Monatsarchiv für Januar 2013

Ein Erfolgserlebnis für van der Vaart

31. Januar 2013

Es war schon herrlich anzusehen. Die HSV-Profis waren nervös wie Rennpferde vor dem Start aus den Boxen. Einige guckten immer mal wieder aus der Kabinentür, um zu sehen, ob die Darts-Weltmeister denn schon in der Arena angekommen sind. Andere HSV-Profis wie Rafael van der Vaart, Rene Adler, Maximilian Beister und auch Dennis Aogo griffen sich schon mal die Pfeile und schmissen sie auf die Scheibe. Schon lange vor dem Show-Kampf. Deshalb hatte sich schon eine Stunde vorher herumgesprochen: „Der van der Vaart, der kann das richtig gut. Fast wie ein Weltmeister . . .“ Überraschend war für mich dabei zu sehen, dass die „ewige 23“ mit der rechten Hand warf. Weil er ja bekanntlich mit links schießt. Aber egal, er kann es eben. Und deswegen hat VdV an der Seite seines niederländischen Landsmannes Raymond van Barneveld auch das heutige Darts-Showturnier gewonnen. Zusammen mit dem fünfmaligen Darts-Weltmeister setzten sich die beiden Niederländer im Finale gegen das Team mit Dennis Aogo und dem Engländer Adrian Lewis durch.

„Ich mag dieses Spiel, es ist in Holland sehr beliebt und anerkannt“, sagte van der Vaart, der einen Glaspokal überreicht bekam. Im Halbfinale hatten sich Barneveld/van der Vaart gegen HSV-Torhüter René Adler und Michael van Gerwen aus den Niederlanden durchgesetzt. Der große Star, der 16-malige Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien, hatte zusammen mit Stürmer Maximilian Beister gegen das Aogo-Doppel verloren.

Aber endlich einmal wieder ein Erfolgserlebnis für den „kleinen Engel“, denn in der Bundesliga läuft es bislang ja nicht so nach Wunsch. Von Herrn Kühne und von „VdV“ selbst. Im Herbst hatte er sich ja in der BILD selbst nur die „Note vier“ gegeben – für die bsiherigen Vorstellungen nach seiner Rückkehr. Die damals mit dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt begannen. Jetzt sucht van der Vaart nach seiner Verletzungspause noch immer seine Form. Er schießt keine Tore, und als Vorlagengeber tritt er auch kaum noch in Erscheinung. Obwohl Trainer Thorsten Fink optimistisch ist: „Ich bin mir ganz sicher, dass er schon in naher Zukunft wieder ein schönes Tor für uns erzielen wird. Er braucht jetzt einfach Spiele. Seit November ist er ja gar nicht mehr richtig in den Rhythmus gekommen.“

Dazu passt, Glückes Geschick, ganz wunderbar eine Mail von „eisenwilli“:

Ich bitte dich, doch einmal genauer zu beleuchten, was mit van der vaart und badelj, also unserem hochgelobten kreativtandem, los ist. in deiner heutigen torschützenliste taucht van der vaart (zu recht) zweimal auf. ER war damals unser torgarant. wieso ist das jetzt nicht mehr so???

Diese frage ist völlig ernst gemeint. ich denke nämlich, dass herr kühne sich das auch langsam zu fragen beginnt. das ist einfach nicht mehr der van der vaart von früher. gerne billige ich ihm eine integrationszeit zu, vermutlich war der anfangshype (durch medien ordentlich gepusht) auch für die mitspieler ein wenig zu viel des guten? schneiden sie ihn im spiel? das wäre doch wirklich das letzte, was wir alle wollen.

Dass badelj vermutlich seinen ersten (ebenfalls nachvollziehbaren) durchhänger hat, könnte ich verstehen, doch habe ich mir ehrlich gesagt ein kleines bisschen mehr erwartet, als ich von den verpflichtungen (badelj, jiracek und van der vaart) erfuhr. momentan hängen sie alle drei etwas durch.

Ich denke, dass Rafael van der Vaart zurzeit einige vielschichtige Probleme zuviel an der Backe hat. Er weiß, dass er noch längst nicht wieder „der Alte“ ist, den sie hier in Hamburg alle kannten. Er hatte zwei Verletzungen, dazu privaten Kummer – das alles setzt ihm sicher zu. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass er eine andere Rolle spielen muss –als früher. Da konnte er sich auf seine Arbeit als Vordenker und Regisseur beschränken, oder er durfte sich – ganz ungebunden – in der Offensive herumtummeln. Dann schoss er – nebenbei – auch einige Tore. Nun aber, das haben wir doch alle schon bemerkt, ist er ein vorbildlicher Teamplayer, er rennt, er rennt und rennt. Und wenn er nicht gerade rennt, dann grätscht er. Und zwar kurz vor dem HSV-Strafraum. Das kostet viel Kraft, und die fehlt ihm, auch weil er noch nicht bei 100 Prozent ist, dann für die offensiven Aktionen. Für ihn ist das irgendwie ein Teufelskreis. Aus dem es so schnell wohl kein Entrinnen für ihn gibt.

Um wieder in die frühere Verfassung zu kommen, muss er schon noch einige Spiele in Folge absolvieren. Und er muss ganz sicher auch noch mehr von den Kollegen gesucht werden. In einigen Spielen war es ganz offensichtlich, dass van der Vaart nicht so richtig mit in das Spiel des HSV einbezogen wurde, teilweise gab es lange Pässe, die von hinten – ganz frech – über seinen Kopf hinweg nach vorn gespielt wurden. Da muss die Mannschaft ganz sicher noch etwas lernen. Und auch Vertrauen in den Niederländer bekommen, dass sie alle wissen, dass bei ihm der Ball sicher aufgehoben ist. So er sich denn in Bestform befindet. Dass die Mitspieler ihren Star bewusst schneiden, das ist für mich überhaupt kein Thema, so etwas würde ich nicht mal im Ansatz andenken. Für mich ist es so, dass sich alle noch aneinander gewöhnen müssen, denn so richtig kontinuierlich war bislang ja nichts – in diesem Zusammenspiel.

