Monatsarchiv für Januar 2013

Ein Erfolgserlebnis für van der Vaart

31. Januar 2013

Es war schon herrlich anzusehen. Die HSV-Profis waren nervös wie Rennpferde vor dem Start aus den Boxen. Einige guckten immer mal wieder aus der Kabinentür, um zu sehen, ob die Darts-Weltmeister denn schon in der Arena angekommen sind. Andere HSV-Profis wie Rafael van der Vaart, Rene Adler, Maximilian Beister und auch Dennis Aogo griffen sich schon mal die Pfeile und schmissen sie auf die Scheibe. Schon lange vor dem Show-Kampf. Deshalb hatte sich schon eine Stunde vorher herumgesprochen: „Der van der Vaart, der kann das richtig gut. Fast wie ein Weltmeister . . .“ Überraschend war für mich dabei zu sehen, dass die „ewige 23“ mit der rechten Hand warf. Weil er ja bekanntlich mit links schießt. Aber egal, er kann es eben. Und deswegen hat VdV an der Seite seines niederländischen Landsmannes Raymond van Barneveld auch das heutige Darts-Showturnier gewonnen. Zusammen mit dem fünfmaligen Darts-Weltmeister setzten sich die beiden Niederländer im Finale gegen das Team mit Dennis Aogo und dem Engländer Adrian Lewis durch.

„Ich mag dieses Spiel, es ist in Holland sehr beliebt und anerkannt“, sagte van der Vaart, der einen Glaspokal überreicht bekam. Im Halbfinale hatten sich Barneveld/van der Vaart gegen HSV-Torhüter René Adler und Michael van Gerwen aus den Niederlanden durchgesetzt. Der große Star, der 16-malige Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien, hatte zusammen mit Stürmer Maximilian Beister gegen das Aogo-Doppel verloren.

Aber endlich einmal wieder ein Erfolgserlebnis für den „kleinen Engel“, denn in der Bundesliga läuft es bislang ja nicht so nach Wunsch. Von Herrn Kühne und von „VdV“ selbst. Im Herbst hatte er sich ja in der BILD selbst nur die „Note vier“ gegeben – für die bsiherigen Vorstellungen nach seiner Rückkehr. Die damals mit dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt begannen. Jetzt sucht van der Vaart nach seiner Verletzungspause noch immer seine Form. Er schießt keine Tore, und als Vorlagengeber tritt er auch kaum noch in Erscheinung. Obwohl Trainer Thorsten Fink optimistisch ist: „Ich bin mir ganz sicher, dass er schon in naher Zukunft wieder ein schönes Tor für uns erzielen wird. Er braucht jetzt einfach Spiele. Seit November ist er ja gar nicht mehr richtig in den Rhythmus gekommen.“

Dazu passt, Glückes Geschick, ganz wunderbar eine Mail von „eisenwilli“:

Ich bitte dich, doch einmal genauer zu beleuchten, was mit van der vaart und badelj, also unserem hochgelobten kreativtandem, los ist. in deiner heutigen torschützenliste taucht van der vaart (zu recht) zweimal auf. ER war damals unser torgarant. wieso ist das jetzt nicht mehr so???

Diese frage ist völlig ernst gemeint. ich denke nämlich, dass herr kühne sich das auch langsam zu fragen beginnt. das ist einfach nicht mehr der van der vaart von früher. gerne billige ich ihm eine integrationszeit zu, vermutlich war der anfangshype (durch medien ordentlich gepusht) auch für die mitspieler ein wenig zu viel des guten? schneiden sie ihn im spiel? das wäre doch wirklich das letzte, was wir alle wollen.

Dass badelj vermutlich seinen ersten (ebenfalls nachvollziehbaren) durchhänger hat, könnte ich verstehen, doch habe ich mir ehrlich gesagt ein kleines bisschen mehr erwartet, als ich von den verpflichtungen (badelj, jiracek und van der vaart) erfuhr. momentan hängen sie alle drei etwas durch.

Ich denke, dass Rafael van der Vaart zurzeit einige vielschichtige Probleme zuviel an der Backe hat. Er weiß, dass er noch längst nicht wieder „der Alte“ ist, den sie hier in Hamburg alle kannten. Er hatte zwei Verletzungen, dazu privaten Kummer – das alles setzt ihm sicher zu. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass er eine andere Rolle spielen muss –als früher. Da konnte er sich auf seine Arbeit als Vordenker und Regisseur beschränken, oder er durfte sich – ganz ungebunden – in der Offensive herumtummeln. Dann schoss er – nebenbei – auch einige Tore. Nun aber, das haben wir doch alle schon bemerkt, ist er ein vorbildlicher Teamplayer, er rennt, er rennt und rennt. Und wenn er nicht gerade rennt, dann grätscht er. Und zwar kurz vor dem HSV-Strafraum. Das kostet viel Kraft, und die fehlt ihm, auch weil er noch nicht bei 100 Prozent ist, dann für die offensiven Aktionen. Für ihn ist das irgendwie ein Teufelskreis. Aus dem es so schnell wohl kein Entrinnen für ihn gibt.

