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0:1- das Abstiegs-Endspiel ging verloren!

20. März 2015

War es das schon?

Der HSV stolpert unaufhörlich dem ersten Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Jetzt muss oder müsste schon ein Wunder geschehen, wenn das noch einmal gut gehen sollte – aber wie sollte das noch gehen. 0:1-Heoimniederlage gegen Hertha BSC, das ist schon fast der Todesstoss. Demnächst geht es nach Leverkusen, dann kommt Wolfsburg – und wie soll es dann überhaupt noch einen Sieg geben? Gegen wen? Die Berliner waren sicher nicht besser als der HSV, oft hatte man das Gefühl, dass die Hertha aus Berlin sogar schwächer sei, aber diese Truppe hat wenigstens einen, der mal das Tor trifft. Das hat der HSV 2015 eben nicht. Und deswegen wird es jetzt so dramatisch. Vor 53 640 Zuschauern im Volkspark war der HSV sicherlich immer bemüht, das kann man der Mannschaft nicht absprechen, aber die spielerischen Mittel dieser Truppe reichen eben nicht. Das muss jeder erkennen, auch wenn es wehtut. Dieses HSV-Team ist so schlecht, wie es steht, und diesmal wird auch kein Wunder geschehen – wie denn auch? Dazu braucht man das eine oder andere Tor, und wenn das selbst nicht gegen einen Mitkonkurrenten gelingt, gegen wen dann überhaupt? Nein, meine Damen und Herren, jetzt müssen die Zähne zusammengebissen werden – da müssen wir nun durch. Die Lichter gehen aus im Volkspark, so bitter das auch ist.
Häme kommt noch hinzu, denn die Berliner Fans sangen am Ende: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei . . .“

Qou vadis, HSV?

 

Ohne Pierre-Michel Lasogga. Also doch! Vorher angekündigt, natürlich nicht vom HSV, schon gar nicht offiziell, aber er war allgemein erwartet worden. Um die Berliner zu schocken? In Unruhe zu stürzen? Egal, er spielte nicht. Und irgendwie habe ich vor dem Anpfiff vernommen, dass Artjoms Rudnevs etwas säuerlich die Arena wieder verlassen haben soll. Obwohl er auch nicht im Kader gewesen ist. Mal sehen, ob sich das im Laufe des Wochenendes noch etwas verhärtet. Irgendwie verstehen könnte ich seine Ungeduld, vielleicht auch seinen Ärger, aber das ist die andere Seite der Medaille. Überraschend in der Anfangsformation war Ivo Ilicevic, den hatten die Kollegen kaum oder gar nicht auf dem Zettel, aber das ist wohl wieder das inzwischen schon berühmte Bauchgefühl von Trainer Joe Zinnbauer gewesen.

 

Die Berliner hatten immerhin mit Sebastian Langkamp, Per Ciljan Skjelbred und Änis Ben-Hatira drei ehemalige HSV-Spieler mit an Bord, warum allerdings Ben-Hatira ausgepfiffen wurden, wenn er Eckstöße ausführte, ist mir etwas schleierhaft, denn als er damals aus Hamburg wegging, war es ja, man möge mich berichtigen, wenn ich falsch liege, aber so, dass man ihn hier nicht unbedingt halten wollte. Nun ja, es ist wohl das Schicksal (fast) eines jeden Ehemaligen, hier mit Pfiffen gegen sich leben zu müssen. Ist ja auch nicht so schlimm, es sind ja nur Pfiffe.

 

Dem guten Valon Behrami war es bei diesem „Abstiegs-Endspiel“ offenbar etwas zu ruhig, er ruderte schon nach vier Minuten aufgeregt mit den Armen in der Luft umher, um so für Stimmung auf den Rängen – speziell im Osten und im Norden – zu sorgen. Es fruchtete, der Norden legte in Sachen Lautstärke dann zu. Ebenfalls mit den Armen ruderte Hertha-Trainer Dardai durch die Luft, er beschied seiner Mannschaft damit nur (nach vier Minuten), defensiv kompakter zu stehen, er ruderte seine Leute zurück. Um ganz auf Konter zu gehen.

 

Die aber kamen zunächst gar nicht. Der HSV machte Druck, der HSV erspielte sich gute Möglichkeiten. Keine sehr guten, aber immerhin war am und gelegentlich auch im Hertha-Strafraum etwas los. Nach 15 Minuten schon mehr, als zuletzt in Sinsheim gegen Hoffenheim in den gesamten 90 Minuten. Das ist doch schon mal was.