Dennoch halte ich Rafael van der Vaart nach wie vor für den wichtigsten Feldspieler des HSV, denn er hat allein durch seine Anwesenheit dafür gesorgt, dass ein Ruck durch diese Mannschaft ging. Und van der Vaart wird auch künftig durch seine Anwesenheit (auch im Training) für viel Stabilität in diesem HSV-Team sorgen. Weil sich alle zusammenreißen, weil sich jeder konzentriert – um ja keine Schwäche ihm gegenüber einzugestehen. Wir alle sollten VdV Zeit geben, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Und das wird er, ganz sicher. Auch wenn es mit den Toren vielleicht nicht mehr ganz so hinhauen wird, wie einst im Mai.

Über Milan Badelj macht sich in diesen tagen auch fast jeder HSV-Fan seine Gedanken. Erst fand er nur langsam in das Spiel (und zu seinem Spiel), und zuletzt fand er gar nicht mehr hinein. Im Training ist das allerdings nicht so krass, da hat er durchaus mehr gute als schlechte Szenen. Ich erinnere mich an die vergangene Woche, da bekam er einen weiten Abwurf von Sven Neuhaus 8aus dem Tor heraus), Badelj stoppte den über sich hinweg fliegenden Ball mit der Hack, drehte sich blitzschnell und schoss die Kugel, ohne dass sie auf den Rasen geprallt wäre, in das gegenüberliegende Tor. Ein Kunststück. Das in dieser Form nur ganz, ganz wenige HSV-Spieler so zustande bringen würden. Er kann es also.

Woran allerdings seine jetzige Schwächeperiode liegt, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht ist er zurzeit auch ein wenig überfordert, denn zu Beginn der Saison gab es noch eine“ Doppel-Sechs“ beim HSV, nun spielt Badelj aber den alleinigen „Sechser“. Das heißt, er muss den Abfangjäger geben, und er soll im Aufbauspiel glänzen. Oftmals von hinten allein heraus. Und wenn dann die eine oder andere Aktion daneben geht, dann beginnt vielleicht auch ein Milan Badelj damit, zu denken. Und dann schleichen sich eben – gerade dann – einige Fehler mehr ein. Und die sorgen dann auch bei einem erfahrenen Mann für Verunsicherung. Vielleicht können die Kollegen ihm helfen, indem sie ihn nach solchen Fehlern motivieren und auch hilfreich zur Seite stehen. Gemeinsam sind wir stark – es hilft eigentlich immer.

Und dass Petr Jiracek im Moment schwächelt, das kann ich gar nicht sehen. Der Tscheche war lange verletzt, kämpft im Moment um den Anschluss, wäre wohl auch längst (?) schon wieder im Team – wenn es nötig wäre. Ist es aber derzeit nicht Weil es nicht nur ein Überangebot in Sachen Innenverteidigern gibt, sondern auch an Mittelfeldspielern. Nun aber ist es möglich, dass Jiracek am Sonnabend gegen Frankfurt von Beginn an zum Einsatz kommen wird – als Linksverteidiger. Marcell Jansen ist erkältet, hat auch heute nicht trainiert. Sollte er morgen auch noch fehlen, spielt Jiracek hinten links. Das hat er heute schon getan – und sich im Abschlussspielchen rasante, heiße und verbissene Duelle mit Maximilian Beister geliefert. Natürlich könnte Thorsten Fink auch Dennis Aogo zurückziehen, aber das will der Trainer nicht. Und das ist auch gut so. Aogo macht seine Sache im Mittelfeld klasse, und er hat zuletzt ein Tor geschossen. Sein erstes Bundesliga-Tor für den HSV. Da hoffen alle Beteiligten, dass am Sonnabend dann auch gleich Nummer zwei folgen wird.

Sollte Jiracek tatsächlich spielen, so würde es mich für ihn freuen, denn: Im Hinspiel, bei der 2:3-Niederlage des HSV in Frankfurt, wurde er zu Unrecht von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) vom Platz gestellt. Auch daran war letztlich die HSV-Niederlage festzumachen. Nun könnte sich „Jira“ mit einem gelungenen Auftritt nicht nur in Erinnerung bei den HSV-Fans bringen, sondern sich auch ganz nah an die Mannschaft heranspielen.Unklar war heute noch, wer im rechten Mitteelfeld zum Einsatz kommen wird: Per Ciljan Skjelbred oder Tolgay Arslan? Beide spielten heute je eine Halbzeit in der Stamm-Formation. Thorsten Fink ließ durchblicken, dass er wohl im Moment zu Arslan tendiert, aber der Coach will auch erst noch die letzte Einheit abwarten, bevor er sich festlegt. Ich denke, dass Arslan (zunächst) zum Zuge kommen wird. Geleitet wird das Spiel gegen die Hessen diesmal übrigens vom Berliner Unparteiischen Felix Zwayer.

