (zurzeit wohl auf Urlaub) und von „Raute im Herzen“. Wäre toll, wenn Ihr das unter der Matz-ab-Gewinnspiel-Adresse machen könntet. Und bei der Gelegenheit: Bitte schreibt mir nichts Privates unter dieser Adresse, ich lese dort nur ganz selten. Diesmal hat es sich mit Sylt überschnitten, denn ich wurde von „D. Westphal“ gefragt, ob die Mannschaft im Lister Hotel A-Rosa öffentlich (bei den WM-Spielen) fernsieht. Das las ich leider zu spät – es war aber auch nicht so, die Spieler haben alle auf ihren Zimmern ferngesehen.

Und dann noch schnell zu unseren herrlichen Sommergeschichten (einige habe ich immer noch, es wird noch lange nicht abreißen!): Der letzte „anonyme“ SG-Autor – vor einigen Tagen – hat sich nun zu erkennen gegeben, er heißt „Benni Barthel“. Nochmals vielen Dank für Deine Zeilen und für Deine Mühe.

21.04 Uhr

Aogo, Guerrero und Jansen sind es

3. Juli 2010

Einen wunderschönen Sonnabend – der uns hoffentlich einen wunderschönen Sieg über Argentinien bringen wird. Auch auf Sylt herrscht nun Ruhe, aber die Sahara-Hitze hält sich beharrlich. Nicht nur den Spielern läuft bei diesen Temperaturen der Schweiß unaufhörlich von oben nach unten . . . Aber die Ablenkung hieß ja Fußball. Endlich wieder WM. Sorry muss ich schon wieder einmal sagen (Hitze? Alter? Oder das Wort mit D?), weil ich nachmittags die Niederländer gegen Argentinien spielen ließ. Für diejenigen, die den Fehler erkannt und auch moniert haben gibt es leider eine Enttäuschung: Es war kein Preis in Form eines Trikots oder handsignierten Fotos ausgesetzt. Aber ich hoffe, dass die Fehler doch nur der Hitze zuzuschreiben sind. Mit Schrecken denke ich immer noch an den „25. August“ . . . Statt des 25. Juni. So, Schluss mit der Laberei, es ist schon spät genug.

Was ich dennoch schnell los werden möchte, nämlich zum Spiel Brasilien gegen Niederlande (!), ist das: Vor dem 2:1-Siegtor verursachte Juan einen Eckstoß für Orange. Was für ein großer Fehler! Der Brasilianer hätte die Kugel sonst wo hin schießen können, aber er beförderte sie plump und kurz sowie schmerzlos zur Ecke. So etwas Rustikales hat noch nie ein Brasilianer gemacht. Ich dachte noch bei mir: Aus solchen Fehlern werden schnell mal Tore gemacht – und schon führte unser Nachbar mit 2:1. Unfassbar für mich, wie eine technisch so beschlagene Nationalmannschaft wie Brasilien einen solchen Fehler begehen konnte. Das aber nur am Rande.

Durch den Sieg der Niederländer (Joris Mathijsen erlitt vor dem Anpfiff eine Bänderdehnung im Knie) wird der HSV nun noch eine Woche länger auf die Folter gespannt. Wären Robben, van Bommel, van der Vaart und Co an diesem Wochenende nach Hause geflogen, hätte Mittelfeld-Kandidat Ibrahim Afellay wohl schon in der kommenden Woche beim HSV unterschrieben. Alle Anzeichen deuteten zuletzt darauf hin. Nun müssen sich alle weiter in Geduld üben. Watt’n Pech aber auch.

Dafür wurde ein anderes Geheimnis nun gelüftet. Nämlich die Frage, wie der Herr Kühne (von der Firma Kühne & Nagel) eines Tages wieder an seine Millionen Euro kommt, die er nun dem HSV gepumpt hat. Es soll ja so sein: Herr Kühne (73) gab 15 Millionen. 7,5 Millionen soll der HSV dafür benötigt haben, um die Kasse ein wenig auf Vordermann bringen zu können. Um es einmal salopp zu formulieren. Und 7,5 Millionen werden in einen neuen Spieler (oder zwei?) investiert. Damit der Herr Kühne eines noch weit, weit fernen Tages wieder an sein Geld gelangt, das er für das Projekt „Anstoß hoch 3“ gegeben hat, wurde ein kleiner Deal vertraglich abgeschlossen.

In diesem Deal spielen Paolo Guerrero, Dennis Aogo und Marcell Jansen die Hauptrollen. Sie sind es nämlich, die dem Herrn Kühne das Geld wieder in seine Tasche spülen (oder spielen) sollen. Diese drei Spieler sind praktisch die etwas anderen Bürgen für ihren Arbeitgeber. Diese drei Profis haben alle einen, wie es so schön heißt, virtuellen Marktwert von 7,5 Millionen Euro (oder auch mehr). Kühne stehen bei einem tatsächlichen Verkauf eines dieser drei Spieler 33,3 Prozent zu, also mindestens 2,5 Millionen Euro.

Ich bin gespannt, wie die Bundesliga-Konkurrenz auf dieses neue Modell reagieren wird. Und ich bin auch gespannt, wie dieses Geschäft von der vereinseigenen Opposition zur Kenntnis genommen wird. Spätestens bei der Außerordentlichen Mitglieder-Versammlung am 13. Juli wird dieses Geheimnis wohl gelüftet.

Wichtig ist bei diesem spektakulären und auch bislang für die Bundesliga ungewöhnlichen Deal aber noch zu wissen, dass die Entscheidungsgewalt weiterhin zu 100 Prozent beim HSV bleibt. Also hat der Herr Kühne null Mitspracherecht beim HSV, auch nicht bei Transferverhandlungen der Spieler Guerrero, Aogo und Jansen.

Noch kurz zu Hertha-Torwart Jaroslav Drobny. Er soll so schnell wie möglich einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben. Den Medizincheck hat der Keeper in Hamburg bestanden, nun fehlt nur noch das Einverständnis des Aufsichtsrats, das aber spätestens bis zum Montagvormittag vorliegen soll. Die Räte haben (wohl) schon Zustimmung signalisiert. Und dann wird ratz-fatz unterschrieben.

Guten Morgen.

0.27 Uhr (es wird immer später!)

Reinhardt und die Baustellen des HSV

29. Juni 2010

Paolo Guerreo ist wieder da! Aber er redet nicht. Er selbst hat sich einen „Maulkorb“ gegeben. Er selbst? Vielleicht war es aber auch die höhere (HSV-)Gewalt. Und noch einer ist wieder da: Bastian Reinhardt. Er hat aber, im Gegensatz zu Paolo, sein „Schweigen“ gebrochen. Der Sportchef hat unruhige Tage hinter sich, er ist mittendrin und nicht nur dabei, und er ist – wie Trainer Armin Veh – zuversichtlich was die neue Saison und die Verstärkungen betrifft. „Es ging sofort los für mich. Jede Menge Termine, jede Menge Anrufe, jede Menge Mails. Und ich muss jede Menge Informationen verarbeiten. Es macht Spaß, aber es ist auch anstrengend“, sagt Reinhardt. In Sachen Verstärkungen gibt es offenbar eine klare Absprache: „Es ist nicht so, dass ich allein los ziehe, wir sind ein Team, wir arbeiten als Team.“ Und zu Urs Siegenthaler, der als Chef-Scout des DFB in Südafrika unterwegs ist, hat der Sportchef jeden tag mehrfach telefonischen Kontakt. Alles ist im Fluss.

„Wir sind auf einem guten Weg. Obwohl es während der WM ziemlich schwierig ist. Aber das erfährt zurzeit auch die ganze Bundesliga, außer Michael Ballack zu Leverkusen ist ja kaum etwas passiert“, sagt Reinhardt und fügt an: „Wir ständig dran, aber bei den Transfers, die wir machen wollen, die auch sinnvoll für den HSV sind, die brauchen noch Geduld. Es ist nur sinnvoll, Spieler zu uns zu holen, die uns auch weiterhelfen, aber die wachsen eben nicht auf den Bäumen. Und die Konkurrenz ist ebenfalls dran und bietet mit. Wir müssen uns dann behaupten und durchsetzen.“

Der HSV hat Geduld. Laut „Basti“ Reinhardt sogar „jede Menge“. Auch noch im „Fall Afellay“. Doch es gibt auch Grenzen, so der Sportchef: „Irgendwann werden wir natürlich sagen müssen, dass wir nicht mehr warte können, das ist klar. Denn er bindet ja auch Mittel. Und wenn wir keine Planungssicherheit mit dem Spieler haben, dann müssen wir die Mittel eben anderweitig verwenden“ Nur so macht es Sinn. Afellay hat angekündigt, sich nach der WM zu entscheiden. Das könnte noch vor diesem Wochenende Wirklichkeit werden, wenn die Niederländer im Viertelfinale gegen Brasilien verlieren (sollten).

