Monatsarchiv für Dezember 2012

Fink, Teil 1: “Mir haben alle vom HSV abgeraten – jetzt wissen sie es besser”"

28. Dezember 2012

Ein Weihnachtswunsch hat sich bei mir bereits erfüllt: Dass hier im Blog weiterhin so fleißig Theorien entwickelt werden, wie Dieter und ich arbeiten und arbeiten sollten. Nicht, dass es mich erfreut, wenn mir jemand unsauberen Journalismus unterstellt. Allerdings stört es mich auch nicht mehr, weil ich inzwischen einzuschätzen weiß, warum hier einige die – mal diplomatisch formuliert – „überraschendsten“ Verschwörungstheorien auftischen. Normalerweise wollte ich hier ein „Best of“ machen. Denn davon gab es einige sehr kreative Formen. Aber ich beschränke mich mal auf die Top-Theorie, die da heißt: Dieter und ich schützen alle unsere Informanten mit Hofberichterstattung.

Eine These, die sich klar belegen lässt. Immerhin haben wir über Wochen und Monate die Einkaufspolitik kritisiert, was so gut wie alle Führungskräfte beinhaltet. Deshalb haben wir fast jeden Spieler mindestens einmal heftig für seine Leistungen kritisiert, ebenso wie den kompletten Aufsichtsrat. Wir haben den Vorstand für seinen Sparkurs kritisiert und in Mithaftung bei der zu schlechten Kaderzusammenstellung 20112/2012 sowie bis van der Vaart auch in dieser Saison genommen. Erst am Donnerstag habe ich Jarchow unterstellt, er hätte den Verein fast kaputtgespart und erst nach dem Fehlstart den allseits geforderten Verstärkungen zugestimmt. Dass er am Ende in der Transferabwicklung Rafael van der Vaarts neben Joachim Hilke eine wesentliche Rolle einnahm –Hofberichterstattung! Was sonst?

Wobei, das ebenso schöne wie in diesem Fall schwierige an geschriebenen Texten ist, dass der Leser keine Tonlage definitiv bestimmen kann. Er kann nur mutmaßen. Und das führt zu Missverständnissen. Oft wird so Ironie nicht erkannt oder gar mit Beleidigt sein verwechselt. Und wenn ich das dann nachträglich erkläre, heißt es noch, ich entschuldige mich – womit ich im Fall der Fälle nicht einmal ein Problem hätte.

Aber gut, die auch diesmal von mir nett gemeinte Einleitung werden hier einige verreißen wollen. Sollen sie. Aber den anderen 99 Prozent objektiven Bloggern sei gesagt: ich bin nicht mal einen Hauch beleidigt. Überhaupt nicht, sondern ganz im Gegenteil: Ich mag Diskussionen, vor allem über Fußball – so lange sie zielführend sind. Und das sind sie in diesem Blog eigentlich fast immer. Nur eben manchmal nicht – dann treiben sie die wahnwitzigsten Blüten und sind eher komisch. Im witzigen, unterhaltsamen Sinn. Immerhin wurde uns so schon das eine oder andere nette Verhältnis angedichtet, über das ich schmunzeln konnte.

Heute hätte ich demnach ein besonderes Verhältnis zu Thorsten Fink. Morgen auch noch, da ich das aufgezeichnete Gespräch in zwei Teilen hier reinstellen will, um möglichst wenig Worte des Trainers kürzen zu müssen und Euch trotzdem nicht mit sonst rund 1000 Zeilen sprichwörtlich zu erschlagen.

