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Zinnbauer: “Rafa ist für mich einer der Besten in Europa”

7. Oktober 2014

Gut, wer in England gespielt hat, ist solch tristes Wetter gewohnt. Schon deshalb überraschte es mich heute nicht, dass Slobodan Rajkovic bis über beide Ohren lächelte, als er vom Trainingsplatz kam. „Das erste Mal wieder mit der Mannschaft auf dem Platz – das ist super“, so der Innenverteidiger, der nach seinem Kreuzbandriss aus dem März heute erstmals wieder mit seinen alten Kollegen sowie dem neuen Trainer im Mannschaftstraining stand. „Bis jetzt aber in allem noch vorsichtig“, so der Abwehrhüne, der an den Positionsspielchen und dem Balltraining teilnehmen konnte. Zweikämpfe sind noch nicht angedacht. „Das kommt aber in den nächsten Wochen dazu“, so Rajkovic, der seine Geduld auf den letzten Metern seines Rehaprogrammes beibehält: „Ich will komplett gesund zurückkommen“, so der Serbe, „das ist am wichtigsten.“

Stimmt. Zumal es sich jetzt nach langen, harten Monaten nur noch um wenige Wochen handeln dürfte. „Ich fühle mich gesund“, so Rajkovic, „ich habe keine Probleme mehr bei höheren Belastungen.“ Und auch den neuen Trainer hat er schon kennengelernt. „Er pflegt sehr guten Kontakt zu allen Spielern, gibt sehr viele gute Ratschläge. Das macht einfach Spaß“, sagt der 25-Jährige, der sich unter Slomka auf Anhieb in die Startelf gespielt hatte – sich in seinem zweiten Spiel gegen Werder jedoch gleich wieder übel verletzte. Seither hat Rajkovic hart gearbeitet – und sich darüber gefreut, dass sich der verein neu sortiert hat. Mit Zinnbauer – und dem gesamten neuen Führungsapparat. „Es ist eine sehr positive Entwicklung. Der HSV wird immer mehr zu einer großen Familie. Das merkt man.“

Und diese Familie hat heute ein neues Mitglied bekommen. Wie die „Mopo“ vermeldet, soll Frank Wettstein ab November als Finanzchef den Posten des CFO einnehmen. Wettstein, der als Finanzchef zuletzt für 1860 München gearbeitet hat, komplettiert damit den Vorstand, der somit aus Didi Beiersdorfer, Peter Knäbel, Joachim Hilke und Wettstein besteht sowie von Bernhard Peters auf Managerebene ergänzt wird. Dem Vernehmen nach ist das Transferfenster auf Führungsebene damit vorerst geschlossen…

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Beschlossen hatte zuletzt Zinnbauer, Rafael van der Vaart in Dortmund spielen zu lassen. Dass es letztlich anders kam, lag vor allem an der unerwarteten Verletzung von Dennis Diekmeier. Und aus einer Umstellung wurde eine Erkenntnis, wie sie eben jener Diekmeier gestern im Blog schon formuliert hatte: der neue Zusammenhalt. „Gerade die Jungs, die momentan in der zweiten Reihe stehen, unterstützen das Ganze. Es war schon richtig schön zu sehen, wie sich alle auf der Bank gefreut haben. Auch Rafa. Und das, obwohl ich zu Rafa gesagt hatte, dass er 45 Minuten spielen wird. Es war unser Ziel, ihn gesund wieder sofort auf den Platz zu bekommen. Ich wollte es ihm nach dem Spiel auch erklären, aber er fiel mir im Spielertunnel nur um den Hals und sagte, dass ich alles richtig gemacht hätte, alles okay sei. Und diese Reaktion ist die eines großen Captains. Diese Mannschaft braucht diesen Captain.“ Ob das bedeutet, dass van der Vaart in gegen Hoffenheim von Beginn an spielt? „Abwarten. Bis dahin sind noch einige intensive Trainingseinheiten und viel Zeit. Aber klar ist für mich, dass Rafa zu den besten Fußballern Europas gehört und ich niemanden kenne, der nicht mit ihm zusammenarbeiten will.“ Ob Zinnbauer den Niederländer auf der Zehn sieht, als so genannten „freien Mann“? „Rafa kann im Mittelfeld fast alles. Ich kann ihn mir sogar auf der Sechs und der Acht vorstellen. Und wenn ich sehe, wie eiskalt er vor dem Tor ist, hätte ich ehrlich gesagt nicht einmal Probleme, ihn in die Spitze zu stellen.“