Wenn Afellay aber nicht, wer dann? Wen oder was sucht der HSV eigentlich? Reinhardt: „Wir haben eine Baustelle in der Innenverteidigung, die muss geschlossen werden. Dann müssen wir schauen. Bei allen anderen Sachen drückt uns nicht so groß der Schuh.“ Zumal sich Armin Veh ja auch erst einmal ein Bild von seiner neuen Mannschaft machen muss. Vielleicht blühen ja genau jene Spieler auf, die zuletzt hinter den Erwartungen geblieben sind.

Und was ist mit „hinten rechts“? Guy Demel? Der mit der Elfenbeinküste ja schon Abschied von der WM nehmen musste? Und sich der zuletzt – öffentlich – mehr vom HSV erhofft hatte? Bastian Reinhardt bezieht klar Stellung: „Es ist ja bekannt, dass der Verein Guy gesagt hat, dass wenn er einen anderen Klub bringen kann und wechseln möchte, dass wir ihm dann keine Steine in den Weg legen werden.“ Das ist doch mal ein Wort. Anfragen aber liegen dem HSV für Demel noch nicht vor. Und: Außer Demel – will sich der HSV noch von dem einen oder anderen Spieler der vergangenen Saison trennen, der es jetzt noch nicht weiß? Reinhardt: „Nein.“ Dann aber ergänzte er: „Ich will s aber auch nicht ausschließen.“ Also „Jein.“

Der HSV-Kader soll überschaubar bleiben. Weil es ja keine Dreifach-Belastung mehr gibt. Der neue Sportchef weiß um die Gefahr eines zu großen Kaders: „Bei weniger Spielen gibt es dann mehr Unzufriedene, die keine Spielpraxis bekommen, das ist eine Gefahr. Deswegen werden wir in der kommenden Saison keinen zu großen Kader haben.“

Erstaunlich viele Anfragen anderer Klubs liegen dem HSV im Falle Marcus Berg vor. Der Schwede will aber nicht unbedingt gehen, obwohl Bastian Reinhardt sagt: „Junge Spieler brauchen Spielpraxis. Und Marcus hat Ruud van Nistelrooy vor sich, Mladen Petric und Paolo Guerrero. Da wird es sehr schwer für ihn.“ Zumal Eric-Maxim Choupo-Moting auch noch auf die vierte Position im HSV-Angriff hofft. Über den Kameruner WM-Teilnehmer sagt Reinhardt: „Ihm hat das Leihgeschäft zum 1. FC Nürnberg mit Sicherheit nicht geschadet, er hat sich weiterentwickelt.“ Als Nebenmann von Eto’o . . .

Ein ganz spezielles HSV-Thema ist schon seit Jahren Piotr Trochowski. Der Nationalspieler hat noch ein Jahr Vertrag, es wurde bereits über eine eventuelle Verlängerung Kontakt aufgenommen. Und es sieht durchaus gut aus, dass Trochowski in Hamburg und beim HSV bleibt. Aber: Es gibt auch das Gerücht (danke Dylan1941), dass Arsenal London hinter dem kleinen Dribbelkünstler her sein soll. Was ja echt ein Hammer wäre, wenn es tatsächlich wahr sein sollte – denn Arsene Wenger gilt doch eigentlich als Fußballfachmann . . . Okay, okay, ich will ja gar nicht provozieren. Warten wir doch ganz einfach mal ab, wie es in diesem Fall weitergehen wird.

„Basti“ Reinhardt, ich schrieb es bereits gestern, war als Mitspieler immer ein Befürworter Trochowskis, nun aber sitzt der Sportchef auf der anderen Seite, und er macht sich so seine eigenen Gedanken zu seinem früheren Mitspieler: „Piotr wird sich bei dem neuen Trainer nun beweisen müssen, und bei der neuen sportlichen Leitung.“ Zu der gehört ja auch Urs Siegenthaler, und der ist noch beim DFB und der Nationalmannschaft, als auch ein Kollege des Bundestrainers – und Löw steht ja bekanntlich auf Trochowski. Von daher müsste Siegenthaler ja eigentlich ein Trochowski-Anhänger sein. Sonst hätte er dem Herrn Löw doch geraten, auf den kleinen Hamburger zu verzichten. Oder?

Reinhardt über „Troche“: „Er hat zweifellos ein großes Potenzial, aber ich hätte mir gewünscht, dass er doch mehr Einsatzzeiten bei dieser WM bekommt. Das wäre für sein Selbstvertrauen zweifellos von großem Vorteil, es wäre wichtig gewesen, denn ich glaube, das Selbstvertrauen hat in den letzten Jahren ein wenig gelitten.“ Reinhardt weiter: „Er ist ein guter Junge, ich kenne ihn, er braucht das nötige Vertrauen, aber das muss er sich auch mit guten Leistungen erarbeiten.“

Ich setze da große Hoffnungen in das Duo Veh/Reinhardt. Sie werden diesen „Fall“ vielleicht ganz anders angehen, wie die HSV-Trainer in der Vergangenheit.

Erfreulich ist ein anderes Thema beim HSV: Der 17-jährige Heung Min Son. Der Koreaner scheint derzeit das größte Talent des HSV zu sein. Bereits am Montag hielten sich während des Trainings zwei Spielerberater im Volkspark auf, um mit dem Stürmer in Kontakt zu treten. Reinhardt sagt: „Wir wissen, dass hinter Son schon einige Bundesliga-Klubs her sind.“ Also aufpassen, HSV! Ein Interessent ist Hoffenheim. Der Sportchef: „Ich glaube aber, dass wir in diesem Fall ganz gute Karten haben.“ Es ist dem HSV zu hoffen.

Ein anderes Thema ist Dennis Aogo. Auch mit ihm will der HSV verlängern, auch mit ihm wurden bereits erste Gespräche geführt, auch bei ihm soll es – so der Sportchef – durchaus gut aussehen. Und: Aus Italien, speziell aus Turin, liegt dem HSV kein Angebot vor.

So, das war es erst einmal zum HSV. Ein kurzer Abstecher sei mir noch zur WM gestattet. Was aus einem „Wembley-Tor“ so alles entstehen kann:

Eine delikate Eingabe zur Fußball-WM liegt dem Bundestag vor. Der Petitionsausschuss wurde am Dienstag aufgefordert, er solle dafür sorgen, dass den Engländern das am Sonntag im Spiel gegen Deutschland (1:4) nicht gegebene zweite Tor nachträglich anerkannt wird. „Fairplay“ sei das oberste Gebot, heißt es in der Petition, wie die Vorsitzende des Petitionsausschusses, die Abgeordnete Kersten Steinke (Linke), bei der Vorstellung des Jahresberichts in Berlin mitteilte. Über ein solches Angebot aus England hätten sich die Deutschen 1966 nach dem Wembley-Tor ebenfalls gefreut, meinte der Petent weiter. Er kommt aus der Bundesligastadt Mönchengladbach – mehr wurde aus Datenschutzgründen nicht verraten. „Wir werden gucken, wie wir mit dieser Petition umgehen“, meinte Steinke.