 

In der zehnten Minute köpfte Cleber nach einer Ecke von Rafael van der Vaart aus zehn Metern drüber, zwei Minuten später lag der ball dann sogar im Berliner Tor. Tor? Denkste? Cleber hatte sich nach einem erneuten Eckstoß zu sehr bei Lustenberger aufgestützt, sogar aufgelegt, sodass der Treffer nicht gelten konnte. Das vermeintlich 1:0 für den HSV hatte Ivica Olic erzielt, der den vom Pfosten zurückprallenden Ball ins Netzt beförderte – aber vergebliche Liebensmüh, es zählte nicht. Leider. Und noch einmal roch es nach HSV-Tor: Heiko Westermanns Einwurf verlängerte Olic per Kopf zur Mitte, dort nahm van der Vaart den Ball mit rechts volley, schoss aber um ein, zwei Meter vorbei (15.).

 

Danach spielte Not gegen Elend. Wer wer ist, dürft Ihr entscheiden. Glück hatte van der Vaart, der Skjelbred festhielt, dafür aber kein Gelb vom guten Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle) sah, sondern nur ermahnt wurde. Sehr zum Unmut der Hertha-Spieler und deren Verantwortlichen. Aber, was haben wir nicht alles schon im Fußball gelernt: Bundesliga ist kein Wunschkonzert. Der HSV hat in diesem Jahr ja auch schon genug gelitten . . .

 

Eine Schrecksekunde gab es in der 22. Minute zu überstehen, denn plötzlich fasste sich „HW4“ wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht an die gerade verheilten (?) Adduktoren. Er machte aber weiter. Und wurde in der 37. Minute geradezu enthusiastisch gefeiert, als er einen Berliner Angriff unterband – auf waghalsige Art und Weise. Das hätte auch ins Auge gehen können, ging es aber nicht, deswegen wurde Westermann lautstark gefeiert. Endlich einmal. „Die Idioten können mich mal . . .“ Es hat sich irgendwie für ihn gelohnt, sich mal so Luft zu verschaffen.

 
Übrigens: Es dauerte bis zur 35. Minute, es es mal wieder eine Torszene gab. Zoltan Stieber hatte aus 24 Metern mit links abgezogen, aber der Ball flog weit am Tor vorbei. Immerhin, die Zuschauer hatten mal wieder eine offensive Aktion zu beklatschen. Und man ist ja auch nicht verwöhnt, hier im Volkspark.

 

Wir werden sicherlich gleich, bei „Matz ab live“, noch über Rafael van der Vaart reden. Wir taten es schon zur Pause im Kollegenkreis. Eine gute, eine weise Entscheidung, von Joe Zinnbauer, den Kapitän wieder zu bringen? Daran schieden sich die Geister. Wie immer. Ich fand den Niederländer nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Ich habe nur gedacht, dass er dafür, dass er sich in bester Verfassung wähnt, doch nicht ganz so bestimmend war. Seine Eckstöße waren durchweg okay, seine Freistöße waren es nicht. Einige fielen dem ersten Herthaner auf dem Kopf, weil sie keine Länge hatten. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Stieber dann doch mal einen direkten Freistoß schießen sollte, weil der meiner Meinung nach den härteren Schuss hat. Aber vielleicht werde ich ja noch in den zweiten 45 Minuten eines Besseren belehrt – oder auch in den nächsten Spielen. Ich würde mich sehr darüber freuen, keine Frage, ich würde mich liebend gerne irren. Ach, wäre das schön.

 

Ganz nebenbei: Der Berliner Coach Dardai hatte vorher ja eine Schlacht und jede Menge Härte prophezeit, aber das war nicht. Dafür, dass es hier schon für beide Mannschaften „um alles“ ging, war es absolut fair. Aber nachdem der HSV ja nach dem Dortmund-Spiel wegen seiner angeblichen Unfairness in aller Munde war und in jeder Fernsehsendung zerrissen wurde, gehört es wohl schon zum Repertoire eines jeden Trainers, vorher auf den unfairen HSV hinzuweisen. Das ist so lächerlich.

 

Der zweite Durchgang verlief ähnlich wie der erste. Der HSV drückte, die Berliner standen hinten drin und warteten. Lebhafter wurde es erst in der 63. Minute, als Pierre-Michel Lasogga dann doch eingewechselt wurde – für Ivo Ilicevic. Die erste Chance aber hatten danach die Herren der älteren Dame, doch zum Glück für den HSV war der Kopfball von Kalou aus sieben Metern zu unplatziert, sodass Rene Adler diese erste Möglichkeit der Hertha vereiteln konnte (64.).

 

Fünf Minuten später „drohte“ dem HSV, der dann in Richtung Norden spielte, wieder einmal das Führungstor. Was für eine Chance! Olic umkurvte halbrechts Hertha-Torwart Kraft, schoss aber nicht, sondern suchte einen Mitspieler. In der Mitte fand er Lasogga, aber der war bewacht, sein Schuss wurde abgelockt – Chance dahin.

