Monatsarchiv für Januar 2013

Ein Erfolgserlebnis für van der Vaart

31. Januar 2013

Es war schon herrlich anzusehen. Die HSV-Profis waren nervös wie Rennpferde vor dem Start aus den Boxen. Einige guckten immer mal wieder aus der Kabinentür, um zu sehen, ob die Darts-Weltmeister denn schon in der Arena angekommen sind. Andere HSV-Profis wie Rafael van der Vaart, Rene Adler, Maximilian Beister und auch Dennis Aogo griffen sich schon mal die Pfeile und schmissen sie auf die Scheibe. Schon lange vor dem Show-Kampf. Deshalb hatte sich schon eine Stunde vorher herumgesprochen: „Der van der Vaart, der kann das richtig gut. Fast wie ein Weltmeister . . .“ Überraschend war für mich dabei zu sehen, dass die „ewige 23“ mit der rechten Hand warf. Weil er ja bekanntlich mit links schießt. Aber egal, er kann es eben. Und deswegen hat VdV an der Seite seines niederländischen Landsmannes Raymond van Barneveld auch das heutige Darts-Showturnier gewonnen. Zusammen mit dem fünfmaligen Darts-Weltmeister setzten sich die beiden Niederländer im Finale gegen das Team mit Dennis Aogo und dem Engländer Adrian Lewis durch.

„Ich mag dieses Spiel, es ist in Holland sehr beliebt und anerkannt“, sagte van der Vaart, der einen Glaspokal überreicht bekam. Im Halbfinale hatten sich Barneveld/van der Vaart gegen HSV-Torhüter René Adler und Michael van Gerwen aus den Niederlanden durchgesetzt. Der große Star, der 16-malige Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien, hatte zusammen mit Stürmer Maximilian Beister gegen das Aogo-Doppel verloren.

Aber endlich einmal wieder ein Erfolgserlebnis für den „kleinen Engel“, denn in der Bundesliga läuft es bislang ja nicht so nach Wunsch. Von Herrn Kühne und von „VdV“ selbst. Im Herbst hatte er sich ja in der BILD selbst nur die „Note vier“ gegeben – für die bsiherigen Vorstellungen nach seiner Rückkehr. Die damals mit dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt begannen. Jetzt sucht van der Vaart nach seiner Verletzungspause noch immer seine Form. Er schießt keine Tore, und als Vorlagengeber tritt er auch kaum noch in Erscheinung. Obwohl Trainer Thorsten Fink optimistisch ist: „Ich bin mir ganz sicher, dass er schon in naher Zukunft wieder ein schönes Tor für uns erzielen wird. Er braucht jetzt einfach Spiele. Seit November ist er ja gar nicht mehr richtig in den Rhythmus gekommen.“

Dazu passt, Glückes Geschick, ganz wunderbar eine Mail von „eisenwilli“:

Ich bitte dich, doch einmal genauer zu beleuchten, was mit van der vaart und badelj, also unserem hochgelobten kreativtandem, los ist. in deiner heutigen torschützenliste taucht van der vaart (zu recht) zweimal auf. ER war damals unser torgarant. wieso ist das jetzt nicht mehr so???

Diese frage ist völlig ernst gemeint. ich denke nämlich, dass herr kühne sich das auch langsam zu fragen beginnt. das ist einfach nicht mehr der van der vaart von früher. gerne billige ich ihm eine integrationszeit zu, vermutlich war der anfangshype (durch medien ordentlich gepusht) auch für die mitspieler ein wenig zu viel des guten? schneiden sie ihn im spiel? das wäre doch wirklich das letzte, was wir alle wollen.

Dass badelj vermutlich seinen ersten (ebenfalls nachvollziehbaren) durchhänger hat, könnte ich verstehen, doch habe ich mir ehrlich gesagt ein kleines bisschen mehr erwartet, als ich von den verpflichtungen (badelj, jiracek und van der vaart) erfuhr. momentan hängen sie alle drei etwas durch.

Ich denke, dass Rafael van der Vaart zurzeit einige vielschichtige Probleme zuviel an der Backe hat. Er weiß, dass er noch längst nicht wieder „der Alte“ ist, den sie hier in Hamburg alle kannten. Er hatte zwei Verletzungen, dazu privaten Kummer – das alles setzt ihm sicher zu. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass er eine andere Rolle spielen muss –als früher. Da konnte er sich auf seine Arbeit als Vordenker und Regisseur beschränken, oder er durfte sich – ganz ungebunden – in der Offensive herumtummeln. Dann schoss er – nebenbei – auch einige Tore. Nun aber, das haben wir doch alle schon bemerkt, ist er ein vorbildlicher Teamplayer, er rennt, er rennt und rennt. Und wenn er nicht gerade rennt, dann grätscht er. Und zwar kurz vor dem HSV-Strafraum. Das kostet viel Kraft, und die fehlt ihm, auch weil er noch nicht bei 100 Prozent ist, dann für die offensiven Aktionen. Für ihn ist das irgendwie ein Teufelskreis. Aus dem es so schnell wohl kein Entrinnen für ihn gibt.

Um wieder in die frühere Verfassung zu kommen, muss er schon noch einige Spiele in Folge absolvieren. Und er muss ganz sicher auch noch mehr von den Kollegen gesucht werden. In einigen Spielen war es ganz offensichtlich, dass van der Vaart nicht so richtig mit in das Spiel des HSV einbezogen wurde, teilweise gab es lange Pässe, die von hinten – ganz frech – über seinen Kopf hinweg nach vorn gespielt wurden. Da muss die Mannschaft ganz sicher noch etwas lernen. Und auch Vertrauen in den Niederländer bekommen, dass sie alle wissen, dass bei ihm der Ball sicher aufgehoben ist. So er sich denn in Bestform befindet. Dass die Mitspieler ihren Star bewusst schneiden, das ist für mich überhaupt kein Thema, so etwas würde ich nicht mal im Ansatz andenken. Für mich ist es so, dass sich alle noch aneinander gewöhnen müssen, denn so richtig kontinuierlich war bislang ja nichts – in diesem Zusammenspiel.

Dennoch halte ich Rafael van der Vaart nach wie vor für den wichtigsten Feldspieler des HSV, denn er hat allein durch seine Anwesenheit dafür gesorgt, dass ein Ruck durch diese Mannschaft ging. Und van der Vaart wird auch künftig durch seine Anwesenheit (auch im Training) für viel Stabilität in diesem HSV-Team sorgen. Weil sich alle zusammenreißen, weil sich jeder konzentriert – um ja keine Schwäche ihm gegenüber einzugestehen. Wir alle sollten VdV Zeit geben, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Und das wird er, ganz sicher. Auch wenn es mit den Toren vielleicht nicht mehr ganz so hinhauen wird, wie einst im Mai.

Über Milan Badelj macht sich in diesen tagen auch fast jeder HSV-Fan seine Gedanken. Erst fand er nur langsam in das Spiel (und zu seinem Spiel), und zuletzt fand er gar nicht mehr hinein. Im Training ist das allerdings nicht so krass, da hat er durchaus mehr gute als schlechte Szenen. Ich erinnere mich an die vergangene Woche, da bekam er einen weiten Abwurf von Sven Neuhaus 8aus dem Tor heraus), Badelj stoppte den über sich hinweg fliegenden Ball mit der Hack, drehte sich blitzschnell und schoss die Kugel, ohne dass sie auf den Rasen geprallt wäre, in das gegenüberliegende Tor. Ein Kunststück. Das in dieser Form nur ganz, ganz wenige HSV-Spieler so zustande bringen würden. Er kann es also.

Woran allerdings seine jetzige Schwächeperiode liegt, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht ist er zurzeit auch ein wenig überfordert, denn zu Beginn der Saison gab es noch eine“ Doppel-Sechs“ beim HSV, nun spielt Badelj aber den alleinigen „Sechser“. Das heißt, er muss den Abfangjäger geben, und er soll im Aufbauspiel glänzen. Oftmals von hinten allein heraus. Und wenn dann die eine oder andere Aktion daneben geht, dann beginnt vielleicht auch ein Milan Badelj damit, zu denken. Und dann schleichen sich eben – gerade dann – einige Fehler mehr ein. Und die sorgen dann auch bei einem erfahrenen Mann für Verunsicherung. Vielleicht können die Kollegen ihm helfen, indem sie ihn nach solchen Fehlern motivieren und auch hilfreich zur Seite stehen. Gemeinsam sind wir stark – es hilft eigentlich immer.

Und dass Petr Jiracek im Moment schwächelt, das kann ich gar nicht sehen. Der Tscheche war lange verletzt, kämpft im Moment um den Anschluss, wäre wohl auch längst (?) schon wieder im Team – wenn es nötig wäre. Ist es aber derzeit nicht Weil es nicht nur ein Überangebot in Sachen Innenverteidigern gibt, sondern auch an Mittelfeldspielern. Nun aber ist es möglich, dass Jiracek am Sonnabend gegen Frankfurt von Beginn an zum Einsatz kommen wird – als Linksverteidiger. Marcell Jansen ist erkältet, hat auch heute nicht trainiert. Sollte er morgen auch noch fehlen, spielt Jiracek hinten links. Das hat er heute schon getan – und sich im Abschlussspielchen rasante, heiße und verbissene Duelle mit Maximilian Beister geliefert. Natürlich könnte Thorsten Fink auch Dennis Aogo zurückziehen, aber das will der Trainer nicht. Und das ist auch gut so. Aogo macht seine Sache im Mittelfeld klasse, und er hat zuletzt ein Tor geschossen. Sein erstes Bundesliga-Tor für den HSV. Da hoffen alle Beteiligten, dass am Sonnabend dann auch gleich Nummer zwei folgen wird.

Sollte Jiracek tatsächlich spielen, so würde es mich für ihn freuen, denn: Im Hinspiel, bei der 2:3-Niederlage des HSV in Frankfurt, wurde er zu Unrecht von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) vom Platz gestellt. Auch daran war letztlich die HSV-Niederlage festzumachen. Nun könnte sich „Jira“ mit einem gelungenen Auftritt nicht nur in Erinnerung bei den HSV-Fans bringen, sondern sich auch ganz nah an die Mannschaft heranspielen.Unklar war heute noch, wer im rechten Mitteelfeld zum Einsatz kommen wird: Per Ciljan Skjelbred oder Tolgay Arslan? Beide spielten heute je eine Halbzeit in der Stamm-Formation. Thorsten Fink ließ durchblicken, dass er wohl im Moment zu Arslan tendiert, aber der Coach will auch erst noch die letzte Einheit abwarten, bevor er sich festlegt. Ich denke, dass Arslan (zunächst) zum Zuge kommen wird. Geleitet wird das Spiel gegen die Hessen diesmal übrigens vom Berliner Unparteiischen Felix Zwayer.

Kurz noch ein Themenwechsel:

HSV-Sportchef Frank Arnesen hatte in der Winterpause den Auftrag der Klubführung erhalten, durch Transfers einiger Ersatzspieler 6,4 Millionen Euro für den Klub einzusparen. Dieser Auftrag wurde nicht erfüllt. Lediglich drei eher preiswerte Reservisten wurden transferiert: Torwart Tom Mickel ging ablösefrei zum Neuling Greuther Fürth, und Robert Tesche (Fortuna Düsseldorf) sowie Paul Scharner (Wigan Athletic) wurden ausgeliehen. Der HSV hat also nach wie vor ein Überangebot an Spielern, wobei Trainer Fink deutlich gesagt hatte, dass er wenig Lust darauf hat, ständig mit 29 Spielern zu trainieren . . . Außerdem muss der HSV weiter viel, viel Geld an Gehältern ausspucken, sodass auch in der kommenden Transferperiode keine großen Sprünge (sprich Stars) zu erwarten sind. Die Jungs, die nun auf der Bank oder auch nur auf der Tribüne sitzen, verdienen in Hamburg einfach viel zu gut. Wer geht da schon freiwillig? Und zudem sind sie wohl auch fußballerisch einfach nicht gut genug, denn ansonsten würden sich ja Vereine um sie bemühen – oder gar reißen . . .

Zum Schluss noch ein wenig Statistik:

Gegen keinen Verein feierte der HSV zu Hause (30) und insgesamt (41) mehr Bundesliga-Siege als gegen die Hessen. Thomas Sobotziks Treffer zum 1:0 am 14. November 1998 bescherte Frankfurt den einzigen Erfolg in den letzten 13 Spielen an der Elbe. Die Eintracht verlor aber noch nie in Hamburg, wenn sie zur Pause führte. Frankfurts Trainer Armin Veh wurde nach 26 Spielen und einem 0:6 beim FC Bayern am 12. März 2011 von den „Rothosen“ entlassen – als Tabellenachter. Die Eintracht gewann drei der letzten vier Partien und erzielte mit neun die zweitmeisten Kopfballtore der Liga.

