Tagesarchiv für den 14. Januar 2013

Hunke, Ertel und Meier – wer wird neuer AR-Boss?

14. Januar 2013

***Mit persönlichem Beitrag von Dieter am Textende!****

Der Knalleffekt war da, die Brandreden nicht. Auch keine großen Abrechnungen und/oder Zerwürfnisse – noch weniger Zwietracht. „Ein Tag voller Harmonie“ hatte Dieter die Mitgliederversammlung getauft und es damit offensichtlich ganz gut getroffen. Denn auch heute ist es erstaunlich ruhig rund um das immer wieder mal umstrittene Gremium der Aufsichtsräte. Und das, obwohl mit Ralf Bednarek der absolute Favorit vieler (für mich war das noch vor Bednarek Meier) es nicht geschafft hat. Eine Sensation? Keine Ahnung. Es ist auf jeden Fall sehr überraschend für alle gewesen. Natürlich auch für Bednarek selbst, der sich als sehr guter Verlierer präsentiert. „Ich hatte auf mehr gehofft, kann und muss das Ergebnis aber akzeptieren. Nach der Wahl war ich kaputt und traurig – heute denke ich darüber nach. Und dafür habe ich jetzt ja einige Stunden – wenn auch ungewollt – mehr zur Verfügung.“ Ob der ehemalige Supporters-Chef (trat am 12. Januar zugunsten der AR-Kandidatur zurück) in zwei Jahren vielleicht noch mal antreten will? „Für diese Entscheidung ist es noch viel zu früh. So weit bin ich noch nicht. Ich werde jetzt erst einmal abwarten. Ich war als Vorsitzender der Supporters nach vier Jahren mit einem hohen zeitlichen Aufwand für Amt wirklich auch am Ende meiner Kräfte. Ich hätte es gern anders gehabt – aber die Pause wird mir auch mal gut tun.“l

Versöhnliche Worte Bednareks, der hier im Blog nicht allzu wohl gelitten ist. Das wurde auch gestern deutlich. Als das Abstimmungsergebnis bekannt wurde und Bednarek nicht gewählt worden war, brandete der größte Applaus aus dem Block der Matz-Abber auf, wie mir berichtet wurde. „Dass ich bei vielen im Blog nicht der Kandidat Nummer eins war, war mir klar“, so Bednarek, der nicht beleidigt scheint. „Nein, warum auch? Jeder soll doch seine Meinung haben und diese auch entsprechend vertreten. Daher ist der Applaus auch völlig okay gewesen. Das nehme ich niemandem übel.“

Respektvolle Reaktion eines guten (Wahl-)Verlierers, wie ich finde. Chapeau!

Große Gefühle geweckt hatte dagegen die zweitgrößte Überraschung des Morgens, Mittags, Nachmittags und Abends: Ali Eghbal. Der Wirtschaftsprüfer wusste mit seiner Fan-geeichten Rede zu gefallen und punktete durch seinen Strip vom Anzugträger zum HSV-Fan im 74-er-Trikot. Ob er selbst überrascht war, gewählt zu werden? Eghbal: „Nein, nicht, dass ich gewählt wurde. Ich hatte mir sehr wohl Chancen ausgerechnet. Ich hatte mich ja auch schon seit 2009 mit dem Gedanken beschäftigt, zu kandidieren. Aber ich war von der Deutlichkeit überrascht.“

Groß gefeiert wurde dennoch nicht. Zusammen mit seiner Frau ließ Eghbal den Abend im La Sepia (Schanze) ausklingen, nachdem es nach der Versammlung ein kurzes Treffen mit allen elf Aufsichtsräten bzw. mit der einen Rätin, gegeben hatte. Apropos: Katrin Sattelmair, die es im dritten Versuch ins Kontrollgremium schaffte, war heute leider aus beruflichen Gründen nicht zu erreichen. Ich hoffe allerdings, dass die Notarin und Vertraute von Ex-HSV-Boss Bernd Hoffmann mich heute oder morgen zurückruft.

