Archiv für das Tag 'Abraham'

Der Vorstand hält sich da raus

17. Juni 2013

An Tagen wie diesen . . . Singen die Toten Hosen. Passt irgendwie genau auf diesen Tag. An Montagen wie diesen, die dazu noch in der Fußball-Sommerpause liegen, da passiert so gut wie nichts. Aber ist ja auch irgendwie normal. Auch die Sache mit den Neuzugängen – ganz normal. Das hat beim HSV schon Tradition, dass es noch ein wenig länger dauert. Das ist in diesem Jahr eigentlich wie immer. Obwohl der neue Sportchef Oliver Kreuzer von den HSV-Führungskräften schon gelobt wird. Der Mann ist heiß am Ball, er soll auf dem richtigen Weg sein und – das stimmt mich zuversichtlich, er soll die Dinge ohne Umschweife anpacken. In etwa so, wie einst Uwe Seeler gespielt hat. Und wie hat er immer gespielt? Stets den direkten Weg zum Tor. So soll Kreuzer auch seine Arbeiten verrichten. Klingt doch gut. Ich habe darüber mit einigen HSV-Leuten gesprochen, auch mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow. Und der sagte mir auf die Frage, ob er guter Hoffnung für die neue Saison sei: „Sportchef Oliver Kreuzer fokussiert sich auf die wichtigen Dinge, und das macht er sehr gut, und wenn die zu einem guten Abschluss gebracht werden, und davon gehe ich aus, bin ich auch guter Hoffnung.“

Ja, und ich hoffe mal mit. Irgendwie bin ich sogar sehr guter Hoffnung, auch wenn ich nicht weiß, warum? Platz sieben war es immerhin in der nun abgelaufenen Spielzeit, und Platz sieben klingt doch echt nicht ganz so schlecht. Finde ich jedenfalls. Und immerhin ist dieser Platz sieben trotz der Tatsache erreicht worden, dass der HSV 53 Gegentore schlucken musste, dass der HSV die meisten Torschüsse der Gegner zuließ, dass der HSV nie mehr als zwei Siege in Folge geschafft hatte, und dass der HSV nie mehr als vier Spiele in Folge ungeschlagen blieb. Wenn all diese Tatsachen verbessert werden, und daran arbeitet Kreuzer ja jetzt mit Hochdruck, dann muss es doch eigentlich auch besser werden.

Und mir wäre es dazu auch egal, was hier bei „Matz ab“ schon ein wenig kritisiert wurde, dass nämlich Thorsten Fink oft nur die Spieler des FC Basel im Blick (als Verstärkungen) hat. So wie schon in der Vergangenheit, als es der Trainer gerne gesehen hätte, wenn die Basel-Spieler David Abraham, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach Hamburg gewechselt wären. Alle drei nicht schlecht, ich würde mal behaupten, dass jeder von ihnen einen Stammplatz beim HSV gehabt hätte – aber sie waren eben auch unerschwinglich. Den Wunsch kann man haben, das Geld sollte man aber auch haben. Das hat der HSV ja nun – in diesen Tagen – auch schon mit dem Schweizer Timm Klose erlebt – wahrscheinlich jedenfalls. Um noch mal auf die drei Fink-Wunschkandidaten zu kommen: Shaqiri ist für mich ein überragender Mann, der in jeder anderen Bundesliga-Mannschaft gesetzt wäre – nur bei Bayern nicht. Aber er brachte es immerhin auf 26 (von 34) Bundesliga-Einsätze (vier Tore), wobei er in 13 Partien eingewechselt und in sieben Begegnungen ausgewechselt wurde. Abraham kam erst in der Winterpause aus Getafe nach Hoffenheim und war in zwölf Spielen und den beiden Relegationsspielen gegen Kaiserslautern dabei – mit durchweg guten Noten. Einige Anlaufschwierigkeiten hatte Xhaka in Mönchengladbach, aber auch er brachte es noch auf 22 Einsätze in der Bundesliga, dabei waren sieben Ein- und drei Auswechslungen – und ein Tor.
Wie gesagt: Alle drei Spieler hätten beim HSV – oder als HSV-Profis – noch bessere Bilanzen gehabt. Quintessenz: Nur her mit den Profis aus Basel.

Aber da muss natürlich auch die Kasse des HSV mitmachen. Doch auch in dieser Beziehung ist ja schon eine (leichte) Besserung eingetreten – dank Heung Min Son und Sportfive.

Themenwechsel. Struktur-Wandel im HSV. Ich habe geschrieben, dass sich etwas tut, dass hinter den Kulissen fleißig gewerkelt wird. In dieser Woche treffen sich dazu einige „hohe Herren“, um die gute Sache voranzutreiben. Ich kann noch keine Namen nennen, ich weiß aber schon, wer dabei ist, wer schon für den „neuen HSV“ geworben wurde – das stimmt mich absolut zuversichtlich. Immer mehr von Fans machen mit, reichen auch ihre Vorschläge ein, damit der HSV professioneller aufgestellt wird, und immer mehr richtig große Größen sitzen inzwischen mit im Zug. Verlangt bitte noch keine Namen, die werden früher oder später schon publik, ich weiß nur, dass da etwas Gutes entsteht. Und wenn ihr das wisst, dann ist das doch auch schon mal ein schönes Zeichen.
Wenn nicht jetzt, wann dann? So hatte es Ernst-Otto Rieckhoff bei der Mitgliederversammlung gefragt, und ich kann nur sagen – jetzt!

Zu diesem Thema habe ich mich mit Carl-Edgar Jarchow unterhalten, es ist für ihn als Vereins-Chef gewiss nicht leicht, sich dazu öffentlich zu äußern. Ganz, ganz vorsichtig hat er es dann aber doch getan – ich habe lange genötigt . . . Wie steht CEJ zu neuen Strukturen, zu solchen Veränderungen im HSV? Er sagt: „Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, ich saß in vielen AGs und war tätig, um solchen Veränderungen herbeizuführen. Letztlich hat es nie gekappt.“ Und wie ist heute seine Meinung dazu: „Wir vom Vorstand werden uns da heraushalten, denn ich denke, dass so etwas aus der Mitgliedschaft kommen muss. Wir können zu diesem Thema eine klare Meinung haben, aber erst sind jetzt die Mitglieder gefragt.“ Denn schließlich muss es für solche Änderungen eine Dreiviertelmehrheit geben. Jarchow sagt aber auch zu den jetzigen Bestrebungen (von Ernst-Otto Rieckhoff, Jürgen Hunke und vielen anderen HSV-Größen): „Wir werden es begleiten und dann zur Verfügung stehen, wenn wir gefragt werden. Und wir werden dann Stellung beziehen, wenn diese Dinge auf der Tagesordnung stehen.“ Jarchow sagt aber auch: „Dass Rieckhoff und Hunke es nun angepackt haben, ist der richtige Weg. Sie müssen werben, damit sie die nötige Mehrheit bekommen.“

Wie er die Chancen beurteilt, dass es letztlich auch zu den angestrebten Struktur-Änderungen kommen wird? Jarchow: „Mit einer Voraussage tue ich mich schwer.“ Auch aus diesen Gründen: „Rieckhoff und Hunke haben unterschiedliche Vorstellungen, sie sollten sich angleichen. Und dann kommt sicherlich auch hinzu, wie wir sportlich im Januar, wenn die Mitgliederversammlung durchgeführt wird, stehen. Es hängt von vielen Faktoren ab.“ Das war auch bei der Mitgliederversammlung in der Arena zu erleben und zu spüren. Obwohl ich da letztlich das Gefühl hatte, dass es an diesem Sonntag hätte klappen können, denn von den 600 Mitgliedern, die anwesend waren, erhoben sich nach der Rieckhoff-Struktur-Änderungs-Rede mindestens drei Viertel der Mitglieder und applaudierten minutenlang. Mich stimmt das zuversichtlich. Obwohl Carl-Edgar Jarchow auch sagt: „Es lag in der Vergangenheit nicht nur an den Strukturen, dass die großen Erfolge ausblieben, es lag auch an den handelnden Personen.“ Stimmt. Aber in einer Welt- und Wirtschaftsstadt wie Hamburg würden neue Strukturen ganz sicher für neue Impulse sorgen.

In der Hoffnung, das ich nicht zu viel und auch nichts Verbotenes geschrieben habe, lieber Herr Jarchow (denn es ist ja ein ganz spezielles Thema!), komme ich jetzt noch einmal kurz zum sportlichen Teil dieser Ausgabe. Es geht um

den Sommerfahrplan des HSV. Und der sieht wie folgt aus:

1. Juli in Hamburg: Trainingsstart im Volkspark
5. – 10. Juli in Mayrhofen: Trainingslager im Zillertal
5. Juli: Wacker Innsbruck – HSV
8. Juli: Zillertal-Auswahl – HSV
13./14. Juli in Hamburg: Offizielle Saisoneröffnung beim Nordcup mit HSV, FC Kopenhagen, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig
15. – 19. Juli Testspielreise nach Klagenfurt
16. Juli in Villach: RSC Anderlecht – HSV
20. Juli: Telekom-Cup in Mönchengladbach:
Halbfinale: Borussia Mönchengladbach – HSV
21. Juli: Telekom Cup: Spiel um Platz 3 oder Finale
23. Juli in Flensburg: West Ham United – HSV
27. Juli in Hamburg: HSV – Inter Mailand
2. – 5. August: 1. Hauptrunde im DFB-Pokalwettbewerb: SV Schott Jena – HSV
8. August: TSV Etelsen – HSV
9. – 11. August: 1. Bundesliga-Spieltag der Saison 2013/2014

19.16 Uhr

Runterfahren und überleben

28. Juli 2012

So, den Sommer haben wir auch hinter uns, viereinhalb Tage Sonne, das reicht ja auch wirklich – wir sind ja nicht verwöhnt. Zumal der HSV in Schweden nicht nur ums Überleben kämpft, sondern auch nicht gerade gutes oder bestes Sommer-Wetter hat. Die Mannschaft ist „dort oben“ gut angekommen, Medien-Direktor Jörn Wolf hat schon eine Menge Fotos an die Redaktionen geschickt – es wirkt alles bestens. In diesem Camp hängt übrigens ein handgeschriebenes Herzlich-willkommen-Plakat, und darauf stehen die Erwartungen, die alle an diesen ungewöhnlichen Trip haben. Also:

Erwartungen:

Ruhe.
Runterkommen.
Überleben.
Spaß.
Essen besorgen.
Was Neues erleben.
Neue Erfahrungen.
Gesund hier rauskommen.
Verantwortung füreinander.
Sich helfen.
Ohne Handy zurechtkommen.
Viele Mücken.
Mit der Mannschaft etwas erleben.
Besser kennen lernen.
Die Spieler das Beste geben.

Vor der Reise nach Schweden gab es am Abend ja noch das Testspiel in Norderstedt. 6:0, das Ergebnis ist bekannt, es hätte in meinen Augen auch ein 8:4 für den HSV heißen und geben können, denn der Fünftliga-Klub hatte mindestens vier glasklare Tormöglichkeiten – aber das ist ja auch relativ unwichtig, denn ein solches Spiel hat ja keinerlei Einfluss auf die nun kommende Saison.

Für mich hat diese Partie dennoch eine ganz wichtige Erkenntnis gebracht. Wer auch immer etwas am Verhältnis zwischen Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen zu mäkeln hat, er liegt wohl daneben, denn: Beide Herren saßen während des Spiels Schulter an Schulter und unterhielten sich fleißig. Sie sprachen über einige Szene, sie scherzten auch einige Male (mehr), und sie wirkten so, als wenn dort zwei Freunde sitzen, die gemeinsam „ihr Ding“ machen wollen. Genau so hatte es auch Thorsten Fink noch vor dem Anpfiff gesagt: „Was da über uns gesagt und geschrieben wurde, das ist alles Blödsinn.“ So muss es, wie gesagt, tatsächlich sein, denn Fink und Arnesen saßen wie zwei Freunde nebeneinander. Wären sie das nicht, hätten sie sich gewiss nicht so auf die Bank gesetzt und sich so der Öffentlichkeit präsentiert.

Vor dem Spiel unterhielt ich mich lange mit Medien-Direktor Jörn Wolf – auch und natürlich über den „Matz-ab-Blog“. Und auch darüber, dass hier zuletzt so manche harte Kritik an den Klub und die Verantwortlichen gekommen ist. „Falls ich damit gemeint sein sollte, so muss ich für mich feststellen, dass ich mir zum jetzigen Zeitpunkt große Sorgen um den HSV mache. Ich habe Angst um den HSV, Angst davor, dass es wieder eine Saison gibt, die im Abstiegskeller gespielt wird . . .“ Das sagte ich Wolf – und er antwortete: „Angst ist ein schlechter Berater.“ Stimmt wohl. Aber im Moment ist es eben noch so, denn für mich sind mit Petric, Jarolim und Guerrero drei erfahrene Leute gegangen, und bislang sehen ich eine ganz, ganz junge HSV-Mannschaft, die noch viele, viele Schwächen abzulegen hat. Und die Saison rückt näher. Was ein Fehlstart für Folgen haben kann, haben wir alle 2011 eindrucksvoll und negativ genug erfahren müssen.

Wolf aber rückte meine Sorgen auch noch einmal in aller Form und ganz nüchtern zurecht: „Was haben wir immer wieder gesagt, als die Saison beendet war? Wir müssen erst Spieler verkaufen, bevor wir einkaufen können.“ Richtig. Das haben sie alle immer wieder gesagt, Frank Arnesen hat es jeden Tag sogar mehrfach sagen müssen. Und trotz allem habe ich (und wohl auch noch einige andere Leute) es vergessen, daran zu denken. Bevor Guerrero und Töre nicht verkauft waren, das ist eben die nackte HSV-Tatsache, war einfach kein Geld da, um zu planen, um neue Spieler ins Visier nehmen zu können. Das ist – nach wie vor – die Wahrheit.

Thorsten Fink jedenfalls, das hat er in Norderstedt auch noch einmal betont, ist zum jetzigen Zeitpunkt ganz gelassen, denn er weiß, dass jetzt, wo Guerrero und Töre weg sind, Geld da ist, um noch etwas zu tun. Und es wird, so wurde es mir am Freitag von allen Seiten versichert, es wird etwas getan. So wie jetzt auch die Sache mit Milan Badelj in trockenen Tüchern ist. Es geht voran, auch wenn es nicht alles sofort und nicht von heute auf morgen geht.

„Du musst dir keine Sorgen machen, und Angst haben musst du erst recht nicht haben“, hat mir Jörn Wolf mit auf den Weg gegeben – und ich versuche es, jetzt damit umzugehen. Und ich versuche mich bis zum Auftakt-Spiel gegen den 1. FC Nürnberg zu disziplinieren, die Angst zu unterdrücken. Gut Ding will Weile haben, auch in dieser Saison. Und dann werden wir mal abwarten, wie es diesmal läuft. Vielleicht werden ja auch jetzt, gerade in diesen Tagen und Stunden, die Weichen für eine erfolgreichere Saison gestellt – in Schweden, im Überlebenscamp, abseits von jeglicher Zivilisation. Schön wäre es auf jeden Fall.

So, dann komme ich zur Abteilung „Kummerkasten“. Mails, Mails, Mails – ob privat oder bei Matz ab. Es gibt Bewegungen, der HSV steht im Mittelpunkt.

Lieber Herr Scholz,
lieber Herr Matz,

vielen Dank für die damalige Reaktion / Antwort auf meine Mail.

Nun brennt mir aber doch eine Frage auf den Lippen bzw. kann die aktuelle Berichterstattung nicht nachvollziehen! Im Abendblatt, sowie in der Matz Ab Berichterstattung wird immer wieder Frank Arnesen angeprangert, dass Arnesen endlich liefern muss und geeignete Neuzugänge präsentieren muss. Ist sicherlich richtig, dass die Mannschaft in der aktuellen Kaderbesetzung kaum Konkurrenz darstellen wird und Neuzugänge präsentiert werden müssen!

Bloss wieso nimmt man Hr. Jarchow hier nicht mit in die Kritik? Unser VV erschwert doch die Arbeit erheblich… z.B. die aktuelle Personalie Badelj. Da posaunt Jarchow via Presse, dass dieser in Kürze präsentiert wird. Arnesen wiederum, dass noch Gespräche anstehen, nichts fix sei und ggfs der AR noch über das Finanzpaket Badelj abstimmen muss. Hr. Jarchow gefährdet diesen Transfer doch erheblich mit seinen Äusserungen. Wieso wird diese Thematik nicht aufgegriffen bzw angeprangert?

