Monatsarchiv für Dezember 2012

Von Stürmen und lauen Lüftchen

23. Dezember 2012

Teil drei der Hinrunden-Bilanz ist schnell erzählt: 18 Tore in 17 Spielen. Nur Nürnberg, Wolfsburg sowie die Aufsteiger und Abstiegsaspiranten Augsburg und Fürth sind schlechter. 18 Treffer, das ist eine absolut kümmerliche Zahl. Und zugleich eine total ernüchternde Offensiv-Statistik. Wobei zu sagen ist, dass dieser Angriff überwiegend aus nur einer Spitze bestand. Erst mit dem Schalke-Spiel begann (eventuell?) eine neue Zeitrechnung, nämlich die der zwei Angreifer: Artjoms Rudnevs und Maximilian Beister. Beim 3:1-Erfolg über harmlose und unglaublich schwache Schalker hat dieses Duo ja prächtig funktioniert, die Frage wird aber sein, ob es auch im neuen Jahr weiter zwei Spitzen geben wird – und ob die beiden Stürmer dann auch so erfolgreich sein werden? Und noch eine Frage dürfte sich stellen: Hat der HSV für ein Spiel mit zwei Angreifern überhaupt genügend Offensiv-Qualitäten? Ich glaube nein. Es gibt nominell nur drei, mit Heung Min Son, den ich mehr als Stürmer denn als Mittelfeldspieler sehe, vier Leute, die im Angriff spielen können. In dieser Beziehung scheint mir der HSV ein wenig schwach auf der Brust zu sein, zumal es in der Regionalliga-Mannschaft keinen einzigen Angreifer gibt, den man – wenn Not am Mann wäre – bedenkenlos in der Bundesliga spielen lassen könnte. Stürmer sind beim HSV zur echten Mangelware geworden.

Heung Min Son hat mit sechs Treffern ein Drittel der HSV-Tore erzielt. Hätte ich vor der Saison niemals gedacht, aber ganz offenbar zahlt sich das Sondertraining mit dem Papa aus. Wir erinnern uns ja alle: Son zieht von rechts in die Mitte und schießt den Ball mit links in die lange Ecke. Erstmalig hat das in dieser Saison gegen Borussia Dortmund funktioniert. Ein Traum-Tor! Und das hat mich total verblüfft. Damals habe ich laut in die Runde gefragt: „Wo hat er den denn hergeholt?“ Inzwischen weiß ich es – von Papa. Und das hat ja nun schon ein paar Mal geklappt, ist also kein Zufall. Durch diese Tore hat Son auf sich aufmerksam gemacht, bis nach England hat es sich herumgesprochen, dass der HSV einen jungen Südkoreaner hat . . . Aber bevor Son auf die Insel rübermacht, muss noch viel passieren. Sein Zweikampf-Verhalten ähnelt immer noch einem Jugendspieler, und bevor er das nicht abgestellt hat (kann der Papa da auch helfen?), wird er auch kein Engländer. Ganz sicher nicht. Naja, also, ich sollte mich schon sehr täuschen. Bislang hat sich Son bei mir die Note vier erspielt.

Marcus Berg genoss zu Saisonbeginn das Vertrauen des Trainers, was mich total überraschte. Total. Denn eine Grundlage dafür hatte ich vorher nicht erkennen können. Es sei denn, es war die pure Verzweiflung eines Trainers, der die Auswahl unter keinem so richtig erstligatauglichen Stürmer hatte. Eene meene muh, und raus bist du! So muss es gewesen sein. Marcus Berg konnte das Vertrauen jedenfalls nicht rechtfertigen und sitzt seit Wochen nur noch auf der Bank. Und da wird er meiner Meinung nach auch sitzen bleiben, denn es lang ganz einfach nicht. Und es wird auch in Zukunft nicht langen. Das haben doch schon diverse Vereine in den Niederlanden erkannt, denn dort spielte Berg ja schon mehrfach auf, hätte sich also mit guten Leistungen anbeten können, doch alle Klubs winkten ab. Sodass der HSV wieder „zugreifen“ musste. Bislang hat sich Berg bei mir lediglich Note fünf erstürmt.

Artjoms Rudnevs brauchte eine längere Akklimatisierungs-Phase, kam zu Beginn der Saison nicht in Tritt und saß nur auf der Bank. Die Bezeichnung „Fehleinkauf“ machte hier und dort schon die Runde, doch als Berg schwächelte und schwächelte, da kam der Lette zu seiner Chance – und nutzte sie. Fußballerisch hat er nach wie vor Defizite, aber er setzt sich für die Mannschaft ein, ist unterwegs, geht auch dorthin, wo es (ihm) wehtut, und er schießt Tore. Auch er hat sechs auf seinem Konnte, auch ein Drittel aller HSV-Treffer – und bei ihm bin ich mir mittlerweile sicher, dass er es am Saisonende mindestens auf eine zweistellige Zahl gebracht hat. In Hamburg sind bislang nicht viele von den Fußball-Künsten des Letten überzeugt, aber alle halten sie eisern zu ihm. Und von den „Alt-Internationalen“ des HSV sind auch alle – uneingeschränkt – dazu bereit, ihm weiterhin eine etwas längere Anpassungshase zu genehmigen. Rudnevs hat sich bislang beim mir die Note drei erspielt.

Maximilian Beister hatte ebenfalls eine sehr schwierige Startphase, in der er sich mehr in der Zuschauerrolle befand. Beisters Rückhol-Aktion von Fortuna Düsseldorf ein Missverständnis? Fast schien es so, die Skeptiker nahmen von Woche zu Woche zu. Allerdings verloren zwei Menschen nie den Glauben an die stürmischen Fähigkeiten des Lüneburgers: Thorsten Fink und – Beister selbst. Der Junge hat ein schwer zu erschütterndes Selbstbewusstsein, der weiß was er kann, auch wenn es den meisten oft im Verborgenen geblieben ist (in den ersten Monaten). Dieses selbstbewusste Art ist ganz sicher auch ein Trumpf von „Maxi“ Beister, er lässt (in der Öffentlichkeit) niemals Zweifel an seinen Fähigkeiten aufkommen, und das hat sicher dafür gesorgt, dass er sich gegen Ende der Hinrunde in der Mannschaft „festgebissen“ hat. Für mich ist Beister der beste Angreifer des HSV, er hat sich bei mir bislang die Note drei plus erspielt.

So, mit den Spielern bin ich nun durch, es folgen noch die Verantwortlichen – aber zunächst einmal, wahrscheinlich in zwei Teilen, mein Weihnachtsgedicht. Zunächst aber noch einmal auch heute wieder ein herzliches Dankeschön für die zahlreichen Weihnachtswünsche, die Frau M. und ich von euch erhalten haben. Es war zwar nicht bei allen ein Anhang dabei (wo ein Anhang sein sollte), aber ich werte es mal ebenfalls als Weihnachtsgruß.

Wobei ich eines schnell mal sagen muss: Es gab viele schöne und tolle Weihnachtsgrüße, aber auch eine ganz besondere Weihnachtskarte. Von der Familie Seeler. Besonders überrascht war ich aber deshalb, weil der Brief mit einer (wirklich!) Uwe-Seeler-Briefmarke freigemacht worden war. Eine echte Uwe-Seeler-Briefmarke, diesen Umschlag (natürlich auch die Karte) werde ich in ein Fußballalbum aufnehmen – eine absolute Rarität . Denke ich mal. Ich wusste nicht, dass es überhaupt eine Uwe-Seeler-Briefmarke gibt, aber sie ist toll, einfach nur toll. Vielen Dank dafür, liebe Familie Seeler. Und allen ein wunderschönes Weihnachtsfest!

17.33 Uhr

Arslan – der Aufsteiger im Mittelfeld

22. Dezember 2012

Teil zwei der Hinrunden-Bilanz, diesmal ist das breit gesetzte Mittelfeld dran. Wobei ich mir Heung Min Son bis morgen aufsparen werde, weil ich ihn eher als Stürmer sehe, denn als Mittelfeldmann. Und einen Mann, auf den ich mich schon sehr freue, muss ich leider noch total außen vor lassen, das ist der Karlsruher Hakan Calhanoglu. Der Türke ist für den Sommer 2013 verpflichtet worden, es gab zuletzt schon Stimmen in Hamburg zu hören, die es befürworten würden, wenn das große Talent noch eine weitere Saison beim KSC verbleiben würde, aber da stimme ich nicht mit ein. Diejenigen, die so etwas denken, glauben fest daran, dass er es nicht auf Anhieb schaffen wird, sich in Hamburg zu behaupten – weil die Konkurrenz gerade im Mittelfeld so riesig sein. Allein an Rafael van der Vaart, Petr Jiracek und Milan Badelj vorbei zu ziehen, sei unmöglich. Ich sage: abwarten! Ich traue Calhanoglu alles zu, auch dass er zur großen Überraschung der Saison 2013/14 wird.
So, und los geht es nun mit jenen Mittelfeldmännern, die bereits beim HSV sind. Die Reihenfolge habe ich willkürlich gewählt.

Jacopo Sala schien einst auf einem sehr guten, nein auf einem guten Weg zu sein. Und dann kam der Knick. Bislang ist der Italiener noch nicht wieder aus der Versenkung aufgetaucht, dazu müsste wohl auch ein keines Umdenken bei ihm erfolgen. Er „hing“ zuletzt sehr oft mit Jeffrey Bruma herum, zwei Leidensgenossen, die sich eventuell zu trösten versuchen, die mir aber (ich schrieb es schon bei dem Niederländer) zu oft ein wenig „in die falsche Richtung“ lachen. Soll heißen, dass sie eher schon ein wenig resignieren – sie „blödeln“ gemeinsam, statt Gas zu geben. Deswegen glaube ich nicht mehr, dass Sala noch einmal kommen wird – obwohl ich froh wäre, wenn es dann doch ganz anders käme. Denn Fußball spielen, das kann der Italiener ganz sicher. Aber mit dem Ball umgehen ist eine Sache, die richtige Einstellung auf den Rasen zu bringen, die andere. Letzteres stimmt bei ihm leider nicht (mehr).

Tomas Rincon startete mit einer langwierigen Verletzung in die Saison, war dadurch schon mal schwer gehandicapt. Den Rückstand holte er nicht mehr auf, auch wenn er zuletzt zu einigen Einsatz gekommen ist. Ich hatte mir, nach seiner sehr guten Copa America, viel von „Popeye“ erhofft, aber er konnte es nicht zeigen. Insgesamt denke ich, dass Rincon beim HSV schon mal besser gespielt hat. Dabei traute ich ihm mal zu, in Hamburg eine Art „Mini-Gattuso“ werden zu können – von dieser Hoffnung bin ich aber schon seit längerer Zeit weit entfernt. Das wird vielleicht auch deshalb nichts mehr, weil Rincon sich zu sehr auf das Zerstören festgelegt hat – und ein solcher Spielertyp ist im heutigen, modernen Fußball eigentlich kaum noch zu finden. Schade eigentlich.

Tolgay Arslan war der Aufsteiger der Saison. Es ist schon rauf und runter geschrieben worden, ich kann mich dem nur noch einmal anschließen. Und ich muss zugeben, dass ich ihm die „Sechs“ niemals zugetraut habe. Nie. Weil Arslan für mich ein schön spielender „Daddelbruder“ war, in diese Schublade hatte ich ihn schon immer gesteckt. Dass er, wie er nun zeigt, auch beißen kann, dass er ein defensives Auge hat – alle Achtung und ein riesiges Kompliment, ich hätte es nicht gedacht. Nur muss er jetzt so weiter „beißen“, nicht ausruhen, nicht zurücklehnen und glauben, dass man es schon geschafft hätte. Das wäre genau so tödlich, wie noch sein gelegentlicher Hang zum „Abheben“. Nach zwei, drei gelungenen Szenen packt er die Trickkiste aus: Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Lässig, ganz lässig, nachlässig. So aber geht es nicht, weil man sich das in der Bundesliga einfach nicht erlauben kann. Es ist zu durchschaubar. Und durch solche überheblichen Aktionen reißt Arslan mit dem Hintern wieder alles um, was er sich vorher mit den Füßen erarbeitet hat.