Kurz noch ein Themenwechsel:

HSV-Sportchef Frank Arnesen hatte in der Winterpause den Auftrag der Klubführung erhalten, durch Transfers einiger Ersatzspieler 6,4 Millionen Euro für den Klub einzusparen. Dieser Auftrag wurde nicht erfüllt. Lediglich drei eher preiswerte Reservisten wurden transferiert: Torwart Tom Mickel ging ablösefrei zum Neuling Greuther Fürth, und Robert Tesche (Fortuna Düsseldorf) sowie Paul Scharner (Wigan Athletic) wurden ausgeliehen. Der HSV hat also nach wie vor ein Überangebot an Spielern, wobei Trainer Fink deutlich gesagt hatte, dass er wenig Lust darauf hat, ständig mit 29 Spielern zu trainieren . . . Außerdem muss der HSV weiter viel, viel Geld an Gehältern ausspucken, sodass auch in der kommenden Transferperiode keine großen Sprünge (sprich Stars) zu erwarten sind. Die Jungs, die nun auf der Bank oder auch nur auf der Tribüne sitzen, verdienen in Hamburg einfach viel zu gut. Wer geht da schon freiwillig? Und zudem sind sie wohl auch fußballerisch einfach nicht gut genug, denn ansonsten würden sich ja Vereine um sie bemühen – oder gar reißen . . .

Zum Schluss noch ein wenig Statistik:

Gegen keinen Verein feierte der HSV zu Hause (30) und insgesamt (41) mehr Bundesliga-Siege als gegen die Hessen. Thomas Sobotziks Treffer zum 1:0 am 14. November 1998 bescherte Frankfurt den einzigen Erfolg in den letzten 13 Spielen an der Elbe. Die Eintracht verlor aber noch nie in Hamburg, wenn sie zur Pause führte. Frankfurts Trainer Armin Veh wurde nach 26 Spielen und einem 0:6 beim FC Bayern am 12. März 2011 von den „Rothosen“ entlassen – als Tabellenachter. Die Eintracht gewann drei der letzten vier Partien und erzielte mit neun die zweitmeisten Kopfballtore der Liga.

Die Hanseaten gewannen ihre letzten vier Heimspiele und gingen in den letzten sechs Runden nur einmal, beim 0:3 in Leverkusen am 15. Dezember, als Verlierer vom Platz. Sie ließen allerdings als einziges Team mehr als 300 gegnerische Torschüsse zu.

Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 30 S, 5 U, 8 N – 91:36 Tore – Gesamtbilanz: 41 S, 20 U, 26 N – 155:106 Tore. Letzter Heimsieg: 1:0 am 21. 1. 11; letzte Heimniederlage: 0:1 am
14. 11. 98; letzte Elfmeter: HSV (11/7): van der Vaart am 15. 9. 07 – Frankfurt (6/3): Skela am 16. 12. 03; letzter Platzverweis: HSV (4): Jiracek am 16. 9. 12 – Frankfurt (3), Zchadadse am 18. 5. 96; aktuelle HSV-Schützen gegen Frankfurt: Westermann (5), van der Vaart (2), Jansen, Kacar, Son; Eintracht-Schützen gegen Hamburg: Meier (5), Aigner, Inui, Occean, Russ.

PS: Vielen Dank für die zahlreichen Mails und Zuschriften.

PSPS: Das Abschlusstraining am Freitag ist nicht öffentlich.

18.23 Uhr

Kacar wechselt nicht nach Frankfurt

30. Januar 2013

Schönwetter-Fußballer sind die HSV-Profis gewiss nicht. Bei Wind und Dauerregen waren sie voller Spaß bei der Sache, und selbst nach dem offiziellen Trainingsende wurde freiwillig (!) weitergemacht. Jaroslav Drobny stellte sich zwischen die Pfosten, und dann schossen sie wie die Wilddiebe um sich. Dennis Aogo, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj, Per Ciljan Skjelbred, Marcus Berg und, und, und. Wie gesagt, freiwillig. Das ist doch wirklich ein tolles Zeichen. Und das bei diesem (Un-)Wetter. Da müsste eigentlich jeder froh sein, wenn er endlich wieder in der warmen Kabine wäre – aber denkste! Sogar der Trainer zeigte Härte. Thorsten Fink hatte nichts auf dem Kopf, während der 75 Minuten, es muss bei ihm oben rein und unten wieder raus gelaufen sein, aber er hielt tapfer durch. Und sah danach wie ein begossener Pudel aus.
Gefehlt haben heute natürlich Paul Scharner, der sich Richtung England vom Acker gemacht hat – zu Wigan Athletic. Zudem fehlten Ivo Ilicevic (Bauchmuskelprobleme), Marcell Jansen (Erkältung) und natürlich immer noch Michael Mancienne, Jacopo Sala und Zhi Gin Lam.

Zudem trainierte Gojko Kacar in der Arena. Ob das eine spezielle Vorbereitung auf Sonnabend war? Der Serbe hätte nämlich eventuell am Sonnabend schon spielen – und zwar gegen den HSV. Kein Scherz! Eintracht Frankfurt, der kommende HSV-Gegner, war an einem Leihgeschäft interessiert. Und der HSV wäre bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber zurzeit ist es so, dass die Sache geplatzt ist. Das kam aus der Kacar-Ecke, das kam auch aus Frankfurt. Armin Veh hätte Kacar wohl gerne gehabt, aber insgesamt war der Deal wohl doch ein wenig zu teuer. Noch ist aber ja etwas Zeit, mal sehen, ob noch einmal wieder Fahrt in diese Geschichte (bis zum Schluss der Transferliste am morgigen Donnerstag) kommen wird – aber so wie es jetzt steht, ist dieser Transfer erledigt.

