Lasogga unter Druck – beginnt Rudnevs?

27. November 2014

Wirklich festlegen will er sich nicht. Zumal Trainer Josef Zinnbauer eh immer erst in der Nacht vor dem Spiel die tatsächliche Startelf ausgeklügelt hat. Und so wolle und werde er es auch diesmal handhaben, verriet Zinnbauer bei der heutigen Pressekonferenz auf die Frage, ob ein Artjoms Rudnevs sich für die Startelf aufdrängen konnte.

Matchwinner im Nordderby: 1:0-Torschütze Artjoms Rudnevs (o.) wird gefeiert.

Matchwinner im Nordderby: 1:0-Torschütze Artjoms Rudnevs (o.) wird gefeiert.

„Er hat ein Tor geschossen, das ist das, was ich von einem Stürmer erwarte. Damit hat er auf sich aufmerksam gemacht“, so der HSV-Coach, der Rudnevs weiter lobte: „Er hatte es schon vorher im Training angedroht, wo er Tore gemacht hat. Und daran wird er gemessen.“

Lasogga auch?

Denn wenn dem so wäre, müsste Zinnbauer in Augsburg mehr als ernsthaft erwägen, das System oder eben seine einzige Spitze zu ändern. Aber davon scheint der HSV-Coach noch nicht restlos überzeugt zu sein. Zumindest klang er heute so.

Allerdings nutzt Zinnbauer den Moment geschickt, um weiter Druck auf Pierre Michel Lasogga aufzubauen, der seit nunmehr 390 Minuten ohne Treffer ist. Zum Vergleich: Rudnevs trifft in dieser Saison durchschnittlich alle 142 Minuten – eine Hammer-Quote! Aber im Ernst und für alle, die offensichtlichste Ironie verstehen: Lasogga steht trotzdem unter Druck. Im heutigen Training spielte der Angreifer (ebenso wie Holtby) stets im B-Team, während im A-Team Nicolai Müller vor Behrami und van der Vaart als hängende Spitze hinter Artjoms Rudnevs agierte. Interessant hierbei: Zinnbauer ließ im vermeintlichen A-Team Ronny Marcos über links und Mohamed Gouaida über rechts kommen. Soll heißen: Tempofußball gegen Augsburg?


Passen würde es. Denn wenn der HSV in dieser Saison eines kann, dann verteidigen. Lediglich fünf Teams haben bislang weniger Gegentore kassieren müssen als der HSV. Allerdings hat keines weniger geschossen. Aber da der HSV beim FCA nicht zwingend das Spiel machen muss, scheint die Variante mit ausschließlich schnellen Spielern vor den Sechsern konsequent. Sicher stehen und kontern. Mit Lasogga würde das ungleich schwerer als mit Rudnevs. Allein Zinnbauer will sich nicht öffentlich festlegen und freut sich lediglich darüber, dass durch die entstandene Kaderbreite mit den U23-Youngsters eine neue Qualität Konkurrenzdruck entstanden ist. Auch auf arrivierte Spieler wie Lasogga. „Im Prinzip muss jeder Spieler arbeiten um ins Team zu kommen. Pierre hatte schon immer Druck von außen, von den Medien. jetzt hat er von Rudi auch Druck bekommen. Jetzt macht mal ein Spieler Druck. Aber wir machen uns da keine großen Gedanken.“ Zumal egal sei, mit wem sie letztlich ans Ziel kommen – Hauptsache, sie schaffen es.

