Friede, Freude, Eierkuchen – Meier gewählt. Und Beister rettet 1:1 gegen Odense

25. Januar 2015

Das war ein großer Tag für den HSV. Jetzt soll und wird Ruhe einkehren. So jedenfalls die Hoffnung vieler, vieler Mitglieder. Ob es so kommen wird, steht in den Sternen, aber was stirbt nicht auch beim HSV zuletzt? Jens Meier ist neuer Präsident des HSV e.V., Henning Kinkhorst ist neuer Vizepräsident und Dr. Ralph Hartmann ist der neue Schatzmeister des Clubs – es ist also angerichtet, diese Herren wurden für drei Jahre in ihre Ämter gewählt. Ein besonders schöner Tag für den HSV wurde es allerdings auch und vor allem durch Alexander Otto. Der ehemalige Aufsichtsrats-Chef spendet dem HSV 10 Millionen Euro für den Campus-Bau. Der Milliardär verkündete seine und diese Großzügigkeit während der Mitgliederversammlung und wurde spontan mit standing ovations gefeiert. „Wir sind sehr glücklich, dass Alexander Otto unser Campus-Projekt, das ja seit Sommer 2014 noch einmal komplett umgeplant wurde, so geduldig und mit großem Verständnis im Sinne unserer Neufokussierung auf den Sport begleitet hat“, sagte Dietmer Beiersdorfer und bedankte sich bei Otto herzlich und immer wieder. Wahrlich ein großartiger Tag für den HSV – und nach der finanziellen Hilfe von Investor Klaus-Michel Kühne ein weiterer Schritt, den Club der Rothosen weiter auf gesunde – oder gesündere – Beine zu stellen.

 

Der Campus-Baubeginn soll, so Alexander Otto, gegen Ende dieses Jahres starten und im Frühjahr 2017 soll dann das schnittige Gebäude bezugsfertig sein. Der Fußball-Gott möge dem HSV bei diesem Vorhaben beistehen – und die Planungen unterstützen.

 

„Ich freue mich, dass wir mit dem HSV-Campus gleich doppelten Nutzen stiften: Die Nachwuchsarbeit für die Profis wird dadurch deutlich verbessert, und gleichzeitig fördern wir darüber den HSV-Amateursport. Beides liegt mir besonders am Herzen. Ich bin überzeugt, dass die Weichen beim HSV mit der jetzigen sportlichen Leitung und dem Campus für eine erfolgreiche Zukunft gestellt sind“, sagte Alexander Otto, der der gefeierte Mann war.

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

Und der den Beifall sichtlich genoss: „Es ist ja mal schön, wenn man eine solche Neuigkeit auch mal während einer Mitgliederversammlung verkünden kann. Diesen Tipp sollte man auch dem Herrn Kühne vielleicht mal geben, es fühlt sich jedenfalls sehr gut an.“ Otto stiftet die zehn Millionen an die HSV-Campus-gGmbH – also die gemeinnützige GmbH. Die vermietet das 4600-Quadratmeter-Gebäude für 500.000 Euro per annum an die HSV Fußball AG, und damit werden gemeinnützige Sportprojekte des HSV e.V. gefördert und unterstützt. Dem Beirat der gGmbH gehören u.a. Dietmar Beiersdorfer, Jens Meier und Alexander Otto an. Gesellschafter der HSV-Campus-gGmbH sind die HSV Fußball AG mit 75 Prozent und Alexander Otto mit 25 Prozent Anteilen. Zu den Geschäftsführern wurden Rando Aust, Vorstandsvorsitzender der Alexander Otto Sportstiftung, und Joachim Hilke, Vorstand der HSV Fußball AG, bestellt.

Der HSV-Campus von innen

Der HSV-Campus von innen

 

771 stimmberechtigte Mitglieder waren um 11.22 Uhr anwesend, nicht stimmberechtigt aber trotz allem 55 Minuten anwesend: die HSV-Profis. Mit viel Beifall begrüßt, mit ebenso vielem Applaus zum bevorstehenden Spiel gegen Odense verabschiedet. Mitten drin hechelte der etwas verspätete Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in den Saal. Und hatten zu Beginn dieser MV noch zwei Herren darüber geklagt, dass der Ton zu rüde sei, so wurde es im Laufe des Nachmittags immer harmonischer.

