Tagesarchiv für den 10. Januar 2013

Fink verspricht eine gute Rückrunde – Skjelbred zu Norwich City?

10. Januar 2013

Heute ist (Ab-)Reisetag für die Mannschaft und das Trainerteam. Gegen 19 Uhr landen die HSV-Heroen heute Abend in Fuhlsbüttel – und das mit einer Menge Erkenntnisse im Gepäck. Vor allem sportlicher Natur, wie Trainer Thorsten Fink in seinem Trainingslager-abschließenden Gespräch sagt. Fink: „In Abu Dhabi hat man gemerkt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Jeder sieht, dass wir sehr viel weiter sind als vor dem Start der Hinrunde sind.“

Fürwahr. Spielerisch hat der HSV diesmal allerdings auch keine – zudem späten – Zugänge zu integrieren und durch die verkürzte Pause auch konditionell nicht so viel verloren wie einst im Sommer 2012 nach der wahrscheinlich längsten Sommerpause aller Zeiten. Und so konnte sich Fink auf Konditionsarbeit und den Ausbau der in der Hinrunde eingespielten Automatismen konzentrieren. Soll heißen: Wäre die Mannschaft jetzt nicht weiter als vor dem Start der Hinrunde – es wäre etwas grob falsch gelaufen.

Dennoch, auch wenn das die lobenden Worte Finks sicher relativiert, dieser HSV von heute ist spielerisch ein Stück weitergekommen. Insbesondere mit der ersten Elf. Offensiv funktioniert es sehr gut. Insbesondere im Zusammenspiel mit der Defensive. „Wir sind spielerisch reifer geworden“, lobt Fink und analysiert: „Das Rausrücken funktioniert besser, auch beim Pressing gibt es Fortschritte.“

Zumindest bei der ersten Elf. Denn die hat sich – auch weil der zweite Anzug sowohl gegen Al Shabab als auch ab der 62. Minute gegen Mönchengladbach enttäuschte – ziemlich deutlich herauskristallisiert. Bislang mit Per Skjelbred im Mittelfeld, der allerdings von Rafael van der Vaart ersetzt werden dürfte in Nürnberg. „Es sieht tatsächlich so aus, als ob sich eine erste Elf gefunden hat“, bestätigt Fink, „wir haben unseren Rhythmus gefunden, wollen jetzt nicht mehr großartig experimentieren.“ Also auch nicht im Spiel am Sonnabend in der Imtech-Arena gegen Austria Wien.

Dort, bei der ersten Auflage des „Care-Energy-Cups“, für den etwas mehr als 10000 Tickets abgesetzt wurden, dürfte demnach folgende Elf beginnen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Son, Rudnevs. Das wiederum ist nicht wirklich überraschend. Erfreulich aber ist zumindest, dass sich der Sturm in einer sehr guten Verfassung präsentiert und sich mit dem kleinen Norweger ein weiterer Spieler in den Vordergrund spielen konnte. „Per macht seine Sache sehr gut im Moment“, lobt Fink und freut sich selbst über die erweiterte personelle Auswahl im Mittelfeld: „Den hatte doch niemand auf der Rechnung. Und er gehört jetzt zum engen Kreis. Per macht Druck auf die Etablierten und würde zur ersten Wahl gehören, wenn Rafa verletzt ist.“

Womit auch ein Verkauf im Winter vom Tisch sein dürfte. Es sei denn, das Angebot für den Norweger ist unausschlagbar. Fink ehrlich: „Vor zwei Monaten habe ich Per noch ehrlich gesagt, dass er sich besser ausleihen lassen soll. Ich sagte: ,Ich plane nicht mit Dir.’ So schnell geht das manchmal.“ Gänzlich unverkäuflich ist Skjelbred allerdings nicht: „Ich würde ihn sehr gerne behalten, aber natürlich gibt es Grenzen.“ Klar. Und wo die liegen, könnte der HSV schneller rausfinden als es ihm (Fink) Recht ist. Denn nach englischen Zeitungsberichten hat der englische Klub Norwich City Interesse an dem Norweger.

Ebenso klar ist, dass im Angriff Artjoms Rudnevs und Heung Min Son beginnen werden. Trotzdem Marcus Berg mit drei Treffern in zwei Testspielen die beste Quote vorzuweisen hat, spielt er in Finks Planungen offen heraushörbar keine Rolle mehr. „Im Angriff habe ich die Qual der Wahl. Sonny und Rudi sind in grandioser Verfassung, beide haben sechs Tore gemacht.“ Womit Fink die Bundesliga meint. Fink weiter: „Zudem war Maxi Beister sehr gut drauf, ist auch ein sehr guter Stürmer. Wir haben einen echten Dreikampf vorne.“ Aber keinen Vierkampf. Und auch diese Aussage dürfte Bergs eh sinkenden Marktwert nicht wirklich stabilisieren – geschweige denn verbessern…

