“Hermann zum HSV? Das wäre der absolute Hammer!”

25. März 2015

Es ist in Länderspielpausen immer so eine Sache. Auf der einen Seite freut man sich, dass die Mannschaft mehr Zeit hat, all ihre Fehler zu bearbeiten und am besten abzustellen. Gerade, wenn es so viel abzustellen gibt. Auf der anderen Seite fehlen immer viele Stammspieler, die beim Einstudieren so genannter „Automatismen“ nicht teilhaben und erst zum Spiel wieder dazustoßen.

Am meisten freuen sich in diesen Phase jedoch die Rekonvaleszenten, weil sie Zeit haben, sich an das Team heranzukämpfen, ohne dabei ein Pflichtspiel zu verpassen. Maxi Beister ist einer von ihnen. Der Angreifer ist eigentlich schon seit Wochen wieder fit, verfügt aber über gerade einmal vier Einsätze im Jahr 2015. Über 90 Minuten hat er dabei noch gar nicht gespielt. „Ich brauche Spielpraxis. Umso besser ist es, dass wir gegen den VfL Osnabrück testen“, freut sich Beister auf den Kick am Donnerstag bei dem Drittligisten (Anpfiff 18.30 Uhr).

Beister zählt zu den Spielern, die sich mit dem Trainerwechsel auch neue Chancen ausrechnen dürfen. Und Beister gibt Gas. Im Training auf dem Platz – nicht verbal. „Es geht hier um ganz viel“, weiß er, „nur nicht um einzelne Personen. Von daher hasse ich auch dieses Trainervergleichen. Wir müssen jetzt die neue Situation annehmen und zusehen, dass wir uns schnell fangen. Uns bleiben gerade mal acht Wochen – und es gibt auch keinen Weg mehr zurück. Wir müssen. Wir müssen jetzt einfach liefern. Einzelne zählen nichts mehr – es zählt nur noch der HSV.“

Dass dieser sich mit Knäbel sportlich ein wenig umorientieren wird, scheint klar. Knäbel ist ersten Trainingseindrücken zufolge kein Freund des zu defensiven Spiels. Er versucht, der Mannschaft in den wenigen Einheiten bisher zu zeigen, wie sauber hinten raus gespielt wird. Beister: „Er versucht uns klarzumachen, dass man Fußball nicht verkomplizieren darf. Er zeigt uns, dass Fußball auch ganz einfach geht.“ Knäbel lässt deutlich mutiger nach vorn spielen – zumindest in den Übungseinheiten. Sehr zur Freude von Offensivspieler Beister. „Natürlich freut das einen Offensivspieler wie mich, zumal ich mich an die letzte Saison erinnere und weiß, dass wir in der Offensive unsere Qualität haben. Wir haben da schon viele Tor gemacht – nur leider auch zu viele gefangen. Der Trainer versicht uns dieses Selbstvertrauen zu vermitteln, vorne wieder mutiger zu werden. Mutig abzuschließen, mal eins gegen eins zu gehen und den Ball mit aller Macht in die Box zu spielen, damit er dort verwertet werden kann. Und wir merken: all das steckt noch in uns.“

Kritik an Zinnbauer lässt Beister nicht gelten. Auch, wenn sich seine Aussagen in geschriebener Form vielleicht so interpretieren lassen könnten. Beister hat vielmehr Verständnis dafür, unter Zinnbauer zuletzt nicht so oft berücksichtigt worden zu sein. „Ich wollte und will immer von Beginn an spielen – klar. Aber mir war und ist klar, dass die Zeit nicht geeignet ist für Experimente. Ich werde einfach weiter versuchen, dem Trainer zu zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann. Und wenn er mich braucht, bin ich da.“ Das gelte für Knäbel jetzt wie zuvor auch für Zinnbauer gleichermaßen.

