Beister: Zinnbauer hat mich nicht erkannt

21. Oktober 2014

Er sieht gut aus. Er fühlt sich nur nicht so. „Ich bin ein wenig erkältet“, so der Reha-Patient heute, „aber der Rest funktioniert schon wieder ganz gut.“ Soll heißen: Sportlich und körperlich geht es bergauf – da fällt ein Schnupfen nicht mehr so ins Gewicht. Im Gegenteil, er hält Maxi Beister nicht davon ab, gute Laune zu verbreiten, nachdem er endlich auch in Hamburg wieder mit dem Ball trainieren darf. Eine gute Stunde lang „quälte“ ihn Rehatrainer Markus Günther allein auf dem Trainingsplatz. Und diese Schinderei hat Beister genossen. „Es ist ein tolles Gefühl, ein zweiter Höhepunkt. Wie beim ersten Mal, als ich schmerzfrei Balltraining absolvieren konnte.“

 

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Genauso wie es zwei Höhepunkte gab und gibt, genauso gab es auch zwei Tiefpunkte. Zumindest nennt Beister die Momente seiner Verletzung und des Rückschlages im Sommer so. „Das war bitter. Beide Male. Die zweite Operation hat mich noch mal sechs Wochen mehr Pause gekostet. Und vor allem die zwei Wochen nach der zweiten OP waren echt hart.“ Dennoch, den Glauben verloren hat Beister natürlich nie. Dafür ist seine Karriere und vor allem auch noch zu jung. Ebenso wie sein bester Freund Edgar, den es noch härter erwischt hat. „Er hat mit mir in Düsseldorf zusammen Rahe gemacht. Es war schön und motivierend für uns beide, das zusammen zu machen“, erzählt Beister, der im Gegensatz zu Edgar (spielte früher mit Beister beim HSV in der A-Jugend und die Reha war der Abschluss seiner Bemühungen) weiter von einer großen Karriere als Fußballprofi träumen kann.

Allerdings scheinen die Verletzungen Beister Demut geschult zu haben. Und wenn ich lese, dass sich Beister den Innen- und den Außenmeniskus gerissen hat, dazu das Kreuzband sowie einen Knorpelschaden hat, dann war das auch schon keine erste Warnung mehr, sondern schon der Schlag mit dem Holzhammer. Vor 30 Jahren wäre dieser Grad der Verletzung das Karriereende gewesen. Fragt mal bei Holger Hieronymus nach. Und ich selbst mussten nach Knorpelschäden in beiden Knien sowie einem Kreuzbandriss links mit 33 Jahren aufhören Fußball zu spielen – obwohl ich nur im Amateurbereich aktiv war.

Und obgleich er davon ablenkt, spürt man, dass Beister die Vergänglichkeit des großen Traumes vom gefeierten Fußballprofi vor Augen hatte. Ein Indiz dafür ist die erkölärte Absicht, sich auch jetzt schon „auf die Karreiere danach“ vorbereiten zu wollen. Nachdem er eine Nachhilfeschule und einen eigenen Fußballklub (SC Lüneburg) gegründet hat, plant Beister bereits sein drittes Projekt abseits des Fußballplatzes. Diesmal hat er zusammen mit zwei Freunden eine Idee im Cateringbereich zum Inhalt seiner eigens dafür gegründeten GmbH gemacht. Was das genau ist, wollte Beister noch nicht verraten. Im Gegenteil, gerade in dem Moment, in dem er so richtig ins Schwärmen kommt, pfeift er sich selbst zurück. „Aber klar ist, das geht nur, weil ich da nicht Hauptverantwortlich bin. Ich kann mich nebenbei kümmern. Denn Priorität hat unverändert der HSV.“

Und da ist er seit Sonnabend wieder. Nachdem er zwei Wochen am Ball trainiert hatte, war es soweit: „Ich hatte gesagt, wenn ich mich sicher und stabil fühle, komme ich nach Hamburg zurück. Der Kontakt war immer da – und es gab nie Druck vom Verein“, so Beister, der erst nach dem Hoffenheim-Spiel seinen neuen Trainer richtig kennenlernen konnte. „Joe Zinnbauer und ich haben uns nach dem Spiel zusammengesetzt und gesprochen. Bisher kannte ich ihn nur aus einer Spielnachbesprechung des Bayern-Spiels – und aus der U23-Kabine. Wobei das sehr lustig war“, erzählt Beister und lacht. Denn zu Beginn der Sommervorbereitung hatte Beister seine alten Kameraden in der U23 besucht, saß bei dem Nachwuchs in der Kabine, als Zinnbauer mit einem Zettel in der Hand reinkam. „Damals hatten sie eine Unzahl von Testspielern jeden Tag“, lacht Beister schon vor der eigentlichen Pointe, „und als er mich aus dem Augenwinkel da sitzen sah, fragte er nur kurz: ‚Und, wer bist Du?’. Erst als ich nicht antwortete schaute er mich an und fing an zu lachen. Das war eine nette Art, sich kennenzulernen“, so Beister, der unter Zinnbauers Vorgänger Mirko Slomka keine Trainingseinheit auf dem Platz absolvieren konnte. „Ich bin seit zehn Monaten raus und habe ihn sozusagen übersprungen, was sehr schade ist.“

Stimmt. Allerdings meidet Beister aus verständlichen Gründen den Blick zurück und freut sich darauf, in Hamburg wieder angreifen zu können. Im Winter will er wieder zur Mannschaft. „In der Vorberteitung auf die Rückrunde will ich wieder voll dabei sein“, so Beister, der bis dahin alle Möglichkeiten ausschöpfen will, Spielpraxis zu sammeln. „Egal ob Trainingsspiel, Testspiel oder U23-Einsatz, ich werde alles mitnehmen, was möglich ist und was mich stärker macht. Denn mein Ziel ist und bleibt: Ich will wieder bei 100 Prozent stehen, wenn ich wieder für den HSV in der Bundesliga auflaufe.“

Klingt gut. Zumindest wäre er mit 100 Prozent zweifelsfrei eine große Verstärkung für das Offensivspiel des HSV. Wie er die Entwicklung in seinem HSV sieht? „Sehrt gut. Die ersten Entscheidungen der neuen Führung haben allemal Hand und Fuß. Und auch der Trainer vermittelt einen super Eindruck. Er ist höchstmotiviert, im größten Maße motivierend und ein fachmännisch komplett überzeugender Trainer. Was er sagt, passt. Und er spricht die Dinge klar und ohne Umschweife an. Das ist gut“, lobt Beister den Trainer, der ihn als nächstes einsetzen wird. Wenn alles gut läuft, vielleicht ja schon zum Start der Rückrunde. Ich wünsche es ihm. Und uns.

Bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

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