Um wieder in die frühere Verfassung zu kommen, muss er schon noch einige Spiele in Folge absolvieren. Und er muss ganz sicher auch noch mehr von den Kollegen gesucht werden. In einigen Spielen war es ganz offensichtlich, dass van der Vaart nicht so richtig mit in das Spiel des HSV einbezogen wurde, teilweise gab es lange Pässe, die von hinten – ganz frech – über seinen Kopf hinweg nach vorn gespielt wurden. Da muss die Mannschaft ganz sicher noch etwas lernen. Und auch Vertrauen in den Niederländer bekommen, dass sie alle wissen, dass bei ihm der Ball sicher aufgehoben ist. So er sich denn in Bestform befindet. Dass die Mitspieler ihren Star bewusst schneiden, das ist für mich überhaupt kein Thema, so etwas würde ich nicht mal im Ansatz andenken. Für mich ist es so, dass sich alle noch aneinander gewöhnen müssen, denn so richtig kontinuierlich war bislang ja nichts – in diesem Zusammenspiel.

Dennoch halte ich Rafael van der Vaart nach wie vor für den wichtigsten Feldspieler des HSV, denn er hat allein durch seine Anwesenheit dafür gesorgt, dass ein Ruck durch diese Mannschaft ging. Und van der Vaart wird auch künftig durch seine Anwesenheit (auch im Training) für viel Stabilität in diesem HSV-Team sorgen. Weil sich alle zusammenreißen, weil sich jeder konzentriert – um ja keine Schwäche ihm gegenüber einzugestehen. Wir alle sollten VdV Zeit geben, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Und das wird er, ganz sicher. Auch wenn es mit den Toren vielleicht nicht mehr ganz so hinhauen wird, wie einst im Mai.

Über Milan Badelj macht sich in diesen tagen auch fast jeder HSV-Fan seine Gedanken. Erst fand er nur langsam in das Spiel (und zu seinem Spiel), und zuletzt fand er gar nicht mehr hinein. Im Training ist das allerdings nicht so krass, da hat er durchaus mehr gute als schlechte Szenen. Ich erinnere mich an die vergangene Woche, da bekam er einen weiten Abwurf von Sven Neuhaus 8aus dem Tor heraus), Badelj stoppte den über sich hinweg fliegenden Ball mit der Hack, drehte sich blitzschnell und schoss die Kugel, ohne dass sie auf den Rasen geprallt wäre, in das gegenüberliegende Tor. Ein Kunststück. Das in dieser Form nur ganz, ganz wenige HSV-Spieler so zustande bringen würden. Er kann es also.

Woran allerdings seine jetzige Schwächeperiode liegt, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht ist er zurzeit auch ein wenig überfordert, denn zu Beginn der Saison gab es noch eine“ Doppel-Sechs“ beim HSV, nun spielt Badelj aber den alleinigen „Sechser“. Das heißt, er muss den Abfangjäger geben, und er soll im Aufbauspiel glänzen. Oftmals von hinten allein heraus. Und wenn dann die eine oder andere Aktion daneben geht, dann beginnt vielleicht auch ein Milan Badelj damit, zu denken. Und dann schleichen sich eben – gerade dann – einige Fehler mehr ein. Und die sorgen dann auch bei einem erfahrenen Mann für Verunsicherung. Vielleicht können die Kollegen ihm helfen, indem sie ihn nach solchen Fehlern motivieren und auch hilfreich zur Seite stehen. Gemeinsam sind wir stark – es hilft eigentlich immer.

Und dass Petr Jiracek im Moment schwächelt, das kann ich gar nicht sehen. Der Tscheche war lange verletzt, kämpft im Moment um den Anschluss, wäre wohl auch längst (?) schon wieder im Team – wenn es nötig wäre. Ist es aber derzeit nicht Weil es nicht nur ein Überangebot in Sachen Innenverteidigern gibt, sondern auch an Mittelfeldspielern. Nun aber ist es möglich, dass Jiracek am Sonnabend gegen Frankfurt von Beginn an zum Einsatz kommen wird – als Linksverteidiger. Marcell Jansen ist erkältet, hat auch heute nicht trainiert. Sollte er morgen auch noch fehlen, spielt Jiracek hinten links. Das hat er heute schon getan – und sich im Abschlussspielchen rasante, heiße und verbissene Duelle mit Maximilian Beister geliefert. Natürlich könnte Thorsten Fink auch Dennis Aogo zurückziehen, aber das will der Trainer nicht. Und das ist auch gut so. Aogo macht seine Sache im Mittelfeld klasse, und er hat zuletzt ein Tor geschossen. Sein erstes Bundesliga-Tor für den HSV. Da hoffen alle Beteiligten, dass am Sonnabend dann auch gleich Nummer zwei folgen wird.

