Tagesarchiv für den 23. Dezember 2012

Von Stürmen und lauen Lüftchen

23. Dezember 2012

Teil drei der Hinrunden-Bilanz ist schnell erzählt: 18 Tore in 17 Spielen. Nur Nürnberg, Wolfsburg sowie die Aufsteiger und Abstiegsaspiranten Augsburg und Fürth sind schlechter. 18 Treffer, das ist eine absolut kümmerliche Zahl. Und zugleich eine total ernüchternde Offensiv-Statistik. Wobei zu sagen ist, dass dieser Angriff überwiegend aus nur einer Spitze bestand. Erst mit dem Schalke-Spiel begann (eventuell?) eine neue Zeitrechnung, nämlich die der zwei Angreifer: Artjoms Rudnevs und Maximilian Beister. Beim 3:1-Erfolg über harmlose und unglaublich schwache Schalker hat dieses Duo ja prächtig funktioniert, die Frage wird aber sein, ob es auch im neuen Jahr weiter zwei Spitzen geben wird – und ob die beiden Stürmer dann auch so erfolgreich sein werden? Und noch eine Frage dürfte sich stellen: Hat der HSV für ein Spiel mit zwei Angreifern überhaupt genügend Offensiv-Qualitäten? Ich glaube nein. Es gibt nominell nur drei, mit Heung Min Son, den ich mehr als Stürmer denn als Mittelfeldspieler sehe, vier Leute, die im Angriff spielen können. In dieser Beziehung scheint mir der HSV ein wenig schwach auf der Brust zu sein, zumal es in der Regionalliga-Mannschaft keinen einzigen Angreifer gibt, den man – wenn Not am Mann wäre – bedenkenlos in der Bundesliga spielen lassen könnte. Stürmer sind beim HSV zur echten Mangelware geworden.

Heung Min Son hat mit sechs Treffern ein Drittel der HSV-Tore erzielt. Hätte ich vor der Saison niemals gedacht, aber ganz offenbar zahlt sich das Sondertraining mit dem Papa aus. Wir erinnern uns ja alle: Son zieht von rechts in die Mitte und schießt den Ball mit links in die lange Ecke. Erstmalig hat das in dieser Saison gegen Borussia Dortmund funktioniert. Ein Traum-Tor! Und das hat mich total verblüfft. Damals habe ich laut in die Runde gefragt: „Wo hat er den denn hergeholt?“ Inzwischen weiß ich es – von Papa. Und das hat ja nun schon ein paar Mal geklappt, ist also kein Zufall. Durch diese Tore hat Son auf sich aufmerksam gemacht, bis nach England hat es sich herumgesprochen, dass der HSV einen jungen Südkoreaner hat . . . Aber bevor Son auf die Insel rübermacht, muss noch viel passieren. Sein Zweikampf-Verhalten ähnelt immer noch einem Jugendspieler, und bevor er das nicht abgestellt hat (kann der Papa da auch helfen?), wird er auch kein Engländer. Ganz sicher nicht. Naja, also, ich sollte mich schon sehr täuschen. Bislang hat sich Son bei mir die Note vier erspielt.

Marcus Berg genoss zu Saisonbeginn das Vertrauen des Trainers, was mich total überraschte. Total. Denn eine Grundlage dafür hatte ich vorher nicht erkennen können. Es sei denn, es war die pure Verzweiflung eines Trainers, der die Auswahl unter keinem so richtig erstligatauglichen Stürmer hatte. Eene meene muh, und raus bist du! So muss es gewesen sein. Marcus Berg konnte das Vertrauen jedenfalls nicht rechtfertigen und sitzt seit Wochen nur noch auf der Bank. Und da wird er meiner Meinung nach auch sitzen bleiben, denn es lang ganz einfach nicht. Und es wird auch in Zukunft nicht langen. Das haben doch schon diverse Vereine in den Niederlanden erkannt, denn dort spielte Berg ja schon mehrfach auf, hätte sich also mit guten Leistungen anbeten können, doch alle Klubs winkten ab. Sodass der HSV wieder „zugreifen“ musste. Bislang hat sich Berg bei mir lediglich Note fünf erstürmt.