Robert Tesche ist für mich ein Glückspilz. Dass ihm sein Vertrag noch einmal verlängert wurde, das ist für mich – und nicht nur für mich – noch immer unfassbar. Es zeigt aber, dass auch ein Sportchef (und ein Trainer?) nicht unfehlbar sind. Der Spatz in der Hand, und der Tesche auf dem Platz – das muss wohl das Motto damals gewesen sein. Hier irrte der Herr Arnesen. Robert Tesche trainiert zwar in den meisten Fällen gut, oftmals sogar sehr gut, aber auf dem Rasen bei Bundesliga-Spielen konnte er diese Leistungen nie, wirklich nie wiederholen. Leider. Ihm fehlt die Einstellung zum Profi-Fußballer, der richtige Biss – er hat auch, so sehe ich das, nicht das nötige Fußball-Temperament.

Ivo Ilicevic war einst meine ganz große HSV-Hoffnung. Weil er in Kaiserslautern Spitzen-Leistungen gebracht hat, weil ihn einst auch der große FC Bayern auf dem Zettel hatte – aber denkste! Bislang kam nicht vom kleinen Flügelflitzer, ich befürchte, dass er als eines der größten HSV-Missverständnisse in die Bundesliga-Geschichte eingehen wird. Leider, leider, ich hätte ihm in Hamburg die Karriere als „Überflieger“ gegönnt. Heute denke ich aber, dass dieses Thema abgehakt ist. Deswegen täte ihm ein Vereinswechsel bestimmt gut, eine neue Herausforderung könnte ihn noch einmal anstacheln, sein wahres Können zu zeigen. Könnte.

Per Ciljan Skjelbred schien lange auf dem falschen Weg – warum auch immer? Es kam nicht, von ihm hieß es im Volkspark schon sehr, sehr oft: „Fehleinkauf.“ Dabei hatte sich Frank Arnesen einst so viel von dem kleinen Norweger versprochen. Zuletzt, erst zuletzt, hat es der Blonde aus dem hohen Norden wenigstens ansatzweise gezeigt, was in ihm steckt, was in ihm stecken könnte. Zufall? Kann ich nicht glauben, aber im letzten Spiel des Jahres, beim 0:3 gegen Leverkusen, spielte Skjelbred so – ja, so wie immer, so wie vorher. Und so reicht es nicht. Nicht in der Bundesliga, nicht beim HSV. Er sollte sich mit einem Tapetenwechsel anfreunden, ich denke, es ist für ihn der bessere Weg. Vielleicht zurück in die Heimat, wo er wieder regelmäßig zum Einsatz kommen wird.

Christian Nörgaard galt und gilt als großes Talent, bislang konnte er es nicht unter Beweis stellen. War zuletzt auch lange verletzt, obwohl es sicher nichts an seiner Situation geändert hätte – er konnte sich bislang noch nicht in den Vordergrund spielen oder sich aufdrängen. Doch von solchen Talenten hat der HSV schon so viele gehabt, und einige von ihnen haben dann doch noch ihr Glück woanders gefunden. Deswegen habe ich immer noch die Hoffnung, dass es Nörgaard eines Tages doch noch schaffen kann. Abschreiben werde ich ihn noch lange nicht.

Gojko Kacar dagegen steht wohl vor dem Gang zu einem anderen Verein. Hannover 96? Die Bild schrieb ja heute, dass es für ihn nur 500 000 Euro geben würde, aber diese Summe ist lachhaft. Auch deshalb, weil der HSV vor zweieinhalb Jahren noch 5,5 Millionen an Hertha BSC bezahlt hat. Kacar hat hier viel Pech gehabt – und er hat ganz sicher auch nicht so gut gespielt, wie einst in Berlin. Das HSV-Phänomen. Mir gefiel der Serbe in seiner Hamburger Zeit als Innenverteidiger am besten, weil er gut zerstören kann, weil er eng und mutig am Mann arbeitet, weil er kopfballstark ist, und weil er den Ball auch einigermaßen nach vorne spielen kann. Er wirkt gelegentlich langsam, auch gedanklich, aber trotz allem hat er seine Qualitäten. Und deswegen hoffe ich, dass ihn der HSV nicht verschenken wird – auch wenn dadurch ein (nicht zu kleines) Gehalt eingespart werden könnte.

Matti Steinmann ist auch ein Talent wie Christian Nörgaard, doch um das vielleicht größte HSV-Talent derzeit (so hieß es im Herbst immer wieder) ist es ruhig geworden. Nicht nur wegen der Verletzung zuletzt. Steinmann treibt seine schulische Ausbildung voran (auch wichtig!), konnte deswegen nicht oft mit den Profis trainieren – verlor vielleicht auch deshalb seine Form in der Regionalliga-Mannschaft. Sah ich ihn dort, dann habe ich ihn nicht allzu oft in Erscheinung treten sehen – eher war das Gegenteil der Fall. Aber, wie im „Fall Nörgaard“ gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, vielleicht entwickelt sich da ja noch was. Vielleicht. Obwohl das schon sehr bald passieren müsste.

Milan Badelj kam, sah und siegte. Er war auf Anhieb eine große Verstärkung, und die Einschätzung, die hier bei „Matz ab“ erst vor einigen Tagen Horst Hrubesch über den Mittelfeldspieler abgab, teile ich absolut und zu 100 Prozent. Stark am Ball, hervorragendes Auge, er antizipiert großartig, und er kann den klugen, den überraschenden und öffnenden Pass spielen. Im HSV haben sie ja Angst davor, dass er schon bald von einem „Großen“ geschluckt werden könnte, doch diese Angst habe ich im Moment noch nicht. Weil Badelj da doch ein wenig Tempo fehlt – für den ganz großen europäischen Spitzen-Fußball.

Petr Jiracek hat sich leider zu einem Pechvogel entwickelt. Erst die unberechtigte Rote Karte am dritten Spieltag in Frankfurt, dann die schwere und langwierige Schambein-Verletzung das ist bitter, ganz bitter. Zumal dann, wenn man ihn immer noch bei der EM 2012 vor Augen hat, wie er durch das Mittelfeld der Tschechen wirbelte. Hoffentlich hat er seine Leidenszeit bald beendet, und bleibt er dann verletzungsfrei, dann wird er auch schon bald (und auf Dauer) eine dominierenden Rolle im HSV-Mittelfeld spielen können. Davon bin ich restlos überzeugt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch bei mir.

Rafael van der Vaart ist für mich der „Retter“ des HSV. Wieso das? Werden sich jetzt sicher einige (oder viele) fragen, aber das will ich erklären. Wir alle haben uns um diesen (schwachen) HSV große (Abstiegs-)Sorgen gemacht, bevor der „kleine Engel“ wieder zurück an die Elbe gekommen ist. Als er aber wieder im Volkspark aufdribbelte, da rissen sich fortan sämtliche Mitspieler (viel mehr) zusammen, sie trainierten konzentrierter, spielten viel besser (Paradebeispiel Arslan!) – weil sich niemand eine Blöße vor dem großen „Raffa“ geben wollte. Der hätte sonst ja mal in die Runde fragen können: „Was ist das denn für einer? Wer hat den verpflichtet, was will denn der HSV mit dem?“ Van der Vaart hat für einen Ruck in diesem angeschlagenen HSV gesorgt, und das ist ihm hoch anzurechnen. Auch wenn er mich fußballerisch noch nicht voll überzeugen konnte. Er selbst hat mal in der Bild über sich gesagt: „Ich spiele bislang nur Bild-Note vier.“ Stimmt, Volltreffer! Aber das liegt auch am System, auch an den Nebenspielern. Wenn ein Rafael van der Vaart mehr grätschen muss, als sich um den Spielaufbau verdient zu machen, dann weiß man, dass etwas falsch läuft. Der Niederländer verrichtet mehr „Drecksarbeit“ als erwartet – und ihm sicher auch lieb ist. Aber das im Moment eben noch in dieser HSV-Mannschaft erforderlich. Vielleicht ändert sich das noch (oder bald?), woran ich allerdings nicht glaube – aber eigentlich war doch der „Raffa“ von dem Herrn Kühne als Spielgestalter, als Regisseur gedacht und eingekauft worden. Eigentlich. Aber im Fußball, oder auch im Fußball, kommt es gelegentlich mal anders als man denkt – und beim HSV erst recht.

So, morgen ist dann die Hamburger Offensiv-Abteilung dran – und danach wird auch über die Offiziellen (Vorstand, Trainer, AR) – wie versprochen – geschrieben. Zunächst aber wünsche ich euch und euren Lieben einen schönen vierten Advent.

Und, ganz schnell noch, auch heute wieder ein großes und herzliches Dankeschön für die viele Weihnachtspost, die Frau M. und mich erreicht hat. Ihr seid großartig, vielen, vielen Dank!

16.49 Uhr

Die HSV-Defensive unter der Lupe

21. Dezember 2012

Andere (Zeitungen, Fernsehen, Journale) hören damit auf, wir legen damit los: mit der Beurteilung der HSV-Hinrunde. Jeder Spieler wird von mir unter die Lupe genommen und beurteilt, das hat schon Tradition. Sonst haben „Scholle“ und ich das abwechselnd gemacht, aber der Vater in spe hat Urlaub genommen, also werde ich es diesmal alleine schaffen müssen. Und keine Angst, es geht auch – natürlich. Der Start wird jetzt mit der Defensive erfolgen, und darin enthalten sind natürlich auch die Torhüter.

Jaroslav Drobny ist die Nummer eins des HSV, mit dem tschechischen Nationalkeeper lege ich los. „Jaro“ kann nicht glücklich sein, weil er nur der Ersatzmann ist, und er ist es auch ganz bestimmt nicht. Dennoch, beim Training sieht man ihn oft lachen – es muss Galgenhumor sein. Weil er im Grunde genommen fertig ist mit dem HSV. Was man wiederum auch bei den Trainingseinheiten nicht sehen kann, denn er lässt sich ganz gewiss nicht hängen. Und das finde ich geradezu fantastisch – und vorbildlich. Gespannt bin ich allerdings, ob dem guten „Jaro“, der seit einem Jahr (oder schon länger?) nicht mehr mit der Presse spricht (bis auf die Vorstellung von Landsmann Petr Jiracek), die ganze Situation dann doch mal auf den Keks geht – und er seine Konsequenzen zieht. Und den Verein wechselt. Angebote müsste er eigentlich genug erhalten, denn seine Klasse hat er in der vergangenen Saison oftmals bewiesen.

Rene Adler ist mit der Rückennummer 15 die Nummer eins des HSV – und das ist wörtlich zu nehmen. Adler ist einfach nur klasse, und zwar in allen Lebenslagen. Dass er im Tor sensationell gut ist, davon konnte sich in Hamburg bereits jeder überzeugen. Der Mann scheint mitunter acht Arme zu haben – und wie er dazu fliegt, wie er abhebt, wie er durch die Lüfte segelt – unglaublich. Hinzu kommt, dass dieser Rene Adler auch ein Vorbild-Profi ist, der eine hervorragende Einstellung zu seinem „Job“ mitbringt, und noch ein wenig höher ist zu bewerten, dass der Nationaltorwart auch ein großartiger Mensch ist. Das „Gesamtpaket“ Adler, wie ich es mal nennen möchte, ist in sich zu 100 Prozent stimmig, ich glaube, dass der einer der besten Neueinkäufe des HSV in den letzten 30 Jahren ist. Für die Nummer 15 gibt es von mir eine dicke Eins.

Tom Mickel kann sich, wenn er nicht gerade bei der Zweiten (in der Regionalliga spielt), nur im Training zeigen. Und das tut er. Sehr gut sogar. Geht es nach den Leistungen während der Woche, hätte ich keinerlei Probleme, wenn er einmal als Ersatzmann zwischen die Pfosten müsste. Er könnte es, keine Frage. Allerdings, und das hat er dann auch in der Regionalliga-Mannschaft gezeigt, dürfte es an Spielpraxis mangeln – daran hapert es natürlich. Und das ist beim einem Torhüter noch von viel größerer Bedeutung, als bei einem Feldspieler. Ich bin auch bei Mickel gespannt, wie lange er sich noch das „fünfte Rad am Wagen“ antun wird.

Sven Neuhaus ist der vierte Mann unter den HSV-Torhütern und hat quasi keine Chance auf einen Einsatz in der Bundesliga. Schade eigentlich, denn er zeigt auch im Training, dass er es drauf hätte. Ich tippe mal, dass es seine letzte Saison beim HSV sein wird – oder er geht eventuelle auch schon in diesem Winter. Über Neuhaus kann ich auch nur das Beste sagen, er hatte bei „Matz ab live“ einen großartigen und überaus sympathischen Auftritt – er passt eigentlich sehr gut zum HSV, bis auf die Tatsache, dass er auf Dauer nur ein „Trainings-Weltmeister“ sein wird.

