Behrami ist wieder fit – und ein zweiter Arslan dabei

30. Oktober 2014

Ich gebe zu, ich war schon zur Halbzeit ein Stück weit genervt. Weil der HSV es den Bayern mit individuellen Fehlern extrem leicht gemacht hat. Und das, obwohl die Bayern sicher die letzte Mannschaft im Volkspark sind und sein werden, die Unterstützung brauchen, um zu gewinnen. Dennoch, Westermanns kapitaler Bock und Drobnys Probleme mit Alabas Flatterball – zwei Tore, die sicherlich leicht vermeidbar und somit komplett unnötig waren – und die das Spiel frühzeitig entschieden. „Das wird langweilig“, habe ich Dieter geantwortet, als er mich darauf ansprach, dass es ja noch mal 45 Minuten zu spielen gäbe. Denn dass der HSV verlieren würde, war leider Gottes schon im Vorfeld zu ahnen. Das letzte Fünkchen Hoffnung der Fans – ich hatte es diesmal leider schon beim Lesen der Aufstellungen nicht mehr – bestand eher darin, sich noch mal möglichst lange schadlos zu halten und irgendwie, irgendwann und durch irgendwen den „Lucky Punch“ zu setzen.

Und immerhin konnte der HSV gegen unkonzentrierter agierende Bayern in den letzten Minuten noch mal einen Treffer erzielen. Wieder war es die Kombination van der Vaart/Lasogga, die in der vergangenen Saison neben Calhanoglu hauptverantwortlich fürs Toreschießen war. Apropos Calhanoglu: Der Junge kommt am Sonnabend mit seinem neuen Klub Bayer Leverkusen nach Hamburg. Zumindest war das so geplant und von HSV-Fans heiß erwartet. Daraus wird allerdings, wie gestern in der Sendung schon angedeutet, wahrscheinlich nichts. Die Deutsche Presse Agentur meldete heute:
„Hakan Calhanoglu droht ausgerechnet im Ligaspiel bei seinem Ex-Club Hamburger SV am Samstag auszufallen. Der 20-Jährige, der nach 155 Sekunden den Führungstreffer erzielt hatte, blieb nach der Halbzeitpause in der Kabine wegen eines Zweikampfs mit dem Magdeburger Silvio Bankert. „Er hatte einen Tritt auf dem Fuß bekommen und konnte nicht mehr sauber abrollen“, meinte Trainer Roger Schmidt.“

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Nun denn. Mit Krankschreibungen kennt sich Hakan ja aus, mag man meinen. Und ich erinnere mich immer wieder an die Message der allerersten LP meines Lebens: „Peter und der Wolf“. Denn, so wenig unwahrscheinlich eine derartige Fußverletzung auch ist, man mag sie ihm nach der unglaublichen Geschichte mit Depressionen und Krankschreibungen im Sommer nicht mehr glauben. In dieser Hinsicht hat sich Calhanoglu seinen Ruf allemal versaut. Umso erstaunlicher finde ich (wobei, bei ihm eigentlich nicht…) die eindimensionale Sichtweise Lothar Mathhäus’. Denn in dem oben zitierten dpa-Artikel wird folgendes zitiert:

„Rückendeckung bekam der Deutsch-Türke von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus: ‚Der Spieler hat alles richtig gemacht. Er spielt jetzt in der Champions League, ist in der Bundesliga vorne dabei statt im Keller’, meinte Matthäus in der SportBild.“ Und ich glaube, Matthäus selbst wird ein ebenso guter Spielerberater wie sein jetziger, der aus dem einstigen Weltfußballer eine kaum mehr ernst zu nehmende Person des Öffentlichen Lebens gemacht hat. Leider.

Nun denn, sportlich betrachtet hat Matthäus ja sogar Recht. Und ich gebe zu, dass ich geneigt bin, auch die Calhanoglu-Version mit der Absprache mit Oliver Kreuzer zu glauben. Dennoch hat sich der Junge nachweislich vergaloppiert. Sich nach seiner (wie auch immer vereinbarten) Vertragsverlängerung demonstrativ vor jede Kamera und jedes Mikrofon zu stellen und von „einem Zeichen“ seiner Treue und Verbundenheit zum HSV zu sprechen, war so dumm, dass er mit den Protesten der HSV-Fans in massivster Formrechnen musste. Insofern hat er sportlich zweifellos alles richtig gemacht, wenn es um seine persönliche Entwicklung als Spieler geht. Aber als Mensch hat er extrem viel verloren. Oder meint Ihr, die Bayer-Führung vertraut dem Freistoßspezialisten zu 100 Prozent? Nein. Können sie ja nicht. Sie wissen ja, wie leicht es ist, den talentierten Mittelfeldmann zu ködern.