Auch Eghbal hatte heute wenig Zeit. Zudem musste er heute etliche Telefonate ob der Wahl über sich ergehen lassen. Unter anderen eben auch das mit mir. Ich wollte von dem ehemaligen Hamburger Meister im Hockey (spielte und spielt beim Club an der Alster) wissen, ob der Striptease ein gezielt gewähltes Überraschungsmoment war? „Nein“, versichert Eghbal, „aber ich wollte mich authentisch geben. Ich wollte nicht nur im Anzug auftreten und mich ob meiner wirtschaftlichen Referenzen als Wirtschaftsfachmann präsentieren. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass ich nächsten Sonntag in Nürnberg als normaler Fan in der Gästekurve mit Bier in der Hand fotografiert werde und in den Zeitungen steht: ‚Ali Eghbal – ein Fan mogelte sich in den Aufsichtsrat’. Denn ich habe ganz sicher den Stallgeruch der Fans – aber ich bin eben zu keiner Fraktion gehörend. Ich freue mich, dass das offenbar angenommen wurde.“ Auch dank des Stripteases – aber eben nicht nur. „Viele kamen nachher zu mir und gratulierten mir zur Präsentation, aber eben auch zu meinen Inhalten. Insgesamt glaube ich, dass es eine sehr gesunde Veranstaltung von allen war mit Kandidaten, die an ihren Inhalten gemessen wurden. Ich habe zumindest keine so genannten ‚Lager’ unter den Mitgliedern ausmachen können.“ Er selbst wolle in den nächsten Wochen zunächst „alle Gremien kennenlernen. Ich werde von den Tischtennisleuten bis zu den Profis alle Abteilungen besuchen und kennenlernen. Zudem werde ich mir im Laufe der Zeit alle Verträge ansehen und mir einen Überblick über die wirtschaftliche Situation verschaffen. Mir geht es um zwei Dinge: Integration und Konsolidierung. Und darum bemühe ich mich als erstes.“

Eghbal, der seit 1974 zum HSV geht und sich selbst als „Kind der Westkurve“ („Ich stand immer im Block E”) bezeichnet, sieht in der Zusammenführung der Mitglieder eines seiner großen Ziele als Aufsichtsrat. Er werde auf jeden Fall weiter mit Fan-Zügen und dem Fan-Bus zu Auswärtsspielen reisen. Auch bei Heimspielen wird er weiter auf der Nordtribüne seinen Stehplatz einnehmen. „Allerdings kann ich auch mit Schlips und Kragen in der Platin-Lounge auflaufen, dort Kontakte knüpfen und den Verein repräsentieren. Ich weiß schon, dass das eine wichtige Begleiterscheinung ist, die ich wahrnehmen will und werde.“

Eghbal vermied es im Gespräch, die Arbeit seiner Vorgänger zu beurteilen Er wolle keine Urteile abgeben, ehe er sich ausreichend über die Grundlagen informiert habe. Ebenfalls kein Thema ist für Eghbal der Ratsvorsitz. „Wenn ich einige Jahre dabei war und mich innerhalb des Vereines ausreichend vernetzt und über alle Bedürfnisse und Wünsche der Abteilungen informiert habe – vielleicht. Wenn es gewünscht ist. Aber jetzt definitiv nicht. Es wäre absolut vermessen von mir, mich als absoluten Neuling für so ein Amt zu bewerben. Ich wäre auch ganz sicher die falsche Wahl.“ Zumal es mit Jürgen Hunke („Wenn man mich fragt, würde ich helfen“) und Manfred Ertel offen hörbar schon zwei Kandidaten für den Vorsitz gibt, während Neuling Jens Meier, Vorsitzender der Hamburg Port of Authority, als Favorit für den Vorsitz gehandelt wird. Meier selbst wollte sich zu dem Thema noch nicht näher äußern, ließ aber durchblicken, dass er den Vorsitz nicht ablehnt.

Ich glaube auch – und das, obwohl ich auch Meier heute nicht erreichen und persönlich sprechen konnte, dass er eine gute Wahl wäre. Reines Bauchgefühl…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Um 15 Uhr bittet Trainer Thorsten Fink seine Mannen zum Aufgalopp. Und ich werde mich endlich wieder dem Wesentlichen widmen und über Fußball schreiben.