Dennis Diekmeier hat sich in dieser Spielzeit „berappelt“ und gezeigt, warum ihn der HSV eins als großes Verteidiger-Talent aus Nürnberg an die Elbe geholt hat. Keine Frage ist, dass Diekmeier zugelegt hat, dass er deutlich besser geworden ist. Keine Frage ist aber auch, dass er noch zulegen muss. Und zwar offensiv wie defensiv. Er muss noch an sich arbeiten, und wenn das beim HSV nicht erkannt (und gemacht wird), dann muss er selbst dafür sorgen. Sonst steht er eines Tages mit leeren Händen im Volkspark und sagt: „Ich war mein ein Talent, aber ich habe nichts daraus gemacht. Und die Nationalmannschaft habe ich auch nur im Fernsehen gesehen.“ Also, da muss noch mehr kommen, auch viel mehr Eigeninitiative. Als junger Spieler sollte man, das höre ich von den “Alten” immer wieder, nicht schon damit zufrieden sein, dass man es bis zum HSV geschafft hat. Wie hat Ditmar Jakobs früher immer gesagt: “Weiter, weiter, immer weiter . . .”

Michael Mancienne hatte seinen absoluten Tiefpunkt in Frankfurt, als ihm bei der 2:3-Niederlage Knoten in die Beine gespielt wurden. Was anschließend passierte, ist für mich eine Art Wunder. Der Engländer ging zum Trainer in die Kabine und entschuldigte sich nicht nur für diesen unterirdischen Auftritt, sondern versprach auch gleichzeitig, dass es so etwas nie wieder geben würde. Und? Er hielt Wort. Bislang jedenfalls. Auch Mancienne ist einer der Aufsteiger der Saison, auch wenn für ihn gilt: Da muss noch mehr kommen, da ist noch Luft nach oben.

Heiko Westermann ist inzwischen aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Der Kapitän ist für mich ebenfalls eine glatte Eins, und das gilt für seine Leistungen auf dem Platz – als auch für seine Auftritte als Kapitän in den Katakomben der Arena. Wie sich Westermann, der sich 90 Minuten lang für sein Team (und den HSV) zerreißt, an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat, das ist phänomenal, das ist auch vorbildlich. Er hat es allen gezeigt, auch seinen größten Kritikern – die inzwischen schweigen und längst nicht mehr pfeifen.

Marcell Jansen ist ebenfalls eine positive Überraschung dieser Saison. Um „Jogi“ Löw zu gefallen (?), um wieder eine Chance in der Nationalmannschaft zu erhalten, spielt er nun wieder Linksverteidiger. Ich hatte meine Vorbehalte, das gebe ich gerne zu, aber Jansen hat gezeigt, dass er kann – wenn er will. Und jetzt will er plötzlich. Er kämpft, er grätscht, er geht zur Sache – verzichtet fast ganz auf seinen ehemals gezeigten Alibi-Fußball. Nur so geht es. Und jetzt muss er beweisen, dass er gewillt ist, diese Leistungen auch über eine ganze Saison zu bringen. Es wäre zu seinem persönlichen Vorteil, auch zum Vorteil für Trainer Fink und somit auch für den HSV. Wenn Jansen von großen Verletzungen verschont bleibt, dann steht ihm eigentlich nichts im Wege, weiterhin 100 Prozent zu geben. Er muss es, denn sonst dürfte er auch wieder draußen (oder nur weiter vorne?) sein.

Dennis Aogo war zu Saisonbeginn erkrankt, fiel längere Zeit aus – und verlor seinen Stammplatz an Marcell Jansen. Viel Pech für den Nationalspieler, der es nun im Mittelfeld versuchen muss. Und da seine Sache nicht nur nicht schlecht macht, sondern sehr, sehr gut. Was ihm dennoch nicht sonderlich gefallen dürfte, weil er in der Nationalmannschaft mit Sicherheit niemals einen Platz im Mittelfeld erhalten wird. Deswegen hängt Aogo immer noch an „hinten links“, und ich bin gespannt, wie es in diesem Duell (mit Jansen) bis zum Sommer weitergehen wird. Dass Aogo ein absoluter Teamplayer ist, das beweist er in den Spielen, denn er rennt in erster Linie für die Mannschaft. So war er schon immer, was leider nicht allen HSV-Fans aufgefallen ist. Auch in den schlechtesten Zeiten des HSV war Aogo immer bemüht, etwas für diese Mannschaft und für dieses Team zu tun. Und das ist vielleicht auch sein großer Nachteil. Eventuell sollte er mal nur an sich denken, oder auf jeden Fall viel mehr, denn wenn er an sich denken würde, dann würde er feststellen, dass er – wie im „Fall Diekmeier“ viel mehr für sich selbst tun müsste. Auch in seinem „Fall“ gilt: Tut es keiner vom HSV für ihn, dann muss er es selbst für sich tun. Und da gibt es durchaus Beispiele, die es ihm vorgemacht haben.

Zhi Gin Lam ist ein Talent, Thorsten Fink ist davon überzeugt, dass er auch ein Verteidiger-Talent ist – ich bin es nicht. Und es dürfte auch noch lange, lange dauern, ehe ich davon überzeugt sein werde. Ich glaube sogar, dass es diesen Tag (und dieses Aha-Erlebnis – für mich) niemals geben wird. Es wird meiner Ansicht nach keinen zweiten „Philipp Lahm“ in der Bundesliga geben, auch wenn es ein Weihnachtswunsch von Thorsten Fink ist. Unserem HSV-Lam fehlt die körperliche Bereitschaft, „hinten links“ zur Sache gehen zu können. Das mag ja noch kommen, aber im Moment ist noch nicht viel davon zu erkennen.

Paul Scharner kam – und war verletzt. Und als er fit war, da sah er Rot. Welch ein dramatischer Saisonverlauf für den Österreicher, von dem ich mir zu Saisonbeginn doch so einiges erhofft hatte. Ich hatte den Nationalspieler Scharner mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, aber davon ist nichts, absolut nichts übrig geblieben. Aber was noch nicht war, dass kann ja vielleicht noch einmal kommen. Er müsste nur sein Temperament zügeln, sonst dürfte es noch mehr Erlebnisse geben, die diese Rote Karte in Freiburg. Wenn Scharner noch einmal (s)einen Fußball-Frühling erleben will, dann muss er in diesem Punkt an sich arbeiten – und zwar ganz hart. Härte allein macht es eben nicht in der Bundesliga, dazu gehört auch ein gutes Auge. Das hat er bislang noch nicht gezeigt.

Jeffrey Bruma hätte eigentlich alles, um in dieser HSV-Mannschaft Stammspieler zu sein – nur zeigt er es viel zu selten. Phasenweise sogar gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass er es noch nicht kapiert hat, dass er im Begriff ist, eine großartige Karriere zu verschenken. Es nützt nichts, dabei zu sein. Und es nützt auch nichts, zu resignieren und mit einem gelegentlichen Anflug von Galgenhumor durch den Trainings-Alltag zu gehen. Lernt er es nicht, dass er beißen muss, dass er kämpfen muss, dass er dem Trainer eine hundertprozentige Einstellung zeigen muss, dann wird er – auf jeden Fall in Hamburg – auf der Strecke bleiben. Was für mich ein Jammer wäre, denn – wie gesagt – er hätte allemal das Zeug dazu, Stammspieler dieser Mannschaft zu sein. Nur Einstellung muss er lernen – aber schafft er das noch? Ich habe meine Zweifel.

Slobodan Rajkovic kam als „harter Hund“ zum HSV, trat in einem Training auch (gegen Heung Min Son) als ein solcher auf, war danach auch in einem Abendblatt-Interview ganz hart (gegen den Trainer) – und hatte damit seine Zukunft in Hamburg schon verspielt. Bedauerlich. Er hat die gesamte Situation unterschätzt, er hätte weder das eine noch das andere tun dürfen – er weiß es heute selbst am besten. Jetzt allerdings ist es zu spät, die Gräben wird er nicht mehr zuschütten können – er wird wohl im Winter gehen müssen – in diesem Winter.

Janek Sternberg ist ein Talent aus der Regionalliga, kam aber über diese Rolle (ein Talent zu sein), nie hinaus. Und wenn er bei Rodolfo Cardoso (in der Zweiten) spielt, dann müsste er sich in meinen Augen viel mehr abheben – um mal eine Chance „ganz oben“ erhalten zu können. Das ist bislang aber (noch) nicht passiert, er muss sich viel mehr ins Zeug legen, muss auch körperlich noch zulegen.

So, das war die Abwehr (oder die Defensive) des HSV, morgen folgt das Mittelfeld.

Kurz noch in eigener Sache, zum Thema Post für Matz. Vielen, vielen Dank für die viele Weihnachtspost, die ich von euch erhalten habe, ob nach Hause oder in die Firma – das ist einfach überwältigend. Ich werde ganz sicher nicht allen antworten können, deswegen möchte ich mich auf diesem Wege bedanken. Ich freue mich tierisch darüber, ihr seid einfach nur klasse, das ist alles ein Traum, das ist gigantisch und sensationell! Danke, danke, danke.

Und dann gab es natürlich auch jede Menge normaler Posts. So wie die von unserem „Mainzelmännchen“ (sorry, Horst!), von Horst Schlau:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

war nicht mal davon die Rede, dass ihr nach dem letzten Punktspiel auf die bevorstehende Mitgliederversammlung eingehen wollt ???
Oder auf die Kandidaten ???
Oder ist euch das Thema zu heiß ???
Gruß horst :-)

Dazu möchte ich sagen: alles zu seiner Zeit. Haben wir jetzt schon Januar? Nein, der Franz würde fragen: „Na, is denn jetz scho Weihnachten?“ Der „Scholle“, der übrigens dieses Versprechen abgegeben hat, wird sich des Themas annehmen. Wahrscheinlich zwischen den Festtagen. Täglich „Matz ab“, ihr wisst ja . . .

Schnell noch eine Ergänzung zu meinem Abendblatt-Artikel von heute. Weil ich verschiedentlich schon geflachst wurde, dass mein Jugendtrainer vergeblich mit mir Sonderschichten eingelegt hat – ich habe es ja nicht geschafft, ein Fußballer zu werden. Das mag stimmen, ich gebe es ja auch – teilweise – zu. Immerhin stand ich mal in einem Jahresbuch des “Kicker”, als dort alle Regionalliga-Mannschaften vorgestellt wurden. Ich war im Kader von BU, und die Regionalliga war damals Zweite Liga (hinter der Bundesliga). Aber bevor jemand nachblättert, ob ich jemals ein Regionalliga-Spiel für BU gemacht habe: nein! Nur Freundschaftsspiele. Und irgendwann bin ich dann aus disziplinarischen Gründen aus dem Verein geflogen – und zum Wandsbeker FC in die Bezirksliga gegangen, mit dem wir dann über die Landesliga in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen. Dann stoppte ein Trainingsunfall (Schien- und Wadenbeinbruch, alle Bänder durch) meine “große Karriere”.
Sonst noch Fragen?

Jetzt soll es feierlich werden:
Zu den Festtagen wird es dann auch wieder ein Gedicht von mir geben – auch das ist Tradition. Obwohl ich schon mal vor Neid erblasst bin, obwohl mir doch schon die Show „gestohlen“ worden ist, denn es gab ja schon ein XXXL-Gedicht, und zwar von „Papa@home”.

Großartig, dieses Werk, darüber wird schon in Hamburg gesprochen. Tatsächlich! Und da hier nicht alle „Matz-abber“ die User-Beiträge lesen, möchte ich es noch einmal veröffentlichen. Ein tolles, ein großes Gedicht. Am liebsten würde ich sogar auf meines verzichte . . .