Die Hanseaten gewannen ihre letzten vier Heimspiele und gingen in den letzten sechs Runden nur einmal, beim 0:3 in Leverkusen am 15. Dezember, als Verlierer vom Platz. Sie ließen allerdings als einziges Team mehr als 300 gegnerische Torschüsse zu.

Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 30 S, 5 U, 8 N – 91:36 Tore – Gesamtbilanz: 41 S, 20 U, 26 N – 155:106 Tore. Letzter Heimsieg: 1:0 am 21. 1. 11; letzte Heimniederlage: 0:1 am
14. 11. 98; letzte Elfmeter: HSV (11/7): van der Vaart am 15. 9. 07 – Frankfurt (6/3): Skela am 16. 12. 03; letzter Platzverweis: HSV (4): Jiracek am 16. 9. 12 – Frankfurt (3), Zchadadse am 18. 5. 96; aktuelle HSV-Schützen gegen Frankfurt: Westermann (5), van der Vaart (2), Jansen, Kacar, Son; Eintracht-Schützen gegen Hamburg: Meier (5), Aigner, Inui, Occean, Russ.

PS: Vielen Dank für die zahlreichen Mails und Zuschriften.

PSPS: Das Abschlusstraining am Freitag ist nicht öffentlich.

18.23 Uhr

Kacar wechselt nicht nach Frankfurt

30. Januar 2013

Schönwetter-Fußballer sind die HSV-Profis gewiss nicht. Bei Wind und Dauerregen waren sie voller Spaß bei der Sache, und selbst nach dem offiziellen Trainingsende wurde freiwillig (!) weitergemacht. Jaroslav Drobny stellte sich zwischen die Pfosten, und dann schossen sie wie die Wilddiebe um sich. Dennis Aogo, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj, Per Ciljan Skjelbred, Marcus Berg und, und, und. Wie gesagt, freiwillig. Das ist doch wirklich ein tolles Zeichen. Und das bei diesem (Un-)Wetter. Da müsste eigentlich jeder froh sein, wenn er endlich wieder in der warmen Kabine wäre – aber denkste! Sogar der Trainer zeigte Härte. Thorsten Fink hatte nichts auf dem Kopf, während der 75 Minuten, es muss bei ihm oben rein und unten wieder raus gelaufen sein, aber er hielt tapfer durch. Und sah danach wie ein begossener Pudel aus.
Gefehlt haben heute natürlich Paul Scharner, der sich Richtung England vom Acker gemacht hat – zu Wigan Athletic. Zudem fehlten Ivo Ilicevic (Bauchmuskelprobleme), Marcell Jansen (Erkältung) und natürlich immer noch Michael Mancienne, Jacopo Sala und Zhi Gin Lam.

Zudem trainierte Gojko Kacar in der Arena. Ob das eine spezielle Vorbereitung auf Sonnabend war? Der Serbe hätte nämlich eventuell am Sonnabend schon spielen – und zwar gegen den HSV. Kein Scherz! Eintracht Frankfurt, der kommende HSV-Gegner, war an einem Leihgeschäft interessiert. Und der HSV wäre bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber zurzeit ist es so, dass die Sache geplatzt ist. Das kam aus der Kacar-Ecke, das kam auch aus Frankfurt. Armin Veh hätte Kacar wohl gerne gehabt, aber insgesamt war der Deal wohl doch ein wenig zu teuer. Noch ist aber ja etwas Zeit, mal sehen, ob noch einmal wieder Fahrt in diese Geschichte (bis zum Schluss der Transferliste am morgigen Donnerstag) kommen wird – aber so wie es jetzt steht, ist dieser Transfer erledigt.

Zurück noch einmal zu den freiwilligen Schützen. Im Tor, wie geschrieben, Drobny. Kein Einzelfall. Das hat er zuletzt schon oft gemacht. Alles freiwillig. Und da klingen mir noch jene Sätze in den Ohren, die es im Sommer zu hören gab. Viele Experten und Fans vermuteten und prophezeiten damals, dass sich „Jaro“ Drobny nur noch einen Lenz in Hamburg machen würde. Dass er seinen Vertrag beim HSV lediglich aussitzen würde, im Training nur noch Dienst nach Vorschrift absolvieren würde. Aber nichts, auch nicht mal ein Hauch, davon ist erkennbar. Für mich ist der tschechische Nationaltorwart ein Phänomen. Er ist, obwohl er nur noch Ersatz hinter Rene Adler ist, stets mittendrin statt nur dabei. Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag: Nach dem Sieg gegen Werder lagen sich die HSV-Profis – natürlich – in den Armen. Und voll dabei: Jaroslav Drobny. Der 33-jährige Keeper, der auch im Training immer alles gibt, lachte, jubelte, feierte mit den Kollegen, als hätte er eben mit einigen Glanzparaden für den Dreier gesorgt. Nichts zu sehen oder zu spüren von Frust, kein beleidigtes Abschalten, keine Maulerei – Drobny leidet mit, freut sich mit, ist ein richtig guter HSVer. Vorbildlich.

„Wir haben mit ihm einen erstklassigen Mann als Vertreter von Rene Adler, das wissen wir, ich habe keinerlei Bedenken, wenn Jaroslav Drobny einmal ins Tor müsste“, sagt Thorsten Fink über seine Nummer zwei. Und Adler könnte in nächster Zukunft durchaus mal eine Pause einlegen müssen, denn er hat, wie auch Milan Badelj, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen, bereits vier Gelbe Karten eingesammelt. „Jaroslav ist ein charakterstarker Junge, der sich voll mit dem Verein identifiziert, und solche Leute brauchen wir. Er ist ja auch ein sehr guter Torwart“, lobt Thorsten Fink. Drobny hat ganz sicher auch anerkannt, dass Adler nicht nur wieder auf dem Weg zurück ins deutsche Tor ist, sondern dass er auch schon etliche Punkte für den HSV gewonnen hat. Fink sieht es ähnlich, denn er sagt: „Das Beste für eine Hierarchie in der Mannschaft ist, wenn alle elf Spieler immer beste Leistungen bringen und Punkte gewinnen. Dann werden die anderen Spieler etwas ruhiger . . .“

Der HSV ist auf jeden Fall bestrebt, den Vertrag mit Drobny noch einmal zu verlängern – natürlich zu etwas reduzierten finanziellen Bedingungen. Sollte sich der Tscheche darauf einlassen, dann wäre er auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch ein überragender Ersatzkeeper beim HSV. Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen allerdings zurzeit, denn es gibt wichtigere und andere Baustellen.

Eine davon dürfte Heung Min Son heißen. Der Südkoreaner wird immer besser, und beinahe jeden Tag gibt es neue Interessenten, die sich um den 20-jährigen HSV-Stürmer bemühen (sollen). Jetzt fehlen eigentlich nur noch Real Madrid und der FC Barcelona. Aber auch da könnte er wohl spielen. Er hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, einen in der Art, den ich ihm nicht zugetraut habe. Son ist nicht nur torgefährlicher geworden, sondern auch robuster. Er geht nun auch – nicht immer, aber immer öfter – mal richtig und giftig zur Sache. Thorsten Fink dazu: „Er setzt sich jetzt öfter durch. Wir machen Krafttraining mit ihm. Jeder Spieler wird von uns genau durchleuchtet, wo die Stärken und Schwächen sind, bei ihm haben wir festgestellt, dass er im Oberkörperbereich Schwächen hatte – und daran arbeiten wir, vor alle Nikola Vidovic mit ihm.“ Thorsten Fink resümierend: „Es ist ja aber auch normal, dass sich ein 19-jähriger Spieler weiterentwickelt, wenn man professionell mit ihm arbeitet. Und dann setzt er sich eben häufiger durch – ich habe auch das Gefühl, dass er sich da enorm verbessert hat.“ Son ist ein Juwel (geworden). Das weiß auch der Trainer, der ihn lobt: „Er schießt mit links und mit rechts – den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Wenn wir es erreicht haben, dass er schießen kann, dann ist der Ball auch meistens drin. Son ist saugefährlich!“

Wie mittlerweile auch Artjoms Rudnevs. Der Lette steht in der Bundesliga im Moment an achter Stelle der Torjägerliste – mit inzwischen schon acht Toren. Wenn „Rudi“ so weitermacht, dann endet er noch bei 15 Treffern – und mehr. Und das wäre denn schon ein Hammer, denn eine solche Zahl hat in diesem Jahrtausend bislang nur ein HSV-Spieler erreicht: Sergej Barbarez. Der Bosnier erzielte in der Saison 2000/01 sagenhafte 22 Tore. Diejenigen Offensivkünstler des HSV, die Barbarez sehr nahe kamen:

Ivica Olic schaffte 2007/08 14 Treffer, Bernardo Romeo 02/03 ebenfalls 14, und dann wird es immer schlechter. Mladen Petric erzielte 08/09 zwölf Tore, 10/11 noch einmal elf. Zweistellig wurden seit 13 Jahren nur noch Rafael van der Vaart (07/08 mit zwölf), Olic (08/09 mit zehn), Barbarez (05/06 mit zehn, 04/05 mit elf und 03/04 mit zehn) und Romeo noch einmal (03/04 mit elf). Eine – wie ich finde – höchst kümmerliche Bilanz. Die noch erschreckendere Formen annimmt, wenn man die „etwas anderen“ HSV-Torjäger begutachtet.

In der Saison 06/07 traf van der Vaart mit acht Treffern von allen HSV-Profis am besten, 01/02 war es Romeo mit acht, 09/10 Petric mit acht und 11/12 lag Petric mit sogar nur sieben (!) Toren intern vorn. Unfassbar!

Mehr hat nun schon Artjoms Rudnevs auf seinem Konto. Und der Trainer lobt ihn: „Er hat eine Super-Entwicklung genommen. Es zahlt sich nun aus, dass er emsig trainiert. Und die Mannschaft akzeptiert ihn jetzt mit allen Schwächen, die er noch hat. Weil er wichtige Tore schießt für uns. Und weil er enorm arbeitet für das Team.“ Das freiwillige Training nach dem Training galt vor einigen Wochen ja nur Rudnevs. Inzwischen haben sich viele angeschlossen. Fink: „Rudi hat früher ja nur und einfach auf das Tor geballert, ohne zu gucken. Jetzt ist er angehalten, den Ball mitzunehmen und sich beim Torschuss dann eine Ecke auszusuchen. Das klappt nun schon immer besser.“ Auch heute beim freiwilligen Wettschießen zu sehen. Er und es wird immer besser. Fink lobt seinen Letten: „Er ist ehrgeizig, er hat einen guten Charakter – ich kann ihn auch mal anschreien, ihm macht das nichts. Und dann macht er das, was ich ihm sage. Er nimmt sich das zu Herzen, was ich sage, und zwar positiv, er bricht nicht innerlich zusammen, wenn er mal kritisiert wird.“

Nur eines hat Thorsten Fink an seinem Torjäger Nummer eins noch auszusetzen: „Rudi ist kein Weichei. Er geht zur Sache, und er steckt ein. Wie oft wird er gefoult oder geschubst. Und da sage ich ihm immer wieder, dass er ruhig mal fallen darf. Das wünschte ich mir von ihm, denn sonst bekommen wir ja nie einen Freistoß in Tornähe – und wir haben ja gute Schützen. Daran muss Rudi noch arbeiten – aber er ist eben ein ganzer Mann, der sich wehrt, wenn er geschubst wird.“ Zu Boden gehen aber, das ist nichts für Rudnevs. Er sagt: „Ich spüre schon den Schmerz, wenn ich gefoult werde, aber ich bin nicht der Typ, der sich dann fallen lässt. So lange es geht, bleibe ich auf den Füßen, schauspielern liegt mir nicht.“

Themenwechsel:

Morgen (Donnerstag) kommt es in der Imtech Arena zwischen 13 und 14.30 Uhr zu einer sportlichen Begegnung der ganz besonderen Art: Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Dennis Aogo und René Adler treffen in der Mixed Zone auf die Darts-Superstars der Professional Darts Corporation (PDC) Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen aus den Niederlanden und Adrian Lewis und den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien. In vier gemischten Teams messen sich die Profisportler 45 Minuten lang im Pfeile werfen. Dabei werden sie von Caller Russ Bray „The Voice“ lautstark und von Darts-Experte Elmar Paulke von Sport1 moderativ begleitet. Präsentiert wird die Veranstaltung von Schweinske.

So, und damit endet der heutige Tag auch schon – fast.

Kurz noch zum „Matz-ab“-Baby von „Scholle“ (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die vielen und netten Gratulationen, die von euch kamen!):

Lia-Sophie ist gestern, am 29. Januar 2013, um 9.09 Uhr auf die Welt gekommen. Sie hat Haare auf dem Kopf, dunkelblonde. Und sie ist 53 Zentimeter groß, wiegt dabei 3350 Gramm. Und sie hat zwei Hobbys: trinken und schlafen…;-)
Sagt „Scholle“.