19.27 Uhr

Jetzt wird Tasci gehandelt

23. Juni 2010

Kein Michael Ballack? Kein Ibrahim Afellay? Kein sonstwer? Doch! Das neueste Gerücht um den HSV: Serdar Tasci vom VfB Stuttgart steht nun auf dem Wunschzettel von Trainer Armin Veh. Der 23-jährige Nationalspieler hat zwar noch einen Vertrag bis 2014 mit den Schwaben, aber er hatte in diesem Jahr bereits einige Male signalisiert, dass er sich vorstellen könne, demnächst für einen anderen Verein zu spielen. Und da Afellay den HSV immer noch hinhält, und der Fall Ballack wahrscheinlich keinen guten Ausgang für den HSV nehmen wird, wäre Tasci schon eine gute Nummer. Allerdings: Der Mann wird im Moment auf zehn Millionen Euro taxiert. Ob das so okay wäre?

Abwarten. Bei Ballack ist inzwischen wohl das Ende der finanziellen Fahnenstange für den HSV gekommen. Angeblich soll die Crew um Bernd Hoffmann bereit gewesen sein, zwölf Millionen für den Nati-Kapitän zu bezahlen, aber inzwischen soll sich dieses gesamte Paket nun schon auf 19 Millionen belaufen. Ich finde es da absolut okay, dass der HSV aus diesem Geschachere ausgestiegen ist – wenn es denn tatsächlich so ist, wie es das Gerücht besagt. Ballack ist ja ablösefrei, und dann für einen 33-Jährigen so viel Geld – das muss nicht sein.

Ich hatte kürzlich mit Lotto King Karl, der nicht nur ein Kult-Sänger, sondern sehr wohl auch ein großer und exzellenter Fußball-Experte ist (das solltet Ihr wissen!), über Michael Ballack unterhalten. Was spricht für den Chelsea-Profi, was gegen ihn? Lotto meinte, dass Ballack seine Spielweise total umgestellt hat, seit er auf der Insel spielt. Bei Chelsea hat Frank Lampard den offensiveren Part im Mittelfeld inne, Ballack räumt mehr in der Defensive ab und hat sein Spiel auf körperbetont und gelegentlich auch rustikal umgestellt. Früher glänzte er in der Offensive, ging in der Spitze auch dorthin, wo es wehtut, aber die letzten Spiele in der Nationalmannschaft hat er den Ball nur noch nach links oder nach recht verteilt. Zudem hatte Felix Magath einst über Ballack gesagt: „Der weltbeste Kopfballspieler aus dem Mittelfeld.“ Auch davon war zuletzt nicht mehr viel zu sehen. Deswegen bin ich gespannt, wie er sich dann demnächst wieder in der Bundesliga präsentieren wird.

Gespannt bin ich auch, wie e mit Rafinha und Schalke 04 weitergehen wird. Der Brasilianer erschien heute – fast erwartungsgemäß – nicht zum ersten Training seines Klubs. Ein Anzeichen dafür. Dass er doch zum HSV kommen könnte? Mit Felix Magath sprach ich vor dem Training, also vor dem Schwänzen Rafinhas. Ich wollte den aktuellen Stand wissen. Magath: „Es gibt keinen neuen Stand. Ich habe nichts vom HSV gehört, und ich habe nichts von Rafinha oder seinem Berater gehört.“ Heute gegen Mitternacht werde ich noch einmal mit dem Schalke-Trainer sprechen (weil er ja Abendblatt-Kolumnist ist), vielleicht gibt es dann ja etwas Neues.

Neu ist für den HSV, dass ein seiner Spieler (noch) jetzt auch WM-Spieler ist: Jerome Boateng. Ich habe auf die Begrüßung mit seinem Bruder Kevin Prince geachtet, das war so, als würden sich zwei Fremde die Hände schütteln. Was, so habe ich mich gefragt, wird der Vater von den beiden Knaben wohl gedacht haben? Ob es da mal ein klärendes Gespräch nach der WM geben wird? Ich als Papa würde es so schnell wie möglich anstrengen.

Kurz noch einmal zum Deutschland-Kick gegen Ghana. Ist ja alles schön und gut, wenn vor einem Schiedsrichter wie Carlos Simon gewarnt werden muss. Bis zur 44. Minute spielten dann auch alle 22 Akteure wie steril. Und als dann Thomas Müller einmal – ganz harmlos – grätschte: gleich Gelb! Die sollten doch besser Hallen-Halma spielen lassen, diese Herren der Fifa. Aber gut, wir haben im Moment andere Sorgen ich frage mich, wer soll das deutsche Tor schießen? Und wenn wir es schießen sollten, wird es dann reichen? Und wie lange wird es dann noch in dieser WM reichen? Nun gut, vielleicht wird es ja noch.

Übrigens: Weil heute so oft danach gefragt wurde. Die Internet-Adresse für die Matz-ab-Sommergschichten lautet:

Matz-ab@abendblatt.de

21.32 Uhr

“Der HSV ist auf Dauer nicht aufzuhalten”

5. Juni 2010

Der Mann hat etwas zu sagen. Und wenn ich etwas zu sagen hätte, nämlich im HSV, dann würde ich ihm zu 100 Prozent das Vertrauen schenken. Das sollen nicht nur alle „Matz-abber“ wissen, das sollen auch alle mitlesenden Verantwortlichen eines jeden Bundesliga-Klubs wissen: Thomas von Heesen hat nicht nur sehr, sehr viel Ahnung vom Fußball, er hat auch ganz klare Prinzipien und Vorstellungen von dem, was im Profi-Fußball abzulaufen hat. Die meisten von Euch wissen es: Ich bin HSV-Reporter seit dem Stab-Wechsel von Ristic, damals Interimstrainer nach Zebec, auf Happel. Ich habe also geballte Trainer-Kompetenz in allen Jahren erlebt, Kompetenz und Nicht-Kompetenz – Thomas von Heesen liegt dabei unter den ersten drei. Wäre ich HSV-Boss, könnte er es sich aussuchen auf welchem Posten er anfangen wollte.
Heute folgt Teil zwei des Gesprächs, was ich mit dem ehemaligen HSV-Kapitän geführt habe.

Ihr erinnert Ech: Es ging um den Absturz des HSV in der Rückrunde. Von Heesen war nicht überrascht davon und erklärte mir: „Das neue Schlagwort im Profi-Fußball heißt ja mentale Härte. Die hat meines Erachtens gefehlt. Mentale Härte bekommt man nur, wenn man Erfolge hat. Hat man die, dann können einen auch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen. Wichtig ist für eine jede Mannschaft, dass sie weiß, wie sie zu spielen hat, dass jeder Spieler ganz genau weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Wenn ein Rädchen ins nächste greift, wenn alle miteinander spielen und nur ihre Stärken einbringen, dann ist das perfekt. Und damals unter Ernst Happel, da lief es perfekt für uns. Über Jahre.“ Thomas von Heesen weiter: „Happel hat in der Mannschaftsbesprechung höchstens eine Minute über den Gegner gesprochen. Er kannte unsere Stärken, darüber hat er erzählt, der Gegner war ihm absolut egal. Er wollte, dass wir unser Spiel durchziehen, mehr nicht. Und wir waren so gut drauf, dass wir das auch taten. Das war damals schon mentale Härte. So etwas kann man nicht trainieren, so etwas baut sich auf, wenn eine Mannschaft zu 100 Prozent funktioniert.“

Dann nannte von Heesen noch ein Paradebeispiel: „Der FC Bayern, der hat diese mentale Härte im Herbst bekommen. Als es bei den Münchnern lief, konnte sie kein Gegner mehr stoppen, die haben nur ihr Spiel durchgezogen – das war vorbildlich, der FC Bayern ist eine richtig gute und bestens funktionierende Truppe geworden.“ Der HSV leider nicht, bei ihm ging es 2010 immer mehr bergab, auch weil die Mannschaft keine Einheit war. Das haben ja auch zuletzt einige Eckpfeiler der Mannschaft schonungslos bestätigt. Die Führung hat gefehlt, und auch in der Hierarchie hat es offenbar ganz und gar nicht mehr gestimmt.

