Tagesarchiv für den 7. Januar 2013

Erster Sieg 2013 – aber van der Vaart und Arslan verletzt

7. Januar 2013

So sollte es mal nicht beginnen. Zumindest nicht alles. Denn trotz eines 3:1-Sieges im ersten Testspiel des Jahres 2013 gegen den nominell eher drittklassigen usbekischen Klub Lokomotive Taschkent vor handgezählten 14 Zuschauern musste HSV-Trainer Thorsten Fink in Abu Dhabi gleich zwei Verletzungen hinnehmen. „So etwas im ersten Test nervt natürlich gewaltig“, sagte Fink, der sich ob des ansonsten überzeugenden Sieges nicht so recht freuen wollte. Immerhin hatte es (mal wieder) ausgerechnet den Top-Spieler getroffen, Rafael van der Vaart. Bereits nach 35 Minuten deutete der Niederländer Probleme mit dem rechten Oberschenkel an und musste ausgewechselt werden. Wieder 35 Minuten später musste dann auch noch van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan nach einem übel aussehenden Zusammenprall mit Tashkents Torschützen Abdullaev Sadr den Platz verlassen. „Ich denke, dass es bei Tolgay nichts Schlimmes ist“, so Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen, der sich bei genauen Diagnosen aber noch zurückhielt.

Dennoch, auch van der Vaart selbst signalisierte bereits auf dem Weg in die Kabine, dass es wohl nicht so schlimm sei. Zumindest ist es nicht die gleiche Stelle wie zuletzt. Zur Erinnerung: Gegen Düsseldorf musste van der Vaart am 23. November mit einem Faserriss im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden und pausierte seitdem. „Möglicherweise ist es eine Zerrung“, so van der Vaart, „aber ich glaube, dass es nicht wirklich schlimm ist.“ Worte, die zuletzt auch bei der Verletzung von Maximilian Beister benutzt wurden. Und der fällt für den Rest des Trainingslagers voraussichtlich aus. Und so blieb zunächst einmal offen, ob van der Vaart und Arslan im Trainingslager noch mal einsteigen können.

Sportlich hatte es indes schon ganz gut funktioniert. Nachdem die A-Elf am Vormittag fleißig Standards trainiert hatte (van der Vaart von links, Arslan von Rechts, die Ecken wurden auf den kurzen Pfosten geschlagen) war es am Abend insbesondere die Offensive, die den gerade mal 14 Zuschauern im 60000 Zuschauer fassenden Zayed-Sport-Stadium zu gefallen wusste. Artjoms Rudnevs besorgte in der 50. Minute nach glänzender Vorarbeit des starken Heung Min Son das 1:0, Dennis Aogo konnte elf Minuten später nach einer nicht minder schönen Kombination sogar nachlegen. Dem Anschluss von Sadr (71.) folgte in der 74. Minute das 3:1 des kurz zuvor für Son eingewechselten Marcus Berg. „Abgesehen von den Verletzungen, bin ich mit der Partie zufrieden“, zog Finks leicht verbittertes Fazit.

Nicht mitwirken konnte Gojko Kacar. Der Serbe trainiert derzeit in Hamburg mit der U23 und wartet. Er wartet auf seine Mannschaft, die in Dubai wie oben beschrieben den ersten Test erfolgreich bestreiten konnte. Und er wartet auf eine Lösung seines Problems. Immerhin will der HSV ihn nicht mehr (auf der Gehaltsliste) haben – er selbst will aber auch nicht weg, zumindest nicht um jeden Preis. In der Mopo wurde heute geschrieben, sein Gehalt erhöhe sich auf 1,8 Millionen Euro per annum. Und obwohl sich Kacar nicht zu seinen genauen Vertragszahlen äußern wollte, wollte er sich dennoch dagegen wehren, er sei vermessen. „Ich habe lange nichts gesagt, weil sich der Verein und mein Berater um alles gekümmert haben. Ich dachte, dass der Wechsel nach Hannover klappen würde. Das ist jetzt anders. Und jetzt werden leider viele Dinge behauptet, die so nicht stimmen.“

