Tagesarchiv für den 2. Januar 2013

Alle wollten sich auf van der Vaart stürzen . . .

2. Januar 2013

Sie wurden ja noch einmal gefordert, die HSV-Profis. Vor der Abreise nach Abu Dhabi am Mittag wurde noch zu einer Einheit in den Volkspark gebeten. Etwas vor der Zeit wurde begonnen, und dann über eineinhalb Stunden geackert. Keine Kondition gebolzt, nein, das nicht, es wurde vielmehr die gepflegte Ballschule geübt. Und zum Abschluss noch ein Spielchen über etwas weniger als ein Viertel des Platzes. Auffällig dabei: Dennis Aogo bezwang Rene Adler mit einem satten Rechtsschuss (!), Tomas Rincon traf – unglaublich – mit einem echten „Hammer“ ins Tor (und zeigte danach jedem die Faust!), Gojko Kacar trainierte und bemühte sich, als ging es für ihn noch um einen Stammplatz in Hamburg, und kurz vor Ende des Spiels lieferten sich noch Michael Mancienne und Artjoms Rudnevs ein ganz heißes Duell, bei dem am Ende beide kurzzeitig am Boden lagen. Mancienne allerdings hielt sich etwas länger die Stöcker . . . Letztlich aber ging es auch bei ihm weiter.


Kurz noch eine kleine Personalie am Rande: Marcell Jansen trainierte lange Zeit mit den Kollegen (als es um die Ballschule ging), dann wurde er „ausgegliedert“ und trainierte mit Fink-Assistent Frank Heinemann separat. In meinen Augen nur eine Vorsichtsmaßnahme, weil Jansens letzte Verletzung noch nicht ganz so lange her ist – sicher ist sicher. Der ehemalige Nationalspieler wirkte danach völlig zufrieden, gab viele Autogramme und lächelte oft in die Fotoapparate der Fans hinein. Ist also alles bestens mit ihm.

Trainings-Kiebitze waren an diesem Mittwoch natürlich wieder jede Menge vor Ort, aber Kamerateams, so schien es, waren doch leicht in der Überzahl! Der Kollege der Mopo hatte letztlich zehn gezählt, für mich waren es gefühlte 30. Und alle – fast alle – wollten sich nach dem Training natürlich und selbstverständlich auf Rafael van der Vaart stürzen. Aber der wollte nichts sagen. Und er sagte auch nichts, wurde zudem gut und bestens vom Sicherheitsdienst abgeschirmt – sicher ist auch in diesem Fall sicher. Falls dann einer doch mal dabei ist, der Sylvie eventuell mal rächen wollte . . .

Ja, das Thema van der Vaart war natürlich der Hammer an diesem 2. Januar. Ich sage dazu etwas auf Video, schreiben möchte ich dazu eigentlich nichts – was hat eine Ehekrise oder eine mögliche Scheidung schon mit Fußball zu tun? Nichts. In meinen Augen. Ich finde es allerdings schon höchst bedauerlich, dass ein solches Thema nur Stunden danach in fast allen Zeitungen auf der Seite eins steht – und so breit getreten wird. Kein Kommentar – das wäre wohl das Beste in einem solchen Fall, aber ich bin auch nicht prominent, weiß deshalb nicht, ob man da nicht mit den Medien MITspielen muss? Schön finde ich es trotz allem nicht, aber es ist wohl so, dass der Bürger Otto Normalverbraucher wohl doch alles sehr, sehr genau wissen muss, was bei den Promis so los ist. Ich kann nur hoffen, dass sich niemand daran ein Vorbild nimmt, seine Frau zu schlagen – so etwas geht nämlich gar nicht. Egal – unter welchen Umständen auch immer, egal, was es vorher für Provokationen gegeben haben könnte – eine Frau schlagen geht gar nicht. Das weiß die „ewige 23“, die sich diesmal leider nicht wie ein “kleiner Engel” benommen hat, ganz sicher selbst – und wird sich deshalb auch schön schämen.

Bei der Gelegenheit: „Scholle“ (und damit auch ich) wusste schon Anfang Dezember, dass es zur Trennung kommen würde, oder dass die Trennung sogar schon beschlossene Sache ist. „Scholle“ sprach deshalb mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der aber nicht groß auf diese Sache eingehen wollte. Und da auch „Scholle“ davon überzeugt war und ist, dass eine solche Sache eher eine Privatangelegenheit ist, hat er nichts weiter davon gemacht. Und das war auch gut so.
In diesem Zusammenhang aber ist es schon erschreckend, was es plötzlich für viele (und schlimme) Gerüchte gibt. Ich glaube ja, dass sich diese Ehekrise noch etwas hinziehen wird – und dass uns auch noch einige pikante Einzelheiten noch auf dem Präsentierteller gelegt werden. Ich hoffe es für beide van der Vaarts eigentlich nicht, aber bei diesem Hype wird es wohl nicht anders gehen – es droht uns ein Fortsetzungs-Roman. Wie gut, dass „Raffa“ nun erst einmal in Abu Dhabi trainieren muss . . .