So, der “Papa” schickte folgende Zeilen (die ich nicht verändert oder bearbeitet habe) – nehmt euch bitte eine Tag frei – und Zeit:

“Ich möchte auch gerne einmal auf das Jahr zurückblicken”:

Wie gings dies Jahr dem HSV,
Nicht alles war doch total mau,
So manches war auch richtig gut,
Bei anderen Dingen stieg die Wut.
Wovon ich euch nun jetzt berichte,
Ist meine zweizwölfer HSV-Geschichte.
.
Das Jahr fing ziemlich frostig an,
Weil man davor kaum mal gewann,
Der Fink war mittlerweile da,
Doch schaffens wirs noch bis Europa?
.
Der Start ging ziemlich in die Buchsen,
Weshalb die grauen Haare wuchsen,
Es hieß eindeutig: Abstiegskampf,
Jetzt hieß es kämpfen – mit viel Dampf.
.
Der Dino sollte weiterleben,
Und jeder sollte danach streben,
Es kamen manche schlimme Spiele,
Und Siege gabs nicht wirklich viele.
.
Blockaden oder Trainer raus,
Das alles blieb in Hamburg aus,
Ne Choreo gabs – und keine Flammen,
Alle rückten eng zusammen.
.
Und dann mit allerletzter Kraft,
Wars dann doch gaaaaanz knapp geschafft,
Der Jubel kannte keine Grenze,
Erleichterung in voller Gänze.
.
Das wolln wir nie nochmal erleben,
Und danach wollten alle streben…
.
Es ging rasch in die Sommerpause,
Einer blieb jedoch zu Hause,
Frank Arnesen – er musste suchen,
dabei auch viele Flüge buchen.
.
Wir brauchten Spieler – mehrere,
Und wenn es geht auch bessere,
Rudnevs, Adler und den Beister,
Die Presse meinte – so ein Kleister.
.
„Wie kann man denn bloß sowas kaufen,
Zu schlecht, verletzt – ein müder Haufen“.
.
Dann wollte Kühne Rafa haben,
Dazu ganz nebenbei noch sagen,
Dem Jarchow was er falsches tut,
Worauf nun dieser hatte Wut,
Es sah echt aus wie Kindergarten,
Von Erwachsenen darf man sicher mehr erwarten!
.
Das Thema schien schon bei den Akten,
derweil holte Arnesen noch so’n Beknackten,
Zumindest wenn man der Presse glaubte,
Hatten wir mit Badelj die nächste Graupe.
.
Und Arnesen, der arme Mann,
Sah wie schnell es kommen kann,
Plötzlich war er selbst der Dumme,
Der nur macht Geschäfte, krumme.
.
Die Presse macht oft was sie will,
Und schiesst sich ein mit viel Gebrüll,
Die Story ist das Wichtige,
Die Menschen oft nur das Nichtige.
.
Doch Arni ließ sich nicht beirren,
Von diesen ganzen vielen Wirren.
.
Dann ging sie los, diese Saison,
Doch nach 2 Spielen wars das schon,
Raus im DFB-Pokal,
Kein Punkt, kein Tor – KATASTROPHAL!
.
Noch kein einz’ges Spiel gewonn’,
Doch dafür prügeln sich Rajkovic und Son,
Der Eine redet sich um Kopf und Kragen,
Mit Fink wird er sich erst viel später vertragen.
.
Was sollen wir tun – die Kasse leer,
Ein guter Rat muss schnellstens her:
.
Hr. Jarchow zerrt an Arnis Zopf,
„Wir ham nur noch nen rostgen Knopf,
Die anderen beiden, nebenbei,
liegen jetzt bei Chelsea 2“
.
Doch Jarchow, er erinnert sich:
„Auf meiner mailbox warn da nicht,
Noch viele Anrufe, son Scheiss,
Von Onkel Kühne aus der Schweiz“.
.
„Ich hatts den Wählern doch versprochen,
Und mit dem Mann ja auch gebrochen,
Ich wollte ihn ja ignorieren,
Und mich nicht wieder echauffieren,
Doch jetzt in allerhöchster Not,
Da will ich sein kein Idiot“
.
Carl-Edgar greift zum Telefon:
„dann hol ihn, den verlornen Sohn –
Und eins ist klar, das sag ich dir,
Wir schreiben es auch auf Papier,
Geschenkt will ihn nämlich nicht,
du bist und bleibst ein Bösewicht“
.
Und wenig später – kaum zu Glauben,
In Hamburg große Menschentrauben,
Der kleine Engel schwebte nieder,
Nun hatten wir ihn endlich wieder.
.
Ein dieser Stelle großer Dank,
dass sie letzendlich Ihr Gezank,
Hr. Jarchow und Hr. Kühne haben,
Zum Wohl des Clubs dann doch begraben.
.
Durch Rafa ging ein großer Ruck –
Durchs Team, ganz Hamburg, Rucki-Zuck.
.
Was dieser Mann hat hier vollbracht,
Das hätt kein anderer wohl geschafft,
Bei soviel Druck und soviel Hypen,
Trotz allem auf dem Boden bleiben.
.
Hut ab, dass dieser junge Mann,
Als Star sympathisch bleiben kann,
Und dazu noch kämpft und rennt,
auch guten Fußball nicht verpennt.
.
An die ganze Familie van der Vaart,
wir sind total in euch vernarrt,
Schön dass ihr wieder zu Hause seid,
Und bitte bleibt hier – bis in Ewigkeit.
.
2 Niederlagen folgten noch,
Dann wurds besser, doch, doch, doch,
Wie haben wir es dann genossen,
Den BVB –zack – abgeschossen.
.
Am 6. Spieltag – nach Belieben,
Folgten schon Punkt 5 bis 7,
Und dann an diesem Tag – Hurra,
Wurd’ unser HSV 125 Jahr!
.
Es wurde gefeiert bis tief in die Nacht,
Gesungen, getrunken, gratuliert und gelacht,
Geträumt wurde auch – von der alten Zeit,
Wer weiss – vielleicht ist es ja bald wieder so weit…
.
…Denn Im Campus sollen bald ganz in Ruhe,
Viele Talente schüren Ihre Schuhe,
Die Fans haben es mal wieder getan,
Ihr Geld gegeben für diesen Plan,
Auf diese kann der HSV Vertrauen,
Um wieder in eine gute Zukunft zu schauen.
.
Doch zurück zur Hinrunde, und was noch so war,
Wir verloren nämlich trotzdem – mal hier mal da,
Doch im großen und Ganzen muss man sagen,
Es ging bergauf – da kann man nicht klagen,
24 Punkte und Platz 10,
Und bestimmt wird es nächstes Jahr weiter aufwärts gehn…
.
Ein kleiner Ausblick sei deshalb noch getan,
Was wünsch ich mir, was steht noch an?
.
In Kürze gibts 4 Neue für den Aufsichtsrat,
Ich wünsche Ihnen in der Tat,
Genauso wie den anderen Acht,
Dass endlich wird hier aufgewacht.
.
Dass Interna bleiben endlich geheim,
Und alle arbeiten NUR für diesen Verein,
Dass – auch wenn es ist eine schwere Prozedur,
Man dem HSV verpasst endlich ne moderne Struktur.
.
Dass die Fernwahl in naher Zukunft wird kommen,
Damit eines jeden Fans Stimme wird vernommen,
Denn alle Fans lieben Hamburg zwar sehr,
Doch kommen ganz Viele auch von woanders her,
Es sind nicht viele und weiss Gott nicht die meisten,
Die sich Kosten für Reise & Hotel können leisten,
.
Die besten Entscheidungen in einer Demokratie
Werden gebildet durch DIE Strategie,
Dass möglichst Viele durch Ihre Stimme,
Mitentscheiden wer gewinne,
Und nicht nur wenige darüber bestimmen,
In welche Richtung der HSV wird schwimmen.
.
An alle Handelnden – bitte bedenkt ganz genau
Es heisst nicht „nur Ich“, sondern „nur der HSV“
.
Hr. Carl Edgar Jarchow wünsche ich sehr,
Dass unsere Kasse nicht für immer bleibt leer,
Dass er findet sehr schnell ne Idee,
Das Geld wieder zu mehren – das wäre ok.
.
Und dass er zukünftig nicht mehr dazu neigt,
mit dem Finger auf seinen Vorgänger zeigt,
Denn die anderen Finger derselben Hand,
Zeigen immer auf einen selbst – das ist ja bekannt.
.
Hr. Jarchow ich wünsche dass Sie es schaffen
dass der HSV nie mehr möge erschlaffen,
dass Sie – bei all konstruktiver Kritik,
ihn führen zurück an die Spitze der Republik.
.
Frank Arnesen, achja, das sei noch geschrieben,
Seine Transfers jetzt plötzlich alle lieben,
Noch vor ein paar wenigen Wochen,
Wurde ihm der Sachverstand abgesprochen.
.
Nunja – so schnell gehts heutzutage zu,
Jetzt lassen ihn alle – hoffentlich – mal in Ruh,
Zu wünschen sei ihm für das kommende Jahr,
Dass er – vielleicht schon im Januar,
die Kasse macht mal wieder voll,
Oh ja – das wäre wirklich toll,
Und dass er im kommenden Sommer dann,
Sein dickes Adressbuch wieder benutzen kann.
.
Hr. Fink – ich bin sicher – Sie machen das schon,
Ich wünsch Ihnen, dass sie bleiben, bis zu Ihrer Pension.
Und auch dieses wünsche ich Ihnen:
Dass Sie bringen neuen Glanz in unsere Vitrinen.
.
Denn Träume sind zum träumen da,
Doch mancher Traum wird manchmal wahr,
Durch Fleiß, viel Glück und Kreativität,
Ganz schnell kanns werden Realität…
.
Uns Fans wünsche ich die notwend’ge Geduld,
Es war alles ja nicht unsere Schuld,
Doch der Umbruch war nötig und er braucht nun mal Zeit,
Und bald ist die Truppe sicher wieder so weit,
Dass wir reisen können – ob nach Mailand oder Madrid,
Doch jetzt heisst es erstmal – Schritt für Schritt…
.
Euch allen wünsche ich für 2013,
Dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehn!
.
Eine frohe Weihnacht wünsche ich allen,
Ich hoffe euch hat mein Rückblick gefallen!

17.56 Uhr

Hrubesch: “Man muss einen Plan haben . . .”

20. Dezember 2012

Wie bereits angekündigt, gestern habe ich ein Gespräch mit Horst Hrubesch geführt. Einer der Helden von 1983 – einer meiner ganz großen Helden. Zu ihm habe ich immer aufgeschaut. Und ich muss eines mal sagen, zur Weihnachtszeit wird man ja auch immer ein wenig plauderhafter, dass Horst Hrubesch (hoffentlich habe ich es nicht bereits mal geschrieben – sonst würde ich euch ja nur langweilen . . .) neben Franz Beckenbauer der einzige HSV-Spieler war, den ich immer per Sie begrüßt und gesprochen habe. Auch Uwe Seeler wird nicht geduzt, aber bei Hrubesch hatte das einen speziellen Grund. 1983, nach dem Europapokal-Gewinn, war ich in Ochsenzoll der einzige Mensch, der auf die Athener Helden gewartet hat. Gefeiert wurde die Mannschaft in Hamburg, ich stand in Norderstedt und wartete, wartete, wartet. Dann kamen sie alle. Und gingen in die Kabine – ich wartete weiter.

Irgendwann kam Jürgen „Joschi“ Groh raus, sah mich, hakte mich unter einen Arm und sagte – indem er mich in die Kabine schleppte: „Dieter, du kommst jetzt mit und nimmst einen Schluck aus dem Pokal.“ Gesagt, getan. Unten duschten einige Spieler, einige föhnten ihre Haare, andere saßen auf der Bank und unterhielten sich. Plötzlich trat Horst Hrubesch aus der Dusche hervor und herrschte Groh an: „Joschi, was soll der Scheiß? Du weißt geanu, dass Journalisten hier nichts zu suchen haben. Also raus mit ihm!“ Groh, ein wenig angeheitert (weil er offenbar auch schon aus dem Pokal getrunken hatte), sagte: „Ja, ja, Dieter will nur schnell einen Schluck nehmen, dann geht er auch wieder . . .“ Auch so geschah es. Ein Schluck – und ein (Ab-)Gang, das war eins. Schnell weck – w e c k!

Seit dieser Zeit habe ich einen ganz großen Bogen um Horst Hrubesch gemacht. All die Jahre. Ich hatte vor dem Kopf der Meistermannschaft einen irre großen Respekt. Jahre später, wenn wir uns getroffen haben, habe ich ihn immer per Sie angesprochen. Logisch. Das hielt so bis in etwa vor eineinhalb Jahren. Da telefonierten wir – und Hrubesch duzte mich. Da fragte ich ihn – ganz offiziell: „Sind wir nun eigentlich beim Du – oder beim Sie?“ Er: „Natürlich beim Du. Das habe ich ohnehin nie verstanden, dass du immer Sie gesagt hast. Warum eigentlich?“ Da habe ich ihm erzählt, warum. Er lachte nur und sagte: „Erstens musst du doch keine Angst vor mir haben, und zweitens bist du der Ältere, also hätte das Du von dir kommen müssen . . .“

So haben wir die Du-Kuh nach vielen, vielen Jahren vom Eis bekommen . . .

