Das war riesig – HSV gegen Bayern 0:0!

20. September 2014

Der HSV ist wieder da! 0:0 gegen die Bayern, ein traumhafter Einstand für den neuen Trainer Joe Zinnbauer. Damit hätten wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Das war eine Hamburger Mannschaft, die sich wehrte die alles gab, die sich zerriss, die die Marschroute ihres neuen Chefs ganz genau verfolgte. Zum Schluss war jeder Hamburger Spieler zwar absolut kaputt, aber sie hatten bis zur letzten Sekunde tapfer gekämpft, sich immer wieder in die Angriffe der Bayern geschmissen – das war die Auferstehung schlechthin, so darf es weitergehen. Schon am Mittwoch in Mönchengladbach. Zum Schluss der heutigen Partie, als es die Zeit den Münchnern davon zu laufen schien, pöbelten die Bayern wieder was dass Zeug hält. Schlechte Verlierer! Das ist so bitter, aber es muss wohl so sein. Selbst mit der B-Mannschaft dürfen die Münchner eben nicht beim Abstiegskandidaten in Hamburg zwei Punkte lassen . . . Aber es kann ja nicht immer mit neun Stück enden. Dabei hätten die Münchner nur in Bestbesetzung antreten müssen, dann wäre das Ding geritzt gewesen. So aber wirkten einige Stars ein wenig lustlos, weil sie sich zumuten lassen mussten, in dieser B-Vertretung mitkicken zu müssen. Die Münchner hatten sich ja extra Videos von Zinnbauers Zweiter schicken lassen, um so ergründen, wie der neue HSV wohl spielt, aber sie haben wohl ein wenig zu hochnäsig auf ihre Stars verzichtet. Glückwunsch, Joe Zinnbauer, das war mal ein großartiger Einstand, gegen die beste Vereinsmannschaft der Welt. Und der HSV schießt dann eben am Mittwoch sein erstes Tor!

 

 

Bei den Bayern saßen Xabi Alonso, Benatia, Lewandowski, Rode, Götze und Robben auf der Bank. Noch Fragen? Dazu waren Ribery, Schweinsteiger, Badstuber, Thiago und Martinez gar nicht erst im Kader. Diese Namen alle zusammen wären eine großartige Mannschaft, die wohl in jedem Bundesliga-Stadion siegen würde. Und sicher nicht nur da.

 

Der HSV aber spielte mit wie Mann mehr. Das Publikum war sofort da und half großartig, und am Spielfeldrand „tigerte“ Joe Zinnbauer auf und ab, gestikulierte und kommentierte fast alles. Ab und an setzte er sich auch hin, aber überwiegend hatte er „Hummeln im Hintern“. Gut so! Und immer wieder trieb der neue HSV-Coach seine Mannen da hinten raus, sie sollten nicht zu tief stehen. Eine mutige Maßnahme, aber bestimmt auch die richtige.

 

Ebenfalls gut: Der HSV hielt die Null, auch nach einer halben Stunde stand es noch torlos. Und die Bayern hatten keine großen Möglichkeiten. Weil der HSV kompakt stand, die Räume zustellte, und weil sich die Spieler gegenseitig halfen. Natürlich hatte der Rekordmeister mehr Ballbesitz, aber das sah dann auch nur bis kurz vor dem HSV-Strafraum gut aus. Der HSV hatte das in der Defensive im Griff. Wobei aber nach vorne nicht so viel ging – auch klar. Pierre-Michel Lasogga war zu oft allein in der Spitze, zog sich mitunter auch zu weit aus der Mitte raus, dazu wirkt er zurzeit alles andere als spritzig, eher ist das Gegenteil der Fall, er wirkt langsam und behäbig – er hat eben noch viel aufzuholen. Von den Außenpositionen kam dazu auch wenig nach vorne, Nicolai Müller war viel mit der Defensive beschäftigt, Zoltan Stieber wirkte mitunter zu zaghaft und unentschlossen in den Zweikämpfen.

 

Beim Halbzeitpfiff hieß es dann 0:0, und dieses 0:0 wurde noch mehr gefeiert, als das 0:0 in Köln vor Wochen. Vor allem im Norden brandete tosender Beifall auf, anscheinend hatte das in dieser Form keiner so wirklich erwartet. Alle Achtung, HSV!

 
Mit Beginn der zweiten Halbzeit drückte der FCB mehr und mehr auf die Tube, Trainer Pep Guardiola hatte wohl eine deftige Kabinen-Ansprache gehalten, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Und dann kamen auch noch Götze und Lewandowski, die Bayern wollten hier nicht mit einer Nullnummer vom Platz. Hatten aber das Glück, dass Nicolai Müller das 1:0 für den HSV vergab. Neuer eilte ihm entgegen, Müller spitzelte den ball am Nationalkeeper vorbei – aber leider auch am leeren Bayern-Gehäuse. Das wäre es doch gewesen. Immerhin, die Fans im Norden fanden den Mut wieder: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus . . .“ Wann durften die Hamburger Anhänger zuletzt einmal so etwas skandieren, gegen diese übermächtigen Bayern?
 

Und noch einmal durfte der HSV vom 1:0 träumen. Heiko Westermann lief mit nach vorne, wollte sicherlich aus der halblinken Position zu Lasogga flanken, aber der Balls segelte in Richtung langes Eck. Neuer hatte große Mühe, die Kugel zu halten – und die Zuschauer tobten vor Begeisterung (67. Min.). Danach aber nur noch die Bayern . . .