Aber zurück zum Gespräch. Um 19 Uhr Ortszeit habe ich den HSV-Trainer heute in seinem Dubai-Urlaub erreicht. Dort weilt er mit seiner Familie – und mit Nicholas MacGowan, der sich um die Gestaltung des Trainingslagers Anfang Januar kümmert. „Uns fehlen noch ein paar Testspiele, die ich unbedingt haben möchte“, sagt Fink, der diesen Wunsch vor Wochen auch Joachim Hilkes rechter Hand MacGowan mitgeteilt hatte. Am 2. Januar geht es für acht Tage nach Abu Dhabi. Am 9. Januar geht es an noch unbenannter Stelle gegen Gladbach. Zwei weitere Spiele sind noch nicht fix. „Nicholas wird das schon machen“, ist Fink um Ruhe bemüht, obgleich es nur noch eine Woche bis zum Trainingslager ist.

Zumal der HSV ansonsten früh dran ist. Früher als alle anderen Bundesligisten beginnt der HSV bereits am Sonntag um 15 Uhr mit seiner Vorbereitung. Dann geht es an der Imtech-Arena zu den Laktattests. Warum der HSV vergleichsweise früh beginnt? „Weil ich glaube, dass wir diese Zeit brauchen werden“, sagt Fink. „Wir können so die Laktattests absolvieren und schauen, ob noch Nachholbedarf besteht. Sollte das so sein, können wir auch die entsprechenden Läufe vor dem Trainingslager einstreuen und so ab dem 2. Januar an den Ball. Aber ich halte es generell für sehr gut, wenn man zwei tage früher als alle anderen beginnt. Das ist gut für das Gewissen der Spieler, von uns Trainern und es zeigt, was hier auf dem Plan steht: unsere Weiterentwicklung.“

Immerhin hat der HSV noch große Ziele. Mindestens die Punktzahl aus der Hinrunde soll es werden, hatte Sportchef Frank Arnesen gesagt. 48 Punkte wären das demnach mindestens, was im letzten Jahr immerhin für Platz sieben und somit zur Europa-League-Quali gereicht hätte. Wäre ja nicht das Schlechteste, oder?

Aber zurück zur Realität. Und die sieht den HSV auf dem zehnten Tabellenplatz mit zwölf Punkten Vorsprung zur Abstiegszone und nur zwei Punkten Rückstand auf die internationalen Ränge. Eine Ausgangslage, die zu Träumereien verführt, die aber allemal genug Motivation für die HSV-Profis darstellen sollte. „Das auf jeden Fall, sagt Fink, der sich ansonsten nicht zu großen Zielen äußern will. „Das wurde schon mal falsch gemacht. Es bringt ja auch nichts, viel zu reden. Wir müssen arbeiten. Und das immer etwas mehr als die Gegner. Wenn wir das dann gut machen, dann werden wir uns am Ende tabellarisch belohnen.“

Klar. Dennoch wollte ich von Fink zum bald ablaufenden Jahr 2012 auch ein paar klare Aussagen und formulierte Erkenntnisse. Deshalb habe ich ihn Sätze vollenden lassen. Los geht’s:

Mein schönster Moment 2012 war…
…als endgültig feststand, dass wir die Klasse gehalten hatten. Denn ich wollte hier nicht der Erste sein, der als Trainer mit dem HSV absteigt. Und dieses Risiko war ich bei Amtsantritt eingegangen. Damals hatten mich fast alle meine Bekannten und Freunde gewarnt, dass ich mir meine Zukunft verbaue, wenn ich die schwierige Aufgabe HSV übernehmen und scheitern würde. Alle sagten, ich hätte bei Basel doch alles, was ich brauchte. Vor alle Erfolg und einen sicheren Stand. Aber ich wollte noch nie den Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegenteil, die Aufgabe hat mich von Anfang an tierisch gereizt. Ich sage immer: Wasser, das steht, das fault und stinkt irgendwann. Und die Mannschaft und wir Verantwortlichen haben mir am Ende Recht gegeben. Wir haben die Klasse gehalten. Und das war Erleichterung, Glückseligkeit und Genugtuung zugleich. Ein irres Gefühl. Privat hatte ich einige schöne Momente. Aber der schönste war, dass diesmal alle meine Lieben von schweren Krankheiten verschont geblieben sind. Denn das ist und bleibt das Wichtigste in meinem Leben. Nicht zuletzt der tragische Zwischenfall in der Familie Marcus Bergs hat mir gezeigt, wie schnell alles gehen kann und wie unwichtig plötzlich alles wird.

