Archiv für das Tag 'Adler'

0:1 nach großem Kampf – schade!

18. Mai 2013

Schade, schade, HSV! Trotz einer guten und teilweise starken Vorstellung vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gab es gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen eine 0:1-Heimniederlage. Aus Europa ist nichts mehr geworden, diese Chance aber hatte der HSV schon Wochen vorher gegen Fürth, Augsburg oder Freiburg liegen lassen, aber an diesem 18. Mai 2013 hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink trotz allem und ganz sicher viele Freunde zurückerobert. Diesmal hat die Mannschaft beherzt gespielt, alles gegeben, alles versucht – und war leider in der Offensive etwas zu schwach besetzt. Natürlich kam dieser Endspurt etwas zu spät, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie willig ist, dass sie lebt, dass sie sich doch nicht aufgegeben hat. Trotz der erneuten Heimniederlage – die Fans feierten ihren HSV, und das hatte die Mannschaft diesmal auch verdient. Das haben die HSV-Anhänger ganz, ganz toll gemacht, ein riesiges Kompliment an die Zuschauer – an den 12. Mann. Großartig. Und ein toller, trotz allem gelungener Saisonabschluss. Und bitte an alle, die nun enttäuscht sind: Seid nicht zu traurig, geht nicht zu sehr und zu hart mit euren Lieblingen ins Gericht, heute haben sie alles versucht. Stadionsprecher „Lotto King Karl“ sagte es richtig: „Das war ein Mega-Spiel.“ Das war es.

Als um 15.41 Uhr auf der Anzeigentafel das 1:0 der Wolfsburger in Frankfurt erschien, lief im Spiel gegen Leverkusen gerade die elfte Minute. Genau genommen zehn Minuten und 41 Sekunden. Und das Stadion glich einem Tollhaus. Wird doch noch alles gut? Nach 19 Spielminuten und 51 Sekunden stand es dann in Hamburg immer noch 0:0, aber in Frankfurt sogar schon 0:2. „Hey, hey, hier kommt Hamburg“, skandierte der Norden lautstark. „Scholle“, der neben mir saß, zeigte mir seine Gänsehaut auf beiden Armen. Wahnsinn. Mir ging es ebenso. Welch eine Dramaturgie! Was für ein Krimi auf diesem seifigen, schmierigen Rasen, auf den fast alle Spieler mehrfach ausrutschten! Es muss unheimlich schwer gewesen sei, da stets das Gleichgewicht zu behaupten. Zudem musste ich während des Spiels immer an Thorsten Fink denken, der am Tag zuvor ja über die Qualität der Werkself gesagt hatte. Leverkusen hat da schon eine sehr, sehr feine Mannschaft beisammen, vor allem die Offensive ist ja wirklich erstklassig besetzt. Damit lässt sich schon prächtig Fußball spielen . . .

Die Stimmung in der Arena war hervorragend, alles bereit für das „Finale Furioso“. Nur fußballerisch war das noch nicht ganz das Gelbe vom Ei – aus Sicht des HSV. Leverkusen hatte in Person von Hegeler, als Slobodan Rajkovic zu spät zur Grätsche ansetzte – doch Rene Adler hielt den Schuss des Bayer-Stürmers bravourös. Statt 0:1 nur Eckstoß (9.) – zum Glück für den HSV. Torchancen blieben in diesem ersten Durchgang ohnehin Mangelware. Der HSV hatte zwei gute Möglichkeiten, etwas aufzubauen, als einmal Heung Min Son links auf der Torauslinie durchmarschierte, in der Mitte aber keinen Mitspieler fand, und als noch einmal Son links durch war, auf Dennis Aogo ablegte, doch der Schuss des Nationalspielers flog über das Bayer-Tor (39.)

Halbzeit. In der Pause sprach ich mit „Pipo“, der HSV-Neuerwerbung (aus dem ARD-„Frühstücksfernsehen), die ihre Beine noch immer in Gips trägt: Olli Dittrich. Natürlich. Der Comedian und HSV-Fan war angetan von den ersten 45 Minuten: „Das ist ganz sicher eines der besseren Heimspiele des HSV, da ist viel Tempo drin, man sieht, dass die Spieler wollen. Und bislang hat Wolfsburg ja super mitgemacht. Aber egal wie die Jagd nach Europa auch ausgehen wird, der HSV sollte sich auf jeden Fall mit einer guten, auf jeden Fall soliden Leistung aus dieser Saison verabschieden, das haben die großartigen Fans verdient. Und wenn es dann nicht für einen internationalen Startplatz gelangt hat, dann lag es nicht an dem heutigen Spiel, sondern zum Beispiel an den Auftritten gegen Fürth und Augsburg. Da hätte mehr kommen müssen.“ Eine großartige Bilanz, die „Dittsche“ da schon mal zur Pause gezogen hat.

