Der HSV nimmt die Rolle des Jägers an!
12. Mai 2013
Geht es euch nicht auch so? Ich muss immer an „Troche“ denken. Ihr doch sicher auch, oder? Piotr Trochowski, der „kleine Dribbelkünstler“ und sein Tor in Frankfurt. Man schrieb damals in Deutschland die 90. Minute im Hessenland, es stand zwischen der Eintracht aus Frankfurt und dem HSV 2:2, und dann hob der Fußball-Gott die Abseitsregelung auf – und „Troche“, unsere aller „kleiner Dribbelkünstler“, gerade noch im Abseits stehend, zog mutig und beherzt ab. Drin das Ding. Und drin der Fisch. Der HSV spielte doch noch Europapokal, Europapokal, Europapokal, Europapokal, Eu-roo-paa-poooo-kaaaaaal . . . Das kann doch kein Zufall sein. Das ist ein Zeichen. Ganz bestimmt. Wieder Frankfurt. Wieder der letzte Spieltag. Wieder muss ein Sieg her – und Frankfurts Niederlage. Doch wo ist der „kleine Dribbelkünstler“? Daran könnte es natürlich noch scheitern, aber ich gehe nicht davon aus. Das wird was. Ihr werdet sehen. Dieser 4:1-Sieg des HSV gegen Hoffenheim hat Langzeitwirkung – und entwickelt sich erst noch. Eine Woche lang, und dann versinkt Hamburg im Freudentaumel. Nächsten Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr . . .
„Ich habe schon die verrücktesten Dinge am letzten Spieltag gesehen“, sagte Trainer Thorsten Fink in Sinsheim – und sprach mir dabei so aus dem Herzen. Was gab es nicht schon alles? Die reinsten Kopfstände gab es da schon. Und fragt mal nach bei Otto Rehhagel. Von wegen 12:0 und so. Nein, nein, da kann es doch durchaus passieren, dass die auswärtsstarken Wolfsburger in Frankfurt gewinnen, und der heimstarke HSV, der nur nicht an Fürth, Augsburg und Freiburg denken darf, gegen die nicht ganz so schlechten Leverkusener gewinnt. Das ist ja nicht unmöglich, das wäre ja nicht einmal in der Nähe eines Fußball-Wunders. „Wir haben jetzt viel zu gewinnen und überhaupt nichts zu verlieren. Und vielleicht sind wir in der Jägerrolle besser“, sagte Thorsten Fink auch noch, und ich würde ihm sagen: „Natürlich. Natürlich und absolut liegt dem HSV die Jägerrolle, ganz klar. Eindeutig. Die andere Art von Fußball, nämlich von oben herab spielen, das lag dem HSV ja zuletzt nicht so . . .“
Obwohl – Sinsheim hat ja eigentlich gezeigt, dass der HSV auch von oben herab . . . Mit einer, das ist nun kein Spaß, mit einer erstklassigen Leistung, mit einem konzentrierten und disziplinierten Spiel. Und diesmal hatte ich das Gefühl, dass da eine Mannschaft versucht, das Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. A wurde sich gegenseitig geholfen und motiviert, sodass ich mir gedacht habe: „Menschenskinder, und jetzt, wo sie es halbwegs kapiert haben, da ist die Saison zu Ende. Ein Jammer das.“ Immerhin sagte Thorsten Fink in einem ersten und ganz kurzen Resümee: “Die Saison war und ist jetzt schon mal gut, denn in der letzten Saison wären wir fast abgesteigen, und nun stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz – udn wir können nun am letzten Spieltag noch den Sprung nach Europa schaffen.” Das ist doch was! Aber genau. Ich sage dazu schon einmal vorab: “Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Fink, gut gemacht.”