 

Gleich zu Beginn wurde über einen Antrag des ehemaligen Aufsichtsrats-Bosses Manfred Ertel abgestimmt. Der hatte folgenden Antrag eingebracht: „Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert, alle erdenkliche Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV-Fußball-AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.“ Unabhängig davon, dass ein solcher Beschluss ohne rechtliche Gültigkeit geblieben wäre – der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Wobei ja auch Jens Meier vorher in diversen Interviews (zwei im Hamburger Abendblatt) angekündigt hatte, nicht Aufsichtsrats-Chef der AG werden zu wollen. Dieses Amt übt weiterhin Karl Gernandt aus, und wenn ich die Stimmung im Saael richtig deute, dann übt er dieses Amt zum Wohle der meisten Mitglieder aus.

 

Dann ging es nur noch erfreulich weiter. Carl-Edgar Jarchow hielt seine Abschiedsrede, er erhielt dafür Beifall im doppelten Sinne. Überwiegend mehr Applaus gab es dafür, dass er für den HSV gearbeitet hat, es gab aber auch Beifall dafür (hielt sich in Grenzen), dass er nun abtritt. Richtig viel Applaus gab es danach für Dietmar Beiersdorfer, der über seine bisherigen sieben Monate Auskunft gab. Der HSV ist ein Verein – stellte „Didi“ fest und schloss sich dann seinen Mitstreitern Bernhard Peters und Peter Knäbel an: „Wir sind mit unserer Arbeit immer noch ganz am Anfang.“ Natürlich. Über Nacht geht da nichts. Das wird nun auch das Präsidium des e.V. zu spüren bekommen. Beiersdorfer aber zeigte gute oder bessere Perspektiven auf: „Wir schwimmen immer noch nicht in Geld, aber wir haben die finanzielle Lage stabilisiert.“ Zur Stimmungslage innerhalb des Vereins befand der Club-Chef: „Es gibt bei uns jetzt nicht mehr die oder die, sondern nur noch einen HSV.“ Und: „Aus Alt und Neu wird zurzeit gerade eines: unser HSV!“ Zum Abschluss seiner Rede sagte Beiersdorfer auch: „Ich sehe den Einsatz und den Willen aller, für den HSV zu arbeiten. Das stimmt mich für die Rückrunde zuversichtlich.“

Zur sportlichen Seite hatte der „Didi“ vorher auch gesprochen. „Wir haben die Defensive stabiler hinbekommen, nur drei Vereine sind in dieser Spielzeit bislang besser als der HSV, und nur der FC Bayern hat bislang öfter zu null gespielt. Dafür muss ich aber auch zugeben, dass vorne viel zu oft die Null bei uns stand, aber daran arbeiten wir.“ Dafür erntete er Gelächter. Ernster wurde es beim Thema Trainer – und Entlassung. Beiersdorfer: „Wir mussten uns von Trainer Slomka trennen, denn es bestand weniger bis gar keine Hoffnung auf Besserung. Mit Trainer Joe Zinnbauer kam ein akribisch arbeitender Mann, der der Mannschaft Mentalität zurückgegeben hat, die eines HSV würdig ist.“

 

Wie gesagt: Friede, Freude, Eierkuchen bei diesem HSV. Der HSV spielt demnächst wieder im Volksparkstadion, und vielleicht wird es einem total verunsicherten, etwas bröckelnden oder leicht auseinandergebrochenen und unruhigen Club ja doch eines Tages noch gelingen, EIN HSV zu werden. An diesem 25. Januar 2015 wurde auf jeden Fall viel dafür getan – und es wurde nicht nur ein Schritt gemacht, das waren viele. So zufrieden, wie die meisten Mitglieder diesmal den CCH-Saal (2) verlassen haben, so zufrieden sind sie wohl seit Jahrzehnten nicht mehr nach Hause gegangen. Jetzt müsste es nur noch sportlich passen – aber das wird. So mein Bauchgefühl. Und während ich das schreibe, sitzt „Scholle“ im Volksparkstadion bei der Generalprobe, dem Spiel gegen Odense BK. Er darf von diesem Spiel keine Zwischenstände oder Ähnliches vermelden, das hat der HSV so bestimmt, deswegen müsst Ihr Euch noch ein wenig gedulden. Ob „Scholle“ dann den Bericht hier anfügt, oder einen neuen anlegt, das vermag ich aus dem CCH nicht zu sagen, ist ja aber auch unwichtig.

