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0:2 – der “neue” HSV verliert weiter

14. September 2014

Der HSV bleibt unten hängen. Drittes Spiel, weiter nur ein Punkt und kein geschossenes Tor, auch in Hannover gab es nichts zu holen, es gab trotz bester Möglichkeiten eine 0:2-Niederlage. Trainer Mirko Slomka hatte zu diesem Spiel den „neuen HSV“ aufgeboten, doch er spielte zu Beginn ängstlich, ohne Selbstvertrauen und ohne Herz, sodass Hannover 96 schnell zu einer 2:0-Führung kam. Danach gestaltete der HSV das Spiel zwar offen, aber wenn man kein Tor macht, kann man eben auch nichts holen. So ist das im Fußball. Da zählt die schönste Schönspielerei nichts. Bitter für Trainer Mirko Slomka, der nun in der Bundesliga eine erschütternde Bilanz mit dem HSV vorweisen muss: Drei Siege, drei Unentschieden, zehn Niederlagen. Daran wird sich der erfolgslose Coach in den nächsten Tagen messen lassen müssen. Und nun geht es am Sonnabend gegen den großen FC Bayern. Ist nur zu hoffen, dass der Rekordmeister noch nicht so gut in Form ist. Und vielleicht weiter ohne Robben spielen muss. Der HSV ist jetzt, das ist höchst, höchst traurig – Tabellenletzter. Bitter, bitter.


 

Bevor ich zum Spiel komme, möchte ich auch an dieser Stelle meine herzlichsten Glückwünsche an Günter Netzer senden. Der ehemalige HSV-Manager, der damals, als er in Hamburg arbeitete, sogar mal mit in meinem alten, klapprigen VW-Käfer fuhr, feiert heute seinen 70. Geburtstag. Hoffentlich hat er nichts vom HSV und dem Ergebnis aus Hannover erfahren, das würde ihn sonst um Jahre altern lassen. Für mich ist Netzer die Nummer eins im deutschen Fußball, wenn es darum geht, Vorträge zu halten. Ich hänge an seinen Lippen, wenn er etwas sagt, er ist der Größte in dieser Beziehung für mich – und er wird hoffentlich noch mindestens 30 Jahre über den Fußball referieren können. Nebenbei ist er auch ein ganz feiner Mensch, auch wenn er im Fernsehen mitunter unnahbar wirkt, der Mann ist klasse und hat Klasse. Herzlichen Glückwunsch, Günter Netzer.

 

Dann zum Spiel in Hannover. Der HSV, der aus Hamburg, startete denkbar schlecht und schlapp. Schon nach wenigen Sekunden hätte 96 in Führung gehen können, als Joselu seinem Bewacher Cleber davon geeilt war, den Ball aber nicht nur an Jaroslav Drobny, sondern auch am HSV-Tor vorbeischoss. Ja, Drobny im HSV-Tor, das war eine Überraschung, obwohl ich es seit zwei Tagen schon angekündigt hatte. Im Champs aber, wo wir gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung sind, wurde das bei den HSV-Fans doch mit einem dicken und großen Staunen aufgenommen. Trainer Mirko Slomka hatte es doch gewagt. Alle Achtung. Dazu gehört Mut, wie ich finde. Da macht er acht Wochen Vorbereitung auf diese Saison, und zwar mit Rene Adler als Stammtorhüter, und dann wird zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Truppe beweisen muss, der Torhüter gewechselt. Das trägt nicht unbedingt zur Ruhe in der Truppe bei.

 

In der ersten Viertelstunde war der HSV noch gar nicht richtig auf dem Platz. Da bettelte der „alte HSV“, der mit sieben neuen Spielern und einem neuen Keeper angetreten war, förmlich um das 0:1. Und das ließ auch nicht lange auf sich warten. Obwohl der HSV zunächst vor dem Führungstor stand: Zoltan Stieber flankte von halblinks auf Pierre-Michel Lasogga, der nahm den Ball volley, traf aber nicht voll, die Kugel sprang aus Aufsetzer weit am 96-Gehäuse vorbei.

 

Dann das 1:0 der Niedersachsen. Joselu „daddelt“ am Strafraumeck herum, legt zurück auf Albornoz, der flankt, und in der Mitte ist Matthias Ostrzolek im Luftduell mit Andreasen hoffnungslos unterlegen – der Kopfball ist unhaltbar (13.). Drei Minuten später die beste Szene von Julian Green. Flanke von rechts, in der Mitte steigt Pierre-Michel Lasogga hoch, wird hart bedrängt, köpft – aber vorbei. Es hätte Eckstoß geben müssen, aber das hat das Schiedsrichter-Gespann nicht gesehen. In der 20. Minute hätte es 1:1 stehen müssen, ja müssen. Bei der Klasse, die Lewis Holtby hat. Der Neuzugang kommt am Strafraum aus 16 Metern zum Schuss – aber daneben. Besser macht es Hannover. In der 23. MInure setzt sich links im HSV-Strafraum gegen Johan Djourou und Holtby durch, gibt den Ball zur Mitte, und dort stochert Sobiech die Kugel über die Linie – ein unglückliches Gegentor für den HSV, aber es zählt – natürlich.

 

Erst nach diesem Tor begann sich der HSV wirklich zu wehren. Und während sich auf der Tribüne die HSV-Herren Carl-Edgar Jarchow, Joachim Hilke, Dietmar Beiersdorfer und Bernhard Peters noch die Wunden leckten, hätte der HSV auf dem Rasen verkürzen können. Nach einer flachen Eingabe von Nicolai Müller grätschte Lasogga am Ball vorbei, der lauernde Green kommt zum Schuss, doch der wird abgeblockt. Schade, schade. Ein 1:2 zu Pause hätte sich sicherlich besser gemacht . . .