Dann möchte ich euch noch kurz sagen, dass niemand glauben muss, dass ich Per Ciljan Skjelbred nun „wie Rudnevs fertigmachen will“. Ich sehe einen Spieler, sehe seine Leistung, und diese lobe oder kritisiere ich. Das mache ich schon seit über drei Jahrzehnten so. Und dafür werde ich beim Hamburger Abendblatt noch immer bezahlt. Leider gibt es ja stets einige nette Zeitgenossen, die das System nicht so ganz verstehen. Ich lese übrigens schon seit geraumer Zeit keinen einzigen Kommentar mehr, deswegen trifft mich diese Anpöbelei auch nicht im Entferntesten – ich erfahre eben nur hin und wieder durch Mundpropaganda beim Training, was im Blog unterhalb unserer Beiträge so los ist. Obwohl ich auch darauf getrost verzichten könnte, aber die Menschen meinen es eben immer nur gut mit mir . . .

An meine Kritiker sei nochmals gesagt: Ihr meint es sicherlich nur gut mit dem HSV, wollt Schaden, den ich dem Club zufüge, von ihm wenden. Das ist auch gut so. Das trifft absolut mein Verständnis. Wer aber lesen kann ist glatt im Vorteil. Solltet ihr Zeit finden, dann blättert im Matz-ab-Blog mal ein wenig zurück. Dann werdet ihr feststellen, wie sehr ich den Per Ciljan Skjelbred schon „fertig gemacht“ habe. Seit Wochen und Monaten. Siehe auch beim Nürnberg-Spiel – fällt mir gerade ein. Und wie habe ich ihn fertig gemacht!!! So fertig, dass Thorsten Fink gar nicht mehr umhin kam, ihn endlich einmal aufzustellen . . .

Zu diesem Thema (im Groben) habe ich in jüngster Zeit natürlich auch einige private Mails erhalten – und Gespräche (auch am Telefon) geführt. Heute bekam ich eine Mail, die ich nun gerne an euch weiterreichen möchte. Wer es mag, sollte sich diese Mail antun, wer sich daran stört (auch diese User gibt es ja), der sollte nun flugs aufhören zu lesen:

Hallo Dieter,
nach solch einem, zumindest vom Ergebnis, erfreulichen Wochenende wollte ich mir es nehmen lassen, Dich einmal persönlich anzuschreiben. Sieh es mir nach , dass ich dies auf die Firmenadresse tue und mich nicht im Forum äußere. Ich lese nicht jeden Tag, und schon gar nicht das Forum, aber was dort geschrieben wird geht ja wirklich teilweise auf keine Kuhhaut. Man, man, man… Wer Deine Art des Schreibens etc nicht mag , der braucht
doch Deinen Blog nicht zu lesen. Verstehe ich alles nicht.

Die Mannschaft macht, zumindest im Moment vom Ergebnis , wieder Spaß.
Die Stellschrauben wurden teilweise offenbar so gestellt, dass ergebnisorientiert gespielt wird.
Ein Rudnevs bestätigt die Aussagen von Arnesen und darüber bin ich happy.
Dass auch ein Skjelbred (bei mir heißt er nur Ballettänzer) auf einmal „Leistung“ bringt ist ebenso verwunderlich. Die Tatsache, dass Aogo nach vorne gezogen wurde, war ein sehr kluger Schachzug.

Nichts desto trotz sollte es über eines nicht hinwegtäuschen: Am Sonntag haben zwei (unter-)durchschnittliche Mannschaften gegeneinander gespielt. Ich bleibe bei meiner Aussage: Was passiert eigentlich, wenn wir einmal gut spielen? Wir haben 75 gute Minuten in Gladbach gehabt + ein Superspiel gegen Schalke gemacht. Der Großteil der anderen Spiele und damit verbundenen Punkte basierte auf Glück oder Zufall (hat man Sonntag auch gesehen: Sons Tor kam absolut aus dem Nichts!). Es gibt immer noch sehr, sehr viel zu tun. Mir ist allerdings nicht Bange. Im nächsten Jahr kommt „Özil 2“ und somit werden die Alternativen immer besser. Dass vdv und Badelj im Moment unter ihren Möglichkeiten sind , steht außer Frage.
Auch Sie werden wieder zur Form finden.

Ich als Entscheidungsträger würde mich allerdings von Son höchstbietend trennen. Verträge in Korea hin oder her. Son ist und bleibt mehr als limitiert im Spiel. Schlechtes Zweikampfverhalten etc. Natürlich sind seine Einzelleistungen teilweise Weltklasse. Aber auch Beister hat Potenzial. Um zum Abschluss zu kommen: Mir missfällt am meisten die linke + rechte Verteidigerposition. Ich mag Marcell Jansen wirklich gerne und rede ihn selber im Bekanntenkreis immer schön ,aber um ehrlich zu sein reicht das nicht !!!!Viel zu behäbig , er schwimmt mit dem Strom …Mir kommt es nach 15 Minuten schon immer so vor als wenn er nicht mehr kann! Hast Du gesehen wie er sich von Arnautovic hat abkochen lassen???
Diekmeier ist schneller als sein Schatten, aber mehr als eine 3- ist das auch nicht.

Ich behaupte: Wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen , dann muss ganz dringend auf diesen beiden Positionen was getan werden.
So , Ende mit meinen Auslassungen.
Mittagspause gleich vorbei!
Hau rein und gutes Gelingen weiterhin!

Vielen Dank dem Schreiber (den ich kenne) dieser Zeilen, er ist glühender HSV-Fan und wohnt nicht in Hamburg. Zweierlei möchte ich aber noch aus meiner Sicher hinzufügen: Son sehe ich inzwischen mit anderen Augen – deshalb auch ganz anders. Und Glück und Zufall mögen hin und wieder im Spiel gewesen sein, auf jeden Fall aber auch ein Adler. Zum Glück fliegt der gute Rene bei uns zwischen den Pfosten hin und her . . .

PS: Morgen Training im Volkspark um 10 Uhr.

17.09 Uhr

Thorsten Fink: “Frankfurt ist zu schlagen”

29. Januar 2013

Beim FC Bayern begehrt der große Arjen Robben auf. Weil er nicht zum Einsatz kommt. Der Arme. Nun ist er einmal nicht verletzt, was schon sehr selten ist, und dann wird er nicht auf den Rasen gelassen. Ganz bitter für einen solchen Weltstar, den ich in den Kreis von Sophia Loren, Marlene Dietrich oder Hildegard Knef stelle – eine Diva eben. Schlecht für einen Verein, wenn man einen solchen (verletzungsanfälligen) Profi, der so egoistisch ist, unter Vertrag hat. Der HSV hat so einen, also einen von dieser Sorte wohl nicht – oder? Wer Böses denkt, der könnte dem Paul Scharner nun ja Ähnliches unterstellen, aber ich glaube ja, dass der HSV-Österreicher noch ein sehr gemäßigter Profi ist. Er will spielen. Das wollen alle. Er sieht, dass er kaum eine Chance hat zu spielen. Da sehen nicht alle so, beziehungsweise, sie sind nicht so einsichtig. Scharner will sich gerne bis zum Sommer nach England ausleihen lassen – und dann wieder nach Hamburg zurückkehren, um dem HSV zu zeigen, dass es doch kein Fehler war, ihn verpflichtet zu haben. Bis Donnerstag muss dieses Leighgeschäft über die Bühne gegangen sein, denn dann schließt das Transferfenster. Bereits heute aber steht so gut wie fest, dass Scharner wechselt. Als Leihspieler zu Wigan Athletic – nicht nach Sunderland. Morgen soll die Sache unter Dach und Fach sein.

Um noch einmal auf maulende Ersatzspieler (a la Robben) zu kommen: Tolgay Arslan war Stammspieler, saß gegen Bremen zuletzt erstmalig wieder auf der Bank – und es gab kein Knurren und Murren von ihm. Arslan machte keinen großen Ärger, sondern sah seine Chance gekommen, als er in der 62. Minute für jenen Spieler eingewechselt wurde, der ihm den Stammplatz „gestohlen“ hatte: Per Ciljan Skjelbred. Und in der verbleibenden Spielzeit gab Arslan die richtige Antwort auf seine Bankdrückerei: er gab Vollgas. In 30 Minuten machte er mehr gute Sachen, als zuvor Skjelbred in einer Stunde. Und nun könnte es durchaus wieder so sein, dass Tolgay Arslan – im Hinblick auf das Frankfurt-Spiel am Sonnabend im Volkspark – die besseren Karten hat. Trainer Thorsten Fink ließ es durchblicken, denn er spielt mit dem Gedanken, ihn wieder in die Anfangsformation zu stellen. Nur für wen, das ist noch die Frage? Für Skjelbred? Oder doch eher für den „Sechser“ Milan Badelj, der zurzeit alles andere als Bestform hat.

Thorsten Fink sprach heute noch einmal rückblickend über das Nordderby vom Sonntag. Und er befand: „Es hat bei uns sicher nicht jeder Spieler seine Topleistung abgerufen, aber ich finde, dass wir über Teamwork, Teamgeist und über den Willen dieses Spiel umgebogen haben. Das war für mich sicherlich erfreulich. Und es scheint so, obwohl ich da aufpassen muss, was ich sage, aber es scheint so, dass die Mannschaft aus früheren Fehlern gelernt hat. Diese Mannschaft will unbedingt weiterkommen, als das, was jetzt die ganze Zeit war – und von daher bin ich zufrieden. Jetzt gilt es, dass Selbstvertrauen mit ins nächste Spiel zu nehmen, die Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt, abzustellen.“ Fink sagte dann noch weiter: „Ich gehe nicht so weit, dass ich fordere: die Mannschaft muss das machen, sie muss das wollen . . . Ich gehe davon aus, dass die Mannschaft jetzt selbst will. Ich gehe davon aus, dass diese Mannschaft am Sonnabend gegen Frankfurt den nächsten Step machen. Und weiter Selbstvertrauen tanken.“

Dann sagte Thorsten Fink noch etwas nicht ganz Unwichtiges: „Wir wollen rausgehen, Spaß haben am Fußball, mutig spielen, den Zuschauern zeigen, dass hier schöner Fußball gespielt wird. Und das haben wir ja in letzter Zeit. Die Fans sehen viele Tore, wie gegen Dortmund und jetzt gegen Bremen, und wir gewinnen die Heimspiele. Wir sind eine Heim-Mannschaft geworden im Moment, und das ist für einen Trainer schon erfreulich. Es ist schon besser, wenn man die Heimspiele gewinnt, anstatt nur in der Fremde zu siegen. Das tut dem ganzen Verein gut. Noch besser ist es allerdings, das ist klar, wenn beides gewonnen wird – auswärts und daheim. Aber da gibt es noch eine Entwicklungsstufe, die wir noch nehmen müssen.“

Ja, und dann sprach der HSV-Trainer in seiner ganzen Bescheidenheit und ehrfürchtig noch von den Clubs ganz oben: „Wir können uns nicht immer wieder mit den ersten vier Vereinen der Liga vergleichen . . .“ Oha! Am Sonnabend kommt der Tabellenvierte nach Hamburg. Ist Frankfurt etwa doch noch eine Nummer zu groß für den HSV? Fink: „Die Eintracht spielt ganz sicher eine gute Saison, sogar eine sehr gute Saison, und Armin Veh leistet dort auch sehr gute Arbeit, trotz allem ist die Saison ja noch nicht vorbei, wir wollen mal sehen wie es weitergeht. Mir scheint es, als könne Frankfurt nicht so konstant gut bis zum Ende spielen, wie es im Moment vielleicht den Anschein hat. Frankfurt ist zu schlagen, denn wir haben schon im Hinspiel mit einem Mann weniger einen Punkt verdient gehabt. Deswegen denke ich, dass wir aufgrund unserer Heimstärke auch in der Lage sind, Frankfurt zu besiegen. Auch wenn sie im Moment noch eine Stufe höher sind als wir. Dennoch, Frankfurt ist nicht Bayern und nicht Dortmund, Frankfurt ist zu schlagen.“

Das klingt doch gut. Vor allem sehr selbstbewusst. Von Europa aber will der HSV auch heute noch nicht sprechen: „Wir wollen keine großen Sprüche machen, wir wollen auf dem Platz Taten für uns sprechen lassen. Mit einem tollen Spiel. Wie gegen Werder, da sind doch unsere Fans alle zufrieden nach Hause gegangen. Ich jedenfalls habe viel Anrufe erhalten, in denen sich die Leute für das tolle Spiel bedankt haben. Und irgendwie müssen wir ja gegen Bremen auch etwas Gutes gemacht haben, obwohl wir natürlich ein paar Abspielfehler drin hatten, dass wir gewisse Dinge noch besser machen können – wir sind auf einem guten Weg und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft gegen Frankfurt Vollgas geben wird.“

