Adler und Aogo wollen höher angreifen – Kacars und Jaros Wechsel geplatzt

4. Januar 2013

Das ist bitter. Für alle eigentlich. Denn als Gewinner des geplatzten Transfers von Gojko Kacar zu Hannover 96 darf und kann sich keiner fühlen. Im Gegenteil: der Spieler verpasst die Möglichkeit, sich bei einem zweifellos guten Bundesligisten eine neue Chance zu holen. Der Verein verpasst Einsparungen von rund vier Millionen Euro (zwei Millionen Ablöse, zwei Millionen Gehalt) und Hannover 96 bekommt einen gewünschten Spieler nicht. Wobei bei den Schilderungen, weshalb der Deal geplatzt ist, noch Unklarheiten herrschen. So gibt der HSV an, dass sich Kacar und Hannover nicht hätten einigen können. „Die Vereine sind sich weitgehend einig“, sagte Arnesen bereits vor einer Woche, um heute zu sagen: „Es ist schade, dass sich Gojko und Hannover nicht einigen konnten. Wir haben jetzt aber noch einen Monat Zeit, für Gojko einen neuen Verein zu finden.“
Und auch wenn jetzt hier der eine oder die andere damit nicht einverstanden sein sollte, ich werde hier nicht nach einem Schuldigen suchen. Den gibt es unter Umständen auch gar nicht. Denn wie alle gesagt hatten, waren der HSV und Hannover nah beieinander, Hannover und Kacar auch. „Hannover wäre eine gute Lösung für Gojko“, sagte mir heute dessen Onkel und Berater Milan Kacar, „Gojko wäre zu einem professionell geführten Verein gekommen, der ihn wirklich wollte. Er hätte dort wieder gut Anschluss finden können.“ Allerdings nicht um jeden Preis. „Bei so einem Transfer sind es drei Parteien, die am Ende zufrieden sein müssen. Wenn ein einziger davon nicht zufrieden ist, passt es nicht. Und in diesem Fall hat es nicht gepasst. Das gehört im Professionellen Fußball dazu – auch wenn ich weiß, dass jetzt alle schreiben werden, dass Gojko zu gierig war und er zum Deppen gemacht wird.“

Wird er nicht. Zumindest nicht hier im Blog. Denn klar ist, dass Kacar für einen Wechsel bereit war, auf Geld zu verzichten. „Gojko ist wirklich derjenige in dieser Dreiecksverhandlung, der allen Seiten noch am meisten entgegengekommen ist“, sagt Milan Kacar und fügt hinzu: „Aber es ist auch längst nicht klar, ob allein finanzielle Gründe entscheidend waren. Vielleicht gab es dann am Ende doch ein paar Zweifel in Hannover und man hat sich für eine günstigere Variante entschieden.“ Zumal die Hannoveraner mit Sicherheit auch nicht an zwei Millionen Euro Ablöse gedacht hatten, als sie nach dem lange Zeit schwer verletzten („Vor ein paar Jahren hat eine solche Verletzung noch das Karriereende bedeutet“ O-Ton Arnesen) Kacar fragten. Im Gegenteil, die Niedersachsen hatten sicher auf ein Schnäppchen gehofft, das sie jetzt mit dem ehemaligen Duisburger U-20-Nationalspieler für 800000 Euro glauben, gemacht zu haben.
Egal wie, letztlich hat es nicht gepasst. Und das kann man ganz sachlich sehen, Immerhin haben der HSV und Kacar einen Vertrag, den beide Seiten erfüllen müssen. Sollte es zu einer vorzeitigen Trennung kommen sollen, müssten sich beide Parteien einigen. Zur Not auch über die Zahlung eines Dritten, in diesem Fall wäre das Hannover gewesen. Wenn aber der Dritte (Hannover) nicht bereit ist, die dafür nötige Summe X (ob an Spieler oder Verein ist egal) zu zahlen, der HSV andererseits dem Spieler keine Abfindung zahlen will, dann ist es das gute Recht des Spielers, zu bleiben. Zumal dann – und das ist meine fast ausschließliche Motivation im Fall Kacar -, wenn der betreffende Spieler sich bislang nie etwas hat zu Schulden kommen lassen. Kacar ist zweifellos ein guter Fußballer und gibt im Training immer Vollgas. Er gilt als tadelloser Typ, was von Mannschaft wie Trainern und Vorständen bestätigt wird. Und er hat realistische Chancen, zu spielen, wenn er fit ist. Beim großen HSV wohlgemerkt. Dass er weg soll, ist sicherlich weniger seinen sportlichen denn den momentanen finanziellen Gründen geschuldet. Und im Gegensatz zu den absoluten Bankdrückern (Drobny, Tesche, Rajkovic, Berg etc.) gab es für den Serben einen Interessenten. Deshalb werde ich hier einen Teufel tun und irgendwen als „Schuldigen“ hinstellen.

