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Kreuzer glaubt an HSV-Klassenerhalt gegen “saustarke Karlsruher”

25. Mai 2015

Um 16.30 Uhr sollte es losgehen gen Malente, Teil Zwei. Die gesamte Mannschaft (ohne Valon Behrami) reiste per Mannschaftsbus in das Fußballzentrum des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes. „Unsere Burg“, wie Trainer Bruno Labbadia das knapp 20 Meter über den Trainingsplätzen erhöht auf einen Hügel gebaute liebevoll nannte. Morgen Mittag wird vor Ort trainiert, am Mittwoch geht es nach dem Nachmittagstraining direkt ins Mannschaftshotel „Grand Elysee“ nach Hamburg. Einen Lagerkoller muss man dennoch nicht erwarten, immerhin wissen auch die HSV-Profis, dass die Zweitligasaison drei Wochen vor der Erstligasaison beginnt und entsprechend den Urlaub verkürzen würde.

Zwei Tage für zwei Wochen mehr Sommerpause – eine einfache Rechnung. Und vor allem: Niemand außer den Spielern selbst ist mehr verantwortlich für die Saisonverlängerung. Das wissen sie auch. „Wir haben hier noch etwas zu erledigen“, sagte Heiko Westermann nach dem 2:0-Sieg über Schalke. Und er ist nicht der einzige, der sich nach dem Schalke-Sieg von jeglicher Euphorie fernhalten wollte. Rene Adler beispielsweise warnte vor zu früher Freude, steuerte aber auch den Satz bei, den der Gegner aus Karlsruhe in großen Lettern an der Kabinentür hängen haben wird: „Mir ist egal, gegen wen wir spielen – wir schlagen JEDEN!“ Er habe keine Angst, denn Relegation sei auch nicht mehr Druck. „Wir haben in den letzten sechs Spielen zehn Punkte geholt und dadurch großen Rückenwind. Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, sind wir immer am besten.“

Na denn – am Donnerstag um 20.30 Uhr geht es los. Und das gegen den vielleicht unangenehmsten Gegner, den man bei der Auswahl Darmstadt, Lautern und Karlsruhe bekommen konnte. Ich schrieb es gestern, nachdem ich mir die Badener gegen 1860 München angesehen hatte. Und ich bin noch immer fest davon überzeigt, dass der HSV auf eine außergewöhnlich konstante Mannschaft trifft, die im Gegensatz zum HSV nur etwas gewinnen kann. „Ich glaube auch, dass der KSC die von den möglichen Gegnern am unangenehmsten zu bespielende Mannschaft ist“, sagte mir Oliver Kreuzer heute. Der ehemalige KSC-Profi und sowohl Ex-KSC- als auch Ex-HSV-Sportchef kennt den KSC noch sehr gut und weiß: „Sie sind defensiv die stabilste Mannschaft der zweiten Liga und offensiv immer gefährlich. Sie spielen sehr strukturiert und geben ihre Ordnung auch bei Rückschlägen nicht auf. Das ist schon beeindruckend und wird schwer für den HSV.“

Dass der HSV dennoch der Favorit ist, für Kreuzer eindeutig. Der jüngst abgefundene HSV-Sportchef hatte den letzten Spieltag in Hamburg zusammen mit Freunden geschaut. „Ich hatte Besuch aus Karlsruhe und natürlich entsprechend viel Freude nach Schlusspfiff in der Bude. Und meine Freunde wollten auch wissen, wer gewinnt. Ich kann nur sagen, dass in mir für beide Vereine Herzen schlagen und dass beide Vereine ihre Chancen haben werden. Für mich ist zumindest klar, dass das Duell nicht schon nach einem Spiel entschieden sein wird. Der HSV ist ob seiner Qualität selbstverständlich der Favorit, aber das wird eine enge Kiste. Beide wissen, dass es ein Rückspiel gibt und werden entsprechend nicht alles riskieren.“ Und obwohl Kreuzer zugibt, an den Klassenerhalt des HSV zu glauben, will er keinen Ergebnistipp abgeben. Das wäre respektlos, sagt er und ich kann es gut nachvollziehen.

Allerdings liegt Kreuzers Zögern auch am KSC, von dem er aktuell eine Menge hält. Nicht nur defensiv. „Offensiv hat der KSC tatsächlich alle Zutaten im Kader. Da kann jeder Tore schießen. Da sind sie saustark. Allesamt sind sehr wendig und schnell – Hennings mal ausgenommen. Aber der braucht dafür für seinen Linken einen Waffenschein. Manuel Torres, Dimitrij Nazarov sowie Hiroki Yamada können alle Positionen spielen und machen die KSC-Offensive so variabel. Und Micanski ganz vorn drin ist ein echter Killer. Dazu hat der KSC neben Nazarov mit den Innenverteidigern Daniel Gordon und Manuel Gulde richtig gute Kopfballspieler für die Standards. Defensiv wie offensiv. Auch so können sie Spiele entscheiden.“ Der HSV auch. Und Kreuzer, der sich beide Spiele anschauen wird, setzt auch auf seinen letzten Arbeitgeber. „Die Qualität spricht für Hamburg – aber der Druck liegt auch hier. Der HSV hat mehr zu verlieren.“

