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5:6 gegen Wolfsburg – HSV spielt “nur” um Platz drei

26. Juli 2014

Endlich Bundesligaflair. Unter viel Applaus wurde der HSV von den knapp 1000 Fans im Vorfeld des Telekom-Cups auf der Bühne vor der Imtech-Arena empfangen. Die neuen Trikots jedenfalls kommen schon mal sehr gut an. Auch bei mir. Obgleich mir die Ähnlichkeit zu alten Sampdoria-Trikots nicht sonderlich sympathisch ist, sehen sie gut aus. Auch live im Spiel. So gesehen von den knapp 40000 Fans heute gegen den VfL Wolfsburg, den nicht wenige Experten am Saisonende auf einem Champions-League-Platz wähnen. Obgleich sein Trikot nicht annähernd so cool aussieht wie das unsere…

Mit zwei nominellen Spitzen begann der HSV – und mit einem ordentlich spielenden Kacar in der Innenverteidigung neben Johan Djourou. Und die erste Halbzeit (nur 30 Minuten lang) sah ordentlich aus. Der HSV stand sicher und setzte das um, was im Training geübt wurde: Das Umschaltspiel. Immer wieder wurde nach Ballgewinnen schnell umgeschaltet – und das aus einer alles andere als defensiv eingestellten Mannschaft heraus. Insbesondere über Jansen und Ilicevic wurden die Angriffe schnell gemacht. Rechts überholte Diekmeier, um den Ball n den Lauf zu bekommen. Und links – da sollte es Jiracek ebenso machen, was zunächst nur selten gelang. Aber genau so eine Szene war dann auch die erste große Chance im Spiel. Ilicevic schickte Diekmeier über rechts, der legte quer auf den freistehenden Rudnevs. Allerdings traf der 13 Meter vor dem Kasten freistehende „alte Neuzugang“ den Ball nicht. Und den guten Nachschuss von Jiracek konnte Wolfsburgs Keeper parieren.

Die Niedersachsen, bei denen von den WM-Fahrern nur der Ex-HSVer Ivica Olic mitwirkte, kamen durch einen Kopfball von Naldo nach einer Jung-Ecke zu ihrer besten Chance (abgesehen vom Freistoß in der 30.). Denn ansonsten hatte der HSV ein Übergewicht, dem lediglich der Führungstreffer zur Vollendung fehlte. Leider auch in der 24. Minute, als Marcell Jansen links durch war, flach in den Sechzehner flankte, wo der für mich auffälligste und überall zu findende Hamburger, Ivo Ilicevic, verzog. Es war ein Testspiel auf gutem Niveau.

Und das hielt sich. Auch in der zweiten Hälfte, in der HSV-Trainer Mirko Slomka zu Beginn van der Vaart für Lasogga und Skjelbred für Badelj brachte. Und der HSV-Kapitän war es dann auch, der die Saison für den HSV offiziell eröffnete – dachten alle. Über Lautsprecher lief schon Scooter, ehe langsam durchsickerte, dass es abseits war. Eine vertretbare Entscheidung, da Jiracek auf Höhe der Fünfmeterlinie dem Gästekeeper die Sicht nahm. Ergo: Es blieb beim 0:0.

Auch, weil Adler bärenstark hielt. Allein in der Minute 50 bis 52 parierte er gleich dreimal großartig. Zunächst gegen VfL-Zugang Hunt, der völlig frei vor ihm auftauchte und mit einem Heber versuchte, den ehemaligen und endlich wieder genesenen Nationalkeeper zu überwinden. Und anschließend gleich zweimal nasch Wolfsburger Eckbällen. Erst gegen Naldo, dann gegen Arnold. Und nachdem Djourou in der 56. Minute seinerseits nach einer Ecke eine gute Chance verpasste, kam es zum Elfmeterschießen.

Als Erster tart van der Vaart an – und traf, obwohl VfL-Keeper die Ecke erahnt hatt. Nachdem Wolfsburgs Naldo Adler verladen ausgeglichen hatte trat Djourou an – und traf. Sebastian Jung glich souverän aus, ehe Zugang Stieber antrat. Der einzig echte Neue auf dem Platz traf souverän und erhöhte den Druck auf VfL-Zugang Hunt. Dachte man. Allerdings traf der Ex-Werderaner locker zum 3:3. Jiracek erhöhte auf 4:3 und Arnold glich aus. Als auch Ilicevic getroffen hatte, musste Vierinha treffen – und tat das. 5:5 – also kam es zum Sudden Death. Demirbay tart für den HSV an und traf nur die Latte – also musste Adler halten. Malanda jedoch traf sicher – und somit spielt der HSV am Sonntag „nur“ um Platz drei.

