Tagesarchiv für den 15. Januar 2013

Van der Vaart in Nürnberg dabei – Jiracek trainiert wieder

15. Januar 2013

Man merkt Thorsten Fink an, dass er zu lange theoretisch sein musste. Seit einigen Tagen wird der HSV-Trainer immer wieder auf die bisherige Vorbereitung angesprochen und wie weit seine Mannschaft ist. Eine Endlosschleife Fragen mit immer den Gleichen Antworten. So auch heute. Wie weit die Mannschaft denn ist, wollte ein Kollege wissen. Fink dazu: „Wir haben einige Spiele gehabt, die ganz gut waren und die wir gewonnen haben“, sagt Fink, „aber wir wissen auch, dass der Bundesligaalltag noch einmal ein ganz anderer Schnack sein wird.“

Dennoch ist es natürlich nicht von Nachteil, wenn die Mannschaft mit einigen Erfolgserlebnissen in die Rückserie startet. Eben ganz anders als in der Vorbereitung der Hinrunde, wo die letzten Tests im Gleichschritt mit dem Selbstvertrauen der Spieler verloren gingen. „Das waren ganz andere Voraussetzungen als heute“, freut sich Fink, der heute wieder auf Rafael van der Vaart zurückgreifen konnte. Der Niederländer absolvierte die komplette Trainingseinheit voll mit und wirkte so fit, als hätte er gar nicht gefehlt. „Wenn er gesund bleibt, wird er natürlich auch gegen Nürnberg auflaufen“, sagt Fink, der im Gegenzug Per Skjelbred aus dem Team nehmen müsste. Und das, obwohl Fink mit dem Norweger nach einer starken Phase am Hinrundenende sowie der Fortsetzung seines Positivtrends in der aktuellen Vorbereitung hochzufrieden ist. Fink: „Dass so ein Spieler wie Per auf die Bank müsste zeigt nur, dass wir wieder mit richtig Qualität arbeiten können.“

Qualität, die in der nächsten Zeit um einen weiteren Hochkaräter gesteigert werden kann: Petr Jiracek. Der Tscheche war die Überraschung im heutigen Training. Den obwohl Fink bei dem Tschechen zuvor noch ein dosiertes Trainingspensum angekündigt hatte, absolvierte der Linksfuß die komplette Einheit mit. Und das sehr gefällig. Wann der Tscheche, der seinen letzten Einsatz beim unsäglichen 0:1 am 21. Oktober gegen Stuttgart hatte, wieder zum Kader stoßen kann, ist allerdings weiter offen. „In Nürnberg ist er natürlich noch nicht dabei“, sagt Fink, der Jiracek auch eine Woche später, am 27. Januar beim Nordderby gegen Werder Bremen in der Imtech-Arena, noch nicht im Kader sieht. „Ich will nichts ausschließen, es können sich ja noch Spieler verletzen und Petrs Einsatz notwendig machen“, sagt Fink, der aber zugleich anmahnt, dass Jiracek lange raus war. Zudem ist die trotz aller Forschungen und Studien noch immer schwer zu behandelnde Schambeinentzündug bei Jiracek noch nicht gänzlich auskuriert. Oder besser gesagt, niemand weiß etwas Genaues. „Wir müssen abwarten, ob es eine Reaktion gibt oder alles hält“, warnt Fink vor zu früher Freude über die Rückkehr des späten Zugangs. „Allerdings ist klar, dass Petr unsere spielerische Qualität noch mal anheben würde.“

Und das, obwohl Fink gerade im Spielerischen den größten Fortschritt seiner Mannschaft sieht. „Wir lassen den Ball momentan sehr gut laufen, habe ich das Gefühl“, so der HSV-Coach, dem ich so uneingeschränkt zustimmen würde. Was genau das wiederum für die aktuelle Zielsetzung bedeutet, wollte Fink nicht sagen. „Wir sind gut beraten, nicht wieder zu früh zu hochgegriffene Ziele auszurufen. Wir sollten erst Taten vollbringen, ehe wir den Mund aufmachen.“ Wobei Fink sich dann doch zu einem Rechenspiel hinreißen lässt. „Wir haben 24 Punkte mit dem Kader geholt, den wir jetzt haben. Und das in 14 Spielen.“ Zur Erklärung: Bei den ersten drei Ligaspielen waren noch nicht alle Neuen dabei. Fink weiter: „Wenn wir diesen Punkteschnitte beibehalten, wäre ich sehr zufrieden.“