 

Ein Satz noch zu Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle). Er ermahnte – auf „Vorschlag“ von Nationaltorwart Neuer – Nicolai Müller, weil der sich vor den Münchner postiert hatte, um einen schnellen Abschlag zu verhindern (18. Min.). Die Frage, die „Scholle“ sich gestellt hat, ist die: „Ist das verboten?“ Müller hat da nur gestanden, hat Neuer ja nicht attackiert . . . Nun gut, es gab ja kein Gelb, dennoch ist „Scholles“ Frage ja nicht ganz so verkehrt. Und als Pizarro Valon Behrami an der Seitenlinie umschubste (beide kabbelten sich um einen Einwurf), gab es auch keine Karte. Im Gegenteil, der HSV-Profi schien dabei die schlechteren Karten beim Unparteiischen zu haben, er diskutierte länger mit ihm. Bayern-Bonus?

 
Es blieb – trotz vierminütiger Nachspielzeit – beim 0:0. Und Dingert gab Sekunden vor Schluss nach einem absichtlichen Handspiel von Neuer (an der Mittellinie) keine rote Karte . . . Da meckerte dann aber kein Bayern-Offizieller – so ist Fußball. Der Norden sang: „Ohne Schiri habt ihr keine Chance.“ Egal, es wurde gefeiert, dieser tolle und eigentlich unerwartete 0:0-Sieg!

 

Der HSV begann mit dieser Mannschaft: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami, Arslan; Müller, Holtby, Stieber; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny glänzte auch als Kopfballspieler (17. Min.), hielt ansonsten das souverän, was da gelegentlich du zum Schluss auch mal reichlich auf seinen Kasten zuflog. Die größte Tat vollbrachte der Tscheche in der 53. Minute, als er einen Schuss von Lahm (aus acht Metern) super hielt! Er gewann nun auch beim neuen Trainer das interne Duell gegen Rene Adler und bleibt erst einmal in der HSV-Kiste.

 

Dennis Diekmeier ließ auf seiner Seite kaum (bis auf die 61. Minute, als er Bernat laufen ließ) etwas zu, wirkte bissiger als sonst in der Defensive.

 

Johan Djourou erledigte seine Abwehrarbeit souverän, allerdings schien er dann, wenn er im Ballbesitz war und attackiert wurde, mitunter leicht nervös.

 

Heiko Westermann wurde von mir in die Mannschaft geschrieben, vielen Dank, dass das hier einige User auf Anhieb erkannt hatten – ich hatte schon vermutet, dass das hier total untergehen würde. Wer in Zukunft noch Vorschläge zu machen hat, wen ich noch mal in die Mannschaft schreiben kann und sollte, der möge sich bitte mindestens zwei Tage vor dem nächsten Spiel bei mir melden. Ansonsten gab es für „HW4“ in der 14. Minute den ersten Beifall, für eine Rückgabe per Kopf. Machte ansonsten eine aufmerksame Partie, ohne große Fehler zu produzieren.
Eine Note für den Innenverteidiger dürfen alle HSV-Fans für sich ganz allein ausmachen, ich enthalte mich mal ganz dezent und verweise mal auf die Kollegen in den hiesigen Zeitungen. Ich halte es nämlich sonst nicht mehr aus, das ist alles nur noch lächerlich . . . Es geht um einen Spieler des HSV, unseres HSV! Aber weiter so!

 

Matthias Ostrzolek begann ein wenig (zu) zögerlich, steigerte sich aber mit zunehmender Spieldauer auf das Prädikat „solide“.

 

Valon Behrami aggressiv in der Balleroberung, konnte als Zerstörer durchaus gefallen, lieferte auch ein enormes Pensum ab (Fleißnote eins!), müsste nur noch seine Quote der angekommenen Pässe deutlich verbessern.

 

Tolgay Arslan lief viel, sein Pensum konnte sich sehenlassen, das war eine ordentliche Vorstellung.

 

Nicolai Müller kann sicher noch mehr, aber er war nach vorne noch der größte Aktivposten des HSV. Vergab aber die beste Hamburger Möglichkeit (48.).

 

Lewis Holtby hob zu Beginn die Welt aus den Angeln, wollte viel, wollte alles, musste diese Tempo dann aber doch nach einer halben Stunde ein wenig drosseln. Zeigte aber einige sehr schöne Ansätze – und mischte körperlich auch tüchtig mit.

 

Zoltan Stieber sollte jeden Tag in die „Muckibude“, damit er kräftiger wird, mitunter schien er in seinen Zweikämpfen von vorherein auf verlorenem Posten. Hatte, wie Müller auf rechts, auch viel mit Defensivarbeiten zu tun, deswegen konnte er sich nach vorne hin wohl nicht so groß entfalten, wie er wohl wollte – und wir es erhoffen.

 

Pierre-Michel Lasogga war kaum zu sehen.

 

Petr Jiracek (ab 67. Min. für Arslan) durfte sich jetzt mal auf der Sechs versuchen – warum nicht? Er hätte eigentlich immer die Qualität, hier einen Stammplatz für sich zu beanspruchen – explodiert er jetzt mal bei diesem neuen Trainer?

 
Julian Green (ab 76. Min. für Lasogga) machte die letzten Minuten noch mit, aber nach vorne ging nicht wirklich was.

 

Matti Steinmann (ab 87. Min. für Müller) kam und setzte mal eine Marke. Er eigentlich weniger, dafür der Trainer, der sich auch gegen die Bayern nicht scheut. Ein solches Talent zu bringen.

 

PS: Gleich sind wir natürlich wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung. „Scholle“ ist wieder mit von der Partie, und dazu zwei tolle Gäste, nämlich die ehemaligen HSV-Profis Tobias Homp und Vahid Hashemian. Wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder zahlreich – wie zuletzt immer – zusehen würdet.

17.34 Uhr

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