Zurück noch einmal zu den freiwilligen Schützen. Im Tor, wie geschrieben, Drobny. Kein Einzelfall. Das hat er zuletzt schon oft gemacht. Alles freiwillig. Und da klingen mir noch jene Sätze in den Ohren, die es im Sommer zu hören gab. Viele Experten und Fans vermuteten und prophezeiten damals, dass sich „Jaro“ Drobny nur noch einen Lenz in Hamburg machen würde. Dass er seinen Vertrag beim HSV lediglich aussitzen würde, im Training nur noch Dienst nach Vorschrift absolvieren würde. Aber nichts, auch nicht mal ein Hauch, davon ist erkennbar. Für mich ist der tschechische Nationaltorwart ein Phänomen. Er ist, obwohl er nur noch Ersatz hinter Rene Adler ist, stets mittendrin statt nur dabei. Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag: Nach dem Sieg gegen Werder lagen sich die HSV-Profis – natürlich – in den Armen. Und voll dabei: Jaroslav Drobny. Der 33-jährige Keeper, der auch im Training immer alles gibt, lachte, jubelte, feierte mit den Kollegen, als hätte er eben mit einigen Glanzparaden für den Dreier gesorgt. Nichts zu sehen oder zu spüren von Frust, kein beleidigtes Abschalten, keine Maulerei – Drobny leidet mit, freut sich mit, ist ein richtig guter HSVer. Vorbildlich.

„Wir haben mit ihm einen erstklassigen Mann als Vertreter von Rene Adler, das wissen wir, ich habe keinerlei Bedenken, wenn Jaroslav Drobny einmal ins Tor müsste“, sagt Thorsten Fink über seine Nummer zwei. Und Adler könnte in nächster Zukunft durchaus mal eine Pause einlegen müssen, denn er hat, wie auch Milan Badelj, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen, bereits vier Gelbe Karten eingesammelt. „Jaroslav ist ein charakterstarker Junge, der sich voll mit dem Verein identifiziert, und solche Leute brauchen wir. Er ist ja auch ein sehr guter Torwart“, lobt Thorsten Fink. Drobny hat ganz sicher auch anerkannt, dass Adler nicht nur wieder auf dem Weg zurück ins deutsche Tor ist, sondern dass er auch schon etliche Punkte für den HSV gewonnen hat. Fink sieht es ähnlich, denn er sagt: „Das Beste für eine Hierarchie in der Mannschaft ist, wenn alle elf Spieler immer beste Leistungen bringen und Punkte gewinnen. Dann werden die anderen Spieler etwas ruhiger . . .“

Der HSV ist auf jeden Fall bestrebt, den Vertrag mit Drobny noch einmal zu verlängern – natürlich zu etwas reduzierten finanziellen Bedingungen. Sollte sich der Tscheche darauf einlassen, dann wäre er auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch ein überragender Ersatzkeeper beim HSV. Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen allerdings zurzeit, denn es gibt wichtigere und andere Baustellen.

Eine davon dürfte Heung Min Son heißen. Der Südkoreaner wird immer besser, und beinahe jeden Tag gibt es neue Interessenten, die sich um den 20-jährigen HSV-Stürmer bemühen (sollen). Jetzt fehlen eigentlich nur noch Real Madrid und der FC Barcelona. Aber auch da könnte er wohl spielen. Er hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, einen in der Art, den ich ihm nicht zugetraut habe. Son ist nicht nur torgefährlicher geworden, sondern auch robuster. Er geht nun auch – nicht immer, aber immer öfter – mal richtig und giftig zur Sache. Thorsten Fink dazu: „Er setzt sich jetzt öfter durch. Wir machen Krafttraining mit ihm. Jeder Spieler wird von uns genau durchleuchtet, wo die Stärken und Schwächen sind, bei ihm haben wir festgestellt, dass er im Oberkörperbereich Schwächen hatte – und daran arbeiten wir, vor alle Nikola Vidovic mit ihm.“ Thorsten Fink resümierend: „Es ist ja aber auch normal, dass sich ein 19-jähriger Spieler weiterentwickelt, wenn man professionell mit ihm arbeitet. Und dann setzt er sich eben häufiger durch – ich habe auch das Gefühl, dass er sich da enorm verbessert hat.“ Son ist ein Juwel (geworden). Das weiß auch der Trainer, der ihn lobt: „Er schießt mit links und mit rechts – den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Wenn wir es erreicht haben, dass er schießen kann, dann ist der Ball auch meistens drin. Son ist saugefährlich!“

Wie mittlerweile auch Artjoms Rudnevs. Der Lette steht in der Bundesliga im Moment an achter Stelle der Torjägerliste – mit inzwischen schon acht Toren. Wenn „Rudi“ so weitermacht, dann endet er noch bei 15 Treffern – und mehr. Und das wäre denn schon ein Hammer, denn eine solche Zahl hat in diesem Jahrtausend bislang nur ein HSV-Spieler erreicht: Sergej Barbarez. Der Bosnier erzielte in der Saison 2000/01 sagenhafte 22 Tore. Diejenigen Offensivkünstler des HSV, die Barbarez sehr nahe kamen:

Ivica Olic schaffte 2007/08 14 Treffer, Bernardo Romeo 02/03 ebenfalls 14, und dann wird es immer schlechter. Mladen Petric erzielte 08/09 zwölf Tore, 10/11 noch einmal elf. Zweistellig wurden seit 13 Jahren nur noch Rafael van der Vaart (07/08 mit zwölf), Olic (08/09 mit zehn), Barbarez (05/06 mit zehn, 04/05 mit elf und 03/04 mit zehn) und Romeo noch einmal (03/04 mit elf). Eine – wie ich finde – höchst kümmerliche Bilanz. Die noch erschreckendere Formen annimmt, wenn man die „etwas anderen“ HSV-Torjäger begutachtet.