… das überraschendste Spiel 2012 war…
…für mich unser Sieg in dieser Saison gegen Dortmund. Nach 32 Spieltagen waren es ausgerechnet wir mit unseren null Punkten, die sie packen konnten. Das hatte ich bei allem damaligen Optimismus so nicht erwartet. Aber unsere Offensivpower hat uns den Erfolg gebracht. Generell geantwortet würde ich einige Spiele vom BVB nennen, die mich positiv überrascht haben. Eigentlich fast alle, die sie in der Champions-League-Gruppenphase gespielt haben. Nicht, dass ich es ihnen nicht zugetraut hätte, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der BVB eine so hammerharte Gruppe so dominiert. Respekt! Das hat mir imponiert.

…das beste Spiel 2012 war…
…für mich unser Spiel gegen Schalke. Damals haben wir an der einen oder anderen Stelle taktisch nachjustiert und am Ende ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Und obwohl wir Schalke sicher zum richtigen Moment hatten – immerhin haben sie anschließend nichts mehr auf die Reihe bekommen –, aber so abgeklärt und mit Spielfreude stelle ich mir unser Spiel immer vor. An dem Tag hat fast alles perfekt gepasst und nicht nur mir gezeigt, wozu wir schon jetzt in der Lage sind.

…den größten Fortschritt 2012…
…hat sicherlich die Verpflichtung von Rafael van der Vaart bewirkt. Allein sein Kommen hat hier einen allseitigen Positivtrend entfacht. Das war bei meiner Ankunft mit acht Spielen oder Niederlage auch schon so ähnlich, aber eben noch mal eine Stufe krasser. Rafael war eine definitiv sehr bedeutende Verpflichtung. Er hat die Wende maßgeblich mit eingeleitet. Vor allem auch, weil er als Mannschaftsspieler funktioniert. Er integrierte in Millisekunden und wusste bei seinen Kollegen menschlich zu gefallen. Er lebt Teamwork vor und nimmt sich einfach nicht zu wichtig. Obwohl er bekanntermaßen überragende Fähigkeiten besitzt, arbeitet er oft härter als die anderen. Er ist eine rundum positive Erscheinung für die Mannschaft, für den HSV – und natürlich für mich als Trainer.

… die größte Überraschung bei den Spielern war…
…sicherlich Tolgay Arslan im positiven Sinne. Wie er bei Rafas Verletzung nach zuvor guten Leistungen in die Bresche gesprungen ist war aller Ehren wert. Das zeigt mir, was wir von ihm sogar noch erwarten können. Er ist der Shootingstar, während ich bei Milan Badelj weniger von seinen gezeigten Leistungen denn von seinem Tempo beeindruckt war. So schnell wir er sich hier eingefunden und seine Bedeutung für die Mannschaft unter Beweis gestellt hat – damit hatte ich nicht gerechnet. Zumal er vorher schwierige Champions-League-Quali-Spiele hatte und die Anpassung an die deutlich bessere Bundesliga für ihn als Kroaten sicher nicht leicht war. Aber inzwischen ist er so etwas wie das Gehirn im Mittelfeld. Er ist auf jeden Fall der Spieler, der unser Spiel von hinten raus leitet, unsere offensiven Mittelfeldspieler mit exakten Pässen versorgt und unserem Aufbauspiel so neue Qualität verleiht. Von Anfang an.

So, das soll es für den Anfang gewesen sein. Morgen folgt Teil 2 des Fink-Gesprächs, in dem der Coach darüber spricht, wann der HSV wieder Meister wird, was und wer ihn 2012 am meisten enttäuscht hat, was Lionel Messi mit dem HSV zu tun hat und, und, und…

In diesem Sinne, bis morgen! Habt ’nen schönen Restfreitag und schaut Euch doch noch Dieters sehr launige Neujahrsansprache an!