Bei den vielen Mails und Anrufen, die ich in diesem Zusammenhang erhielt, wurde überwiegend eine Frage zum Schluss gesetzt: „Vermutest du, dass sich das alles auch auf den HSV abfärben könnte, dass deshalb nun wieder Unruhe herrscht – und die Leistungen der Mannschaft auch wieder schlechter werden?“ Sogar das Wort „Abstieg“ wurde einige Male mit einbezogen. Ich sage: nein! Ganz klar nein. So weit wird es nicht kommen. Wir werden es aber erleben – so oder so.

Ansonsten fliegt die Mannschaft zurzeit der Sonne entgegen, es hat personell keine Veränderungen im Kader gegeben. Robert Tesche hat heute noch einmal mit der Mannschaft trainiert (wollte danach aber nicht mit den Medien-Vertretern reden), wird sich in den nächsten Tagen dann bei der Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso fit halten. Und sich wohl parallel dazu nach einem neuen Verein umsehen (müssen). Auch wenn sei Berater darüber weniger erbaut ist. Aber so ist das Leben in der Marsch. Das ist eine Schattenseite des Profi-Fußballs. Wobei es in den meisten Kommentaren hier ja auch schon durchgeklungen ist: Tesches Vertrag wurde erst noch verlängert, das allein hätte nie und nimmer passieren dürfen, das war eine absolute Fehlleistung. Und diese will der Klub nun mit dieser Maßnahme (der Nicht-Berücksichtigung für das Trainingslager) noch schnell ein wenig korrigieren. Ich sehe aber immer noch das blanke Entsetzten meiner Kollegen vor Augen, als sie damals erfuhren, dass mit Tesche – völlig überraschend – verlängert wurde. Und die meistgestellten Fragen waren die: „Warum? Wieso war das nun nötig? Haben die keine Augen im Kopf . . ?“ Okay, das ist nun Geschichte, der HSV blickt nach vorne – und wir sollten es nun auch tun. Tom Mickel ist weg, Gojko Kacar fast, wenn dazu noch Tesche und auch noch Marcus Berg kämen, dann hätte der HSV schon mal eine (kleine?) finanzielle Belastung weniger an der Backe.
Dass Tesche schon einmal kurz vor einem Wechsel zu Hannover 96 stand, das ist wahr. Viel hat damals nicht gefehlt. Wenn ich mich aber richtig erinnere (ihr könnt mir auf die Sprünge helfen), dann war es Michael Oenning, der sich dafür einsetzte, dass Tesche doch in Hamburg blieb. Oder es war Armin Veh, der keinen Spieler mehr abgeben wollte – und Oenning war der große Befürworter, dass Tesches Vertrag verlängert wurde. So war es, meine ich. Denn Oenning setzte in seiner kurzen Ära ja als fast erster HSV-Trainer “voll” auf Tesche. Ohne allerdings dafür belohnt worden zu sein – mit guten Leistungen.

Und gleich noch einmal Hannover 96. Bei Kacar sieht es nun ganz nach einem Wechsel zu den Niedersachsen aus. Die Agentur schrieb dazu heute:

(dpa/lni) – HSV-Sportchef Frank Arnesen rechnet beim geplanten Transfer des Mittelfeldspielers Gojko Kacar von Hamburg zu Hannover 96 mit einer schnellen Entscheidung. Innerhalb von 48 Stunden soll laut Arnesen Klarheit herrschen. „Wir reden noch und müssen sehen, dass wir klarkommen“, sagte der Sportchef der Hamburger am Mittwoch vor dem Abflug ins Trainingslager: „Positiv ist, dass alle drei Seiten wollen.“ Der 25 Jahre alte Serbe war im Sommer 2010 aus Berlin zum HSV gewechselt.

Der serbische Nationalspieler selber hatte über den Transfer nach Hannover gesagt: „Die Sache würde ich gerne machen.“ Der defensive Mittelfeldakteur reiste wie Robert Tesche nicht mit ins HSV-Trainingslager nach Abu Dhabi.

„Wir sind im Gespräch“, sagte 96-Manager Jörg Schmadtke zu einem möglichen Wechsel von Kacar. Der von Hertha BSC gekommene Profi, der nach einem Knöchelbruch wieder fit ist, konnte sich in Hamburg nicht durchsetzen. Der klamme (und große) HSV muss im Winter über Ablösesummen und eingesparte Gehälter 6,4 Millionen Euro erwirtschaften.