Und das könnte er auch. Immerhin wären das am Ende rund 53 Punkte (24 Punkte geteilt durch die 14 Spiele, in denen der Kader komplett war – das multipliziert mit 17 Rückrundenspielen plus die bisherigen 24 Punkte) – und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein internationaler Startplatz. „Wir können in der Rückrunde sicherlich auch noch mehr Punkte holen als in der Hinrunde, in der wir sicherlich noch nicht am Limit gespielt haben“, sagt Fink, der in der Wintervorbereitung ein besonders großes Augenmerk auf die bisherige Schwäche gelegt hatte: die Offensive. Wer dort neben dem gesetzten Artjoms Rudnevs beginnen wird? Fink weiß es schon, will es aber noch nicht sagen. „Die Jungs sind einfach zu gut drauf, als dass ich jetzt etwas Definitives dazu sagen sollte“, sagt Fink, der sich dadurch auch in der letzten Trainingswoche vor dem Rückrundenauftakt hohen Konkurrenzkampf erhofft. „Zumindest kann so keiner nachlassen.“

Loslassen kann offensichtlich auch Robert Tesche, der sich bislang trotz des dringenden Rates der HSV-Offiziellen noch nicht zu einem Vereinswechsel überreden konnte. Das allerdings könnte sich jetzt ganz schnell ändern. Denn Tesche fehlte beim Training, „weil er in der Kabine bleiben musste, um wichtige Gespräche zu führen“, wie Fink mit einem Lächeln verriet. Dabei besprach sich Tesche mit seinem Berater. Gut möglich also, dass der aussortierte Mittelfeldspieler in den nächsten Tagen einen neuen Verein präsentiert und Frank Arnesen somit (nach den wenigen Euros durch Tom Mickels Abgang) die ersten echten Einsparungen beschert.

Einige Telefonate sparen wird sich indes Fink, der privat sehr gut mit dem aktuellen Nürnberg-Trainer Michael Wiesinger befreundet ist und regelmäßig Kontakt zu seinem ehemaligen Mannschaftskollegen hat. „Wir haben zusammen bei Bayern eine sehr erfolgreiche Zeit gehabt. Unsere Frauen haben sich zudem sehr gut verstanden – und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Diese wird aber am Sonntag für 90 Minuten ruhen. Bei mir gleichermaßen wie bei ihm“, verspricht Fink, der nach dem Spiel nicht mit der Mannschaft nach Hamburg sondern mit Wiesinger zusammen direkt zur DFB-Trainertagung nach Düsseldorf fliegt. Fink: „Da werden Michael und ich genug Zeit haben zu reden.“

Weniger Zeit hat in Zukunft Katrin Sattelmair, die es in ihrem dritten Versuch erstmals in den Aufsichtsrat schaffte. Die beruflich erfolgreiche Anwältin und Notarin wurde im zweiten Wahlgang gewählt. Ob sie nach der überraschenden Wahl im eigenen Zuhause mit Problemen rechnen muss? „Nein, da habe ich großes Glück. Mein Mann hat mir aber unmittelbar nach der Wahl gesagt, dass er mich zu 100 Prozent unterstützt. Seine genauen Worte waren: ‚Du hast einen völlig freien Rücken’. Mein Glück dabei: Er ist selbst ein großer HSV-Fan“, so Sattelmair, die selbst nicht mit ihrer Wahl gerechnet hatte. „Ich hatte Jens Meier und Ralf Bednarek auf eins und zwei, Herrn Wöhlke auf dem dritten Platz. Ich hatte zwar gehofft, dass ich mit den anderen Kandidaten um die Vergabe von Platz vier mitmachen könnte, aber diese Hoffnung war nach dem Vortrag von Ali Eghbal und dessen Wahl auch schon dahin. Zu meinem Mann habe ich nach Herrn Eghbals Vortrag nur gesagt: Schatz, da hat uns einer wie Frank Baumann einst auf der Zielgeraden rechts überholt.’ Zum Glück hatte ich nur bedingt Recht.“ Denn wie bereits bekannt, wurde Eghbal zwar noch vor Sattelmair gewählt, allerdings mussten Wöhlke und Topfavorit Bednarek die Segel streichen und Katrin Sattelmair durfte sich freuen.