Das werde ich im Übrigen auch bei den von mir als „absolute Bankdrückern“ nicht machen, da auch sie einen Vertrag haben, den der HSV mit ihnen aus freien Stücken verhandelt hat. Allerdings muss ich immer wieder hinterfragen, weshalb der eine oder andere nicht wechselt. Und darin bestehen, wie in den letzten Blogs zu den einzelnen Spielern aufgeführt, immer wieder aufgeführt, kleine aber eben auch entscheidende Unterschiede.

Ein kleines Bisschen hat auch nur noch an der Konstellation Kaiserslautern/David Jarolim gefehlt. Genau gesagt, die Zustimmung von Jaro hat gefehlt – und wird weiter fehlen. „Wir waren sehr weit, das Angebot war sehr gut – aber ich habe mich doch dazu entschieden, in Prag zu bleiben“, sagt Jarolim, der in der tschechischen Hauptstadt nach einem neuen Klub sucht. Zumindest bis Sommer. „Gut möglich, dass ich hier das eine halbe Jahr überbrücke und dann zurückkomme, um beim HSV als Trainer anzufangen“, sagt Jaro, dessen Pläne so heute in Abu Dhabi von Sportchef Frank Arnesen bestätigt wurden.

Große Pläne indes Dennis Aogo. Der Linksfuß traf sich heute im Trainingslager mit meinem hoch geschätzten Kollegen Kai Schiller und sprach dort über seine bislang schwerste Zeit seiner noch jungen Karriere. „Durch das vergangene Jahr bin ich etwas gelassener geworden. Ich habe meine innere Balance gefunden“, sagt der 25-Jährige, der harte Wochen in der Rehaklinik hinter sich hat. Ein rätselhafter Ermüdungszustand mit schlechten Blutwerten hatte dazu geführt, dass sich Aogo eine Zwangspause nehmen musste. Eine Zeit, über die er heute gut sprechen kann. „Es war die härteste, aber auch wichtigste Zeit in meinem Leben. Ich habe einen Weg gefunden, zu mir selbst zu finden“, sagt der gläubige Bibelleser und fügt hinzu: „Ich bin zufriedener und ausgeglichener als früher. Früher bin ich den Erwartungen anderer hinterhergelaufen.“ Heute nicht mehr.

Denn zum einen setzt er sich selbst diesem Druck nicht mehr aus, zum anderen hat es sportlich zuletzt hingehauen. Und auch im Trainingslager wusste Aogo, der mit viereinhalb Jahren Vereinszugehörigkeit immerhin schon dienstälteste HSV-Profi, bislang zu gefallen. „Dennis macht einen guten Eindruck. Wir planen weiterhin im Mittelfeld mit ihm“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogos Stammplatz als Linksverteidiger in dessen Abwesenheit an Konkurrent Marcell Jansen übergeben hat. Für Aogo kein Problem – zumindest nicht mehr. „Über so etwas mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken mehr. Mir ist vor allem wichtig, dass ich Spaß auf dem Platz habe, da ist es ganz egal, ob ich im Mittelfeld oder in der Abwehr spiele.“

Er will wieder dabei sein – und der Mannschaft helfen, im Jahr 2013 wieder in die Nähe der internationalen Startplätze zu kommen. Denn die dürfen noch immer – ausgesprochen oder nicht – das Ziel bleiben. Zumindest sieht es auch Rene Adler so. „Nach dem Trainingslager wollen wir in der Rückrunde mal richtig angreifen. Platz zehn ist doch Niemandsland, damit bin ich nicht zufrieden“, sagt der 27-Jährige. „Frankfurt, Freiburg und Mainz – vor diesen Teams habe ich Hochachtung.“