In der Saison 06/07 traf van der Vaart mit acht Treffern von allen HSV-Profis am besten, 01/02 war es Romeo mit acht, 09/10 Petric mit acht und 11/12 lag Petric mit sogar nur sieben (!) Toren intern vorn. Unfassbar!

Mehr hat nun schon Artjoms Rudnevs auf seinem Konto. Und der Trainer lobt ihn: „Er hat eine Super-Entwicklung genommen. Es zahlt sich nun aus, dass er emsig trainiert. Und die Mannschaft akzeptiert ihn jetzt mit allen Schwächen, die er noch hat. Weil er wichtige Tore schießt für uns. Und weil er enorm arbeitet für das Team.“ Das freiwillige Training nach dem Training galt vor einigen Wochen ja nur Rudnevs. Inzwischen haben sich viele angeschlossen. Fink: „Rudi hat früher ja nur und einfach auf das Tor geballert, ohne zu gucken. Jetzt ist er angehalten, den Ball mitzunehmen und sich beim Torschuss dann eine Ecke auszusuchen. Das klappt nun schon immer besser.“ Auch heute beim freiwilligen Wettschießen zu sehen. Er und es wird immer besser. Fink lobt seinen Letten: „Er ist ehrgeizig, er hat einen guten Charakter – ich kann ihn auch mal anschreien, ihm macht das nichts. Und dann macht er das, was ich ihm sage. Er nimmt sich das zu Herzen, was ich sage, und zwar positiv, er bricht nicht innerlich zusammen, wenn er mal kritisiert wird.“

Nur eines hat Thorsten Fink an seinem Torjäger Nummer eins noch auszusetzen: „Rudi ist kein Weichei. Er geht zur Sache, und er steckt ein. Wie oft wird er gefoult oder geschubst. Und da sage ich ihm immer wieder, dass er ruhig mal fallen darf. Das wünschte ich mir von ihm, denn sonst bekommen wir ja nie einen Freistoß in Tornähe – und wir haben ja gute Schützen. Daran muss Rudi noch arbeiten – aber er ist eben ein ganzer Mann, der sich wehrt, wenn er geschubst wird.“ Zu Boden gehen aber, das ist nichts für Rudnevs. Er sagt: „Ich spüre schon den Schmerz, wenn ich gefoult werde, aber ich bin nicht der Typ, der sich dann fallen lässt. So lange es geht, bleibe ich auf den Füßen, schauspielern liegt mir nicht.“

Themenwechsel:

Morgen (Donnerstag) kommt es in der Imtech Arena zwischen 13 und 14.30 Uhr zu einer sportlichen Begegnung der ganz besonderen Art: Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Dennis Aogo und René Adler treffen in der Mixed Zone auf die Darts-Superstars der Professional Darts Corporation (PDC) Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen aus den Niederlanden und Adrian Lewis und den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien. In vier gemischten Teams messen sich die Profisportler 45 Minuten lang im Pfeile werfen. Dabei werden sie von Caller Russ Bray „The Voice“ lautstark und von Darts-Experte Elmar Paulke von Sport1 moderativ begleitet. Präsentiert wird die Veranstaltung von Schweinske.

So, und damit endet der heutige Tag auch schon – fast.

Kurz noch zum „Matz-ab“-Baby von „Scholle“ (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die vielen und netten Gratulationen, die von euch kamen!):

Lia-Sophie ist gestern, am 29. Januar 2013, um 9.09 Uhr auf die Welt gekommen. Sie hat Haare auf dem Kopf, dunkelblonde. Und sie ist 53 Zentimeter groß, wiegt dabei 3350 Gramm. Und sie hat zwei Hobbys: trinken und schlafen…;-)
Sagt „Scholle“.

Dann möchte ich euch noch kurz sagen, dass niemand glauben muss, dass ich Per Ciljan Skjelbred nun „wie Rudnevs fertigmachen will“. Ich sehe einen Spieler, sehe seine Leistung, und diese lobe oder kritisiere ich. Das mache ich schon seit über drei Jahrzehnten so. Und dafür werde ich beim Hamburger Abendblatt noch immer bezahlt. Leider gibt es ja stets einige nette Zeitgenossen, die das System nicht so ganz verstehen. Ich lese übrigens schon seit geraumer Zeit keinen einzigen Kommentar mehr, deswegen trifft mich diese Anpöbelei auch nicht im Entferntesten – ich erfahre eben nur hin und wieder durch Mundpropaganda beim Training, was im Blog unterhalb unserer Beiträge so los ist. Obwohl ich auch darauf getrost verzichten könnte, aber die Menschen meinen es eben immer nur gut mit mir . . .

An meine Kritiker sei nochmals gesagt: Ihr meint es sicherlich nur gut mit dem HSV, wollt Schaden, den ich dem Club zufüge, von ihm wenden. Das ist auch gut so. Das trifft absolut mein Verständnis. Wer aber lesen kann ist glatt im Vorteil. Solltet ihr Zeit finden, dann blättert im Matz-ab-Blog mal ein wenig zurück. Dann werdet ihr feststellen, wie sehr ich den Per Ciljan Skjelbred schon „fertig gemacht“ habe. Seit Wochen und Monaten. Siehe auch beim Nürnberg-Spiel – fällt mir gerade ein. Und wie habe ich ihn fertig gemacht!!! So fertig, dass Thorsten Fink gar nicht mehr umhin kam, ihn endlich einmal aufzustellen . . .

