Allgemein

Die Feiertage beim HSV fallen sicher kürzer aus

22. Dezember 2014

So, es ist Zeit für einen umfassenden Jahresabschluss. Beim HSV auf der Geschäftsstelle sitzen die Granden zusammen und beraten ihre Möglichkeiten. Mindestens ein neuer Stürmer soll es werden – mindestens drei Abgänge werden erwartet. Wobei, bei dem Neuen soll es sich nach Möglichkeit um einen talentierten Youngster drehen, den man in Hamburg zum großen Stürmer aufbaut. So, wie es dem Vernehmen nach der frisch eingebürgerte Däne Pione Sisto vom FC Midtjylland werden könnte. Oder wie man es sich vor Jahren auch von Levin Öztunali im offensiven Mittelfeld versprach.

Obwohl: Wirklich auch Öztunali?

Ich sage eher nein. Denn der junge Mittelfeldmann hat sich seinerzeit trotz der Bemühungen des HSV gegen seine Heimatstadt entschieden. Dass er sich damit auch gegen den Klub seines Opas entschieden hatte, okay – aber ich finde diesen Umstand ehrlich gesagt unerheblich. Dieser Fakt sollte höchstens familienintern zum Thema werden. Der Rest muss sportlich abgewogen werden. Und deshalb war für mich damals wie heute nur interessant, ob er es schaffen könnte und dann, weshalb sich Öztunali eben nicht für den HSV entschieden hat. Was der ehrenwerte Opa dazu sagt ist mir dabei ebenso wichtig wie die Meinung von Mama Ilicevic, ob ihr Sohn im Winter wechseln oder doch besser bleiben sollte. Und das meine ich absolut nicht despektierlich dem HSV-Idol gegenüber – sondern mal völlig losgelöst von allen unerheblichen Emotionen drumherum.


Nein, Levin Öztunali muss individuell und komplett losgelöst von allen familiären Umständen analysiert werden. Sollte er anschließend sportlich tatsächlich als Hilfe eingestuft werden können, muss der SV aktiv werden. So wie vor dessen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Damals wollte der HSV den Youngster halten, musste sich aber dem Familienentscheid und somit dem finanziell sehr verlockenden Angebot Bayer Leverkusens beugen. Der Werksklub hatte damals „intensiv“ nachgeholfen, die Meinung des Vaters in Richtung Bayer zu lenken. Mit Erfolg. Während Sohnemann Levin sportlich den Durchbruch verpasste, ist Vater Mete beim Champions-League-Teilnehmer angestellt. Dass damals Handgelder geflossen sein sollen – so what…?! Bei welchem ablösefreien Wechsel (und selbst bei den meisten anderen) läuft das nicht so?

Nein, damals ist einiges zwischen den Öztunalis und dem HSV kaputtgegangen. Von beiden Seiten. Und dennoch bin ich mir sicher, dass der HSV Levin auf dem Schirm hat und über dessen Leistungsstärke im Klaren ist. Dass man sich aktuell dennoch nicht bemüht hat, sollte man nicht gleich als Versäumnis werten. Das kann sportlich durchaus sehr nachvollziehbar begründet sein. Immerhin hat Levin seinen Durchbruch bei Bayer in 18 Monaten nicht geschafft. Ob es an der übermächtigen Konkurrenz oder seiner mangelnden Entwicklung liegt, weiß ich nicht. Aber sechs Kurzeinsätze waren es für den einstigen HSV-Junioren-Nationalspieler in dieser Saison. Erst. Was nicht für ihn spricht. Ebenfalls ungewöhnlich: Jetzt leiht ihn sein Klub gleich für lange 18 (!) Monate an Werder Bremen aus. So überzeugt ist man bei Bayer von seinem Youngster offenbar doch (noch) nicht.

Trotzdem, natürlich wäre es eine schöne Geschichte gewesen, wenn der Enkel Seelers in Hamburg dessen Erbe angetreten hätte. Er hat es aber nicht, weil er zum einen noch nicht so weit ist und zum anderen, weil ein anderes Angebot schlichtweg interessanter für ihn und seine Familie war. Punkt. Und damit ist das Thema für mich auch schon durch. Mir bleibt diesbezüglich nur noch zu sagen: Levin, ich wünsche Dir auch weiterhin nur das Beste. Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du es irgendwann schaffst, endlich als der Fußballprofi Levin Öztunali und nicht mehr als „Enkel von Uwe Seeler“ wahrgenommen zu werden. Ob bei Bayer, Werder, HSV oder sonstwo auf diesem Erdball…

