Das Mittelfeld macht wieder Hoffnung

20. Juli 2014

Ich hab viel Bauch – zu viel leider noch. Das weiß ich und daran arbeite ich – ab morgen. Aber ich habe nicht selten ein ganz gutes Bauchgefühl was Stimmungen anbelangt. Auf dem Platz, in Mannschaften und drumherum. Und im Moment, das wird auch bei gefühlten 50 Grad und harten Konditionseinheiten beim HSV deutlich, ist diese Mannschaft gut drauf. Obgleich es in die härtere Phase der Vorbereitung geht. „Wir haben diese Doppel-Priorisierung bewusst gewählt. Der zweite Teil der Vorbereitung wird psychisch und physisch noch einmal krasser.“ Sagt Slomka höchstpersönlich.

Und die Stimmung in der Mannschaft ist trotzdem gut. Nicht nur, weil Rene Adler, Ivo Ilicevic, Jaroslav Drobny und Rafael van der Vaart wieder topfit sind. „Keiner liebt es, bis an und teilweise über die eigenen Grenzen hinaus zu laufen und zu ackern – aber wir wissen alle, dass es definitiv nötig ist. Und vor allem ist es im Nachhinein ein unfassbar geiles Gefühl, wenn man sagen kann, dass man sich so richtig gequält hat und merkt, dass man körperlich wieder topfit ist. Und wir sind aktuell auf einem sehr guten Weg dahin“, sagt Dennis Diekmeier.

Und er hat Recht. Fußball ist neben dem Körperlichen auch Kopfsache. Manchmal bedingt das eine das andere. Wie rum auch immer. Aber den Weg von Trainer Mirko Slomka, betont genau auf die körperliche Fitness in dieser Vorbereitung Wert zu legen, ist die logische und komplett richtige Konsequenz aus dem verkorksten Vorjahr.

Am deutlichsten zu erkennen ist das mit Sicherheit bei Rafael van der Vaart, der in der Rückrunde spätestens körperlich dermaßen abfiel, dass er immer wieder ausgewechselt werden musste. So empfand ich es zumindest. Und so sieht es auch Dieter, wie gestern bereits geschrieben. Und ich freue mich, dass der Niederländer immer besser in Fahrt kommt. Denn klar war und ist: Der (Noch-)Kapitän kann es am Ball einfach. Aber der Unterschied von heute zur abgelaufenen Rückrunde ist, dass er heute auch mal schneller als sein Gegenspieler an selbigen rankommt und sich damit überhaupt erst die Möglichkeit erarbeitet, entscheidende Szenen zu kreieren. „Rafael wird in der kommenden Saison eine wichtige, zentrale Rolle einnehmen können“, hatte Slomka angekündigt – und es scheint, als könne er recht behalten.

Zumal dann, wenn das defensive Mittelfeld weiter so gut arbeitet wie bislang. Tolgay Arslan ist in guter Verfassung, Kerem Demirbay spricht nach sehr ansprechenden Leistungen in den Spielen wie Trainingseinheiten nicht unberechtigt davon, einen Stammplatz anzupeilen. Und klar ist zudem, dass sich der HSV zentral noch mal verstärken will. Vorstand Dietmar Beiersdorfer hatte bereits angekündigt, sich mit dem Trainer auf drei Neue für die mittlere Achse festgelegt zu haben. „Das stört nicht“, sagt Demirbay, „alles, was uns stärker macht, ist gut.“ Selbstbewusste Worte des Deutsch-Türken mit dem großen Verletzungspech vergangener Tage (habe gerade dreimal auf Holz geklopft…).

Also auch Milan Badelj. Oder? Bei dem Kroaten läuft der Vertrag 2015 aus. Und seine Zukunft ist ungeklärt, nachdem der HSV eine Option zur vorzeitigen Vertragsverlängerung hatte verstreichen lassen und der Mittelfeldmann selbst ein Angebot des HSV ausschlug. Ich habe immer gesagt, dass ich mich in Hamburg sehr wohlfühle und mir sehr gut vorstellen kann, hier zu bleiben“, sagt Badelj, der das Themas gern aussparen möchte. „Bislang habe ich nichts anderes gehört, keine Gespräche geführt“, so Badelj auf die Frage, ob er denn die bevorstehende Saison beim HSV verbringen wird.

Nach dem frustrierenden WM-Aus der Kroaten mit einem für ihn sehr bescheidenen Auftritt (blieb ohne Spielminute) möchte man meinen, einen niedergeschlagenen Badelj anzutreffen. Aber mitnichten. Der Mann, dem ich ob seiner unfassbaren Feinmechanik und ausgeprägten Technik im Training nur zu gern beim zusehe, ist gut drauf. Vielleicht, weil es gerade in ist beim HSV. Aber ernsthaft gesprochen: Weil Badelj intelligent ist und reflektiert. Er weiß mit Niederlagen umzugehen, auch mit schwierigen Phasen. Wie die letzte Saison, die WM – und jetzt seine Vertragssituation. „Es gibt kein Argument, irgendwas anderes anzunehmen, als dass ich hier spielen darf. Und das mache ich sehr gern. Denn wir haben ein klares Ziel: Nie wieder so eine Saison wie die letzte.“