 

Um noch schnell auf die Wahlen zu kommen. Jens Meier wurde mit 84,5 Prozent gewählt, 15,5 Prozent waren gegen ihn, bei 32 Enthaltungen. Henning Kinkhorst wurde mit 82,6 Prozent gewählt, 17,4 Prozent waren gegen ihn, es gab 60 Enthaltungen. Und Dr. Ralph Hartmann erhielt 76,6 Prozent Ja-Stimmen, 23,4 Prozent waren gegen ihn, dazu gab es 73 Enthaltungen. Bei der Wahl des Delegierten der Fördernden Mitglieder in den Beirat wurde Patrick Ehlers gewählt. Jan Wendt wurde in einer Kampfabstimmung zum Vertreter der Amateure in den Beirat gewählt, das ehemalige Aufsichtsratsmitglied setzte sich mit 53,8 Prozent gegen das bisherige Beiratsmitglied Eckart Westphalen (46,2 Prozent) durch.

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

 

 

So, und nun könnte es dann demnächst sportlich werden – mit „Scholle“ und dem HSV gegen Odense.

 

So fühlen sich also Geisterspiele an. Null Zuschauer – zumindest keine Fans, sondern nur Vereinsverantwortliche auf der Tribüne. Jedes Wort auf dem Platz war zu hören, jeder Trainerkommentar bis auf die Tribüne wahrnehmbar. Einzig guter Fußball war kaum zu sehen. Und das lag nicht allein an der fehlenden Durchschlagskraft des HSV, der mit dem U23-Spieler Nils Brüning als einzige Spitze im 4-1-4-1-System anfing. Vielmehr war es der Tabellenzehnte (von zwölf) aus Dänemark, der den HSV kaum bis gar nicht zu fordern verstand – es sei denn, die HSV-Abwehr lud ein. Wie in der zweiten Minute, als der ansonsten vergleichsweise agile Zoltan Stieber den Ball unnötig in der eigenen Hälfte verlor und die Dänen frei zu Schuss kamen und nur den Pfosten trafen.

In der einseitigen Partie (Odense war über den Großteil des Spiels mit allen elf Spielern in der eigenen Hälfte) konnten die HSV-Profis schon mal erahnen, was am kommenden Sonnabend auf sie zukommt. Gegen die massierte Abwehr der Dänen fiel dem HSV dabei erneut nur sehr wenig ein. Bis auf Mohamed Gouaida in der vierten, Zoltan Stieber in der 44. Minute und zwei Fernschüssen Heiko Westermanns gab es keine Torszenen.

In der zweiten Hälfte brachte Zinnbauer dann Artjoms Rudnevs und den wieder nicht überzeugenden Innocent Emeghara. Gefährlich wurde es dennoch zunächst erneut durch Heiko Westermann – per Kopf nach einem Eckball Rafael van der Vaarts (48.). Und ebenfalls wieder durch individuelle Fehler. Diesmal war es Jaroslav Drobny, der auch für Köln gesetzt ist, der mit einem katastrophalen Fehlpass die Führung der Dänen einleitete. Mathias Peter Greve Petersen traf zum 1:0 für die Gäste.

Aber der HSV reagierte. In der 65. Minute wechselte Zinnbauer mit Green, Lasogga und Beister drei frische Offensivkräfte ein. Und das hatte Wirkung. Eine gute Viertelstunde vor Schluss zog Comebacker Maxi Beister einfach mal aus 25 Metern ab – und traf zum 1:1.

