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Vor dem Juventus-Spiel

17. Juli 2010

Fußball kann ja so einfach sein. Das Runde muss ins Eckige. Und beim HSV kommt noch erleichternd hinzu: Man kaufe sich für die Defensive Hummels, Höwedes und natürlich auch Subotic, für vorne würde ich Messi, Ronaldo und eventuell, wenn er nicht gerade in WM-Form spielt, auch Rooney holen. Klar. Dem besten Klub der Welt das Beste. Ich bin absolut dafür. Wenn ich dem besten Klub der Welt dann wünsche, dass er im Jahre 2011 wieder in der Champions League spielt, wenn ich glaube, dass Armin Veh aus dieser Mannschaft viel, viel mehr „herausholt“ als ein anderer Trainer, dann werde ich gleich als Irrer abgestempelt.

Dabei ist Fußball doch so einfach. Man muss nur eins und eins zusammenzählen. Und schon weiß einer, dass der HSV wieder nur Platz sieben (oder sogar noch schlechter) belegen wird, und der andere weiß natürlich, dass Veh in Wirklichkeit keine Ahnung hat. Weil alles doch so einfach ist. Im Fußball. Speziell natürlich im HSV.

Da ich ja als Wendehals in die „Matz-ab“-Geschichte eingegangen ist, da mein Ruf ja ohnehin schon ruiniert ist, rudere ich für alle diejenigen, die es nun schon viel besser wissen, sehr gerne mal wieder ein gehöriges Stück zurück. Der HSV wird natürlich nicht in die Bundesliga-Spitze zurückkehren, er wird auch erst recht nicht in die Champions League kommen, der HSV muss schwer aufpassen, dass er nicht wieder einmal in Abstiegsgefahr gerät. Wie einst unter Thomas Doll. So wird es kommen. Vermutlich. Also, noch einmal zur Erinnerung, diese Prognose gilt nur für jene Hellseher, die nichts von Optimismus und Hoffnungsschimmern in Bezug auf den HSV wissen wollen – weil sie es ja ganz genau wissen, wie (negativ) es laufen wird.

Man muss doch nur eins und eins zusammenzählen. Ich kann das zwar nicht so gut, gebe ich zu, aber der ganz fixe „fg“, der ist ein Könner. Der weiß, wie man rechnet. Obwohl er unterscheidet: Ist das nun die Matz-Rechnung, oder doch die Veh-Rechnung? Nein, weder noch. Es ist nur das kleine Fußball-einmal-eins, das hat weder mit Matz noch was mit Veh zu tun.

Und dann möchte ich bei der Gelegenheit noch an dieser Stelle, bereits an dieser Stelle sagen: Es gibt noch immer keinen neuen Spieler beim HSV. Außer zuletzt Dennis Diekmeier, der am Freitag vorgestellt wurde. Also, für diejenigen, die nicht bis zum Ende lesen möchten: Es wird in diesem Beitrag weder Hummels, Subotic noch Höwedes zum HSV kommen. Und auch kein Ronaldo, Messi oder eine der sonstigen Granaten, die der HSV bereits seit Wochen auf dem Zettel hatte. Und die er immer noch auf dem Zettel hat. Jetzt, wo die Kühne-Millionen da sind, ist es ja ohnehin viel leichter, auf dem Transfermarkt zuzuschlagen.

Zum Beispiel Afellay. Ja, da hat der Sportchef doch tatsächlich allen widersprochen, die diesen Wahnsinns-Transfer schon begraben hatte. Ich meine damit nicht Euch, sondern mich, und dazu auch sämtlichen Hamburgern Medien. Bastian Reinhardt sagt doch glatt, dass er immer noch täglich mit dem Afellay-Berater sprechen würde. Die meisten von Euch wissen, dass das nicht stimmt (es stand ja auch in den Zeitungen!), aber mich würde interessieren, worüber die beiden Herren denn täglich so sprechen. Vorstellbar ist da eigentlich alles. Nur nicht, dass Ibrahim Afellay noch zum HSV kommen wird. Oder doch? Was soll man eigentlich noch glauben? Ich werde mal Euch glauben. Denn vom HSV und von Afellay selbst kommt ja nichts Genaues.

