Tagesarchiv für den 12. Januar 2013

2:0 – Generalprobe gelungen!

12. Januar 2013

Es ging um den Care Energie Cup, und der HSV hat sich den Pott geangelt. Der erste Titel im Jahre 2013! Österreichs Tabellenführer Austria Wien wurde vor 14 232 Zuschauern mit 2:0 aus dem Volkspark geschossen, die Generalprobe für das Nürnberg-Spiel ist also gelungen – aber schön war es lange Zeit nicht. In Halbzeit eins fand der HSV gegen eine schwach und nur defensiv spielende Mannschaft aus Wien nur selten mal das richtige Mittel, um gefährlich vor das Tor der Österreicher zu kommen. Erst im zweiten Durchgang – vielleicht weil Trainer Thorsten Fink die richtigen Sätze in der Kabine gefunden hatte (?) – legte der HSV in Sachen Tempo und Effektivität zu und kam verdient zu einem nie gefährdeten Sieg. Ein unrühmlicher Höhepunkt der Partie war ein Flitzer, der in der 76. Minute auf das Feld stürmte und auf Torwart Rene Adler loslief. Der Nationalkeeper sah den Mann nicht kommen, zum Glück blieb es bei einem ganz kurzen Kontakt mit dem Arm – nicht auszudenken, wenn da ein Mensch gekommen wäre, der Böses gewollt hätte.


Dass da Fans aus Wien (wenn sie denn tatsächlich aus Wien waren?) kommen, um sich hier in Hamburg (auch schon vor dem Spiel!) zu prügeln, werde ich nie verstehen. Das müssen richtig gute Fußball-Fans sein! Hut ab! Und nur die Harten komm’ in Garten. Hoffentlich nicht in den Volkspark. Ja, es war schon fix was los – vor dem Spiel. Ich stand zum ersten Mal seit Jahren mal wieder auf der Autobahn. Allerdings wahrscheinlich nur deshalb, weil es auf der Abfahrt ein wenig gekracht hatte. Dennoch: Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass doch mehr als die angekündigten 10 000 kommen würden. Bei dem Verkehr. Aber Pustekuchen. Totentanz in der Arena. Ein handverlesenes Publikum. Und schon ein trauriger Anblick. Aber wenn eine solche Partie denn auch noch live im Fernsehen gezeigt wird, dann ist das bei dieser Jahreszeit eben so.

Und dann auf dem Acker: mauernde Wiener! Als ginge es darum, eine hohe Niederlage zu vermeiden. Bis auf Hosiner standen alle Österreicher auf ihrer Strafraumgrenze – oder kurz davor. Und der HSV passte und passte und passte. Notfalls zurück. Und notfalls war oft. Mir dauerte das alles viel zur lange, das meiste war viel zu umständlich, zu durchsichtig, zu hausbacken, zu pomadig, einiges sah auch ein wenig hilflos aus, und oft hatte es auch den Anschein, es handle sich hier um ein kleines Trainingsspielchen. Langweilig. Furchtbar langweilig! Und wenn es denn doch mal nach vorne ging, dann trafen Heung Min Son (gleich zweimal!) oder auch Artjoms Rudnevs den Ball nicht (richtig). Das konnte keinen Fan erwärmen. Quer, quer, zurück. Und einmal traf Rudnevs nach einem Son-Zuspiel sogar den Pfosten (17.). Da roch es im Volkspark mal nach Torgefahr. Und gleich noch einmal: Nach einem Aogo-Eckball tanzte der Ball auf der Querlatte – aber er eben auch nur drauf, und nicht drin (34.). Auf „knapp vorbei ist auch daneben“ brachte es Dennis Diekmeier, der mit der Pike haarscharf am langen Pfosten vorbeischoss (42.). 0:0 zur Pause – kümmerlich.

Zum zweiten Durchgang kam Maximilian Beister für Rudnevs. Und dann dieser Wahnisnn (!!): In der 55. Minute waren tatsächlich alle Wiener Feldspieler in der Hälfte des HSV. Was war das denn? Wollten die Wiener tatsächlich doch noch ein wenig mitspielen? Und sie kamen dann auch noch zu einer Ecke – in der 57. Minute. Na gut, die führte zu nichts, aber immerhin. Dass dann nur eine Minute später der „Wunder“-Stürmer Hosiner vom Platz geholt wurde, das zeugte dann aber nicht gerade davon, dass es offensiver werden sollte. Und der Schuss ging dann auch grandios nach hinten los. Nur Sekunden danach drosch Son den Ball mit links in den oberen rechten Torwinkel. Ein Traumtor! Welch ein Hammer. Wo nimmt er diese Dinger eigentlich her? Früher konnte er doch nie so richtig mit links, aber seit einigen Monaten klappt das wie verrückt. Es muss wohl am Training mit dem Herrn Papa liegen . . .

Nur Sekunden nach dem Führungstor hieß es dann sogar 2:0. Beister traf mit einem abgefälschten Schuss in die kurze Ecke. Die Austria, die erst noch ins Trainingslager gehen wird, war damit am Ende. Mit ihrer Mauerei. Das wäre ja auch wirklich erschütternd gewesen, wenn ein so destruktiver Fußball noch mit einem 0:0 belohnt worden wäre.

Die Einzelkritik fällt heute eher kurz und knapp aus. Für mich verdiente sich Per Ciljan Skjelbred die Fließnote zwei, weil er von Beginn an Biss zeigte, er gab Gas und wollte sich zeigen. Bravo! Vielleicht saßen ja Spione aus Norwich auf der Tribüne?

Dem Norweger fast gleich taten es Milan Badelj, der zahlreich Bälle eroberte und stets bemüht war, Ordnung ins Spiel zu bringen, und gut gefiel mir auch Heiko Westermann, der die harmlosen Wiener Offensivspieler (so es sie denn gegeben hat?) fast allein stoppte. Die Note drei verdienten sich Dennis Diekmeier, Dennis Aogo und Marcell Jansen. Letzterer aber wirkte auf mich noch nicht wieder restlos fit, da fehlen – so denke ich – so um die 20 Prozent. Heung Min Son schoss seine Einzelkritik-Note mit dem 1:0 noch ein wenig nach oben, der Tor war klasse, aber sein Spiel war es sicherlich nicht – gerade noch Note drei. Alle anderen Spieler (Michael Mancienne, Tolgay Arslan und die Einwechselspieler) können mehr, müssen, damit es einen Sieg in Nürnberg gibt, noch zulegen – auch schon im eigenen Interesse, damit der Platz in der Mannschaft erhalten bleibt. Oder damit sie eine Alternative für die Stammformation werden.

Von den eingewechselten Spielern überzeugte mich Maxi Beister am meisten, der Angreifer machte es Skjelbred nach, er biss. Und das war gut so. Das Tor zum 2:0 war die richtige Belohnung.

Der HSV spielte mit Adler; Diekmeier (72. Lam), Mancienne, Westermann, Jansen; Badelj; Skjebred (72. Sala), Aogo; Arslan; Son (76. Berg), Rudnevs (46. Beister).

17.35 Uhr