 

Und dann alles dahin? Hertha BSC erzielte noch das 1:0, den Fangschuss für den HSV. Freistoß von halblinks, die Berliner fanden – im Gegensatz zu den Hamburgern – ihren eigenen Mann im HSV-Strafraum. Es war der Ex-HSVer Langkamp, der aus sieben Metern einköpfte, weil Behrami nicht an die Kugel kam (84.). Betretendes Schweigen, lähmendes Entsetzen im Volkspark. Zu zehnt dann noch den Ausgleich schaffen? Wie soll das gehen? Wieder mal ein Platzverweis, der HSV geht daran kaputt . . .

 

Kommentar von einigen Fans im Norden: „Wir ha’m die Schnauze voll, wir ha’m die Schnauze voll . . .“ Was ein Wunder!?

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier (ab 86. Min. Beister), Djourou, Cleber, Westermann; Behrami, van der Vaart (75. Min. Holtby); Müller, Stieber, Ilicevic (63. Min. Lasogga); Olic.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler bekam erst in Halbzeit zwei etwas auf die Bude, aber er wehrte alles souverän ab. Was mich an seinem geglückten Comeback etwas nervte: Er nimmt sich bei Abstößen (und Freistößen aus dem Strafraum) immer viel zu viel Zeit. Hat der HSV diese Zeit wirklich?

 

Dennis Diekmeier blieb hinten und vorne blass, er kann das besser, ganz sicher. Zweite Halbzeit biss er etwas mehr, blieb aber dennoch nur schwach.

 

Cleber leistete defensive bis zur 81. Minute gute Arbeit, das war absolut okay. Und er war auch bemüht, nach vorne etwas auf die Beine zu stellen. Seine Passsicherheit war dabei aber nicht die beste. Dass er dann die Gelb-Rote Karte sah, weil er Lustenberger in der Berliner Hälfte (!) mit dem Ellenbogen zu Boden beförderte, war total überflüssig – aber er war offenbar zu heiß. Bitter für den HSV, ganz bitter für den HSV.

 

Johan Djourou bot eine sehr gute Partie, köpfte vor allen Dingen oft genug Hertha-Flanken aus dem Strafraum. Und er war bemüht, schnell und effektiv nach vorne zu spielen.

 

Heiko Westermann stellte sich in den Dienst der Mannschaft, denn er war sicher nicht in bester körperlicher Verfassung. Und er biss sich nach dem Aufbrechen seiner Verletzung trotz allem bestens durch. Vorbildlich. Und auch gut.

 

Valon Behrami hatte nicht seinen besten Tag, ganz sicher nicht. Fand lange Zeit überhaupt nicht ins Geschehen, und später nur höchstens zu 70 Prozent Was allerdings ganz normal ist, denn nach einer längeren Verletzungspause fällt man nach den ersten Spielen oftmals in ein kleines Loch.

 

Rafael van der Vaart hatte sicherlich kaum schlechte Szenen, aber eben auch nicht viele sehr gute oder gar überragende. Was in dieser Mannschaft allerdings auch kaum anders möglich erscheint, weil kaum mal etwas rund läuft und zusammenpasst.

 

Nicolai Müller war einfach nur schwach. Die Position, auf der er endlich mal auftauen würde, muss erst noch gefunden werden.

 

Zoltan Stieber wollte, war bemüht, total emsig – aber so richtig lief es denn auch bei ihm nicht. Obwohl er noch einer der Besseren im HSV-Team war.

nbsp;

Ivo Ilicevic fand nicht so oft statt.

 

Ivica Olic fand gar nicht statt.

 

Pierre-Michel Lasogga (ab 63. Min. für Ilicevic) sollte noch helfen, aber er wurde nicht in Szene gesetzt. Und er selbst konnte es auch nicht.

 

Lewis Holtby (ab 75. Min. für van der Vaart) sollte noch Ideen und Schwung bringen, aber als Cleber rausflog hatte sich dieser Auftrag fast von allein erledigt.

 

Maximilian Beister (ab 86. Min. für Diekmeier) sollte eventuell noch einen Schuss riskieren, aber dazu kam es nicht mehr.

 

Das war es zunächst vom Spiel aus dem Volkspark, aber da war doch noch mal was. Genau. Wenn alles klappt, die Sterne günstig stehen, die Satelliten trotz der Sonnenfinsternis bestens funktionieren, dann sind wir gleich mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unser Gast ist der aus Funk und Fernsehen (Sky, Doppelpass) bekannte Sport-Journalist Oliver Wurm – ein absoluter Lieblings-Gast von mir. Und vielleicht gibt es auch noch einen zweiten Mann für uns. Vielen Dank, dass Ihr uns die Treue haltet und wieder dabei seid, „Scholle“ und ich freuen uns, wenn Ihr per Bildschirm bei uns sein würdet – bis gleich.

 

22.47 Uhr – es gibt Tage, an denen alles schief läuft, heute war so einer. Sorry!

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