Da ich nicht Jesus bin (das werden die „Matz-abber“ bestätigen können, die mich schon mal beim Training gesehen haben), weil mir kein Gras aus den Ohren wächst, weiß ich auch in dieser Sekunde nicht, welchen Innenverteidiger der HSV demnächst verpflichten wird. Das weiß zwar auch kein anderer Hamburger Journalist, vielleicht weiß es ja nicht einmal der HSV selbst, aber es ist natürlich ein Unding, dass ich das nicht weiß. Aber ich werde mich ab jetzt auch hüten, Spekulationen (aus dem Bauch) zum Besten zu geben. Dafür solltet Ihr hier besser Eure Gedanken veröffentlichen. Und immer fein dran denken: Nicht von 99 oder nur von 90 Prozent schreiben, siedelt es bei ungefähr zehn Prozent an, damit es hinterher noch eine kleine Lücke zum Rückzug gibt. Bei zehn Prozent hätte ich wohl heute noch eine etwas weißere Weste . . .

So, das war mein Wort zum Sonntag. An alle Besserwisser und alle diejenigen, die – wie „fg“ – eins und eins zusammenzählen können. Bei der Gelegenheit: Ihr könnt mir wirklich glauben, dass ich mir für „Matz ab“ den Hintern aufreiße. Quasi Tag und Nacht. Selbstverständlich ist es mein Privat-Vergnügen, wenn ich einen Tag und eine ganze Nacht bei einem Fan-Klub im Feindesland verbringe, aber ich denke, auch ein solcher Kontakt gehört zu einem gut geführten Blog. Wenn es dann aus Zeitgründen nicht langt, sofort jeden Neuankömmling „freizuschalten“, dann wäre es super, wenn diese Damen und Herren nicht gleich wie das HB-Männchen wild fluchen und meckern würden, sondern wenn sie Ruhe bewahren würden. Ich bin die meiste Zeit ein Einzelkämpfer, und ich kann mich leider noch nicht vierteilen. Freischaltungen sind nämlich auch immer damit verbunden, Gut von Böse zu trennen. Wobei ich nicht die Architekten-Combo meine, sondern jene Werbe-Angebote, die mich in Sachen Viagra, Sex-Filmen und sonstigen Stimulanz-Mitteln (die ich noch nicht benötige – um gleich allen den Wind aus den Segeln zu nehmen!) tausendfach erreichen. Ihr würdet wahrscheinlich sehr erstaunt sein, wenn Ihr auch mit diesem Mist noch konfrontiert werden würdet – es langt ja schon, dass man hier nicht jeden Tag einen neuen HSV-Profi frei Haus geliefert bekommt . . .

Und an alle diejenigen, die nun vermuten, dass ich ein wenig garstig bin: stimmt. Denn es wäre wirklich toll, wenn einige Leute begreifen würden, dass ich nur dann Neuverpflichtungen melden kann, wenn es welche gibt.

Beim Training war ich heute trotz allem. Passspiel stand auf dem Programmplan, die verschiedenen Übungen dauerten 45 Minuten. Anschließend folgte ein 30-Minuten-Spiel A gegen B. Die A-Mannschaft ist in meinen Augen jene Elf, die am Sonntag in Lübeck gegen Juventus Turin (Ablösespiel für Diego?) beginnen wird: Rost, Diekmeier, Besic, Benjamin, Rincon; Jarolim, Ze Roberto; Guerrero; Petric, Pitroipa; van Nistelrooy. Bei der B-Mannschaft kickte übrigens Co-Trainer Michael Oenning als Linksverteidiger mit – sah passabel aus.

Wichtig bei diesem Spiel war, dass der Ball nicht zu lange von einem Spieler gehalten wurde. Gefragt war das gepflegte Kurzpassspiel, und das möglichst direkt. Wenn es Armin Veh gegen den Strich ging, das heißt, es wurde zu langsam gespielt, dann pfiff er (mit dem Mund), unterbrach und erklärte, wie es anders besser gewesen wäre. Sah gut aus. Um 11.15 Uhr war diese Sonnabends-Einheit beendet, das A-Team siegte 3:0, wenn ich es richtig gesehen habe (ich weiß nicht, ob jedes Tor zählte, da mit Abseits gespielt wurde.).

Für die Skeptiker unter uns sei gesagt, dass so eine Trainingseinheit ja überhaupt nichts zu bedeuten hat. Da wird halt trainiert. Mehr nicht. Für die Optimisten unter uns möchte ich dann aber doch sagen, dass das, was da zurzeit im Volkspark trainiert wird, richtig gut anzusehen ist. Ich würde sogar sagen: Das ist Profi-Fußball.