Folgender Absatz aus dem Abendblatt:
…Milan Badelj ist trotz anderslautender Ankündigungen von HSV-Vorstandschef Carl Jarchow längst nicht mehr sicher. Fenerbahce Istanbul soll dem 23-Jährigen ein finanziell reizvolleres Angebot unterbreitet haben. Und so droht nach Granit Xhaka und Rafael van der Vaart auch bei dem Kapitän von Dinamo Zagreb, dessen Verpflichtung Jarchow bereits vermeldet hatte, eine weitere Absage, die Arnesen angelastet würde.

Wieso wird diese Absage Arnesen angelastet? Arnesen hat diesen Transfer nie als fix vermeldet! Die Personalie wurde doch durch den Vorstoß von Hr. Jarchow gefährdet.

Zudem lese ich dann im gestrigen Matz Ab Blog folgende Passage:
Adler spricht von Erfahrung, von Haudegen. Und nach dem Vorfall um Slobodan Rajkovic (Faustkampf mit Heung Min Son sowie das Abendblatt-Interview) spricht Trainer Fink von einer neuen Situation, die noch einen neuen Innenverteidiger erfordert. Wir erinnern uns vielleicht noch alle: Vor diesem Rajkovic-Son-Boxkampf wollte der HSV noch einen Zehner und einen Achter, von einem Innenverteidiger war nie die Rede. Aber nun.

Nun Frage ich mich, ob die Berichterstattung um Abraham schon vergessen wurde. Diese Personalie wurde doch auch vom Abendblatt und dem Matz Ab Blog aufgenommen und drüber berichtet. Wie kann man nun zu der BErichterstattung kommen, dass von einem IV nie die Rede war? Mir vollkommen schleierhaft.

Über eine Antwort / Rückmeldung zu den beiden angesprochenen Punkten würde ich mich sehr freuen!

Sonnige Grüße

Ja, ich habe Angst, andere haben Sorgen. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Leute so alles wissen. Und wen sie als Schuldigen ausgemacht haben. Das sind wahre Insider-Kenntnisse, die so nicht einmal ein Vorstandsmitglied hat. User, die solche Einblicke haben (oder ihre Meinung derart verkaufen), sind zu bewundern. Dass Carl-Edgar Jarchow der Schuldige ist – natürlich. Und wer noch alles . . .

Nein, nein, das ist (mir) alles viel zu einfach. Und ich veröffentliche eine solche Mail auch nur deshalb, damit andere User, die ebenfalls sehr viel oder auch schon alles wissen, eventuell mal in sich gehen. Und damit auch andere „Matz-abber“ mal sehen, wie man woanders über die derzeitige Lage des Klubs denken (und schreiben) kann.

Dazu gibt es noch einige andere Mails, nur auf eine möchte ich hier noch kurz eingehen. Ein Ausschnitt aus der Mail, die mich privat erreichte. Es geht dabei um die Kritik an Arnesen und Fink:

„Hallo Dieter, ich muß leider zugeben, hier wird leider auf die Falschen draufgehauen!!!
Wenn Herr Arnesen so wie oben geschrieben die Arbeit schwer gemacht wird, wenn er ständig neue Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, wie soll da eine gute, zufriedenstellende Arbeit bei rauskommen???
Hier wird auf die Falsche eingedroschen, Herr Matz, oder Dieter, unser – oder das Grundübel, das Geschwür des HSV Ist der harte Kern des SC!!!

PS: Bitte höflichst um Stellungnahme

PPS: Ich kann und will nicht glauben, dass weder Herr Arnesen, noch Herr Fink von dir, bzw. Scholle „sturmreif geschossen” werden sollen!!!“

Ich kann dazu nur für mich sprechen: Ich habe weder eine Waffe die schießt, noch habe ich Frank Arnesen oder Thorsten Fink angegriffen. Ich will sie auch nicht „weghaben“. Ich möchte eigentlich nur, dass der HSV nicht noch einmal eine so schlechte Saison spielt, wie zuletzt, und ich will auch, dass der HSV endlich wieder viele, viele Erfolge feiert. Mehr nicht. Und wenn ich als Journalist sehe, dass hier und da etwas nicht rund läuft, dass es hier und dort noch hakt, dann ist es meine Aufgabe, das auch zu schreiben. Da ist es ganz egal, ob der HSV darauf eingeht, ob der HSV es mag, was ich schreibe, ob der Trainer, der Sportchef oder der Spieler es gerne haben, was ich denke – es ist ganz einfach mein Job. Und diesen übe ich nunmehr seit über 32 Jahren aus, Ende 2013 ist Schluss. Wenn ich so oft so krass daneben gelegen hätte, dann hätte ich sicherlich nicht bis 2013 schreiben dürfen, dann hätte der Verlag sicherlich schon eher ein Ende mit mir gefunden. Wobei ich niemandem verübeln werde, dass er eine andere Meinung hat. Das ist sogar gut so. Zweierlei aber stört mich allerdings doch: Kritik unterhalb der Gürtellinie – und wenn einer, den ich nie im Volkspark (auch in der Woche) oder beim HSV antreffe oder sehe, alles ganz genau weiß, was da so zwischen Trainer, Sportchef und Vorstand alles abläuft. Motto: „Der ist unschuldig, der ist schuldig!“ So etwas für „hundertprozentig“ zu halten und zu veröffentlichen, das ist schon sehr mutig.

So, und dann muss ich mich für einen Fauxpas entschuldigen. Ich hatte, wie oben bereits zu recht kritisiert, geschrieben, dass eigentlich kein Innenverteidiger geholt werden sollte. Das ist falsch. In der Tat wollte der HSV den Argentinier Abraham vom FC Basel, der dann zum FC Getafe ging, nach Hamburg holen. Für mich stellte es sich damals aber so dar, dass Abraham (ein ehemaliger Fink-Schützling) auf dem Markt war, und dass der HSV so nicht nur einen neuen Abwehrspieler bekommen hätte, sondern auch Heiko Westermann dadurch frei für die Sechser-Position werden würde. Als Abraham dann nicht kam, sah ich (nur ich!) Westermann wieder auf der Position des Innenverteidigers – aber offenbar hält Trainer Fink an seiner Idee fest – was ja auch absolut okay ist. Er hat die Verantwortung für den sportlichen Erfolg des HSV, er ganz allein.

Also noch einmal: Es war mein Fehler, dass ich einen Innenverteidiger in Abrede gestellt habe, und ich entschuldige mich dafür. Es war falsch, was ich schrieb.

PS: Ich lasse die mir zugeschickten Mails so, wie sie vom Verfasser ins Netz gestellt wurden, ich korrigiere nichts, denn ich möchte diese Schreiben in keiner Weise und in irgendeiner Form manipulieren.

Der HSV will Platz für seine Talente schaffen

6. Juni 2012

Zwischenmahlzeit. So hieß, die etwas älteren Damen und Herren unter uns werden sich erinnern, so hieß eine Sendung im deutschenFernsehen, die von der „Quasselstrippe“ Gisela Schlüter moderiert wurde. An diese Zwischenmahlzeit erinnerte ich mich, als wir heute mit Frank Arnesen sprachen. Es gab dabei zwar nichts zu essen und nichts zu beißen, aber es war schön, den HSV-Sportchef mal wieder gesehen zu haben. Braun ist er, gut gelaunt war er auch – alles bestens. Und natürlich sprach er auch über die EM. Polen gegen Griechenland sieht er sich an, am nächsten Tag Dänemark gegen Niederlande, dann kommt er zurück – für ein paar Tage. „Für mich bleiben Deutschland und Niederlande die Favoriten, in der Gruppe und auch für das Halbfinale“, sagt Arnesen und fügt an: „Wenn Deutschland gegen die Niederlande spielen, dann wird es schwer für mich – ich war schließlich 26 Jahre in Holland.“ Die prägen. Klar. Aber zur deutschen Mannschaft sagt der HSV-Sportchef: „Das ist in den letzten Jahren eine ganz andere Mannschaft geworden. Früher war das mentale Kraft, physische Kraft, aber dann kamen kleine Jungs dazu, die eine brillante Technik haben, es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.“

Zum HSV. „Es ist bislang sehr, sehr wenig passiert, auf dem Transfermarkt, die meisten Vereine haben noch gar keine Spieler gekauft, aber wir haben schon drei. Mit Beister, Rudnevs und Adler. Das sind drei gute Verpflichtungen“, sagt Arnesen. Er ist mit diesem Zwischenstand zufrieden. Und abgerechnet wird in dieser Sportart ja auch erst am 31. August, wenn das Transferfenster geschlossen wird. Was der HSV dann erreicht hat, das ist wichtig – nicht so sehr das, was (schon) am 6. Juni 2012 zu Buche steht. Frank Arnesen sagt zu diesem Thema: „Was wir wollen, Thorsten und ich, ist, dass wir einen Kader haben, in dem die Spieler zufrieden und gesund sind. Deswegen sind wir bemüht darum, einen kleineren Kader zu haben. 21 Feldspieler und drei Torhüter, das ist unser Ziel. Zu viele Spieler ist auch für jeden Spieler nicht gut, weil immer viele nicht spielen könnten – und finanziell für den Verein ist es ebenfalls nicht gut.“ Der Sportchef weiter: „Wir wollen auch deshalb einen kleineren Kader als zuletzt, weil wir junge Spieler, unsere Talente, mittrainieren lassen wollen. Spieler wir Nörgaard und Steinmann sind sehr gute Talente, die sollen sich dort entwickeln – und dafür brauchen wir Raum, dass sie sich dort auch bewegen können.“

Noch aber hat der HSV einige Spieler zu viel an Bord. Zumal auch noch Macauley Chrisantus und Lennard Sowah zurückkommen werden. Und statt der drei Torhüter gibt es mit Rene Adler, Jaroslav Drobny, Tom Mickel und Sven Neuhaus vier Keeper. Und Nachwuchsmann Florian Stritzel ist ja auch noch beim HSV. Da wird es noch die eine oder andere Verkaufswelle geben müssen, ehe der Kader die Zahl 24 erreicht hat. Aber speziell zur Torhüterfrage sagte Arnesen: „Ich war es beim FC Chelsea gewohnt, mit vier Torhütern zu trainieren, das ist kein Problem.“ Aufgeräumt hat Frank Arnesen heute auch noch einmal mit der Mär, dass es ein finanzielles Angebot vom FC Bayern für Drobny gab. Der Sportchef: „Wer das behauptet, der sagt die Unwahrheit. Das ist hundertprozentig unwahr. Ich hatte ein Gespräch mit Bayern-Sportchef Christian Nerlinger, das stimmt, er hat sich bei mir nach Drobny erkundigt. Er hatte aber insgesamt noch drei, vier weitere Kandidaten als Ersatztorwart – und wollte sich nach fünf Tagen wieder melden. Das tat er, und dabei teilte er mir mit, dass sich der FC Bayern gegen Drobny entschieden hat.“

Das Thema David Abraham (FC Basel) hat sich für den HSV wohl erledigt. So sieht es zum jetzigen Zeitpunkt aus, weil der Innenverteidiger bereits im Januar einen Vier-Jahres-Vorvertrag mit dem FC Getafe abgeschlossen hat – bevor er vom Interesse des HSV erfuhr. Frank Arnesen sagt: „In diesem Moment liegt der Ball beim Berater und seinem Spieler – wir können da nichts machen.“ Ganz klar ist aber, so der Sportchef: „Wir werden nichts an Getafe bezahlen, dass da Geld von Hamburg nach Spanien fließt, das ist ausgeschlossen. Dazu stehen wir alle auch hundertprozentig.“

Weil der HSV nach wie vor ja auch kein Geld hat. An dieser Situation hat sich ja nichts geändert. „Wir haben keinen europäischen Fußball, allein deshalb fehlt uns Geld. Und wir müssen sehr, sehr gut und seriös aufpassen, was wir machen“, sagt Frank Arnesen. Und hofft dabei wohl auch weiterhin auf den HSV-Fan und HSV-Sponsor Klaus-Michael Kühne und dessen Frau, dass aus dieser Richtung noch einmal eine kräftige Finanzspritze geben wird. Und das sieht wohl auch nicht ganz so schlecht aus. Erleichtert zeigte sich der Sportchef darüber, dass die Mitglieder bei der Versammlung im Volkspark (20. Mai) Grüns Licht für ein neues Kühne-Engagement gaben – und etwaige „Zuschüsse“ nicht grundlegend ablehnten. Der Antrag auf Satzungsänderung wurde damals ja (nach intensiven Gesprächen hinter den Kulissen) zurückgezogen . . .

Apropos. Zurückgezogen hat ja auch Dirk Kuyt. Sich vom HSV. Er wechselt ja bekanntlich zu Fenerbahce Istanbul. „Er hat sich für die Champions League entschieden, das können wir nicht bieten. Aber das beunruhigt mich gar nicht. Ich finde gut, dass er an uns gedacht hat, dass er auch seriös darüber nachgedacht hat, nach Hamburg zu wechseln. Das ist jetzt leider nicht passiert, der HSV war bei ihm von 14 Interessenten unter den ersten drei Klubs – aber leider ist es nichts geworden. Das Leben geht weiter“, sagt Arnesen und fügt an: „Das ist nicht negativ für uns, das ist gar nichts, das hat nichts zu bedeuten.“ Und er lässt auch seiner Hoffnung auf den einen oder anderen „Kracher“ noch freien Lauf: „Wir gucken uns auch in Spanien, Portugal und Griechenland um, da gibt es gute Spieler, die die Bundesliga vorziehen – weil sie hier ihr Geld sicher haben. In diesen Ländern haben sie zwar gute Verträge mit hohen Summen drin, aber was nützt es, wenn sie dieses Geld nicht bekommen? Dann gehen sie doch lieber in die Bundesliga, da ist das sicherer.“ Arnesen weiter: „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, um den HSV besser zu machen.“

Grundlegend aber ist die Situation für den HSV so: Erst einmal müssen Spieler verkauft werden, bevor neue Leute geholt werden können. Und das wird noch schwer genug. Frank Arnesen: „Ich habe ein gutes Gefühl, denn die Spieler, die wir haben, die wollen gar nicht gehen. Die fühlen sich wohl hier. Die hatten zwar keine gute Saison, aber sie wissen, dass die Atmosphäre hier gut ist, und sie sagen auch alle, dass sie es besser machen wollen, dass se es auch viel besser können. Von den Spielern, die ich zum HSV geholt habe, will keiner weg. Und das war im vergangenen Jahr anders, als ich zum HSV kam, da haben gleich drei, vier Spieler gesagt, dass sie zum Saisonende gehen werden. Dass jetzt keiner gehen will, das ist eine gute Sache.“ Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber ist es auch so: Der HSV zahlt gut, und es gibt keine Angebote anderer Klubs – wer will denn (unbedingt) einen Spieler von einem Fast-Absteiger?

Abwarten. Abwarten, was da noch auf uns zukommen wird. Einfach wird es für Frank Arnesen sicher nicht. Aber er hat ja noch Zeit.

Ja, und dann war da heute noch eine besondere Meldung:

Ich nenne die mal:

Zwei Vergehen – eine Strafe.
Und wer erinnert sich noch: Ein Vergehen, dafür gab es fast eine Höchststrafe? Paolo Guerrero

Bei dieser „Art“ von Rechtsprechung kommt bei mir echte Freude auf:

Jetzt die dpa-Meldung:
Christian Lell von Hertha BSC ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für fünf Pflichtspiele gesperrt worden. Ihm wurde krass sportwidriges Verhalten und Schiedsrichter-Beleidigung vorgeworfen. Lell hatte laut DFB in der Nachspielzeit des Chaosspiels in der Bundesliga-Relegation bei Fortuna Düsseldorf am 15. Mai seinen Gegenspieler Assani Lukimya angespuckt und nach Spielende den Unparteiischen Wolfgang Stark beleidigt. Der DFB-Kontrollausschuss hatte eine Sperre von sechs Spielen gegen den Berliner Verteidiger gefordert.

Ich bin sprachlos. Zwei Vergehen, Schiedsrichter-Beleidigung und dazu den Gegner noch bespuckt – und dafür fünf Spiele? Da fehlt eigentlich nur noch die Ehrenurkunde. Für Lell. Ich verstehe diese Herren im DFB-Sportgericht schon lange nicht mehr, aber nun er recht nicht.

PS: Mein Kollege Oliver Wurm hat mich noch einmal gebeten, für “Hinz und Kunzt” mit der EM-Beilage Werbung zu betreiben – was hiermit geschehen. Die “Macher” haben diesmal – in einem Sommermonat – 30 000 Exemplare mehr drucken lassen, eben wegen dieserEM-Beilage (sind auch vier HSV-Fußballer mit Petric, Jarolim, Bruma und Sala dabei). Ich bitte euch, lasst die Leute nicht hängen, die Verkäufer brauchen das Geld – und die Herausgeber haben alle mit viel Liebe und “für kein Geld” gearbeitet. Danke für die Unterstützung.