Und ich bin immer noch ein großer Fan des „Ungeheuers“, der ja unheimlich viel für den HSV und die Raute geleistet hat. Viel ist gar kein Ausdruck, er hat Sensationelles geleistet. Nicht nur wegen seiner Aussage: „Flanke Manni, ich Kopf – Tor.“ Hrubesch war der Leader der besten HSV-Mannschaft aller Zeiten, sein Wort war Gesetz. Und er hat dieses Team in ganz bestimmte Bahnen gelenkt – weil er ein großer Teamplayer ist. Ich verehre ihn, das muss ich gestehen, immer noch sehr, ich habe auch immer noch großen Respekt vor seiner Lebensleistung – und vor seiner Menschlichkeit. Horst Hrubesch, der von einigen Mitspielern (von damals) ja auch „Rübe“ genannt wird, passt einfach in diese Welt. Mehr von dieser Sorte, und es würde uns allen – nicht nur fußballerisch – besser gehen Weil er auch stets einen Blick für den Nebenmann hatte – und immer noch hat. Hermann Rieger, fällt mir ein, würde das zu 100 Prozent bestätigen. Und nicht nur der „Dino“, auch vielen andere denken so. Hrubesch ist einfach eine Erscheinung. Und ich würde es immer noch begrüßen, wenn er beim HSV in irgendeiner Form mitmischen würde. Aber das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben, obwohl ich davon überzeugt bin, dass er dem Klub helfen könnte – und auch würde.

So, das war mein sentimentales Hrubesch-Wort zu Weihnachten. Worüber wir gesprochen haben, das könnt ihr jetzt im folgenden Teil lesen. Nein, stopp, noch nicht. Eines muss ich noch schnell loswerden: Als Matthias Sammer DFB-Sportdirektor wurde, da „biss“ er einige Trainer und deren Helfer schnell mal wech. W e c h. Ist alles nachzulesen. Ich glaube auch, dass Horst Hrubesch auf dieser Streichliste stand – aber dann doch nicht „geköpft“ wurde. Ich sprach darüber einmal mit Sammer, und indirekt bestätigte er mir derartige Überlegungen, aber er sagte auch: „Als ich Horst Hrubesch dann in einem persönlichen Gespräch kennengelernt hatte, da wusste ich, dass er bleiben muss. Er hat mich von seinen großen Fähigkeiten überzeugt. Und ich bin davon immer noch absolut überzeugt.“ Das war noch zu DFB-Zeiten, heute ist Sammer ja bekanntlich ein Bayer und beim Rekordmeister, hat also mit Hrubesch nichts zu tun.

So, nun aber zu unserem Gespräch vom Mittwoch:

Mit dem Abstieg, sagt Horst Hrubesch, hat der HSV nichts mehr zu tun. Das würde auch schon für die nächste Saison gelten. Und das sei beruhigend zu wissen. Überhaupt, er ist zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf, denn er hatte bezüglich dieser Spielzeit mehr oder auch größere Schwierigkeiten für den HSV erwartet. Und er nennt auch einen Grund für diese Prognose: „Für mich sind es aber nicht die beiden letzten Verpflichtungen, die von Rafael van der Vaart und Petr Jiracek, die für die Stabilisierung des Teams gesorgt haben, für mich ist das Milan Badelj. Der Mann hat eine unglaubliche Ruhe in seinem Spiel, ist technisch sehr versiert, er hat viele gute Ideen und hat ein sehr, sehr gutes Auge. Dieser Badelj ist ein riesiger Gewinn für diese Mannschaft.“

Dazu lobt der frühere Nationalstürmer ganz besonders Torwart Rene Adler: „Da hat man jetzt einen Mann zwischen den Pfosten, der die Mannschaft schon mehrfach gerettet hat. Adler hat dem HSV, so denke ich, zwölf Punkte geholt. Und wenn man diese Punkte mal von den bisherigen 24 Punkten abziehen würde, wo würde der HSV dann stehen? Der HSV hat bestimmt einige Spieler dabei, die okay sind, die gut sind, aber es bleibt insgesamt doch noch viel zu tun.“

Horst Hrubesch steht für eine, nein, für die erfolgreichste HSV-Zeit überhaupt. Meisterschaften, Europapokalgewinn, und, und, und. Er hat, daran kann ich mich erinnern, damals stets über den HSV-Erfolg gesagt: „Wir siegen, weil bei uns elf Winner-Typen auf dem Platz stehen.“ Fehlen diese Typen der heutigen Mannschaft? Horst Hrubesch: „Das will ich nicht sagen. Bei uns aber waren es auch nicht elf, das muss ich korrigieren, es waren 18. Und unsere Erfolge basierten nicht auf den Winner-Typen, sondern auf die Leute, die um die Mannschaft herum arbeiteten. Günter Netzer war ein erstklassiger Manager, der seine Vorstellungen vom Spiel dieser Mannschaft personell umsetzte. Dann war Ernst Happel ein riesiger Trainer, dazu war Wolfgang Klein ein hervorragender Präsident. Zu jenen HSV-Zeiten stimmte eben einfach alles im Klub.“

1983 stand der HSV an der Spitze Europas, aber letztlich wurde diese Spitzen-Position wieder verspielt. Höchst bedauerlich. Hrubesch hat auch eine Erklärung dafür: „Da der HSV ein Gesamtverein war, wurde das Geld, das wir eingespielt haben, an alle Abteilungen verteilt. Das ist, im Gegensatz zum FC Bayern, nicht in unsere Mannschaft investiert worden. Bei uns war es deswegen nicht möglich, mich und oder auch Lars Bastrup in Hamburg zu halten – und dazu dann auch noch Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider zu verpflichten. Es ging nur eins, und dafür mussten letztlich wir gehen. Obwohl Happel und Netzer gerne gesehen hätten, dass ich noch ein Jahr bleibe. Aber aus finanziellen Gründen war das nicht möglich.“ Horst Hrubesch weiter: „Es hieß damals oft, es heißt sogar heute noch mitunter, dass wir mit dem Europapokalsieg den Grundstein für einen starken HSV hätten legen müssen, aber das konnten wir nicht, denn dass Geld wurden eben im ganzen Klub verteilt.“

Hrubesch erinnert sich noch an jene Zeit, als er von Rot-Weiß Essen zum HSV gekommen ist. Das war zur Saison 1978/79. „Ich weiß noch ganz genau, dass es damals in Hamburg hieß, dass der HSV nun ein Abstiegskandidat sei. Weil Leute wie Zaczyk, Volkert, Steffenhagen, Keller und Eigl gegangen waren, und weil nur Spieler aus der Zweiten Liga dazu gekommen waren. Wie Wehmeyer, Hartwig, Gorski, Plücken und mir. Und dann wurden wir Meister, das war sensationell. Dazu gehört zwar etwas Glück, aber wir haben uns auch zu einer sehr, sehr guten Mannschaft entwickelt.“

Als Hrubesch und Bastrup gingen, wurden Wuttke und Schatzschneider geholt. Der Europameister von 1980: „Da haben sich in Hamburg alle in den Armen gelegen, weil diese beiden tollen Spieler zum HSV gekommen sind, aber diese beiden Spieler haben letztlich nicht gewusst, worum es beim HSV geht. Was mich, das gebe ich zu, sehr gewurmt hat. Meine ehemaligen Kollegen haben es damals nicht geschafft, Wuttke und Schatzschneider auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Wir hätten das zu meiner Zeit über das Training geregelt, aber das wurde nach meinem Weggang vom HSV nicht mehr so gemacht . . . Leider nicht.“

Dann ging es bergab mit dem HSV.

Heute stehen die Rothosen im Mittelfeld der Bundesliga und setzen auf den Neuaufbau. Horst Hrubesch trainiert beim Deutschen Fußball-Bund die U-18-Nationalmannschaft, hat also stets viele, viele und große Talente um sich herum. Hat der heutige HSV auch Talente, von denen der Fan noch viel erwarten kann? Der DFB-Trainer: „Der HSV hatte und hat immer den einen oder anderen. Nur was ist bislang über geblieben? Maximilian Beister zum Beispiel, der ein großes Talent hatte, wurde für zwei Jahre ausgeliehen, und viele weiter Spieler auch. Einige von diesen Talenten aber würden, wenn sie noch in Hamburg wären, dem HSV heute bestimmt noch gut zu Gesicht stehen.“

Dann fügt er hinzu: „Ich sage ja immer: Wenn du die Zukunft planen willst, dann musst du die Vergangenheit aufarbeiten. Und wenn man in die Vergangenheit gesehen hätte, als Kaltz, Memering, Kargus, Lübeke, später noch Hidien, Krobbach, Hochheimer, Eigl und, und, und, dazu dann Leute wie Wehmeyer, Hartwig und ich – und dass daraus dann eine erfolgreiche Mannschaft geworden ist, das wäre ein Weg gewesen. Denn letztlich wurde doch durch die jungen Leute der Grundstein für eine erfolgreiche HSV-Zeit gelegt. Diese jungen Leute waren hungrig, und wir alle haben viel und hart trainiert, wir sind immer über eine harte und vorbildliche Arbeit – dafür war Branko Zebec bekannt – zu den Erfolgen gekommen, das war der Grund für diese tolle und erfolgreiche Zeit. Und das wäre doch ein gutes Beispiel für die nachfolgenden Generationen gewesen. Wäre . . .“

Heute hat der HSV wieder eine junge Mannschaft. Und kann dieses Team eventuell einmal so explodieren, dass daraus ein Weg wieder zurück in die nationale Spitze wird? So wie zum Beispiel Borussia Dortmund einst explodiert ist? Horst Hrubesch ist skeptisch: „Dazu müsste schon etwas mehr passieren. Dafür müsste zunächst einmal ein Plan vorhanden sein. Du musst einen Weg vorgeben, du musst ein Ziel haben. Und dieses Ziel muss realistisch sein. Für mich wäre es realistisch, dass der HSV sich so festigt, dass man irgendwann mal wieder in Richtung Europa League gehen kann. Das wäre schon mal gut Dazu muss man aber erst mal eine sportliche Bestandsaufnahme machen – und dazu auch von der wirtschaftlichen Seite her. Dann weiß man, wo man steht, und dann kann ein Plan festgelegt werden . . .“

Und wenn man dabei feststellt, dass man kein Geld für Stars oder fertige Spieler hat, dann muss man sich eben um Talente bemühen. Und so eventuell zu seinem Glück gezwungen werden. In etwa versucht es der HSV ja auch heute so, und man wird sehen, wie erfolgreich dieser Weg verfolgt wird – und ob er letztlich zum Erfolg oder zu Erfolgen führen wird.

