Allgemein

Drobny fällt lange aus – aber Labbadia macht Mut

21. Mai 2015

Noch mal herunterfahren. Einmal noch, bevor es so richtig ernst wird. Die Mannschaft macht das in Malente, wo heute einmal am Vormittag trainiert wurde, während am Nachmittag frei war und wo morgen Vormittag frei ist und erst am Nachmittag trainiert wird. „Wir werden die Zeit miteinander nutzen, um uns noch mal zu entspannen und Kräfte zu sammeln“, so Trainer Bruno Labbadia heute nach der Presserunde. Irgendwelche besonderen, teambildenden Maßnahmen wolle er nicht ergreifen. „Hier wollen wir die Zeit einfach für uns nutzen, gut trainieren, genügend schlafen und uns miteinander beschäftigen. Wie gestern, wo die Jungs Karten gespielt haben oder sich einfach unterhalten haben.“

Dennoch hatte die lange Freizeit heute einen Grund. Einen guten sogar, denn Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz reiste am Nachmittag nach Malente, um den Spielern noch mal persönlich alles Gute für das Finale am Sonnabend zu wünschen. „Es war mir ein besonderes Anliegen, die Mannschaft in Malente persönlich zu besuchen und ihr alles Gute zu wünschen für das Saisonfinale gegen Schalke“, so Scholz über seinen spontanen Besuch. Eine gute Idee!

v.l. Trainer Bruno Labbadia, Peter Knaebel (Direktor Profifussball), Olaf Scholz (Erster Buergermeister Hamburg), Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer Fussball Hamburger SV, Kurztrainingslager in Malente (Kreis Ostholstein) im Uwe Seeler Fussball Park

v.l. Trainer Bruno Labbadia, Peter Knaebel (Direktor Profifussball), Olaf Scholz (Erster Buergermeister Hamburg), Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer
Fussball Hamburger SV, Kurztrainingslager in Malente (Kreis Ostholstein) im Uwe Seeler Fussball Park

Ideen haben die Fans auch. Supporterschef Tim Oliver („Timo“) Horn traf sich am Mittwochabend mit rund 20 interessierten Fans, um mögliche Aktionen für den Sonnabend zu besprechen. Zwar wird es aus zeitlichen Gründen keine überdimensionale Choreo mehr geben, dafür soll die Mannschaft schon im Vorfeld erfahren, dass wirklich alle hinter ihr stehen werden. „Wir wollen der Mannschaft zeigen, dass alle zusammen noch einmal alles mobilisieren. Dass wir alle noch einmal für 90 Minuten allen Frust der letzten Wochen und Monate vergessen und alles außen vor lassen, was dem Erfolg gegen Schalke im Weg steht“, so Horn. Dafür treffen sich um 13.30 Uhr Fans am Stellinger Bahnhof, um gemeinsam gen Stadion zu marschieren. Dort angekommen soll der zu 14.15 Uhr erwartete Mannschaftsbus empfangen werden und möglicherweise noch eine kleine Rundtour durch ein Spalier von Fans nehmen. „Am Sonnabend sind alle HSVer aufgerufen, ihre Raute zu zeigen, die Fahnen aus den Fenstern zu hängen und der Mannschaft die maximale Unterstützung zukommen zu lassen“, sagt Horn, der selbst noch fest an den Klassenerhalt glaubt. Und auch hier muss ich konstatieren: Eine sehr gute Idee. Denn tatsächlich gilt für Sonnabend nichts anderes als 100 Prozent Unterstützung. Kein HSVer, da lege ich mich fest, kann sich den Abstieg wirklich wünschen. Oder?

Ich wünsche ihn mir nicht. Und egal wie unverdient der Klassenerhalt letztlich auch wäre, ich würde mich freuen. Freuen und hoffen, dass diese Saison bei den Verantwortlichen die entsprechenden Spuren hinterlassen hat. Am Dienstag trat wie geschrieben, der Aufsichtsrat zusammen und besprach die unterschiedlichen Szenarien inklusive der dazugehörigen personellen Strukturen. Dabei erhielt Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer das klare Signal, dass man mit ihm auch im Abstiegsfall weiterarbeiten wolle. Sicherlich nicht selbstverständlich, aber richtig, wie ich finde. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Beiersdorfer die Fehler dieser Saison erkannt hat und mit ein wenig mehr Anlauf gegensteuern kann. Zumindest hat er dem Vernehmen nach mit Knäbel – in welcher Aufgabenverteilung auch immer – in den letzten Wochen bereits wichtige Personalien auf den Weg gebracht. Intern wie extern.

Aber egal wie, ich hatte versprochen, diese Woche mein Augenmerk auf die Mannschaft und dieses eine Endspiel legen zu wollen. Und dabei mussten wir heute frühe einen Tiefschlag wegstecken: Jaroslav Drobny fällt mit Schultereckgelenkssprengung für knapp drei Monate aus. „Eine bittere Nachricht für ihn und uns alle“, so Labbadia, der sichtlich mitgenommen wirkte: „Drobo ist mit seiner positiven Art enorm wichtig für die Mannschaft und sein Ausfall hat uns alle getroffen. Seine Verletzung ist so eine richtige Kackverletzung, gerade für Keeper. Und sie hat uns alle getroffen.“ Schon deshalb sei es Pflicht, die Klasse zu halten. Immerhin wäre Drobny frühestens zum Start der Ersten Bundesliga (14. Bis 17. August) wieder fit – dagegen sicher nicht für den der Zweiten Liga (24.7.).