Aber egal, wir müssen es eh nicht mehr, weil der Junge in Hamburg schon Geschichte ist. Und wenn er dann wirklich am Sonnabend fehlen und erst in einem Jahr wieder mit Bayer nach Hamburg kommt – ich glaube, dann werden sich nicht mehr viel für diese Geschichte interessieren. Sie (und er) ist es schlichtweg auch nicht wert.

Mehr Wert lege ich natürlich auf die aktuelle Entwicklung. Tabellarisch stagniert diese zweifellos. Personell geht es glücklicherweise wieder voran. Im Pokal hat sich keiner verletzt, zudem kehrte heute auch René Adler wieder ins Training zurück. „Ein kleiner, guter Schritt in die richtige Richtung“, blieb der Keeper auf seine Einsatzfähigkeit angesprochen verhalten optimistisch. Aber er kommt zurück. Das ist Ivo Ilicevic bereits seit mehr als einer Woche. Im Kader war er noch nicht, aber das könnte sich am Sonnabend ändern. Und angesichts der weiterhin schwachen Offensive des HSV wäre auch das „ein kleiner, guter Schritt in die richtige Richtung“. Denn obwohl er nicht abfällt, bei Zoltan Stieber habe ich immer noch das Gefühl, dass er zu leichtgewichtig ist für die Bundesliga. Wie sagte/schrieb „Eiche“ heute bei der Diskussion um Dennis Diekmeier? „Bei DD weißt Du was Du bekommst, nämlich irgendwie nix. Da lieber einen Jungen, der will. Ob er es packt ist ne andere Sache. Aber zu wissen auf RV hast Du ne 4+ und das bleibt auch so, befriedigt nicht!“

Gut, mit „jung“ ist der 28-jährige Ilicevic in seiner achten Bundesligasaison sicher nicht mehr zu umschreiben. Aber dafür Ahmet Arslan. Der Toptorjäger der Regionalliga Nord (12 Treffer) wurde heute von Trainer Joe Zinnbauer ins Profitraining hochgezogen. Und was auf der einen Seite wie ein weiterer Nackenschlag des auf seinen Einsatz wartenden Artjoms Rudnevs’ aussieht, zeigt auf der anderen Seite, dass der HSV-Trainer weiterhin bereit ist, seinem Nachwuchs eine Chance zu geben. Nach Götz, Steinmann, Cigerci und Nafiu könnte der gelernte offensive Mittelfeldspieler der nächste U23-Kicker sein, der sein Bundesligadebüt feiert. Und das ist gut. Denn auch der junge Arslan ist gut.

Noch besser ist, dass Valon Behrami am Sonnabend wohl wieder spielen kann. „Ich gehe aktuell davon aus“, antwortet Zinnbauer auf die Frage, ob der heute geschonte und im Stadioninneren behandelte Sechser rechtzeitig fit wird. Schon morgen soll Behrami wieder mit der Mannschaft trainieren. Dass er dem HSV mehr Stabilität verleiht, war zuletzt zu erkennen. Vor allem dann, wenn er fehlte, was im Übrigen auch für Lewis Holtby zählt. Denn der mit Abstand aktivste Mittelfeldspieler des HSV ist in meinen Augen unverzichtbar. Ich wiederhole mich da gern. Und ich glaube auch, Zinnbauer sieht das inzwischen ebenso.

In diesem Sinne, bis morgen, wo es deutlich spannender als heute wird. Denn da wird sich entscheiden, wie der HSV am Sonnabend ins Spiel geht. Mit Behrami oder wieder mit dem Youngster Matti Steinmann, der seine Sache ordentlich und unauffällig erledigte. Normalerweise heißt das, dass einer von beiden neben Arslan spielen wird, der bei seiner Auswechslung erstaunlich offen zeigte, was er von selbiger hielt. Nämlich nichts. Dabei war diese in dem Spiel sicher alles andere als schwer zu argumentieren.

Allerdings, und diese Resthoffnung schwirrt immer noch in meinem Hinterkopf herum, es gäbe auch die Möglichkeit, im eigenen Stadion offensiver aufzutreten und Holtby als Achter neben Behrami zu positionieren. Warten wir es ab.

Bis morgen! Und da ja gleich doppelt: Einmal per Blog, und anschließend ab 19 Uhr beim Matz-Ab-Treffen im „Anno 1887“. Wir freuen uns auf Euch!

Scholle

P.S.: Der dumme Stadionflitzer erhielt neben dem obligatorischen Stadionverbot eine Strafanzeige des HSV. Und: Wer auch immer den dummen Jungen feiert,w eil er Ribery attackiert hat, sollte sich mit ihm solidarisisren und ebenso lange dem Stadion fern bleiben.

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