Weil alles viel zu lasch war? Weil nicht nur die „mentale Härte“ gefehlt hat, sondern auch die Härte und Disziplin gegenüber den Spielern? Thomas von Heesen überrascht mich mit einer gewichtigen Aussage: „Felix Magath und ich, wir sind Brüder im Geiste. Das sage ich deswegen, weil ich, wie Felix, auf Härte im Training allergrößten Wert lege. Wenn man körperlich mehr drauf hat, als alle anderen Mannschaften, dann ist man auch mental stärker. Aber um so gut zu sein, muss man eben im Training mehr tun als die anderen, ganz klar. Und dementsprechend lasse ich meine Mannschaften auch im Training ackern.“

Zu hoffen ist, dass nicht nur Magath und von Heesen so denken (und danach handeln), sondern auch Armin Veh. Was traut die ehemalige HSV-Nr. 10 dem „neuen HSV“ in der kommenden Saison zu? „Der HSV wird einen sehr gepflegten Fußball spielen, das ist die Handschrift von Armin Veh. Er wird auch größten Wert auf eine stabile Defensive legen. Wobei ich jetzt nicht als Schlaumeier gelten möchte, Veh weiß ganz allein, was er zu machen hat, was er auch machen wird. Ich weiß genau, dass er schneller und risikoreicher nach vorne spielen lassen wird, und das wird dem HSV auch gut tun“, sagt von Heesen.

Und wohin wird diese Spielweise den HSV bringen? Wieder in die Bundesliga-Spitze zurück? Von Heesen sieht die Hamburger Zukunft optimistisch: „Auf Dauer ist der HSV nicht aufzuhalten. Er hat beste Voraussetzungen, sich auf Dauer in der Bundesliga-Spitze z etablieren: Die Infrastruktur stimmt, die Hamburger Wirtschaft steht zum Klub, das Stadion ist super, die Trainingsbedingungen sind hervorragend, die Stadt ist großartig – es stimmt alles.“ Dann ergänzt er: „Wenn jetzt auch mal das Glück hinzukommt, wenn es mal keine großen Verletzungen gibt und wenn sich der HSV in die Spitze siegt, dann kann das nicht nur ein Dauerzustand werden, dann gibt es auch wieder Titelgewinne zu feiern.“ Er weiß wovon er spricht, denn er war bei den letzten vier Titelgewinnen des HSV immer mit von der Partie.

Auch zu personellen Dingen beim HSV hat Thomas von Heesen seine Meinung. „Wenn Afellay nicht kommen sollte, dann würde ich den Nürnberger Gündogan holen, das ist ein Juwel. Der wird in Deutschland noch für Furore sorgen. Und dann hat der HSV in seiner eigenen Jugend ein absolutes Super-Talent, ich meine den Südkoreaner Son. Er ist Sturmspitze, er ist zwar noch sehr jung, aber den würde ich sofort hochziehen“, sagt von Heesen. Er kennt sich sehr genau aus, nicht nur im großen Fußball, sondern auch im Nachwuchsbereich. Ich muss schnell mal eine Anmerkung machen dürfen: In der Vergangenheit, seit von Heesen Trainer ist, habe ich ihn oft telefonisch bei Spionagetouren – vorzugsweise in Ost-Europa – erreicht und gestört. Der Mann ist absolut fleißig, er verlässt sich nicht nur auf die Scouts des jeweiligen Vereins, er macht sich auch selbst ein Bild.

Welchen Trainer schätzte Thomas von Heesen in seiner Spielerkarriere am meisten? „Branko Zebec habe ich nur kurz noch miterlebt, an ihm schätzte ich sein fast schon perfektes Denken rund um die Defensive, er überließ nichts dem Zufall. Und Zebec ließ im Training auch oft die körperlichen Grenzen der Spieler überschreiten, ein solches Training wäre heute gar nicht mehr möglich“, so Thomas von Heesen. Weil dann die Spieler gleich zum anderen Verein – mit einem weicheren Trainer – laufen würden. Von Heesen schwärmt aber auch von einem anderen HSV-Coch: „Ernst Happel aber ist meine Nummer eins, ich war sechs Jahre bei ihm, er machte mich zum Kapitän, wie er über Fußball dachte, das habe ich nie wieder erlebt, der Mann hatte einfach nur Klasse und war großartig.“

Zum Schluss hat er auch ein absolut ehrliches Lob für die Hamburger Fans parat: „Ich ziehe den Hut vor den HSV-Anhängern. Wie sie zur Mannschaft stehen, welchen Beitrag sie leisten, damit ihr Verein oben steht, das ist wirklich sensationell. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe auch das Gegenteil davon erlebt. Und ich erinnere mich an meine HSV-Zeit, wie schnell damals mal gepfiffen wurde. Heute zeigen die Fans sehr, sehr viel Geduld, das nenne ich einzigartig.“

Sein einziger Tiefpunkt in Deutschland war sein Engagement beim 1. FC Nürnberg. Er erinnert sich: „Es war ein Fehler, den Club am 20. Spieltag zu übernehmen, denn ich konnte keine personellen Veränderungen mehr vornehmen, ich musste mit den Spielern, die den Verein in die Abstiegszone gebracht hatten, auskommen. Ein großer Fehler von mir, denn ich musste körperlich, spielerisch und auch charakterlich mit den Spielern auskommen, die nicht ich zusammengestellt hatte. Ich habe mir danach geschworen, nie wieder einen Verein nach Beginn der Rückrunde, wenn nichts mehr machbar ist, zu übernehmen, man kann eine Menge dabei verlieren.“

So, zwei kleine Sachen noch: Im Laufe des Tages folgt noch eine kleine Sommergeschichte (um die ich ja gebeten habe – immer noch bitte), und dann gibt es noch eine erfreuliche Nachricht vom HSV: Die Kollegen der Bild berichten, dass Ze Roberto beim HSV bleiben wird. Doch. Ein Gespräch mit Trainer Armin Veh hat den Brasilianer offenbar überzeugt, seine Abwanderungspläne zu den Akten zu legen, Wenn es denn so kommen sollte und ich gehe jetzt davon aus), dann ist das schon mal ein positives Zeichen für den neuen HSV 2010.

15.04 Uhr

Oenning wird dem HSV helfen

2. Juni 2010

Es ist irgendwie schon amüsant. Armin Veh hat aus der Ferne erkannt, dass der HSV große Schwächen in der Defensive hat. Und wir haben es ja schon seit Monaten gewusst. Nun liest man aber die WM-Teilnehmer, und was sieht man dort? Guy Demel, Jerome Boateng, Joris Mathijsen und Dennis Aogo sind WM-Teilnehmer. Hallo, sie sind WM-Teilnehmer und sie sind gleichzeitig die Viererkette des HSV. Was läuft da falsch? Oder sind wir nur im falschen Film? Sind es vielleicht gar nicht diese Spieler, die die HSV-Defensive so anfällig gemacht haben? Gibt es eventuell noch ganz andere Schwachstellen beim HSV? Nebenbei gilt ja auch Marcell Jansen noch als „Defensiver“ – und sie alle klingen doch als WM-Starter schon ein wenig sonderbar. Es wäre nur noch die Krönung gewesen, wenn sich zu diesem illustren Kreis ein Spieler namens David Rozehnal gesellt hätte. Und gänzlich unmöglich wäre das ja nicht gewesen . . .

Aber wer weiß? Vielleicht gehört zu diesem Kreis ja auch schon bald ein weiterer Name aus Hamburg. Wie ich hinter vorgehaltener Hand gehört habe, steht der niederländische Abwehrspieler Gregory van der Wiel (Ajax Amsterdam) immer noch auf der Wunschliste des HSV. Er hat mir beim Testspiel am Dienstag gegen Ghana sehr gut gefallen, dieser junge Mann (22) könnte bei der Problematik HSV-Defensivschwäche durchaus helfen. Wie ich gehört habe, wäre van der Wiel fast schon zum HSV gewechselt, und zwar vor einigen Tagen, als sein Landsmann Ricardo Moniz noch als Chef-Trainer des HSV gehandelt wurde. Nun muss HSV-Sportchef Bastian Reinhardt  eben mit anderen Argumenten überzeugen, um diesen Klasse-Mann ködern zu können. Ob es noch hilft? Oder ob es schon zu spät dafür ist? Letzteres könnte ich mir schon vorstellen, denn auf einen solchen außergewöhnlich guten Profi werden ganz schnell auch die ganz großen Klubs aufmerksam – und die haben eben anz andere Argumente. Aber: Bei van der Wiel muss ich immer an „Bob Dylan“ denken, der „uns“ den Niederländer ja schon seit Monaten wärmstens ans Herz gelegt hat. „Bob“ hat eben einen guten Fußball-Geschmack.