Im Gegenteil. Sagt er zumindest selbst. Allein, dass er nicht ins Trainingslager fliegen sollte, sei falsch. „Ich habe das zusammen mit dem HSV so entschieden, weil lange die Wahrscheinlichkeit bestand, dass ich wechsele und dann sofort mit Hannover ins Trainingslager nach Portugal fliegen sollte. Und im Nachhinein hinzufliegen war nicht so sinnvoll, da ich hier beste Bedingungen habe. Aber von Aussortieren war ganz sicher nie die Rede.“ Vielmehr hatte sich Kacar darauf verlassen, zum „kleinen HSV“ zu wechseln. „Hannover war eine tolle Möglichkeit, ein großer Verein. Es ist sehr schade, dass das nicht geklappt hat.“ Noch trauriger sei er darüber, dass er jetzt mit angeblich zu hohen Gehaltsforderungen als gierig dargestellt wird. „Ich wollte eigentlich nie weg vom HSV. Hätte der HSV mich nicht angesprochen, ich hätte über einen Wechsel gar nicht nachgedacht. Aber ich bin ganz sicher auch keiner, der seinen vertrag aussitzen will. Ich will spielen.“ Deshalb habe er sich während der Verhandlungen mit dem HSV und Hannover auch bereiterklärt, auf Geld zu verzichten. „Ich bin Fußballer und habe noch sehr viele Ziele. Hannover schien sehr interessiert an mir und bietet mit Europa League auch eine tolle Möglichkeit, die ich so in Hamburg nicht hatte. Auch deshalb habe ich gesagt, ich würde auf 20 Prozent meines Gehaltes verzichten. Ich bin runtergegangen mit meinem Gehalt, damit es klappt – mehr ging dann aber nicht. Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen.“ Und: Selbstverständlich ist so etwas bei Fußballprofis allemal nicht. Ganz im Gegenteil. Fälle wie Albert Streit zeigen, wie es oft laufen kann.

Dennoch reichte auch das nicht. „Wir waren sehr nah beieinander und hätten uns in der Mitte treffen können – wenn alle gewollt hätten“, sagt Kacar und sieht den Grund des Scheiterns bei seiner langwierigen Verletzung und Zweifeln bei Hannover. „Sie sollten viel Geld für mich bezahlen, ohne genau zu wissen, wie ich nach neun Monaten Pause wieder zurückkomme. Das verstehe ich. Jetzt haben sie zwei andere gefunden und ich bleibe beim HSV.“

Zumindest, wenn sich nicht noch ein weiterer, interessierter Verein meldet. „Grundsätzlich bin ich gesprächsbereit, wenn der HSV es so will. Sollte ein passendes Angebot kommen, müssen wir alle neu überlegen. Aber nach meiner langen Verletzung dürfte das schwierig werden. Das ist doch klar. Und ganz ehrlich, ich will auch nicht um jeden Preis den HSV verlassen, weil ich mich hier noch immer sehr, sehr wohl fühle. Es ist ein großer Klub und wir entwickeln uns. Ich habe noch 2,5 Jahre Vertrag und glaube, dass sich in der Zeit hier vieles tun wird, woran ich mitwirken möchte. Deshalb denke ich jetzt wirklich an nichts anderes als den HSV. Ich werde weiter jeden Tag hart arbeiten und allen zeigen, dass ich wieder topfit bin. Ich bin mir sicher – egal, was jetzt gesagt oder geschrieben wird – wenn ich gesund bleibe und der Trainer sieht, dass ich kämpfe, werde ich mir meine Chance erarbeiten – und die dann nutzen.“

Dass er in die U23 abgeschoben wird, glaubt Kacar nicht. „Das glaube ich nicht. Warum auch? Ich denke schon, dass ich wieder zur Mannschaft stoßen werde, sobald sie wieder in Hamburg ist. Wir sind alle Profis und werden mit Sicherheit auch so handeln.“ Doch selbst, wenn alle Stricke reißen sollten und der HSV ihn abschieben sollte in die U23, käme Kacar damit klar. „Ich habe neun ganz schlimme Monate hinter mir. Etwas Schlimmeres als diese Zeit hatte ich nie und werde ich nicht mehr haben. Insofern kann alles nur besser werden.“

Hoffen wir es. Für ihn – und für den hoffentlich künftig verletzungsfreien HSV.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

HSV im ersten Test 2013: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Badelj – Arslan (74. Nafiu), Aogo – van der Vaart (35. Skjelbred) – Son (67. Berg), Rudnevs.

P.S.: Weil es gefragt wurde und auf Dieters Wunsch, noch mal: Dieter hatte gestern den Van der Vaart erst um 19.30 Uhr freigeschaltet, um den Kollegen gegenüber fair zu bleiben. Immerhin war es keine von Matz ab recherchierte, exklusive Geschichte sondern der Hilfe der Kollegen vor Ort zu verdanken, dass wir diese O-Töne hatten. Da wäre es mehr als unfair gewesen, wenn wir (Online geht immer am schnellsten) den Tageszeitungen noch weiter als mit 19.30 ja eh schon vorgreifen. Ich glaube, das dürfte jeder nachvollziehen können.

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