Aber – was lehrt uns nun dieser 4:1-Sieg? Ein Wort rückte sich in mir während des Spiels gegen Hoffenheim stets zurecht: punktuell. Carl-Edgar Jarchow, der total verärgerte HSV-Chef (weil der NDR die Sache mit den 24 Mios als kleines Minus rausgehauen hat!), hat ja in der vergangenen Woche gesagt, dass es „keinen Schnitt“ geben wird (beim HSV), sondern dass man sich „punktuell“ verstärken wird. Und das wird genügen. Behaupte ich mal. Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu sind schon da, und wenn nun noch ein „ordentlicher“ Innenverteidiger (vom Typ „Kante“) käme, und ein Brecher wie zum Beispiel St. Paulis Torjäger Daniel Ginczek, dann wäre das schon okay. Natürlich, ich höre und lese es schon, natürlich, da liegt ihr ja nicht so falsch, natürlich könnten auch Rooney, Messi und Ronaldo passen, aber ob man an diese Jungs so billig rankommt? Da habe ich doch meine Zweifel. Leichte, aber sie sind doch schon da. Und noch einmal zu Ginczek. Mein neben mir sitzender Kollege sagte heute während des Spiels neben dem Dom-Platz: „Wenn der HSV nicht geschlafen, sondern den Zambrano und den Kruse im Sommer 2012 mit der U- und der S-Bahn geholt hätte, dann gäbe es heute gar keine Frage mehr, ob sich der HSV noch für Europa . . .“
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?
Und der HSV sucht doch einen Brecher. 17 Tore in der Zweiten Liga sind ja auch nicht ganz so schlecht, die muss man mal erst machen.
Kurz noch einmal zu Carl-Edgar Jarchow. Der Boss freute sich nach dem 4:1-Erfolg und sagte: „Jetzt haben wir ein kleines Finale. Nach dem Verlauf der vergangenen Wochen habe ich das nicht mehr erwartet.“ Der FDP-Politiker glaubt auch, so meldete es die Agentur, dass die Wirtschaftsbilanz zum Saisonende nicht so verheerend wie befürchtet ausfallen werde. Wobei zu diesem Thema immer wieder auch aus der Mitgliedschaft zu hören ist, dass das stimmen mag (und kann). Nämlich dann, wenn der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive doch verlängert wird. Dann steht eine Summe von elf Millionen Euro für den HSV im Raum – und die würde dann ja schnell mal helfen (und etwas ausgleichen) können. Mal abwarten, in welche Richtung sich das alles so bewegen wird. Obwohl, wenn ich so ganz genau nachdenke, dann ist mir so, als hätte ich vor ein, zwei oder drei Jahren gehört, dass der HSV sich künftig selbst vermarkten wolle – und auf Sportfive verzichten wollte. Das hat mir vor langer, langer Zeit schon mal der eine oder andere Offizielle ganz inoffiziell gesagt, aber man kann seine Meinung natürlich auch mal ändern. Keine Frage. Alles legitim. Wenn es zum Wohle es HSV ist.
Zurück nach Sinsheim. In Gedanken. “Wenn wir jetzt doch noch den europäischen Startplatz erreichen sollten, dann interessiert niemanden, ob wir zwischendurch mal schlecht gespielt haben, on es zwischendurch mal ein Auf und Ab oder ob es Höhen und Tiefen gegeben hat. Dann sind wir einfach da”, sagte Nationaltorwart Rene Adler. „Das lief richtig gut.“, sagte Marcell Jansen und dachte (bei Liga total) schon mal sieben Tage weiter: „Es liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand, aber wir werden versuchen, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Wolfsburg ist im Moment auch gut drauf und sie wollen sicher in Frankfurt gewinnen. Wir werden sehen, was sich der liebe Fußballgott für uns ausgedacht hat . . .“ Aber genau. Und Rafael van der Vaart befand bei „Liga total“: „Die Ergebnisse waren diesmal gut für uns. Wir mussten gewinnen – es wird noch spannend am letzten Spieltag. Hoffentlich gewinnen wir wieder – und die anderen nicht.“ Wie gesagt (und geschrieben): Die Hoffnung stirbt am letzten Spieltag.