Einen etwas bitteren Beigeschmack hinterlässt spätestens seit heute Jerome Boateng. Abgesehen davon, dass sein Vertrag bei Manchester City immer noch nicht unterschrieben ist, weil die Sporttauglichkeits-Untersuchung (!) noch nicht stattgefunden hat, setzte er sich mit seinen aktuellen Aussagen in der Sport Bild zwischen die Stühle. Wörtlich ist dort zu lesen: „Es hat mir (gemeint ist beim HSV) nicht mehr gefallen. Es ist in der Rückrunde alles auseinander gefallen. In der Mannschaft lief es auch nicht sauber ab. Der eine nutzte die Öffentlichkeit, der andere redet nur hintenrum über einen. Da sind Dinge passiert, die es mir einfacher gemacht haben, meine Entscheidung zu treffen.“ Und auch das noch: „In Hamburg gab es nur noch Grüppchenbildung.“

Ähnliches hatte ja auch schon Marcell Jansen gesagt. Ich bin auf Eure Reaktion (einige gab es ja schon) in Richtung Boateng gespannt. Jansen wurde fast zu 100 Prozent verteidigt. Motto: „Endlich sagt ein Spieler mal die Wahrheit, denn es hat eben nicht nur am Trainer gelegen, sondern auch an der Mannschaft.“ Ich fand dieses Jansen-Interview nicht gut. Aber nicht, weil er etwas Böses gesagt hat, sondern ich halte es nach wie vor nicht gut für ihn. Er war lange Zeit verletzt, prangert aber nach Saisonschluss die Kollegen an, nicht alles gegeben zu haben. Damit muss Jansen leben. Auch mit dem Echo, wenn er das erste mal wieder die HSV-Kabine betritt. Und das meine ich damit: Neue Freunde wird er sich mit sich damit nicht erworben haben – und damit fängt das Elend dann auch schon (wieder) an, denn: Diese HSV-Mannschaft sollte doch in der kommenden Saison eine echte Einheit sein, eine Gemeinschaft bilden, in der jeder den anderen anerkennt und unterstützt. Wenn aber der eine oder andere Nebenmann von Jansen dem Kollegen nun mit Argwohn begegnet, ist dieses „Wir-Gefühl“ doch schon wieder leicht getrübt.

Apropos Trübung: Einige von Euch haben den „Kollegen“ Ibrahim Afellay ja schon abgeschrieben. Irgendwie nachvollziehbar – und auch nicht. Denn bislang konnte die ominöse Untersuchung (siehe Boateng) ja gar nicht stattfinden. Nun aber haben die Niederländer ja zwei Tage frei, als ginge es wohl jetzt. Die Nachricht aber, die ich vom HSV erhalten habe: „Für heute ist auf jeden Fall keine Untersuchung vorgesehen.“ Und morgen? Wenn nicht jetzt, wann dann? Dann kann es ja nicht mehr so sein, dass der Vertrag schon unterschriftsreif in der Schublade des Schreibtisches von Bernd Hoffmann liegt. Und dann denke ich schon voller Angst an meine 99 Prozent. Und daran, dass dieses eine fehlende Prozentteilchen vielleicht doch ausschlaggebend sein könnte. Ich hoffe mal nicht. Obwohl es auch durchaus so sein könnte, dass Afellay erst einmal die WM abwarten möchte. Und wenn sich dann sein Marktwert noch erhöhen sollte, dann war es das wohl für den HSV. Ich sitze dann mit dem einen Prozent da, und er bekommt 100 Prozent mehr . . .

Ein Satz noch kurz zu Alex Silva. Einige von Euch haben nach ihm gefragt, mein Kollege Christian Pletz sah ihn kürzlich in Brasilien live – und konnte nur Positives berichten. Dennoch: Ein Thema ist der ausgeliehene Brasilianer nicht für den HSV. Und zwar weder aktuell, noch auf lange Sicht. Ich glaube (wie Devildino?), dass wir den langen Dünnen nicht mehr in Hamburg sehen werden. Schon gar nicht in diesem Jahr.

So, dann möchte ich noch zum neuen Co-Trainer kommen: Michael Oenning. Den habe ich heute kennen gelernt, und ich kann nur eines sagen: Mit ihm ist der HSV noch einmal eine Note besser aufgestellt. Der ehemalige Hochschullehrer ist ein ganz ausgeschlafener und kluger Kopf, er wird bestens zu Armin Veh, Bastian Reinhardt und Urs Siegenthaler passen. Oenning, zuletzt Chef-Coach beim 1. FC Nürnberg, wird kein Ja-Sager des Chefs sein, er wird, so schätze ich ihn seit heute ein, dann eingreifen, wenn er sieht, dass etwas falsch läuft. Dieser Michael Oenning wird dem HSV sehr gut tun. Und auch das ist keine Schleimerei, sondern meine absolute Überzeugung.

Der ehemalige Verbandssportlehrer des Württembergischen Fußball-Verbandes (1999 bis 2004) ist 44 Jahre alt und mit einer Hamburgerin verheiratet, er lebt bereits seit drei Jahren im Stadtteil Rotherbaum. Jetzt geht er vom Chef-Sessel wieder zurück ins zweite Glied. Sein Kommentar: „Ich sehe mich nicht als degradiert oder als Nummer zwei an. Die Möglichkeit, beim HSV zu arbeiten, halte ich für sehr attraktiv. Und wir sind ein Team, und ich möchte hier in einem Team mithelfen, eine schwierige Aufgabe zu lösen. Assistent bei jedem Verein konnte ich mir nicht vorstellen, aber beim HSV auf jeden Fall. Es ist vielleicht auch ein Stück von etwas Besonderem, dass man es mal so versucht. Aber es ist auch kein Geheimnis wenn ich sage, dass wenn sich die Möglichkeit ergibt, wieder nach vorne zu gehen, dann werde ich das auch machen. Ich bin noch nicht am Ende meines Weges.“ Und er ergänzt noch: „Ich habe noch nie bei einer Spitzen-Mannschaft gearbeitet, immer nur bei Abstiegskandidaten oder im Mittelmaß. Die Chance aber, mal ganz vorne dabei zu sein, die gibt es nicht so oft. Ich hätte bei einigen Klubs arbeiten können, aber von diesen Aufgaben war ich nicht überzeugt – von dieser aber bin ich es.“

Oenning weiß was er will, er strotzt, so hat es den Anschein, vor Selbstbewusstsein. Er will auch ein Auge auf die Jugend und auf die Talente werfen. Was bisher kaum jemand wusste: Im Jahr 2000 stellte er sich schon einmal – damals gemeinsam mit Horst Hrubesch – bei HSV-Sportchef Holger Hieronymus vor, legte ihm ein Konzept für die Nachwuchsarbeit vor, aber der damalige Versuch, beim HSV in Sachen Jugend zu arbeiten, verlief im Sande. Warum? Oenning: „Damals trennte sich der HSV dann gerade von Holger Hieronymus, und es gab auch keinen Präsidenten mehr, der das hätte entscheiden können.“ Sonst wäre Michael Oenning vielleicht schon seit zehn Jahren HSV-Trainer (für den Nachwuchs? Oder für mehr?).

Mit Armin Veh liegt Oenning auf einer sportlichen Wellenlänge. Der Assistent sagt: „Wichtig war für mich, dass wir dieselbe Auffassung vom Fußball haben, dieselbe Spielphilosophie. Ich bin auch ein Verfechter des Offensivfußballs, wir wollen nach vorne spielen, wir wollen das Spiel selber machen, wir wollen agieren und nicht nur reagieren – und das kommt mir schon sehr nah.“ Da kommt doch Hoffnung auf. Wer erinnert sich nicht an das ewige Quergeschiebe und Zurückgespiele in dieser Saison? Das soll abgestellt werden – hoffentlich. Oennings Worte sind für mich der erste Weg zur Besserung.

