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Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

Stadionverkauf wird diskutiert – hoffentlich nicht mehr lange…

15. Mai 2013

Und Ihr denkt, Ihr habt Probleme? Mitnichten. Das Spielhaus, das wir für unseren Lütten im Garten aufgebaut haben ist ein Problem. Zumindest für unseren Nachbarn, der sich schnellstmöglich bei unserer Verwaltung gemeldet hat – bevor er mich angesprochen hat. Jetzt sollen wir alles zurückbauen und das wiederum missfällt meiner Frau. Zurecht, denn es steckt sehr viel Arbeit drin und jetzt auch wieder sehr viel Arbeit vor uns. Und das mit einem hausgemachten Problem. Hätten wir vorher gefragt, wäre ja „alles gar kein Problem“ gewesen. Sagt der Nachbar. Meint er aber nicht. Und deshalb haben wir jetzt ein Problem. Auch mit ihm.

Warum ich das Ganze schreibe? Weil es mich sehr an den HSV erinnert, der sich immer wieder selbst vor Probleme stellt, weil die Kommunikation schief läuft. Eben so, wie bei den Finanzproblemen des HSV, die hier im Blog seit Jahren beschrieben wurden und bei denen sich bis heute noch Blogger hinstellen, die das leugnen. Aber okay, das Minus ist amtlich, die Not so groß, dass jetzt sogar der Verkauf des Stadions diskutiert wird. Ein Vorgehen, das mit Sicherheit einen tiefen Graben in die Mitgliedschaft ziehen würde, sollte an dem Gedanken festgehalten werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Verkauf jemals Wirklichkeit wird. Oder besser: ich hoffe es ganz stark. Denn der HSV hat für mich nur eine Heimat – und das ist die Imtech-Arena.

Vielmehr sollte der Vorstand in der Lage sein, das Minus anders einzudämmen. Gerade ein vereinsintern so umjubelter Vermarktungsprofi wie Joachim Hilke sollte in der Lage sein, dem HSV neue Geldquellen zu öffnen. Wobei ich die erneute Erhöhung der Dauerkarten damit nicht meine. Gestern schrieb mich ein Blogger an, er habe seine Dauerkarte erneut bestellt und müsse jetzt 13 Prozent mehr bezahlen. Er ärgerte sich fürchterlich, meinte dann aber, er sei halt HSVer und habe ja keine andere Wahl, wenn er seinen Verein nicht künftig ausschließlich vor dem TV verfolgen wolle.

Stimmt.

Aber Freunde macht sich der HSV damit keine neuen. Im Gegenteil. Die Grenze der Ticketpreise hat der HSV in meinen Augen längst erreicht. Der HSV ist im Bundesligavergleich im oberen Drittel angesiedelt, hat bei Top-Spielen sogar Spitzenpreise. Und schon jetzt gibt es dauerhafte Proteste der Fanvereinigungen, die sich ausweiten werden. Auch nach Hamburg. Da bin ich mir inzwischen sicher.

Und es ist auch verständlich. Immerhin hat der HSV seit Jahren einen Zuschauerschnitt jenseits der 50000-er-Marke. Dass der Verein wachsen will und dafür Geld braucht, ist auch völlig okay. Aber er muss intern wachsen können, mit neuen Sponsoren und nicht immer nur auf Kosten der Anhängerschaft. Der HSV ist das Bundesliga-Urgestein mit einem Jahresumsatz jenseits der 100-Millionen Euro. Da sollte es machbar sein, einen Kader zusammenzustellen und zu finanzieren, der international spielt. Denn das wiederum würde bedeuten, dass es mehr Pflichtspiele als aktuell gibt – und diese Mehreinnahmen sollten eine erneute Ticketpreis-Erhöhung vermeidbar machen.

Das Argument, dass der Stadionbesucher auch den höheren Preis bezahlt, zieht zwar noch – aber es kann sich schneller drehen, als es den Verantwortlichen hier recht ist. Zumal dann, wenn sich die sportliche Leistung nicht verbessert. Mit welchem Argument zahle ich aktuell mehr für den HSV als vor vier, fünf Jahren, als der HSV noch international spielte. Damals spielte der HSV zweifellos attraktiveren Fußball als heute – und der Fan musste dafür nicht so tief in die Tasche greifen wie jetzt. Und schon gar nicht so tief wie in der kommenden Saison.

Der HSV geht ein hohes Risiko und macht seine Marke exklusiv weil teuer – sogar mit Erfolg. Noch. Aber was passiert, wenn die Fans irgendwann wegbleiben und plötzlich man plötzlich wieder den Stand aus dem alten Volksparkstadion mit 25000 Zuschauern gegen Teams wie Mainz, Augsburg, Wolfsburg etc. hätte? Ich glaube nicht, dass das hier irgendwer will. Ebenso wenig wie ein verkauftes Stadion.