Wobei zum Hoffenheim-Ausflug des HSV auch noch eines bemerkt werden darf: Markus Gisdol, der junge und erstliga-unerfahrene TSG-Trainer, war dem HSV schon auch ein bisschen sehr entgegengekommen. Ich dachte so während des Spiels an Joachim „Jogi“ Löw, der während der letzten EM ja auch – vor dem Italien-Spiel – gedacht hat, dass er schon so weit ist, dass er mit der ganzen Fußball-Welt spielen könne. Und heute dachte ich während der Partie St. Pauli – Eintracht Braunschweig an den BTS-Coach Lieberknecht, der ja auch nur, als Dank (denke ich) an seine Aufstiegs-Reservisten, die etwas verbesserte B-Mannschaft auf das Millerntor geschickt hatte. Glückes Geschick. Gisdol, der Hoffenheimer, hatte wohl nach den jüngsten Erfolgen unter seiner Regie gedacht, dass die Bundesliga an sich ein ganz einfaches Geschäft sei. Er baute auf den unerfahrenen Stefan Thesker, der hinten verteidigte (für US-Nationalspieler Fabian Johnson), und er baute in der Innenverteidigung auf den erst 17 Jahre alten Niklas Süle, der bei seinem Erstliga-Debüt den gesperrten Vestergaard. Vertrat. Beide TSG-Youngster aber stürzten (ihre Mannschaft) von einer Verlegenheit in die nächste. Jetzt werden sie in Sinsheim wohl wissen, dass Bundesliga doch nicht ganz so leicht ist.
Dabei fällt mir just ein, wie wohl Paul Scharner jetzt darüber denkt. Über die Bundesliga. Der Österreicher. Der ja nur vom HSV auf die Insel ausgeliehen wurde. Scharner hat es nun allen Hamburgern bewiesen, dass man auch mit der Raute (im Herzen) einen Pott gewinnen kann. Keinen ganz so unwichtigen. Den englischen FA-Cup, der immerhin im Wembleystadion ausgespielt wird. Scharner spielte mit Abstiegskandidat Wigan gegen das große Manchester City und gewann 1:0. Und damit den Pokal. Sensationell. Wobei City ja mit keiner „Gurkentruppe“ spielte, sondern mit: Hart – Zabaleta, Kompany, Nastasic, Clichy – Barry, Yaya Touré – Nasri, Tevez, Silva – Aguero. Der in Dortmund gehandelte Edin Dzeko wurde in der 90. (+ 1) erst eingewechselt – da hatte Watson gerade für das einzige Tor des Tages gesorgt. Übrigens spielte Scharner in der Dreierkette von Wigan, hinten zentral. Und die Null stand hinten.
Ich meine ja nur. Weil der HSV doch einen Innenverteidiger sucht.
PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat gegen Spitzenreiter Holstein Kiel ein achtbares 0:0 erzielt und damit einen kostbaren Punkt gewonnen. Glückwunsch. Und wenn die Agentur es richtig berichtet (oder es der „Matz-abber“ „Wortspieler“ vielleicht doch besser weiß), dann hat die A-Jugend des HSV im letzten Spiel der Saison beim Tabellenvorletzten Chemnitzer FC mit 1:4 verloren, steht aber zum Saisonende auf dem zehnten Tabellenplatz.
PSPS: In eigener Sache. Hier steht am Tag nach dem HSV-Spiel . . .
Diese Passage habe ich am Montag gelöscht, denn “Matz ab live” steht nun drin. Vielen Dank an die Techniker, die daran Tag und Nacht gearbeitet haben.
Holger Hieronymus (HSV-Profi, -Sportchef und – Trainer, Europapokal-Gewinner 1983, Nationalspieler und DFL-Geschäftsführer) war unser ganz besonderen Gast – es lohnt sich, dieses Interview noch einmal anzusehen.