Scholle

Auf ein besseres 2013 – oder warum der Fehlstart Arnesens Glück war…

27. Dezember 2012

Heute im Büro zu sitzen, ist irgendwie komisch. Die Straßen sind beachtlich leer und auch die Besetzung des Abendblattes erfüllt kaum mehr als die Mindestnorm zum Erstellen einer qualitativ hochwertigen Tageszeitung. Zu verführerisch war die Aussicht, mit zwei Urlaubstagen gleich sieben am Stück frei zu haben. „Wir müssen das Elend verwalten“, scherzte heute ein hier namentlich nicht genannt werden wollender Ressortleiter auf dem Weg im Fahrstuhl gen Redaktion – und er beschreibt ein wenig das, was Frank Arnesen und seine drei Vorstandskollegen sowie das Trainerteam im Sommer vorfanden: Eine Mannschaft, die mehr schlecht denn recht aufgestellt die Bundesligazugehörigkeit erspielen sollte.

„Wir haben ganz schlecht begonnen und viele Spiele verloren. Zu Hause gegen Nürnberg und davor sogar in Karlsruhe. Das war hart“, erinnert sich Frank Arnesen zurück und erklärt, weshalb er vom miesen Start profitierte. Immerhin musste der HSV so personell nachrüsten, weil auch dem Letzten klar wurde, dass das damalige Team in der Konstellation höchstwahrscheinlich um einen zweistelligen Tabellenplatz mit einer Quersumme größer/gleich sieben spielen würde. Und das wollte Arnesen: finanziell ins Risiko gehen. Zwar hatte man mit Rene Adler einen herausragenden Torwart verpflichtet, auch Milan Badelj war im Anflug schon reichlich Vorschusslorbeeren versehen worden – allerdings hakte es ansonsten überall auf dem Platz. Die Abwehr war kopf- und führungslos dem harmlosen FCN-Angriff unterlegen, das defensive Mittelfeld fand nicht statt, und offensiv gab es keinen Spieler, der auch nur annähernd für Gefahr sorgen konnte. Das alles verwundert nicht, schaut man sich mal die Aufstellung an:

Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg.

„Wir haben früh gesehen, dass noch Handlungsbedarf bestand“, sagt Carl Jarchow. Der Klubboss hatte zunächst die Zahlen im Auge behalten (müssen) und daher von großen Investitionen Abstand genommen, was zu teilweise heftigen Diskussionen zwischen ihm und Arnesen führte. Letztlich aber war es dann auch Jarchow, der zusammen mit Vorstands-Vize Joachim Hilke sowie Mediendirektor Jörn Wolf, der einen sehr freundschaftlichen Draht zum Spieler pflegt, und natürlich Darlehensgeber Klaus Michael Kühne den entscheidenden Transfer eintütete: Rafael van der Vaart. Womit ich nicht sagen will, dass van der Vaart spielerisch wichtiger war als Adler oder auch Badelj, die für mich entscheiden sind. Nein, aber van der Vaart war der einzige Spieler, der dem stark ins Wanken geratenen Bundesligadino mit einem Schlag Hoffnung verliehen konnte.

Allein seine Anwesenheit stimmte Fans optimistisch. Aber noch wichtiger war, dass sich die Mannschaft, die kaum noch selbst an sich glaubte, wieder Hoffnung hatte. „Wir hatten ja keine Erklärungen mehr, die nicht schon genannt worden waren“, sagte Mannschaftskapitän Heiko Westermann. Da sei es nur logisch gewesen, dass auch die Mannschaft an sich zweifelte. Zumindest bis van der Vaart. Der Niederländer kam am 31. August als Last-Minute-Transfer, sah (in Bremen zu) und verlor (in Frankfurt) zwar zunächst – siegte dann aber gegen Frankfurt und den BVB mit starken Auftritten als Passgeber, Mittelfeldlenker und Kämpfer in einem. Das 3:2 gegen Dortmund war dann sicherlich der Befreiungsschlag, nachdem Trainer Thorsten Fink den Fehler im System erkannt hatte und ausmerzte. Es war der Brustlöser, immerhin folgten weitere sieben Punkte aus drei Spielen, ehe in Stuttgart verloren wurde.