Am 13. Januar gibt es beim HSV die Wahlen in den Aufsichtsrat. Vier neue Mitglieder werden gewählt. Viele Fans stellen sich zur Wahl. Sorgt sich Horst Hrubesch um die Zusammensetzung des neuen Rates? Er sagt: „Das kann ich nicht einschätzen, und das kann ich ja ohnehin nicht beeinflussen. Das werde ich genauso abwarten müssen, wie es andere machen. Insgesamt ist es doch so: Die Bundesliga hat nachgewiesen, dass mit diesen Strukturen nicht zu arbeiten ist, der HSV ist aber einer der wenigen Vereine, der noch eine solche Struktur hat – oder vielleicht ist er inzwischen auch der einzige.“

Themenwechsel. Wie denkt Horst Hrubesch über Artjoms Rudnevs? „Der Junge muss sich erst noch an die Liga gewöhnen. Er ist nicht der Stürmer, der beweglich ist, der die Bälle vorne festmacht, der Bälle behauptet oder Tore vorbereitet. Ich kann ihn nicht abschließend beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass er arbeitet, dass er viel tun will, der viel gibt, der stets sein Bestes gibt, der immer einsatzbereit ist, der nicht am Boden liegen bleibt, wenn er mal gefoult worden ist – das rechnen ich ihm an, das macht er gut. Ob er letztlich mal 15 Tore in einer Saison schießen wird, das weiß ich nicht.“

Und was hat der HSV an diesem Saisonende erreicht? Hrubesch: „Ich gehe davon aus, dass er dort stehen wird, wo er jetzt auch steht. Ungefähr Platz zehn, vielleicht zwei Plätze nach oben – und wenn es ganz gut läuft, dann kann es auch ein internationaler Platz werden. Wenn es ganz gut läuft. Aber dazu müsste die Mannschaft auch erst einmal konstanter werden. Und es gibt ja immer noch, das darf nicht vergessen werden, in fast allen Mannschaftsteilen Baustellen. Nur im Tor nicht.“

Wie steht Horst Hrubesch der Debatte um die Pyro-Technik in den Stadien gegenüber? „Für mich ist es überhaupt kein Thema, solche Dinge gehören ganz einfach nicht in Fußballstadien. So einfach ist das. Wir haben es doch bei der WM 2006 im eigenen Lande gezeigt, dass es auch ohne geht. Da hat die Welt doch ein Fußball-Fest der ganz besonderen Art erlebt und gefeiert – ganz ohne Bengalos. Es geht doch. Und zum Glück halten ja jetzt auch viele Zuschauer inzwischen dagegen, wenn in einem Stadion gezündelt wird. Das ist doch ein gutes Zeichen.“

Ein gutes Zeichen ist es sicher auch, dass sieben Bundesliga-Klubs in diesem Winter international überwintert haben. Das ist Rekord. Und ein Zeichen für die großartige Entwicklung des deutschen Fußballs? Hrubesch: „Das ist auch ein Zeichen dafür, dass der Weg, den der DFB damals gegangen ist, mit den Landesverbänden, mit den Stützpunkten, mit den Leistungszentren in der Bundesliga, dass das sehr gut war. Aber ich warne davor, dass man annimmt, dass das immer so weiter geht. Man muss weiterhin viel dafür tun, hart dafür arbeiten, es darf sich nicht ausgeruht werden. Im Moment profitieren wir ganz einfach davon, was der DFB, die DFL und die Bundesliga in diesem Punkt vor zehn Jahren unternommen haben. Alle haben sich da eingebracht. Grundsätzlich ist mein Standpunkt, dass man nicht nur über das Talent viel erreicht, sondern man muss hart arbeiten Und man muss sich zu 100 Prozent in die Sache einbringen, nur so geht es, das allein ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Er hört danach auf, zu sprechen. Für eine gewisse Zeit. Und ich denke, er würde wohl gerne noch etwas mehr zu diesem Thema sagen, aber er sagt es nicht. Da schießt es mir durch meinen Kopf: „Vielleicht denkt Horst Hrubesch ja, dass sich heute längst nicht mehr alle zu 100 Prozent in eine Sache einbringen? Nicht nur beim HSV, aber eben auch.“ Er schweigt.

Bis zur nächsten Frage. Ein ganz anderes Thema: Ist der Tod des niederländischen Linienrichters ein Beweis dafür, dass der Fußball brutaler geworden ist? Horst Hrubesch sagt: „Das glaube ich nicht, solche Vorfälle hat es früher auch schon mal gegeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass es in der Häufigkeit eine Steigerung gegeben hat.“

Dann kommen wir zum Schluss. Wie steht Horst Hrubesch zu impulsiven Trainern wie dem Freiburger Christian Streich oder auch dem Mainzer Thomas Tuchel? Sind ihm vielleicht ruhigere Trainer wie zum Beispiel Jupp Heynckes lieber? Hrubesch: „Ich bin froh, dass es solche unterschiedlichen Trainer-Typen gibt. Früher gab es auch einen Christoph Daum. Es waren immer verschiedene Trainer-Typen dabei, das macht den Fußball auch aus – und es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Fußball ist ein einfaches Spiel, aber es gibt unterschiedliche Methoden, um auch erfolgreich zu sein. Mich freut ein Mann wie Christian Streich. Der Mann arbeitet voller Leidenschaft, der Mann hat einen Plan und weiß genau, was er tut. Großartig.“

Ein schönes Schlusswort: großartig!

Obwohl, es gibt da noch zwei Dinge, über die noch geschrieben werden sollte.

Gojko Kacar zum Beispiel steht in Verhandlungen mit Hannover 96. Es soll eine Ablöse von zwei Millionen Euro im Raum stehen. Das wäre schön. Und ein guter Anfang in die Schlussverkaufs-Wochen.

Und dann liegt mir, ich gebe es zu, die Arroganz der Bayern im Magen. Sogar sehr. Hoffentlich verkrafte ich den Puter am ersten Weihnachtsfeiertag. Hoffentlich. Da beschwert sich nämlich nicht nur Fußball-Gott Rummenigge, euer Majestät, über den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (leitete Augsburg – Bayern) in unflätiger Art und Weise, nein, nun mischt sich auch noch die linke Hand des Fußball-Gottes, nämlich Matthias Sammer, ein. Ihn ärgert in der Diskussion, ob die Rote Karte für Franck Ribery gerechtfertigt ist oder nicht (der Franzose wurde für zwei Pokalspiele gesperrt), deshalb besonders, weil nicht über die schlechte Schiedsrichter_Leistung diskutiert wird. Wie bitte? das ist ja unfassbar, das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Spinnen die beim FC Bayern nun total? Nur weil sie die Überflieger der Bundesliga sind? Da fehlt mir jegliches Verständnis. Was sind das nur für Menschen, die da in Bayern, haben die ganz allein für sich gepachtet, den Fußball erfunden zu haben? Die müssten doch ihren Trainer Jupp Heynckes jetzt glatt entlassen, weil dieser es doch gewagt hatte, nicht über den Schiedsrichter (Kinhöfer) zu pöbeln. Der DFB, der große DFB, diszipliniert alle und jeden, wenn es irgendetwas zu disziplinieren gibt, nun sollte er endlich auch mal etwas gegen diese selbstherrlichen Herren des FC Bayern unternehmen. Das geht doch schon lange nicht mehr. Rummenigge hat den Bogen doch schon viel zu oft und zu lange überspannt – und Sammer muss ganz offensichtlich nachziehen, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät.
Nein, so geht es nicht, diese grenzenlose Arroganz muss mal und muss endlich einmal zurückgepfiffen werden.

Ihr Herren vom DFB, zeigt den Jungs aus Bayern mal die Zähne. Oder auch nur mal die Grenzen auf.

PS: Es ist eine Wohltat, dass sich Uli Hoeneß (noch) aus dieser Diskussion heraushält. Er ist eben schlau. Viel schlauer als andere Dummschwätzer.

16.49 Uhr

“Matz-abber” ziehen Halbjahresbilanz

19. Dezember 2012

Das “Ungeheuer” kommt erst morgen . . .

19. Dezember 2012

So, da beim HSV alles im Urlaub ist, da zudem auch ein wenig Weihnachten vor der Tür steht, werde ich übermorgen mit meiner ganz persönlichen Hinserien-Bilanz beginnen. Die hat es in jedem Jahr gegeben, also auch diesmal. Ich werde das, auch wie immer, untereilen in Abwehr, Mittelfeld, Angriff und dazu auch die Verantwortlichen beim HSV.

Und da wir bis eben, kurz nach 19 Uhr, auf „Sendung“ waren, mit „Matz ab live“, ist mir die Zeit davon gelaufen. Ich hatte heute ein Interview mit Horst Hrubesch, mit dem ich natürlich vor allen Dingen über den HSV geplaudert habe. Dieses Gespräch hat fast eine Stunde gedauert, und da das „Kopfball-Ungeheuer“ zu meiner Überraschung den Artikel vorgelegt haben möchte (damit kein Mist drin steht), wird das nun in der vorgegebenen Zeit nichts mehr. Also kann Hrubesch erst am Donnerstag – leider, leider – hier gelesen werden. Aber, das kann ich immerhin versprechen, jeder „Matz abber“ darf sich freuen – es war in meinen Augen ein sehr gutes Gespräch.

Deshalb sorry, dass es das erst morgen geben wird. In Kürze (ein, zwei Stunden) wird aber die HSV-Hinrunden-Bilanz, die „Scholle“ und ich mit den vier „Matz-abbern“ Benno Hafas, Eiche, Ed van der Matt und mit dem Kollauer in den Reihen von Axel Springer Hamburg gezogen haben, veröffentlicht. Wie mir Regisseur Axel Leonhard sagte (und er hat ein Gespür dafür), ist die Sendung sehenswert. Und mit über einer Halbzeit auch etwas länger als die „normalen“ „Matz-ab-live“-Sendungen.

Übrigens: Die vier „Matz-abber“, die mich eben in den Redaktionsräumen besucht haben, die haben mich über die vorerst geplatzte Hrubesch-Geschichte hinweggetröstet, indem sie gesagt haben: „Es gibt ja auch einige – oder einige mehr – die schon gesagt haben, dass nicht jeden tag etwas erscheinen muss . . .“ Es ist aber unser Anspruch, jeden Tag einen Beitrag hier reinzustellen. Und das wird auch weiterhin so sein – und geschehen. Nur kam uns heute die Sendung von „Matz ab live“ ein wenig in die Quere.

19.54 Uhr

Uwe Seeler: “Der HSV ist stabiler geworden”

18. Dezember 2012

Um den Volkspark herum, so habe ich den Eindruck, breitet sich in diesen Tagen doch eine gewisse Zufriedenheit aus. Die Ansprüche sind offenbar gesunken. Platz zehn scheint vielen Fans schon ganz okay, und die meisten sind allein schon deshalb sehr zufrieden, weil es keine Abstiegsgefahr mehr gibt. Auch dank Greuther Fürth und dem FC Augsburg, die dieses fragwürdige Rennen wahrscheinlich schon für sich entschieden haben. Ich habe über das Thema „Zufriedenheit“ heute einmal mit dem deutschen Mittelstürmer-Idol Nummer eins, nämlich Uwe Seeler, gesprochen. Und ihm die Frage gestellt: „Sind auch Sie zufrieden mit dem Verlauf der Hinrunde?“ Der Ehrenspielführer antwortete: „Ich bin insofern zufrieden, dass man keine Angst mehr vor dem Abstieg haben muss. Es stimmt, insgesamt bin ich beruhigt, denn man muss um den HSV nicht mehr so zittern, wie in der vergangenen Saison.“

Jedenfalls – und ganz offenbar – nicht mehr in dieser Saison. Hat denn der HSV noch Luft nach oben? Wird er im Sommer 2013 dann besser stehen als Platz zehn? Uwe Seeler: „Die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt, ich hätte nichts dagegen, im Gegenteil, ich würde mich sehr freuen. Aber ich finde ja, dass man besser in Ruhe aufbauen sollte, damit man eine stabile Mannschaft bekommt. Im Moment, so denke ich, fehlt da noch einiges, das sehen wir ja auch an den Ergebnissen, mal wird gewonnen, mal wird verloren. Aber ich verlange nichts mehr, ich bin schon mal froh, dass diese Mannschaft gegenüber der vergangenen Saison schon mal ein wenig stabiler geworden ist.“

In Hamburg aber wird ja schon vielfach wieder von Europa geträumt – träumen Sie, Herr Seeler, da mit? Hamburgs bester Fußballer aller Zeiten lacht und sagt: „Alles das, was in der nächsten Halbserie als Plus kommt, ist willkommen, darüber würde ich mich sehr freuen. Man soll ja immer Ziele haben, aber ich würde dem HSV raten, im Moment mehr an den Aufbau einer neuen Mannschaft zu denken, als an Europa. Ich weiß nicht, ob es der Mannschaft so gut tut, wenn man jetzt schon wieder vom internationalen Startplatz spricht. Man soll diese Saison spielen, und wenn man dann am Ende auf Platz fünf, sechs oder sieben steht, dann ist das doch nur positiv. Aber jetzt davon sprechen, wenn man mal ein paar Spiele gewonnen hat, das halte ich für falsch, das tut der Mannschaft sicher nicht so gut. Denn da haben wir doch alle schon festgestellt: Nach jedem Sieg waren wir doch schon wieder in Europa unterwegs, und prompt ging es im nächsten Spiel schon wieder schief. Nach jedem guten Spiel gab es Freude und Eierkuchen, aber danach gab es gleich wieder einen vor die Birne. Ich würde vorsichtig sein. Erst einmal aufbauen – und keine zu großen Ziele setzen.“