Artjoms Rudnevs brauchte eine längere Akklimatisierungs-Phase, kam zu Beginn der Saison nicht in Tritt und saß nur auf der Bank. Die Bezeichnung „Fehleinkauf“ machte hier und dort schon die Runde, doch als Berg schwächelte und schwächelte, da kam der Lette zu seiner Chance – und nutzte sie. Fußballerisch hat er nach wie vor Defizite, aber er setzt sich für die Mannschaft ein, ist unterwegs, geht auch dorthin, wo es (ihm) wehtut, und er schießt Tore. Auch er hat sechs auf seinem Konnte, auch ein Drittel aller HSV-Treffer – und bei ihm bin ich mir mittlerweile sicher, dass er es am Saisonende mindestens auf eine zweistellige Zahl gebracht hat. In Hamburg sind bislang nicht viele von den Fußball-Künsten des Letten überzeugt, aber alle halten sie eisern zu ihm. Und von den „Alt-Internationalen“ des HSV sind auch alle – uneingeschränkt – dazu bereit, ihm weiterhin eine etwas längere Anpassungshase zu genehmigen. Rudnevs hat sich bislang beim mir die Note drei erspielt.

Maximilian Beister hatte ebenfalls eine sehr schwierige Startphase, in der er sich mehr in der Zuschauerrolle befand. Beisters Rückhol-Aktion von Fortuna Düsseldorf ein Missverständnis? Fast schien es so, die Skeptiker nahmen von Woche zu Woche zu. Allerdings verloren zwei Menschen nie den Glauben an die stürmischen Fähigkeiten des Lüneburgers: Thorsten Fink und – Beister selbst. Der Junge hat ein schwer zu erschütterndes Selbstbewusstsein, der weiß was er kann, auch wenn es den meisten oft im Verborgenen geblieben ist (in den ersten Monaten). Dieses selbstbewusste Art ist ganz sicher auch ein Trumpf von „Maxi“ Beister, er lässt (in der Öffentlichkeit) niemals Zweifel an seinen Fähigkeiten aufkommen, und das hat sicher dafür gesorgt, dass er sich gegen Ende der Hinrunde in der Mannschaft „festgebissen“ hat. Für mich ist Beister der beste Angreifer des HSV, er hat sich bei mir bislang die Note drei plus erspielt.

So, mit den Spielern bin ich nun durch, es folgen noch die Verantwortlichen – aber zunächst einmal, wahrscheinlich in zwei Teilen, mein Weihnachtsgedicht. Zunächst aber noch einmal auch heute wieder ein herzliches Dankeschön für die zahlreichen Weihnachtswünsche, die Frau M. und ich von euch erhalten haben. Es war zwar nicht bei allen ein Anhang dabei (wo ein Anhang sein sollte), aber ich werte es mal ebenfalls als Weihnachtsgruß.

Wobei ich eines schnell mal sagen muss: Es gab viele schöne und tolle Weihnachtsgrüße, aber auch eine ganz besondere Weihnachtskarte. Von der Familie Seeler. Besonders überrascht war ich aber deshalb, weil der Brief mit einer (wirklich!) Uwe-Seeler-Briefmarke freigemacht worden war. Eine echte Uwe-Seeler-Briefmarke, diesen Umschlag (natürlich auch die Karte) werde ich in ein Fußballalbum aufnehmen – eine absolute Rarität . Denke ich mal. Ich wusste nicht, dass es überhaupt eine Uwe-Seeler-Briefmarke gibt, aber sie ist toll, einfach nur toll. Vielen Dank dafür, liebe Familie Seeler. Und allen ein wunderschönes Weihnachtsfest!

17.33 Uhr