Zinnbauer: Van der Vaart bleibt extrem wichtig für uns

23. Oktober 2014

Es fehlte nur Dennis Diekmeier. Der Rest der Startelf aus dem Hoffenheim-Spiel scheint auch gegen Hertha BSC wieder erste Wahl zu sein. Und sollte es Diekmeier morgen ins Mannschaftstraining schaffen, wäre auch er gesetzt. Darauf legte sich Trainer Joe Zinnbauer heute bereits fest (siehe Video). Ergo: Ashton Götz würde wieder auf die Bank rotieren – und Rafael van der Vaart agiert erneut hinter Pierre Michel Lasogga. Im heutigen Training ließ Zinnbauer entsprechend üben. Die Stammviererkette (Götz ersetzte Diekmeier) gegen die Stammoffensive. Mit Müller rechts, van der Vaart hinter Lasogga, Behrami und Arslan auf der Doppelsechs – und Lewis Holtby links, was ich sehr schade finde und wo ich hoffe, dass sich der lauf- und kampfstarke Linksfuß in Berlin steigern kann. Sprechen will Holtby derzeit nicht. „Ich habe genug erzählt, jetzt will ich erstmal wieder einige Spiele machen, bevor ich Interviews gebe.“

Gute Einstellung, wie ich finde, auch wenn es schlecht für uns ist. Aber egal. Mir ist es recht.

Zumal ich große Hoffnungen in Holtby lege. Als sein Kauf nach nur drei Spielen bekanntgegeben wurde, habe ich mich riesig gefreut. Mein erster Impuls war nicht, wie teuer ist er? Und warum lässt sich der HSV so eine (zugegebenermaßen) schwachsinnige Klausel aufdrücken? Nein, mein Impuls war der, dass der HSV das Unmögliche (Kauf bei der derzeitigen finanziellen Situation) möglich gemacht hat und einen Topspieler langfristig bindet. Zumal zu hören war und ist, dass der HSV den Preis für den Linksfuß mit dieser risikobehafteten Klausel in den Verhandlungen maßgeblich drücken konnte.

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Dass er sportlich ein Gewinn ist, hat Holtby restlos bewiesen. Selbst jetzt, wo er die schwierige Situation zu meistern hat, für van der Vaart seine Lieblingsposition zu verlassen. Denn van der Vaart ist bei Zinnbauer absolut gesetzt. „Es ist super, einen van der Vaart an Bord zu haben“, freut sich Zinnbauer und gerät gegenüber „Sky“ ins Schwärmen: „Rafa ist Kapitän gewesen – und er ist auch mein Kapitän. Und das, obwohl er die Binde gar nicht braucht. Die Verantwortung übernimmt er immer.“ Dass der Niederländer noch nicht in seiner persönlichen Topform ist, weiß Zinnbauer. Er will seinen Captain über Einsätze wieder an seine alte Form heranführen. Zinnbauer: „Rafa ist ein absoluter Leader in unserem Team. Spielerisch und als Person. Er ist extrem wichtig für uns.“ Womit sich auch die Frage endgültig erledigt haben dürfte, ob Zinnbauer in Berlin vielleicht wieder auf einen laufstärkeren Zehner (oder neu-fußballdeutsch: Neuneinhalber) setzen wird.

Macht er nicht. Zinnbauer setzt darauf, dass van der Vaart die Mannschaft anführt, ihr offensiv weitere Impulse verleiht. Im Training ist davon bislang noch nicht allzu viel zu sehen. Da mischt van der Vaart zwar munter mit, aber da fallen eher Spieler wie zunehmend Lasogga (außerdem: guter Auftritt bei der PK heute!) und Müller auf. Auch der frisch gebackene Papa Tolgay Arslan blüht aktuell neben dem eigentlich immer starken Valon Behrami auf, der Entwarnung gab. Der Schweizer war heute wieder voll im Training und hat seine Knieprobleme überstanden. „Das war eh nur vorsichtshalber“, so der Sechser vor dem Training zur gestrigen Pause.

Ruhig geworden ist es derzeit um René Adler. Zum einen, weil Drobny stark spielt und sich die Frage nach der ehemaligen Nummer eins nicht stellt. Zum anderen, wie er verletzt ist und die Abgeschiedenheit sucht. Adler will sich über ein intensives Reha-Programm wieder auf 100 Prozent bringen. Und dann wieder ins Tor. Die Chance dafür ist da. Allerdings unter normalen Umständen im Moment nicht. Dafür ist Drobny schlichtweg zu souverän, zu stark. „Es ist eine schwierige Situation für René“, weiß auch Zinnbauer, „aber ich kann nur den Hut davor ziehen, wie er damit umgeht. Das ist schon megaprofessionell und charakterstark.“ Insbesondere der an den Tag gelegte Teamgeist des verletzten Degradierten imponiert Zinnbauer. „Und sein Wille. Er arbeitet jeden Tag maximal hart für sein Comeback.“

Zinnbauer, dessen Vertragsgespräche mit dem HSV in vollem Gange (“Wir sind schon recht weit”) sind, ist begeistert von Adler. Er weiß aber auch, dass er Drobny derzeit selbst mit einem gesunden Adler nicht rausnehmen kann. Dennoch, für all diejenigen, die im Tausch Drobny für Adler schon das Ende für den Letztgenannten in Hamburg vermutet haben sei gesagt: dem ist nicht so. Im Gegenteil. Nachdem Adler tatsächlich eine ganze Weile nichts von den HSV-Verantwortlichen gehört hatte, rief ihn vor einigen Tagen Klubboss Dietmar Beiersdorfer an und bat um einen Termin. Und bei diesem tauschten sich beide Seiten aus und betonten, dass sie weiter fest aufeinander setzen würden.

Auch das ist gut. Finde ich. Denn Adler in Topform hat zweifellos eine Klasse als Torwart, die selten zu finden ist. Zudem läuft der Vertrag des 35-jährigen Jaroslav Drobny zum Saisonende hin aus. Der HSV ist also gut beraten, sich beide Optionen zu halten. So, den Rest des ruhigen HSV-Tages könnt Ihr in den beiden Videos sehen. Vor allem Pierre Michel Lasogga, der bislang eher kein Freund von Pressekonferenzen war, hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Ich finde, ihm ist deutlich anzusehen(anzuhören), wie ihn seine Tore von Druck befreien. Zumindest habe ich ihn lange nicht mehr so locker und entspannt erlebt wie heute. Aber vielleicht ist das auch einfach nur die Vorfreude darauf, es dem Hertha-Trainer Jos Luhukay zeigen zu können. Denn wirklich gute Freunde werden die zwei nimmer mehr…

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In diesem Sinne, viel Spaß mit den Videos und Euch allen einen schönen Restdonnerstag. Morgen wird übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Bis dahin!
Scholle

P.S.: Und für alle, die auf Aufklärung im Fall de Vrij warten – wie wiederholt verspochen: sie kommt. Warum ich das schreibe? Weil ich heute den maßgeblichen Termin zugesagt bekommen habe.

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