Und was ist mit den Standards? Wird sich der HSV mit dem neuen Trainer-Gespann auf diesem Gebiet (endlich) verbessern? Wird das in Zukunft intensiver geübt? Freistöße und Eckstöße waren oft eine Zumutung – und zwar seit vielen Jahren. Oennings Einstellung zu diesem Thema: „Das trifft auf alle 18 Erstliga-Vereine zu, das ist ein ewiges Thema. Das ist unglaublich schwer.“ Und: „Ich bin der letzte, der sich da verweigern würde. Es muss trainiert werden, ganz klar, aber die Erwartungshaltung, die daraus entsteht, ist bei allen zu groß. Selbst bei den Bayern sind Standards ein stetes Thema, es ist ein Dauer-Thema auch für alle Vereine in Europa – weil es wirklich sehr, sehr schwer ist, Standards in Tore umzusetzen.“

Michael Oenning ist in seiner privaten Zeit Sky-Mitarbeiter. Schon seit vielen Jahren (vorher Premiere). Er hilft die Spiele zu analysieren, mal an der Seite von Marcel Reif, mal als rechte Hand von Kai Dittmann. Er wird wohl auch Sky-Mitarbeiter bleiben, denn in der Woche, wenn Europa spielt, hat der HSV-Co-Trainer ja vermehrt frei. Aber diesen Zustand kann er ja ändern, auf jeden Fall mithelfen, es zu ändern. Damit der HSV in der Woche auch seine internationalen Spiele wieder hat. Theoretisch läuft es ja bereits sehr gut an.

18.04 Uhr

Es kehrt Ruhe ein

26. Mai 2010

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Armin Veh hat ja die Defensive des HSV als Schwachstelle entlarvt, deshalb sollen auch mindestens zwei Abwehrspieler verpflichtet werden. Allerdings glaube ich niemals, dass ein Mann wie Fabio Cannavaro von Juventus Turin eine Chance hat, beim HSV unterzukommen. Wir erinnern uns: Vor ein paar Tagen hieß es noch beim HSV, dass ab sofort junge, charakterstarke und möglichst auch deutsche Spieler unter Vertrag genommen werden sollten. Als zwei, drei Tage nach dieser Verkündung der Vertrag mit Paolo Guerrero verlängert werden sollte, beschloss der Aufsichtsrat, dieses Thema nach hinten zu schieben. Weil es ja dann doch irgendwie nicht so richtig gepasst hätte. Inzwischen ist der Vertrag mit Guerrero perfekt gemacht worden, quasi als Mitgift der HSV-Hochzeit mit Armin Veh. Aber deswegen noch eine zweite Ausnahme? Glaube ich nie. Zumal der gute Cannavaro, der 132 Länderspiele für Italien bestritten hat, ncht mehr so ganz taufrisch ist, denn er ist immerhin schon 36 Jahre alt ist. Und der deutschen Sprache soll er auch (noch) nicht mächtig sein. Nein, nein, ich denke mal, dass der HSV aus dem „Fall Sorin“ doch einiges gelernt hat.

Da passt Ibrahim Afellay doch schon (ein bisschen) besser. Ich habe mich gestern sehr weit aus dem Fenster gelehnt, indem ich behauptet habe, dass sein Kommen für mich zu 90 Prozent sicher ist. Davon bin ich auch immer noch überzeugt, aber: Wenn jetzt an den „Fall Hoogma“ erinnert wird, als ich auch zu 90 Prozent sicher war, dann muss ich sagen, dass ich die zehn Prozent ja nicht ohne Begründung für mich behalte. Es kann immer noch etwas dazwischen kommen. Bei Afellay aber soll (fast) alles perfekt sein, nur noch die Sporttauglichkeits-Untersuchung soll (soll!) eine Vertragsunterzeichnung noch verhindern. Und diese Untersuchung scheitert daran, dass sich Afellay derzeit mit der niederländischen Nationalmannschaft auf die WM vorbereitet. Da hat es kein Trainer der Welt gerne, wenn sich ein Spieler von der Truppe entfernt, um einen Vertrag bei einem Klub zu unterzeichnen. Deswegen: Gut Ding will Weile haben. Habt Geduld. Und sollt dann während dieser Wartezeit noch ein anderer Klub die eine oder andere Million Euro mehr bieten, und sollte Afellay dann diesem Angebot erliegen – dann ist das Pech. Und dann waren das die fehlenden zehn Prozent . . .

Übrigens: Wenn in unserem Kreise schon über die angeblichen neun Millionen Ablöse diskutiert wurde. Selbst wenn der Niederländer neun Millionen kosten würde, so sind diese neun Millionen nie auf einmal zu zahlen. Es ist in der heutigen Zeit der Fußball-Sklaverei so üblich, dass eine solche Summe in Raten gezahlt wird. Hier ein Sümmchen, dort ein Sümmchen, und dazu kommt noch hier eine Prämie und dort eine Prämie – oder auch nicht. Gelegentlich wird in den Vertrag auch eingebaut: „Sollte der HSV in der Champions League spielen, kostet der Spieler die Summe X mehr, in der Europa League kostet er nur die die Hälfte der Summe X.“ Und bei Nicht-Erreichen eines internationalen Startplatzes könnte der HSV eventuell, je nachdem was verhandelt und festgeschrieben wurde, eine Summe X vom Gesamtpreis wieder abziehen. Also: Neun Millionen sind nicht sofort zu zahlen, sondern über Jahre gesplittet.

Um eine ganz andere Summe ging es ja in diesen Tagen, um die Kevin Keegan beim HSV gekämpft haben soll. Soll (!). Auch wenn es immer noch ein kleines Thema in der Hansestadt ist, es war für den HSV absolut keines. Um Euch das Gerücht einmal in Ausführlichkeit zu schildern: Am Freitag erhielt ich kurz vor Mitternacht zwei SMS – von zwei Freunden, die nichts von dem jeweiligen anderen SMS-Geber wussten. Darin stand unisono: „Hier sitzen Bernd Hoffmann und Kevin Keegan. Sie verhandeln wohl, Keegan soll wohl neuer HSV-Trainer werden.“

Ich wurde wach. Und dann gab es einige SMSsen hin und zurück. Dabei erfuhr ich, dass keiner von den beiden Herren es mit eigenen Augen gesehen hatte, sondern es sich lediglich durch einen anderen Freund des Freundes herumgesprochen hatte. Deswegen habe ich bei „Matz ab“ auch kein Fass davon aufgemacht, sondern bin ganz ruhig ins Bett gegangen und habe mir gesagt: „Abwarten.“ Morgens ging dann mein Handy. Einer der beiden Informanten war am anderen Ende und sagte: „Ich hatte das von einem Freund gehört, und der war zuvor von seinem Freund angerufen worden, dass Hoffmann und Keegan dort sitzen. Heute aber, am Morgen danach, gibt der Freund zu, dass er sich auch getäuscht haben könnte. Weil er gar nicht genau weiß, wie Keegan aussieht.“ Aha. Das klingt nach Ente. Und das klingt nicht nur danach, es ist eine stattliche, ausgewachsene Ente, die 24 Jahre Flugerfahrung hat, die 1962 ein DDR-Visum besessen hat und die 1984 am Meniskus operiert worden ist. Keegan war kein Thema, und wer diese ominösen drei Millionen Gage, die der Engländer gefordert haben soll, erfunden hat, das weiß nun wirklich niemand mehr.

Jetzt ist die Sache ohnehin gegessen, denn Armin Veh ist ja da. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ruhe in den HSV einkehrt. Ganz oben und auch im Aufsichtsrat. Zeit zum Durchatmen. Und trotz allem geht es natürlich heiß weiter. Ich habe in den letzten Stunden oft die eine Frage gehört: „Wie stehst du denn zu Veh?“ „Dittsche“ würde sagen: „Ich will mal so sagen. So jetzt: Es gibt viele Trainer-Töpfe auf der Welt. In Topf eins liegen Kollegen wie Mourinho, Hiddink, Ferguson und Wenger und einige andere mehr. Unbezahlbar für einen Verein wie den HSV. In Topf zwei liegen Trainer wie Bernd Schuster. Oder wie Martin Jol. Nicht ganz an der Spitze, aber einen guten Ruf. Und ganz sicher auch nicht gerade billig. Der HSV leistete sich mit ihm in der vorletzten Saison den teuersten Coach der Vereinsgeschichte. Und dann gibt es Topf drei. In dem lagen Veh, Marcel Koller, Friedhelm Funkel, Lucien Favre und, und und. Und aus Topf drei hat sich der HSV bedient – und den besten Trainer genommen. So denke ich.