Ebenso wenig hoch im Kurs ist Gojko Kacar – zumindest bei Klubboss Carl Jarchow. Der hatte gestern sein Unverständnis über Kacars Rolle bei dem geplatzten Transfer zu Hannover 96 geäußert. Dies wiederum wiederholt Fink nicht – im Gegenteil: Der Trainer geht mit der Personalie so um, wie es sich im Profifußball in solchen Situationen gehört: „Ich habe großen Respekt vor Gojko, aber er weiß, dass er sich momentan hinten anstellen muss. Er muss sich nur entscheiden, ob er sich so lange gedulden will, oder ob er lieber Fußball spielen möchte.“

Das durfte bei den Profis erstmals auch Valmir Nafiu. Der Youngster vom FC Basel wird auch weiterhin für die U23 auflaufen, wusste aber in Abu Dhabi: „Er braucht noch ein bisschen Zeit, gerade konditionell muss er sich noch weiter entwickeln. Er soll zunächst mal beim Nachwuchs weiter spielen. Ab Sommer schauen wir dann wie er sich da entwickelt hat. Gute Anlagen hat er auf jeden Fall.“

Gut gefallen hat mir auch die Rückkehr von Marcell Jansen. Der Linksfuß spielte gegen Gladbach zwar nur eine Halbzeit, freute sich via Facebook aber selbst wie ein Kind, endlich wieder auf dem Platz gestanden zu haben. „Es tat gut, endlich wieder mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen. So kann es weiter gehen ☺“, schrieb Jansen aus dem Trainingslager, um auch von Fink gelobt zu werden: „Er ist fit, wir haben sehr gut gearbeitet, auch seine Werte sind gut. Jetzt braucht er nur noch Spielpraxis.“

Zum konditionellen Zustand werde ich mich hier nicht äußern, das hätte ich live verfolgen können müssen, um gewissenhaft urteilen zu können. Allerdings scheint sich der schon in der Hinrunde gezeigte Trend fortzusetzen, dass hier eine homogene Mannschaft heranwächst. „Wir haben einen guten Teamgeist. Aber vor allem mit unseren neuen Leadern ist ein neuer Geist in diese Mannschaft gekommen. Die wollen jedes Spiel gewinnen.“

Wie zum Beispiel Dennis Aogo, der sich nach seiner ebenso unfreiwilligen wie offensichtlich befreienden Erschöpfungspause seiner Topform weiter annähert: „Er ist ein totales Laufwunder, ist technisch gut. Dennis nimmt jetzt auch die neue Position an“, sagt Fink und sieht die Pause als einen Grund der Leistungssteigerung: „Er denkt nicht mehr zu viel nach und wechselt sich sehr gut mit Marcell oder auch Zhi Gin ab. Links sind wir jetzt sehr variabel“ Und das, obwohl Linksfuß Petr Jiracek (Schambeinprobleme) weiter fehlt. Fink: „Ich hatte eigentlich mit Schlimmeren gerechnet. Man muss nur mal an die lange Pause von Mario Götze denken, der mit der gleichen Verletzung monatelang gefehlt hat. Aber Jira hat sehr gut mit Markus Günther trainiert. Er kann nächste Woche wohl wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen.“ Wann es letztlich für sein Comeback in der Startelf reichen wird, konnte oder besser: wollte beim HSV noch niemand beantworten. Zu tückisch ist die noch immer schwer behandelbare Schambeinentzündung des Tschechen.

Dennoch, Fink ist insgesamt mal wieder sehr gut drauf. Wie ja eigentlich (öffentlich) immer. Das Trainingslager sei ein absoluter Erfolg gewesen und sollte der HSV es bezahlen können, soll es nächsten Winter wieder dorthin gehen. Einzig die Rote Karte von Paul Scharner ärgert den Ex-Bayern-Profi: „Das war schon ungeschickt von ihm. Das Trainingslager ist nun unglücklich für ihn gelaufen. Und Jeff hat beispielswiese in der zweiten HZ gegen Gladbach ein herausragendes Spiel gemacht.“

Dennoch, abgesehen davon ist der HSV laut Fink in der Spur. Der HSV-Coach geht sogar so weit, sich zu einer Prognose hinreißen zu lassen: „Wir spielen eine gute Rückrunde. Wir wollen das nicht, wir werden das.“ Finks Worte klingen gut. Hoffen wir, dass der Trainer am Ende Recht behält.

In diesem Sinne, am Freitag wird um 15 Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Für Euch live vor Ort ist dann wieder Dieter.

Scholle

P.S.: Sollten sich die uns bisher genannten technischen Daten der Imtech-Arena bei einer Begehung morgen Vormittag bestätigen, dürft Ihr Euch am Sonnabend im Anschluss an den Test gegen Austria Wien auf die erste “Matz-Ab-Live”-Sendung freuen. Und das mit wirklich hochkarätigen Gästen. Drückt die Daumen!