Monatsarchiv für Januar 2013

Kacar wechselt nicht nach Frankfurt

30. Januar 2013

Schönwetter-Fußballer sind die HSV-Profis gewiss nicht. Bei Wind und Dauerregen waren sie voller Spaß bei der Sache, und selbst nach dem offiziellen Trainingsende wurde freiwillig (!) weitergemacht. Jaroslav Drobny stellte sich zwischen die Pfosten, und dann schossen sie wie die Wilddiebe um sich. Dennis Aogo, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj, Per Ciljan Skjelbred, Marcus Berg und, und, und. Wie gesagt, freiwillig. Das ist doch wirklich ein tolles Zeichen. Und das bei diesem (Un-)Wetter. Da müsste eigentlich jeder froh sein, wenn er endlich wieder in der warmen Kabine wäre – aber denkste! Sogar der Trainer zeigte Härte. Thorsten Fink hatte nichts auf dem Kopf, während der 75 Minuten, es muss bei ihm oben rein und unten wieder raus gelaufen sein, aber er hielt tapfer durch. Und sah danach wie ein begossener Pudel aus.
Gefehlt haben heute natürlich Paul Scharner, der sich Richtung England vom Acker gemacht hat – zu Wigan Athletic. Zudem fehlten Ivo Ilicevic (Bauchmuskelprobleme), Marcell Jansen (Erkältung) und natürlich immer noch Michael Mancienne, Jacopo Sala und Zhi Gin Lam.

Zudem trainierte Gojko Kacar in der Arena. Ob das eine spezielle Vorbereitung auf Sonnabend war? Der Serbe hätte nämlich eventuell am Sonnabend schon spielen – und zwar gegen den HSV. Kein Scherz! Eintracht Frankfurt, der kommende HSV-Gegner, war an einem Leihgeschäft interessiert. Und der HSV wäre bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber zurzeit ist es so, dass die Sache geplatzt ist. Das kam aus der Kacar-Ecke, das kam auch aus Frankfurt. Armin Veh hätte Kacar wohl gerne gehabt, aber insgesamt war der Deal wohl doch ein wenig zu teuer. Noch ist aber ja etwas Zeit, mal sehen, ob noch einmal wieder Fahrt in diese Geschichte (bis zum Schluss der Transferliste am morgigen Donnerstag) kommen wird – aber so wie es jetzt steht, ist dieser Transfer erledigt.

Zurück noch einmal zu den freiwilligen Schützen. Im Tor, wie geschrieben, Drobny. Kein Einzelfall. Das hat er zuletzt schon oft gemacht. Alles freiwillig. Und da klingen mir noch jene Sätze in den Ohren, die es im Sommer zu hören gab. Viele Experten und Fans vermuteten und prophezeiten damals, dass sich „Jaro“ Drobny nur noch einen Lenz in Hamburg machen würde. Dass er seinen Vertrag beim HSV lediglich aussitzen würde, im Training nur noch Dienst nach Vorschrift absolvieren würde. Aber nichts, auch nicht mal ein Hauch, davon ist erkennbar. Für mich ist der tschechische Nationaltorwart ein Phänomen. Er ist, obwohl er nur noch Ersatz hinter Rene Adler ist, stets mittendrin statt nur dabei. Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag: Nach dem Sieg gegen Werder lagen sich die HSV-Profis – natürlich – in den Armen. Und voll dabei: Jaroslav Drobny. Der 33-jährige Keeper, der auch im Training immer alles gibt, lachte, jubelte, feierte mit den Kollegen, als hätte er eben mit einigen Glanzparaden für den Dreier gesorgt. Nichts zu sehen oder zu spüren von Frust, kein beleidigtes Abschalten, keine Maulerei – Drobny leidet mit, freut sich mit, ist ein richtig guter HSVer. Vorbildlich.

„Wir haben mit ihm einen erstklassigen Mann als Vertreter von Rene Adler, das wissen wir, ich habe keinerlei Bedenken, wenn Jaroslav Drobny einmal ins Tor müsste“, sagt Thorsten Fink über seine Nummer zwei. Und Adler könnte in nächster Zukunft durchaus mal eine Pause einlegen müssen, denn er hat, wie auch Milan Badelj, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen, bereits vier Gelbe Karten eingesammelt. „Jaroslav ist ein charakterstarker Junge, der sich voll mit dem Verein identifiziert, und solche Leute brauchen wir. Er ist ja auch ein sehr guter Torwart“, lobt Thorsten Fink. Drobny hat ganz sicher auch anerkannt, dass Adler nicht nur wieder auf dem Weg zurück ins deutsche Tor ist, sondern dass er auch schon etliche Punkte für den HSV gewonnen hat. Fink sieht es ähnlich, denn er sagt: „Das Beste für eine Hierarchie in der Mannschaft ist, wenn alle elf Spieler immer beste Leistungen bringen und Punkte gewinnen. Dann werden die anderen Spieler etwas ruhiger . . .“