Und das wird mal wieder ganz besonders schwer. Sagt Zinnbauer. Und so redete der HSV-Trainer in der ihm eigenen Art heute den Gegner stark. Mal wieder. „Augsburg ist ein ganz, ganz starker Gegner. Der Trainer arbeitet taktisch sehr gut. Wie schon in der letzten Saison. Zudem haben sie eine eingespielte Mannschaft und in Altintop einen ganz erfahrenen Spieler. Dazu Werner – das sind zwei Spieler, die in jedem Top-Team momentan einen Platz hätten“, so Zinnbauer, ehe er den Deckel auf seine Lob-Tirade setzte: „Der FCA war letztes Jahr knapp davor und schielt dieses Jahr auf Europa.“

Stimmt. Weil in Augsburg das gelebt wird, was der HSV vorhat: Konstanz auf allen Ebenen. Zinnbauer nannte es „seit zwei, drei Jahren spielen sie fast die gleichen Systeme mit fast der gleichen Mannschaft. Sie verstärken sich sehr geschickt, nur punktuell“. Und ich erinnere mich gern an ein Gespräch mit FCA-Manager Stefan Reuter zurück, der mir auf die Frage nach dem FCA-Geheimnis antwortete: „Wir haben einen Plan und den leben wir. Mit der Mannschaft zusammen. Wer ausschert, muss gehen. Und da machen wir keine Ausnahmen.“

Apropos, gehen musste vor nicht allzu langer Zeit auch Oliver Kreuzer. Und sein Weg sollte ihn nach eigenem Wunsch zuletzt vor das Arbeitsgericht führen, nachdem er seine fristlose Kündigung nicht akzeptieren wollte. Inzwischen ist der erste Schlichtungstermin abgesagt worden, weil noch unklar ist, welche Gerichtsbarkeit verantwortlich ist für den Rechtsstreit. Hintergrund: Es geht darum, ob Kreuzer als Vorstand des e.V. (dann wäre das Landgericht verantwortlich) oder als Angestellter in der AG-Form (Amtsgericht), wo er kein Vorstand mehr war.

Aber zurück zum Wesentlichen, zum Fußball auf dem Platz. Dort versucht der HSV das erste Mal seit April 2013 (gegen Mainz und Düsseldorf) wieder zwei Siege in Folge zu landen. Noch ohne Marcell Jansen, der mit Oberschenkelproblemen heute nur Lauftraining und Behandlungen absolvieren konnte. Und vor aussichtlich auch noch ohne René Adler, dessen Rückenprobleme noch nicht abgeklungen sind. Fit aber für Augsburg alles andere als gesetzt sind Zoltan Stieber, Ivo Ilicevic, Julian Green und Petr Jiracek, die zuletzt gegen Bremen nur auf der Tribüne saßen.

Umbauten wird es derweil auch in der Mannschaftskabine geben. Genau genommen Renovierungsarbeiten, die durch einen Wasserschaden (ein Rohr zum Entmüdungsbecken war defekt) notwendig geworden sind. Dafür zieht der HSV in ein Provisorium um – und ich könnte wetten, dass viele Profis anschließend gar nicht wieder zurück wollen. Mobiles Trainingszentrum Der 1700 Quadratmeter große Trainingstrakt beinhaltet neben der medizinischen Abteilung und den Umkleiden alles, was man sich denken kann.  Von der Sauna über einen Whirlpool, eine Küche, Aufenthaltsräume, Fitnessbereich und Materialräume bis hin zu Schlafräumen für die Spieler. „Wir nutzen die Chance, unsere Trainingsinfrastruktur auf den aktuellsten und modernsten Stand zu bringen“, sagt Peter Knäbel, Direktor Profifußball. Die Renovierungsmaßnahmen sollen schon unmittelbar nach der Abfahrt zum letzten Hinrundenspiel in Gelsenkirchen (20.12.) beginnen. Kosten sollen dem HSV dabei nur geringfügig entstehen, da der Versicherungspartner den absoluten Großteil der Renovierungsarbeiten finanziert.

In diesem Sinne, ich bin gespannt, wie Zinnbauer morgen trainieren lässt und was ihm sein Bauchgefühl in der Nacht zum Sonnabend dann flüstert. Klar ist, dass er in der ihm bekannten Weise auch diesmal kein zweites Mal die identische Startelf bringen wird, da Diekmeier gesperrt ausfällt und dafür Ashton Götz spielen soll. Und nicht wenig deutet darauf hin, dass dies nicht die einzige Änderung bleiben wird.

Bis morgen,
Scholle

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