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Wobei Odenses Keeper bei dem Flachschuss in die Tormitte keine gute Figur machte. Und hätte Lasogga in der 81. Minute nicht nur den Innenpfosten getroffen – der HSV wäre tatsächlich als Sieger vom Platz gegangen. So aber bleib es beim eher enttäuschenden 1:1 gegen alles andere als starke Dänen bei der Erkenntnis, dass der HSV noch eine Menge Arbeit vor sich hat – zumal sich personell derzeit nichts tut. Tolgay Arslan steht vor der Wahl, zu Besiktas oder (tendenziell eher zu) Trabzonspor zu wechseln, kann sich aber noch nicht entscheiden. Bei Jospip Drmic kommt aktuell keine Bewegung rein (Beiersdorfer: „Seine Verpflichtung wird sehr schwer“), ebenso wenig bei Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe stand bei Inter Mailands 0:1-Niederlage gegen Torino sogar noch in der Startelf.

Fakt ist, dass es der HSV in der Bundesliga mit deutlich schwereren Kalibern zu tun bekommen wird als heute. Obgleich Zinnbauer die Frage in den Raum stellte: „Vielleicht waren die aber nicht nur schwach, sondern wir ganz ordentlich…“ Eine Frage, die auf den zweiten Abschnitt bezogen zutreffend ist. Dennoch weiß auch Zinnbauer, dass das Kernproblem, die fehlende Torgefahr, noch nicht behoben ist. „Wir brauchen mehr Torgefahr.“

Auf Maxi Beister, der davon trotz seines körperlichen Defizites noch am meisten ausstrahlt, wird sich Zinnbauer noch nicht stützen können. Obgleich ihn die Situation überlegen lässt. „Maxi fehlt noch etwas. Wir müssen schon überlegen, ob er für den Kader in Frage kommt.“ Bei Pierre Michel Lasogga – neben Biester der zweite positive Aspekt des Spiels – stellt sich diese Frage nicht. „Er wird im Kader sein gegen Köln. Wir werden unter der Woche dosiert mit ihm umgehen, ihn sehr konzentriert trainieren lassen. Aber er ist dabei. Wenn auch noch nicht über 90 Minuten.“

Überzeugend war heute der Auftritt von Heiko Westermann auf der Sechs. „Er hat das defensiv gewohnt gut gelöst und auch offensiv gute Szenen gehabt“, lobte Zinnbauer, der überlegt, Westermann auch gegen Köln auf die Sechs zu stellen. Zumindest für den Fall, dass bis dahin kein neuer Sechser verpflichtet werden kann. Zinnbauer: „Ich plane mit den Spielern die ich jetzt habe.“

Nicht mehr dabei sein werden Testspieler Emeghara und Ivo Ilicevic. Mit beiden wird sich Zinnbauer am Montag unterhalten und ihnen seine Entscheidung mitteilen. Genau so, wie er es heute mit Rene Adler gemacht hatte. „Ich habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass Drobo vorn ist. Er hat es sehr gut aufgenommen, die Entscheidung akzeptiert. Wir, Torwarttrainer Stefan Wächter und ich, sehen, dass Drobo seinen Vorsprung gehalten hat. Aber auch, dass ich Rene sehr gut eingefügt hat, sehr präsent ist.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dieter und ich verabschieden uns an dieser Stelle bis morgen, wo um zehn Uhr an der Arena trainiert wird.

 

Bis dahin,

Scholle

 

HSV (1.Hz.): Drobny – Götz, Djourou, Cléber, Marcos – Westermann – Müller, van der Vaart, Stieber, Gouaida – Brüning.

2.Hz.: Drobny – Jansen, Djourou (65. Kacar), Rajkovic, Ostrzolek – Westermann (65. Mende) – Müller (65. Beister), van der Vaart (65. Green), Stieber (65. Lasogga), Emeghara – Rudnevs.

 

PS: Bei der Gelegenheit: Vielen Dank für die Teilnehmer am Matz-ab-Abend vom Sonnabend. Es war wieder einmal toll und großartig und harmonisch, es hat allen viel Spaß gemacht – und das möchte ich hiermit noch kurz würdigen. In der Hoffnung, dass Ihr alle wieder gut nach Hause gekommen seid, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen (und wünsche allen einen guten Start in die neue Woche!),
Dieter

 

16.23 Uhr

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