An jedem Trainer hängt ja, das hat die Bundesliga-Neuzeit bewiesen, immer auch ein ganz anständiger Trainer-Stab. Und alle Leute wollen bezahlt werden. Deshalb ist ein solcher Trainerwechsel nicht immer nur an einem Mann (finanziell) festzumachen, sondern an mehreren. Und das geht ins Geld.

Im Fall Veh ist es nun so, dass sogar ein ehemaliger Bundesliga-Trainer der Assi werden soll: Michael Oenning (1. FC Nürnberg). Und der hat ganz gewiss auch seinen Preis. Auch wenn ihn viele hier als sehr gut willkommen heißen. Ich auch. Und ich teile auch die Hoffnung vieler, dass Oenning den Herren HSV-Profis den Hintern aufreißen wird, denn: So sehr ich Veh auch schätze, ein Manko hat er sich bei mir durch sein Engagement in Wolfsburg auch erarbeitet: Wolfsburg unter Felix Magath marschierte, 90 Minuten lang, wenn es sein musste auch 120 Minuten lang. Und unter Veh war das irgendwie anders. Nun wird beim HSV (hinter vorgehaltener Hand) davon gesprochen, dass Magath das Letzte, nein, das Allerletzte aus den VfL-Profis herausgeholt hat – und dass die Mannschaft danach platz gewesen sei. Und dann aber in die Dreifach-Belastung gehen musste.

Abwarten, wie sich das nun beim HSV entwickelt. In der vergangenen Saison hatte mir die Mannschaft viel zu wenig Kondition, ich hoffe nur für die Spieler, den Klub und für die Fans, dass das der neue Trainer (und sein Team) erkannt haben, und dass deswegen entsprechend trainiert wird. Alles steht und fällt mit der Kondition, da muss ganz sicher viel, viel mehr getan werden, als in der Saison 2009/10.

Bitte, Herr Veh, nehmen Sie sich dieser Baustelle an, scheuchen Sie Ihre Männer, damit sie 90 Minuten und länger laufen können. Bitte, Herr Veh!

Meine Hoffnung ist in diesem Punkt ja auch Bastian Reinhardt. Da in der vergangenen Saison kein Sportchef dem Training zusah (weil es keinen gab), wird sich der „Neue“ wohl doch einige Male mehr im Volkspark sehen lassen, um sich davon zu überzeugen, wie und in welcher Art dort trainiert wird. Ohnehin bin ich gespannt darauf, wie sich „Basti“ Reinhardt seiner Aufgabe nähern wird. So wie ich ihn kenne, wird er kein Duckmäuser sein, gegen wen auch immer. Das wird auch der Herr Siegenthaler bald schon merken. Und wenn er es dann bemerkt hat, dann kommt es für mich darauf an, ob er es auch toleriert. Da kommen mir doch leichte Zweifel. Und diese sagen mir eher, dass Veh und Reinhardt diese Saison – ohne in Bedrängnis gekommen zu sein – überstehen, dass aber der Noch-DFB-Scout eventuell damit liebäugelt, doch ein wenig eher beim HSV aufzugeben. Aber, wie schon geschrieben: abwarten. Erst einmal muss der Ball in der neuen Spielzeit ja wieder mal rollen . . .

Ganz interessant zum Thema neuer HSV-Trainer. In der Wettbranche wurde diese Vorlage gleich und dankbar aufgenommen. In einer Mitteilung eines Wettanbieters heißt es: „Der Trainerstuhl beim HSV gleicht einem Schleudersitz. Kein Coach sitzt bei den Rothosen lange auf der Bank. Mit Arnim Veh wurde bereits der siebte Trainer in sieben Jahren verpflichtet, den die große Mehrheit der Fans bei Umfragen in den Foren als Fehlbesetzung einschätzt. Auch auf dem Wettmarkt ist der neue Trainer des HSV bereits ein heißes Thema. Ist Armin Veh auch noch in der Rückrunde der kommenden Saison Trainer des HSV, fragen die Buchmacher des internationalen Sportwettenbieters „myBet“. Die Quoten sprechen dabei für eine erfolgreiche Arbeit von Veh. Wer wettet, dass er auch zu Beginn Rückrunde noch im Amt sein wird, erhält deshalb nur eine Quote von 1.07 (10,70 Euro für zehn). Wer allerdings darauf setzt, dass Veh dann schon wieder gefeuert sein wird, kassiert die hohe Quote von 6.00 (60 Euro für zehn).“

So, zum Abschluss noch eine erfreuliche und eine nicht so erfreuliche Nachricht. Die nicht so erfreuliche zuerst: Bastian Reinhardt wird keine Kolumne mehr für „Matz ab“ schreiben. Er hat nach seiner Vorstellung gesagt: „Ich bin jetzt im ernsten Fach angekommen.“ Stimmt ja auch, wir sollten Verständnis aufbringen – ich bringe schon. Und die erfreuliche Nachricht: Wenn der HSV schon nicht Meister wird, dann eben wir. Das heißt, nicht ich, sondern mein Kollege Christian Pletz. Es ist schon ein paar Tage her, jetzt aber habe ich ein Foto – mit einem ganz speziellen Trikot. Das sollte hier veröffentlicht sein, wenn nicht, habt Geduld (wie so oft in diesen Tagen). Es ist das Sieger-Trikot für die Meistermannschaft des Eidelstedter SV II, das Team wurde Sieger in der Kreisliga Staffel sieben und steigt in die Bezirksliga auf. Ich habe zwei Trikots davon abgestaubt – und, ich habe beide (XL und L) noch an seinem (vorerst) letzten Tag in Hamburg von Ze Roberto unterschreiben lassen. Wer eines der beiden Trikots haben möchte, solle sich bitte melden, alle Eingänge werden bis zur Veröffentlichung des nächsten Beitrags von mir gesammelt und dann wird ausgelost. Ich schreieb Euch dann an, Ihr müsst mir dann Eure Adresse mailen. Perfekt – so machen wir es!

Übrigens: Perfekt ist auch ein Ausleihgeschäft des HSV. Stürmer-Hoffnung Maximilian Beister wird an den Zweitliga-Klub Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Leider. Ich hätte ihn hier gerne mal unter dem neuen Trainer erlebt. Aber das kann ja dann noch später etwas werden.

17.09 Uhr

Gemeinsam sind wir stark!

25. Mai 2010

Armin Veh hat sich vorgestellt, Bastian Reinhardt ebenfalls, der Vertrag mit Paolo Geurrero wurde jetzt doch noch um vier Jahre verlängert – und der Aufsichtsrat atmet tief durch. Grund dafür: Endlich ist der Sportchef installiert, jetzt muss nicht mehr gesucht werden, ab jetzt muss nur noch kontrolliert werden, und das wohl besser in aller Stille und im Verborgenen. Die Lage beim HSV scheint sich zu entspannen, nun dürfte endlich wieder Ruhe einkehren, damit es mit vereinten Kräften in der nächsten Saison wieder nur bergauf geht. Es ist an diesem Dienstag viel gesprochen worden, es ist auch einiges versprochen worden, aber ein Satz erscheint mir besonders erwähnenswert. Als ich Klub-Boss Bernd Hoffmann die Frage stellte, ob denn nun Bastian Reinhardt, der Manager-Neuling, der Vorgesetzte von Urs Siegenthaler ist, antwortete Hoffmann: „Wir sind ein Team, wir werden alles gemeinschaftlich vertreten.“ Herr Hoffmann, das klingt super. Wenn Sie das tatsächlich beherzigen in die Tat umsetzen können, dann ist dieser HSV, Ihr HSV, unser HSV, ganz sicher wieder auf einem guten Weg. Gemeinsam sind wir stark, bitte nehmen Sie diesen Leitsatz ab jetzt als oberstes Gebot dieses Klubs.