Deshalb muss der aktuelle HSV-Vorstand ein Konzept entwickeln, wie man den andauernden Verlusten entgegenwirkt. Das hat schon lange nichts mehr mit den Altlasten allein zu tun. Nein, dieser HSV macht weiter Minus – mit neuen Oberen, die sich dafür verantworten müssen. Heute sind es Scheel, Jarchow, Arnesen und Hilke, die einen Weg finden müssen, den HSV zu verbessern, ohne die Kosten dafür auf die eigenen Anhänger abzuwälzen.

Aber okay, noch besteht ja sogar die Chance auf einen internationalen Wettbewerb. Wenn auch klein, die Möglichkeit ist da. Allerdings mit einer hammerharten Aufgabe gegen den Dritten Bayer Leverkusen. Heute konnte Trainer Thorsten Fink zwar wieder alle Spieler (bis auf die Dauerverletzten Arslan und Berg) auf dem Platz begrüßen. Und er hatte auch gleich mal wieder eine Idee. Eine überraschende sogar. „Gegen einen so starken Gegner wie Leverkusen muss man vielleicht auch mal was Besonderes versuchen“, so Fink, der dafür ein 3-5-1-1-System einstudierte. Dabei agierten Bruma, Westermann und Rajkovic in der Dreierkette nebeneinander, leicht vorgezogen Diekmeier über rechts und Jansen über links. Badelj machte die einzige Sechs, Jiracek kam über die rechte Seite, Aogo über lins, während van der Vaart hinter der einzigen echten Spitze Son spielte. Musste die Mannschaft auf defensive umschalten, hatte Fink plötzlich ein 5-4-1-System, als mit Diekmeier und Jansen in der Abwehrkette. Vorteil hierbei: „Leverkusen ist nicht nur bei Kontern sondern auch mit ihren vielen Kopfballspielern gefährlich“, so Fink, der mit Bruma statt Rincon so einen Kopfballspezialisten mehr auf dem Platz hätte.

Allerdings wirkte diese Formation nicht so eingespielt, dass Fink sie sofort einsetzen könnte. Im Gegenteil: bei einem letzten Spiel, in dem es um viel geht, wäre das Risiko größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert. Und mal angenommen, der Fink’sche Versuch ginge nach hinten los – das Echo darauf wäre gewaltig. Ich glaube nicht, dass Fink das riskiert.

Warum auch? Gegen Hoffenheim hat der HSV nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt und verdient mit 4:1 gewonnen. Dabei entscheidend war sicher auch wieder Heung Min Son, dessen Zukunft nach Saisonende zügig geklärt werden soll. Auf die Nachfrage, wann das passiert, antwortete mir Jarchow heute: „Es gibt noch keinen Termin.“ Aber man werde es sicher nicht zu weit nach hinten hinauszögern. Die gleiche Frage beantwortete mir Sons Berater Thies Bliemeister: „Wir haben noch keinen Fahrplan. Aber wenn das letzte Spiel gespielt ist, haben wir Zeit, uns hinzusetzen und alles zu besprechen. Es ist auch möglich, dass Son bleibt.“

Klingt nach Abschied. Mal wieder. Aber bevor ich jetzt von Tag zu Tag hin und her wechsele, lasse ich es lieber ganz und warte ab, bis es ein Ergebnis gibt. Denn, das sagte Bliemeister auch, der BVB ist längst noch nicht aus dem Poker um Son ausgestiegen. Allerdings, wenn ich mir die Namen der anderen Kandidaten durchlese, dürfte Son nicht allererste Wahl sein.

Erste Wahl war Scharner bei Wigan. Die allerdings sind seit dem 1:4 gegen Arsenal am Dienstag zweitklassig, womit sich Scharners Zukunft auf der Insel trotz der ihm gewidmeten, imposant zahlreichen Lobeshymnen der Wigan-Fans geklärt hat. Der Österreicher hatte vor seinem Leihwechsel gesagt, auf keinen Fall zweitklassig spielen zu wollen und beteuerte den extra angereisten Fink und Arnesen, dass er zurückkommen wolle – und wird. Und das finde ich gar nicht so schlecht. Denn wer sich in der Premier League gut verkauft, dürfte auch das zeug haben, dem HSV zu helfen. Und gerade auf der Innenverteidigerposition hat der HSV Nachholbedarf, den Scharner vielleicht lösen kann. Und da auch noch vergleichsweise günstig…

Und jetzt Daumen drücken – für die U23, die gerade beim SC Victoria ein wegweisendes Spiel im Abstiegskampf bestreitet.

Bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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