19.33 Uhr

Bitte nicht nervös werden! Noch nicht…****Otto neuer Chefkontrolleur****

5. Juni 2012

AKTUALISIERT (Erster Absatz): Mal wieder ein Hauch Vereinspolitik im Blog. Der Aufsichtsrat tagte und wählte einen neuen Vorsitzenden. Alexander Otto soll es richten. Der ECE-Chef, der dem Amt eigentlich abgeschworen hatte ob seiner familiären und betrieblichen Verpflichtungen wurde von seinen Ratskollegen einstimmig zum neuen Chefkontrolleur gewählt und übernimmt das Amt des zurückgetretenen Ernst-Otto Rieckhoff bis zum Januar – bis zu den Neuwahlen, bei denen der Multi-Milliardär nicht mehr antreten wollte – dies aber heute etwas abschwächte: “Ich werde mich im herbst entscheiden, ob ich erneut kandidiere.” Und es scheint seit Udo Bandows erster Amtszeit das wahrscheinlich Beste, was diesem zerstrittenen Rat passieren kann. Zumindest ist er der einzige gemeinsame Nenner aller Fraktionen. Und er macht es zum Wohle des HSV. Otos Vizes sind Manfred Ertel und Eckart Westphalen.

Aber okay, zumindest sind die Räte einsichtig – was ja bekanntermaßen ein guter Anfang ist. Insofern will ich hier nicht schon vorgreifend verurteilen. Im Gegenteil, ich setze einfach mal neue Hoffnung in das Kontrollgremium, das in diesem Sommer hoffentlich noch eine ganze Menge zu tun bekommt. Immerhin hoffen wir alle noch auf eine Menge Bewegung in Sachen Kaderplanung.

Und darauf, das Frank Arnesen ein besseres Händchen hat als vergangene Saison. Da wurde das intern budgetierte (wichtig für die TV-Gelder) Ziel achter Platz um sieben Ränge verfehlt. Wobei ich mich ganz ehrlich frage, wie man vor der letzten Saison mit einem achten Rang planen konnte. Dafür gab es im Kader einen zu großen Umbruch hin zu Spielern, deren wirkliches Leistungspotenzial maximal zu erahnen war – nicht aber planbar. Und letztlich bewiesen sich die Transfers als nicht ausreichend effektiv. Einzig Töre bis zur Halbserie, Mancienne am Saisonende und Bruma auf der rechten Verteidigerposition wussten zumindest teilweise zu gefallen.

Dennoch erkannte der HSV schnell, dass es mit diesem Kader nur noch um den Klassenerhalt gehen konnte. Dass man nach dem Trainerwechsel und dem kurzzeitigen tabellarischen Aufschwung wieder sofort ins Träumen geriet und von internationalen Startplätzen schwadronierte – es spricht nicht für die Weitsicht der Verantwortlichen. Für deren Einsicht aber spricht, dass die kommende Saison mit einem elften Rang im Schnitt geplant wird. Das erscheint deutlich realistischer. „Was wir wirklich erreichen können, können wir erst nach der Transferperiode festlegen“, sagt Arnesen – und er hat natürlich Recht. „Denn erst dann wissen wir, wer in unserem Kader ist und ob wir die Ansprüche anheben können.“

Bislang ist der Weg dorthin jedoch sehr steinig und mit Absagen gepflastert. Wobei, nein: Xhaka und Kuyt haben abgesagt – weil sie international spielen wollen. Das kann der HSV nicht bieten. Und Abraham hat einfach nur kurzzeitig vergessen, dass er ja schon einen Vertrag – leider bei einem anderen Klub – unterschrieben hat. Drei Spieler, zweieinhalb Absagen – da fangen einige an zu nörgeln, was ich wiederum nicht mache. Denn meiner Meinung nach ist es richtig, wenn Arnesen seine Bemühungen ganz oben ansetzt. Der sportliche Weg von unten nach oben ist extrem hart – fragt doch mal Hoffmann und Beiersdorfer. Beide zusammen mussten mehr Absagen als Zusagen hinnehmen, bis sie irgendwann doch den so genannten „Türöffner“ in Rafael van der Vaart fanden. Anschließend hatte der HSV ganz neue Argumente, Hochkaräter anch Hamburg zu ködern.

Arnesen sucht seinen Türöffner noch. Adler ist ein Anfang, denn Fakt ist: je attraktiver die Mannschaft, desto leichter wird es bei neuen Hochkarätern. Dass auf dem Weg zu diesen Hochkarätern (noch) nicht alle „Yippiyeah“ rufen, wenn der Bundesliga-15. um die Ecke kommt, ist nur logisch. Es bedarf in diesem Fall schon sehr guten Kontakten und einer riesigen Portion Überredungskunst, um für eine Überraschung zu sorgen und einen echten Hochkaräter an Land zu ziehen.

Bei Dietmar Beiersdorfer war es das persönliche Bemühen. Zumindest erzählten mir das Rafael van der Vaart, Eljero Elia und Daniel van Buyten mal unabhängig voneinander. Alle drei besuchte Beiersdorfer mehrfach in ihrer Heimat, sprach mit den Spielern und deren direktem Umfeld. Beiersdorfer legte sehr viel Wert darauf, eine Vertrauensbasis zum Spieler und dessen Familie zu schaffen und ging damit immer wieder das Risiko, bei einer Absage immer sehr, sehr viel viel Zeit verschwendet zu haben. Er machte das, was ich mir vorgestellt habe, als Arnesen sagte: „Wir haben kein Geld – deswegen müssen wir einfach schneller, überzeigender und kreativer sein als unsere Konkurrenz.“

Insofern wundert Euch nicht, wenn ich nicht nach Absagen von Spielern nervös werde. Im Gegenteil, wenn ich von Absagen bei Spielern der Größenordnung Kuyt oder Xhaka höre, bestätigt das meine Hoffnung, dass sich der HSV trotz der schwierigen finanziellen Umstände in den oberen Regalen bedienen will. „Es wird ein sehr langer, harter Poker“, hatte mir Arnesen gestern gesagt. Und er meinte damit, dass sich der HSV gedulden muss, bis denn doch einer zusagt, den man als Soforthilfe verstehen kann und er sagte damit auch, dass sich der HSV nicht mehr nur mit Talenten zufrieden geben will. „Wir brauchen in fast allen Mannschaftsteilen noch Verstärkungen, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden“, hatte Uwe Seeler bei der Eröffnung des neuen Klubheims gesagt und einzig die Torhüterposition ausgeklammert. Ich glaube, er hat Recht.

Und ich hoffe, die aktuellen Entscheidungsträger sehen das auch so. Es fehlt ein sehr guter Innenverteidiger, ein Sechser, der das Spiel ankurbeln kann und ein offensiver Mittelfeldspieler, der Kreativität in das Offensivspiel bringt. Angenommen, Guerrero, Son, Arslan sowie Berg bleiben und Rudnevs ist die erhoffte Granate – dann bräuchten wir vorn schon quantitativ nichts mehr zu machen. Zumal wir mit Töre, Jansen, Beister und Ilicevic noch über vier offensivstarke Außen verfügen. Aber den offensiven Mittelfeldmann brauchen wir. „Diese Position hat Priorität“, hatte Trainer Thorsten Fink vor seinem Urlaubsantritt gesagt – und die Klubführung macht jetzt ernst. Es soll nicht mehr auf einen Spieler gewartet werden, der umsonst kommt. Vielmehr stehen in den nächsten Tagen erneut Gespräche mit Milliardär und HSV-Investor Klaus Michael Kühne gesucht werden. Der Speditionsunternehmer war bereits im Winter bereit, Basels Granit Xhaka zu finanzieren und soll dem vernehmen nach auch in diesem Sommer seine Hilfe angeboten haben.

Sofern Arnesen den richtigen Spieler gefunden hat, könnte es auch schneller gehen als erst „in letzter Sekunde“, wie Arnesen angekündigt hatte. Allerdings, und da lege ich mich fest, wenn es der Sache dient, warte ich gern auch bis zur letzten Sekunde der Transferperiode. Denn, und das muss allen klar sein, Frank Arnesen wird am Ende nicht an der Art und Weise gemessen, wie er Spieler nach Hamburg lockt. Vielmehr geht es darum, wen er holt und wie die einschlagen. Und ich hoffe, dass es nicht zum dauerhaften Stilmittel wird, Bekannte nach Hamburg zu holen. Letzte Serie kamen fünf Spieler von Arnesen vom FC Chelsea, dieses Jahr sollten es schon drei Ex-Spieler von Fink aus Basel (Shaqiri, Xhaka, Abraham) werden. „Meine Arbeit wird am Erfolg der Mannschaft gemessen“, hatte mir Arnesen vor zwei Wochen gesagt. „Es kann sein, dass ich die besten Spieler der Welt hole, die aber nicht zusammenspielen können. Und am Ende sagen alle: ‚Der Arnesen kann ja gar nichts’. Aber so ist mein Job.“ Dass er, wie hier im Blog diskutiert wurde, dafür so gut bezahlt wird wie kein Sportchef vor ihm – unwichtig. Zumindest so lange, wie er Erfolg nach Hamburg bringt. Es zählt im Profifußball nur das Ergebnis. Auf dem Platz – und außerhalb eben auch.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass Arnesen seinen Worten Taten folge lässt und er – auch wenn er nie zugegeben hat, die Liga unterschätzt zu haben – personell die richtigen Schlüsse aus der abgelaufenen Saison gezogen hat.

Bis morgen. Obwohl nee, bis später. Dann an gleicher Stelle mit den Neuigkeiten von der Aufsichtsratssitzung.

Scholle (17.16 Uhr)

Ein Nähkästchen der etwas anderen Art

4. Juni 2012

So weit ist es nun schon gekommen. Hoelzenbein. Kelsterbach. Müller. Da wird bei Matz ab schon ein Nähkästchen von mir reingestellt – von fremder Hand. Das gibt es doch gar nicht. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Eintrag Hoelzenbein heute um 7.05 Uhr. Das Schlimme an dieser Aktion ist, dass es alles stimmt. Der Herr Hoelzenbein hat eben – ich wusste es schon immer – ein gutes Gedächtnis. Und ein netter Kerl ist er obendrein. Und, um das auch noch vollständig zu machen: ein Elfmeterschinder auch. Jan Christian Müller kam einst als Fußballer vom FC Mahndorf (Bremen) zum 1. SC Norderstedt – und ich durfte über ihn berichten. Auch über den Elfmeterschinder, denn keiner fiel so schön und so schnell wie er. Und die Schiedsrichter mit ihm – nämlich auf ihn rein. Aber das steht hier nicht zur Debatte. Es geht um sein und mein Nähkästchen. Ihr müsst es eigentlich lesen, bevor ihr hier nun tiefer einsteigt. Was für ein Doppelpass, was Janny? Den hätten wir uns doch nie träumen lassen – damals . . .

Okay, zur Sache. Ich hatte also 2002 zur WM meinen Pass nicht dabei. Ich muss, um der Wahrheit die Ehre zu geben, sagen, dass ich ihn nicht vergessen hatte. Ich ließ ihn wissentlich zu Hause, weil ich Angst hatte, ihn in der Fremde zu verlieren. Denn ich hatte vor der Abreise in den Unterlagen der FIFA gelesen, dass die Akkreditierung als Ausweis für die Reisen innerhalb der WM-Länder Japan und Südkorea gelte. Ein schwerer Denkfehler, denn: Die Akkreditierung hatte ich ja noch gar nicht, die musste ich mir erst in Japan holen. Das war mein Fehler. Ich hatte Angst, dass ich dort meinen Pass verlieren würde, also ließ ich ihn vorsichtshalber zu hause. Perso musste reichen – für alle Fälle.

Erschwerend kam hinzu, dass die Boden-Stewardess der Lufthansa in Hamburg eigentlich hätte danach fragen müssen. Da ich sie aber, wegen meines Übergepäcks, „rund um die Uhr“ zuquatschte, kam sie gar nicht erst zu Wort. Sie fragte weder nach meinem Pass – noch nach dem Übergepäck. Und durch. Und wech. Und tschüs.

Das Weitere hat dann Herr Hoelzenbein (Müller ist lange schon kultiger Redakteur bei der Frankfurter Rundschau) genau und eindrucksvoll beschrieben. Obwohl es noch einige Dinge nicht geschrieben hat. Zum Beispiel, dass alle Redakteure, die von diesem Pass-Ding erfahren hatten, ein Schweigegelübde abgelegt hatten: „Kein Wort darüber in den Zeitungen, nicht mal als Splitter!“ Daran hielten sich eisern auch alle. Nein, doch nicht so ganz. Eine Zeitung musste es dann doch noch schreiben. Eine, die damals kaum in Hamburg gelesen wurde: die Mopo. Dem Redakteur, der schon lange nicht mehr in Hamburg ist, bin ich heute noch „dankbar“. Das war doch sehr kollegial. Obwohl. Auch das muss ich sagen: Da ich in Japan große Schwierigkeiten hatte, mit meinem alten Computer „ins Netz“ zu kommen, half mir der Mopo-Redakteur sehr – wie auch der Herr Hoelzenbein, was nicht verschwiegen werden darf.

So, zur Nacht in Kelsterbach. Kein Auge zugemacht. Und oft geheult – gebe ich zu. Am nächsten Tag dann der Flug – mit dem zweitgrößten Jet (nach dem Jumbo) der LH. Und mit Pass! Die Boden-Stewardess sagte beim Einchecken zu mir: „Herr Matz, Sie sind einziger Europäer an Bord, ich setze Sie an Fenster, und den Sitz neben Ihnen blockieren ich . . .“ Danke, danke, danke. An Bord dann nur Japaner und Matz. Und es entstand eine Geschichte, die tags darauf auf der Seite eins des Abendblattes erschien – und zu der ich später viele Leserbriefe erhielt (alle, wirklich alle nur positiv – ihr werdet es ändern können). Die Geschichte habe ich heute noch einmal „ausgegraben“, sie hat wirklich nichts mit Fußball zu tun, deswegen warne ich alle, die wenig bis keinen Humor haben, sie zu lesen. Wie gesagt, ganz Ende. Und wer sie liest, obwohl er keinen oder gar keinen Humor hat, und mich dann dennoch vernichtet – der hat selber schuld.

Problematisch wurde auch die Einreise in Japan. Da kommt ein Redakteur aus Deutschland angeflogen – und hat keinen einzigen Koffer mit. Das musste schiefgehen. Ich wurde von Zoll, Polizei und Geheimdienst nett, höflich und unverbindlich, nein, unverbindlich nicht ganz, in ein separates Zimmer gebeten. Eröffnungsfrage: „Wo ist Ihr Gepäck?“ Das ist schon in Mayazaki. Dort, wo sich die deutsche Mannschaft während der Zeit in Japan aufhielt. Die Japaner schüttelten den Kopf und antworteten: „Es kann ja gar nicht in Miyazaki sein, weil Sie noch hier sind. Und Gepäck fliegt nie allein – auch ihres nicht. Oder es fliegt jedenfalls nur dann allein, wenn etwas schiefgegangen ist.“ Dann erzählte ich von meiner Nacht in Kelsterbach. Unklar ist mir bis heute, ob die Japaner das alles, was ich ihnen erzählte, auch verstanden haben. Aber es ging alles glatt, sie ließen mich dann doch, nach einer langen Stunde, einreisen. Auch ganz ohne Gepäck. Nur mit Laptop „bewaffnet“.

In Miyazaki war ich dann natürlich nicht nur das Tagesgespräch, sondern auch das Wochen-Gespräch. Wer den Schaden hat . . . Und, das sei mir auch noch gestattet: Zwei, die sehr, sehr laut gelacht haben, die heute sogar Chefs beim Fernsehen und einer großen deutschen Tageszeitung sind, die haben bei den später folgenden Länderspielen auch ihre Pässe vergessen. Das war denen natürlich sehr, sehr peinlich . . . Während alle anderen auch aut gelacht haben. Nun gut, Japan und Südkorea habe ich damals ganz gut überstanden – und die deutsche Mannschaft ja auch. Wobei ich noch ein ganz kleines Nähkästchen loswerden muss. Als ich in Miyazaki meinen Koffer auspackte, stieß ich nach dem ersten Drittel auf einen Zettel. Den hatte mir mein damals 16-jähriger Sohn „reingeschmuggelt“: „Lieber Papa, Du musst ab hier jetzt nicht weiter auspacken. Das bisherige langt für die Vorrunde, dann fliegt Deutschland ohnehin wieder nach Hause . . .“ Es kam, wir wissen es alle, ganz anders.