Und Europa? Die Frage geistert doch im HSV-Anhang schon wieder täglich durch die Tiefe des Raumes. Was sagt Thorsten Fink? „Es wäre Quatsch, wenn ich sagen würde, dass mich Platz fünf, sechs oder so nicht interessieren würde. Natürlich interessiert mich das. Aber im Moment gibt es vier Mannschaften, die vorne stehen, die einfach gut sind. Oder drei davon sind absolut top. Und dann folgt ein Feld, in dem Mannschaften stehen, die viel erreichen können. Man darf ja nicht vergessen, es sind ja noch einige Clubs wie Schalke noch vor uns. Obwohl ich durchaus sehe, dass da zurzeit einige schwächeln. Deswegen wollen wir ja auch nichts ausschließen, trotz allem wollen wir uns weiter an jenen Zielen orientieren, die wir einst ausgegeben haben – wir denken von Spiel zu Spiel.“ Dann ergänzte Thorsten Fink ein wenig leiser: „Es bringt doch nichts, jetzt schon wieder von Europa zu reden – nur weil wir unser erstes Heimspiel des Jahres gewonnen haben. Nein, es bringt doch nichts. Das ist doch noch alles viel zu früh. Ich weiß zwar, dass wir gewisse Spieler haben, die Qualität haben, trotzdem weiß ich, dass eine Mannschaft wachsen muss. Und diese Mannschaft spielt erst seit dem vierten Spieltag zusammen, und es gibt immer wieder mal Rückschläge, die die Mannschaft gemeinsam verarbeiten muss, um dadurch zusammenzuwachsen. Am Wochenende meine ich das gesehen zu haben.“

Da ist die Mannschaft zusammengewachsen. Ein Stückchen auf jeden Fall. Und sie hat einen harten Rivalen besiegt, der dieses Derby auch auf jeden Fall gewinnen wollte. Der HSV hat gesiegt, obwohl Stützen wie Heiko Westermann, Milan Badelj und Rafael van der Vaart weit von Bestform entfernt waren. Wie mag es erst werden, wenn diese Spieler alle bei 100 Prozent sind? „Genau deswegen habe ich vor dem Sonnabend-Spiel auch keine Angst, denn ich glaube, dass diese drei Spieler gegen Frankfurt wieder ihre besten Leistungen abrufen werden. Wie alle anderen Spieler auch. Wir lassen jetzt nicht nach, wir sind jetzt nicht zufrieden und lehnen uns zurück – das ist nicht mehr in unserer Mannschaft. Wir haben Spieler wie Adler und Co in unseren Reihen, die sagen: ‚Jetzt wollen wir auch dieses Spiel gewinnen, ganz klar.’ Ich glaube, dass wir alle wieder ein tolles Spiel sehen werden. Obwohl das Wichtigste ist, dass wir die drei Punkte behalten, es muss dann nicht unbedingt ein schönes Spiel gewesen sein. Drei Punkte sind wichtig. Es wäre mir wurscht, wenn wir nicht so gut gespielt hätten . . .“

Der HSV-Coach sprach an diesem Dienstag noch von sich aus einen „Härtefall“ in den eigenen Reihen an: Maximilian Beister. Fink: „Er müsste eigentlich spielen, weil er in guter Form ist. Es tut mir fast Leid für ihn, denn er hat eine riesige Entwicklung hinter sich. Weil er ein paar Tage in der Vorbereitung verletzt war, haben Heung Min Son und Artjoms Rudnevs die Situation für sich nutzen können, haben gut gespielt, haben Tore geschossen. Deswegen haben sie zuletzt gespielt – obwohl auch Maximilian Beister mit ihnen auf einer Stufe stand. Wobei auch Marcus Berg gut gespielt und trainiert hat, und ja auch viele Tore geschossen hat.“ Aber zwei können eben nur spielen. Und wenn es dann gilt, einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, dann werden eben vorzugsweise Abwehrspieler eingewechselt – und keine Offensivkräfte. Viel Pech für Beister. Und für Berg. Da kann man nur hoffen, dass sie sich nicht so wie Robben entwickeln. Fazit von Fink: „Son trifft, Rudi trifft – da kann ich doch nicht einfach mal wechseln . . .“ Natürlich nicht.

Und demnächst kommt vielleicht noch ein Stürmer hinzu. Heute trainierte (zur Probe) ein italienischer Jugendnationalspieler mit: Mattia Maggio, 18 Jahre jung, 1,84 Meter groß, zuletzt bei Novara Primavera unter Vertrag. Der junge Mann kommt auf Empfehlung des früheren Nationalspielers Maurizio Gaudino, soll aber zunächst erst bei Rodolfo Cardoso und der Regionalliga-Mannschaft spielen. Thorsten Fink sollte Maggio in der Hinsicht unter die Lupe nehmen, ob das Talent reicht, um später (oder früher?) den Sprung die Bundesliga schaffen zu können. Fink nach der Einheit: “Der junge Mann ist gut ausgebildet, sehr athletisch und schnell. Das ist das, was ich nach einem Training sagen kann.” Maggio blieb relativ unauffällig in dieser langen Einheit, aber vielleicht zeigt er sich dann ja in Liga vier von seiner besten Seite . . . Und einen Vorteil hat er auf jeden Fall schon einmal: Er ist drei Zentimeter größer als jener Spieler, der von Hannover 96 als 1,90 Meter großer Profi eingekauft worden war. Per Video.

PS: Morgen wird im Volkspark tatsächlich (nicht so wie heute – meine Falschmeldung, sorry!) um 10 Uhr geübt. Mittwoch also um 10 Uhr.

PSPS: Für alle, die es noch nicht wissen: “Scholle” ist heute Papa eines Töchterchens geworden, sie heißt Lia Sophie. Wer an diesem schönen Abend also noch einen kleinen Schluck trinken möchte, der kann das auch gerne auf Papa “Scholle”, Mama Sandra und Lia Sophie machen. Prost!

18.17 Uhr

Werder besiegt – aber Europa kein Thema “Scholles” Lia Sophie ist da!

28. Januar 2013

Das erste “Matz-ab”-Baby ist da!

Der Einstieg, der natürlich drin bleibt, ist jetzt, an diesem Dienstagvormittag, überholt. Am 29. Januar 2013 um 9.09 Uhr ist Lia Sophie geboren worden – in Hamburg. “Scholle” ist Papa geworden, Mutter und Töchterchen sind wohlauf und “Scholle” hat versprochen, dass es demnächst auch Fotos von “LS” geben wird. Sobald sich die beiden Damen von der langen Reise erholt haben . . .
Herzlichen Glückwunsch an Mama Sandra und Papa Marcus – und alles, alles Gute für Lia Sophie. Auf dass sie in ihrem wunderschönen Leben noch viele, viele Meisterschaften und Titel erlebt, die der HSV in den Volkspark holt!

Es geht los! Und damit ist nicht gemeint, dass der HSV mit dem 3:2-Sieg über Werder Bremen den Angriff auf den internationalen Startplatz gestartet hat. Gemeint ist die Vergrößerung der Familie Scholz. „Scholles“ Sandra ist im Krankenhaus, die Tochter wird heute, spätestens aber morgen früh zur Welt kommen. Und Marcus Scholz ist natürlich bei der Geburt dabei. Ich drücke im Namen aller „Matz-abber“ ganz kräftig die Daumen, dass alles gutgeht bei der Entbindung, und dass Tochter und Mutter danach wohlauf sind. Alles, alles Gute für die junge Familie. Der HSV hat ja das Geschenk schon mal vorab geliefert, mit dem Erfolg über den ewigen Nordrivalen . . .

Mit diesem Dreier aber kann der HSV nun noch beruhigter den nächsten Wochen entgegensehen. Es geht bergauf. Schon jetzt, nach 19 Spieltagen, hat der HSV die Zahl der Heimsiege verdoppelt. Was allerdings auch kein allzu großes Machtwerk ist, denn 2011/12 gab es lediglich drei Heimerfolge. Nun schon sechs. Und der HSV hat nun „schon“ 22 Tore erzielt, hat mit dieser Zahl sechs Clubs hinter sich gelassen – bis jetzt! Obwohl die Zahlen des Spiels gegen den Nachbarn nicht unbedingt für den Sieger sprechen – aber das ist in diesem Fall total egal. Der lang ersehnte Dreier gegen Werder ist nun nicht mehr aus der Bundesliga-Bilanz zu streichen. Trotz der Tatsache, dass Werder in Sachen Torschüssen am Sonntag mit 16:10 vorne lag. Auch nach Ecken lag der Verlierer vorn – 7:3. Flanken hatte der HSV mehr – 13:8. Auch Ballkontakte hatten die Hamburger mehr (natürlich!) – 54:46. Die Zweikampf-Bilanz war mit 50:50 total ausgeglichen, Fouls leistete sich der HSV mehr – 19:17. Und auch ins Abseits tappten die Hamburger öfter – 9:1.

Wichtig aber ist ja nur die Torstatistik, und die wies ein glattes 3:2 für Hamburg aus. Was wohltuend an diesem Sieg war: Kein HSV-Spieler, soweit ich das überblicken konnte, und auch keine Führungspersönlichkeit sprach danach von einem internationalen Platz (für den HSV). Alle haben gelernt, den Ball schön flach zu halten. Und dabei an das nächste Spiel zu denken. Und was ist das nächste Spiel? Wenn ihr an Sepp Herberger denkt: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“ Am Sonnabend kommt – zur späten Stunde – der Tabellenvierte Eintracht Frankfurt ins den Volkspark. Und die Hessen haben sich nun auch noch den Wolfsburger Stürmer Srdjan Lakic ausgeliehen, es gibt künftig also noch einen Kopfballspezialisten (neben Alexander Meier) mehr im Veh-Team.

Unmittelbar nach dem Sieg über Bremen aber wurde erst einmal genossen. Denn die meisten Spieler wussten ja noch nicht, wie sich ein Erfolg über Werder anfühlt. „Die Bremer haben mich in den vergangenen Jahren doch einige Male sehr geärgert, deswegen ist dieser Dreier besonders wertvoll“, sagte 2:1-Torschütze Dennis Aogo. Und Rafael van der Vaart befand: „Die ganze Stadt hat den Sieg nach der Ebbe gebraucht.“ Von höheren Zielen aber sprach wirklich niemand. „Wir sind Neunter und haben noch einige Mannschaften vor uns. Wir wollen weiter von Spiel zu Spiel schauen und nicht von Europa League reden“, sagte Torwart Rene Adler und ergänzte: „Gegen Frankfurt wollen wir nun nachlegen.“ Sie alle bleiben hübsch und bescheiden auf dem Teppich. Recht so. Wie zum Beispiel auch Kapitän Heiko Westermann, der bei seinem Besuch im „NDR Sportclub live“ (Moderator Gerhard Delling) einen sympathischen Auftritt hinlegte. Der Innenverteidiger gab zu: „Wir sind ganz schlecht ins Spiel gekommen, obwohl wir uns vorgenommen hatten, von der ersten Minute an richtig gut loszulegen. Aber dann hatten wir enorm viele Abspielfehler, haben uns dadurch verunsichern lassen – und sind prompt in Rückstand geraten. Zum Glück haben wir danach nicht die Ruhe verloren, sondern haben weiter unser Spiel gespielt.“ Von dem ich, das gebe ich gerne noch einmal zu, bis zum Halbzeitpfiff nicht so viel gesehen habe. Aber vielleicht bin ich auch zu kritisch. Immerhin aber gab Westermann zu: „Wir hatten auch sehr viele Leichtsinnsfehler dabei, auch ich habe mir zwei, drei Leichtsinnsfehler erlaubt, indem ich den Ball unbedrängt zum Gegner gespielt habe – und dann ist es natürlich für jeden Gegner einfach, gegen uns zu spielen.“ Beim 0:1 von Lukimya sah Westermann, der die meisten Ballkontakte aller Spieler des Derbys hatte (95) und auch der zweikampfstärkste Mann auf dem Rasen war (78 Prozent), nur zu. Seine Erklärung, die er ein wenig lächelnd vortrug: „Ich dachte, dass Jeffrey Bruma das Kopfballduell gewinnen würde. Als er das nicht tat, war es schon zu spät . . .“ Westermanns Fehler.

Aufs Glatteis ließ sich Westermann von Delling – natürlich – nicht führen. Der NDR-Mann: „Nach diesem Sieg muss sich der HSV doch nun neue Ziele setzen . . .“ Der HSV-Kapitän: „Klar, das nächste Ziel haben wir am Sonnabend vor Augen. . .“ Dann fügt er noch hinzu: „Wir haben ein enorm schwieriges Jahr hinter uns, in dem wir den Abstieg verhindert haben, dann gab es aus den ersten drei Spielen dieser Saison nicht einen Punkt – von daher müssen wir den Ball schön flach halten. Bei uns dreht sich alles um Stabilität. Wenn wir die bekommen, wenn wir uns jede Woche beweisen, na klar, dann könnten wir uns oben festsetzen, aber so weit sind wir noch nicht.“ Stimmt. Das darf man trotz des Sieges nicht verkennen.

