0:3 – jetzt haben wir den Salat!

30. August 2014

Die Sonne schien, bestes Fußballwetter lud zum ersten Heimspiel der 52. Bundesliga-Saison ein – nur der HSV war leider noch nicht so richtig gut aufgelegt. Obwohl alles für einen Heimsieg gerichtet schien. Aber das schien nur so. Dieser HSV ist weiterhin jenseits von Gut und Böse, in dieser Mannschaft gibt es immer noch zu viele Versager, die sich dann schnell vom Acker machen, wenn es hart auf hart kommt. Es wird Zeit, dass in diesen Verein eine andere Philosophie Einzug hält, und zwar so schnell wie möglich. Das ist leider kein Erstliga-Niveau, was sich dieser HSV immer noch zurechtstümpert, das muss man so krass feststellen, sie haben aus ihren Fehler nichts, aber auch wirklich nichts gelernt. Aber nun gibt es ja doch noch einmal zwei weitere Transfers, die diesem verein vielleicht doch noch neues Leben einhauchen können. Aus London soll Lewis Holtby kommen, aus München, vom FC Bayern, wird Offensivspieler Michael Green für ein Jahr ausgeliehen – sie sind nun die neuen Hoffnungsträger. Ansonsten könnte das Fazit heißen: Der HSV geht wieder nur ganz, ganz schweren Bundesliga-Zeiten entgegen. Trotz aller Versuche der Verantwortlichen, den Rettungsanker zu werfen. Da muss noch viel passieren, bis dieser HSV wieder auf Kurs ist. Ohne Worte, das ist ein ganz blamabler Tag für den Erstliga-Fußball in Hamburg, schämt Euch, Ihr Versager! Mich macht ein solcher Auftritt total fassungslos!

Für Abendblatt-Blogs



 

Das muss gleich einmal zu Beginn gesagt werden: Die Fans – vor allem im Norden – waren super, großartig, sensationell. In Köln waren die Anhänger aus Hamburg noch leise, diesmal machten sie vom Anstoß an so richtig schön Alarm. Weltklasse. Da wurde nichts mehr vermisst, das war eine ganz hervorragende Unterstützung für die HSB-Mannschaft. Die Fans von der Gruppe „Poptown“ haben den Norden übernommen und offenbar dafür gesorgt, dass es dort so richtig gut abgeht. Das konnte sich sehen und hören lassen – weiter so! Bravo!

 

Schon zur Pause gab es Pfiffe, von überall. Weil der HSV eben doch nur spielt wie der HSV. Der aus der Vorsaison. Okay, okay, es wird schneller gelaufen, bestimmt auch mehr, aber fußballerisch ist der Volkspark aus Hamburger Sicht weiterhin nur Niemandsland. Es wird Zeit, dass endlich der „neue HSV“ aufläuft, ein HSV mit Cleber Reis, Matthias Ostrzolek, Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Lewis Holtby und Julian Green, um Valon Behrami die richtige Unterstützung zu geben. Das wäre eine neue Mannschaft, die dann auch zeigen kann, wie Fußball mit Herz, Leidenschaft, Engagement und Einsatz und Willen tatsächlich funktioniert. Die Herren, die sich in den letzten Wochen und Monaten versuchten, die können es offenbar trotz eines härteren Trainings nicht, sie habe genügend Chancen gehabt – jetzt dürfen sich eben andere, neue Spieler versuchen. An Gegner Paderborn, von den meisten Experten als Bundesliga-Absteiger als Absteiger Nummer eins getippt, konnte jeder sehen, was es bedeutet, wenn man Laufbereitschaft zeigt, wenn man eine Strategie gemeinsam umsetzen will – und es auch kann. Diese „No-name-Truppe“ aus dem Westen hat es vorgemacht, wie Fußball geht, ohne einen Star an Bord zu haben – man muss nur wollen. Und Paderborn wollte.

 

Torchancen für den HSV in Halbzeit eins? Gab es nicht wirklich. Torchancen hatten nur die Gäste, das Team von Andre Breitenreiter, dem ehemaligen HSV-Profi. Der sprach vorher von einem „David-gegen-Goliath-Duell“ und ich tippe mal darauf, dass er seine Mannschaft als den Underdog betrachtete. War aber auf dem Rasen dann nicht zu sehen. Obwohl der HSV durchaus gut und willig begann. Es fehlte aber der letzte Pass und die letzte Konsequenz im Spiel nach vorne. Das war oft viel zu durchsichtig und auch halbherzig. Und irgendwie schien nach den ersten Fehlpässen und misslungenen Aktionen schnell das Selbstvertrauen flöten gegangen zu sein. Und schon ging nichts mehr. Umschalten, das sollte das Thema des HSV sein, aber in diesem Stadion und an diesem Tag schaltete nur eine Mannschaft um, und das war der SC Paderborn. Zu dieser Leistung kann man dem guten Andre Breitenreiter nur gratulieren. Da werden sich wohl auch noch ganz andere Teams noch wundern, wie es sich gegen Paderborn so spielt.