Übrigens gab es diesmal eine große Anzahl von Fragen, die uns per Mail geschickt wurden, die aber während der Sendung nicht alle beantwortet werden konnten. Deshalb hier noch einige Ergänzungen, die gleich kommen werden. Eines muss ich aber im Namen von Holger Hieronymus noch sagen, weil es ja sofort viele Sepkulationen und Vermutungen um seine Person gegeben hatte. Der ehemalige Nationalspieler sagte mir: “Um Missverständnissen vorzubeugen, ich werde zu 100 Prozent nie wieder HSV-Sportchef und ich werde auch nicht in den Aufsichtsrat gehen, nicht wechseln und auch nicht wählen lassen. Das ist hundertprozentig. Bevor mir unterstellt wird, dass ich mich mit dieser Sendung bei ‘Matz ab’ ganz einfach mal so positionieren wollte. Das war zu 100 Prozent nicht der Fall.” Letzteres kann und muss ich bestätigen, “HH” sollte schon lange mal unser Matz-ab-Gast sein, wenn er sich damit und dadurch hätte positionieren wollen, hätte er es schon vor Monaten tun können.
Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob der HSV an Frank Arnesen als Sportchef und an Thorsten Fink als Trainer festhalten sollte: “Das ist eine wirklich schwere Frage, denn ich kann nicht beurteilen, wie man beide miteinander arbeiten. Das kann man auch nicht nur daran festmachen, welche Ergebnisse man an den Wochenenden sieht. Zur Arbeit von Sportchef und Trainer gehören auch Dinge, die kein Außenstehender sieht und beurtelen kann. Arnesen muss zum Beispiel Kontakte pflegen und halten, mit der Blickrichtung auf neue Spieler, Spielerberater. Genau so ist es auch bei Thorsten Fink, der hat Aufgaben, die ein Fan oder Außenstehender nicht sieht und deswegen auch nicht beurteilen kann.”
Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die HSV-Statuten nicht 60 000 Mitglieder entmündigen, denn es gibt keine Briefwahl: “Ich bin nicht für die Briefwahl. Ganz klar. Und wenn dann gesagt wird, wir können nicht zur Mitgliederversammlung kommen, dann frage ich: Was treibt eigentlich Menschen in einen Verein, wenn er nicht zweimal im Jahr zur Mitgliederversammlung kommen kann? Bei der Versammlung werden nun einmal wichtige und maßgebliche Maßnahmen für den Club getroffen, und das wird über Wochen und ganz genau vorbereitet – so etwas kann man auf dem Postwege nicht erledigen.”
Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die Philosophie beim HSV schon über Jahre fehlt (außer Sparen und Platz zehn als Vorgabe): “Man muss die Zeile, die man sich steckt, ja auch erreichen können. Es macht ja keinen Sinn zu sagen, dass man sich die Ziele einfach mal ein bisschen höher stecken sollte. Nach dem Motto: ‘Diese Ziele können wir zwar nicht erreichen, aber wir stecken sie trotzdem mal hoch.’ Das bringt in meinen Augen nichts.”
Dann kamen noch weltbewegende Fragen wie diese eine: “War das Steak durch oder medium?” Dazu sei noch kurz angemerkt: Niemand von uns, auch Holger Hierinymus nicht, hat an diesem Tage, also an diesem 11. Mai 2013, ein so herrliches Block-House-Steak gegessen. Leider. Dabei liebe ich es so sehr, es gibt nichts Besseres! Aber wir waren alle noch zu satt vom Mittagessen (im Hause). Auf die nun dazu aufkommenden neuen Fragen möchte ich jedem zugestehen: “Jawoll, ich bin zu blöd.” Daqs gilt für mich, für die anderen Mitstreiter möchte ich das lieber nicht sagen. Obwohl auch sie nichts gegessen hatten . . .
Bei der Gelegenheit: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.
17.59 Uhr