Und Japan und die vielen Japaner dort, die sind mir in dieser zeit total ans Herz gewachsen. Ein tolles Land, super freundliche Menschen dort, und unheimlich höflich. So etwas hatte ich noch nie erlebt, werde es wohl auch nie wieder erleben. Es sei denn, ich fliege noch einmal nach Japan. Mit Reisepass natürlich.
Weil ich damals so nett über meine neue Liebe Japan geschrieben und berichtet hatte, lud mich übrigens der damalige japanische Konsul in Hamburg zu einem Essen in einem japanischen Restaurant ein – mich und Frau M. Und die Frau Konsul war auch dabei. Toll.
Ja, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was . . .

Ja, das war ein ganz besonderes Nähkästchen, eingebrockt und aufgeschrieben von Herrn Hoelzenbein. Zu diesem (globalen) Thema kam übrigens am Sonntag ein Leserbrief, den ich hier einmal veröffentlichen möchte:

Moin Dieter,

in der letzten Nacht wurde auf N3 eine Reportage über die Deutsche
Nationalmannschaft während der EM1996 gesendet. Wirklich sehr sehenswert !

Du bist in der Reportage auch zu Wort gekommen (den Bericht kennst du
wahrscheinlich schon). Habe dich erst nicht mit deiner „hübschen” Brille von damals erst nicht
erkannt ;).

Für die Zeit während der EM und der Sommerpause wünsche ich mir im Blog
wieder mehr deiner lesenwerten Nähkästchen, anstatt ständige Lobhudeleien auf die
HSV-Geschäftsführung.

Ich kann nach wie vor als Außenstehender viele Entscheidungen überhaupt
nicht verstehen (Vertragsverlängerung mit M. Jansen und den Umgang mit Drobny, um nur
einmal zwei Beispiele zu nennen, die mir spontan eingefallen sind).

Viele Grüße, Sieverdinger Raute

Nett. Und ich finde es ja auch ganz gut, wenn ein „Matz-abber“ die Nähkästchen gut findet – und sie lesen möchte. Allerdings gebe ich jedem zu bedenken, dass so vielleicht, wenn es hoch kommt, ein Drittel der Matz-ab-User so denken. Vielen hängen die Dinger zum hals heraus. Und dann gibt es Mails wie diese: „Was soll der Scheiß, das will hier keiner lesen, ich will hier aktuell informiert werden, Fakten, Fakten, Fakten.“

Natürlich, ist klar, wird alles gemacht. Selbstverständlich, stets zu Diensten.

Um dann auch gleich aktuell werden zu wollen: es ist ja Sommerpause. Das ist Fakt. Und in der tut sich meistens, gelegentlich und auch oft, nicht so sehr viel. Auch Fakt. Beim HSV tut sich im Moment gerade davon sehr viel – nämlich kaum etwas. Ebenfalls Fakt – also Fakten, Fakten, Fakten. Da ich aber im Erfinden von solchen brandaktuellen Nachrichten eigentlich sehr schlecht bin (es gibt aber natürlich auch liebe Mitmenschen hier, die das Gegenteil behauten – ist schon klar!), beschränke ich mich auf die wenigen kleinen Geschichtchen, die es dennoch hier und dort mal gibt. So gibt es morgen (Dienstag) zum Beispiel eine Aufsichtsrat-Sitzung, bei der der neue AR-Boss bestimmt werden soll. Es soll ja, so hieß es zuletzt immer wieder, alles auf den Herrn Alexander Otto zulaufen. Aber ob er es dann auch wird? Da habe ich meine Zweifel. Obwohl es einer ja eigentlich auch werden und machen muss. Alle wollen angeblich nicht. Nicht so recht, jedenfalls. Ich tippe mal darauf, dass Manfred Ertel den verwaisten Vorsitz (von Herrn Ernst-Otto Rieckhoff) übernimmt. Mein bauch. Ertel will bislang auch nicht, aber einer muss ja . . .

Dann zum „Fall Abraham“. Nicht der Trödler, sondernd er Basler. Der Basler in Getafe quasi. Mein Bauchgefühl hat ihn gestern eigentlich schon unmöglich gemacht, heute verdichten sich diese Gefühle immer mehr. Deswegen behaupte ich einmal ganz frech: zu 99,9 Prozent könnte ihr (und natürlich auch der HSV) den Herrn Abraham vergessen. Oder auch abhaken. Und wo ich gerade dabei bin. Ich sprach gestern noch mit einem weiteren Spielerberater, um mal zu horchen, was sich so in der Szene tut. So kamen wir dann auch auf den Namen Rafael van der Vaart. Ich sagte, dass ich diesen Namen gerne wieder in Hamburg zurück hätte, und zwar mehr den Namen Rafael als den Namen Sylvie. Da hörte ich zurück: „Matz, hast du eigentlich Ahnung vom Fußball? Der van der Vaart hilft dem HSV doch nicht mehr, der ist viel zu langsam geworden. Hast du dich mal gefragt, warum der bei Tottenham schon oft nicht mehr von Anfang an gespielt hat? Nein? Das solltest du aber mal. Nein, nein, bei van der Vaart ist der Lack ab – jedenfalls das Beste davon.“ Oha. Dann muss ich mich wohl mal schlau machen. Oder wir werden es bei dieser EM nun erleben, in welcher Verfassung sich dort der „kleine Engel“ vorstellt.

Übrigens hat „Scholle“, „uns Scholle“, mit jenem HSV-Spieler gesprochen, der nicht mehr mit dem Abendblatt sprechen will. Das lässt sich wahrscheinlich doch wieder irgendwie einrenken. Da dieser HSV-Spieler ja bei Matz ab mitliest, und da dieser HSV-Spieler auch gesagt hat (zu „Scholle“), dass er das Gefühl hätte, ich (also Matz) hätte etwas gegen ihn (so sein Gefühl), so muss ich einmal ganz deutlich klarstellen:

Liebe HSV-Profis,
ich habe gegen keinen von euch etwas persönlich. Glaubt es mir. Glaubt es mir einfach mal. Der HSV ist mein Verein, schon seit Jahrzehnten, und ich kann ehrlichen Gewissens sagen, dass ich nie etwas gegen einen HSV-Spieler hatte. Nie. Niemals. Da bin ich anders als so mancher HSV-Fan, wenn ich so an die Zeiten von Trochowski, Jarolim und Drobny (zu seinen schlechten Zeiten) denke. So etwas käme für mich nie in Frage. Ich freue mich über jeden Spieler, der HSV-Profi wird, ich freue mich auf ihn und ich freue mich mit ihm, dass er es zum HSV geschafft hat. Ich akzeptiere jeden Spieler. Und ich halte auch zu ihm, weil ich – natürlich – auch zum HSV halte. Nur weil er mal schlechte Leistungen bringt, würde ich niemals einen Spieler verdammen, ihn hassen oder zum Teufel wünschen. Für mich ist ein HSV-Spieler ein besonderer Fußballer, denn er hat etwas geschafft, was ich zum Beispiel auch mal wollte, ich aber nie auch nur im Ansatz hätte erreichen können.

Deswegen, um es noch einmal ganz deutlich zu machen, ich habe gegen keinen HSV-Spieler etwas Böses. Allerdings, und das ist meine Aufgabe schon seit nunmehr 32 Jahren: Spielt ein HSV-Spieler schlecht, oder ist ein HSV-Trainer nicht in der Lage, sein Amt vernünftig auszuüben, oder ist eine HSV-Führung grottig, dann schreibe ich das. Denn das ist meine Aufgabe. Komme ich der nicht nach, dann bin ich schnell weg vom Fenster – und das will ich seit nunmehr 32 Jahren nicht. Deswegen schreibe ich das, was ich sehe und höre – mehr nicht. Natürlich, das gebe ich zu, kann ein Spieler, der lange schlecht spielt, der das von mir auch immer Schwarz auf Weiß zu lesen bekommt, dann mal auf den Gedanken kommen, dass ich böse auf ihn bin – bin ich aber nicht. Nur bleiben schlechte Leistungen bei mir immer schlecht. Tut mir Leid, so ist das schon lange, daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Zwei Beispiele: Willi Reimann, der Trainer, hat einst gesagt: „Kritik ist okay, Kritik ist willkommen, aber sie muss oberhalb der Gürtellinie sein.“ Irgendwann habe ich dem Herrn Reimann dann gesagt: „Es kommt dabei auch immer darauf an, wo Mann den Gürtel trägt. Sie, so mein Gefühl, tragen ihn immer um den Hals . . .“ Und, inzwischen kennt sie jeder, zur Kober-Geschichte. Carsten Kober, mit dem ich eineinhalb Jahre lang keine einziges Wort wechselte, kam einst lange vor dieser Geschichte mal zu mir und sagte: „Dieter, diesmal hast du mich zu gut gesehen und beurteilt. Ich war diesmal ganz, ganz schlecht.“ Meine Antwort: „Carsten, ich habe dich eben so gesehen, trage es wie ein Mann, irgendwann sehe ich dich schlecht – und du siehst dich dann besser – es gleicht sich im Fußball doch alles immer wieder aus.“ So einigten wir uns – und dann kam es später doch zum dem (langen) Bruch.

Eines muss ich schnell noch einmal loswerden – das Ding mit der Brille (weil ich dieser Tage so oft darauf angesprochen werde). Früher trug ich eine Brille. Ich war kurzsichtig. Dann kam jener Tag, als der HSV mit einem neuen Trainer sein erstes Auswärtsspiel der Saison in Wolfsburg austragen musste (durfte). Es war der 23. August 2009, ich durfte mit meinem sehr geschätzten Kollegen Lars Pegelow (NDR 90,3) mitfahren – und legte meine Brille vor der Abfahrt das Autodach. Da lag sie am Ende der Fahrt dann – völlig überraschend – nicht mehr. Und weil ich ohnehin das Gefühl hatte, dass ich diese Brille nicht mehr benötigen würde, weil meine Augen besser geworden waren, verzichtete ich darauf, eine neue zu kaufen. Ich laufe seit diesem Tag „oben ohne“ herum, also auch ohne Kontaktlinsen (ich „höre“ sie jetzt schon schreiben: „Ich wusste es doch schon immer, es musste doch einen Grund haben, warum der Matz so schlecht sieht . . .“) . Jetzt ist es allerdings so, dass ich bei dem ganz, ganz Kleingedruckten eine Lesehilfe brauche – eine Brille. Jetzt aber, am Computer in der Redaktion, benötige ich sie noch nicht.
Alles klar?

Dann noch zu einem künftigen “Matz-ab-Treffen” – mit dem Herrn Jarchow. Noch gibt es, weil es schon viele Nachfragen gab, keinen Termin dafür. Ich werde auf den Spielplan der Saison warten, und dann einen Termin mit dem HSV-Boss absprechen. Und dann werde ich euch diesen Termin mitteilen. Eines habe ich allerdings schon versprochen – wir treffen uns vor (!) dem 1. November. Für die grobe Planung.

So, und nun der eingangs angekündigte Ohne-Fußball-Artikel von damals, als ich in Kelsterbach kurz auf der Strecke geblieben bin. Habe ich aus dem Archiv gekramt. So erschien der Bericht auf Seite eins:

Wenn das Oma sähe . . .
Was einem Hamburger im Weltmeisterschaftsland Japan auffällt
„Andere Länder, andere Sitten.” Deutsches Sprichwort

Dieter Matz

Miyazaki

Fußball-Weltmeisterschaft in Asien. Plötzlich ist Oma Margarethe allgegenwärtig. Gott habe sie selig. Aber sie dürfte nicht in Japan sein. Nicht, dass sie etwas gegen Land und Leute hätte, sie hatte es aber mit der Etikette. Stichwort Esskultur. Und so eine wie Margarethe hatte nach dem Krieg so manche Familie in ihren Reihen.
Wenn Oma, Tochter des ehemaligen Hamburger Senators und Ehrenbürgers Henry Everling, im In-Café der Konditorei Kaul in der Mönckebergstraße saß, dann hatte sie nicht nur ihren eigenen Tisch bestens unter Kontrolle. Sie beobachtete jeden und alle.

Es gab entsetzte Blicke in Richtung Nachbar: Einen Löffel mit Eis durfte keiner im Munde wenden. Erst recht nicht den halbvollen Löffel wieder ans Tageslicht bringen. Oder wenn der Ellenbogen auf dem Tisch lag oder wenn die Gabel bereits nach dem nächsten Bissen suchte, während der Mund noch mit dem Kauen beschäftigt war. Wenn sie ihre Enkel außerhalb der Etikette erwischte, gab ihnen Margarethe kurz, aber heftig einen an die Backen. Das saß. In jeder Beziehung.

Nun geht es zwar mit der deutschen Esskultur seit Jahrzehnten bergab. Ellenbogen auf den Tisch, einhändig essen, Messer ablecken – alles ist drin. Mit den Japanern aber hätte Oma Margarethe allergrößte Mühe gehabt. Denn die dürfen, was bei uns verpönt ist: schlürfen und schmatzen.

Im Land der aufgehenden Sonne nimmt das niemand übel, im Gegenteil. Nichts ist schöner, als wenn die Japaner ein Gläschen Wein trinken. Oder auch Tee. Stundenlang zelebrieren sie das. Tschiiiiiiep. Und wieder: Tschiiiiiiep. Tschiiiiiiiep. Unüberhörbar. Sie stülpen ihre Lippen wie zu einem Strohhalm, lassen die Zähne geschlossen und saugen. Wahre Minischlucke saugen sie auf, und lassen sie dann auf der Zunge zergehen: Tschiiiiiiiep. Immer und immer wieder. Sogar alte Leute sehen sich wie Frischverliebte an, wenn einem von ihnen wieder einmal ein besonders schönes Tschiiiiiiep gelungen ist.

Nein, nein, es ist schon gut, dass Oma es nie bis nach Japan geschafft hat. Bei St. Peter-Ording war damals für sie Schluss. Ein Tschiiiiiep also auf diese Weltmeisterschaft.

16.19 Uhr

Dieser HSV wirft immer viele Fragen auf

3. Juni 2012

Früher war alles wie früher. Daran kann ich mich genau erinnern, denn als vor fast drei Jahren (mir kommt es viel, viel länger vor) Matz ab ins Leben gerufen wurde, da war sonntags immer mein Tag der Antworten gekommen. Ihr habt gefragt, ich habe geantwortet. So gut es ging, so oft wie möglich. Und irgendwann schlief es dann auch irgendwie ein. Keine Antworten auf keine Fragen? Auf jeden Fall gab es in der jüngeren Vergangenheit etliche Fragen und etliche Mails sowie Briefe, in denen sich mehr oder weniger besorgt über den Zustand des HSV geäußert wurde. Ich habe einige davon jetzt herausgegriffen, um sie euch zu präsentieren – und auch um die eine oder andere Antwort zu geben. Sofern ich diese Fragen dann beantworten kann. Und das ist gewiss nicht immer so. Wie in den ersten beiden Fällen, die sich noch einmal mit der Mitgliederversammlung im Volkspark beschäftigen. Ich möchte auch nicht in jedem Fall eine oder auch mehrere Antworten parat haben, ich denke, das ihr euch untereinander vielleicht viel besser helfen könntet. Eventuell ist das hier schon einmal der Fall.

Lieber Dieter Matz!

Ich bin ein ausgewiesen blinder HSV-Fan, der seine Mannschaft gerne siegen sehen will. Wenn sie denn nicht gewinnt, dann will ich sie kämpfen sehen.
Sie soll mir das Gefühl geben, dass meine von mir so geliebte Heimatstadt von ihr würdig vertreten wird. Dazu braucht’s gute Spieler, einen engagierten Trainer, einen beschlagenen Sportdirektor und eine versierte Vereinsführung. Dein Blog gibt mir viele Anregungen, auch lustige Momente und viel Kurzweil …
ABER: Ich möchte von dir nun endlich mal die Hintergründe erklärt bekommen. Wer sind SC und Realos, die Personen im Vorstand und AR, wer steht wofür?
BITTE jetzt mal einen Grundsatz-Artikel ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten!
Danke, dein treuer Leser D. R.

Und noch einmal Mitgliederversammlung. Wobei ich auf die hier vorstehende letzteFrage noch einmal eingehen möchte: Wer sind SC und Realos, die Personen im Vorstand und AR, wer steht wofür? Von der Bühne aus betrachtet, und zwar Richtung Tribüne sehend, saßen rechts die Realos, links die Supporters – oder? Also, um noch einmal konkret zu werden: Wenn rnst-Otto Rieckhoff und zum Beispiel auch Carl-Edgar Jarchow zur Tribüne blickten, dann waren es so wie eben beschrieben. Und ich hatte den Eindruck, dass die Realos diesmal (zum ersten Mal?) ein wenig aggressiver waren als die Supporters, denen das früher immer nachgesagt wurde. Oder täuscht mein Eindruck?