HSV: Adler – Diekmeier (55. Westermann), Kacar, Djourou, Jiracek – Arslan (55. Demirbay), Badelj (46. Skjelbred) –Ilicevic, Jansen (45. Stieber) – Lasogga (46. Van der Vaart), Rudnevs (45. Zoua).

Und obwohl die erste Titelmöglichkeit vergeben ist, hat der HSV Großes vor. Zumindest kündigte Beiersdorfer das heute – mit aller Vorsicht – an. „Natürlich wollen auch wir hier wieder internationalen Fußball sehen“, hatte Dietmar Beiersdorfer vor dem Spiel bei der Präsentation der Mannschaft auf der Bühne gesagt und zugleich gewarnt: „Aber dafür werden wir Zeit brauchen. Und Geduld.“ Eben das, was gestern Kern meines Blogs war, gilt weiterhin. Und obgleich Beiersdorfer nicht generell ausschließen wollte, dass im am Montag beginnenden Trainingslager noch ein Zugang (oder mehrere) zur Mannschaft stößt, freut es mich zu hören, dass der HSV sich nicht mehr auf Klaus Michael Kühne verlassen will und seinerseits neue Geldquellen sucht. Denn die Zeit läuft dem HSV weg. Nicolai Müller hat inzwischen neben dem HSV-Angebot eine schriftliche Offerte aus Hannover vorliegen. Wobei: Von wem auch sonst? Irgendwie ist Hannover an allen potenziellen Zugängen des HSV Mitbieter…. Aber egal. Solange der HSV letztlich die Spieler bekommt, die er braucht, ist das egal. Und Beiersdorfer hätte schon zwei Verstärkungen unter Vertrag genommen, wenn ihm auch nur annähernd der Betrag zur Verfügung gestanden hätte, der ihm bei seiner Zusage im Gespräch mit Karl Gernandt und Kühne avisiert worden war. Und die These, der HSV streut das Gerücht des zögerlichen Kühnes selbst, um die anderen Klubs nicht an einen reichen HSV glauben zu lassen ist in der Tat schon sehr interessant. Aber leider nur sehr schwer nachvollziehbar.

„Ich habe vertrauen in Didi“, hatte Marcell Jansen am Freitag gesagt – und damit das gesagt, was in Hamburg momentan offenbar zu viele glauben: Didi holen – und alles wird gut. Aber das ist mitnichten so. Ich weiß, dass Beiersdorfer unmittelbar vor seinem Dienstantritt als AG-Vorstandsboss überlegt hatte, wieder hinzuschmeißen, weil sich in seinem nächsten Umfeld plötzlich keiner mehr an sein zuvor gegebenes Wort gebunden fühlte. Und ich kann nur hoffen, dass sich das noch ändert und dem „Heilsbringer“ auch endlich die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden, die er benötigt, um den HSV nach seinen Vorstellungen zu verstärken. Auch deshalb freue ich mich darüber, dass Alexander Otto angeblich mit Beiersdorfer in Kontakt steht. Zunächst soll es um eine Anschubfinanzierung für das Campus-Projekt gehen – aber langfristig wäre Otto sicherlich die optimale Verstärkung auf dem Weg zu Verstärkungen. Als gebürtiger Hamburger, Milliardär und ehemaliger Aufsichtsratsboss des HSV…

Aber okay, die Wahrscheinlichkeit, dass Otto dem HSV ähnliche Beträge zukommen lässt, wie Kühne versprochen hatte, ist gering. Allerdings: träumen muss erlaubt sein. Zumal dann, wenn es aktuell das einzige ist, was uns übrig bleibt. Wobei ich auch klarstellen möchte, dass ich diesen HSV aktuell für deutlich stärker einschätze als den der Vorsaison. Auch, weil ein Rafael van der Vaart anscheinend wieder in Form kommt. „Rafael präsentiert sich frisch, stark und kann alles mitmachen. Er kann wieder ein Schlüsselspieler für uns werden“, hatte Slomka vor wenigen Tagen gesagt. Hoffentlich behält er Recht.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit dem Spiel um Platz drei – und Dieter an der Tastatur. Ich melde mich am Montag wieder bei Euch. Dann aus dem Trainingslager in Österreich.

Scholle

P.S.: Einen ganz besonderen Gruß schicke ich heute nach Laboe, zu Marina…!

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