Archiv für das Tag 'Adler'

Rajkovic oder Westermann – ist hier die Frage

21. Februar 2015

 

Mehr Pech geht doch eigentlich gar nicht mehr. Der HSV hat schon genügend Verletzte, und nun liegt auch noch Wintertransfer Marcelo Diaz auf Eis. Acht Wochen wird der Chilene fehlen, das ist eine riesige Hiobsbotschaft. Für mich war der Mittelfeldspieler eine große Hoffnung, denn er spielte eine Art Stabilisator, er zeigte bislang ein gutes Auge bewiesen, lief viele Räume zu – und lag im Abspiel meistens richtig. Das hatte er vielen seiner Kollegen voraus. Bitter, bitter, dieser Ausfall, und nun ruhen die Hoffnungen (nicht nur meine) eben wieder auf Valon Behrami, der hoffentlich bald wieder ins Team zurückkehren wird. Der Schweizer ist nicht nur wegen seiner großen Zerstörer-Fähigkeiten so wichtig, sondern auch als Leader. Er macht den Mut auf, motiviert, zieht mit, geht voran – das alles fehlt dem Rest des HSV schon seit Jahren. Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen, die aber in der Regel auch immer treu und brav mit untergingen, wenn ein Untergehen angesagt war.

 
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.
 

Das wird an diesem Sonntag auch wieder eine ganz enge Kiste, keine Frage. Leichte Spiele gibt es in der Bundesliga, so sagen Experten und Trainer schon immer, nicht mehr, aber für den HSV schon gar nicht. Und vor allem nach einem Debakel, das natürlich noch in den Klamotten stecken wird, wenn morgen um 15.30 Uhr der Anstoß im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erfolgen wird. Eine Frage dieser Partie wird sein, wie die Gladbacher ihre 0:1-Niederlage vom Donnerstag in Sevilla verdaut haben, inklusive der Reisestrapazen, und wie der HSV die 90 Minuten von München verarbeitet hat.

 

Das heutige Abschlusstraining fand, um schnell mal auf den Kern zu kommen, bei widrigen Wetterverhältnissen statt. Kalt war es, windig war, sogar stürmisch, und dazu regnete es – mitunter Schneeregen. Fürchterlich. Eine halbe Stunde vorher war Joe Zinnbauer auf dem Acker. Motto: Hier stellt der Trainer noch persönlich die Hütchen auf. Zugegeben, es sind die ganz kleinen Hütchen, aber immerhin, er schickt nicht seine Leute bei Wind und Wetter raus. Das ehrt ihn – obwohl, indem ich das schreibe, werden sicherlich gleich einige Leute wieder über ihn herfallen. Wie man es macht . . .

 

Um 15.35 Uhr betraten die „Helden“ den Platz. Zehn Minuten wurde sich warmgelaufen, dann ging es einen Rasen weiter. Dort standen sich A gegen B gegenüber – standen. Zwar mit Ball, aber es war eine Trockenübung. Der Ball rollte mal über ein, zwei Stationen, dann, nach zwei, drei Sekunden wurde unterbrochen. Joe Zinnbauer redete, erklärte, ruderte mit den Armen, beschwor seine Leute. Später sagte er: „Das waren höchsten elf Minuten.“ Ich habe aber mitgestoppt: 25 Minuten waren es. Bei den Wetter-Verhältnissen ganz schön lange für die Spieler, die von warm wieder auf kalt umschalteten. Aber es muss dem Trainer wichtig gewesen sein, dass er sich seine Spieler mal eindringlich zurechtstellte. Eindringlich. Es erinnerte ein wenig an die HSV-Zeiten mit Bruno Labbadia. Wie damals machten sich auch heute einige Spieler warm, um nicht völlig einzufrieren . . .

 

Von dieser Übung ging es dann zurück zum Lauf-Parcours, es wurde gearbeitet. Zehn Minuten, dann gab es das Abschlussspielchen. Erst auf einem kleinen Platz, dann über das gesamte Feld. Es blieb aber in beiden Halbzeiten beim 0:0. Interessant war die Aufstellung. Halbzeit eins lief im A-Team mit Drobny, Diekmeier, Westermann, Djourou, Ostrzolek; Kacar, Jiracek;
Müller, Stieber, Gouaida; Olic. Beim Seitenwechsel tauschten Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann die Mannschaften, immer bei den Reservisten blieb Rafael van der Vaart. Um es schnell zu sagen: Der Niederländer hatte gute Szenen am Ball, wenn er beschäftigungslos war, dann gefiel er mir nicht so sehr, denn er verhielt sich sehr passiv. Was allerdings auch mit den 25 Minuten der Trockenübung zusammenhängen könnte, die schienen ihn ein wenig der Lust beraubt zu haben. Überhaupt schien mir die Stimmung innerhalb der Trainingsgemeinschaft nicht besonders gut zu sein. Nachwirkungen vom 0:8? Kann sein. Oder war es das Wetter? Kann erst recht sein. Oder das allgemeine Befinden eines jeden Spielers, der sich auch vielleicht fragt, wo er hier gelandet ist? Sei es wie es sei, diese Truppe wird sich morgen irgendwie zusammenraufen müssen, um möglichst drei Punkte für die Raute einzufahren. Sonst . . . Lassen wir das. Die Kollegen, meine Kollegen, die heute beim Training waren, haben währenddessen errechnet, dass der HSV von den noch 13 ausstehenden Spielen fünf gewinnen muss. Das, so meinten sie, müsste reichen. Hoffentlich. Und hoffentlich werden es auch noch fünf Siege. Beim dem Verletzungspech eher fraglich.