Auf jeden Fall möchte ich zur MV auch noch diesen Beitrag veröffentlichen:

Hallo Dieter,

anbei mein Post im Original. Vielleicht hilft er ja ein wenig in dieser verfahrenen Situation.
Müssen wir denn hier die Grabenkämpfe unbedingt weiterführen? HIER sollte es doch nicht um Macht gehen – wie in der realen Welt 😉 – sondern doch nur darum, über die MANNSCHAFT zu diskutieren. Und, ehrlich gesagt, ob wir mit dem Buntbetuchten, oder EOR Meister werden, ist mir so was von egal.

Den meisten von uns geht es doch um Sympathie oder Antipathie gegenüber den Protagonisten und um die eine oder andere Schlechtleistung im AR und Vorstand, die wir als Außenstehende aber nun mal nicht in letzter Konsequenz beurteilen können. Was wir aber beurteilen können, zumindest subjektiv, ist, ob ein Drobny für 2,2 Mio. hätte gehen können und FA hat 3 Mios gefordert hat. Oder ob ein Jansen sich tatsächlich so entwickelt hat, dass er unbedingt einen neuen Vertrag haben muss (böse Zungen werden jetzt behaupten, wenn CEJ einen neuen Vertrag bekommt, hat Jansen auch einen verdient …).
Letztendlich liegt die Wahrheit auf dem Platz.

Sollten wir nicht versuchen, uns auf diesem Nenner zu begegnen? In der Regel hat das in der Vergangenheit doch ganz gut geklappt. Haben wir gewonnen, waren – fast – alle happy. Bei Niederlagen – fast – alle angefressen.
Ich denke die AOMV hat gezeigt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Lasst doch die, die die Macht brauchen darum kämpfen.

Bei dauerhaft guten Leistungen der MANNSCHAFT bekommen sie Sternchen, bei schlechten, mit der rostigen Fahrradkette eine aufs Maul (beides sinnbildlich).
Ich glaube, wenn wir alle diese machtgeilen Herren, von welcher Seite auch immer, einfach nicht mehr für so wichtig nehmen, sie mehr oder weniger als notwendiges Übel in dieser Vereinsstruktur sehen, ist uns allen mehr geholfen, als wenn wir wochenlang mit immer wieder den gleichen Argumenten aufeinander einhauen.
Grüße, Scorpion

Bei einem Satz horchte ich auf: „Was wir aber beurteilen können, zumindest subjektiv, ist, ob ein Drobny für 2,2 Mio. hätte gehen können und FA hat 3 Mios gefordert hat.“ Dann wisst ihr mehr, dann weiß der Scorpion mehr. Wir haben auch nur (in anderen Zeitungen) gelesen, dass es so gewesen sein soll, aber der HSV hat es uns gegenüber immer bestritten, dass es ein solches Angebot (2,2 Mio.) jemals gegeben hat. Es ist wohl über Mittelsmänner eine lockere Anfrage bezüglich des Herrn Drobny „eingegangen“, aber nie etwas Offizielles vom FC Bayern – also auch keine 2,2-Mio.-Offerte.
Eines begrüße ich auf jeden Fall (in der Mail von Scorpion): alle gemeinsam.
Ich schrieb es bereits: es geht nur so. Alle gemeinsam. Wenn hier aber weiterhin drei Lager gegeneinander arbeiten, weil alle an die Macht wollen, dann kann der HSV nur daran zugrunde gehen.

Zu diesem Thema kam auch noch diese Mail:

Hallo Dieter,

sehr amüsant, deine letzten Beiträge. Egal ob zur Mitgliederversammlung oder dem Interview mit Herrn Jarchow. Doch will ich nochmals auf die MV eingehen und danach das Thema ruhen lassen. Du sprichst dich vor der Versammlung für die Fernwahl aus. Prima dachte ich, aber ca. 24 Stunden vor der Versammlung???
Was wolltest du denn mit so einer Aussage bewirken? Etwa, das sich der ein- oder andere Auswärtige doch noch dazu entschließt nach Hamburg zu kommen?

Genau so wie die Initiative Pro HSV oder die Initiative HSV Realos – das ich mich nicht
totlache!!! Ein Witz ist das. In den letzten Tagen und Stunden wird „Wahlpropaganda“ gemacht. Das Resultat konnte man sehen.
Aber knapp daneben ist halt auch vorbei!!!

Da kocht jeder sein Süppchen. Anstatt man eine gemeinschaftliche Initiative gründet und auch mal auf Fanclubs zugeht, die weit außerhalb von Hamburg kommen – so beispielsweise aus Hessen oder Bayern, oder Thüringen, oder, oder, oder.
Da gibt es viele Fanclubs – oder nennen wir diese doch auch mal HSV – Supporters, die ganz sicher nicht damit einverstanden sind, was mit ihrem HSV so abgeht!!!
Ich hatte die Gelegenheit, mich mal – leider erst nach der Versammlung – mit zwei Mitgliedern der HSV Senioren zu unterhalten. Was ist denn in ein paar Jahren beispielsweise mit einem Herr Dr. Krohn, wenn dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf eine Mitgliederversammlung gehen kann, hat er dann keine „Raute mehr in der Brust“??? Herr Dr. Krohn sollte nur explizit für viele HSV Senioren gelten, die nicht die Möglichkeit haben zur Mitgliederversammlung zu kommen, weil sie nicht die steile Treppe im Stadion gehen können!!!

Der Witz hat eine Fortsetzung.
Wo waren denn die HSV Mitglieder aus dem Behinderten Sport??? Dürfen die nicht mehr an einer Versammlung teilnehmen???
Universalsportverein – oder wie war dass?
Schade, ich hatte mich mal an die Initiative Pro HSV gewandt, wollte mal mit einigen Fanclubs in meiner Nähe in Kontakt treten, die „Werbetrommel“ rühren. Den Leuten mal die Wichtigkeit vor Augen führen!!!
Chance vertan. Bekam auf meine Mail keine Antwort. Nach der letzten Saison, die keiner mehr wieder erleben will, wieder eine Chance verpasst. Denn sollte der HSV wider erwartend eine bessere Saison hinlegen, werden noch weniger Fans zur Versammlung erscheinen – ganz nach dem Motto: Erfolgreich – also alles richtig gemacht.

So jedenfalls können einige – nennen wir sie mal HSV – getreue Fans oder auch Mitglieder Chosen Few – weiter ihr eigenes Süppchen kochen. Ist ja im Januar wieder eine Wahl. Da kann man dann vielleicht noch den ein oder anderen Kandidaten unterbringen.
Sind halt besser organisiert – so ist das halt. Ich für meinen Teil, werde mir überlegen, ob ich mir die mehr als 700 Kilometer noch mal antue, nur um bei einer Mitgliederversammlung teilzunehmen!!!

Auch auf das Interview mit Herr Jarchow will ich noch mal eingehen. Ob es gut war, mit seinen ehemaligen Mitstreitern, Herr Klüver, Herr Hunke und Freunden zu prahlen???
Für mich hat das einen bitteren Beigeschmack!!!

So, mal sehen wie du die Sache siehst.
Gruß Horst
Nur der HSV !!!

Ich habe dem Horst schon persönlich geantwortet. Zum Beispiel, dass ich nichts „damit bezwecken“ wollte – und will. Ich wurde hier schon mehrfach kritisiert, weil ich angeblich erst hinterher meine Meinung zu diesem oder jenem Thema geäußert hätte. Um nicht wieder in diesen Verdacht zu geraten, habe ich meine Meinung vorher (!) öffentlich gemacht. Ohne etwas damit für die eine oder andere Seite „bezwecken“ zu wollen . . .

Kurz noch zum Jarchow-Interview. Ich habe und hatte nie das Gefühl, dass Herr Jarchow mit den Herren Klüver, Hunke und Freunden geprahlt hat. Das hat Jarchow nicht nötig. Da steht er total über den Dingen – anders als (hier im Matz-ab-Blog) einige Leute, die immer mehr wissen wollen. Jarchow hat nicht geprahlt, Jarchow hat nur eine Tatsache angeführt, die leider immer wieder ins Gegenteil verdreht wird. Weil es dann so besser zur eigenen Meinung passt.

Ein ganz anderes Thema. Der abgemeldete Frauen-Fußball. Auch dazu gab es unheimlich viele Zuschriften. Ich stelle dazu eine einmal exemplarisch frei:

Lieber Herr Matz,

vielen Dank, Ihnen und Herrn Scholl, für den sowohl informativen als auch immer wieder sehr unterhaltsamen Blog. Seit Beginn des Blogs habe ich keinen Beitrag verpasst – glaube ich.
Ich möchte ein Mal kritisch anmerken, dass mich die Verärgerung über die Abmeldung der Damen aus der Bundesliga sehr, sagen wir mal, ärgert.

Wann bitte schön hat das Abendblatt (sowie andere Medien) mal ausführlich und regelmässig über HSV-Damen berichtet? Und falls Sie jetzt kontern, und nennen mir vllt. 3 bis 4 Beiträge in den letzten Monaten, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie, die Medien, große Teilschuld mittragen.

Denn – wenn Sie, die Hamburger „Schreiberlinge” 😉 , nichts berichten inklusive Fotos, dann ist klar, dass diese Sparte zum Tode verurteilt war. Denn welcher Sponsor buttert Geld in ein Projekt, dass ihm keine PR/Publicity bringt. Kein. Das sind einfachste Marketing-Regeln.
Es wäre, wie ich persönlich finde, selbstkritisch und fair, sich mit in das Boot zu setzen, in dem andere Parteien sitzen, die für die Abmeldung mitverantwortlich sind.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gebe ganz sicher nicht nur Ihnen (Medien) die Schuld. Aber sich jetzt aufzuregen ist doch, verzeihen Sie mir den Ausdruck, etwas scheinheilig.
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit bei Millionen von Zuschriften 😉 gering ist eine Antwort zu bekommen, ist vielleicht möglich im Blog das Thema anzuschneiden, vor allem ist das Thema noch aktuell. Marcel Jansen möchte da ja was „spenden” um den Mädels zu helfen.
Trotzdem, nobody is perfect ;).
Selbst der Matz-ab-Blog nicht, wobei es fehlt nicht mehr viel.

Übrigens, diese Kritik an den Medien, wären auch bei anderen Sparten angebracht. Statt nur Missstände anzuprangern, wäre es doch mal zur Abwechslung interessant zu erfahren, was bei anderen Vereinen so los ist. Altona 93 z.B. Trauen Sie den Lesern mehr zu. Wir müssen nicht immer wieder die gleichen HSV-Gesichter sehen, die immer das gleiche erzählen. Berichten Sie doch auch mal über, im positiven Sinne, auffällig gewordene Jugendliche der kleinen Verein und bringen Sie so mehr Ihrer Leser in die kleineren Stadien.

Wir, die Leser, werden es Ihnen danken.

Ihnen und auch den Kollegen im Hintergrund möchte ich danken. Es bringt vor allem Spaß, Ihre Beiträge zu lesen.

Dazu möchte ich sagen, dass es schon seit vielen, vielen Jahren immer Diskussionen um den Frauen-Fußball gegeben hat. Auch bei uns in der Redaktion. Zeitungen zu machen ist aber auch immer eine Sache des Platzes. Man muss eben auch den Platz haben, um die Geschichten vom Frauen-Fußball unterbringen zu können. Und die Zeitung möchte ich (heute) sehen, die so viel Platz hat, dass sie sich den Frauen-Fußball tatsächlich und dazu auch noch üppig „gönnen“ kann. Gibt es nicht (mehr). Nirgendwo. Und Zeitungen berichten meistens von Ereignissen, die auch bekannt sind, die viele, viel Leser interessieren, wo viele Leser auch live dabei waren und sich in dem folgenden Artikel dann auch wiederfinden können – oder auch nicht.
Wenn beim Frauen-Bundesliga-Spiel aber 300 oder 400 Zuschauer waren, was dann? Dann zeugt es davon, dass sich dafür nicht sonderlich viele Fußball-Fans interessiert haben. Wären aber u diesem Spiel mehr gekommen, wenn die Zeitungen (Medien allgemein) darüber besser berichtet hätten? Umgekehrt wird ein Schuh draus. Nur umgekehrt. Wenn die Frauen (HSV) so sensationell spielen würden, dass zu jedem Spiel 10 000 und mehr Zuschauer kommen, dann würde jede Zeitung darüber berichten. Hundertprozentig. Aber bei 300 oder 400 Zuschauer? Und das auf Dauer? So wird das nichts. Und es ist ja nicht so, dass nur das Hamburger Abendblatt nichts (über die HSV-Frauen) berichtet. Es berichten andere Zeitungen (in Deutschland) kaum mehr.

Dazu mal ein Beispiel am Rande. Boxen war tot. In Hamburg und in Deutschland. Dann nahm es ein Mann (hier) in die Hand: Klaus-Peter Kohl. Der leistete Pionier-Arbeit – und heute berichten nicht nur die Zeitungen über das Boxen, nein, auch jeder Fernsehsender, der etwas auf sich hält, der zeigt Boxen. Weil Klitschko und Co nicht nur in sind, sondern auch Leistungen zeigen, die die Leute begeistern, die die Masse der Leute auch sehen will. Wenn nun die HSV-Frauen auch einen so sensationellen Fußball zeigen würden, dann würden sie auch im Mittelpunkt des Interesses sehen. Aber so ganz sensationell ist dieser Fußball offenbar noch nicht. Du damit ist nicht nur der HSV gemeint. Anderswo sind auch kaum mehr Zuschauer zu zählen. Und es ist ja nicht einmal so, dass „nur“ Frauen den Frauen-Fußball sehen wollen. Wenn das mal der Fall wäre – ist es aber nicht.

Nein, irgendwie scheint der Frauen-Fußball auf keinen grünen Zweig zu kommen. Ob nun mit Hilfe der Medien – oder ohne. Das wird so nichts. Obwohl die deutschen Frauen ja in der Welt eine absolut erstklassige Rolle spielen. Nur was ist, wenn, wie zuletzt in Bielefeld, bei einem EM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien mal gerade 9000 Zuschauer kommen? Das liegt nicht an der Vorberichterstattung, ganz sicher nicht. Das liegt am Frauen-Fußball. Und an den Leistungen – obwohl die DFB-Auswahl ja meistens überzeugend spielt. Aber ist es nicht so, dass der Männer-Fußball ganz anders ist? Total anders? Ich kann mich erinnern, dass wir mal mit einer Abendblatt-Auswahl (mit Jörn Wolf, mit „Scholle“ und Pletzi) gegen die HSV-Bundesliga-Frauen spielten. In Ochsenzoll. Ist schon lange her. Wenn ich mich richtig erinnere, so gewann wir 11:2. Und die deutschen Frauen spielten einst vor einer WM (als sie letztlich den Titel gewannen!) gegen die A-Jugend des VfB Stuttgart. A- oder B-Jugend. Auf jeden Fall gewannen die jungen Männer in drei Dritteln zweistellig – aber darüber durfte nie berichtet werden. Totgeschwiegen wurde dieser Kick.

Nein, nein, ich glaube ganz einfach, dass es in den nächsten Jahren keinen Aufschwung im Frauen-Fußball geben wird. Und das liegt nicht, ganz sicher nicht an der Aufmerksamkeit der schläfrigen und ignoranten Medien.

Dann gab es auch noch diese Mail (der Absender ist mir bekannt):

Am 29.05.2012 veröffentlichtest Du dann das mit Herrn Jarchow geführte Interview (Teil 1), in dessen Verlauf Herr Jarchow u.a. sagte:
„Ernst nehme ich Leute, die sich mit Namen und Ihrer wahren Identität bei mir melden, die bekommen auch immer eine Antwort.”
Nun, dieses Angebot möchte ich gerne annehmen, obwohl einer der Blogteilnehmer offensichtlich schon eine andere Erfahrung gemacht hat.

KhanSingh sagt:
29. Mai 2012 um 21:15

Also ich habe Herrn Jarchow eine lange E-Mail mit mehreren Fragen geschickt. Mir hat er nicht geantwortet. Auch wieder nur heiße Luft. Aber immerhin: der KUNDENservice hat mir geantwortet. Nämlich, dass Herr Jarchow nicht jede Anfrage beantworten kann.

Ich würde Herrn Jarchow gerne eine Kopie meines Schreibens sowie der direkt darauf bezogenen Reaktionen zukommen lassen und erfahren, wie Herr Jarchow zu diesem Thema steht.