Dann fügt Uwe Seeler noch an: „Wenn man zu hoch hinaus will, es dann aber nicht schafft, dann verärgert man nur diese hervorragenden Fans, die der HSV hat. Was soll das? Wir alle, die Fans, sind doch froh, dass wir erst einmal gesichert sind. Klar, das ist schon so, wenn man ein bisschen Glück hat in der Rückrunde, dann wäre vielleicht vieles möglich, aber ich muss mich doch nicht selbst unter Druck setzen. Fußball spielen mit Spaß, Lust und Freude, die Punkte, die man dabei mitnehmen kann, würden Freude bei allen HSVern auslösen, aber die Ziele zu hoch zu schrauben, das wäre der verkehrte Weg.“

Sieht „uns Uwe“ dann aber schon Fortschritte, die diese Mannschaft gemacht hat? „Sicherlich, das Team ist stabiler geworden. Aber es fehlen eben auch noch einige Dinge – was für mich völlig normal ist. Die Mannschaft funktioniert teilweise schon ganz gut, und damit ist ja noch nicht alles erreicht. Sie muss konstanter werden, ganz klar.“ Dass der HSV in den letzten Tagen der Transferperiode noch Spieler wie Petr Jiracek und Rafael van der Fahrt geholt hat, war wichtig, Uwe Seeler sagt aber über das finanzielle Risiko, das der HSV eingegangen ist: „Mit Gewalt kann man ja auch keine Wunderdinge verrichten. Um die finanzielle Situation des HSV, die gewiss nicht so rosig ist, wissen wir ja schon länger Bescheid.“ Aber damit kamen doch immerhin noch zwei gestandene Profis hinzu, und deswegen dürfte man doch eigentlich schon etwas mehr von diesem HSV erwarten – oder? Seeler. „Wenn man die vergangene Saison gesehen hat, dann nicht. Es ist ein Fortschritt zu erkennen, das stimmt, aber in der vergangenen Saison wäre der HSV ja fast abgestiegen, da gab es doch sehr viele Defizite innerhalb der Mannschaft, und das können die neuen Spieler nicht auf Anhieb verbessern. Was man ja auch sehen kann, denn diese neuen Mannschaft spielt einfach noch zu unterschiedlich.“

Und wie stellt man das ab? Seeler: „Hartes Training, immer wieder an seinen Fehlern arbeiten, fleißig trainieren.“ Das könnte auch das Motto für Artjoms Rudnevs sein. Ist Uwe Seeler mit seinem Nach-Nach-Nachfolger zufrieden? „Zufrieden weiß ich nicht, Ich wünsche ihm viel Glück und noch ein paar Tore mehr, vor allen Dingen entscheidende Tore – damit der HSV etwas davon hat. Ich habe schon über Rudnevs gesagt, dass er ackert, er rackert für die Mannschaft, ist fleißig, arbeitet für die Mannschaft, das ist alles okay – man muss noch ein wenig Geduld haben mit ihm.“

Noch einmal zurück zu den Fans. Bevor ich die Frage stellen konnte, sagt Uwe Seeler: „Die Fans sind doch sensationell, die verlangen doch nichts, die unterstützen die Mannschaft doch großartig. In Sachen Unterstützung sind die HSV-Anhänger in meinen Augen einmalig, sie kommen ja auch nach schlechten Spielen immer wieder in die Arena.“ Und was hält er von den 12:12-Protesten? Uwe Seeler: „Wenn die Mannschaft gut spielt und Tore schießt, dann, davon bin ich überzeugt, dann sind die Fans nicht mehr ruhig.“ Und zu den Gründen der Proteste? Seeler: „Alles das, was da an Dingen wie Pyro-Technik diskutiert wird, das gehört ganz einfach nicht in ein Stadion. Das hat mit Sport nichts zu tun, mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“

Vielen Dank, Herr Seeler, für dieses kurze Gespräch.

Themenwechsel: Wir befinden uns, jeder weiß es, in der Winterpause. Die nur sehr kurz ist. Denn am 30. Dezember geht es beim HSV schon wieder weiter. Und danach geht es zur Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde nach Abu Dhabi (vom 2. – 10. Januar). In der Imtech Arena empfangen die Rothosen nach der Rückkehr dann am 12. Januar (Anstoß: 15.30 Uhr) den österreichischen Traditionsclub Austria Wien. Anstoß der Partie ist um 15.30 Uhr. Acht Tage später, am Sonntag, 20. Januar (Anstoß: 15.30 Uhr), spielt der HSV dann zum Rückrunden-Auftakt beim 1. FC Nürnberg.

Nach dem Trainings-Aufgalopp am 30. Dezember (15 Uhr) steht auch am letzten Tag des Jahres, am 31. Dezember, eine Trainingseinheit auf dem Programm; am 1. Januar ist frei (Erholung von der Silvesterfeier), bevor es am 2. Januar in die Sonne geht. Bis zum 10. Januar bereiten sich die Rothosen in angenehmen Temperaturen in Abu Dhabi auf die Rückrunde vor. Im Rahmen des Trainingslagers sind drei Testspiele geplant. Wer die Gegner sind und wann gespielt wird, steht aber noch nicht fest. Sicher ist allerdings der letzte Härtetest in Hamburg.

Der HSV-Winterfahrplan in der Übersicht:

Datum Zeit Ereignis

30.12.2012 15:00 Uhr Trainingsauftakt an der Imtech Arena
31.12.2012 – Training an der Imtech Arena (Zeit folgt)
02.-10.01.2013 – Trainingslager in Abu Dhabi
11.01.2013 – Training an der Imtech Arena (Zeit folgt)
12.01.2013 15:30 Uhr Testspiel gegen Austria Wien in der Imtech Arena
13.-19.01.2013 – Training an der Imtech Arena (Zeitplan folgt)
20.01.2013 15:30 Uhr Rückrundenauftakt beim 1. FC Nürnberg

So, dann habe ich heute noch eine besondere Mail erhalten. Von einem Gewinner (eines Buches):

Liebe Matz-abber,

da schaut man an einem verregneten Montagmorgen und einem furchtbaren
HSV-Kick im Hinterkopf in “Matz ab” rein und ist plötzlich ein Gewinnertyp.

Eine gute Gelegenheit mal Danke zu sagen – nicht nur für das tolle Buch, das
ich wohl bald bekomme und auf das ich mich riesig freue. Nein, ich danke für
einen wirklich sehr engagierten Blog. Ich quäle mich selbst als
freiberuflicher Journalist durch und bin deshalb grundsätzlich schon mal
neidisch über Euer „Arbeitsthema”.

Ich danke für jede Minute, die ich Euren Blog verschlungen
habe, seit ich ihn vor einem halben Jahr entdeckte. Mir ist klar, dass dies
Extraengagement für Euch ist, Extralebenszeit – und das ich manchmal
eigentlich etwas anderes tun sollte, als schnell mal Euren Blog zu lesen.
Ihr habt da etwas Tolles auf die Beine gestellt und ich hoffe, Ihr fühlt
Euch gewürdigt, seid mit Eurer Arbeit zufrieden – das könnt Ihr nämlich
sein. Danke!!!

Liebe Grüße, Jens Reimer Schinkel

Ich bedanke mich für diese Zeilen ebenfalls, sie stehen exemplarisch für viele Gewinner, die sich auf diese Art schon bei uns bedankt haben. Immer wieder toll, das zu lesen.

Nun auch schon mal einen Blick in den Sommer 2013:

Die Koffer dürfen schon mal (vor-)gepackt werden, die Fans werden den HSV wieder einmal international erleben. Es geht in die Ferne, wie der Sport-Informations-Dienst meldet:

Nur eine Woche nach der Rückkehr aus Brasilien plant der HSV seine nächste Fernreise. Der Tabellenzehnte der Bundesliga wird nach dem Ende der Saison nach Indonesien fliegen und dort gegen den AS Rom sowie den indonesischen Erstligisten Persebaya spielen. Nachdem die Rothosen im vergangenen Sommer bereits im Trainingslager in Südkorea weilten und dort am Peace Cup teilnahmen, geht es nach dem letzten Bundesliga-Spieltag gegen Bayer Leverkusen am 18. Mai 2013 erneut auf Asien-Tour. Der Klub soll 200 000 Euro für den Trip vom 22. bis 28. Mai 2013 kassieren.

Zunächst fliegt der HSV-Tross nach Jakarta, der Hauptstadt des indonesischen Inselstaates. Von dort geht es weiter nach Surabaya, der Hauptstadt der Hauptinsel Java. Dort stehen neben Sponsoren-Events und Trainingseinheiten zwei Testspiele auf dem Programm. Am 23. Mai treten die Rothosen gegen den Tabellenzweiten der letztjährigen indonesischen Premier League-Saison, Persebaya, an. Am 26. Mai wartet der italienische Traditionsklub AS Rom auf die Hanseaten.

Die Verträge für die Reise wurden in der vergangenen Woche mit einer Promotion-Agentur (Nine Sport) unterzeichnet. Zusätzlich wurde für den 27. Februar 2013 ein Testspiel gegen die indonesische U23-Nationalmannschaft in Hamburg fixiert.

17.12 Uhr

Ditmar Jakobs über seinen HSV

17. Dezember 2012

Okay, zuerst einmal entschuldige ich mich. Es war nicht richtig von mir, die Sechs-Stunden-Bahnfahrt-Erklärung des Trainers aus dem Zusammenhang zu reißen. Und es war falsch, dass ich nicht erkannt habe, wie Thorsten Fink das alles gemeint hat. Er hat ja gar nicht nach Ausreden gesucht. Wie bitter für mich. Ich habe mich wahrscheinlich davon blenden lassen, dass der HSV in Leverkusen ganz in Weiß gespielt hat. Das hätte mir auffallen müssen: Finks „Real Saar-Tiere“. Bestimmt hat sich der Coach nicht wirklich über die Sechs-Stunden-Bahnfahrt und die anschließende Fahrt ins Hotel aufgeregt. Ganz sicher sogar nicht. Er hat sich nur darüber lustig machen wollen – und ich Dummchen habe es in meiner beschränkten Wahrnehmung nicht bemerkt. Im Gegensatz zu euch. Ihr habt es gleich erkannt. Die meisten jedenfalls – so glaube ich den Kommentaren entnommen zu haben. Alle Achtung! Deshalb vielen Dank für die so zahlreichen Proteste und Belehrungen. Das ist dann auf jeden Fall schön zu wissen, dass die meisten „Matz-abber“ da ganz gewaltig aufpassen. Und es auch besser und vor allen Dingen viel richtiger wissen. Kompliment. Ein ganz dickes sogar!

Und dass ich die Zitate aus dem Zusammenhang gerissen habe – wie peinlich. Voll auf den Leim bin ich damit dem Coach, der nur einen Scherz machen wollte, gekrochen, voll. Und das tut mir nun wirklich Leid, sorry. Zumal ich die anderen Zeitungen in Hamburg (und selbst die Agenturen!) bestimmt auch dazu animiert habe, in den heutigen Ausgaben diese „Real Saar-Tiere“ ebenfalls nicht zu erkennen. Die haben doch alle auch den Thorsten Fink falsch verstanden (verstehen wollen!). Also, um das Thema abzuschließen: Entschuldigung, soll nicht wieder vorkommen. Ich werde – so gut es geht – wachsam sein, ob mir da etwas untergejubelt werden soll, was ich falsch verstanden haben könnte. Und die niveaulosen Reime aus dem Kinder-Kanal („Eine Zugfahrt, die ist lustig . . .“) nehme ich selbstverständlich auch mit dem größten Bedauern zurück. Betrachtet sie als nie geschrieben. Danke.

Für diejenigen User, die nicht im Besitz der Hamburger Bild-Ausgabe sind, möchte ich nur schnell noch erwähnen, dass HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow zu dieser Sechs-Stunden-Bahnfahrt-Erklärung seines Trainers auch noch etwas gesagt hat. Wie geschrieben, das ist Original-Bild von Jarchow: „Wenn der Trainer der Meinung ist, wir sollten fliegen, dann soll er es rechtzeitig sagen. Dann werden wir uns darüber einigen.“ Jarchow weiter (in der Bild): „Ich habe nicht viel Verständnis dafür, dass man nach so einer Leistung solche Erklärungen sucht. Ich bin der Meinung, dass man mehr Einsatz und mehr Temperament auf dem Spielfeld erwarten kann. Egal, ob man drei, vier oder sechs Stunden angereist ist.“

Am Vortag. Erster Klasse!