Dennoch, der Transferaufwand von insgesamt 27 Millionen Euro hätte bei jedem anderen Klub in der Bundesliga den Anspruch höher steigen lassen als nur davon zu sprechen, besser als letztes Jahr, wo man fast abgestiegen wäre, werden zu wollen. Immerhin gab es in der HSV-Historie nur 2009/2010 mehr Aufwand. Damals wurden auch in letzter Sekunde noch mal 16 Millionen Euro ausgegeben – für die Ladenhüter David Rozehnal und Marcus Berg. Heraussprang mit einer Gesamtinvestition von mehr als 30 Millionen Euro damals ein siebter Tabellenplatz und das Verfehlen der internationalen Wettbewerbe. Das gepaart mit dem Ärger um Dietmar Beiersdorfers Demission, die zu noch größerer Skepsis gegenüber dem gefühlten „Alleinherrscher“ (so nannten ihn viele Mitarbeiter und sogar Aufsichtsräte) Bernd Hoffmann führten schien der HSV nach Jahren des Aufstieges den rechten Weg verlassen zu haben.

Und das bis heute. Denn was folgte, wurde nicht besser. Der HSV verfehlte nicht nur wiederholt den internationalen Wettbewerb, sondern er verschlechterte sich tabellarisch und der Klub brach auch finanziell langsam ein. Die Einnahmen sanken, der Spieleretat blieb konstant hoch – eine Mischung, die heute aufwändig korrigiert werden muss. Allein in der vergangenen Saison musste der HSV noch 20 Millionen Euro für Transfers zahlen – dabei wurden gerade mal für zehn Millionen Euro neue Spieler geholt. „Es ist durchaus branchenüblich, Ratenzahlungen zu vereinbaren“, gab sich Jarchow zunächst diplomatisch, als ich ihn darauf ansprach. Der Klubboss weiß, dass jedes schlechte Wort über seine Vorgänger gegen ihn verwendet wird. Allerdings kann er auch nicht an den Fakten vorbei.

Und die bedeuten, dass der HSV insbesondere durch den Rekord-Transferaufwand 2009/2010 in der vergangenen Saison Einsparungen tätigen musste, die einen Umbruch innerhalb des Vereins und seiner Kaderstruktur unumgänglich machten. Dass der nicht zur Zufriedenheit umgesetzt wurde, ist deutlich an der Abschlusstabelle mit Platz 15 abzulesen. „Auch wir hatten uns mehr erhofft, als nur gegen den Abstieg zu spielen“, nimmt sich Jarchow in die Kritik mit ein. Auch er als Triebfeder des Sparkurses weiß, dass der HSV sich fast kaputtgespart hätte. Dass er draus gelernt hat, beweisen seine Zustimmungen für Jiracek (vier Millionen Euro) und van der Vaart (13 Millionen Euro).

Zwei Verpflichtungen, die teuer waren – und jetzt wieder zu Teilen eingespart werden müssen. 6,4 Millionen Euro soll Frank Arnesen über Verkäufe einsparen und einnehmen. Tom Mickel wandert ablösefrei gen Greuther Fürth ab. Ersparnis: maximal 100000 Euro. Bleiben also noch rund 6,3 Millionen, die nicht über Jaroslav Drobny – der Tscheche will seinen mit gut 1,8 Millionen Euro Jahreseinkommen sehr gut dotierten Vertrag bis Saisonende beim HSV erfüllen/aussitzen – generiert werden. Wobei, ich verstehe Drobny sogar. Immerhin ist sein Ruf als Torwart gut – der seiner Knie indes nicht mehr. Und mit 33 Jahren ist der Tscheche auch nicht mehr der Mann mit der größten Perspektive für andere Klubs.