Ist es wirklich im Sinne des HSV’s, wenn die Meinung des größten Teils der Mitglieder (Supporters) in deren Abteilung nicht berücksichtigt wird?

Wie wird denn überhaupt seitens der Supporters das Meinungsbild von 55.000 bzw. 70.000 Mitgliedern erfasst. Die heutige Technik lässt es zu, Raum und Zeit zu überbrücken. Warum nutzt man solche Möglichkeiten nicht? Es verlangt keiner, das bis zu EUR 38.500,00 an Portogeld verbrannt werden. Die Mitglieder sind registriert, eMail Kontakte daher bekannt. Wenn nicht, kann man in der Stadionzeitung um Ergänzung dieser Daten bitten.

Vielleicht könntest du mir neben den Kontaktdaten (eMail) von Herrn Jarchow auch die von Herrn Scheel mitteilen, der für Mitgliedsangelegenheit eigentlich zuständig ist. So hätte Herr Jarchow dann auch einen „Notausgang”, falls er doch nicht selbst antworten möchte.

Ich halte es einfach für zu wichtig – auch im Sinne des HSVs -, dass solche Dinge im Sinne ALLER Mitglieder geklärt wird. Und wenn die Supporters hierzu nicht in der Lage sind, sein wollen, dann muss man sich meiner Meinung nach an die nächst höhere Ebene wenden.

Also, ich werde mich hüten, hier irgendwelche Mail-Adressen oder auch Telefonnummern herauszugeben. Das wäre ja noch schöner. Wer genau gelesen hat, der wird wissen, dass der Herr Jarchow gesagt hat, dass er zu einem Matz-ab-Treffen kommen würde, um dort Rede und Antwort zu stehen.

Wenn der HSV-Boss nun auf jedes Schreiben antworten würde, dann hätten ja jene Kritiker recht, die dem Herrn Jarchow unterstellen, nichts für den HSV zu tun. Was natürlich absolut lächerlich ist. Aber mal angenommen, ihm würden jeden Tag so um die 100 Fans oder Mitglieder schreiben – wer soll dafür Zeit haben? Und an die Bundeskanzlerin kommen täglich 1000 Fragen – soll sie diese auch persönlich beantworten? Geht doch gar nicht.
Nix also von heißer Luft. So etwas geht einfach gar nicht, aus zeittechnischen Gründen schon nicht. Aber, wie gesagt, Herr Jarchow will ja mal (!) zu einem Matz-ab-Treffen kommen, und ich werde jetzt in nächster Zeit mit ihm absprechen, wann das (im Herbst) dann sein könnte. So lange müsstet ihr noch Geduld haben. Und eventuell kommt dann ja auch noch der eine oder andere HSV-Funktionär mit, dann könnte es ein netter Abend werden.

Dann gab es noch diese – wie ich finde sehr bedenkliche – Mail. Thema Nachwuchsarbeit im HSV.

Hallo Matz ab,

ich lese den Blog schon von Anfang an und zum Thema Nachwuchs möchte ich mal einen kleinen Gedankenansatz aus der Basis (Eltern von Talenten ;-)) geben.

Hier in Lüneburg z.B. gibt es einen Partnerverein des HSV, deren Top Nachwuchs wird regelmäßig von Werder Bremen eingeladen, die machen es so, dass sie einige Talente (ab U12) monatlich einladen zum Training und auch mal zu Turnieren und sie mit Material /Trikots usw.) „verarzten”… ein HSV Partnerverein lässt die Talente von Werder umsorgen…???

Wieso kann man nicht die Stützpunk Philosophie vom DFB auf einen Verein (HSV) übertragen, das würde doch dem HSV doch nicht mehr als ein paar tausend im Jahr kosten, die Talente im Umland einmal die Woche zusammenzurufen und dann in der Region vom HSV Coach trainieren zu lassen.

Das Problem der Fahrerei (A7) wäre nicht da, die Talente wären an den HSV „gebunden”, die HSV Trainings- und Fußball Philosophie könnte antrainiert werden, Werder wäre aus dem Spiel 😉 – kurz alle wären glücklich…

Wenn eines dieser Talente dann in 6 Jahren einschlägt, hat sich das doch sofort amortisiert…

Wenn, dann ja. Aber ich finde das ohnehin schon sehr interessant, was da über den HSV und auch über Werder geschrieben wurde. Sollte der HSV einmal kurz aufmucken – und sich dann der Sache annehmen. So kann das nicht im Sinne des Erfinders sein.

Dann schrieb „HSVseit1981“ zu dem Beitrag von „Raschi“:

Jarchow hingegen verweist darauf, dass der HSV in seiner Geschichte
eigentlich überwiegend erfolglos war, er aber „natürlich dem Zuschauer
etwas bieten” wolle. Das ist mit dem Abstiegskampf schon mal ganz
hervorragend gelungen. Ziele, oder auch Visionen, wie es hier immer
wieder genannt wird, sind in dieser Aussage aber nicht zu erkennen.
Absolut korrekte und auf den Punkt gebrachte Analyse. Wie heißt es so
schön „Der Fisch stinkt vom Kopf her”. Wenn von oben derart lahme,
unambitionierte Vorgaben kommen, dann wird es nichts mit dem HSV als Spitzenmannschaft.

Das Potenzial in Hamburg ist für einen europäischen Top-Club da, man muss
es nur abrufen. Es gibt genug Fans, Zuschauer, Medieninteresse,
Einschaltquoten im Pay-TV und auch finanzkräftige Sponsoren.
Nur, wer sich nach dieser Horror-Saison ein gutes Zeugnis ausstellt, den
Vertrag verlängern lässt und meint, dass sei doch alles irgendwie dem
alten Vorstand zu verdanken, versenkt den HSV in der Bedeutungslosigkeit.
Der aktuelle Vorstand hat die Chance mich durch konsequentes Handeln in
Sachen Van der Vaart zu überzeugen. Nachdem uns Mönchengladbach Xhaka
„weggeschnappt” hat, sollte Van der Vaart nicht auch noch in den Westen
der Republik.

Aber hier wird mit Basti Reinhardt jemand zum Nachwuchschef befördert,
weil er sich damals als komplett überforderter Sportchef so loyal
enteiern lassen hat, und jetzt wird ihm mit Michael Schröder jemand
zur Seite gestellt, der in der Scouting-Abteilung nicht mehr gebraucht
wird. Und demnächst sollen Jarolim und Benjamin zurück, nicht weil sie
ihre Kompetenz irgendwo bewiesen hätten, sondern weil sie so
(verdiente) alte Spieler, liebe Kerle und loyale Kämpfer im Zeichen
der Raute sind oder waren. . Wir müssen endlich weg davon, Freunden
und alten Fanlieblingen wichtige, wenn nicht entscheidende Posten
zuzuschanzen, das gilt für Vorstand, Aufsichtsrat und Nachwuchsbereich
gleichermaßen. Wir müssen uns endlich wieder professioneller
aufstellen und unsere Arbeitsplätze mit Fachleuten besetzen anstatt
aus Dankbar- oder Gefälligkeit.

Auch das ist leider die furchtbare Wahrheit. Wir müssen uns konsequent von
denjenigen trennen, die es offensichtlich nicht geschafft haben, in den
vergangenen Jahren die Nachwuchsarbeit nach vorne zu bringen.
Ich frage mich, warum gerade ein so sensibler Bereich wie die Jugendarbeit
zur „Resterampe” für alt- und ausgediente Führungskräfte des HSV verkommt?
Ein professionelles Konzept, um gute Spieler zu entwickeln und an die
Bundesliga-Mannschaft des HSV heranzuführen, sieht anders aus.

Oha, da waren einige Dinger drin. Nachdem uns Xhaka weggeschnappt wurde . . . Nicht auch noch van der Vaart . . . Ja, das stimmt. Volltreffer! Und Messi und Ronaldo auch noch. Von Ronney würde ich mal absehen, der ist schon zu lange nicht mehr in Form . . .

Nein, liebe Leute, es wird wohl noch brauchen, ehe es alle begriffen haben:
FUSSBALL hängt mit GELD zusammen. Man muss Xhaka und van der Vaart, natürlich auch Messi und Ronaldo, auch BEZAHLEN können. Wann merkt es auch der letzte Fan? FUSSBALL HÄNGT MIT GELD zusammen, aber der HSV UND GELD NICHT. `
Der HSV hat fast NULL KOHLE. Deswegen schminkt euch doch solche Leute wie Xhaka und wohl auch van der Vaart (wenn nicht noch der Herr Kühne einspringt) ab. Die sind unbezahlbar, di sind nicht die Preisklasse HSV. Und nur wegen der so wunderschönen Raute kommt kein Profi, der etwas auf sich hält (international) nach Hamburg. Die wollen Geld sehen. Und davon hat der HSV eigentlich ein wenig zu wenig.

Beste Beispiele:
Hamit Altintop wurde hier gehandelt – und geht zu Galatasaray Istanbul. Weil der Klub die bessere „Raute“ hat? Nee, weil da mehr Geld vorhanden ist. Oder Dirk Kuyt. Den wollte Frank Arnesen haben. Sprach auch mit ihm. Und, was ist? Kuyt geht zu Fenerbahce Istanbul. Die haben auf jeden Fall die bessere Raute – nämlich viel, viel Geld in der Kasse.

Also, ich bitte jeden ganz eindringlich – hört endlich auf zu träumen. Sonst kommen Messi und Ronaldo eines Tages wirklich noch zum HSV.

Dann noch zu Bastian Reinhardt – der „enteiert“ wurde.
Dazu möchte ich mal fragen, wer zu jener Zeit nicht „enteiert“ worden ist? Christian Reichard? Dietmar Beiersdorfer? Oliver Scheel? Fragt mal bitte nach – diese drei Herren können sicher mehr erzählen. Deswegen ist es mir viel zu einfach, hier die Lanze über den „enteierten Sportchef Reinhardt“ zu brechen. Viel zu einfach. Aber gut, das können die meisten auch nicht so genau wissen, weil ihnen dieser Einblick ins Eingemachte natürlich auch verwehrt wurde. Logisch. Aber deswegen möchte ich doch darum bitten, mit solchen „enteierten“ Behauptungen sehr, sehr vorsichtig umzugehen. Das hat, das sage ich ganz deutlich, ein Bastian Reinhardt auch nicht verdient.

Dann schrieb „Freddie“ noch seine ganz persönliche Einzelkritik:

Tesche, Drobny, Berg, Guerrero, Skjelbred und evtl. Rajkovic stehen auf
der Verkaufsliste. Meiner Meinung nach sind alle Kandidaten unterschiedlich zu bewerten.
Tesche ist für mich so ein zweiter Fall „Albert Streit”, eine Klette, die
offensichtlich nicht gewillt ist, Leistung zu bringen. Egal, ob im Spiel
nach vorne mit/ohne Ball oder auf dem Weg nach hinten, es gibt nur ein
Einheitstempo.

Drobny, der sehr schlecht begann aber zum Ende der Saison zu Retter wurde.
Für mich bedauerlich, dass er gehen soll. Das soll aber nicht heißen, dass
ich grundsätzlich gegen die Verpflichtung von Adler bin. Ich hätte wohl
nur die Prioritäten anders gelagert. Erst mal das, was dringend notwendig
ist, eben zu Beginn . ein Kreativling im Mittelfeld.

Berg’s bisheriger Aufenthalt in Hamburg, mehr als unglücklich. Er hatte
seine beste Zeit, schien endlich in Fahrt zu kommen, ausgerechnet als van
Nistelrooy verpflichtet wurde. Und der hatte so eine Art Garantie.

Guerrero? Ein sehr guter Techniker, machte gute Spiele. Aber auf’s Jahr
gesehen ist das einfach zu wenig.

Skjelbred hatte nie eine ernsthafte Chance erhalten. Warum nicht? Waren
seine Trainingsleistungen so schlecht?

Rajkovic war der Fels in Brandung, brachte tatsächlich Sicherheit in die
Abwehr, nahm keine Rücksicht auf sich selbst und natürlich auch nicht auf
den Gegner. Hatte dann natürlich ein sehr unglückliches Spiel, als er
letztendlich mit Rot vom Platz gehen musste, weil ein Gegner unbedingt
gegen ihn laufen musste. Mir gefällt seine humorlose Art zu spielen. Er
setzt seinen Körper ein. Mir lieber, als dieses ewige Gegrätsche á la Bruma.
Offensiv fehlt ihm allerdings ein wenig.

Abraham muss wirklich gut sein, dass man sich so für ihn einsetzt.
Irgendwo war zu lesen, dass der Vorvertrag ein normales Mittel ist, um
sich einen Arbeitsplatz bei einem neuen Arbeitgeber zu sichern, oder so.
Dagegen gibt es auch nichts einzuwenden. Allerdings handelt es sich bei
beiden Parteien in der Regel immer um mündige Bürger. Er wurde
entsprechend beraten, d.h. aber nicht, dass man einem Rat unbedingt folgen
muss. Entscheiden tun doch immer noch die Spieler selbst. Für mich daher
auch zu einfach, die Schuld dem ehemaligen Berater in die Schuhe zu
schieben.

Wenn er sich für den HSV entschieden hat, aus welchem Grund auch immer, in
wie weit beteiligt sich der Spieler an den entstehenden Kosten, die im
Normalfall nicht angefallen wären, beteiligen?

Gute Frage, die letzte. Sehr gute Frage. Das habe ich allerdings höchst selten erlebt, dass ein Spieler selbst mal in die Tasche greift . . . Wird wohl auch in diesem Fall nicht passieren. Wenn ihr mich fragt, wie das ausgehen wird? Abraham kommt nicht zum HSV. Wenn Getafe mehr als zwei Millionen haben will, woher soll das denn kommen? Denn Abraham selbst will ja auch noch den einen oder anderen Knopf in seine ganz persönliche Kasse haben. Nein, nein, siehe Altintop und Kuyt . . .

Und dann gab es heute noch eine dpa-Meldung, die ganz gut zu Matz ab passt:

Joachim Löw ist kein Freund von Facebook oder Twitter. Im Gegensatz zum Großteil seiner Fußball-Nationalspieler nutzt der Bundestrainer die sozialen Netzwerke nicht zum Austausch mit Fans und Bekannten. „Für mich spielen sie nur eine ganz untergeordnete Rolle, weil ich teilweise auch schlechte Erfahrungen damit mache“, sagte der 52 Jahre alte Löw der Nachrichtenagentur dpa: „In Facebook gibt es ja Leute, die unter meinem Namen eine Seite betreiben. Das kann ich nicht akzeptieren.“

Er habe aber Verständnis, dass viele seiner 23 EM-Spieler die modernen Kommunikationsmittel intensiv nutzen: „Das ist eine andere Generation. Für sie ist es vollkommen normal, dass sie Bilder rausschicken, dass sie Dinge in die Öffentlichkeit geben, was sie empfinden oder was sie so tun. Ich suche den Kontakt mit ihnen per Telefon oder E-Mail. Das ist mein Stil.“

Für die EM in Polen und der Ukraine hat DFB-Teammanager Oliver Bierhoff die Spieler informiert, an welche Regeln sie sich für ihre Aktivitäten in den sozialen Medien zu halten haben. Die DFB-Ansage lautet zusammengefasst: „Es darf in Facebook und bei Twitter nichts geschrieben werden über Verletzungen, Taktik, einfach über Dinge, die nur die Mannschaft angehen.“ Bierhoff sprach von einem „Spagat“, der zu schaffen sei, zumal der Verband selbst via Facebook und Twitter mit dem Nationalteam aktiv ist: „Es geht nicht um eine Verneinung der Medien. Aber die Vertraulichkeit hat uns auch stark gemacht.“
Der seit Sonntag 20-jährige Dortmunder Mario Götze berichtete während des Trainingslagers in Südfrankreich, dass er „fast jeden Tag“ auf seiner Facebook-Seite nachsehe, „was meine Freunde posten“. Der Schalker Benedikt Höwedes (24) hat die Richtlinien verinnerlicht: „Wir dürfen nicht alles posten, keine intimen Geheimnisse.“
Ein Grund für den Facebook-Knigge war, dass der Leverkusener André Schürrle im November eigenmächtig seine Abreise aus dem DFB-Quartier vor dem Niederlande-Spiel publik gemacht hatte. „Kann heute Abend leider nicht spielen, wegen eines grippalen Infektes. Sehr, sehr schade, hatte mich schon richtig gefreut. Liebe Grüße“, twitterte Schürrle. Löw hätte den Ausfall lieber bis abends geheim gehalten . . .

So, das war es für heute. Denkt bitte, falls ihr noch die Gelegenheit dazu habt, die neue Ausgabe von “Hinz und Kunzt” zu kaufen. Da gibt es das eine oder andere Matz-ab-EM-Nähkästchen zu lesen.