Aber hallo. Habe ich den HSV-Chef etwa auch dazu animiert, den Trainer gründlich falsch zu verstehen? Bestimmt. Wie konnte ich nur? So hat Matz (ab) allein für die ganz dicke Luft im HSV gesorgt – ausgerechnet zu Weihnachten, dem Fest der Liebe. Mein Gott, ist mir das alles höchst peinlich.
Aber gut finde ich Jarchows Erklärungen auf und in jedem Fall. Das ist mal Klartext, jetzt weiß jeder, woran er ist. Auch ich. Danke. Übrigens: Ich fahre immer mit der U-Bahn zur Arbeit. Nicht ganz in der Ersten Klasse – weil es die in der U-Bahn nicht gibt. Aber manchmal eben auch mit (kleineren) Verspätungen, weil irgendeine Bahn vor uns liegen geblieben ist. Irgendetwas ist ja immer, um es mit Lotto King Karl zu sagen. Okay, meinen Texten sieht man dann die eine oder andere Bahnfahrt (mit Verspätung) auch schon mal an (oder sogar häufiger), aber vielleicht ändert sich das im hohen Alter ja auch noch. Die Hoffnung stirbt auch unter Bahnfahrern zuletzt – sagen jedenfalls die Schaffner. Und die Kontrolleure.

Übrigens: Wolfsburgs Manager Klaus Allofs weiß wovon er spricht. Er hat nach der 0:2-Niederlage seines Teams gegen Frankfurt gesagt: „Ironie kann man nur schwer transportieren . . .“ Na ja, der eine sagt es so, der andere eben so. Und dem einen gelingt Ironie etwas besser, dem anderen misslingt Ironie dafür umso gründlicher. Schicksal.

Nun aber endgültig weg von diesem Thema – kein Komma mehr dazu. Versprochen.

Es gibt beim HSV ja auch noch wichtigere Themen. Zum Beispiel das Thema „Verkauf“. Für Sportchef Frank Arnesen brechen nun harte Zeiten an, denn er muss dem HSV einige Profis „von der Backe schaffen“. Bei „Matz ab live“ am Sonnabend nach dem Leverkusen-Spiel wollte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow zwar nichts von dieser Summe wissen, die da im Raum steht, aber genannt wird immer, dass der HSV für 6,4 Millionen Euro verkaufen muss. Diese Summe soll offenbar aus dem Aufsichtsrat stammen. Und wir wissen ja, dass dort nicht ganz so viele Fußball-Experten sitzen. Ansonsten wüssten die Herren ganz sicher, dass diese Summe, diese 6,4 Millionen, wohl völlig illusorisch ist. Wer zahlt denn für einen HSV-Spieler, den der HSV loswerden will (und muss!), so viel Geld? Natürlich, es würde sich summieren, wenn dann vier, fünf oder sechs Profis gehen müssten (oder würden), aber 6,? Da habe ich habe wirklich meine Zweifel. Wenn aber Arnesen das tatsächlich schaffen sollte, dann ziehe ich den Hut vor dieser Leistung. Das wäre in meinen Augen dann „sensationell“ zu nennen. Wobei ich noch immer ganz fest davon ausgehe, dass nicht Spieler wie Rene Adler, Rafael van der Vaart oder Milan Badelj gehen sollen . . . Oder werden. Um den HSV finanziell über Wasser zu halten.

Wir werden es erleben. So wie wir nun diese Hinrunde erlebt haben. Eine durchwachsene Spielzeit bislang. Über die ich mit dem ehemaligen HSV-„Helden“ Ditmar Jakobs gesprochen habe. Der heute 59-jährige Versicherungs-Unternehmer kommt immer noch fleißig in den Volkspark, um seinen HSV spielen (und natürlich siegen) zu sehen, er ist also immer noch auf Ballhöhe und weiß genau, wovon er spricht. War „Jako“ zufrieden mit dem HSV? „Mit der Punktausbeute von 24 Zählern bin ich voll und ganz zufrieden, so hatte ich es erwartet. Und mit der Entwicklung der Mannschaft bin ich ebenfalls zufrieden, das hätte man zu Saisonbeginn nicht so vermuten können“, sagt Jakobs.

Im Sommer war der ehemalige Nationalspieler skeptischer, wie er zugibt: „Ich habe eine ganz schwierige Saison erwartet, aber die Transfers, die zuletzt getätigt wurden, die haben doch sehr geholfen. Dass Petr Jiracek und Rafael van der Vaart verpflichtet wurden, das hat dafür gesorgt, dass erheblicher Druck von der Mannschaft genommen worden ist. Durch diese beiden Spieler haben die anderen befreiter aufspielen können, die Neuen haben Verantwortung übernommen, die Verantwortung ist jetzt auf mehrere Schultern verteilt worden – und das tat dem Team sehr gut. Vor allem van der Vaart hat Verantwortung übernommen, und er kann damit sehr gut umgehen.“

Und wer ist für Ditmar Jakobs der HSV-Aufsteiger des ersten Halbjahres dieser Spielzeit? Er sagt: „Eindeutig Tolgay Arslan, er hat schon einen großen Sprung gemacht, hat sich schon sehr, sehr weiter und zum Positiven entwickelt. Obwohl ich ihn nicht als Shooting-Star bezeichnen würde, das wäre dann doch eine zu große Nummer für ihn“, so Jakobs. Und ein Dennis Diekmeier? Oder auch Michael Mancienne? Jakobs: „Das habe ich schon erwartet, schließlich haben sie schon ein paar Jahre im Profi-Fußball hinter sich, da darf man sich dann auch mal weiterentwickeln.“ Und was sagt der ehemalige HSV-Kapitän zu Heung Min Son? „Er hat auch einen großen Sprung nach vorne gemacht, ich sehe das positiv.“ Aber käme ein Wechsel zu einem großen europäischen Spitzen-Klub wie der FC Liverpool zum Beispiel nicht doch viel zu früh für den Südkoreaner? „Jako“: „Was heißt zu früh? Erinnert euch doch mal an den jungen Hasan Salihamidzic. Da haben doch damals alle gesagt, was der beim FC Bayern will? Der würde dort nie spielen. Und was war? Er wurde auf Anhieb Stammspieler. Vom ersten tag an. Zu früh gibt es nicht. Man wächst an der Aufgabe und an den Mitspielern.“ Aber wäre Son denn schon jetzt reif für die Premiere League? Ist er nicht doch zu zweikampfschwach, weil zu weich? Jakobs: „Was heißt denn nun schon wieder zu weich? Wenn er permanent dazwischenhauen würde, dann würde es doch gleich heißen er ist zu ungestüm. Er kann schon den Ball behaupten, aber ich sehe es auch so, dass ihm dann oftmals die Anspielstationen da vorne fehlen. Ein bisschen Unterstützung wäre für ihn schon wünschenswert.“

Und gibt es eine Enttäuschung der Saison für Ditmar Jakobs? Eindeutig nein. Was aber sagt er zu Artjoms Rudnevs? „Ich habe immer gesagt, dass man ihm Zeit geben muss. Der wurde aus Polen geholt, und dann muss man ihm auch eine Eingewöhnungsphase zugestehen. Genau wie bei zum Beispiel Jacopo Sala oder Michael Mancienne.“ Dass mich Rudnevs körperlich ein wenig an den großen Horst Hrubesch erinnert, das wurde bei Ditmar Jakobs zum großen Lacherfolg: „Wie bitte? Das ist nicht dein Ernst, so etwas kannst du nicht behaupten. Rudnevs ist eine Kante? Also bitte!“ Aber Hrubesch, so sage ich, hat von Beginn an seine Top-Leistungen in Hamburg gebracht, obwohl er aus der Zweiten Liga (Rot-Weiß Essen) zum HSV gekommen war. Jakobs: „Hrubesch sprach auch Deutsch. Das hat die Sache vereinfacht, deswegen konnte er diese Leistungen auch bringen.“

Und was sagt „Jako“ zu Rene Adler? „Überragend! Er ist der Shooting-Star des HSV. Nach einer so schweren und langen Verletzung so schnell wieder auf Top-Niveau zu halten, das ist sensationell – das ist der Shooting-Star überhaupt. Viele sagen ja, dass Adler dem HSV mindestens acht Punkte gerettet hat, aber das ist mir egal. Egal wie viele es auch waren, er ist der ganz große Rückhalt des HSV. Deswegen ist er für mich die größte Überraschung, denn solche Leistungen habe ich nicht auf Anhieb zu erwarten.“

Was traut Ditmar Jakobs dem HSV in diese Saison noch zu? Viele träumen immer noch von Europa? Er sagt: „Das mit Europa ist völliger Quatsch. Ich sehe den HSV zwischen Platz acht und zwölf.“ Und wann geht es mal wieder nach oben? „Abwarten. Das hängt doch auch davon ab, ob diese Mannschaft nun zusammen bleiben wird, wer verkauft werden muss. Zeitlich lässt sich so etwas nie einengen. Immerhin haben sie ja in dieses Team mal richtig investiert, das war schon mal gut.“ Obwohl jetzt schon wieder einige in Hamburg Angst davor haben, dass zum Beispiel ein Milan Badelj schon gleich wieder von einem großen Verein weggeholt wird . . . Jakobs: „Ich muss doch als Klub wissen, was ich machen will. Wohin ich will. Will ich in die nationale Spitze? Will ich wieder international spielen? International ist eigentlich ein Muss für den HSV, bei dem Etat, bei den Kosten, die man hier hat. Deshalb muss man in den internationalen Wettbewerb. Schafft man das nicht, gibt es wieder vermehrt finanzielle Probleme, das muss man wissen. Also kann ich nicht diese Mannschaft schwächen, indem ich wieder Leistungsträger abgebe. Das muss in Hamburg irgendwie und irgendwann mal kapiert werden.“

Dann noch einmal zur Sechs-Stunden-Bahnfahrt nach Leverkusen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann fuhr der HSV zu Jakobs-Zeiten oft mit dem Zug, auch sehr oft mit dem Bus. Richtig? Er sagt: „das stimmt. Als ich damals zu Zeiten von Branko Zebec zum HSV kam, fuhren wir oft vom Bahnhof Dammtor mit der Bahn, aber sehr oft auch mit dem Bus. Später sogar nur mit dem Bus in den Westen. Nur in den Süden wurde geflogen.“ Und erfolgreich war dieser HSV doch, wenn ich mich recht erinnere, auch ganz passabel, oder? Besonders mit dem Bus hat es freitags oft viel länger gedauert – wegen der Staus. Kann Ditmar Jakobs solche Erklärung, wie sie nun von Thorsten Fink kam, verstehen? Der einst eisenharte Vorstopper: „Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang das der Trainer gesagt hat. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er es so gesagt hat. Aber man sollte generell mal sechs Stunden mit dem Bus fahren, danach dann sechs Stunden mit der Bahn – dann weiß man, dass sechs Stunden mit der Bahn Erholung ist. Im Zug kann sich jeder Spieler bewegen, sich die Füße vertreten . . . Aber ich kann mir, wie gesagt, nicht vorstellen, dass Thorsten Fink so etwas gesagt hat.“

Kein weiterer Kommentar dazu (von mir).

Aber ich habe da noch einen Brief, der an den HSV geschickt wurde. Vom OFC Matz ab. Sollte jeder wissen – und lesen:

Sehr geehrte Herren Jarchow, Arnesen, Hilke und Scheel,
liebe Nicole Fister,

im Namen aller Mitglieder unseres OFC HSV Matz ab bringen wir hiermit zum Ausdruck, dass wir jeglichen weiteren Stimmungsboykott und einen angedrohten Spieltagsboykott, wie es CFHH und PT 98 fordern, ablehnen.

Des Weiteren distanzieren wir uns mit Nachdruck von allen Aufrufen zur Gewalt, Pyro usw. die augenblicklich in diversen Internetforen und Netzwerken verbreitet werden.
Wir akzeptieren geschlossen sowohl unsere Stadionordnung als auch den Verhaltenskodex des HSV Supportes Club.
Auszug: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unkontrolliertes Abbrennen pyrotechnischer Erzeugnisse bei Spielen des HSV gefährlich ist,den Verein (erhebliche) Strafen kostet und unvorhergesehene persönliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Es wird an alle HSVer appelliert, das Abbrennen zu unterlassen.

Mit sportlichen Grüßen,

HSV Matz ab
OFC 13022

17.44 Uhr

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