Der HSV ist auf jeden Fall bestrebt, den Vertrag mit Drobny noch einmal zu verlängern – natürlich zu etwas reduzierten finanziellen Bedingungen. Sollte sich der Tscheche darauf einlassen, dann wäre er auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch ein überragender Ersatzkeeper beim HSV. Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen allerdings zurzeit, denn es gibt wichtigere und andere Baustellen.

Eine davon dürfte Heung Min Son heißen. Der Südkoreaner wird immer besser, und beinahe jeden Tag gibt es neue Interessenten, die sich um den 20-jährigen HSV-Stürmer bemühen (sollen). Jetzt fehlen eigentlich nur noch Real Madrid und der FC Barcelona. Aber auch da könnte er wohl spielen. Er hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, einen in der Art, den ich ihm nicht zugetraut habe. Son ist nicht nur torgefährlicher geworden, sondern auch robuster. Er geht nun auch – nicht immer, aber immer öfter – mal richtig und giftig zur Sache. Thorsten Fink dazu: „Er setzt sich jetzt öfter durch. Wir machen Krafttraining mit ihm. Jeder Spieler wird von uns genau durchleuchtet, wo die Stärken und Schwächen sind, bei ihm haben wir festgestellt, dass er im Oberkörperbereich Schwächen hatte – und daran arbeiten wir, vor alle Nikola Vidovic mit ihm.“ Thorsten Fink resümierend: „Es ist ja aber auch normal, dass sich ein 19-jähriger Spieler weiterentwickelt, wenn man professionell mit ihm arbeitet. Und dann setzt er sich eben häufiger durch – ich habe auch das Gefühl, dass er sich da enorm verbessert hat.“ Son ist ein Juwel (geworden). Das weiß auch der Trainer, der ihn lobt: „Er schießt mit links und mit rechts – den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Wenn wir es erreicht haben, dass er schießen kann, dann ist der Ball auch meistens drin. Son ist saugefährlich!“

Wie mittlerweile auch Artjoms Rudnevs. Der Lette steht in der Bundesliga im Moment an achter Stelle der Torjägerliste – mit inzwischen schon acht Toren. Wenn „Rudi“ so weitermacht, dann endet er noch bei 15 Treffern – und mehr. Und das wäre denn schon ein Hammer, denn eine solche Zahl hat in diesem Jahrtausend bislang nur ein HSV-Spieler erreicht: Sergej Barbarez. Der Bosnier erzielte in der Saison 2000/01 sagenhafte 22 Tore. Diejenigen Offensivkünstler des HSV, die Barbarez sehr nahe kamen:

Ivica Olic schaffte 2007/08 14 Treffer, Bernardo Romeo 02/03 ebenfalls 14, und dann wird es immer schlechter. Mladen Petric erzielte 08/09 zwölf Tore, 10/11 noch einmal elf. Zweistellig wurden seit 13 Jahren nur noch Rafael van der Vaart (07/08 mit zwölf), Olic (08/09 mit zehn), Barbarez (05/06 mit zehn, 04/05 mit elf und 03/04 mit zehn) und Romeo noch einmal (03/04 mit elf). Eine – wie ich finde – höchst kümmerliche Bilanz. Die noch erschreckendere Formen annimmt, wenn man die „etwas anderen“ HSV-Torjäger begutachtet.

In der Saison 06/07 traf van der Vaart mit acht Treffern von allen HSV-Profis am besten, 01/02 war es Romeo mit acht, 09/10 Petric mit acht und 11/12 lag Petric mit sogar nur sieben (!) Toren intern vorn. Unfassbar!

Mehr hat nun schon Artjoms Rudnevs auf seinem Konto. Und der Trainer lobt ihn: „Er hat eine Super-Entwicklung genommen. Es zahlt sich nun aus, dass er emsig trainiert. Und die Mannschaft akzeptiert ihn jetzt mit allen Schwächen, die er noch hat. Weil er wichtige Tore schießt für uns. Und weil er enorm arbeitet für das Team.“ Das freiwillige Training nach dem Training galt vor einigen Wochen ja nur Rudnevs. Inzwischen haben sich viele angeschlossen. Fink: „Rudi hat früher ja nur und einfach auf das Tor geballert, ohne zu gucken. Jetzt ist er angehalten, den Ball mitzunehmen und sich beim Torschuss dann eine Ecke auszusuchen. Das klappt nun schon immer besser.“ Auch heute beim freiwilligen Wettschießen zu sehen. Er und es wird immer besser. Fink lobt seinen Letten: „Er ist ehrgeizig, er hat einen guten Charakter – ich kann ihn auch mal anschreien, ihm macht das nichts. Und dann macht er das, was ich ihm sage. Er nimmt sich das zu Herzen, was ich sage, und zwar positiv, er bricht nicht innerlich zusammen, wenn er mal kritisiert wird.“

Nur eines hat Thorsten Fink an seinem Torjäger Nummer eins noch auszusetzen: „Rudi ist kein Weichei. Er geht zur Sache, und er steckt ein. Wie oft wird er gefoult oder geschubst. Und da sage ich ihm immer wieder, dass er ruhig mal fallen darf. Das wünschte ich mir von ihm, denn sonst bekommen wir ja nie einen Freistoß in Tornähe – und wir haben ja gute Schützen. Daran muss Rudi noch arbeiten – aber er ist eben ein ganzer Mann, der sich wehrt, wenn er geschubst wird.“ Zu Boden gehen aber, das ist nichts für Rudnevs. Er sagt: „Ich spüre schon den Schmerz, wenn ich gefoult werde, aber ich bin nicht der Typ, der sich dann fallen lässt. So lange es geht, bleibe ich auf den Füßen, schauspielern liegt mir nicht.“

Themenwechsel:

Morgen (Donnerstag) kommt es in der Imtech Arena zwischen 13 und 14.30 Uhr zu einer sportlichen Begegnung der ganz besonderen Art: Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Dennis Aogo und René Adler treffen in der Mixed Zone auf die Darts-Superstars der Professional Darts Corporation (PDC) Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen aus den Niederlanden und Adrian Lewis und den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien. In vier gemischten Teams messen sich die Profisportler 45 Minuten lang im Pfeile werfen. Dabei werden sie von Caller Russ Bray „The Voice“ lautstark und von Darts-Experte Elmar Paulke von Sport1 moderativ begleitet. Präsentiert wird die Veranstaltung von Schweinske.

So, und damit endet der heutige Tag auch schon – fast.

Kurz noch zum „Matz-ab“-Baby von „Scholle“ (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die vielen und netten Gratulationen, die von euch kamen!):

Lia-Sophie ist gestern, am 29. Januar 2013, um 9.09 Uhr auf die Welt gekommen. Sie hat Haare auf dem Kopf, dunkelblonde. Und sie ist 53 Zentimeter groß, wiegt dabei 3350 Gramm. Und sie hat zwei Hobbys: trinken und schlafen…;-)
Sagt „Scholle“.

Dann möchte ich euch noch kurz sagen, dass niemand glauben muss, dass ich Per Ciljan Skjelbred nun „wie Rudnevs fertigmachen will“. Ich sehe einen Spieler, sehe seine Leistung, und diese lobe oder kritisiere ich. Das mache ich schon seit über drei Jahrzehnten so. Und dafür werde ich beim Hamburger Abendblatt noch immer bezahlt. Leider gibt es ja stets einige nette Zeitgenossen, die das System nicht so ganz verstehen. Ich lese übrigens schon seit geraumer Zeit keinen einzigen Kommentar mehr, deswegen trifft mich diese Anpöbelei auch nicht im Entferntesten – ich erfahre eben nur hin und wieder durch Mundpropaganda beim Training, was im Blog unterhalb unserer Beiträge so los ist. Obwohl ich auch darauf getrost verzichten könnte, aber die Menschen meinen es eben immer nur gut mit mir . . .

An meine Kritiker sei nochmals gesagt: Ihr meint es sicherlich nur gut mit dem HSV, wollt Schaden, den ich dem Club zufüge, von ihm wenden. Das ist auch gut so. Das trifft absolut mein Verständnis. Wer aber lesen kann ist glatt im Vorteil. Solltet ihr Zeit finden, dann blättert im Matz-ab-Blog mal ein wenig zurück. Dann werdet ihr feststellen, wie sehr ich den Per Ciljan Skjelbred schon „fertig gemacht“ habe. Seit Wochen und Monaten. Siehe auch beim Nürnberg-Spiel – fällt mir gerade ein. Und wie habe ich ihn fertig gemacht!!! So fertig, dass Thorsten Fink gar nicht mehr umhin kam, ihn endlich einmal aufzustellen . . .

Zu diesem Thema (im Groben) habe ich in jüngster Zeit natürlich auch einige private Mails erhalten – und Gespräche (auch am Telefon) geführt. Heute bekam ich eine Mail, die ich nun gerne an euch weiterreichen möchte. Wer es mag, sollte sich diese Mail antun, wer sich daran stört (auch diese User gibt es ja), der sollte nun flugs aufhören zu lesen:

Hallo Dieter,
nach solch einem, zumindest vom Ergebnis, erfreulichen Wochenende wollte ich mir es nehmen lassen, Dich einmal persönlich anzuschreiben. Sieh es mir nach , dass ich dies auf die Firmenadresse tue und mich nicht im Forum äußere. Ich lese nicht jeden Tag, und schon gar nicht das Forum, aber was dort geschrieben wird geht ja wirklich teilweise auf keine Kuhhaut. Man, man, man… Wer Deine Art des Schreibens etc nicht mag , der braucht
doch Deinen Blog nicht zu lesen. Verstehe ich alles nicht.

Die Mannschaft macht, zumindest im Moment vom Ergebnis , wieder Spaß.
Die Stellschrauben wurden teilweise offenbar so gestellt, dass ergebnisorientiert gespielt wird.
Ein Rudnevs bestätigt die Aussagen von Arnesen und darüber bin ich happy.
Dass auch ein Skjelbred (bei mir heißt er nur Ballettänzer) auf einmal „Leistung“ bringt ist ebenso verwunderlich. Die Tatsache, dass Aogo nach vorne gezogen wurde, war ein sehr kluger Schachzug.

Nichts desto trotz sollte es über eines nicht hinwegtäuschen: Am Sonntag haben zwei (unter-)durchschnittliche Mannschaften gegeneinander gespielt. Ich bleibe bei meiner Aussage: Was passiert eigentlich, wenn wir einmal gut spielen? Wir haben 75 gute Minuten in Gladbach gehabt + ein Superspiel gegen Schalke gemacht. Der Großteil der anderen Spiele und damit verbundenen Punkte basierte auf Glück oder Zufall (hat man Sonntag auch gesehen: Sons Tor kam absolut aus dem Nichts!). Es gibt immer noch sehr, sehr viel zu tun. Mir ist allerdings nicht Bange. Im nächsten Jahr kommt „Özil 2“ und somit werden die Alternativen immer besser. Dass vdv und Badelj im Moment unter ihren Möglichkeiten sind , steht außer Frage.
Auch Sie werden wieder zur Form finden.

Ich als Entscheidungsträger würde mich allerdings von Son höchstbietend trennen. Verträge in Korea hin oder her. Son ist und bleibt mehr als limitiert im Spiel. Schlechtes Zweikampfverhalten etc. Natürlich sind seine Einzelleistungen teilweise Weltklasse. Aber auch Beister hat Potenzial. Um zum Abschluss zu kommen: Mir missfällt am meisten die linke + rechte Verteidigerposition. Ich mag Marcell Jansen wirklich gerne und rede ihn selber im Bekanntenkreis immer schön ,aber um ehrlich zu sein reicht das nicht !!!!Viel zu behäbig , er schwimmt mit dem Strom …Mir kommt es nach 15 Minuten schon immer so vor als wenn er nicht mehr kann! Hast Du gesehen wie er sich von Arnautovic hat abkochen lassen???
Diekmeier ist schneller als sein Schatten, aber mehr als eine 3- ist das auch nicht.

Ich behaupte: Wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen , dann muss ganz dringend auf diesen beiden Positionen was getan werden.
So , Ende mit meinen Auslassungen.
Mittagspause gleich vorbei!
Hau rein und gutes Gelingen weiterhin!

Vielen Dank dem Schreiber (den ich kenne) dieser Zeilen, er ist glühender HSV-Fan und wohnt nicht in Hamburg. Zweierlei möchte ich aber noch aus meiner Sicher hinzufügen: Son sehe ich inzwischen mit anderen Augen – deshalb auch ganz anders. Und Glück und Zufall mögen hin und wieder im Spiel gewesen sein, auf jeden Fall aber auch ein Adler. Zum Glück fliegt der gute Rene bei uns zwischen den Pfosten hin und her . . .

PS: Morgen Training im Volkspark um 10 Uhr.

17.09 Uhr

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