Die Pressekonferenz mit den Vorstellungen von Armin Veh und Bastian Reinhardt könnt Ihr Euch in aller Ruhe nach auf Abendblatt TV ansehen, deswegen werde ich davon keine Dialoge veröffentlichen. Veh machte auf mich genau den Eindruck, den ich schon vor diesem Tag von ihm gewonnen habe: Ruhig, sachlich, ausgeglichen, fachkundig und nett, auch wenn der Begriff „nett“ bei einigen von Euch schon wieder negativ besetzt ist, mit „nett“ ist vor allen Dingen „menschlich“ gemeint. Veh steht mit beiden Beinen auf dem Boden, er ist nicht aggressiv, er ist nicht knurrig, auch wenn er gelegentlich den Anschein erwecken könnte, er ist nicht arrogant oder überheblich, er ist kooperativ und – was ich für die nächste Trainer-Ära beim HSV für ganz wichtig halte – er leidet nicht unter Verfolgungswahn. Er erzählt frisch, fromm, fröhlich, frei über sich und über die Dinge, die ihn bewegen. Das kommt bei mir sehr, sehr gut an.

Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter haben sich die Sache „Trainer-Findung“ nicht leicht gemacht. Ganz sicher nicht. Es wurde in den letzten Wochen mit sechs, sieben Trainern gesprochen. Darunter war sogar auch ein Mann namens Bernd Schuster, von dem Hoffmann nach drei, vier Stunden einen sehr guten Eindruck gewonnen hatte. Letztlich war aber entscheidend, dass Armin Veh von allen Kandidaten die beste Lösung für Hoffmann und Co war. Der Vorstands-Vorsitzende bekannte später, dass in diesem Fall auch „das Bauchgefühl“ mit entschieden hat. Was zudem Fakt ist – und Bernd Hoffmann hat es ausgesprochen: Der HSV hat seit Ernst Happel keinen Trainer mehr gehabt, der den Titel des Deutschen Meisters gewonnen hat – Armin Veh kann einen solchen Titel vorweisen, er weiß, wie es geht (oder gehen könnte).

Gemeinsam sind wir stark. Das stimmt mich in der Tat sehr hoffnungsvoll. Wenn Veh, Siegenthaler und Reinhardt tatsächlich, so wie es der neue HSV-Coach andeutete, auf einer Wellenlänge liegen, wenn sie tatsächlich ihre fußballerischen Vorstellungen unter einen Hut bringen können, dann muss das HSV-Vorhaben „Aufschwung“ ganz einfach erfolgreich sein. Veh hat in 20 Trainer-Jahren reichliche Erfahrungen gesammelt, und er hat in Gesprächen mit Siegenthaler erkannt, dass sein Gegenüber ebenfalls ein großer Fußball-Experte ist (zu hören bei der PK). Und: Er hat es offensichtlich nicht nur erkannt, er akzeptiert es auch. Das ist viel wichtiger. Nicht dass es den einen oder anderen Mann im HSV gibt, der dem eigentlichen Kollegen, mit dem er Hand in Hand das Beste für den HSV bewirken sollte, nichts Gutes gönnt und deswegen eher kontraproduktiv mit ihm zusammen arbeitet.

Ein Hauptaugenmerk der neuen HSV-Führung wird auch sein, frischen Wind nach Ochsenzoll zu bringen. Siegenthaler hat schon Maß genommen, ich glaube, dass ich nicht zuviel verspreche wenn ich behaupte, dass es in Zukunft rund gehen wird im Jürgen-Werner-Leistungszentrum. Denn alle Herren haben sich zum Ziel gesetzt, dass es endlich „richtig“ guten Nachwuchs für die Bundesliga geben muss. Vorbild FC Bayern, bei dem, ich erwähnte es schon, sechs „Eigengewächse“ im Halbfinale der Champions League standen. Ein Traum. Auch in der Realität. Ein Traum von Siegenthaler, Veh, Reinhardt und Hoffmann. Und ich kann nur sagen: Bitte, die Herren, packen Sie es an. Es kann doch eigentlich nichts Schöneres geben, als wenn der HSV eine Tages melden kann: Wir spielen im Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit einer Mannschaft, in der ebenfalls sechs Spieler, die in Ochsenzoll zum ersten Mal ein Trikot mit der Raute trugen. Man, was wäre das herrlich!

Noch ein kurzer Schwenk zu „Basti“ Reinhardt. Er ist, wie auch Armin Veh, im Vorfeld dieser Vorstellung arg niedergemacht worden. Ich kann verstehen, dass einige das aus Enttäuschung darüber, dass Nico Hoogma kein Sportchef geworden ist, von sich gegeben habe. Wie gesagt, ich versteh ihre Enttäuschung, aber die Wortwahl war teilweise unterirdisch und unmenschlich, so etwas werde ich nie im Leben tolerieren und akzeptieren, ich werde es immer verurteilen. So etwas gehört sich ganz einfach nicht, man muss auch mal verlieren können.

Und einer wie „Basti“ Reinhardt hat eine solche Vernichtung schlicht und einfach auch nicht verdient. Er ist ein ganz kluger Kopf, er wird im Zusammenspiel mit Veh und Siegenthaler schnell lernen, von ihm wird der HSV ganz sicher noch profitieren. Da lege ich mich mal ganz weit aus dem Fenster, aber ich bin von Reinhardts Qualitäten restlos überzeugt – schließlich laufen wir schon einige Jährchen parallel nebeneinander her. Interessant dürfte aber in der Tat sein, wie die Mannschaftskollegen (die bisherigen) auf den neuen „Vorgesetzten“ reagieren. Ich weiß es noch genau: 1986 fuhr Felix Magath als HSV-Spieler zur WM nach Mexiko, und kam als HSV-Manager aus Mexiko zurück. Und gleich einer seiner allerersten Aufträge war mehr als heikel. Magath sollte den Vertrag von Manfred Kaltz, mit dem er befreundet war, mit dem er auch privat durch viel Dick und viel Dünn gegangen ist, verlängern. Es kam wie es kommen musste – Kaltz und Magath konnten sich nicht einigen und lagen sich in den nächsten Monaten total überquer. So kann es auch gehen.

Fünf Bemerkungen (fast) am Rande: Der ehemalige Nürnberger Chef-Coach Michael Oenning wird, das ist fast hundertprozentig, neuer Co-Trainer des HSV. Der Transfer des niederländischen Nationalspielers Ibrahim Afellay ist auch (zu 99 Prozent) als sicher zu vermelden, zudem wird der HSV noch mindestens zwei Abwehrspieler unter Vertrag nehmen. Weil Veh erkannt hat, Ihr werdet es bei der PK gehört haben, dass die Schwächen des HSV in der Defensive lagen und noch liegen. Und dann noch zu Kevin Keegan. Es hält sich ja immer noch hartnäckig das Gerücht, dass der Engländer zu Verhandlungen (mit Bernd Hoffmann) in Hamburg war. Hoffmann dementiert das aber energisch und sagt: “Ich habe vor Jahren ein einziges Mal mit Kevin Keegan gesprochen. Ansonsten habe ich keinen anderen Kontakt mit ihm gehabt.” Alles heiße Luft.

Keine heiße Luft ist allerdings der Abschied von Ricardo Moniz aus Hamburg – der steht fest. Der Niederländer wird zu Red Bull Salzburg wechseln, obwohl ihn der HSV gerne gehalten hätte. Moniz wollte aber nur als Chef-Trainer bleiben, doch als ein solcher hatte er den Verantwortlichen ein bisschen zu wenig Erfahrung. Ein Standpunkt, den man (vor allem in der jetzigen HSV-Situation) vertreten kann.

Schlusseinschätzungen von Bernd Hoffmann: „Wir waren uns sicher, dass Armin Veh in dieser Situation, in der sich Mannschaft und Verein derzeit befinden, genau zum richtigen Zeitpunkt der richtige Trainer für uns ist. Er hat damals eine ähnliche Situation, wie wir sie jetzt haben, einst in Stuttgart vorgefunden, hat mit Stuttgart und Wolfsburg langjährige Erfahrungen auf einem Niveau gesammelt, auf dem auch der HSV spielt, und er bringt neben seiner nachgewiesenen Kompetenz die Souveränität und Freude mit, die ich mir von unserem Cheftrainer gewünscht habe. Wir haben mit ihm exakt die richtige Wahl getroffen.“

Das hoffen wohl – auch in diesem Jahr wieder – alle HSVer.

18.03 Uhr

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