Als Rafael van der Vaart in der 37. Minute verletzt raus musste, da war das Spiel des HSV schon auf Zweitliga-Niveau gesunken. Da hätte der gute Mirko Slomka schon die halbe Mannschaft austauschen können. Es wird nicht schnell genug gespielt, es wird nicht schnell genug nachgerückt, gelegentlich auch gar nicht nachgerückt, es wird nicht miteinander gespielt, es wird nichts kompakt zugestellt, es wird die Verantwortung immer nur dem Nebenmann in die Buffer geschoben und vieles nur dem Zufall überlassen. Viele lassen auch viel zu schnell die Köpfe hängen, da ist kein Leben untereinander – nichts, null. Da ist auch nichts von Lust oder Spaß erkennbar, da wird nur versucht, Fußball zu arbeiten. Jeder für sich, und der Fußballgott für alle – nur der hat in der vergangenen Spielzeit schon nur den Hamburgern geholfen, jetzt sind mal andere Clubs dran.

Der HSV allerdings hätte sich schon selbst helfen und belohnen können. Tormöglichkeiten gab es schon. Nach einem Eckstoß kam Johan Djourou an die Kugel, ein oder zwei Meter vor der Torlinie, aber der Ball ist nicht drin, fliegt abgefälscht irgendwie noch zur Ecke (56.). Unfassbar, aber wahr.

Oder: Valon Behrami schickte Marcell Jansen in den SCP-Strafraum, flache Eingabe von links, Pierre-Michel Lasogga kam aus vier Metern an die Kugel – und schiebt sie am langen Eck vorbei (61.).

Und dann noch die 63.Minute. Ivo Ilcevic schießt aus halblinker Position auf das SCP-Tor, Artjoms Rudnevs hätte abfälschen oder einschießen können, verfehlt aber den Ball – Abstoß statt HSV-Tor. Und danach wurde es dramatisch.

In der 69. Minute wollte Rudnevs den Ball 30 Meter vor dem HSV-Tor quer zu Lasogga passen, dazwischen sprintet Vrancic, umkurvte Rene Adler und schoss zum 0:2 ein – ein amateurhafter Fehler. Schon in der Jugend heißte s doch immer wieder: „Kein Querpass am eigenen Strafraum.“ Nun gut, man muss ja nicht alles für bare Münze nehmen, was im Fußballlehrbuch steht . . .

Es kam noch schlimmer. Stoppelkamp schoss in der 87. Minute noch das 0:3. Der Hammer, der Wahnsinn, ein Offenbarungseid des HSV. Schlechter geht es nicht, und man muss schon fragen, wann dieser HSV denn mal gewinnen will? Oder kann?

Der HSV rannte nach dem 0:2-Rückstand natürlich noch gegen das Paderborner Tor an, aber mit einem Heimsieg klappte es dann doch nicht mehr . . . Aber vielleicht wird es dann ja beim nächsten Heimspiel etwas mit einem HSV-Erfolg . . . Dann kommt der FC Bayern an die Elbe. Dabei hätte alles so toll beginnen können. Und auch so super beginnen sollen – gegen die beiden Aufsteiger!

 

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen (ab 71. Min. Ostrzolek); Badelj, Behrami; Arslan (ab 46. Min. Stieber), van der Vaart (ab 37. Min. Rudnevs), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler tat mir leid, er hatte kaum etwas zu tun und musste die Kugel dennoch einige Male zu viel aus dem Netz holen.

 

Dennis Diekmeier versuchte es immer wieder nach vorne, sprintete und rannte und kämpfte, aber so richtig viel gelang ihm nicht. Dennoch, er wollte.

 

Johan Djourou hatte einen schweren Tag, an dem ihm lange nicht alles gelang, vornehmlich in der ersten Halbzeit nicht. Note vier.

 

Heiko Westermann war lange nicht so souverän wie zuletzt in Köln, obwohl er kaum mal einen großen Klops in seinem Spiel hatte. Er passte sich dem Spiel seiner Kollegen an, und an diesem Tag schienen sie alle ein wenig überfordert zu sein, überfordert mit der Ersten Bundesliga.