Einmal ins Schwärmen geraten, kann Zinnbauer gar nicht aufhören. Van der Vaart sei für ihn eine unverzichtbare Größe im Team. „Er und Behrami sind für mich im Moment, wo wir uns alle finden, die wahrscheinlich wichtigsten Spieler im Team. Das heißt zwar nicht, dass sie auch unbedingt von Beginn an spielen müssen – dafür muss sich auch Rafa noch an gewisse Abläufe gewöhnen. Aber wir haben ja jetzt ein paar Trainingstage Zeit“, so Zinnbauer, dem die Zufriedenheit über den Moment ebenso anzumerken ist wie die Motivation, es noch besser machen zu wollen.

„Dortmund war ein toller Sieg, aber auch nur ein kleiner Schritt von sehr vielen, die wir noch gehen müssen. Unser Ziel ist es, nicht abzusteigen. Und sollten wir das ein paar Wochen vor Saisonende schon erreicht haben, umso besser. Dann haben Mannschaft, Trainer und Umfeld gut gearbeitet. Aber Grund, jetzt durchzudrehen, gibt es wahrlich nicht. Im Gegenteil, wir haben mit Hoffenheim wieder einen Gegner vor der Brust, der zur deutschen Elite gehört und der gegen uns zweifellos Favorit ist. Egal wie groß die Stadt ist, egal wie groß der verein ist und egal, wie groß die Erfolge früher waren – wir werden nur wieder wachsen können, wenn wir beharrlich die Politik der kleinen Schritte durchziehen.“

Karrieretechnisch der nächste Schritt für Zinnbauer wäre ein Cheftrainervertrag. Aber dass dieser unmittelbar bevorsteht, dementiert Zinnbauer. Er sieht auch keine Notwendigkeit. „Ich habe volles vertrauen zum Verein und einen gültigen Vertrag bis 2016. Ich versuche gar nicht erst, darüber nachzudenken und mache mir nur Gedanken, wie wir gegen Hoffenheim spielen. Selbst das Spiel danach gegen Hertha BSC ist gedanklich noch weit weg vergleichsweise.

Zinnbauer, Beiersdorfer, Peters, Knäbel – das scheint eine sportliche Führung zu sein, die sich vertraut, die funktioniert. Er sei ja schön dumm, wenn er sich bei solch erfahrenen Leuten keine Ratschläge abholen würde, sagt Zinnbauer und betont, dass noch keiner der Vorstände versucht habe, ihm sportlich reinzureden. „Diese Frage stellt sich bei uns gar nicht. Für mich ist das ein tolles Team und ich als junger Trainer und Mensch kann davon nur profitieren. Trotzdem bin ich ein Trainer, der sein Ding durchzieht – schließlich muss ich auch den Kopf dafür hinhalten. So oder so…“

Es hat alles Hand und Fuß, was Zinnbauer sagt. Und wenn man den Spielern glauben darf, dann empfinden sie es genau so. Das Vertrauen der Mannschaft in die neue Führung ist hergestellt – und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn allein das verleiht dem HSV eine gewisse Stabilität, die er mit zuvor schwachen Vorgesetzten nicht mehr hatte. Und nachdem auch der häufiger etwas glücklos formulierende AR-Boss Karl Gernandt weniger öffentlich auftauchen will, scheint wirklich alles in die richtige Richtung zu laufen. Oder wie Zinnbauer es auf den sportlichen Bereich heruntergebrochen hatte: „Wir haben uns langsam aufgestellt und haben die Voraussetzungen geschaffen, etwas zu erreichen. Jetzt kann die Reise losgehen.“

Klingt sehr gut. Und angesichts der vorherrschenden Vernunft bei Peters, Knäbel, Beiersdorfer und offenkundig auch Zinnbauer samt Cotrainer Patrick Rahmen glaube ich endlich wieder daran, dass der HSV das schafft, was er in den letzten Jahren nie sicherstellen konnte: Konstanz. Im Umfeld – und dadurch auch im sportlichen Bereich. Sollte sich dieser Zusatnd in den nächsten Wochen und Monaten erwartungsgemäß stabilsieren, wäre es der erste echte Meilenstein in der Entwicklung.

Bis morgen.

Scholle

P.S.: Das Matzab-Treffen am 31. Oktober im „Anno 1887“ beginnt um 19 Uhr. Wir freuen uns auf Euch!

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