Zu diesem Thema (im Groben) habe ich in jüngster Zeit natürlich auch einige private Mails erhalten – und Gespräche (auch am Telefon) geführt. Heute bekam ich eine Mail, die ich nun gerne an euch weiterreichen möchte. Wer es mag, sollte sich diese Mail antun, wer sich daran stört (auch diese User gibt es ja), der sollte nun flugs aufhören zu lesen:

Hallo Dieter,
nach solch einem, zumindest vom Ergebnis, erfreulichen Wochenende wollte ich mir es nehmen lassen, Dich einmal persönlich anzuschreiben. Sieh es mir nach , dass ich dies auf die Firmenadresse tue und mich nicht im Forum äußere. Ich lese nicht jeden Tag, und schon gar nicht das Forum, aber was dort geschrieben wird geht ja wirklich teilweise auf keine Kuhhaut. Man, man, man… Wer Deine Art des Schreibens etc nicht mag , der braucht
doch Deinen Blog nicht zu lesen. Verstehe ich alles nicht.

Die Mannschaft macht, zumindest im Moment vom Ergebnis , wieder Spaß.
Die Stellschrauben wurden teilweise offenbar so gestellt, dass ergebnisorientiert gespielt wird.
Ein Rudnevs bestätigt die Aussagen von Arnesen und darüber bin ich happy.
Dass auch ein Skjelbred (bei mir heißt er nur Ballettänzer) auf einmal „Leistung“ bringt ist ebenso verwunderlich. Die Tatsache, dass Aogo nach vorne gezogen wurde, war ein sehr kluger Schachzug.

Nichts desto trotz sollte es über eines nicht hinwegtäuschen: Am Sonntag haben zwei (unter-)durchschnittliche Mannschaften gegeneinander gespielt. Ich bleibe bei meiner Aussage: Was passiert eigentlich, wenn wir einmal gut spielen? Wir haben 75 gute Minuten in Gladbach gehabt + ein Superspiel gegen Schalke gemacht. Der Großteil der anderen Spiele und damit verbundenen Punkte basierte auf Glück oder Zufall (hat man Sonntag auch gesehen: Sons Tor kam absolut aus dem Nichts!). Es gibt immer noch sehr, sehr viel zu tun. Mir ist allerdings nicht Bange. Im nächsten Jahr kommt „Özil 2“ und somit werden die Alternativen immer besser. Dass vdv und Badelj im Moment unter ihren Möglichkeiten sind , steht außer Frage.
Auch Sie werden wieder zur Form finden.

Ich als Entscheidungsträger würde mich allerdings von Son höchstbietend trennen. Verträge in Korea hin oder her. Son ist und bleibt mehr als limitiert im Spiel. Schlechtes Zweikampfverhalten etc. Natürlich sind seine Einzelleistungen teilweise Weltklasse. Aber auch Beister hat Potenzial. Um zum Abschluss zu kommen: Mir missfällt am meisten die linke + rechte Verteidigerposition. Ich mag Marcell Jansen wirklich gerne und rede ihn selber im Bekanntenkreis immer schön ,aber um ehrlich zu sein reicht das nicht !!!!Viel zu behäbig , er schwimmt mit dem Strom …Mir kommt es nach 15 Minuten schon immer so vor als wenn er nicht mehr kann! Hast Du gesehen wie er sich von Arnautovic hat abkochen lassen???
Diekmeier ist schneller als sein Schatten, aber mehr als eine 3- ist das auch nicht.

Ich behaupte: Wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen , dann muss ganz dringend auf diesen beiden Positionen was getan werden.
So , Ende mit meinen Auslassungen.
Mittagspause gleich vorbei!
Hau rein und gutes Gelingen weiterhin!

Vielen Dank dem Schreiber (den ich kenne) dieser Zeilen, er ist glühender HSV-Fan und wohnt nicht in Hamburg. Zweierlei möchte ich aber noch aus meiner Sicher hinzufügen: Son sehe ich inzwischen mit anderen Augen – deshalb auch ganz anders. Und Glück und Zufall mögen hin und wieder im Spiel gewesen sein, auf jeden Fall aber auch ein Adler. Zum Glück fliegt der gute Rene bei uns zwischen den Pfosten hin und her . . .

PS: Morgen Training im Volkspark um 10 Uhr.

17.09 Uhr

Thorsten Fink: “Frankfurt ist zu schlagen”

29. Januar 2013

Beim FC Bayern begehrt der große Arjen Robben auf. Weil er nicht zum Einsatz kommt. Der Arme. Nun ist er einmal nicht verletzt, was schon sehr selten ist, und dann wird er nicht auf den Rasen gelassen. Ganz bitter für einen solchen Weltstar, den ich in den Kreis von Sophia Loren, Marlene Dietrich oder Hildegard Knef stelle – eine Diva eben. Schlecht für einen Verein, wenn man einen solchen (verletzungsanfälligen) Profi, der so egoistisch ist, unter Vertrag hat. Der HSV hat so einen, also einen von dieser Sorte wohl nicht – oder? Wer Böses denkt, der könnte dem Paul Scharner nun ja Ähnliches unterstellen, aber ich glaube ja, dass der HSV-Österreicher noch ein sehr gemäßigter Profi ist. Er will spielen. Das wollen alle. Er sieht, dass er kaum eine Chance hat zu spielen. Da sehen nicht alle so, beziehungsweise, sie sind nicht so einsichtig. Scharner will sich gerne bis zum Sommer nach England ausleihen lassen – und dann wieder nach Hamburg zurückkehren, um dem HSV zu zeigen, dass es doch kein Fehler war, ihn verpflichtet zu haben. Bis Donnerstag muss dieses Leighgeschäft über die Bühne gegangen sein, denn dann schließt das Transferfenster. Bereits heute aber steht so gut wie fest, dass Scharner wechselt. Als Leihspieler zu Wigan Athletic – nicht nach Sunderland. Morgen soll die Sache unter Dach und Fach sein.