Stimmt. Und nimmt man den Konkurrenzkampf aktuell als Maßstab, van der Vaarts Form hinzu, darf man hoffnungsfroh sein, dass es besser wird. „Ich hätte nichts dagegen, etwas offensiver zu spielen, den Achter anstelle des Sechser zu geben“, sagt der vielleicht beste Techniker im Team und deutet damit an, was viele vermuten: dass Slomka taktisch umstellt. In China ließ er bereits 4-3-3 spielen – das System, das er von haus aus am liebsten spielt. Das wäre mit einer Sechs (Demirbay oder der angekündigte Neue?) sowie van der Vaart und Badelj ebenso denkbar wie mit Arslan, der als gelernte zehn zur Sechs mutierte (coole Fussi-Sprache…)

Einer, der definitiv gut drauf ist und auch allen Grund dazu hat ist Johan Djourou. Der Innenverteidiger hat mit der Schweiz eine starke WM gespielt, kam zum Einsatz und ist jetzt ausgeruht wieder in Hamburg. Und das mit großen Zielen, wie er Dieter am Sonnabend in folgendem Interview erzählt hat:

 

Matz Ab (MA): Der Trainer hat harte und schwere Tage versprochen, merkt man das als Spieler schon?

Johan Djourou (JD): Ja, das war schon zum Anfang recht schwer, aber ich glaube, das ist der richtige Weg. Wir wollen ja eine richtig gute Saison spielen, dafür muss man hart arbeiten und dazu bereit sein.

MA: Ist Mirko Slomka der neue Felix Magath?

JD: Okay, ich habe das auch schon von den Mitspielern gehört. Wie gesagt, wir brauchen das, es ist genau der richtige Weg, hart und gut arbeiten, so muss es in der Vorbereitung laufen.

MA: Wer ist jetzt der Hoffnungsträger? Pierre Lasogga? Oder doch Rafael van der Vaart, der schon in guter Form zu sein scheint?

JD: Das wird die Zeit zeigen. Wir müssen ein Block werden, wir müssen eine gute Stimmung im Team haben, wir müssen als Mannschaft gemeinsam zurückkommen, dann haben wir eine gute Chance. Und natürlich schon jetzt hart für unser Ziel arbeiten.

MA: Was ist das für ein Ziel?

JD: Wir müssen es besser als letzte Saison machen, das ist der erste Schritt. Wir müssen nicht so viel reden, schon gar nicht von Europa oder so, wir müssen jetzt arbeiten, von Spiel zu Spiel denken – und dann können wir reden.

MA: Es müssen aber doch noch eigentlich zwei, drei neue Spieler kommen, oder?

JD: Das ist eigentlich nicht mein Job, aber ich hoffe schon. Ich glaube, dass die Mannschaft jetzt schon gut ist, aber wir brauchen noch Spieler, ja, das ist schon so, um der Mannschaft eine gute Chance zu geben.

MA: Gab es schon Kontakt zu Dietmar Beiersdorfer?

JD: Ich habe mit ihm gesprochen, er ist ein guter Typ, und er ist ein großer Schritt nach vorne für den HSV, für den ganzen Verein. Ich finde es schon richtig, wenn für ein bisschen mehr Stabilität haben im Verein. Auf dem Platz auch, aber auch im Verein.

MA: Was hat Didi Beiersdorfer denn gesagt? Es wird ja noch ein neuer Verteidiger gesucht . . .

JD: Das ist gut, ich habe ja gesagt, dass diese Mannschaft neue Chancen braucht. Jetzt ist Michael Mancienne weg, da brauchen wir schon einen neuen Verteidiger. Rajkovic ist noch verletzt – ja, wir brauchen neue Leute, das ist ganz wichtig.

MA: Oliver Kreuzer musste gehen, wie ist das aufgenommen worden?

JD: Oliver ist ein guter Mann, aber es gab im Verein doch einige Unruhe, da ging nicht alles so, wie es gehen könnte. Es ist schade, dass er gehen musste, aber jetzt haben wir Hoffnung, jetzt haben wir einen neuen Mann, ich glaube, das ist gut für den Verein, es gibt jetzt ein Konzept.

MA: Kreuzer ist weg, jetzt wird ein Schweizer als Nachfolger gehandelt, Peter Knäbel . . .

JD: Wirklich? Davon habe ich noch nichts gelesen. Er war bei unserer Nationalmannschaft, ist ein guter Mann. Und ich habe ja gesagt, dass der HSV Stabilität braucht. Das ist für die Spieler ganz wichtig. Peter Knäbel ist ein Super-Sportchef, er würde bestimmt auch hier einen guten Job machen. Und ich habe ja gesagt, dass wir nur ein wenig Stabilität brauchen, dann können wir tatsächlich alles machen und erreichen.
MA: Welche Rolle hat Peter Knäbel bei der Nationalmannschaft gespielt?

JD: Er hielt sich mehr im Hintergrund auf, der Trainer war der Verantwortliche – aber Knäbel ist schon super. Ich würde ihm raten, zum HSV zu kommen.

 

 

Wir auch. Denn dann hätte der HSV seinen neuen Stab im sportlichen Bereich an den entscheidenden Stellen aufgestellt.

In diesem Sinne, es geht langsam voran. Noch langsam. Denn weder für morgen und leider auch nicht für Dienstag (wäre eine Ehre für uns Niendorfer, das Premierenspiel eines neuen Stars ausrichten zu dürfen…) wird hier mit neuen Spielerverpflichtungen gerechnet. Eher zum Wochenende hin könnte es erste Entscheidungen geben. Wobei auch hierbei die Frage der Finanzierung (der Aufsichtsrat tagt Anfang der Woche zu diesem Thema) zunächst geklärt und abgesegnet werden muss. Aber egal wie – es bleibt allemal spannend. Und hoffnungsfroh.

Bis morgen! Dann meldet sich der Blogvater himself. Genießt ihn und die Sonne

GenieScholle

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