Sollte Jiracek tatsächlich spielen, so würde es mich für ihn freuen, denn: Im Hinspiel, bei der 2:3-Niederlage des HSV in Frankfurt, wurde er zu Unrecht von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) vom Platz gestellt. Auch daran war letztlich die HSV-Niederlage festzumachen. Nun könnte sich „Jira“ mit einem gelungenen Auftritt nicht nur in Erinnerung bei den HSV-Fans bringen, sondern sich auch ganz nah an die Mannschaft heranspielen.Unklar war heute noch, wer im rechten Mitteelfeld zum Einsatz kommen wird: Per Ciljan Skjelbred oder Tolgay Arslan? Beide spielten heute je eine Halbzeit in der Stamm-Formation. Thorsten Fink ließ durchblicken, dass er wohl im Moment zu Arslan tendiert, aber der Coach will auch erst noch die letzte Einheit abwarten, bevor er sich festlegt. Ich denke, dass Arslan (zunächst) zum Zuge kommen wird. Geleitet wird das Spiel gegen die Hessen diesmal übrigens vom Berliner Unparteiischen Felix Zwayer.

Kurz noch ein Themenwechsel:

HSV-Sportchef Frank Arnesen hatte in der Winterpause den Auftrag der Klubführung erhalten, durch Transfers einiger Ersatzspieler 6,4 Millionen Euro für den Klub einzusparen. Dieser Auftrag wurde nicht erfüllt. Lediglich drei eher preiswerte Reservisten wurden transferiert: Torwart Tom Mickel ging ablösefrei zum Neuling Greuther Fürth, und Robert Tesche (Fortuna Düsseldorf) sowie Paul Scharner (Wigan Athletic) wurden ausgeliehen. Der HSV hat also nach wie vor ein Überangebot an Spielern, wobei Trainer Fink deutlich gesagt hatte, dass er wenig Lust darauf hat, ständig mit 29 Spielern zu trainieren . . . Außerdem muss der HSV weiter viel, viel Geld an Gehältern ausspucken, sodass auch in der kommenden Transferperiode keine großen Sprünge (sprich Stars) zu erwarten sind. Die Jungs, die nun auf der Bank oder auch nur auf der Tribüne sitzen, verdienen in Hamburg einfach viel zu gut. Wer geht da schon freiwillig? Und zudem sind sie wohl auch fußballerisch einfach nicht gut genug, denn ansonsten würden sich ja Vereine um sie bemühen – oder gar reißen . . .

Zum Schluss noch ein wenig Statistik:

Gegen keinen Verein feierte der HSV zu Hause (30) und insgesamt (41) mehr Bundesliga-Siege als gegen die Hessen. Thomas Sobotziks Treffer zum 1:0 am 14. November 1998 bescherte Frankfurt den einzigen Erfolg in den letzten 13 Spielen an der Elbe. Die Eintracht verlor aber noch nie in Hamburg, wenn sie zur Pause führte. Frankfurts Trainer Armin Veh wurde nach 26 Spielen und einem 0:6 beim FC Bayern am 12. März 2011 von den „Rothosen“ entlassen – als Tabellenachter. Die Eintracht gewann drei der letzten vier Partien und erzielte mit neun die zweitmeisten Kopfballtore der Liga.

Die Hanseaten gewannen ihre letzten vier Heimspiele und gingen in den letzten sechs Runden nur einmal, beim 0:3 in Leverkusen am 15. Dezember, als Verlierer vom Platz. Sie ließen allerdings als einziges Team mehr als 300 gegnerische Torschüsse zu.

Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 30 S, 5 U, 8 N – 91:36 Tore – Gesamtbilanz: 41 S, 20 U, 26 N – 155:106 Tore. Letzter Heimsieg: 1:0 am 21. 1. 11; letzte Heimniederlage: 0:1 am
14. 11. 98; letzte Elfmeter: HSV (11/7): van der Vaart am 15. 9. 07 – Frankfurt (6/3): Skela am 16. 12. 03; letzter Platzverweis: HSV (4): Jiracek am 16. 9. 12 – Frankfurt (3), Zchadadse am 18. 5. 96; aktuelle HSV-Schützen gegen Frankfurt: Westermann (5), van der Vaart (2), Jansen, Kacar, Son; Eintracht-Schützen gegen Hamburg: Meier (5), Aigner, Inui, Occean, Russ.

PS: Vielen Dank für die zahlreichen Mails und Zuschriften.

PSPS: Das Abschlusstraining am Freitag ist nicht öffentlich.

18.23 Uhr

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