Um noch einmal auf maulende Ersatzspieler (a la Robben) zu kommen: Tolgay Arslan war Stammspieler, saß gegen Bremen zuletzt erstmalig wieder auf der Bank – und es gab kein Knurren und Murren von ihm. Arslan machte keinen großen Ärger, sondern sah seine Chance gekommen, als er in der 62. Minute für jenen Spieler eingewechselt wurde, der ihm den Stammplatz „gestohlen“ hatte: Per Ciljan Skjelbred. Und in der verbleibenden Spielzeit gab Arslan die richtige Antwort auf seine Bankdrückerei: er gab Vollgas. In 30 Minuten machte er mehr gute Sachen, als zuvor Skjelbred in einer Stunde. Und nun könnte es durchaus wieder so sein, dass Tolgay Arslan – im Hinblick auf das Frankfurt-Spiel am Sonnabend im Volkspark – die besseren Karten hat. Trainer Thorsten Fink ließ es durchblicken, denn er spielt mit dem Gedanken, ihn wieder in die Anfangsformation zu stellen. Nur für wen, das ist noch die Frage? Für Skjelbred? Oder doch eher für den „Sechser“ Milan Badelj, der zurzeit alles andere als Bestform hat.

Thorsten Fink sprach heute noch einmal rückblickend über das Nordderby vom Sonntag. Und er befand: „Es hat bei uns sicher nicht jeder Spieler seine Topleistung abgerufen, aber ich finde, dass wir über Teamwork, Teamgeist und über den Willen dieses Spiel umgebogen haben. Das war für mich sicherlich erfreulich. Und es scheint so, obwohl ich da aufpassen muss, was ich sage, aber es scheint so, dass die Mannschaft aus früheren Fehlern gelernt hat. Diese Mannschaft will unbedingt weiterkommen, als das, was jetzt die ganze Zeit war – und von daher bin ich zufrieden. Jetzt gilt es, dass Selbstvertrauen mit ins nächste Spiel zu nehmen, die Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt, abzustellen.“ Fink sagte dann noch weiter: „Ich gehe nicht so weit, dass ich fordere: die Mannschaft muss das machen, sie muss das wollen . . . Ich gehe davon aus, dass die Mannschaft jetzt selbst will. Ich gehe davon aus, dass diese Mannschaft am Sonnabend gegen Frankfurt den nächsten Step machen. Und weiter Selbstvertrauen tanken.“

Dann sagte Thorsten Fink noch etwas nicht ganz Unwichtiges: „Wir wollen rausgehen, Spaß haben am Fußball, mutig spielen, den Zuschauern zeigen, dass hier schöner Fußball gespielt wird. Und das haben wir ja in letzter Zeit. Die Fans sehen viele Tore, wie gegen Dortmund und jetzt gegen Bremen, und wir gewinnen die Heimspiele. Wir sind eine Heim-Mannschaft geworden im Moment, und das ist für einen Trainer schon erfreulich. Es ist schon besser, wenn man die Heimspiele gewinnt, anstatt nur in der Fremde zu siegen. Das tut dem ganzen Verein gut. Noch besser ist es allerdings, das ist klar, wenn beides gewonnen wird – auswärts und daheim. Aber da gibt es noch eine Entwicklungsstufe, die wir noch nehmen müssen.“

Ja, und dann sprach der HSV-Trainer in seiner ganzen Bescheidenheit und ehrfürchtig noch von den Clubs ganz oben: „Wir können uns nicht immer wieder mit den ersten vier Vereinen der Liga vergleichen . . .“ Oha! Am Sonnabend kommt der Tabellenvierte nach Hamburg. Ist Frankfurt etwa doch noch eine Nummer zu groß für den HSV? Fink: „Die Eintracht spielt ganz sicher eine gute Saison, sogar eine sehr gute Saison, und Armin Veh leistet dort auch sehr gute Arbeit, trotz allem ist die Saison ja noch nicht vorbei, wir wollen mal sehen wie es weitergeht. Mir scheint es, als könne Frankfurt nicht so konstant gut bis zum Ende spielen, wie es im Moment vielleicht den Anschein hat. Frankfurt ist zu schlagen, denn wir haben schon im Hinspiel mit einem Mann weniger einen Punkt verdient gehabt. Deswegen denke ich, dass wir aufgrund unserer Heimstärke auch in der Lage sind, Frankfurt zu besiegen. Auch wenn sie im Moment noch eine Stufe höher sind als wir. Dennoch, Frankfurt ist nicht Bayern und nicht Dortmund, Frankfurt ist zu schlagen.“

Das klingt doch gut. Vor allem sehr selbstbewusst. Von Europa aber will der HSV auch heute noch nicht sprechen: „Wir wollen keine großen Sprüche machen, wir wollen auf dem Platz Taten für uns sprechen lassen. Mit einem tollen Spiel. Wie gegen Werder, da sind doch unsere Fans alle zufrieden nach Hause gegangen. Ich jedenfalls habe viel Anrufe erhalten, in denen sich die Leute für das tolle Spiel bedankt haben. Und irgendwie müssen wir ja gegen Bremen auch etwas Gutes gemacht haben, obwohl wir natürlich ein paar Abspielfehler drin hatten, dass wir gewisse Dinge noch besser machen können – wir sind auf einem guten Weg und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft gegen Frankfurt Vollgas geben wird.“