Ganz im Gegensatz zum unfassbaren Hype um das Ehe-Aus der van der Vaarts. Wie wohl alle in der Mannschaft zeigt auch Adler Mitgefühl mit seinem Teamkameraden: „Das ist sicher keine einfache Zeit für ihn, aber er ist Vollprofi. Im Training sieht man ihm das alles nicht an“, sagt Adler, der ein derart öffentlich geführtes Privatleben wie bei seinem Kollegen mit allen Mitteln vermeiden will. „Ich habe viel mit meiner Freundin darüber gesprochen. Wir haben uns klar dagegen entschieden“, sagt der Keeper, der mit der bekannten Schauspielerin Lilli Hollunder liiert ist, „wir verzichten bewusst auf die eine oder andere Anfrage, wollen lieber unsere Ruhe haben.“ Gut so. Denn bei allem Respekt vor den van der Vaarts insbesondere auch im Hinblick auf die schwierige Zeit für Sohn Damian – mich als Fußballfan langweilt sowas eher…

Aber okay, so viel zum heutigen, ansonsten eher ruhigen Freitag. Bis auf Jacopo Sala, der wegen eines Fieberschubes kurzerhand in ein Einzelzimmer (haben sonst nur Tscharner, van der Vaart und Neuhaus als ältester Spieler) verlegt wurde, sind glücklicherweise alle Spieler gesund geblieben und haben gut trainiert. Dabei wurde in zwei Gruppen gearbeitet. Ein Teil auf dem Platz (Mancienne soll dabei ein absolutes Traumtor nach einer Traumkombination mit Per Skjelbred erzielt haben), der andere Teil des Teams im Kraftraum mit Fitnesscoach Vidovic. Und morgen geht es weiter. Dann hoffentlich wieder nur mit Fußball und Dieter – sofern sich mein heute arg kränkelnder Kollege und Freund bis dahin wieder gesund meldet. Ansonsten, und versteht das bitte nicht als Drohung, bin ich wieder für Euch da.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Wochenendstart und (vielleicht) bis morgen,

Scholle

P.S.: Gojko Kacar reist übrigens dennoch nicht nach Abu Dhabi nach. Zudem absolviert der HSV seine Tests jetzt am Montag, Dienstag und Mittwoch und für Marcus Berg gibt es laut Arnesen trotz anderslautender Ankündigungen noch keine Anfragen aus Spanien.

204 Reaktionen zu “Adler und Aogo wollen höher angreifen – Kacars und Jaros Wechsel geplatzt”

  1. Magath-Fan sagt:

    Dylan1941 5. Januar 2013 um 17:06
    ——————————————
    Zu teuer. Vodafone LTE Zuhause, 34,99.

  2. Dylan1941 sagt:

    Kevin-Prince Boateng wird weltweit gefeiert, seine Courage bejubelt: Der Fußballstar hatte in Italien einen Spielabbruch herbeigeführt, nachdem ihn gegnerische Fans rassistisch bepöbelt hatten. Nun denkt der AC-Mailand-Profi darüber nach, das Land zu verlassen.
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/rassistische-beleidigung-boateng-erwaegt-abschied-aus-italien-a-875876.html
    __________________
    Holen – doch wahrscheinlicher ist ein Wechsel zu Dortmund und die leiten einfach die Perisic kohle weiter!

  3. Dylan1941 sagt:

    Magath-Fan sagt:
    5. Januar 2013 um 17:10

    Dylan1941 5. Januar 2013 um 17:06
    ——————————————
    Zu teuer. Vodafone LTE Zuhause, 34,99.
    ___________________
    Habe Unity Media – 100er Leitung,Telefonflat und Digital TV für umme…..

  4. Golfer1912 sagt:

    Ich verweise gerne noch mal auf die Umfrage unter den Profis im Kicker ” Wer ist der Gewinner unter den Trainern”……Fink kommt mit 5 % auf Platz 5! Tuchel wird nicht mal unter den Profis erwähnt…und das hat auch seinen Grund – solche selbstverliebten Typen wie Tuchel und bester Freund Hyballa, glauben den Fußball erfunden zu haben….sind nie Schuld bei Niederlagen und stellen sich auf subtile Weise immer in den Fordergrund…auch wenn sie das abstreiten!