Tagesarchiv für den 3. Januar 2013

Der Kacar-Wechsel könnte noch platzen

3. Januar 2013

Jetzt könnte es doch noch eng werden. Für Gojko Kacar und den HSV. Denn der fast schon als „perfekt“ gemeldete Wechsel des Mittelfeldspielers zu Hannover 96 könnte jetzt doch platzen – oder bereits geplatzt sein. Denn die Niedersachsen haben nun (erst einmal) André Hoffmann vom abstiegsgefährdeten Zweitliga-Klub MSV Duisburg verpflichtet. Der U19-Nationalspieler erhält bei 96 einen Vertrag bis 2016 und kostet „nur“ 800 000 Euro. Der defensive Mittelfeldspieler kam in der Hinrunde der Zweiten Liga zu 13 Einsätzen für die „Zebras“ und kann – wie Kacar – auch als Innenverteidiger eingesetzt werden. Hoffmann hat sieben Spiele für die deutsche U-19-Nationalmannschaft absolviert und gehört zum Kader der U-20. Jetzt will Hannover nur noch einen Spieler verpflichten, und dabei geht es um Gojko Kacar und den Schweizer Innenverteidiger Johan Djourou vom FC Arsenal. Gut möglich, dass die Entscheidung darüber doch nicht bis zum 4. Januar fallen wird – am 5. Januar fliegt 96 ins Trainingslager, da sollten die Neuzugänge eigentlich dabei sein.

Ob sich Kacar verpokert haben könnte? Darüber ließe sich trefflich spekulieren, aber das wird natürlich geheim gehalten. Es kann vermutet werden – oder auch nicht. Ein Gerücht, dass zurzeit zwischen Hannover und Hamburg hin und her geschoben wird, besagt, dass es letztlich – oder bislang – an der zu hohen Abfindungsforderung, die Kacar vom HSV haben wollte, gescheitert ist. Das kann sein, muss aber auch nicht. Für den HSV auf jeden Fall keine angenehme Situation, besonders nicht für Sportchef Frank Arnesen, der ja die hohe Summe von 6,4 Millionen Euro bis zum Beginn der Rückrunde eingespart haben sollte. Der Däne wusste im fernen Abu Dhabi nichts von der Verpflichtung Hoffmanns (zu 96), wollte aber auch nichts davon wissen, dass damit die Wechselabsichten Kacars endgültig geplatzt sind.

Zum heutigen Start in Abu Dhabi. Der Flug verlief problemlos, die Ankunft aber erfolgte nach Mitternacht. Erst gegen drei Uhr waren die Spieler in dem Fünf-Sterne-Hotel, das zwei Jahre alt ist und keine Wünsche offen lässt. Nach einem kleinen Snack ging es auf die Zimmer zum Schlafen. Morgens gab es dann um zehn Uhr das erste lockere Training, und die zweite Einheit erfolgte am Nachmittag um 16 Uhr. Tagsüber herrschten 23 Grad, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, nachmittags zogen während des Trainings einige Wolken auf – und es wurde etwas kühler. Hervorragende Bedingungen (so lobten auch die meisten Spieler) aber für ein Training, das heute vornehmlich aus kleinen Spielchen bestand.

Bis auf Petr Jiracek, der mit Reha-Coach Markus Günther lief, und der 18-jährige Nachwuchsmann Valmir Nafju (wurde vom FC Basel verpflichtet), waren alle Spieler auf dem Platz. Auch in der Ferne blicken natürlich viele Augen nur auf Rafael van der Vaart. In Hamburg ist die Ehe-Krise des niederländischen Paares immer noch das Gesprächsthema Nummer eins, in Abu Dhabi ebenfalls. Für das gesamte HSV-Team schon eine besondere Situation. Über die Trainer Thorsten Fink verriet: „Wir sprechen mit Raffa, er geht sehr professionell mit seiner Situation um. Wir sind für ihn da, wenn er uns braucht. Im Fußball kann man sich gut ablenken. Manche haben nicht viel, er hat die Mannschaft und den Fußball.“

Allgemein – und zu den Bedingungen in der Wüste – befand Thorsten Fink: „Die Plätze sind bundesligatauglich, ich bin damit sehr zufrieden.” Er will seinen Spielern während des Trainingslagers maximal einen Nachmittag (wahrscheinlich am Sonntag) freigeben.

Vom Abendblatt vor Ort ist Chefreporter Kai Schiller, und der sagte mir über das Spielchen am Nachmittag: „Mir gefielen eben vor allem Rafael van der Vaart, der viele glänzende Pässe aus seinem linken Fuß hervorzauberte, und dazu auch Tolgay Arslan, der einmal mehr sehr, sehr bissig wirkte.“ Dass nicht alles gleich nach Wunsch funktionierte, das sahen die Trainingskiebitze an den Reaktionen von Heiko Westermann. Der Kapitän war einige Male sehr unzufrieden mit seinen Vorderleuten, schimpfte mehrfach recht lautstark und drosch einmal den Ball mit Vehemenz – und vor Wut – in die Botanik.
Aber gut Ding will eben Weile haben – auch in Abu Dhabi.

Morgen, am Freitag, stehen ebenfalls zwei Einheiten auf dem Programm. Und falls bis zum Wochenende nicht doch noch ein weiterer Gegner für ein Testspiel gefunden wird (es wird wohl noch daran gearbeitet), findet am Montag das erste Spiel statt. Es geht dann gegen den usbekischen Meisterschafts-Dritten Lokomotiv Tashkent. Einen Tag später folgt die Partie gegen den saudi-arabischen Vertreter Al-Shabab FC, und das letzte Spiel der „Wüsten-Tour“ findet dann in Dubai einen Tag vor der Rückreise statt, es geht gegen den Bundesliga-Achten Borussia Mönchengladbach (der sich dort auf Bundesliga-Werbe-Tour befindet). Am 12. Januar erfolgt dann der Auftakt im Volkspark, wenn der österreichische Spitzen-Klub Austria Wien zu Gast ist (dieses Spiel wird live im Dritten Programm übertragen).

Kurz noch eine Personalie: In Sachen Robert Tesche hat sich bislang noch nichts Neues ergeben. Und irgendwie bin ich (und bleibe ich) skeptisch, ob sich daran noch etwas ändern wird. Welcher Klub (vor allem dann, wenn es sich um einen Zweitliga-Vertreter handelt) ist denn schon bereit und auch in der Lage, ein „fürstliches“ Gehalt – wie es der Erstliga-Vertreter HSV zahlt – zu bieten? Und finanzielle Abstriche nimmt wohl jeder Mensch, da ist Tesche keine Ausnahme, nicht ganz so gerne hin. Es sei denn, er will als Fußball-Profi auch wieder mal mitspielen dürfen . . .

Nach wie vor finde ich aber gut, dass der HSV es vorgezogen hat, auf junge Spieler wie Matti Steinmann oder auch Christian Nörgaard zu setzen – und sie deshalb auch mit in die Sonne genommen hat. Solche Talente, so sie sich denn später einmal behaupten und durchsetzen können, sind die Zukunft des Klubs. Und sie wurden ja auch von Scouts für förderungswürdig gehalten und einst zum HSV gelockt.

17.26 Uhr