Und Europa? Die Frage geistert doch im HSV-Anhang schon wieder täglich durch die Tiefe des Raumes. Was sagt Thorsten Fink? „Es wäre Quatsch, wenn ich sagen würde, dass mich Platz fünf, sechs oder so nicht interessieren würde. Natürlich interessiert mich das. Aber im Moment gibt es vier Mannschaften, die vorne stehen, die einfach gut sind. Oder drei davon sind absolut top. Und dann folgt ein Feld, in dem Mannschaften stehen, die viel erreichen können. Man darf ja nicht vergessen, es sind ja noch einige Clubs wie Schalke noch vor uns. Obwohl ich durchaus sehe, dass da zurzeit einige schwächeln. Deswegen wollen wir ja auch nichts ausschließen, trotz allem wollen wir uns weiter an jenen Zielen orientieren, die wir einst ausgegeben haben – wir denken von Spiel zu Spiel.“ Dann ergänzte Thorsten Fink ein wenig leiser: „Es bringt doch nichts, jetzt schon wieder von Europa zu reden – nur weil wir unser erstes Heimspiel des Jahres gewonnen haben. Nein, es bringt doch nichts. Das ist doch noch alles viel zu früh. Ich weiß zwar, dass wir gewisse Spieler haben, die Qualität haben, trotzdem weiß ich, dass eine Mannschaft wachsen muss. Und diese Mannschaft spielt erst seit dem vierten Spieltag zusammen, und es gibt immer wieder mal Rückschläge, die die Mannschaft gemeinsam verarbeiten muss, um dadurch zusammenzuwachsen. Am Wochenende meine ich das gesehen zu haben.“

Da ist die Mannschaft zusammengewachsen. Ein Stückchen auf jeden Fall. Und sie hat einen harten Rivalen besiegt, der dieses Derby auch auf jeden Fall gewinnen wollte. Der HSV hat gesiegt, obwohl Stützen wie Heiko Westermann, Milan Badelj und Rafael van der Vaart weit von Bestform entfernt waren. Wie mag es erst werden, wenn diese Spieler alle bei 100 Prozent sind? „Genau deswegen habe ich vor dem Sonnabend-Spiel auch keine Angst, denn ich glaube, dass diese drei Spieler gegen Frankfurt wieder ihre besten Leistungen abrufen werden. Wie alle anderen Spieler auch. Wir lassen jetzt nicht nach, wir sind jetzt nicht zufrieden und lehnen uns zurück – das ist nicht mehr in unserer Mannschaft. Wir haben Spieler wie Adler und Co in unseren Reihen, die sagen: ‚Jetzt wollen wir auch dieses Spiel gewinnen, ganz klar.’ Ich glaube, dass wir alle wieder ein tolles Spiel sehen werden. Obwohl das Wichtigste ist, dass wir die drei Punkte behalten, es muss dann nicht unbedingt ein schönes Spiel gewesen sein. Drei Punkte sind wichtig. Es wäre mir wurscht, wenn wir nicht so gut gespielt hätten . . .“

Der HSV-Coach sprach an diesem Dienstag noch von sich aus einen „Härtefall“ in den eigenen Reihen an: Maximilian Beister. Fink: „Er müsste eigentlich spielen, weil er in guter Form ist. Es tut mir fast Leid für ihn, denn er hat eine riesige Entwicklung hinter sich. Weil er ein paar Tage in der Vorbereitung verletzt war, haben Heung Min Son und Artjoms Rudnevs die Situation für sich nutzen können, haben gut gespielt, haben Tore geschossen. Deswegen haben sie zuletzt gespielt – obwohl auch Maximilian Beister mit ihnen auf einer Stufe stand. Wobei auch Marcus Berg gut gespielt und trainiert hat, und ja auch viele Tore geschossen hat.“ Aber zwei können eben nur spielen. Und wenn es dann gilt, einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, dann werden eben vorzugsweise Abwehrspieler eingewechselt – und keine Offensivkräfte. Viel Pech für Beister. Und für Berg. Da kann man nur hoffen, dass sie sich nicht so wie Robben entwickeln. Fazit von Fink: „Son trifft, Rudi trifft – da kann ich doch nicht einfach mal wechseln . . .“ Natürlich nicht.

Und demnächst kommt vielleicht noch ein Stürmer hinzu. Heute trainierte (zur Probe) ein italienischer Jugendnationalspieler mit: Mattia Maggio, 18 Jahre jung, 1,84 Meter groß, zuletzt bei Novara Primavera unter Vertrag. Der junge Mann kommt auf Empfehlung des früheren Nationalspielers Maurizio Gaudino, soll aber zunächst erst bei Rodolfo Cardoso und der Regionalliga-Mannschaft spielen. Thorsten Fink sollte Maggio in der Hinsicht unter die Lupe nehmen, ob das Talent reicht, um später (oder früher?) den Sprung die Bundesliga schaffen zu können. Fink nach der Einheit: “Der junge Mann ist gut ausgebildet, sehr athletisch und schnell. Das ist das, was ich nach einem Training sagen kann.” Maggio blieb relativ unauffällig in dieser langen Einheit, aber vielleicht zeigt er sich dann ja in Liga vier von seiner besten Seite . . . Und einen Vorteil hat er auf jeden Fall schon einmal: Er ist drei Zentimeter größer als jener Spieler, der von Hannover 96 als 1,90 Meter großer Profi eingekauft worden war. Per Video.

PS: Morgen wird im Volkspark tatsächlich (nicht so wie heute – meine Falschmeldung, sorry!) um 10 Uhr geübt. Mittwoch also um 10 Uhr.

PSPS: Für alle, die es noch nicht wissen: “Scholle” ist heute Papa eines Töchterchens geworden, sie heißt Lia Sophie. Wer an diesem schönen Abend also noch einen kleinen Schluck trinken möchte, der kann das auch gerne auf Papa “Scholle”, Mama Sandra und Lia Sophie machen. Prost!

18.17 Uhr

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