Trotz allem würde das internationale Geschäft dem HSV allerdings schon helfen, denn in den beiden zurückliegenden Spieljahren gab es ja insgesamt 11,5 Millionen Euro Verlust. Aber vielleicht wird es ja noch. Ohne vorher große Sprüche zu klopfen, die sich später (wie schon so oft in der Geschichte des HSV) als Luftblasen erweisen könnten. Auch Trainer Thorsten Fink hob nicht ab, sondern befand sachlich nüchtern: „Wir sind im Moment einfach heimstark, nach einem Rückstand beißen wir uns regelrecht ins Spiel.“ Und dann spricht der Coach davon, dass seine Mannschaft auch mental schon wesentlich stärker geworden ist – gegenüber der Vorsaison: „Noch vor einem Jahr wären wir nach dem 0:1 untergegangen . . .“ Es ist wohl so. Aber der sich im Umbruch befindliche HSV hat eben gelernt. Wie es scheint. Und ruht sich auf dem, was bereits erreicht worden ist, nicht aus. In dieser Woche zum Beispiel gibt es keinen trainingsfreien Tag. Heute wurde trainiert, morgen (Dienstag um 15 Uhr – sorry, erst jetzt erfahren, dass es nachmittags stattfindet°), und dann auch an allen anderen Tagen – bis hin zum Frankfurt-Spiel. Es herrscht im Volkspark mittlerweile die notwendige Ernsthaftigkeit. Und das ist auch gut so!

Ganz offensichtlich gibt es ja in dieser Saison einige Spieler, die gegenüber der vergangenen (sehr schwachen) Saison zugelegt haben – leistungsmäßig. Teilweise sogar deutlich. Paradebeispiel ist für mich, und das kommt für mich schon sehr überraschend, Heung Min Son. Allein seine Schusstechnik – mit links und mit rechts – ist super geworden. Und nun schickt er sich sogar an, auch in Sachen Zweikampfhärte zuzulegen. Ich hatte schon während der vergangenen Woche den Eindruck, dass er auf diesem Gebiet zulegen will (wenn er sich zum Beispiel hammerhart mit Tomas Rincon duellierte – mehrfach an verschiedenen Tagen!). Und gegen Werder verstärkte sich dieser Eindruck nur noch einmal. In dieser Verfassung wird der Südkoreaner, das muss ich nun zugeben, ganz sicher ein Spieler für die Insel (England). Wenn Son so weitermacht, dann wird es schon im Sommer zur Trennung kommen. Wohl oder übel.

Zugelegt hat ja auch Artjoms Rudnevs. Natürlich hat er fußballerisch noch einiges an Nachholbedarf, aber wie er sich einsetzt, wie er kämpft, wie er läuft – und wie er Tore schießt (schon acht! Wahnsinn!), das ist schon klasse. Ihr habt immer an ihn geglaubt, mir fehlte wochen- und monatelang der Glaube, aber nun muss ich gestehen, dass der gute „Rudi“ immer besser wird. Und er ist noch lange nicht am Ende seines nun eingeschlagenen Weges. Kompliment! Dickes Kompliment sogar!

Deutlich verbessert hatte sich im Herbst und Winter auch Tolgay Arslan präsentiert. Auf der „Sechs“. Als Milan Badelj dort unersetzlich wurde – und es nur diese eine „Sechs“ gab, geriet Arslan so ein wenig ins Trudeln. Auf der anderen Position, entweder zentral oder rechts. Deswegen bekam er gegen Werder eine Pause – bis zur 62. Minute. Dann löste Arslan den glücklosen und, wie ich finde, diesmal auch schwachen Per Ciljan Skjelbred ab – und war sofort voll da. Das war genau die richtige Reaktion von Tolgay Arslan. Er verkroch sich nach seiner vorübergehenden Ausmusterung nicht erst lange ins Schneckenhaus, sondern kämpfte, zeigte Biss. So muss es sein. Das war klasse! Und ich glaube, dass Arslan am Sonnabend sogar wieder erste Wahl werden könnte. Vielleicht sogar für Badelj, der gegen Bremen sein schlechtestes Spiel für den HSV abgeliefert hat. Das war teilweise recht erschreckend. Ist er ein wenig überspielt? Er hatte ja im Sommer noch die Champions-League-Qualifikation mit Dinamo Zagreb zu bestreiten, das könnte vielleicht ein Grund für seine Schwäche sein. Zuletzt begann Badelj ja schon oft sehr fahrig, konnte sich dann aber immer (teilweise beträchtlich) steigern, diesmal aber blieb er über die gesamte Spieldauer blass – und schlecht. Dass er immer noch ein erstklassiger Spieler ist, darüber müssen wir nicht streiten, aber er steckt vielleicht jetzt in seinem ersten Hamburger Formtief. Ein vorübergehender Zustand. Den schon einige zu bestehen hatten – die nun wieder funktionieren.

Der HSV befindet sich insgesamt schon wieder auf einem sehr guten Weg. Das befanden am Sonntag nach dem Spiel auch beide „Eichen“ bei ihrem Auftritt bei „Matz ab live“. Vielen Dank nochmals an beide Gäste. Peter „Eiche“ Nogly, der frühere HSV-Kapitän, befand auf dem Weg zum Parkplatz vor der Osttribüne: „Diese HSV-Mannschaft hat schon wieder sehr viel Qualität, und da die meisten Spieler noch sehr jung sind, rechne ich damit, dass es in den nächsten Jahren wieder steil bergauf mit dem HSV gehen wird. Die richtigen Leute dafür spielen schon für uns, und sie lernen fleißig und werden immer besser. Ich bin wirklich sehr zuversichtlich.“

Deine Hoffnung in Fußball-Gottes Gehörgang, lieber Peter!

18.51 Uhr

3:2 – der HSV besiegt Werder Bremen

27. Januar 2013

Ergänzt um 21.20 Uhr – jetzt mit Einzelkritik am Ende!

Das war mal ein Derby. Erst ein Niveau zum Davonlaufen, dann Tore und gelb-rote Karten satt – und ein schöner HSV-Sieg, der mit umstrittenen Tore erzielt wurde. Vor 54 725 Zuschauer siegte der HSV mit 3:2 über Werder Bremen, die Nummer eins im Norden ist der Hamburger Sport-Verein. Es war der vierte Heimsieg in Folge für den HSV, der weiter von den oberen Gefilden träumen darf und träumen wird. Vor allen Dingen wohl sein Anhang. Der HSV bleibt im Jahr 2013 ungeschlagen, die Kurve zeigt nach oben – und am nächsten Sonnabend gibt es bereits das nächste Heimspiel, dann kommt Eintracht Frankfurt in den Volkspark. „Es war ein Derby, beide Mannschaften wollten sich beweisen. Dem 2:1 von Aogo ging allerdings ein Handspiel voraus. Und wir haben gegen Ende unsere guten Chancen leider liegenlassen“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. Kommentar Dennis Aogo: “Wenn man ehrlich ist, dann ist es schon so, dass ich den Arm zur Hilfe nehme, aber ich habe so oft schon Pech gehabt mit dem Torabschluss, ich freue mich über diesen Treffer und mein Glück.”

Glücksspiele unter freiem Himmel sind doch eigentlich verboten, oder? Was war das denn bitte für eine erste Halbzeit? Das war noch nicht einmal Billard, denn dort wissen die meisten Spieler, wohin die Kugel rollen soll. Aber im Volkspark? Unfassbar, wirklich unfassbar, diese Fehlpässe. Das war ja das reinste Fehlpass-Festival. Bum-bum-bum-bum-bum-bum-bum – und dann irgendwohin mit der Kugel. Ein ganz, ganz bitterer Kick, das hatte während der ersten 45 Minuten doch kaum einmal Erstliga-Niveau. Freude, wann wacht ihr endlich einmal auf? Das ist doch wirklich nicht Erste Fußball-Bundesliga Deutschland. Wobei ich immer höre, dass der Rasen so erschütternd schlecht ist, so rutschig, so seifig, so glatt – wie Eis. Mag ja alles sein, aber so ist wohl ein Rasen in dieser Jahreszeit. Dennoch kann man sich doch mal zusammenreißen, um einen Ball auch tatsächlich mal an den eigenen Mann zu bringen. Nein, das war grausam. Und meine Hoffnung lag darauf, dass Thorsten Fink – wie in Nürnberg – wieder einmal die richtigen Worte in der Kabine findet, um die Leute wachzurütteln. Schon während der ersten 45 Minuten war der Trainer gelegentlich der Verzweiflung nahe. In der 15. Minute stand der Coach an der Außenlinie und äußerte lautstark seine Säuernis über die Fehlpassquote von Heiko Westermann. Wild fuchtelte Fink mit den Armen in der Luft herum und stieß dabei einen harten Fluch aus. Besser wurde es erst einmal nicht.

Der HSV-Kapitän stand von Beginn an neben sich, aber das war kein Einzelfall. Milan Badelj spielte eine unterirdische erste Halbzeit, Per Ciljan Skjelbred, der den Vorzug vor Tolgay Arslan erhalten hatte, spielte ebenfalls eine unterirdisch erste Halbzeit, und von Rafael van der Vaart war wie schon zuletzt in Nürnberg während des ersten Durchgangs kaum etwas zu sehen. Und wenn es tatsächlich mal gefährlich nach vorne ging beim HSV, dann war es die linke Seite. Rechts kam Dennis Diekmeier über Ansätze in Richtung Offensive nicht hinaus (kein einziges Mal!), aber links hatte Marcell Jansen gleich viele sehr gute Szenen. Das war offensiv eines seiner besten Spiele der jüngeren Vergangenheit. Ganz sicher eines seiner besten Spiele lieferte auch Heung Min Son ab. Der Südkoreaner ging diesmal von Beginn auch körperlich zur Sache, zog nicht zurück sondern ging giftig in den Zweikampf – so wie er es auch schon in der Woche im Training gezeigt hatte. Er lernt eben immer mächtig dazu! Und auch Artjoms Rudnevs war ein Aktivpunkt beim HSV, denn der Lette gab keinen Ball verloren, lief viel, attackierte oft – auch wenn er die eine oder andere Chancen liegen ließ. Das war trotz allem okay.

Werder hatte die erste Möglichkeit, und zwar in der fünften Minute. Petersen zog von links in den HSV-Strafraum ein, legte flach in die Mitte, wo Junuzovic viel zu überhastet und zu schwach abschloss – Rene Adler hielt mühelos. Und im Gegenzug legte Jansen den Ball mustergültig zur Mitte, doch Rudnevs trat aus sieben Metern neben den Ball. Und das erste Tor fiel auf der Gegenseite: Der Bremer Ignjovski flankte aus dem rechten Halbfeld mit links, am Elfmeterpunkt stiegen zwei Werderaner mit Jeffrey Bruma in die Luft, Heiko Westermann hatte es vorsichtshalber fein herausgehalten. Als Zuschauer sah er, wie Bremens Abwehrklotz Lukimya den Ball per Hinterkopf ins Netz verlängerte (9.). Es war wie immer. Meine Stimmung, das gebe ich zu, war das schon tief im Minusbereich. Deswegen wie immer, weil man vorher nur solche Stimmen hörte: „Bremen fegen wir weg, es geht nur um die Höhe des HSV-Sieges.“ Und fast jeder Bremer stimmte dem zu: „Wenn wir hier heute nicht verlieren, dann nie wieder.“ Weil Werder ohne Hunt, Arnautovic und freiwillig auch ohne den ehemaligen HSV-Stürmer Eljero Elia angetreten war.

Zum Glück aber hatte der HSV diesmal einen Son an Bord. Der umkurvte den schwachen Bremer Gebre Selassie im Strafraum aus und schoss, was niemand für möglich hielt, aus einem Winkel auf das Werder-Tor, aus dem man sonst nicht schießt. Bestimmt nicht. Vielleicht war Torwart Mielitz deswegen so überrascht, sodass er vergaß, dass ein Torwart auch die Hände zum Halten nehmen darf. Trotz allem ein herrliches Tor, und Son hat eben gelernt, auch stramm und hart zu schießen (23.). Mit diesem Tor war die Hamburger Seele wieder mit sich im Reinen, auch wenn das Spiel bis zum Halbzeitpfiff grottig blieb.

Dann wurde meine Hoffnung erhört. Fink rüttelte seine Mannschaft wach. Und plötzlich brannte der HSV ein Feuerwerk ab. Wie schon in Nürnberg vor einer Woche. Nach 28 Sekunden lag der Ball im Bremer Netz. Westermann peitschte die Kugel rechts heraus, Diekmeier zog los, flankte zur Mitte – und dort gab es eine kleine Rudelbildung. Dennis Aogo hatte in einem Durcheinander den Durchblick behalten, schnappte sich die Kugel mit dem Arm (!) und schoss mit dem rechten Fuß (!) ein. Welch ein Jubel! Aogos erster Bundesliga-Treffer für den HSV. Ein leicht irregulärer, denn es war wohl Hand. Oder doch nur die (verlängerte) Brust? Es zählte auf jeden Fall, dieses 2:1 in der 46. Minute.