Zum Schluss möchte ich euch noch einmal (und immer wieder) danken für die rege Teilnahme an diesem Matz-ab-Blog. Und gleichzeitig alle trösten die uns (und mir) auch noch geschrieben haben – aber nun nicht “behandelt” worden sind. Es ist einfach zu viel, glaubt es mir. Trotz allem: vielen, vielen Dank für eure Kritik, Anregungen und Fragen, die ihr uns schickt. Danke, danke, danke. Klasse!!!

17.53 Uhr

Von zerstörerischem Populismus und schlechter Jugendarbeit…

1. Juni 2012

Zwei Siege auf der Ziellinie – die HSV-Jugend holt auf. U19 und U15 gewinnen gegen ihre Konkurrenten vom FC St. Pauli – und trotzdem gilt die HSV-Jugendarbeit als schlecht. Oder besser: als zu ineffektiv. Zu wenige Talente kommen hoch. Wird gesagt. In meiner Jugend wurden immer wieder die Namen der damaligen Werder-Profis Frank Neubarth und Norbert Meier als warnende Beispiele genannt. Die wurden in Hamburg große – aber nie entdeckt. Ein wenig später war es dann ein gewisser Stefan Effenberg, der hier beim HSV verkannt worden sein sollte. Und zumindest bei Letzterem kann ich inzwischen und nach sehr, sehr vielen Gesprächen mit seinen Wegbegleitern sagen, dass seine Karriere so in Hamburg nicht absehbar war. Im Gegenteil. In den Hamburger Auswahlmannschaften war er solide. Einer, der mitmachte und konstant Leistung zeigte. Er passte sich jedem Niveau an, ohne dabei zu überragen. Bis auf ein Mal. Da nutzte er den richtigen Moment. Bei einem Länderkampf spielte und überragte er in der Hamburger Auswahl genau an dem Tag, an dem besonders viele Scouts verschiedener Bundesligisten auf der Tribüne saßen. „Meine wahrscheinlich beste Leistung für Hamburg“, gab Effenberg einst selbstkritisch zu Protokoll. Ergebnis: Borussia Mönchengladbach sicherte sich Ende der Achtziger die Dienste des späteren Champions-League-Siegers.

Allerdings musste sich Effe damals nicht weniger aufdrängen als die heutigen Talente. Und dennoch setzte er sich eben durch. Er bewies Tugenden, die heute selten sind: eisernen Willen und unermüdlichen Einsatz. Das reichte für Spielzeiten und führte zu einer großartigen Entwicklung bis hin zu einem der besten der deutschen Mittelfeldspieler.

Warum ich das schreibe? Weil ich ehrlich gesagt nicht verstehe, warum beim HSV unter den Teppich gekehrt wird, dass es genügend Talente gibt und gab. Nehmen wir mal Choupo-Moting und Änis Ben Hatira – gerade die beiden hatten in ihren letzten Jahren als Jugendspieler fußballerisch wahrscheinlich sogar deutlich mehr Talent als ein späterer Weltstar wie Effenberg. Aber im Gegensatz zu dem Hamburger hatten sie eben nicht das Herz, nicht die richtige Einstellung und längst nicht die Geduld sowie den Willen. Und das liegt nicht allein am HSV und dessen Jugendkonzept.

Zugegeben, die Gründe, weshalb beim HSV kaum ein Spieler aus der eigenen Jugend bis in die Bundesligamannschaft vorstößt, sind extrem vielschichtig. Das beginnt bei der guten Arbeit im Profibereich. Klingt komisch, ist aber so. Denn der sportliche Erfolg zieht oft nach sich, dass sich der Verein mit immer namhafteren, fertigen Spielern ausstatten kann. Das war zu Zeiten eines Dietmar Beiersdorfer und Bernd Hoffmann so. Da gab es Spieler, die heute zur Elite Europas gehören. Angefangen bei Nigel de Jong über Vincent Kompany, Rafael van der Vaart oder auch Daniel van Buyten, Ivica Olic oder Zé Roberto. Immer wieder kamen gute Spieler und machten die HSV-Mannschaft stärker. Und alle Außenstehenden haben damals dem neuen HSV zugejubelt. Dass dabei im Gegenzug die eigenen Talente einen größeren Sprung machen mussten als heute angesichts der jeweiligen Konkurrenz – es wurde damals mit keiner Silbe erwähnt!

Ein Huub Stevens, den ich als Trainer wirklich sehr schätze, galt ebenso wenig wie Armin Veh als Freund junger Spieler. Nicht einmal der immer nett lächelnde Martin Jol brachte den Mut auf, junge Leute in sein Starensemble einzubauen und so fertig auszubilden. Und das, obwohl es diese Talente mit Choupo-Moting, Ben-Hatira, Arslan und nicht zuletzt Maximilian Beister immer wieder gab. Daran konnten auch die Jugendleiter Paul Meier, Jens Todt, Stephan Hildebrandt und Markus Hirte nichts ändern. Der Trainer entschied sich gegen die Jugend und für den Weg des geringsten Widerstandes. Und in Erfolgszeiten wurde er dafür auch fleißig gelobt.

Dennoch, wenn sich nicht Sportchef Frank Arnesen klar zur Jugend bekennt und intern eine entsprechende Philosophie durchsetzt, wird es weiterhin schwer für die Heung Min Sons, Lams, Ingresos oder Steinmanns im HSV. Dass zudem mit den ständigen Wechseln der Verantwortlichen dem Jugendbereich des HSV jegliche Konstanz genommen wurde – es ist nur ein weiterer wesentlicher Punkt. Genauso wie der, dass entweder die interne Ausbildung der Spieler oder eben die Sichtung von Talenten beim HSV nicht so gut funktioniert wie beispielsweise in Stuttgart, Leverkusen, Bayern oder eben auch Dortmund.

Aber wir müssen aufhören so oberflächlich zu argumentieren. Ich gehe heute nicht in die Analyse der HSV-Nachwuchsarbeit und habe das auch vorher nicht gemacht, weil ich hier nicht den kompletten Überblick habe. Nicht haben kann, würde ich sagen. Denn der eine erzählt dies, der andere das. Das gilt im Profibereich, wo im Misserfolg die Schuld ebenso schnell verschoben wie im Erfolgsfall für sich beansprucht wird – und das ist in der Jugendarbeit sogar noch schlimmer.

Trotzdem möchte ich Euch ein Beispiel nennen und Euch anschließend etwas fragen. Was passiert denn, wenn in der kommenden Saison Maxi Beister beim HSV durchstartet und sich wieder bei den großen Klubs auf die Wunschzettel sprintet und dribbelt? Loben wir dann alle den HSV für die tolle Jugendarbeit im Fall Beister? Zumal mit Son ein weiteres großes Talent den Sprung zu den Profis geschafft hat? Und was wäre, wenn sich zu diesen beiden auch noch Sidney Sam gesellen würde, der nur gehen musste, weil sich ein Vorstandsmitglied mit seiner Vergangenheit nicht abfinden wollte?

Was ich sagen will, ist, dass der HSV immer wieder genügend Talente hervorbringt. Dem Klub fehlt es einfach nur an dem Talent, seine Talente in die Bundesliga zu führen, sie zu Stützen der eigenen Profimannschaft zu machen. Zum einen, weil der Mut der Trainer fehlt. Aber ganz sicher auch, weil der Verein diese Philosophie nicht ausreichend vertritt. Deshalb bleibt mir nur die Hoffnung, dass alle Verantwortlichen aus der finanziell schwierigen Situation die richtigen Schlüsse ziehen. Ich hoffe, dass der HSV einen Neuanfang wagt und die Entscheider nicht nur schön reden, sondern inhaltlich kreativ werden und ein ganzheitliches Jugendkonzept aufstellen. Soll heißen, dieses Konzept muss unabhängig von den handelnden Personen funktionieren, die Entscheider dürfen sich nicht wieder hinstellen und alles umwerfen, weil sie glauben, alles besser zu wissen. Ich bin überzeugt davon, dass es etliche Wege gibt, die in der Jugend zum richtigen Ziel führen. Aber es bringt nichts, wenn zehn Leute zehn verschiedene Wege gehen wollen – auch wen alle funktionieren könnten. Nein, ich hoffe, dass sich alle auf einen Weg einigen und diesen über Jahre durchziehen – denn nur so kann es was werden. Ich hoffe es, obwohl ich weiß, dass das wahrscheinlich die größte Entwicklung im Klub wäre. Denn sich selbst hintenanzustellen war bisher nie eine Stärke des HSV. Nicht im Aufsichtsrat, nicht im Vorstand, nicht im Trainerstab, nicht in der Mannschaft – und leider auch nicht in der Jugendarbeit. Irgendwie nirgendwo, wo das große Geld und der Ruhm im Spiel ist…

Aber okay. Ich lasse mich doch wieder zu sehr auf den Jugendbereich ein. Und um hier nicht als der zu gelten, der Euch anfüttert und dann stehen lässt, verspreche ich Euch, dass ich mit möglichst allen Entscheidungsträgern der jüngsten Vergangenheit sprechen und versuchen werde, mir so schnell es geht einen umfangreichen Überblick zu verschaffen. Und diesen werde ich dann aufschreiben. Allerdings auch wirklich erst dann. Denn populistisches „hier ist alles schlecht und alle sind besser“ kann ich nicht mehr lesen. Der FC St. Pauli schlägt den HSV im Jugendbereich mit 5:3 in den Derbys – was bitte soll das heißen? Nichts, wenn man es auf das Endergebnis kapriziert, das sich nur aus der Durchlässigkeit der Jugendlichen in den Profibereich ableiten lässt. Und da ist der HSV – egal, wie sehr es auch noch in der Jugendarbeit haken mag – weit überlegen. Oder könnt Ihr auf Anhieb zwei, drei Spieler der St.-Pauli-Jugend nennen, die es in den Profibereich geschafft haben?

Deshalb, Schluss mit dem populistischem Gequatsche. Hier im Blog, bei uns Journalisten – aber vor allem beim HSV. Der HSV muss sich endlich mit allen Konsequenzen für die eigene Jugend entscheiden. Das muss ganz oben beginnen und bis in die letzte Ecke der Jugend gelten. Es darf nicht sein, dass ein Bundesliga-Trainer die eigenen Talente links liegen lässt und lieber fertige Akteure einkauft. Warum gibt der HSV einen Sam, einen Choupo-Moting oder Beister ab, wenn im Gegenzug Spieler wie Tesche oder Skjelbred eingekauft werden? Der HSV-Vorstand muss die Nachwuchsarbeit in seinem Anforderungsprofil an neue Trainer und Sportchefs stärker als bisher – und ganz sicher mit dem nötigen Nachdruck – formulieren.

In diesem Sinne, regt Euch nicht so auf, wie ich es gerade mache. Im Gegenteil: Genießt das Wochenende – am besten mit Dieter, der morgen wieder übernimmt.

Bis Montag,
Scholle

P.S.: Im Fall David Abraham gibt’s nichts Neues. Außer das klare Bekenntnis von Klubboss Carl Jarchow, trotz der eindeutigen Rechtslage keine Ablösesumme an den FC Getafe zahlen zu wollen. Jetzt liegt es an Abrahams Berater und den Spaniern, sich zu einigen. Ansonsten scheitert der Wechsel des Fink-Wunschspielers.

***Aktualisiert: HSV schlägt Pauli 3:2 n.V.****Nichts los – bis auf van der Vaart…und Raschi…

31. Mai 2012

****Aktualisiert: Der HSV gewinnt das letzte Stadtderby im U19-Pokalhalbfinale gegen den FC St. Pauli mit 3:2 nach Verlängerung und zieht ins Pokalfinale ein. HSV-Torschützen: 1:1 Langer, 2:1 Klaes, 3:1 Akdogan******

Ich weiß nicht, wer von Euch gestern genau wie ich das Spiel der Niederlande gesehen hat. Aber die, die es taten, werden mir zustimmen wenn ich sage: Bitter, dass sich Sneijder verletzt hat. Bitter zum einen, weil ich es nicht mal einem Niederländischen Fußballer gönne. Aber eben auch bitter, weil Bondscoach Bert van Marwijk so zur einzig richtigen Entscheidung gezwungen wurde, Rafael van der Vaart aufzustellen. Denn der vielleicht wertvollste HSV-Profi des letzten Jahrzehnts ist in absoluter Topform. Die zeigte er nicht nur in der Saison bei Tottenham, das nur durch den unglaublichen Champions-League-Gewinn Chelseas, die als Titelverteidiger automatisch qualifiziert sind, aus der Champions League flog. „Ich habe ein gutes Jahr hinter mir, fühle mich topfit“, sagt van der Vaart, der gegen die Slowakei nach seiner Einwechslung nicht nur den zweiten Treffer für die Oranje erzielte, sondern anschließend in den niederländischen Medien zum Gewinner des Spiels erklärt wurde. „Wir wussten auch vorher, was wir an ihm haben“, so van Marwijk.

Und jetzt soll van der Vaart nach Schalke wechseln? Unfassbar! Ehrlich gesagt auch irgendwie unvorstellbar für mich, den verlorenen Sohn bei den Königsblauen zu sehen. Und dennoch muss ich sagen: Es ist definitiv was dran an dem Gerücht. Denn van der Vaart selbst will wieder zurück in die Bundesliga. Schalke war zudem vor zwei Jahren schon an dem heute 29-Jährigen dran und entschied sich aus noch immer ungeklärten Gründen am Ende gegen van der Vaart – und für Jurado, der anschließend nie so richtig Fuß fassen konnte. Jetzt scheinen die Schalker ihren Fehler eingesehen zu haben. Jurado geht zurück zu Atletico Madrid – und van der Vaart soll kommen. Das bestätigte auch sein Berater Robert Geelings gegenüber dem „Kicker“: „Ich kann bestätigen, dass Schalke interessiert ist.“ Und auch van der Vaart scheint von dem Interesse gehört zu haben. Mit einem verschmitzten Lächeln gab es dem niederländischen TV-Mann gestern auf die Frage nach einem anstehenden Wechsel die Antwort: „Ich habe davon gelesen. Aber konkret ist nichts, bei mir hat sich offiziell noch niemand gemeldet.“ Dafür inoffiziell? „Im Prinzip bleibe ich bei Tottenham, auch wenn man im Fußball nie genau weiß, was passiert…“

Oh Mann, das klingt nach ernsthaften Wechselgedanken. Zumal ihm sein Landsmann Klaas-Jan Huntelaar sicher von den Vorzügen des S04 berichten wird. Zumindest von den sportlichen – denn städtetechnisch kann Gelsenkirchen Hamburg nicht das Wasser reichen, zumal Sylvie van der Vaart Hamburg als zweite Heimat sieht und nur zu gern wieder in die Hansestadt ziehen würde.

Ebenso gern würde ihr Klaus Michael Kühne diesen Traum erfüllen – sofern sie Rafael im Gepäck hat. Unter Labbadia scheiterte Kühne an dem Veto des heutigen Stuttgart-Trainers, weil van der Vaart nicht in dessen Konzept passen würde. Einer der wenigen, dafür aber umso fataleren Fehlern von Labbadia. Wobei ich ihm zugutehalten möchte, dass er ohne echten Sportchef unterwegs war, der ihm in solchen schwierigen Phasen geholfen hat. Aber egal, heute ist Thorsten Fink Trainer und hat mit Frank Arnesen einen erfahrenen Sportchef, der von van der Vaart nur in den höchsten Tönen spricht. Dass das allein nicht reicht, ist klar. Aber bei den „turnusmäßigen Informationsgesprächen mit Kühne“, wie Jarchow die Termine mit dem Milliardär nennt, dürfte die ehemalige Nummer 23 definitiv ein Thema sein. „Bei einer Fifty-Fifty-Entscheidung würde er wohl eher zu Schalke und somit in die Champions League wechseln“, hat mir ein sehr guter Freund van der Vaarts heute erzählt – und mich damit nicht glücklicher gemacht. Im Gegenteil, ich bin einmal mehr gewillt, hier meine Bitte an den HSV und vor allem Herrn Kühne zu richten: Versuchen Sie alles. Und sollte dieser Transfer auch nur ansatzweise realisierbar sein – bitte machen. Denn obwohl der HSV mit derartigen Rückkehrern nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat (ich denke da insbesondere an den damals teuersten Transfer der Vereinsgeschichte, Jörg „Ali“ Albertz), van der Vaart ist eine andere Hausnummer…

Und wenn wir den nicht kaufen können, dann doch bitte selbst ausbilden. Eigentlich wollte ich heute Abend das U19-Pokalhalbfinale des HSV gegen den FC St. Pauli sehen. Allerdings war der Weg raus nach Norderstedt mal wieder komplett dicht. Hat ja auch geregnet, da muss man schon mal 20 Kmh weniger fahren als erlaubt. Ist ja rutschig…

Egal wie, ich wollte mir einen erneuten Überblick über den direkten Profinachwuchs machen, hatte mich besonders auf den Seeler-Enkel Levin Öztunali und Matti Steinmann gefreut. Zudem wollte ich mich vor Ort mit Verantwortlichen treffen, um hier einen kleinen Überblick über die Nachwuchsarbeit zu geben. Das hole ich morgen nach – versprochen. Und für alle, die darauf gar nicht mehr warten können, weil ich nicht vorgreifen darf und will: morgen einfach Abendblatt kaufen…

Ansonsten war heute ein sehr stressiger und anstrengender, weil unglaublich ereignisloser Tag. Abraham? „Nichts Neues.“ Spielerverkäufe? „Keine aktuellen Gespräche.“ Ein zentraler Mittelfeldmann? „Kommt. Aber aktuell gibt’s da auch nichts Neues.“ Anhand der von verschiedenen Funktionsträgern getroffenen Aussagen könnt Ihr erahnen, was ich mit „ereignislos“ meine. Selbst die Meldungen, dass Paolo Guerrero sich selbst als Spanien-Liebhaber geoutet haben soll und nur zu gern für Espanyol auflaufen würd, wurden von dem Angreifer höchstpersönlich dementiert. Allerdings bleibt es gerade bei ihm dabei: Kommt ein passender Abnehmer, ist Guerrero weg.