Die ersten Möglichkeiten des zweiten Durchgangs hatte Leverkusen, vor allem der starke Hegeler. Und als Schürrle vor Adler aufkreuzte, faustete der HSV-Keeper den Ball in höchster Not in Feld zurück (57.). Der HSV drückte, der HSV kam, er das erlösende 1:0 wollte und wollte nicht fallen. Als Dennis Diekmeier von rechts flankte stieg in der Mitte Heiko Westermann der Kugel entgegen – und Lars Bender sprang dem HSV-Abwehrchef nur in den Rücken. Kein Elfmeter, Schiedsrichter Wolfgang Stark breitete beide Arme aus: „Nichts.“

Das traf auch für die HSV-Torstatistik zu: nichts. Leider. Und weil Leverkusen in der 90. Minuten traf, als Kießling allein auf Adler zugelaufen war (ein Bilderbuch-Konter), kam die heutige große Schlacht, die der HSV abgeliefert hatte, leider etwas zu spät. Trotz allem: Dieser HSV hat sich heute sehr gut verkauft – und er hat insgesamt eine gute Saison gespielt. Eine Saison, die Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Ganz sicher. Auch wenn heute einige traurige HSV-Fans wieder meckern und zetern werden – das war insgesamt schon okay. Und, das ist vielleicht ein ganz kleiner Trost: Wolfsburg schaffte in Frankfurt letztlich doch nur ein 2:2, selbst ein HSV-Sieg hätte heute also nicht mehr gelangt . . .

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt wieder einmal sehr gut, war bärenstark, nur mit dem Fuß hatte er so seine (kleineren) Schwierigkeiten, den Ball sinnvoll nach vorne zu befördern, das wirkte mitunter doch wackelig. Aber das vergessen wir an diesem Tag mal schnell, denn er hielt ansonsten hervorragend. Note zwei.

Dennis Diekmeier war hinten und vorne zu finden, das machte Spaß, ihm zuzusehen – in dieser Verfassung wäre er tatsächlich ein Kandidat für den „amerikanische“ „Jogi“ Löw gewesen . . .

Heiko Westermann war bester Mann. Unfassbar, wo er überall den Ball eroberte, erahnte, wo er Löcher stopfte, wo er abblockte, wo er mit dem Kopf zur Stelle war, wo er grätschte, sich ganz lang machte – das ist einfach nur großartig. Und vorbildlich. Und dazu dann dieses Wahnsinns-Pensum! Klärte in der 66. Minute überragend vor dem leeren Tor und vor Hegeler. Note eins.

Slobodan Rajkovic begann fahrig, vielleicht auch nervös, aber nach 30 Minuten hatte er sich im Griff. Dann war das ganz solide, was er ablieferte – obwohl es sicher noch besser und souveräner ginge.

Marcell Jansen ging weite Wege, leitete einige gefährliche (oder im Ansatz gefährlich wirkende) Dinger ein, aber irgendwie wirkte er auch nicht bei 100 Prozent, als wenn er leicht angeschlagen war. Aber er biss sich durch.

Tomas Rincon ackerte wie ein Gaul, rauf und runter, quer und zurück, er gab alles und das machte ihn so wertvoll. Ganz, ganz großartig, der kleine „Popeye“!

Milan Badelj spielte nicht so auffällig, schloss seine Aktionen aber auch nicht immer besonders glücklich ab – er kann es besser. Obwohl er nicht groß abfiel. In der 67. Minute ausgewechselt.

Petr Jiracek zeigte sein großes Kämpferherz, rieb sich in heißen Zweikämpfen (in denen er und es tüchtig zur Sache ging) auf, zerstörte und trieb voran – sehr engagiert, gelegentlich übertrieb er die Härte – und er lag nicht immer richtig in Sachen Abspiel.

Dennis Aogo war von der ersten Sekunde an griffig und bissig, er ging mächtig zur Sache – eine Stütze der Mannschaft.

Rafael van der Vaart lief wie gewohnt sehr viel, aber es lief auch einiges an ihm vorbei. Ganz sicher wollte er, aber so richtig viele und vor allem gute Sachen gelangen ihm an diesem wichtigen Tag nicht.

Heung Min Son war der gefährlichste Mann in der HSV-Offensive, er hat, auch wenn er hin und wieder leichtere Fehler begeht, in dieser Saison unglaublich viel dazugelernt. Note drei.

Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Badelj) hatte leichte bis größere Schwierigkeiten, in diese Partie zu finden. Ein Einwechselspieler wird er wohl nicht mehr werden. Oder?

Maximilian Beister (ab 78. Min. für Aogo) wurde als Zusatz-Offensive ins Spiel geworfen und er machte auch richtig Dampf, aber er konnte es nicht mehr herbeiführen – das eine so sehr erhoffte Tor.

Ivo Ilicevic (ab 81. Min. für Aogo) sollte noch den entscheidenden Pass geben, die entscheidende Flanke – aber er schaffte es nicht mehr.

PS: Ein kleiner Hinweis für alle HSV-Fans: Morgen, Pfingstsonntag, zeigt der NDR nach dem Sportclub live (23 Uhr) die HSV-Nacht von Athen 1983, der Europapokal-Gewinn des HSV vom 25. Mai 1983 wird rauf und runter und kreuz und quer beleuchtet. Ein Muss für HSV-Anhänger.

So, jetzt geht sie gleich los, die Block-House-Talkrunde, „Matz-ab-live“. Zwei Gäste warten auf uns und natürlich auf euch. Einer davon ist Harry Bähre, der Bundesliga-Profi Nummer 001, und der zweite ist ebenfalls ein Hamburger Jung, nämlich Klaus Fock. Der frühere Stürmer kam einst, welch ein großes Kunststück, vom kleinen TuS Finkenwerder zum großen HSV, brachte es dann aber leider nur auf 25 Bundesliga-Spiele und fünf Tore brachte. Wir werden natürlich über das Leverkusen-Spiel sprechen, über die Saison allgemein und über den HSV ganz speziell. Wäre super, wenn ihr uns eure Zeit schenken würdet, um dabei zu sein.

17.32 Uhr

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

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