Und kurz darauf sogar 3:1. Aogo flankte zur Mitte, eine Super-Flanke, Rudnevs war zur Stelle und schoss ein. Abseits? Da stritten sich die Experten auf der Tribüne (52.). Ich habe immer noch meine Zweifel, aber auch dieses Tor zählte. Spannung kam dann auf, als Rene Adler – unter den Augen des Torwart-Bundestrainers Andreas Köpke – einen haltbaren Ball unter sich ins Netz rutschen ließ. Bitter. Toll nur, wie die Fans im Norden reagierten, sie skandierten lautstark: „Rene Adler, Rene Adler. . .“ Eine großartige Reaktion – nach dem überflüssigen 2:3 (54.). Kommentar von Adler zu seinem Fauxpas: “Da merkt man, dass ich alt werde . . .”

Farbig wurde es in der Endphase. Erst sah Bremens Fritz Gelb-Rot, dann auch in der Nachspielzeit der eingewechselte Arnautovic. Kein wirklich gelungener Auftritt der Werderaner, aber wenn man zwei umstrittene Treffer kassiert, dann kann man vielleicht auch mal ein bisschen ausflippen.

So, da ich jetzt zu „Matz ab live“ (heute mit Eiche und Eiche) flitzen muss, werde ich die Einzelkritik am Abend nachliefern.

17.36 Uhr

Nachtrag von den Moderatoren: Die Matz-ab-Sendung wird gegen 19:45 Uhr hier zu sehen sein.

Jetzt die versprochene Ergänzung. Es war heute alles ein wenig schwieriger. Erst stürzte der Computer ab, nein, er stürzte nicht ab, er erfror mir. Nichts ging mehr. Ich musste während des Spiels in den warmen Presseraum umziehen, wo mein Laptop auch sofort wieder auftaute und fast zu 100 Prozent funktionierte. Fast. Aber mehr möchte ich mich darüber auch nicht auslassen. Dann den Bericht bei „Matz ab“ veröffentlichen – ohne Einzelkritik! Das war ganz bitter. Erstmalig bei mir. Aber es ging nicht anders, denn wir wollten ja mit „Matz ab live“ auf Sendung gehen. Wollten. Aber erst einmal warteten in der Arena „Eiche“ und „Eiche“ – und die mussten aufgesammelt werden, um sie in die Volksbank-Arena (gegenüber des Stadions) zu bringen. Man geht zehn Minuten, und dann sollte man auch auf Sendung sein, aber der Satellit war wohl wieder mal woanders unterwegs, nur bei uns nicht. Ich vermute, dass es diesmal Kanada oder die Kap Verden waren. Egal, wir konnten nicht senden, und das empfinde ich immer als Niederlage. Als eine persönliche Niederlage. Es, das muss ich zugeben, ärgert mich auch ausgesprochen sehr, sehr, sehr, sehr.

Was natürlich nichts daran ändert, dass wir nicht senden konnten. Und dass „Matz ab live“ nun als Konserve nachgereicht wird. Sorry für das.

Noch einmal zum Spiel. Zunächst einmal möchte ich Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer eine gute Leistung bescheinigen. Er wurde von einigen Leuten ja kritisiert. Wegen der beiden letzten HSV-Tore, und weil er gegen Ende der Partie einige Karten zog. Ich fand diese Karten waren allesamt okay. Und über die gelb-rote Karte für Arnautovic habe ich mich sogar gefreut. Nicht von Hamburg zu Bremen, nicht von HSVer zu Werderaner, sondern als neutraler Beobachter. Der Ösi-Bomber, den ich ja als „Ibrahimovic für Arme“ bezeichne, lief schon vor dem Anpfiff miesgelaunt durch die Arena-Katakomben. Wenn ihn das jemand angesprochen hätte – Explosionsgefahr. Weil er nur auf der Ersatzbank saß? Kann sein. Dass er sich dann gegenüber Kinhöfer so despektierlich verhielt, sprach für sich. Und genau deswegen fand ich Gelb-Rot für den Werder-Stürmer auch total angebracht, hundertprozentig richtig, ein Unparteiischer darf sich nicht alle gefallen lassen. Erst ließ Arnautovic Kinhöfer durch den angedeuteten Schuss hochspringen, dann spuckte er auch noch verächtlich aus. Nicht den Schiedsrichter an, aber eben total verächtlich – ich sah den Platzverweis deswegen als völlig gerechtfertigt an. Und ich möchte zum Abschluss dieses Themas noch einmal sagen, dass Kinhöfer gut gepfiffen hat.

Auch wenn er Aogos Handspiel nicht sah. Aber wer hat es schon gesehen? Und die Abseitsstellung von Artjoms Rudnevs vor dem 3:1? Es gibt Fernsehsender, die auch jetzt noch von „gleicher Höhe“ sprechen – und es anhand einer Grafik auch beweisen (wollen). Aber selbst wenn es eine Abseitsposition gab – wäre das Tor nicht anerkannt worden, dann hätten sämtliche TV-Sender von „gleicher Höhe“ gesprochen und dabei gesagt: „Wie heißt es im Fußball eigentlich immer so schön? Im Zweifel für den Angreifer.“ Genau. Ganz genau sogar. Und diesmal wurde genau so entschieden.

Eines noch zu diesem Thema. Ausdrücklich möchte ich einmal Werder-Trainer Thomas Schaaf loben. Er, der sonst immer so leicht austickt und die Schiedsrichter teilweise massiv und ungerechtfertigt angreift, hielt sich diesmal vornehm und wohltuend zurück. Großartig, Herr Schaaf, darauf lässt sich aufbauen. Diesmal hätten Sie wahrscheinlich Gründe gehabt, den 23. Mann zu kritisieren, aber Sie taten es nicht! Wir haben es registriert. So verhält sich – in meinen Augen – ein fairer Verlierer. Auch wenn Profi-Fußball, ich weiß es wohl, kein Ponyhof ist. Aber ab und an Milde walten zu lassen, das ist schon absolut okay. Ich würde Ihnen, Herr Schaaf, und das ist mein voller Ernst, dafür einen Fairplay-Preis überreichen.

Und nun die versprochene HSV-Einzelkritik:

Rene Adler erlebte einen bitteren Nachmittag, denn eigentlich hatte er relativ wenig zu tun, und dann diese Gurke, die er zum 2:3 schlucken musste. Er tut mir Leid, denn eine solche Szene wollte der auf der Tribüne sitzende Bundes-Torwart-Trainer Andreas Köpke ganz sicher nicht sehen. Aber er sah sie – und wird sie so schnell wohl kaum vergessen. Leider, leider.

Dennis Diekmeier war defensiv ganz okay, könnte er nach vorne aber mehr machen. Er muss sich – in meinen Augen – einfach nur mal ein Herz fassen, er muss einfach nur mal Mut haben, durch die Wand marschieren zu wollen. Wenn er aber ein Hindernis auf dem Weg nach vorne sieht, bricht er ab und spielt zurück. Das ist mir zu einfach.

Jeffrey Bruma erhält von mir die Note drei. Wehrte ab, was er abwehren konnte, blieb dabei fast souverän und auf jeden Fall sehr stabil. Auch wenn er in Sachen Spielaufbau nicht immer glücklich lag. Aber daran muss er arbeiten. Ich hoffe nur für ihn, dass er das auch so sieht – und daran dann auch tatsächlich arbeitet. Denn er kann es doch, er muss sich nur vornehmen, 90 Minuten plus Nachspielzeit konzentriert zu sein – und um so alles für die Raute und für sein Team geben. Etwas mehr Herz, dann wäre er in meinen Augen fast schon bei guten 90 Prozent. Und darauf könnte er dann aufbauen. Er würde es erleben. Wenn er es dann tatsächlich und eines Tages so nah an sich herankommen ließe . . .

Heiko Westermann erlebte in Halbzeit eins einen schweren Rückfall in alte Zeiten. Ich schrieb es bereits: unterirdisch. Selbst seine Kopfbälle, eine Domäne von ihm, landeten im Aus oder beim Gegner. Zum Glück war der Kapitän in der zweiten Halbzeit etwas besser und rettete manchmal in höchster Not. Dennoch – das war eine glatte Fünf. Setzen und besser machen. Gegen Frankfurt.

Marcell Jansen war diesmal eine sehr große Stütze des HSV. Jansen bekommt von mir die Note zwei, denn was er nach vorne gebracht hat, war wirklich absolute (erste) Sahne. Nach hinten, so hatte ich das Gefühl, ließ er gelegentlich in Sachen Deckung zu sehr die lange Leine umherbummeln, aber es ging diesmal ja gut. Auch wenn er vor dem 2:3 den Ball genau einem Bremer in die Füße köpfte . . .

Milan Badelj war diesmal erschütternd schlecht. Da besserte sich auch kaum etwas, obwohl ihm das viele (neutrale?) Beobachter bescheinigten. Ein Mann seiner Klasse aber muss besser spielen. Braucht er vielleicht mal eine Pause? Aber wieso eigentlich, die Rückrunde startet doch jetzt erst so richtig. Nein, da muss wieder mal mehr kommen, er kann es doch viel, viel besser. Note fünf.

Per Ciljan Skjelbred war für mich ebenso eine große Enttäuschung. Da bekommt der Norweger endlich mal wieder die Chance von Beginn an – und dann eine so blutleere Vorstellung. Er täuscht immer viel Aktionismus vor, aber meistens ist es heiße Luft – und endet mit einem Rückpass. Ebenfalls Note fünf.

Dennis Aogo wird im Mittelfeld immer besser. Nicht nur wegen seines Tores und der Vorbereitung zum 3:1. Aogo tobt über das gesamte Feld, ist überall zu finden, reibt sich auf, gibt alles für sein Team – das hat Gesicht. Note zwei.

Rafael van der Vaart war lange, lange – viel zu lange – nicht zu sehen. Im Grunde sind zwei, drei Aktionen, über die die Fans dann auch tatsächlich staunen, viel zu wenig. Gerade für einen Mann mit dieser Vergangenheit! VdV gibt läuferisch immer alles, aber genau darunter leidet dann sein raffiniertes Spiel, das er jetzt nur noch gelegentlich andeuten kann. Note vier.

Heung Min Son war einer der wenigen HSV-Profis, die von Beginn an wach waren. Großartig. Und er geht jetzt sogar zur Sache, setzt sich körperlich ein. Seher, sehr gut. Und dann diese Schüsse – ich staune bei jedem „Kracher“, immer und immer wieder, weil ich mir immer noch nicht erklären kann, woher er diese Dinger nimmt. Er konnte doch früher nicht so schießen. Jetzt schon sein siebtes Saisontor – ganz hervorragend. Und weiter so. Note zwei.

Artjoms Rudnevs gefiel mir ebenfalls von Anfang an. Der BvV („Bulle vom Volkspark“) erzielte schon sein achtes Saisontor (!!) und zeigte sich kampfstark und lauffreudig. Er wird, Tatsache, immer besser. Auch wenn er gleich zu Beginn einmal, als er vor dem 1:0 stand, glatt am Ball vorbeitrat. Auch das wird er noch in den Griff bekommen, davon bin ich überzeugt. Weil er lernfähig ist – und weil er lernen will. Note zwei.

Tolgay Arslan (ab 62. Min. für Skjelbred) kam ins Spiel, wollte und biss! Das ist mal eine Reaktion. Kein Gemaule, keine Säuernis – er war da und spielte mit. Gut so.

Tomas Rincon (ab 82. Min. für van der Vaart) sollte Unheil verhüten – und tat es in den letzten Minuten nach besten Kräften. Ein solches Spiel ist ihm dann ja auf den Lieb geschneidert.

Slobodan Rajkovic (ab 90. Min für Son) kam, sah, strahlte und feierte. Erst auf dem Platz, später in der Kabine. Herzlichen Glückwunsch, Slobo, das ist mal ein Comeback! Vielleicht wird jetzt ja doch noch alles gut.

Zum guten Schluss noch einmal meine herzliche Entschuldigung für die Nicht-live-Sendung. Und zudem noch eine Entschuldigung an unsere drei „Zaungäste“. Die fanden in der „Matz-ab-live“-Sendung tatsächlich keine Erwähnung, obwohl sie sich so super (ruhig) verhalten haben. Als da wären: „Benno Hafas“, von mir auch „el Presidente“ genannt, „Neu-Ossi“ (super dass Du da warst!) und „JU aus Qu“. Ihr wart und seid mir eine große Stütze – vielen Dank für eure Arbeit im Hintergrund. Bei dieser Sendung – und überhaupt.

Nun wünsche ich allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben einen wunderschönen Start in die neue Woche. Und vorher noch eine wunderschöne und angenehme Nacht! Macht was draus!