Auch, weil sie bereits zum dritten Mal kandidierte. „Eigentlich wollte ich kein drittes Mal kandidieren, weil eine dritte Nicht-Wahl schon heftig gewesen wäre. Andererseits hat meine Beharrlichkeit den Mitgliedern vielleicht gezeigt, wie ernst es mir ist. Sie kannten durch die letzten Wahlen und die vielen Veranstaltungen, die ich besucht habe, auch mein Gesicht“, so Sattelmair, die auf mich einen sehr strukturierten, sympathischen Eindruck macht Was sie als erstes machen wolle? „Ganz klar“, so Sattelmair, „ich werde so viele Infos über die Vorgänge innerhalb des Vereines sammeln, dass ich sachliche Entscheidungen treffen kann in einem Gremium, das in Zukunft hoffentlich hoffentlich nicht mehr als ‚Club der Ahnungslosen’ bezeichnet wird. Es sollte das gemeinsame Ziel sein, gut nach innen zu arbeiten und mit einer Stimme nach außen zu sprechen. Ähnlich, wie es der Ehrenrat macht, der seit Jahren sehr viel Positives erarbeitet und dennoch nur sehr wenig öffentlich in Erscheinung tritt.“

Wäre doch mal was Neues. Neu war für mich auch, dass Frau Sattelmair nicht annähernd so eng mit Bernd Hoffmann befreundet ist, wie es erzählt wird. „Auch wenn das anders dargestellt wurde, er war auf jeden Fall nicht meinetwegen bei der ersten Kandidatenvorstellung in der Imtech-Arena. Ich habe ihn und Frau Kraus über ihre Arbeit beim HSV kennengelernt und stehe dazu, dass ich sie dafür sehr schätze. Es ist aber falsch, dass mich Herr Hoffmann auf die Aufsichtsratswahl vorbereitet hat.“ Zudem würde sie sich darüber freuen, von Hoffmanns Erfahrungsschatz profitieren zu können. „Es macht immer Sinn, wenn man Leute hat, bei denen man sich Rat einholen kann. Es wäre doch schön doof, wenn ich das Wissen anderer nicht annehmen würde. Aber das gilt in meinem Fall nicht nur für Herrn Hoffmann sondern für sehr viele andere in unserem Verein auch, die mir helfen können und würden.“

Macht Sinn. Dennoch dürfte auch Sattelmair wissen, dass allein die Nähe Hoffmanns bei dessen Kritikern erste Verschwörungstheorien sprießen lässt. Allerdings werde ich mich diesen hier nicht anschließen.

Dafür schließe ich diesen Blog ab mit den Worten von Paul Scharner (pausierte heute wegen starker Kopfschmerzen nach dem Lauftraining) am Sonnabend im Anschluss an das Austria-Wien-Spiel: „Dieser Verein hat so viel Potenzial wie wenige andere. Es müssen nur alle merken.“

Stimmt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Mit van der Vart, Jiracek und hoffentlich auch allen anderen. Damit der Rückrundenstart mit dem machbaren Auswärtsspiel in Nürnberg sowie zwei darauf folgenden Heimspielen (Werder, Frankfurt) zum Gegenteil des Saisonauftaktes wird.

Bis morgen,
Scholle