 

Wenn ich nun gefragt werden würde, wer morgen in der HSV-Innenverteidigung spielen wird, so würde ich mich sehr wohl entscheiden können (Zinnbauer wird es müssen), aber das behalte ich sehr wohl für mich. Es soll ja ein friedliches Wochenende werden – für alle. Und ein erfolgreiches. Nach den heutigen Bundesliga-Ergebnissen noch einmal viel wichtiger als ohnehin schon . . .

 

Im Kader für morgen fehlt Julien Green, der heute mittrainiert hat. Der Leihspieler aus München fehlt auch bei der U23. Neben den genannten 13 Spielern sind morgen noch dabei: Adler, Beister, Götz, Mende und Rudnevs. Der Schiedsrichter der morgigen Partie kommt aus Berlin, es pfeift Felix Zwayer. Der vierte Mann kommt aus Herne, das ist Thorsten Kinhöfer.

 

Ja, das wird morgen ein hartes Stück Arbeit für alle. Und wenn mich meine Erinnerungen nicht täuschen, dann stand der HSV in jüngster Vergangenheit schon einige Male vor einem Sonntagsspiel, in dem ein Gegner wartete, der noch 90 Minuten und eine beschwerliche Reise in den Knochen hatte. Da hoffte der HSV-Anhang natürlich, wer würde es für einen anderen Verein anders tun, dass der Gegner hier geschwächt antritt – aber meistens war das ein Schuss in den Ofen. Ich würde auch diesmal nicht darauf hoffen, denn diese Gladbacher haben erstens eine stabile Mannschaft und zweitens mit Lucien Favre einen überaus ehrgeizigen Trainer, der seinen Mannen schon einimpfen wird, wie sie im Volkspark gewinnt. Es gibt allerdings eine Statistik, die dem HSV Mut machen sollte: Nach den letzten acht europäischen Auftritten der Gladbacher blieben Siege aus. Sechs Unentschieden gab es, dazu zwei Niederlagen – hoffentlich bietet Hamburg nicht wieder, wie schon so oft, großzügig „Aufbauhilfe Nord“ an. Hoffentlich.

 

Wer am Donnerstag das Europa-League-Spiel in Spanien gesehen hat, der wird allerdings unschwer erkannt haben, wie stark diese Borussia dort aufgetreten ist. Es gab zwar eine Niederlage, aber es gab auch Chancen genug für die Gladbacher, dort mehr zu erreichen – sogar einen Sieg. Im anderen deutsch-spanischen Vergleich, nämlich bei Schalke gegen Real, war klar erkennbar, wer hier der Chef im Ring ist, bei Sevilla gegen Gladbach aber nie. Mir imponierte vor allem, wie sich die Borussen immer wieder vom Druck der Gastgeber befreiten. Da wurde der Ball nicht einfach nur nach vorne gedroschen, wenn Gefahr im Verzuge war, sondern oftmals traumhaft sicher kombiniert. Vom eigenen Strafraum bis in den Angriff. Das kann nur eine Mannschaft, die den Ball sehr gut beherrscht, und in dieser „Disziplin“ waren die Westdeutschen eine glatte Eins. Allen voran Weltmeister Kramer, der großartige Szenen am Ball hatte, die Kugel klug verteidigte, wenn er zum Dribbling ansetze – das war wunderbar zu sehen. Ich gebe zu, ich habe den Herrn Kramer bislang ein wenig unterschätzt, trotz seiner Final-Teilnahme in Brasilien, aber in Sevilla hat er mich voll überzeugt. Für mich war er der beste Mann des Verlierers, und nun bin ich mal auf seinen Auftritt in Hamburg gespannt.

 
Neben Kramer gefielen mir besonders Jantschke als rechter Verteidiger (oft hart attackiert, aber unheimlich gut im Nehmen), Stranhzl als kompromissloser Abwehrchef und Alvaro Dominguez als emsiger und unerbittlicher Zweikämpfe. Schwächen habe ich in dieser MG-Mannschaft eigentlich nur auf der linken Abwehrseite gesehen, wo der Schwede Wendt verteidigte – aber mit vielen Fehlern. Eine Chance für den HSV? Vielleicht. Stark im Mittelfeld Hazard und Johnson, die beide bienenfleißig rauf und runter liefen, überall zu finden waren – und keinem Zweikampf aus dem Wege gingen. Das war beeindruckend. Und ganz vorne ist ein Mann wie Hrgota in seiner unorthodoxen Spielart unberechenbar. Und wer jetzt Leute wie Herrmann, Max Kruse, Brouwers, Nordtveit und Traore vermisst hat – die saßen in Sevilla erst einmal auf der Bank. Welch ein Luxus, den sich Favre da erlauben konnte! Schon aus diesem Grund prallen morgen im Volkspark zwei Mannschaften aufeinander, die unter ungleichen Voraussetzungen in diese Partie gehen werden. Trotz des späten Donnerstags-Spiels.