Skjelbred darf gegen Werder wirbeln

26. Januar 2013

„Nur die Harten komm’ in’ Garten.“ Unser „el Presidente“ war heute lange Zeit der einzige Fan, der dem HSV-Abschlusstraining zusah. Und dabei nicht erfror! Und sogar massenweise Fotos schoss. Kompliment. Zum Schluss waren es dann aber wohl zehn wackere Rothosen-Anhänger, die an den grünen Tüchern – die Sichtblenden sein sollen – vorbei dem Geschehen auf dem beheizten Rasen folgten. Dass gegen Ende der Veranstaltung dem HSV das Flutlicht ausgeknipst wurde, war Schicksal. Oder haben sie dem HSV jetzt vielleicht schon den Strom ausgedreht? Es blieb auf jeden Fall bis zum Schluss finster – und damit war nicht das Abschlussspielchen gemeint. Das endete für mich relativ „erfolgsversprechend“ – nämlich mit einem 1:0-Sieg der Reservisten. Das Tor des Nachmittags schoss Maximilian Beister gegen Rene Adler – auf der Gegenseite hielt Jaroslav Drobny seinen Kasten sauber. Und warum „erfolgsversprechend“, wenn es doch eine 0:1-Niederlage für das A-Team gab? Deshalb: Eine verpatzte Generalprobe ergibt meistens eine geglückte Premiere. Also Sieg an diesem Sonntag gegen Werder!

Nach dem Spielchen war – trotz der Kälte und der Dunkelheit – noch nicht Schluss. Da wurden von links und rechts noch Flanken ohne Ende zur Mitte geschlagen, und dort durfte dann nach Herzenslust aus allen Lagen geschossen und geköpft werden. Was mir an diesem Training auffiel: Dennis Aogo, sonst auch einer der ganz, ganz Harten, weil er immer, egal bei welchen Temperaturen, eine kurze Hose trug. Diesmal erschien er in „lang“. Wieso? Aogo: „Ich hatte das schon am Mittwoch mal ausprobiert, und das war so schön mollig – ich habe mich dran gewöhnt. Es tut gut.“ Für die Muskulatur ist es sicherlich auch nicht das Schlechteste – bei diesen fast arktischen Graden.

Zum Wesentlichen. Wer spielt nun gegen Werder? Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Thorsten Fink scheint sich festgelegt zu haben, denn der Norweger spielte diesmal im A-Team. Und Arslan bei den Reservisten. Fink über diese Maßnahme: „Per hat es sich verdient, er hat zuletzt gute Leistungen gezeigt, und er ist immer, wirklich immer ruhig geblieben. Und Tolgay tut es vielleicht auch einmal ganz gut, wenn er eine Pause erhält und dann über die Bank ins Spiel kommen könnte.“

Und wer ist im Kader? Beziehungsweise, wer nicht? Paul Scharner wird fehlen, ebenso Gojko Kacar und dann auch (wohl nur noch einmal?) Petr Jiracek. Scharner fehlt auch oder vor allem deshalb, weil er den HSV ja in Richtung England (und Sunderland) verlassen möchte. Fink: „Ich weiß ja zurzeit gar, ob ich mit Paul noch in den nächsten drei Monaten planen kann.“ Und weil es diese Ungewissheit gibt, ist der Gewinner des Tages Slobodan Rajkovic. Der Innenverteidiger ist erstmals nach seiner Suspendierung im Sommer wieder im Kader. Und Thorsten Fink sagt: „Ich muss den Slobo mal loben, er hat in den letzten Wochen ganz stark trainiert und immer wieder gute Leistungen angeboten, auch im Trainingslager in Abu Dhabi. Er hat sich diese Chance verdient, in dieser Verfassung ist er echt eine Alternative.“ Das hört sich nicht so an, als würde der HSV Rajkovic noch verkaufen – geschweige denn loswerden wollen.

Ein Satz noch kurz zu Gegner Bremen. Die Werder-Truppe trat die Reise nach Hamburg mit den beiden zuletzt angeschlagenen Spielern Hunt und Arnautovic an. Da beide enorm wichtig sind für die Schaaf-Mannschaft, so werden sie wohl auch von Beginn an spielen – ich gehe jedenfalls fest davon aus. Und das macht die Aufgabe für den HSV sicherlich noch ein wenig schwieriger (als sie ohnehin schon ist).

Themenwechsel.
Überrascht bin ich, in welche Richtung mein Abendblatt-Artikel „Macht es so wie Dortmund“ (erschienen am Freitag) abgedriftet ist. Im heutigen Hamburger Abendblatt sind ja zwei Kommentare dazu abgedruckt worden, aber es gab diesbezüglich mehrere – und zwar in die gleiche Richtung. Es wurde mir geschrieben, dazu bin ich beim gestrigen und heutigen Training darauf angesprochen worden – und es gab auch etliche Telefonate. Fast alle Fans sprachen dabei davon, dass der Trainer einem „Dortmunder Spiel“ beim HSV im Wege stehen würde. Und da frage ich mich schon, wieso das so ist? Wieso denken einige HSV-Fans, dass Thorsten Fink ein schnelleres, offensiveres Spiel seiner Mannschaft verhindern würde? Oder dabei dem im Wege stehen würde? Das kann ich nicht nachvollziehen, gebe ich ehrlich zu. Denn wenn man einmal die beiden Teams (BVB und HSV) vergleicht, so ist ein „Dortmunder Spiel“ mit dem derzeitigen Hamburger Team doch gar nicht vorstellbar. Ich halte es für unmöglich. Allein von der Schnelligkeit her, weil der HSV eine solche Anzahl von „Flitzern“ gar nicht im Team hat. Personell kann der Noch-Meister sicherlich auf die viel besseren und schnelleren Offensivkräfte verweisen und bauen. Und ich glaube ganz sicher, dass Fink auch liebend gerne Spieler wie Götze, Reus, Lewandowski oder Blaszczykowski in seinen HSV-Reihen hätte. Und all die anderen wie Gündogan, Piszczek, Sahin und Großkreutz dazu.

Was ich mit meinem Artikel eigentlich meinte ist das, dass der HSV nicht so verschlafen (wie in Nürnberg) in die erste Halbzeit gehen soll. Dass die Spieler von der ersten Minute an so richtig heiß sind, dass sie Lust und Spaß am Fußball haben und es auch jedem Fan zeigen, dass die bereit sind, sich den Hintern aufzureißen, damit der HSV als Sieger vom Platz geht. Und genau das könnte auch jene HSV-Mannschaft, die der Klub jetzt beisammen hat. Denn das kann im Grunde genommen jeder Spieler und jedes Team. Man muss sich nur einig sein und mit diesem gemeinsamen Vorsatz ins Spiel gehen. Gemeinsam sind wir stark. Schon der gute Otto Rehhagel hat als Werder-Trainer einst gesagt: „Man kann mal schlecht spielen, das passiert eben mal, aber man kann auf jeden Fall immer alles geben und kämpfen.“ Ehrlichen Fußball nannte es der spätere Nationaltrainer Griechenlands. Und ich bin mir sicher, wenn dieser HSV sich morgen gegen die Bremer von Beginn an zerreißen wird, dass die Fans auch dann zufrieden ihren Heimweg antreten würden, auch wenn es keinen Dreier gegeben hat.
Das vergleiche ich jetzt mal (und in diesen Tagen) mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Die wurde vor der noch laufenden WM als „Gurkentruppe“ verspottet – und lieferte den fast übermächtigen Spaniern im Viertelfinale einen so großen Kampf. Deutschland hätte gewinnen können, hat aber auf jeden Fall allein durch diese engagierten Auftritte in Spanien viele Sympathien der Landsleute zurückerobert. Weil dieses Team, diese „Gurkentruppe“, immer alles gab. Und in dieser Form hatte das doch kaum einer erwartet. Und wenn es im Handball geht, dann geht so etwas auch in der Fußball-Bundesliga. Garantiert. Man(n) muss es nur wollen.

Ich möchte aber noch einmal auf Thorsten Fink zurückkommen. Und damit auf meine Überraschung, dass er bei einigen (?) HSV-Fans anscheinend wenig Kredit hat. Ich würde mir schon wünschen, dass sich alle (und jeder) zu diesem Thema ein wenig Zurückhaltung auferlegt. Denn erstens spielt der HSV doch insgesamt eine recht zufriedenstellende Saison, zweitens besteht in diesem Jahr keine Abstiegsgefahr, und drittens hat sich der HSV ja dazu entschlossen, unter Thorsten Fink einen Neuaufbau zu wagen. Wobei es da ja nicht viel zu wagen gab, denn es gab ja gar keine andere Wahl. Ich bin davon überzeugt, dass wenn man diesem Trainer eine solche Zahl von Talenten a la BVB an die Seite stellen würde, dass dann auch beim HSV dann die Post abgehen würde. Daran, dass der HSV solche (blutjungen) Spieler in seinen Reihen hat, daran muss eben gearbeitet werden. So simpel und lapidar das auch klingen mag. Weil dazu ja auch, das weiß inzwischen jeder, das dazu nötige Kleingeld fehlt . . .

Thorsten Fink ist auch für mich schon deswegen kein Thema, weil der HSV, dieser neue HSV, darum bemüht ist, Kontinuität zu zeigen. So wie es zum Beispiel auch in Bremen gemacht wird. Und daran sollten mal alle HSV-Fans denken: Viele, ich sage sogar, die meisten HSV-Anhänger haben in den vergangenen Jahren dieses Jahrtausends geklagt, dass in acht Jahren acht Trainer kamen und gingen. Das wird auch von den größten Experten des Landes immer wieder ins Feld geführt, wenn es darum ging und geht, den Misserfolg des HSV zu erklären. Schon allein deshalb sollten wir uns alle in und zu diesem Thema zurückhalten. Gebt diesem HSV jetzt mal die Chance, sich zu entwickeln, so wie es von den „hohen Herren“ auch angedacht ist. Immer wieder einen Trainer, wie auch immer er heißt (und der HSV hatte ja durchaus auch schon den einen oder anderen richtig guten Coach!), in Frage zu stellen, ist einfach zu leicht und zu billig.

Und dazu fällt mir ein, dass Oliver Kahn, der frühere Nationaltorwart und Bayern-Keeper, in dieser Woche gleich zweimal in Hamburg weilte. Einmal, am Dienstag, war ich live dabei, und ich hörte aufmerksam zu, als der „Titan“ (der jetzt wesentlich menschlicher und zugänglicher geworden ist, als er einst war!) wahre Lobeshymnen auf Thorsten Fink abgab. Kahn hat ja bekanntlich einige Jahre mit dem „Arbeiter“ im Bayern-Mittelfeld zusammengespielt, und beide hatten sie das Negativ-Erlebnis von Barcelona, als der FC Bayern am 26. Mai 1999 „bummelige“ zwei Minuten vor Schluss mit 1:0 im Champions-League-Finale gegen Manchester United führte. Dann misslang (ausgerechnet!) Fink ein Befreiungsschlag. Mit dem, wenn er gelungen wäre, hätte wohl der FC Bayern den Titel gewonnen, aber er misslang. Manchester glich aus und schoss nur Sekunden später noch das 2:1-Siegtor. Ich sage das deswegen, weil Kahn noch heute nachtragend und sauer auf Fink sein könnte (so wie Mario Basler vor einem Jahr als Bild-Kommentator!), dass Kahn gar nicht mehr über Fink sprechen würde. Aber genau das ist nicht der Fall. Kahn lobte Fink über den grünen Klee, und zwar am Dienstag („Ich wusste in den letzten zwei Jahren, in denen wir für den FC Bayern spielten, dass Thorsten mal ein guter Trainer werden würde! Er hat es einfach drauf, macht sich enorm viele Gedanken.“) in Winterhude – und Kahn lobte ihn auch gestern, in der NDR-Talkshow. Es muss also wahr sein, ganz sicher, sonst würde dieser Oliver Kahn, der inzwischen ein großer und großartiger (ZDF-)Analyst geworden ist, so etwas niemals sagen. Glaubt mir, ich kenne ihn, habe ihn bei der Nationalmannschaft kommen und gehen sehen . . .

Und es ist für mich auch deshalb wahr, weil es beim HSV in den oberen Etagen durchaus Menschen gibt, die zu Beginn der Fink-Zeit in Hamburg durchaus skeptisch waren. Weil sie nicht davon überzeugt waren, dass der Coach mit dem Bayern-Gen (welch ein Blödsinn!) für neue Erfolge der Rothosen würde sorgen können. Inzwischen aber denken auch diese Skeptiker anders. Ich weiß es. Weil diese Leute nun sehen, dass Thorsten Fink nicht nur, wie einige es nannten, mit der „Bayern-Klappe“ zum Erfolg kommen will, sondern durch harte Arbeit. Und diese Arbeit erfolgt in diesen Wochen und Monaten auf jeden Fall (obwohl es natürlich immer etwas zu kritisieren gäbe – wie eigentlich bei allen Trainern – oder? Seid ehrlich!). Fink, auch das wurde mir vielfach gesagt, verlässt sich schon lange nicht mehr nur auf seine Bayern-Vergangenheit, sondern packt es an. Weil er gemerkt hat, dass es nur so geht, dass er nur so auch auf Dauer Erfolg haben kann.