Und wenn alles glatt läuft, kann Beister bald einem weiteren Fachmann sein Können präsentieren: Peter Hermann. Der 63-Jährige soll vorerst bis Saisonende Knäbels Cotrainer werden. 2013 hatte Hermann als Vertrauter von Jupp Heynckes das Triple mit Bayern München gewonnen und zuletzt noch bis zur Entlassung von Jens Keller bei Schalke 04 gearbeitet. Dort wurde Hermann, der auch viele Jahre bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stand, im Oktober beurlaubt. Ein Assistent mit viel Erfahrung für Knäbel – und ganz sicher nicht die schlechteste Lösung. Das bestätigte mir heute Dennis Aogo, der Hermann auf Schalke noch kennenlernen durfte – wie er voll des Lobes sagt.

Wird er der neue Assistent von Peter Knäbel? Der ehemalige Schalker Peter Hermann

Wird er der neue Assistent von Peter Knäbel? Der ehemalige Schalker Peter Hermann

Als ich ihm vom Plan des HSV erzählte, war er völlig baff. „Das wäre der Hammer, das wäre ja richtig geil“, so Aogo, der noch immer mit seinem HSV mitleidet und seinen Ex-Kollegen tatsächlich nur das Beste wünscht. „Peter ist einer der absolut besten, die ich kenne“, so Aogo. „Ich habe ihn zwar leider nur kurz erleben dürfen, aber das hat mich begeistert. Gerade für junge Spieler ist er perfekt. Er hat schon so viel Qualität gesehen, gefördert und mitentwickelt. Der Typ weiß echt einfach alles. Der kennt jeden Spieler, jedes Ergebnis und kann unglaublich gut coachen. Wenn ein junger Spieler mal Extraeinheiten machen will – Hermann ist dabei, trainiert ihn. Wer besser werden will ist bei ihm genau richtig. Im Training zum Beispiel gibt es bei Passübungen nicht einen Ball, den er nicht kommentiert. Immer nach vorn gerichtet und absolut perfektionistisch.“ Eine gute Ergänzung zu Knäbel? Aogo: „Das weiß ich nicht, ich kenne Herrn Knäbel nicht. Aber ich weiß, dass er sich mit Hermann einen absoluten Perfektionisten dazuholen würde.“

Klingt doch mal richtig gut, oder?

Fakt ist indes, dass noch nichts fix ist. Das Vorhaben, Hermann an den HSV zu binden, ist dennoch klar. Auch, dass der Vertrag vorerst bis Saisonende laufen soll. Denn im Sommer soll ein erneuter Schnitt folgen und der HSV will sich diesen Weg noch nicht verbauen. Auch nicht von Spielerseite. „Ich hätte nie gedacht, dass der HSV nach den Zukäufen, die ich sportlich und vom Charakter her top fand, so Probleme bekommen würde“, wundert sich Aogo, der den Wunsch der Verantwortlichen gut verstehen kann, im Verein alles depressive auszusortieren. „Vielleicht muss das jetzt mal passieren, um wieder an frühere Zeiten anzuknüpfen“, so der Ex-HSVer Aogo, der am Sonnabend beim Abschiedsspiel von Jarolim in Hamburg mitspielen wird. „Ich freue mich tierisch, mal wieder bei meinen alten Freunden sein zu können.“

Weniger erfreulich dürften die Gespräche der HSV-Profis werden. Dietmar Beiersdorfer wird in den nächsten Tagen die Spieler zu sich ins Büro rufen, deren Verträge auslaufen. Dass Slobodan Rajkovic (fehlte heute mit Infekt), Gojko Kacar, Ivo Ilicevic (wieder im Training), Marcell Jansen oder Rafael van der Vaart einen neuen vertrag erhalten, erscheint extrem unwahrscheinlich. Einzig bei Heiko Westermann ist sich der HSV-Vorstand noch nicht sicher, ob oder ob nicht.

Sicher ist, dass der HSV morgen nicht trainiert, dafür aber am Abend in Osnabrück testet. Ich melde mich im Anschluss an die Partie wieder bei Euch!

Bis dahin,
Scholle

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