Okay, okay, natürlich war es das auch unter Bruno Labbadia auch. Natürlich und selbstverständlich. Und natürlich und selbstverständlich habe ich das vor einem Jahr zu jenem Zeitpunkt auch so gelobt. Ihr, die Skeptiker, Ihr allerdings nicht, das weiß ich noch ganz genau. Nach dem 4:1 gegen Dortmund, nach dem 4:2 in Wolfsburg und nach dem insgesamt besten HSV-Bundesliga-Start aller Zeiten gab es viele, viele warnende Finger, enorm viele Skeptiker und etliche Kritiker, die sofort warnten: So geht es nicht, so wird der HSV am Ende nur Platz sieben belegen. Natürlich war es so.

Ich möchte aber den Optimisten unter uns dennoch ganz deutlich sagen, dass ich von Veh, seiner Arbeit, seiner Fußball-Philosophie überzeugt bin. Jetzt ist Zug drin. Und ich möchte noch kurz einen Zeitzeugen anfügen, der vorgestern etwas Bemerkenswertes gesagt hat. Er kam nach sechs Wochen Südafrika zum HSV-Training, sah zu, unterhielt sich danach mit Armin Veh und stellte uns gegenüber fest: „Ein Unterschied wie Tag und Nacht . . . Der Mann hat ja Klasse, der ist klasse.“ Und der, der das gesagt hat, ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit mir.

Wer bei der Aufstellung des A-Teams genau hingesehen hat, der wird den Namen David Rozehnal vermisst habe. Der Tscheche spielte bei B, und dort wird er am Sonntag wohl auch erst einmal Platz nehmen müssen. Die Chance für einen Publikumsliebling wie Benjamin, sich näher an die A-Formation heranzuspielen. Ich gönne es dem (darf man eigentlich schon „Altmeister“ schreiben?) sympathischen Allrounder, er gibt immer, auch im Training, 100 Prozent.

Am Rande der Arena wurde ja schon mehrfach in den letzten Tagen (ein wenig) kritisiert, dass der HSV einem 18-jährigen Juwel wie Heung Min Son nur einen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben hat. Keine Panik, bitte auch keine Vorverurteilungen, aber das hat mit Dingen wie einer Aufenthaltsgenehmigung zu tun. Die ist auch in seinem Fall nur begrenzt haltbar, aber der HSV, das kann ich fest versprechen, arbeitet auch an diesem Thema. Ganz hart und emsig sogar.

Kurz noch ein Wort zum Torwart-Training. Das macht, ich schrieb es bereits, Ronny Teuber in meinen Augen richtig gut, Was ich aber vielmehr sagen wollte ist das: Es geht sehr sehr ruhig, besser gesagt schweigsam zu, wenn Frank Rost, Jaroslav Drobny und Wolfgang Hesl miteinander üben. Was nicht immer gleich etwas Schlechtes bedeuten muss, ich aber würde mir doch schon ein wenig mehr „Leben“ wünschen. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Ganz zum Schluss noch einmal in (fast) eigener Sache. Unser „Thomas Toll“, ein fleißiger „Matz-abber“, hatte kürzlich die „Maulwürfe“, die es beim HSV gibt, kritisiert. Ich versprach, darauf noch einmal einzugehen, was hiermit passiert:

Es wird niemand von mir verlangen können, dass ich die „Maulwürfe“ hier in die Schranken weise, dass ich sie verurteile und niedermache. Ich habe ja viel zu oft schon in den 30 Jahren, die ich beim HSV bin, von einem „Maulwurf“ gelebt. Fast wäre ich bereit zu schreiben: Überall auf der Welt gibt es sie, diese „Maulwürfe“, und auch in allen Bereichen und Lebenslagen. Nicht nur beim HSV, nicht nur beim Hamburger Abendblatt, nicht nur bei „Matz ab“. Gebe es die „Maulwürfe“ nicht, wäre in vielen Zeitungen (und auch bei Matz ab?) schon vor Jahrhunderten der Notstand ausgerufen worden.

Der HSV hat – natürlich – auch seine „Maulwürfe“. Das sind Menschen, die sich mitteilen möchten, die aber auch ganz gewiss ihre ganz persönlichen Ziele verfolgen. Wie überall. Wie in fast jeder Firma. Da gibt es doch auch Vorgesetzte, die sind vielen Untergebenen ein Dorn im Auge, und dann werden diese Vorturner eben hinter der vorgehaltenen Hand „bekämpft“. So läuft das auch beim HSV. Es wäre eine riesige Überraschung, wenn es so etwas nicht beim HSV geben würde.