Gojko Kacar sagte dem Sky-Kollegen heute in unserem Beisein: „Ich muss mit Hannover noch etwas abklären, und das wird in den nächsten Tagen geschehen. Hannover ist ein Super-Verein, es gefällt mir, dass sich ein solcher Verein für mich interessiert. Ich würde dort gerne spielen. Jetzt werde ich meinen Kopf freimachen, damit ich die richtige Entscheidung treffen kann.“ Hannover 96 fliegt am 5. Januar ins Trainingslager, der Wechsel, so sagen es alle Beteiligten, wäre also bis zum 4. Januar äußerst sinnvoll, denn dann könnte Gojko Kacar mit dem „kleinen“ HSV mitfliegen.

Auch in Sachen Marcus Berg gibt es ein wenig Bewegung. Der Schwede hat dem HSV signalisiert, dass er dann einem Wechsel nach Spanien zustimmen würde, wenn der richtige Verein käme. Ich glaube, dass mit „richtiger Verein“ nicht unbedingt Real Madrid oder der FC Barcelona gemeint sind. Aber angeblich soll es ja über Berater doch ein, zwei oder gar drei lockere Interessenten aus Spanien für Berg geben – und das klingt doch gut. Oder auf jeden Fall ausbaufähig . . .

Und noch eine Personalie könnte sich noch ergeben, vielleicht aber erst nach der Rückkehr der Mannschaft aus dem Trainingslager: Jeffey Bruma möchte wohl weg aus Hamburg, das hat er Frank Arnesen auch mitgeteilt. Wohl noch einmal, und wohl noch einmal ein bisschen vordinglicher als die Male zuvor. Aus den Niederlanden soll sich ja auch noch etwas tun (können), wie zu hören war, deshalb glaube ich daran, dass sich auch da noch etwas tun wird. Obwohl Arnesen sagt: „Wir werden da nicht leichtfertig handeln, denn Jeffrey ist rechts der erste Mann hinter Dennis Diekmeier, und auch in der Innenverteidigung könnte er sehr wohl einmal benötigt werden, falls es dort personelle Engpässe geben sollte. Jeffrey ist ja eng dran, es ist nur sein Pech, dass die Männer, die vor ihm sind, konstant gut spielen.“

Und dieses Problem wird, wenn er denn bleiben sollte, nicht nur ein Jeffrey Bruma haben. Wenn ich so an das „dichtbevölkerte“ Mittelfeld denke, dann könnte es dort noch viel enger werden – und auch den einen oder anderen noch etwas prominenteren Kollegen mit einem kurzfristigen oder auch längerfristigen Bankdasein treffen. Da muss nur schnell mal ein jeder bis vier zählen . . .

So, nun warte ich zunächst einmal die Landung des HSV in Abu Dhabi ab (ich weiß, zuerst in Dubai!), dann geht es weiter. Der HA-Kollege Kai Schiller ist mit der Mannschaft vor Ort und wird mir berichten.

Ganz kurz noch zum Thema Schiedsrichter, zu dem ich um „Toleranz“ gebeten hatte. Was mir natürlich – ich hatte es nicht anders erwartet – sofort um die Ohren flog. Günter Perl ist hier das Stichwort. Ich gebe ja auch zu, dass ich da (in diesem Punkt) ein wenig über das Ziel hinaus geschossen bin, aber ich glaube, dass ich bislang in dieser Saison nur sehr, sehr wenig an den Schiedsrichter herumgemäkelt habe. Sogar an Perl nur ganz wenig, wenn ich mich auch da richtig erinnere. Und ansonsten gibt es noch zwei Punkte zu diesem Thema zu sagen: Erstens gab es in der Hinrunde, bis auf den Kollegen Wolfgang Stark (beim Spiel in Frankfurt, als Petr Jiracek die lächerlichste und überflüssigste Rote Karte der letzten zehn Jahre sah), überwiegend gute oder auf jeden Fall ordentliche Leistungen des 23. Mannes, und zweitens habe ich mir vorgenommen, tatsächlich mit (viel) mehr Nachsicht über die Herren „Schwarzkittel“ zu schreiben und zu urteilen. Was mir bislang eigentlich ganz gut gelungen, was bislang aber nicht bei allen meinen Kollegen auf viel Verständnis gestoßen ist. Einige Kollegen sehen die Unparteiischen nämlich sehr viel schlechter als ich . . .
Vielleicht können wir uns ja auf folgende Formel einigen: Ich werde nachsichtiger mit den Herren umgehen – und ihr dann auch. Wäre das ein guter Kompromiss? Ich bin dabei.

18.09 Uhr