Ich hatte mich am Sonnabend ja noch für Darmstadt als Gegner ausgesprochen und den FCK als schwerstmöglichen Gegner ausgemacht. Weil der FCK über ein Stadion verfügt, dass die Heimmannschaft so pushen kann, wie es die Imtech-Arena in aller Regelmäßigkeit mit dem HSV macht. Auch jetzt waren binnen zweier Tage alle 57000 Tickets für das Hinspiel vergriffen. Die 3500 Tickets für das Rückspiel gingen gar in nur einer Stunde über den Ladentisch. „Wenn man so will, ist das noch ein kleiner Vorteil für den HSV“, sagt Kreuzer, der das uralte, 1921 erbaute Wildparkstadion aus seinen 196 Profispielen für den KSC in- und auswendig kennt.

Oliver Kreuzer sieht den HSV im Duell mit seinem zweiten Exklub, dem KSC, knapp vorn

Ex-HSV-Sportchef Oliver Kreuzer sieht den HSV im Duell mit seinem zweiten Exklub, dem KSC, knapp vorn

„Das Stadion ist durch die Laufbahn sicher nicht mehr optimal, soll aber auch umgebaut werden. Aber der HSV darf sich nicht täuschen, dort wird es sicher nicht so laut wie in Hamburg – aber allemal lauter als in dem Schuhkarton von Greuther Fürth. Es ist eine kleine Ruine – aber immer noch der ruhmreiche Wildpark.“ Die zwei Relegationsspiele der Vorsaison waren übrigens die letzten zwei Spiele Kreuzers, wo er den HSV live vor Ort verfolgte. „Ich werte das als gutes Omen für den HSV…“, so Kreuzer, der noch vor Saisonbeginn 2014/2015 vom HSV suspendiert worden war.

Und obgleich Kreuzer ob seiner für ihn überraschenden Suspendierung zum Vorstand des HSV ein eher angespanntes Verhältnis hat, glaubt er an die handelnden Personen. „Alles steht und fällt natürlich mit den Regelegationsergebnissen. Aber wenn der HSV die Liga hält, wird Didi Beiersdorfer die Mannschaft schon entsprechend umbauen. Einige Abgänge, Jansen, Ilicevic und van der Vaart stehen ja schon fest“, so der EX-Sportchef, der bei seiner Aufzählung Gojko Kacar vergessen zu haben scheint. „Nein, nein, den habe ich bewusst ausgespart. Er zeigt aktuell, dass man sich auf ihn verlassen kann. Bruno Labbadia hat ihm wieder neues Leben eingehaucht und Gojko ist ein Typ, wie man ihn gern in der Mannschaft hat. Zudem weiß ich, dass es Bruno war, der den Wechsel Kacars damals zum HSV forciert hatte. Ich glaube, dass dort zumindest noch mal gesprochen werden dürfte.“

Zudem glaubt Kreuzer fest an die Rückkehr der verliehenen Talent Jonathan Tah und Kerem Demirbay, während er nach seinen acht Saisontreffern an einen Verbleib von Jacques Zoua in der Türkei glaubt. Ebenso wie an den von Sobiech beim FC St. Pauli. „Ansonsten wird Didi die Probleme schnell erkannt haben und gegensteuern. Ich rechne auf jeden Fall fest damit, dass noch mal eine ganze Menge ausgetauscht wird.“ Obgleich eigentlich Peter Knäbel für den Bereich Transfers verantwortlich ist, glaubt Kreuzer an Beiersdorfer als letztlich Entscheidenden. „Ich sage es mal so: Die beiden werden sich sicher sehr, sehr intensiv austauschen und dann zusammen entscheiden.“

Bis dahin müssen jedoch nicht nur zwei tage Malente sondern vor allem zwei hammerharte Relegationsspiele gegen einen zweifelsfrei stärkeren Gegner als im Vorjahr gespielt werden.

Philip Max (l.) glaubt an den Sieg des KSC

Philipp Max (l.) glaubt an den Sieg des KSC

Und dafür lasse ich mir meinen (Zweck-)Optimismus nicht nehmen.

Zumal die Karlsruher mit Sprüchen nicht geizten und dien Klappe ganz schön aufrissen. Auf jeden Fall dürfte Labbadia eine etwas größere Auswahl von Motivationshilfen aus den KSC-Aussagen ziehen können als sein Kollege Markus Kauczinski. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir die HSV-Uhr abstellen“, hatte beispielsweise Linksverteidiger Philipp Max getönt, der auf dem Platz nicht weniger bissig agiert. Aber egal wie, am Ende zählt eh nur eines noch mal: Alle Mann an Bord!

In diesem Sinne, bis morgen! Dann aus Malente mit frischen Trainingseindrücken und Stimmen.
Scholle

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