Für Drobny reiste Alexander Brunst nach, der in den letzten Wochen im Training einen immer besseren Eindruck hinterlässt. Der junge Keeper hielt nicht mehr nur gut, sondern er dirigierte seine Vorderleute unabhängig von deren Namen lautstark. Dabei sparte der 19-Jährige nicht mit Kritik, wenn sie angebracht war. Inwieweit ein solches Finale schon für den 19-Jährigen gemacht ist – ich vermag es nicht zu beurteilen. Allerdings ist es oft nicht so schlecht, wenn ein Keeper bei seinem Debüt keine Zeit zu Nachdenken über eben jenes hat. Und so wäre es. Denn für Sonnabend ist Rene Adler selbstverständlich gesetzt. Und: Was Drobnys Ausfall für den Fall eines Abstieges hätte, werde ich hier heute noch bewusst aussparen und erst dann thematisieren, wenn es wirklich soweit sein sollte.

Neben Drobny fallen gegen Schalke auch der gesperrte Rafael van der Vaart (10. Gelbe) und voraussichtlich auch Marcell Jansen (Oberschenkelprobleme) aus. Zwei Positionen gilt es somit neu zu besetzen. Und glaubt man den Worten Labbadias, soll es auch dabei bleiben. Der Trainer, der für mich von allen HSVern seit Wochen den besten, weil souveränsten Eindruck hinterlässt, ließ heute wieder durchblicken, möglichst wenig ändern zu wollen. Ihm ginge es jetzt vor allem darum, die Spieler zu stützen, ihnen die nötige Traute einzuimpfen. „Wir sprechen hier viel. Aber dabei geht es mir nicht darum, herauszufinden, ob jemand eventuell dem Druck nicht standhält. Meine Aufgabe ist jetzt, diese Mannschaft zu stützen und ihr Impulse zu geben, am Sonnabend erfolgreich zu spielen. Und dabei sind wir hier in Malente einen Schritt weitergekommen.“

Hoffen wir es.

Auf der Suche nach einem Ersatz für Rafael van der Vaart scheint aktuell Petr Jiracek die Nase vorn zu haben. Zumindest ließ Bruno Labbadia den Tschechen die meiste Zeit auf der Sechs neben dem gesetzten Gojko Kacar agieren. „Drei Leute kommen in Frage“, so Labbadia, „das kann Jira sein, dass kann ein Holtby sein. Das kann aber auch ein Marcelo Diaz werden. Die Abwägung hier ist schwierig – aber das kennen wir. Das ist am Ende auch ein wenig Bauchgefühl und Glück. Bei dem einen oder anderen müssen wir das Risiko eingehen, nicht zu wissen, wo er steht. Aber diese Situation kennen wir.“ Als Entscheidungskriterium sei vor allem wichtig, welches Spiel seine Mannschaft spielen muss. Soll heißen: Die spielerische Lösung ist trotz der zuletzt langen Pause Marcelo Diaz, der das Spiel von hinten raus lenken kann. Die kämpferische Lösung wäre Jiracek, während Holtby die offensive Variante darstellt.

Labbadia macht das, was zu machen ist. Er fordert Zusammenhalt, und er demonstriert Zusammenhalt. Der HSV-Trainer stellt sich trotz aller Verärgerung über die Leistungen gegen Freiburg und vor allem Stuttgart vor seine Mannschaft. „Wir haben einige Tore geschossen, weniger gefangen. Die Tendenz müssen wir bestätigen. Vor allem aber zeigt sie uns, dass wir in den letzten Wochen ein Stück weit enger zusammengewachsen sind, geschlossener auftreten. Und darauf bauen wir auf. Nur so werden wir Erfolg haben.“

Worte, die Pierre Michel Lasogga, Rene Adler, Heiko Westermann und Co. am Sonnabend hoffentlich mit Leben füllen. Und da morgen Lars für Euch berichten wird, erlaubt mir bitte noch ein zwei Worte in eigener Sache: Ich werde bis Sonnabend 17.20 Uhr oder meinetwegen auch noch später, wenn sich das Spiel länger zieht, nicht die Hoffnung aufgeben, dass dieser HSV in der Ersten Liga bleibt. Weil ich es will. Ob es verdient wäre, weshalb es überhaupt so eng geworden ist und wer welchen Fehler gemacht hat, werde ich gern ab Sonntag hier diskutieren. Obgleich diese Diskussion sehr wohl auch jetzt schon legitim ist, möchte ich bis dahin alles ausblenden, was mich in den letzten Wochen – nein: Jahren – frustriert hat. Und das friedlich. Timo Horn bat mich darum, hier noch einmal darauf hinzuweisen, dass bei allem Ärger und aller Freude Gewaltlosigkeit oberste Prämisse sein muss. Und ich komme diesem Wunsch nur zu gern nach, wobei ich fest davon überzeugt bin, dass die HSV-Fans den Anstand walten lassen werden, den es auch in den bittersten Stunden zu bewahren gilt. Alles andere würde mich bei dem einzigen immer erstligareifen Teil des HSV jedenfalls arg verwundern…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit Lars. Ich werde mich am Sonnabend nach dem Spiel mit Dieter zusammen zur letzten Matz-ab-live-Sendung dieser Saison melden, sofern am Ende nicht die Relegation erreicht wird. Bis dahin,

Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »