Tagesarchiv für den 17. Januar 2013

Finks Startelf für Nürnberg steht – mit van der Vaart

17. Januar 2013

Wie bitter für die beiden Journalisten, wenn sie denn welche sind. Und über den sehr geschätzten Radio-Hamburg-Moderator John Ment, über dessen Fips-Asmussen-Humor ich des Öfteren gut lachen kann, konnte ich heute nur schmunzeln. Da kündigte das Radio-Hamburg-Urgestein heute doch tatsächlich voller Inbrunst an, dass sein Sender zwei Kollegen vor den Wohnungen von Sylvie und Rafael van der Vaart postiert hätte und wies auf deren spannende Erlebnisberichte hin. Was folgte war an Langeweile nicht zu überbieten, so sehr sich die beiden Mitarbeiter auch um eine spannende Erzählweise bemühten. Sylvie sei irgendwann gegen vier nach Hause gekommen, Rafael schon vorher. Wow!! Das war der erste Hammer.

Und der zweite folgte. Denn Rafael bekam Besuch von Boulahrouz’-Exfrau, deren Namen ich mir ob mangelnder Bedeutung für den HSV gar nicht erst merke. Und was bitte macht der HSV-Profi? Er fährt zu seiner Noch-Ehefrau. HAMMER! Wann gab’s sowas schon?

Und: Radio Hamburg war dabei! Investigativ wie man es sich nur wünschen kann… Da bin ich tatsächlich fast durchgedreht am Radio. Allerdings nicht vor Spannung – sondern Scham. Da trennen sich ein Fußballer und seine bekannte Frau und alles dreht durch. Warum bitte?, frag ich mich mal wieder und bekomme die Antwort von einer sehr guten Bekannten, die alles andere als oberflächlich ist – und wahrscheinlich deshalb ihr Statement nicht öffentlich mit ihrem Namen kennzeichnen mag: „Weil es die Leute tatsächlich interessiert. Die Leute lesen, schauen und hören sich sowas an. Ich auch.“

Na gut, mag sein. Dann bin ich offensichtlich kein Teil der „Leute“.

Im Gegenteil, ich freute mich heute vielmehr über die Tatsache, dass van der Vaart normal mittrainieren und dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen konnte. Beim Spiel auf sechs kleine Tore war der Niederländer stets Anspielpunkt seiner Mannschaft, die sich am Ende den orange gekleideten Kollegen geschlagen geben musste. „Stand heute könnte er spielen“, so Trainer Thorsten Fink, der seinen Top-Feldspieler beim Test gegen Hertha BSC (2:1) am Mittwoch auf Anraten der Mannschaftsärzte noch schonte. „Unsere Ärzte hatten noch kleinere Restbedenken. Und manchmal muss ein Trainer auch auf seine Ärzte hören. Aber heute sieht das gut aus. Wir werden vor dem Spiel noch mal die Muskulatur checken und dann sehen, ob Rafael 60 Minuten oder ganz durchspielen kann.“ Entscheidend aber wird auch das Okay des Spielgestalters sein. Fink: „Rafael kennt seine Muskulatur gut genug und hatte schon häufiger vergleichbare Verletzungen. Er wird wissen, wann es geht.“

Klar aber ist in jedem Fall, dass van der Vaart beginnen wird, wenn nichts mehr passiert. Wie sonst auch legte sich Fink bereits früh auf seine Startelf fest. Die letzte Frage, wer vorn im Angriff beginnen würde, beantwortete Fink heute klar: „Artjoms Rudnevs und Heung Min Son werden vorne beginnen. Obwohl es Maxi Beister genauso verdient hätte.“ Folglich wäre die Startelf: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj, van der Vaart, Aogo – Son, Rudnevs. Wobei ich nach dem Spiel gestern gegen Hertha kurzzeitig den Gedanken hatte, Fink könnte trotz wiederholt anderslautender Aussagen Per Skjelbred für Arslan aufstellen. Aber dem scheint nicht so. „Sollte Rafa ausfallen, würden wir wie zuletzt mit Per beginnen“, so Fink, „aber wenn Rafa dabei ist, muss Per zunächst auf die Bank.“ So bitter das für den formstarken Norweger auch sei.

Denn auch Skjelbred brennt vor Ehrgeiz. Im Training heute ging es (mal wieder) ordentlich zur Sache. Selbst der noch nicht zu 100 Prozent genesene Petr Jiracek, der gegen Nürnberg noch nicht zum Kader gehören wird, grätschte und zog die gesamte Einheit mit höchstem Einsatz durch. „Bei uns merkt man, dass Feuer drin ist, dass alle spielen wollen“, lobt Mannschaftskapitän Heiko Westermann, der aber warnt: „Die zweite Halbzeit gegen Hertha war ein schönes Warnzeichen für uns“, so Westermann über den schwachen Auftritt der vermeintlichen A-Elf gegen den Zweitligisten. „Wir haben da grundlegende Dinge einfach nicht gemacht. Bei uns fehlten Kampf, Leidenschaft und Einsatz.“ Und gerade bei den widrigen Bodenverhältnissen und dem Ausblick, auf einen Abstiegskandidaten zu treffen, sei eine radikale Steigerung dieser Eigenschaften bei ihm und seinen Kollegen nötig: „Das wird ein schweres Spiel, ein kampfbetontes. Denn auch wenn wir spielerisch besser besetzt sind, das interessiert am ersten Spieltag niemanden. Da muss man dann auch mal den Ball hinten rausschlagen anstatt immer wieder hintenrum zu spielen.“

Stimmt. Wobei der Anspruch des HSV bei seinem technisch sehr starken Mittelfeld auch ist, guten Fußball zu spielen, wie Fink betont: „In erster Linie wollen wir guten Fußball spielen“, so Fink, der für den Rückrundenauftakt das klare Ziel Auswärtssieg ausgibt, aber auch warnt: „Wir hatten eine hervorragende Vorbereitung, alles hat perfekt gepasst. Gerade in Abu Dhabi. Die Mannschaft scheint sich entwickelt zu haben.“ Aber sie zeige eben auch alte Schwächen auf. Wie beim letzten Test – einer allerdings nur fast misslungenen Generalprobe. „Wir haben gegen Hertha gesehen, dass es nur mit 100 Prozent Konzentration geht. Und die brauchen wir immer.“

Auch bei den Standards, die von allen Beteiligten immer wieder nach vorn geschoben werden, wenn es darum geht zu erklären, welchen Fortschritt man im Winter gemacht habe. „Wir haben auf dem Platz viele Feinheiten abgestimmt und trainiert. Wir sind, denke ich, gut vorbereitet. Gerade bei Standards sollte es jetzt endlich besser werden“, sagt HSV-Kapitän Heiko Westermann.

Na dann, warten wir es ab. Die neue Variante sieht unter anderem den Kapitän auf dem ersten Pfosten den Ball verlängern. Gegen Austria Wien gelang dies – allerdings mit Hilfe eines österreichischen Abwehrspielers, der den Ball an die eigene Latte verlängerte. „Standards waren in der Hinrunde nicht wirklich unsere Stärke“, so Fink vor der Winterpause – heute scheint er zufriedener. „Wir haben sehr gut gearbeitet. Auch in Hinblick auf unsere Standards konnten wir in Abu Dhabi sehr viel erarbeiten“, so der HSV-Coach.

Viel Arbeit vor sich hat auch noch Frank Arnesen. Der Sportchef, der aktuell die Vertragsverlängerungen von Heung Min Son ebenso vorantreibt wie die der umworbenen Top-Talente Levin Öztunali und Jonathan Tah („Wir führen sehr gute Gespräche, ich bin sehr positiv“) wirkt derzeit ein wenig gehetzt. Immerhin muss er im Winter 6,4 Millionen Euro einsparen. Durch die Abgabe von Tom Mickel und Robert Tesche konnte der HSV-Sportchef jedoch gerade – und da muss ich mich korrigieren – 700000 Euro einsparen. 200000 Euro davon bei Mickel, 500000 bei Tesche, der von Düsseldorf das Gehalt für die komplette Rückrunde erhält. Das wiederum sind nur 400000, an denen ich mich gestern orientiert hatte. Allerdings sind es „nur 400000“, weil Tesche auf einen Teil – ergo auf 100000 Euro – seines Gehaltes verzichtet hat. „Er hat Abstriche hingenommen, um spielen zu können“, so Arnesen, „das zeugt von sportlichem Ehrgeiz.“ Auch wenn es eine ganze Zeit gedauert hat, bis sich diese Eigenschaft bei Tesche gemeldet hat…

Melden möchte ich auch eine erstaunliche Geschichte. Zumindest für mich erstaunlich, weil ich nicht dachte, dass das geht. Als wir am Sonnabend die Sendung zum Austria-Spiel vorbereitet haben, hat mir HSV-Mitarbeiter Carlo Dannies erzählt, er würde sich von seinem Handy im Auto immer Matz ab vorlesen lassen. Zuerst war ich baff, weil ich nicht wusste, dass wir Podcasts anbieten. Sie also kann man sich den Blog vom Handy vorlesen lassen? Die Erklärung: Dannies hat ein Iphone. Er kopiert den Blog-Text auf folgende Seite

http://www.experto.de/b2b/computer/gadgets/von-iphone-und-ipad-markierte-texte-vorlesen-lassen.html

Dort ertönt dann die Stimme, die den Text vorliest. Eine gute Idee wie ich finde…

Noch besser fände ich allerdings, wenn der HSV am Sonntag den guten Vorbereitungsergebnissen ein gutes Liga-Ergebnis folgen lässt. Alle sind fit – bis auf Paul Scharner (Schleudertrauma). Was also sollte noch schiefgehen? Ich bin optimistisch und tippe auf einen 3:1-Sieg, der sich allerdings ändern könnte, sollte morgen (um 15 Uhr an der Imtech-Arena) oder am Sonnabend beim geheimen Abschlusstraining noch etwas passieren. Ich drücke die Daumen, dass dem nicht so ist…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Rest-Donnerstag, bis morgen,
Scholle