 

Den letzten HSV-Sieg gegen Mönchengladbach gab es übrigens in der Saison 2012/13. Da sorgte Artjoms Rudnevs mit seinem Tor des Tages für einen Dreier. Ansonsten aber sieht die „Neuzeit“ nicht berauschend für den HSV aus. 13/14 gingen beide Partien verloren, hier 0:2, dort 1:3, und in dieser Spielzeit schaffte der Hamburger Max Kruse im Hinspiel den 1:0-Sieg für seine Farben. In der Saison 2010/11 siegte der HSV 2:1 in Gladbach, im Volkspark folgte ein 1:1. 11/12 verlor der HSV in Hamburg 0:1, Rückspiel 1:1. 09/10 gab es keinen Sieg der Rothosen. 3:3 im Volkspark, Rückspiel 0:1 verloren.

 

Ja, die Bilanzen oder Statistiken. Was haben sie schon für morgen zu besagen? Nichts. Wie schnell allerdings der Fußball läuft, fliegt oder rollt, das sollen auch noch diese Beispiele vor allem personell zeigen:

 

Am 9. April 2006, der 29. Spieltag, gab es in Hamburg einen 2:0-Sieg gegen Mönchengladbach, die Tore markierten Rafael van der Vaart (Elfmeter) und Paolo Guerrero. Der HSV siegte mit: Kirschstein, Demel, Reinhardt, Boulahrouz, Atouba; Mahdavikia, Jarolim, Barbarez, van der Vaart (Trochowski), Lauth (Karl); Ailton (Takahara). Am Ende der Saison rangierte der HSV auf Platz drei, Gladbach Platz zehn.

 

Saison 2006/07, 29. Spieltag am 13. April 2007, siegte der HSV 1:0 in Mönchengladbach, und Trainer Huub Stevens wechselte dabei den Sieg ein. Er brachte Paolo Guerrero in der 90. Minute für Ivica Olic – und Guerrero traf Sekunden später zum 1:0-Sieg. Und folgende HSV-Mannschaft durfte jubeln: Rost, Benjamin, Reinhardt (Abel), Mathijsen, Sorin; Wicky, Jarolim, Laas, van der Vaart, Berisha (Mahdavikia), Olic (Guerrero). Am Ende stand der HSV auf Platz sieben, MG auf Platz 18 und somit Absteiger.

 

Saison 04/05, 27. November 2004, 15. Spieltag. Unter Trainer Thomas Doll siegte der HSV 3:1 in Gladbach, die Tore erzielten Sergej Barbarez (2) und Stefan Beinlich, der HSV spielte mit: Pieckenhagen, Schlicke, van Buyten, Boulahrouz, Klingbeil; Jarolim, Wicky, Beinlich (Rahn), Moreira (Benjamin); Takahara, Barbarez. Besonders interessant: Khalid Boulahrouz hatte in der 55. Minute Rot gesehen! Am Saisonende war der
HSV Achter, Gladbach auf Platz 15.

 

Und dann noch schnell das erste Heimspiel des HSV gegen MG im neuen Jahrtausend: Am 15. September 2001 gab es unter der Regie vcon Trainer Frank Pagelsdorf ein 3:3, Collin Benjmamin und Jörg Albertz (2) waren die Torschützen, es spielten: Pieckenhagen, Hertzsch, Hoogma, Ujfalusi, Benjamin, Groth (Maltritz), Töfting, Albertz, Ketelaer (Präger); Bester (Yeboah), Meijer. Am Saisonende war der HSV auf Platz elf, Gladbach auf zwölf.

 

Namen sind Schall und Rauch, heißt es ja so oft. Aber irgendwie schon erschreckend, wer hier in Hamburg hier schon „durchgereicht“ worden ist, wer hier kurz mal seine Visitenkarte abgegeben hat. Und das alles scheint noch gar nicht so lange her. Dennoch gibt es zwischen beiden Clubs und den Mannschaften inzwischen gravierende Unterschiede. Die einen, Gladbach, haben den Schwung nach oben bekommen, die anderen, der HSV, den nach unten. Beharrlich. Und nun wird man morgen sehen, ob sich dieser Trend fortsetzt.

 

Drücken wir die Daumen. Und: Nur der HSV!

 

Auch morgen werden wir nach dem Spiel wieder mit “Matz ab live” auf Sendung sein, wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreiche inschalten könntet (wie nach dem Bayern-Spiel!). “Scholle” und ich haben morgen den ehemaligen HSV-Profi (Held von Saragossa) Andreas Merkle zu Gast – er war zuletzt auch Aufsichtsrat. Zudem vervollständigt der HSV-Ehrennadelträger und frühere Volleyball-Bundestrainer Olf Kortmann unsere Runde. Bis dann um und gegen 18 Uhr.

 
18.11 Uhr

Nächste Einträge »