Wichtiger ist für mich aktuell, dass der HSV seither gelernt hat, sein Konzept, junge Spieler hochzuziehen, auch mit Leben zu füllen. Während früher Talente wie Sam, Ben-Hatira, Meier sowie Kruse (bei Vier- und Marschlande) und vor allem Choupo-Moting aus den verschiedensten und leider oft vermeidbaren Gründen die Hansestadt verließen, setzt Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer heute auf eben jenen Nachwuchs. Das Jugendkonzept ist nicht mehr nur theoretisch, es wird gelebt. Ashton Götz, Ronny Marcos und Mohamed Gouaida haben sich in den Kader gespielt und werden bei der U23 auch für die Rückrunde als „Abgänge nach oben“ bewertet. Sie haben sich durchgesetzt. Ob sie oben bleiben, hängt an ihnen selbst. Und daran, was der HSV im Winter personell umsetzen kann. Mindestens zwei Spieler sollen gehen wollen (Jansen und Arslan), zwei sollen weg (Ilicevic, Nafiu) und weitere Spieler (Rajkovic, Kacar, Jiracek, Adler) sind verhandelbar.

Sicher los ist der HSV seinen ehemaligen Trainer Mirko Slomka. 1,8 Millionen Euro Abfindung kassiert der im September entlassene Trainer. Viel Geld für einen Verein, der sich gerade neu aufstellen muss, nachdem Klaus-Michael Kühne seine Anteilsoption verstreichen ließ und den HSV um 25 Millionen (zzgl. 4% Zinsen/anno) ärmer macht. Und dass die HSV-verantwortlichen dennoch optimistisch sind, die Lizenz in der kommenden Saison zu erhalten, hat einen einfachen Hintergrund: Offenbar rechnen beim HSV alle damit, dass Kühnes Rückzug der Türöffner für andere Investoren/Gönner/strategische Partner) sei. Viele potenziell interessierte Unternehmer seien bislang immer zurückgeschreckt, wenn es hieß, dass Kühne mit an Bord sei. Alexander Otto beispielsweise soll seit Bekanntwerden der Kühne-Absage durchaus überlegen, ob er beim HSV einsteigt. Selbst der HSVPlus-Gegner Eugen Block hat sein Interesse signalisiert, beim HSV einzusteigen. Allerdings, bevor hier jetzt verfrühter Jubel aufkommt: Bei Otto stecken die Gespräche noch in den Kinderschuhen. Und bei Block ist es bislang lediglich ein intern bekannt gemachtes Interesse. Gespräche über Anteilsverkäufe an den Hamburger Geschäftsmann gab es noch nicht. Zumindest aber gibt es Alternativen zu Kühne, dessen Beweggründe ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann. Aber ich klammere das Thema weiterführend heute lieber noch mal aus. Das ist ein Thema für einen eigenen Blog. Sicher auch schon in den nächsten Tagen.

Bis dahin könnt Ihr und werden wir diskutieren, inwieweit Manfred Ertels Antrag für die MV im Januar Sinn macht. Der ehemalige AR-Vorsitzende fordert, dass sein Nachfolger in Zukunft automatisch der Präsident des e.V. wird. Soll heißen, Jens Meier würde fortan Karl Gernandt ersetzen. Und so sehr ich davon ausgehe, dass in den nächsten Tagen wieder mächtig viel über vereinspolitische Themen diskutiert wird. muss ich zugeben, ich halte den Vorschlag für durchaus sinnvoll. Schon allein, weil ich unter den aktuellen Voraussetzungen den Vorsitz Gernandts weiterhin für unglücklich halte. Aber was meint Ihr?

Auf jeden Fall wird es beim HSV auch über die eigentlich so besinnlichen Feiertage nur sehr bedingt ruhig werden. “Wer braucht schon viel Akku”, hatte Zinnbauer gefragt. Jetzt wissen wir auch, warumm. In diesem Sinne, wir bleiben dran, Ihr hoffentlich auch. Bis morgen,

Scholle

Nicht im P.S., aber thematisch als alleinigen Punkt hinten möchte ich doch noch mal zwei Dinge loswerden. Erstens war ich am Sonntag sehr berührt von der Nachricht, dass Udo Jürgens gegangen ist. Der Mann, den ich auf einer Postkarte im Flurbereich meiner Oma jahrelang sah und bei ihr im Wohnzimmer zuerst hören musste und später dann hören durfte. Heute lief bei mir „Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“, als ich von den Mopo-Kollegen erfuhr, dass Fritz Sdunek gestorben ist. Zwei Tage, an denen wir zwei ganz Große ihres Faches gehen lassen mussten – sie aber dennoch nie vergessen werden. Ich zumindest nicht.

Nächste Einträge »