 

Zum Wiederanpfiff kam Artjoms Rudnevs, der sich schon während der ersten Halbzeit warngelaufen hatte (und dabei den Fans aus beiden Lagern zugewinkt hatte), für Julian Green, der blass und fast wirkungslos geblieben war. Und dann hätte es auch 1:2 heißen müssen – wieder einmal, oder erneut. Abschlag von Drobny, der kommt durch, bis in den Strafraum der Niedersachsen – und dann steht Müller völlig frei. Aber so etwas von frei. Und schießt die Kugel aus elf, zwölf Meter am Tor vorbei. Wahnsinn! Unfassbar. Das hätte der Anschlusstreffer sein müssen. Aber so ist der Fußball.

 

In der 63. Minute fischt Drobny einen 28-Meter-Schuss von Schulz aus dem Winkel, dann hätte es wieder 1:2 stehen können. Stieber flankt von links, Rudnevs läuft in diesen Ball, frei vor nationaltorwart Zieler – überweg. Der HSV hätte schon den Ausgleich haben können, geht aber zu leichtfertig mit den Chancen um. Und kommt noch mehr Pech hinzu: Hannovers Marcelo, der eigentlich shcon in Halbzeit eins die Gelbe Karte gesehen hatte, sieht noch einmal Gelb (69.). Aber Schiedsrichter Schmidt weist alle Proteste zurück, er will einem anderen Hannoveraner zuvor Gelb gegeben haben. Da bin ich aber mal gespannt, wie sich diese Szene im Nachhinein auflöst.

 

Zum Schluss spielt der „neue HSV“ auf Augenhöhe mit den Niedersachsen, aber leider bleibt es bei diesem Resultat. Tragisch, denn da war – nach schwachem Beginn – sicherlich mehr drin.

 

Der HSV spielte mit Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek (60. Min. Jiracek); Behrami (78. Min. Arslan), Holtby; Green (46. Min. Rudnevs), Nicolai Müller, Stieber; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny konnte meiner Meinung nach nichts an den Gegentoren machen, ansonsten zeigte er eine gute und fehlerfreie Leistung. An ihm lag es nicht.

 

Dennis Diekmeier wirkte giftig und unternehmungslustig, er hatte seine Seite eigentlich ganz gut unter Kontrolle, über links ging bei 96 nicht viel.

 

Johan Djourou begann ein wenig fahrig, aber fing sich schnell und spielte souverän.

 

Cleber war für das erste Mal ein Gewinn für diese Mannschaft, auch wenn ihm sicherlich nicht alles auf Anhieb gelang. Aber das war auch nicht zu erwarten. Er spielte dennoch gut.

 

Matthias Ostrzolek blieb den Beweis noch schuldig, dass er eine Verstärkung ist – oder wird. Muss noch präsenter werden, und stärker in den Zweikämpfen.

 

Valon Behrami blieb diesmal vieles schuldig, leistete sich auch im zweiten Durchgang viele Fehlpässe. Er kann es besser – hoffentlich passt er sich nicht schon jetzt dem „HSV-Niveau“ an!

 

Lewis Holtby wollte sicherlich, hatte auch viele Szenen mit dem Ball, aber er blieb trotz allem ohne große Wirkung. Er wird aber ganz sicher noch kommen, ganz sicher.

 

Zoltan Stieber war quirlig und aktiv, gegen Ende der Partie ließ er aber ein wenig nach. Dennoch keine schlechte Partie.

 

Nicolai Müller hatte die Chance zum 1:2, vergab sie – was irgendwie zu seinem Spiel an diesem Tag passte. Ich glaube ja auch, dass er auf einem Flügel besser aufgehoben wäre, als in der Mitte. Aber das habe ich vielleicht ja auch exklusiv.

 

Julian Green müsste sich körperlich viel mehr einbringen, so ist er zu harmlos. Er hatte allerhöchstens eine Szene, die gefallen konnte, ansonsten war er kaum zu sehen und wirkte wie ein Fremdkörper.

 

Pierre-Michel Lasogga schien nach 25 Minuten angeschlagen, er humpelte leicht, aber er biss sich durch. Besser als zuletzt, aber immer noch weit von Bestform entfernt. Aber er hat eben keine Vorbereitung gehabt . . .

 

Artjoms Rudnevs vergab eine gute Möglichkeit, ackerte enorm, das kann man ihm nicht vorwerfen, aber er muss sein Tor machen, dann wäre alles gut – so ist nichts gut. Köpfte in der 90. Minute noch gegen die Latte.

 

Petr Jiracek (ab 60. Min. für Ostrzolek) machte seinen Job auffälliger und besser als Vorgänger Ostrzolek.

 

Tolgay Arslan (ab 78. Min. für Behrami) kam spät und konnte nichts mehr ändern.

 

Dann eben am Sonnabend gegen den FC Bayern . . .

 

So, wir sind nun gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung, „Scholle“, der frischgebackene Papa, ist dabei, und unsere Gäste sind der Co-Trainer der Zweiten, Soner Uysal (ehemals HSV-Profi) und der Kapitän der Regionalliga-Mannschaft, Sven Mende. Wäre toll, wenn Ihr einschalten würdet. Trotz des Ergebnisses von heute. Oder gerade deshalb?

19.28 Uhr

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