Ziemlich weit ist der Transfer von Gojko Kacar zu Hannover 96. Bei dem Serben, der in Hamburg einen mit rund 2,2 Millionen Euro und bis 2015 dotierten Vertrag besitzt, liegen die Vereine bereits auf Wellenlänge – allein Kacar selbst konnte sich mit Hannover bislang noch nicht einigen. Marcus Berg (2,5 Millionen Euro Jahressalär/Vertrag bis 2014) soll ein noch unbestätigtes Angebot aus Spanien vorliegen (Jarchow: „Davon habe ich nichts gehört“) und Vitesse Arnheim soll an Jeffrey Bruma (etwas mehr als eine Million im Jahr/ausgeliehen bis Juni 2013) interessiert sein. Sollte Arnesen alle drei (Bruma, Berg, Kacar) und zudem noch Slobodan Rajkovic (2 Millionen per annum bis 2015) abgeben können – ich würde ihn dafür feiern. Genau so wie der Aufsichtsrat, dem der Däne dann die geforderten Einsparungen vorlegen könnte. Und: Für den zweifellos sympathischen aber sportlich bisher durchweg enttäuschenden Berg noch Ablöse zu kassieren – das wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Allein bei Bruma hätte ich nicht nur Freude, da ich ihn für den talentiertesten Jungprofi aus der Chelsea-Reihe halte. Allerdings hat sich der Niederländer bislang nicht durchsetzen können – trotz nicht allzu großer Konkurrenz.

Allerdings wären diese Aufräumarbeiten auch der erste Schritt, aus der Mängelverwaltung seit Juni 2011 endlich ein Team zu formen, das Perspektive hat, wieder international zu spielen. Dafür sind allerdings weitere Feinjustierungen nötig, über die ich mich hoffentlich heute oder morgen noch mit HSV-Sportchef Frank Arnesen unterhalten kann. „Wir wollen Fußball spielen“, betont Fink immerhin seit Monaten seine Vision vom HSV, die er so noch nicht erreicht hat. Der HSV der Zukunft soll demnach weniger mit Kampf denn mit technischen Finessen brillieren. Und dafür fehlt es in der Abwehr ebenso wie im Angriff noch zu sehr am Fußballerischen. Ebenso wie in der Breite des Kaders, die mit entscheidend für mich ist, zwischen der vorherrschenden Mängelverwaltung und einem hoffentlich bald wieder soliden Kadergerüst.

Klar, die HSV-Verantwortlichen der Gegenwart haben sicherlich keinen leichten Job. Aber sie haben nach den letzten Enttäuschungen allemal genug Möglichkeiten sich mit wenigen Schritten deutlich zu verbessern. Deshalb: Hoffen wir mal, dass Arnesen und seine Kollegen im Winter gut verkaufen – wobei das für mich zunächst nur wirtschaftlich der nächste Schritt wäre. Allerdings basiert darauf bekanntermaßen auch die sportliche Entwicklung. Und die muss besser werden. Und daran müssen sich die Herren Jarchow, Arnesen und Fink nach dem diesjährigen Transferaufkommen allein messen lassen. Altlasten hin oder her…

In diesem Sinne, bevor ich virtuell auf ein besseres 2013 mit Euch allen anstoße – zunächst einmal bis morgen!
Scholle

P.S.: Vielen Dank noch mal für die netten Geschenke und die vielen lieben Grüße zu Weihnachten! Ich kann nur hoffen, dass Ihr genau so schöne ruhige Tage wie ich hattet! und Euch an meinen sportlichen Wünschen für den HSV 2013 – wenigstens im Stillen – beteiligt habt. Dann sollte doch auch das klappen…

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

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