 

Marcell Jansen spielte nur bis zur 71. Minute mit, fiel bis dahin kaum auf, spulte sein Pensum herunter und war bemüht, keinen Fehler zu machen – was nicht immer gelang. Kam dann sein „Nachfolger“ für ihn, nämlich Matthias Ostrzolek?

 

Milan Badelj mit durchaus guten Ideen, aber seine Pässe fanden leider nicht immer den eigenen Mann. Nach durchwachsenem Beginn tauchte er ab, das ist leider, leider nicht mehr der Milan Badelj, der hier einst so super begann, das ist leider, leider nur der Schatten.

 

Valon Behrami setzte sich ein, wollte auch motivieren und mitreißen, aber es blieb beim Ansatz. Hat noch einige Fehler zu viel in seinem Spiel, obwohl er an diesem desolaten HSV-Tag noch einer der Besseren war.

 

Tolgay Arslan mit keinem schlechten Start, aber schon nach zehn Minuten verlor er den Faden. Da war es wieder, dieses „Auf-und-ab-Syndrom“ bei ihm, es geht nach einem guten Spiel schnell wieder nach unten – leistungsmäßig. Er leitete mit einer viel zu durchsichtigen und grob fahrlässigen Aktion (alle im Vorwärtsgang!) den 0:1-Rückstand ein – tragisch. Nach der Pause kam er folgerichtig nicht wieder, für ihn spielte Zoltan Stieber.

 

Rafael van der Vaart machte nur bis zur 37. Minute mit, dann ging er verletzt vom Rasen. Bis dahin war ihm kaum etwas gelungen.

 

Ivo Ilicevic spielt phasenweise ganz elegant, mitunter glückt ihm auch ein Dribbling, aber letztlich kommt nach seinen Auftritten nichts, aber auch wirklich nichts herum. Das ist vor dem Strafraum und im Mittelfeld nur brotlose Kunst.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte kaum mit und rennt seiner Form weiterhin meilenweit hinterher.

 

Artjoms Rudnevs (ab 37. Minute für van der Vaart) war dann die Doppelspitze mit Lasogga, zeigte Einsatz, zeigte Leben, war auch mehr zu sehen als sein Sturmpartner, doch er hatte das Glück in der Kabine vergessen.

 

Zoltan Stieber (ab 46. Minute für Arslan) wirkte oft wie ein Jugendspieler, der die HSV-Mannschaft nur mal so auffüllen sollte. Das war gar nichts.

 

Matthias Ostrzolek (ab 71. Minute für Jansen) sollte mal in diese Mannschaft hineinschnuppern, zeigte durchaus auch ein, zweit Ansätze, dass es noch etwas werden kann mit ihm, aber wo war er beim 0:3?

 

PS: Morgen, am Sonntag, soll im Volkspark um zehn Uhr trainiert werden.

 

PSPS: Wir sind jetzt gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung, wir sprechen mit zwei Trainern aus der Hamburger Amateurszene, da wir kurzfristig zwei Absagen hinnehmen mussten. Erstens kommt es eben anders, zweitens . . . Das haben wir ja im heutigen Spiel auch erlebt, mehr als genug. „Scholle“ und ich begrüßen die Trainer-Legenden Bert Ehm (heute Manager beim FC Elmshorn) und Manfred Lorenz, der gerade die Saison als Coach der HSV-Fußballschule beendet hat.

 

PSPSPS:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

PSPSPS: Wer auch am nächsten Wochenende Klasse-Live-Fußball sehen will, obwohl die Bundesliga pausiert, der sollte ans Millerntor pilgern. Ja, ich weiß, das ist nicht gerade ein bei HSV-Fans beliebtes Stadion, diesmal aber ist es für einen guten Zweck, denn es steht der Tag der Legenden auf dem Programm. Zum zehnten Male wird zu Gunsten des Vereins „Nestwerk“ von Reinhold Beckmann, dem ARD-Moderator, gespielt, und wieder einmal sind viele, viele Stars dabei. Schirmherr ist Franz Beckenbauer, Uwe Seeler wird kommen (aber natürlich nicht stürmen), dafür die Herren Matthäus, Babbel, Butt, Barbarez, Elber, Bobic, von Heesen, Berthold, Körbel, Friedrich, Metzelder, Ballack, Kaltz, Jancker und viele mehr. Ein fußballerischer Leckerbissen. Gespielt wird – mit tollem Rahmenprogramm, am Sonntag, das Stadion wird um 12 Uhr geöffnet. Wie gesagt, es ist für einen guten Zweck.

Und trotz allem ein schönes Rest-Wochenende noch für Euch und Eure Lieben. Das Leben geht weiter!

17.36 Uhr

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