Apropos weg – das bin ich dann jetzt auch mal. Getreu dem Motto: Wenn es nichts zu sagen gibt – einfach mal die Fr… halten. In diesem Sinne, bis nachher! Da werde ich Euch das Ergebnis vom letzten Stadtderby der Saison nachreichen. Und denkt dran: Alle, die „Raschis“ Epos schon gelesen haben können hier stoppen. Allen anderen empfehle ich – obwohl ich nicht in allen Punkten zustimme sind es, wich finde, durchaus nachvollziehbare Ansichten – eine weiterzulesen. Deshalb, Ehre, wem Ehre gebührt: Von mir ein großes Kompliment, Raschi! Ein sehr ausgewogener, gelungener und interessanter Beitrag!

Scholle

Raschi (am 31. Mai um 16.23 Uhr): „Was genau sollen die alten Stars, die hier vor dreißig Jahren mal gespielt haben, den Jungspunden, deren Eltern sich damals noch nicht einmal kannten, denn sagen? Soll Kargus ihnen ein Bild malen, soll Hrubesch ihnen etwas vom Pferd erzählen oder sein Dorschangel-Buch schenken? Die können ja gerne mal einen gemeinsamen Hüttenabend im Zillertal machen, am besten noch mit Herrmann dabei, aber sobald die alten Recken anfangen über die alte Zeit zu palavern, gehen Töre, Sala und Co. doch lieber schon mal aufs Zimmer und daddeln auf ihrer Playsi Barcelona gegen ManCity oder so.
Dieser Ansatz, die großen Spieler aus der großen, erfolgreichen Zeit einzubinden, kommt ungefähr dreißig Jahre zu spät. Heute kennt von denen den HSV doch überhaupt keiner mehr, heute haben die alle andere Jobs oder Interessen. Klar ist es verlockend, die erfolgreichen Vorbilder abzukupfern, und wenn es bei Bayern mit Hoeneß, dem Kaiser und Rummenigge so gut klappt(e), dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das bei uns mit Uwe, Hrubesch und Kaltz nicht ebenfalls gelänge.
Der Unterschied ist nur, dass in München die letzten dreißig Jahre gearbeitet wurde, das dort über dreißig Jahre lang etwas aufgebaut wurde und dort auch ein Hoeneß seinen Job erst gelernt hat und darin gewachsen ist. Der Ruf nach den Alten ist für mich deshalb auch nichts weiter als ein erster Lösungsreflex, einer, in dem sich die große Sehnsucht nach Titeln widerspiegelt, die jeder HSV-Fan nun einmal tief in sich hat. Dieser Ruf darf aber nicht zum Allheilmittel werden, er darf nicht die letzte Hoffnung des Vereins sein.
Der Weg zurück ist lang, vielleicht keine dreißig Jahre, aber er ist und wird lang. Aber je eher wir ihn gehen, je eher wir aufhören an die Wunderheiler mit den großen Namen zu glauben, desto eher kommen wir auch ans Ziel.
Ich will jetzt nicht wieder irgendwelche Vorbilder hervorkramen oder aufbauen – wir sind der HSV, wir brauchen keine Vorbilder, müssen endlich unseren eigenen Weg finden – aber der Blick auf Dortmund, wo Watzke und Klopp gerade den zweiten großen Club Deutschlands etablieren, zeigt doch, dass es auch ohne die großen und altgedienten Vereinsrecken vergangener Tage geht. Wir müssen nur endlich damit anfangen vorauszugucken anstatt immer wieder zurück (vdV ist dafür übrigens auch nur ein Beispiel aus etwas jüngerer Vergangenheit.)
Das heißt allerdings nicht, dass wir unsere eigenen Ansprüche aufgeben. Wir brauchen schon Ziele. Und diese Ziele müssen von oben vorgegeben werden und bis unten, bis hin zum Zeugwart und Bednarek ausgeführt und mit Leben gefüllt werden – alle müssen ihre persönlichen Ziele diesem Vereinsziel, diesem Streben nach zukünftigem Erfolg unterordnen. Wir müssen endlich mit der Arbeit beginnen.
Aber wie genau sieht die Arbeit aus? Wer macht die Arbeit?
Wenn unser Ziel, auf das sich vielleicht sogar noch alle einigen können (aber wirklich nur vielleicht – bei Bednarek, Ertel, Erhardt, Hunke und Co. vermute ich eigentlich ganz andere Ziele) möglichst schneller, aber vor allem nachhaltiger und anhaltender Erfolg ist, dann wären wir ja schon einen großen Schritt weiter, denn dann müssten wir nur noch gucken, was dafür erforderlich ist und was wir in der Form (noch) nicht haben.
Fangen wir doch mal oben an: Was ist die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden?
Zum einen sollte er die Ziele vorgeben. Von Hoffmann (Blick zurück, ich weiß…) hörte man, er wolle innerhalb von fünf Jahren mit dem HSV unter die Top 20 Europas und er hat es geschafft. Jarchow hingegen verweist darauf, dass der HSV in seiner Geschichte eigentlich überwiegend erfolglos war, er aber „natürlich dem Zuschauer etwas bieten“ wolle. Das ist mit dem Abstiegskampf schon mal ganz hervorragend gelungen… Ziele, oder auch Visionen, wie es hier immer wieder genannt wird, sind in dieser Aussage aber nicht zu erkennen.
Es wäre aber ungerecht von mir, Jarchows momentanes Hauptanliegen, die finanzielle Gesundung des Vereins, nicht als Zielvorgabe zu erkennen. Aber auch wenn ich sein Ziel erkenne, so zweifel ich doch an seinem Weg. Immerhin hat der HSV im ersten Jahr Jarchows ein Minus von sechs Millionen gemacht, ein so großes Minus hat Hoffmann in seiner gesamten Amtszeit, und zwar auch in den Jahren, in denen die Mannschaft den Uefa-Cup bzw. die Euroleague verpasste, obwohl der Gehaltsetat aufgrund der bestehenden Verträge noch weitaus höher als der heutige war, nie gemacht (und ich glaube schon, dass der HSV auch unter Hoffmann Ablösesummen oder –raten für Spieler gezahlt hat.) Mir geht es jetzt aber gar nicht darum, Hoffmann zu huldigen, ich frag mich nur, läuft da gerade bei der Erreichung der Ziele etwas schief? Und ich frag mich das umso mehr, wenn ich höre, dass unser einziges Faustpfand, unser einziger Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre, nämlich der Vorsprung gegenüber anderen Bundesligisten bei der Stadiontilgung, jetzt verspielt und verscherbelt werden soll.
Aber zurück zur Arbeit des Vorstandsvorsitzenden, zurück zu einer Art Anforderungsprofil. Ich glaube, dass der Chef des Ganzen auch den Überblick über alles haben sollte, dazu gehört auch, dass er Strömungen innerhalb des Vereins erkennt und diese, sofern sie der Sache, dem Erfolg, abträglich sind, beseitigt oder ihnen zumindest entgegenwirkt. Und selbstverständlich ist der HSV ein zerrissener Verein, selbstverständlich gibt es hier Lager- und Grabenkämpfe; das hat nach der MV, die schonungslos gezeigt hat, dass diese Gräben sich aber mindestens bis in den Aufsichtsrat erstrecken, selbst Dieter erkannt. Jarchow aber stellt sich hin und sagt allen Ernstes „Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen.“ Entweder kann er es wirklich nicht, was nicht gerade für seinen Ein- und Überblick in den Verein, den er führen soll, spricht, oder er will es nicht, womit er seiner Verantwortung als Vorsitzender, der auch die Aufgabe hat, alle möglichst zu einen und auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, nicht gerecht wird. Im Gegenteil, er macht sich, indem er die Augen vor der Realität verschließt, mitschuldig, mitschuldig daran, dass der HSV von Tag zu Tag mehr auseinanderdriftet und irgendwann vielleicht auch nicht mehr gekittet werden kann. Jarchow spielt mit dem Vereinsfrieden. Als VV hätte er jedoch die Aufgabe, für eben diesen zu sorgen oder ihn wiederherzustellen. Er muss da Lösungswege finden, ob das dann gleich die von Hoffmann geforderte Ausgliederung ist, steht dann ja noch auf einem ganz anderen Blatt. Aber den runden Tisch, den Friedensgipfel, den könnte er als Vorsitzender durchaus einberufen, genauso wie die Strategiegespräche – Jarchow hätte als Chef die Macht, endlich wieder alle dazu zu bewegen, miteinander zu reden, alle wieder ins Boot zu holen anstatt eine Seite durch das Abwenden seines Blickes auf die vereinsinternen Streitereien immer mehr auszugrenzen.
Aber weiter, als Vorstandsvorsitzender sollte man idealerweise auch ehrlich sein und Integrität besitzen. Die und das aber sprechen Jarchow nach seinem „Zurück-auf-den-Dauerkartenplatz“-Statement, auf das postwendend die Beförderung vom Interims- zum Dauerchef folgte, nicht wenige ab. Die nochmalige unnötige vorzeitige Verlängerung seines Vertrages, hat die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit ein weiteres Mal genährt. Ein Makel, für den er mitverantwortlich ist und den er wohl auch nicht mehr los wird.
Ich will mich hier aber gar nicht darin verlieren, Jarchow als schlechten Chef zu enttarnen, vielmehr will ich versuchen aufzuzeigen, was ein guter Chef idealerweise so haben könnte. Neben den Zielvorgaben und der Fähigkeit, eine verschworene Einheit zumindest außerhalb des Platzes zu befördern, sollte ein Chef auch Ideen haben. Er sollte die Wirtschaft mit ins Boot holen, sollte eine Art Aufbruchstimmung erzeugen, Missstände erkennen und beseitigen, den Finger in die Wunde legen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten und manchmal vielleicht auch die Spieler bei der Ehre packen.
Ein VV des HSV könnte eine noch nie da gewesene Nachwuchsoffensive starten, indem er ein paar Firmen oder Privatleute als Investoren gewinnt, die in einen Fond für die Jugendarbeit einzahlen und selbstverständlich an den Einnahmen aus späteren Erlösen für diese Nachwuchskicker partizipieren. Genauso könnte ein VV nach einer Saison wie der letzten auf die Spieler zugehen, sie sanft bei der Ehre packen, und ihnen vorschlagen, nach jedem schlechten Spiel auf ihre Prämien zu verzichten oder einen Teil ihres Gehaltes zu spenden und sich damit ebenfalls (freiwillig) an der Finanzierung der Nachwuchsoffensive zu beteiligen. Warum sollte das nicht klappen, es müssen ja keine Unsummen sein und die Spieler könnten zeigen, dass sie doch eine größere Verbundenheit mit dem Verein, für den sie gerade kicken, haben, als so manch einer denkt.
Ich will meine unausgegorenen Ideen jetzt gar nicht als der Weisheit letzter Schluss hinstellen, aber diese Denkrichtung kann ein VV schon mal einschlagen und, wenn er damit erstmal anfängt, daraus auch sicher tragfähige Modelle erstellen, die am Ende vielleicht sogar umsetzbar sind.
Aber auch ein Chef handelt nicht alleine, er braucht fähige Leute an seiner Seite. Über den Vorstand für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, möchte ich gar nicht groß reden, der ist für mich als Hardcore-SCler, der scheinbar nur seine eigenen Leute kennt, genauso eine krasse Fehlbesetzung wie Sven Brux als Sicherheitschef bei unserem Nachbarn St. Pauli. Gerade Scheel hat die Aufgabe, die Strömungen in der Mitgliedschaft zu erkennen und sich ein Gesamtbild zu verschaffen, betreibt aber nichts anderes als Klientelpolitik, und zwar für die Abteilung, die er selbst mit ins Leben gerufen hat. Zielorientiertes Handeln auf diesem Posten sieht für mich anders aus.
Im Verbund mit dem Sportchef müsste der Vorsitzende aber auch dafür sorgen, dass die Strukturen in der Nachwuchsförderung endlich stimmen. Es reicht nicht, auf das Stichwort der „Geldvernichtungsmaschine“ Nachwuchsförderung anzuspringen und seinem Vorgänger das Wort im Munde umzudrehen, obwohl man eigentlich derselben Ansicht bezüglich der fehlenden Effizienz in diesem Bereich ist. Was sollen diese nie enden wollenden Sticheleien, was soll dieser Nachtretreflex? Lenkt da jemand von seiner eigenen Leistung ab, hat da jemand vielleicht nur diese eine Leiher, oder zielt da jemand auf den Applaus seiner Unterstützer ab?
Viel wichtiger wäre es doch, den gesamten Bereich einmal ohne Rücksicht auf Verluste zu durchleuchten. Was läuft da schief? Wieso ist dieser Bereich denn seit Jahren nicht mehr als eine „Geldvernichtungsmaschine,“ wieso können die Streitereien zwischen Nachwuchstrainern und Nachwuchskoordinator über Wochen und Monate schwelen, ohne dass da konsequent gehandelt wird? Hier gäbe es ja mit Hrubesch tatsächlich mal einen alten Recken, der uns weiterbringen könnte; aber den hat anscheinend noch niemand über ein Engagement in diesem Bereich gefragt. Aber Hrubesch hin oder her, auf diese Posten gehört Kompetenz, unabhängig vom Namen oder längst verflogenem Stallgeruch. Und wo findet man die? Da, wo es genau in diesem Bereich schon mal geklappt hat. In Barcelona, in Amsterdam, in Freiburg, Mainz oder Stuttgart, und mit Hrubesch eben auch beim DFB.
Wenn es so sein sollte – ich weiß es nicht – dass hier seit Jahren die falschen Leute rumwurschteln, dann braucht man mal einen harten Schnitt und dann echte Kompetenz, Know-How eben, das man dann auch mal von außen holen kann, aus Barcelona, Amsterdam, Freiburg, Dortmund, Stuttgart, dem DFB oder sonst woher. Aber hier wird mit Basti Reinhardt jemand zum Nachwuchschef befördert, weil er sich damals als komplett überforderter Sportchef so loyal enteiern lassen hat, und jetzt wird ihm mit Michael Schröder jemand zur Seite gestellt, der in der Scouting-Abteilung nicht mehr gebraucht wird. Und demnächst sollen Jarolim und Benjamin zurück, nicht weil sie ihre Kompetenz irgendwo bewiesen hätten, sondern weil sie so (verdiente) alte Spieler, liebe Kerle und loyale Kämpfer im Zeichen der Raute sind oder waren. Klar, warum nicht, kann ja klappen, aber es herrscht dabei mal wieder das Prinzip Hoffnung. Sie sollen gerne kommen, ganz speziell Collo, aber eben nicht gleich in verantwortlicher Position.
Wir müssen endlich weg davon, Freunden und alten Fanlieblingen wichtige, wenn nicht entscheidende Posten zuzuschanzen, das gilt für Vorstand, Aufsichtsrat und Nachwuchsbereich gleichermaßen. Wir müssen uns endlich wieder professioneller aufstellen und unsere Arbeitsplätze mit Fachleuten besetzen anstatt aus Dankbar- oder Gefälligkeit. Vielleicht haben wir schon viel zu viele alte Spieler mit eingebunden, ich weiß es nicht, aber wir haben auf jeden Fall noch nicht ausreichend zielorientiert arbeitende Kompetenz…

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