Und weil er es gemerkt hat, sollte nun auch jeder HSV-Fan mal ganz fest an das Thema Kontinuität denken. Und nicht schon wieder, wie es scheinbar Hamburger Tradition ist, die Pferde mitten im Galopp wechseln wollen.
Glaubt mir, es bringt nichts. Und dabei will ich gar nicht erst darauf verweisen, dass der HSV ja nicht einen müden Cent für einen Trainer der Kategorie Wenger, Mourinho und Guardiola in der klammen Kasse hätte. Allein daran zu denken wäre der größte Quatsch . . .
Ich vertraue, und dann bin ich auch am Ende des Themas, der jetzigen HSV-Führung. Also dem Vorstand und der sportlichen Leitung. Denn nach wie vor, ich schrieb es hier in jüngster Zeit bereits mehrfach, wähne ich den HSV auf einem guten Weg. Mitunter denke ich sogar, dass er schon wieder auf einem sehr guten Weg ist. Wenn nur allmählich die Finanzen mitmachen würden . . .

So, zum Schluss möchte ich noch einmal auf „Matz ab live“ am Sonntag verweisen. Sollte „Scholle“ nicht kurzfristig ins Krankenhaus müssen, weil heute (!) Stichtag für seine noch ungeborene Tochter ist (!), dann erwarten wir gemeinsam den ehemaligen Nationalspieler Peter „Eiche“ Nogly – und unsere (Matz-ab-)„Eiche“. Und wenn ihr kurz nach dem Schlusspfiff des Werder-Spiels wieder auf Sendung seid, würden wir uns mächtig freuen.

18.11 Uhr

Scharner schon wieder reif für die Insel?

25. Januar 2013

Das ist doch mal eine positive Nachricht für den HSV. Es gibt nun eine neue Bundesliga-Uhr für den Liga-Dino: Die Schweizer Uhrenmanufaktur Eterna ersetzt in den kommenden Wochen den defekten Zeitmesser in der Arena, der die Zugehörigkeit des Vereins zur Fußball-Bundesliga in Jahren, Tagen, Minuten und Sekunden anzeigt. Die alte Uhr hatte im November 2012 ihren Geist aufgegeben und konnte nicht mehr repariert werden.

Wunderbar! Es geht weiter in Sachen Bundesliga. Die Uhr wird dem HSV den Weg weisen . . .

Ansonsten muss man ja sagen, dass es beim HSV nie langweilig wird. Jetzt meldete sich Paul „Dergeradegekommene“ Scharner mit Abwanderungsgedanken zu Wort. Der FC Sunderland lockt, obwohl mir das der „Ösi-Stopper“ nicht bestätigen wollte: „Das verrate ich nicht.“ Immerhin aber verriet mir Paul seinen Plan: „Auf der Insel könnte ich jetzt dreieinhalb Monate bis zum Sommer Spielpraxis sammeln, und dann komme ich zum HSV zurück.“ Thorsten Fink über die Vorstellungen des Abwehrmannes: „Dann soll er gehen. Ich halte grundsätzlich nicht viel davon, Spieler, die den Verein verlassen wollen, gegen ihren Willen zu halten.“ Und es wäre ja auch wohl im Sinne des HSV, wenn Scharner seinen Plan in die Tat umsetzen würde, denn erstens würde der HSV sein Gehalt einsparen, und zweitens hat der HSV ja auch genügend Abwehrspieler. Und zwar trotz der Tatsache, dass Michael Mancienne jetzt wohl noch fünf Wochen ausfallen dürfte. Jeffrey Bruma und Heiko Westermann sind jetzt gesetzt, Slobodan Rajkovic wäre noch da – und auch, wir erinnern uns, Gojko Kacar könnte auf dieser Position spielen. Er sogar sehr gut, wie er bereits beim HSV unter Beweis gestellt hat. Also alles halb so wild – der HSV kann und darf in diesem Fall ruhig mal an seine finanzielle (Schräg-)Lage denken.
Und woran liegt dieser Transfer nun? Wer entscheidet, ob Paul Scharner reif für die Insel ist oder sein darf? Scharner sagt: „Ich ganz allein entscheide das.“ Und er will ja (wohl). Also ist das Ding für mich so gut wie in trockenen Tüchern.
Und dabei hatte ich mir noch vor ein paar Tagen, im Sommer 2012 (hier nachzulesen), so viel von Paul als Führungsspieler erhofft, aber er hat wohl in diesem halben Jahr zu viele Knüppel zwischen seine Beine bekommen. Immerhin, und das ist mein ganz alleiniger Trost, war Paul Scharner ja noch vor 14 Tagen bei „Matz ab live“ zu Gast und hat diese Runde (mit Manfred Kaltz und Harry Bähre) durch seine Statements noch zusätzlich belebt.

Das heutige Training verlief ohne große Zwischenfälle, es gab auch kaum einen Höhepunkt – und das obligatorische Spielchen zum Abschluss zwischen A und B endete – immer dann, wenn ich dabei bin – 0:0. Tore hatte es zuvor gegeben, bei der Torschuss-Übung. Die beiden schönsten Treffer Marke „Tor des Monats“ erzielten ausgerechnet die beiden Innenverteidiger. Erst drosch Heiko Westermann den Ball mit seinem linken Fuß volley in den oberen rechten Torwinkel („Bing-bong, Avon läutet noch heute bei Ihnen“), dann zimmerte Jeffrey Bruma den Ball mit rechts brutal und hammerhart ins Netz. Traum-Tore. Ein solches erzielte dann auch noch Heung Min Son per Flugkopfball, sodass der neben dem Tor stehende Nikola Vidovic laut und voller Verzückung aufschrie: „Sonnissimo!!!“ Pech hatte Dennis Aogo, der als Flankengeber auf einem Eisstück am Rande ausrutschte und heftig mit dem linken Ellenbogen aufschlug. Er schrie vor Schmerzen laut auf und blieb einige Zeit benommen am Boden liegen, das sah zunächst nicht so gut aus.

Wie übrigens beim „Fünf-gegen-zwei-Spiel“ zuvor auch Heiko Westermann (der mir heute von allen Profis am besten gefiel – denn er wirkte engagiert und strahlte Lust und Spaß an der Sache aus!), der den Ball aus einem Meter Entfernung von Per Ciljan Skjelbred genau auf die „Zwölf“ „gesemmelt“ bekam und deshalb zu Boden ging. Das waren wahre Freudenschreie pur, die der Kapitän dabei ausstieß! Bei diesem „5:2-Spiel“ war Maximilian Beister gefühlt der Spieler, der am meisten in der Mitte war. Schön zu sehen trotz allem, dass der Angreifer unverdrossen weiterkämpfte und ebenfalls durch sein Engagement auffiel.
Nein, keine Frage, es war heute am Vormittag schon alles insgesamt sehr gut anzusehen.
Hoffentlich folgt einer gelungenen Generalprobe nicht eine (leicht) verpatzte Premiere . . . Aber morgen folgt ja noch das Abschlusstraining im Volkspark (unter Ausschluss der Öffentlichkeit). Dann wird wohl auch wieder Rene Adler mit von der Partie sein. Der Nationaltorwart fehlte heute, weil er leicht erkältet ist – und weil er am Mittwoch einen Tritt gegen das Schienbein erhalten hatte. Thorsten Fink beruhigte: „Es ist nichts Ernstes, nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme.“

Die spannende Frage, wer im rechten Mittelfeld gegen Werder zum Einsatz kommen wird, ließ Thorsten Fink heute noch unbeantwortet. Fast jedenfalls. Es darf weiter gerätselt werden, obwohl im Spielchen Tolgay Arslan das gelb-grüne Trikot der Stamm-Elf trug. Und nicht Per Ciljan Skjelbred, der ebenfalls möglich wäre. Mittags dann, beim Neujahrs-Empfang von Vermarkter „Sportfive“, sagte der Trainer: „Ich werde mich erst nach dem Abschlusstraining entscheiden.“ Wenn ich heute dazu Stellung beziehen müsste, dann würde ich die Tendenz mit 60:40 für Skjelbred haben. Ein „reines Bauchgefühl“, wie „Dittsche“ sagen würde, (m)ein „reines Bauchgefühl“.

Und wenn ich vorhin geschrieben hatte, dass das Abschlusstraining ohne die Fans über die Bühne gehen soll, dann muss ich denjenigen HSV-Anhänger, die ohnehin nie in den Volkspark kommen (können), einmal kurz folgende Szenerie schildern: Der HSV hat jetzt seinen linken Trainingsplatz (von der Arena aus gesehen) in grünes Leinentuch eingehüllt. Dieses Grün soll vor ungeliebten Blicken schützen – was es nicht tut. Man sieht durch dieses Tuch lediglich ein wenig schlechter – aber man kann alles sehen. Zudem sind an etlichen Stellen die Tücher schon zu Boden gefallen (oder befördert worden). Die Aktion „Grünes Tuch“ ist in meinen Augen ein Schuss in den Ofen – aber voll! Das kommt wohl auch davon, dass der HSV einfach kein Geld hat, sich einen dickeren Stoff vor dem Platz zu hängen, der eben undurchschaubar wäre. Aber alles hat seinen Preis – auch die Tatsache, dass die Fans zu gewissen Zeiten nichts sehen dürfen sollen (zu haben und zu können – ein Scherz).

Und dann schnell noch ein kurzer Blick in das Lager des Gegners.

Das 0:5-Debakel gegen Borussia Dortmund steckt Werder Bremen auch sechs Tage später noch arg in den Gliedern. „Ich erwarte, dass wir die Dinge verbessern, die uns erheblich weh getan haben“, sagt Werder-Trainer Thomas Schaaf zwei Tage vor dem 98. Nordderby in der Fußball-Bundesliga beim HSV. Der Bremer Coach weiter: „Ich erwarte, dass wir in die Zweikämpfe gehen, dass wir den Gegner nicht einfach so gewähren lassen. Wenn wir das verändern, werden wir eine andere Leistung zeigen.“

Im Training an der Weser ging es hoch her, das zeigte sich an vielen verbissen geführten Zweikämpfen – und in einem besonderen Duell zwischen Assani Lukimya und Eljero Elia. Letzterer beklagte danach einen stark geprellten Fuß. Und Schaaf musste den wild schimpfenden Kevin de Bruyne beruhigen, der sich über das rohe Spiel von Lukymia beklagt hatte. Schaaf will aber durch dieses Training positive Signale erkannt haben: „Das Feuer war da. Wir haben uns intensiv gerieben. Es war viel Stimmung und viel Aktivität auf dem Platz. Man gibt sich den Dingen nicht hin, sondern will sie verändern.“

Die letzten drei Begegnungen konnte Werder allesamt für sich entscheiden, in der Hinrunde trafen Nils Petersen und Aaron Hunt zum 2:0-Sieg. Hunt aber droht nun für das Duell auszufallen, ihn bremst eine Erkältung. Auch Marko Arnautovic lag mit einer Magen-Darm-Grippe flach, der Österreicher ist ebenso fraglich. „Das sind zwei Spieler, die gezeigt haben, wie wertvoll sie sind“, sagte Schaaf, „ihr Ausfall wäre ein schwerer Verlust.“

Das kann kann ich mir vorstellen, denn besonders vor Arnautovic, der für mich der „Ibrahimovic für Arme“ ist, habe ich riesigen Respekt. Riesigen! Ganz riesigen sogar! Der könnte an einem besonders guten Tag ganz Hamburg schwindelig spielen – und schießen. Deswegen wäre es für den HSV sicherlich von Vorteil, wenn Magen und Darm noch ein wenig für schwindende Kräfte sorgten.

So, mit einer guten (Uhr-)Nachricht hat dieser Bericht begonnen, mit einer guten (Sterne-)Nachricht endet er auch. Der HSV hat vom Deutschen Fußball-Bund seine Höchstwertung von drei Sternen bestätigt bekommen. Mehr geht nicht. Und diese Wertung bedeutet, dass der HSV in den nächsten drei Jahren für seine Nachwuchsarbeit (noch in Ochsenzoll) an die 300 000 Euro Fördergeld vom DFB erhalten wird. Gratulation. Es gibt andere Vereine, die sich darum bemühen, wenigstens einen Stern zu bekommen . . .

PS: Am Sonntag gibt es nach dem Spiel gegen Werder wieder „Matz ab live“, diesmal mit einem und meinem Traum-Paar. Wirklich! Davon habe ich schon sehr lange geträumt: „Eiche“ und „Eiche“. Zeitnah nach dem Schlusspfiff werden wir auf Sendung sein. Wenn ihr uns dann einschalten würdet, wären wir ganz freudig erregt – und auch sehr dankbar.
Ich wünsche euch und euren Lieben ein schönes und erfolgreiches Wochenende.

17.47 Uhr

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