Und wenn Du, „Thomas Toll“, diesen Umstand kritisierst und anprangerst, ihn auch abgestellt wissen möchtest, so kann ich Dir versichern: Das wird nie etwas. Nie. Fast jeder vertritt seine eigenen Interessen, und viele, viele Menschen gehen schon immer und immer öfter über Leichen, um “maulwurf-artig” an ihre Ziele zu gelangen. So sind sie, die Menschen. Wenn auch nicht Du, lieber „Thomas Toll“, und auch nicht unbedingt ich. Aber die anderen!

Der heutige Aufsichtsrat kämpft übrigens schon seit seinem Bestehen gehen die „Maulwürfe“. Und er hat es nie geschafft, Herr der Lage zu werden. Oft haben die Räte schon geglaubt, sie hätten „ihn“, sie rieben sich vor Freude die Hände („Jetzt ist endlich Ruhe!“), aber dann gab es doch schnell wieder zwei, drei, vier oder mehr andere. So spielt das Leben. Alles ganz normal. Und wenn Du, lieber „Thomas Toll“, im HSV-Aufsichtsrat sitzen würdest, und ich auch, und ich würde Dich nicht mögen, ich würde auch mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Du unser Aufsichtsrats-Chef wirst, dann würde ich Dich wohl auch diffamieren und bloßstellen – hinter der vorgehaltenen Hand.

Oder würde ich das doch nicht machen? Darüber darf nun jeder von Euch gründlich grübeln.

Übrigens: Eine meiner größten „Maulwurf“-Storys war die Entlassung von Trainer Egon Coordes. Es geschah am Abend des 17. Septembers 1992. Da trommelte die HSV-Mannschaft in ihrem Hotel an der Langenhorner Chaussee auch alle Ersatzspieler, die nicht im Kader für das am nächsten Tag anstehende Heimspiel gegen den KSC standen, zusammen. Grund: Abstimmung über den Trainer. Coordes erhielt an diesem legendären Abend nur eine Stimme, und nach der 1:2-Niederlage (die, das nur nebenbei, der ehemalige HSV-Profi Wolfgang Rolff mit zwei Toren besiegelt hatte) wurde Egon Coordes entlassen.

Es muss damals ein Freitagsspiel gewesen sein. Und niemand wusste etwas von der Spieler-Verschwörung gegen den Trainer. Auch ich nicht. Bis Sekunden nach dem Spiel war ich absolut ahnungslos. Damals durfte man als Reporter noch in den Innenraum, um mit Spielern zu reden – ich fing den einen oder anderen HSV-Profi ab und fragte nach diesem müden 1:2-Kick. Bis einer vor mir stand, nicht mich ansah, sondern das Umfeld beobachtete und sagte: „Frag etwas anderes.“ Wie, etwas anderes? „Du sollst nicht nach diesem Spiel und dieser Pleite fragen, sondern nach anderen Dingen!“ Ich stand auf dem Schlauch. Ja, was denn dann? „Frag nach dem Trainer.“ Wieso Trainer? „Frag danach, was mit dem Trainer wird. Und was gestern am späten Abend passiert ist?“ Und? Was ist Coordes= Was ist denn mit ihm passiert . . ?

So erfuhr ich von der Sitzung, vom Abstimmungsergebnis, von der bevorstehenden Trainer-Entlassung. Und ich schrieb es natürlich im Abendblatt. Die Kollegen der Bild hatten die Geschichte natürlich auch. Aber sie dachten, sie hätten sie exklusiv. Doch das war ein Irrtum. Weil mir diese brisante Story nur Sekunden nach der 1:2-Niederlage gegen den KSC von einem netten „Maulwurf“ verraten worden war. Noch heute glaubt mein Kollege Jürgen Schnitgerhans, dass ich diese Information auf dem internen Springer-Wege (über die Druckerei in Ahrensburg) bekommen habe, aber einen solchen Weg hat es in der Tat niemals und auch an keinem Tag gegeben. Es war lediglich der mitspielende „Maulwurf“ – und die Bild hatte eben auch den eigenen „Maulwurf“ (von dem ich den Namen weiß, ihn aber nicht schreiben darf). So kam es, dass die Bild und das Abendblatt die Entlassung des Trainers hatten, die Konkurrenz aber nicht. „Maulwürfe“ muss man haben. Mal hat sie dieser, mal hat sie jener. Und mal haben sie alle.

Und, lieber „Thomas Toll“, es ist ganz einfach so: „Maulwürfe“ werden niemals aussterben. Schon gar nicht beim HSV.

PS: Eine Sommergeschichte entfällt heute, ich möchte Euch nicht überfordern – bei dieser Hitze.

17.14 Uhr

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