Scholle (18.44 Uhr)

Dieters Text:

Es war das vierte Treffen der “HSV-Amateure”, diesmal im Hotel Engel. Und ich durfte dabei sein – auf Einladung des Organisators Günter Schiefelbein (er macht es gemeinsam mit Eckhard Dehne). Alle drei Jahre treffen sich diese HSV-Oldies, aber sie wollen sich damit nicht begnügen, denn es gibt Bestrebungen, diese Veranstaltung nun alle zwei Jahre durchzuführen. Weil es so viel Spaß macht. Weiß du noch? Die Herren hatten sich über sechs Stunden lang viel zu erzählen. Und ich traf dabei meinen “alten” Torwart Peter Agge wieder, mit dem ich einst bei BU gespielt habe. War das eine Freude. Agge war einst ein wirklich ganz hervorragender Keeper, er lebt heute in der Nähe von Bad Bevensen. Uns verbinden viele schöne Spiele und Siege, aber auch eine ganz besondere Geschichte. Ich, damals 18 Jahre, soll in einem Punktspiel gegen den SC Urania einmal auf den Routinier Agge eingepöbelt habe. Was ich immer noch energisch bestreite, aber diese Sache kommt eben immer wieder mal hoch: Der Ball lag bei uns im Tor-Aus, wir lagen zurück – und ich soll Agge, der gerade damit beschäftigt war, mit seinen Vorderleuten zu diskutieren, angeherrscht haben: “Mensch Opa, sabbel nicht so viel, bewegt dich und hol den Ball . . .” Ich, wie gesagt, bestreite das, aber ich gebe auch zu, dass ich schon immer viel und heftig (auf dem Platz) gesabbelt habe. Auszuschließen ist das also nicht. Ich habe mich im Laufe der Jahre aber schon mindestens zehn Mal entschuldigt.

Wie gesagt, solche Geschichten kreisten bei Bier, Wasser und Wein an jedem Tisch herum, und Schiefelbein, einst Geschäftsführer des HSV, sagte freudig: “Die Stimmung war wieder einmal riesig, wir haben einen tollen Geist in dieser Truppe. Und alle sind noch heute ganz heiß dabei, wenn es um ihren HSV geht.” Natürlich wurden auch die Sorgen und Nöte der jetzigen HSV-Mannschaft und –Führung diskutiert. Herrlich. Von den Amateure kamen einst ja auch Spieler wie Ripp, Dörfel, Schwerin und Bähre zur Bundesliga, einige Amateur-Spieler haben dazu auch gelegentlich als Amateure für die Profis gespielt.

Zwei Dinge noch zu Erhard Schwerin. Der Torwart war der erste Einwechselspieler der Bundesliga, als er am 19. August 1967 beim 4:1-Sieg des HSV bei Werder Bremen für den verletzten Arkoc Özcan zwischen die Pfosten musste. Und warum Schwerin stets nur “Tas” genannt wurde, das erfuhr ich an diesem Abend auch: Er hatte einst auch für Tasmania Berlin gespielt, und Erhard wollte kein Kollege zu ihm sagen – deshalb “Tas”.

Übrigens: Nicht mit auf dem Foto (siehe unten) ist Bernd Rudolph, und erkrankt absagen mussten Klaus “Mäuschen” Vogler, Helmut Sandmann und Hubert Stapelfeldt. Und noch ein übrigens: Peter Agge, wie gesagt, auch ehemals BU, regte an, dass es ein solche Veteranen-Treffen auch ruhig einmal mit BU-Spielern geben könnte. Falls es also jemand von BU lesen sollte, der darf sich ruhig bei mir melden, ich würde es sehr gerne vermitteln.


Hintere Reihe von links: Oliver Scheel, Horst Schmid, Bernd Wilde, Udo Olsen, Jürgen Schmücker (Ordnungsdienst), Werner Baumann, Hans-Jürgen Hartmann, Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp, Peter Barfuß, Manfred Waack

Mittlere Reihe von links: Wolfgang Michauk, Erhard „Tas“ Schwerin, Hans-Peter Törber, Peter Agge, Hans Franke (Betreuer), Uli Meinke, Harry Bähre

Davor knieend: Thomas Brettschneider, Rolf Schwartau

Vorn Knieend: Günter Schiefelbein, Charly Dörfel, Eckhard Dehne, Uwe Lüdemann, Jürgen Wien, Hans Siep, Karl-Heinz Wegner

Foto: Public Address