Tagesarchiv für den 18. Dezember 2012

Uwe Seeler: “Der HSV ist stabiler geworden”

18. Dezember 2012

Um den Volkspark herum, so habe ich den Eindruck, breitet sich in diesen Tagen doch eine gewisse Zufriedenheit aus. Die Ansprüche sind offenbar gesunken. Platz zehn scheint vielen Fans schon ganz okay, und die meisten sind allein schon deshalb sehr zufrieden, weil es keine Abstiegsgefahr mehr gibt. Auch dank Greuther Fürth und dem FC Augsburg, die dieses fragwürdige Rennen wahrscheinlich schon für sich entschieden haben. Ich habe über das Thema „Zufriedenheit“ heute einmal mit dem deutschen Mittelstürmer-Idol Nummer eins, nämlich Uwe Seeler, gesprochen. Und ihm die Frage gestellt: „Sind auch Sie zufrieden mit dem Verlauf der Hinrunde?“ Der Ehrenspielführer antwortete: „Ich bin insofern zufrieden, dass man keine Angst mehr vor dem Abstieg haben muss. Es stimmt, insgesamt bin ich beruhigt, denn man muss um den HSV nicht mehr so zittern, wie in der vergangenen Saison.“

Jedenfalls – und ganz offenbar – nicht mehr in dieser Saison. Hat denn der HSV noch Luft nach oben? Wird er im Sommer 2013 dann besser stehen als Platz zehn? Uwe Seeler: „Die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt, ich hätte nichts dagegen, im Gegenteil, ich würde mich sehr freuen. Aber ich finde ja, dass man besser in Ruhe aufbauen sollte, damit man eine stabile Mannschaft bekommt. Im Moment, so denke ich, fehlt da noch einiges, das sehen wir ja auch an den Ergebnissen, mal wird gewonnen, mal wird verloren. Aber ich verlange nichts mehr, ich bin schon mal froh, dass diese Mannschaft gegenüber der vergangenen Saison schon mal ein wenig stabiler geworden ist.“

In Hamburg aber wird ja schon vielfach wieder von Europa geträumt – träumen Sie, Herr Seeler, da mit? Hamburgs bester Fußballer aller Zeiten lacht und sagt: „Alles das, was in der nächsten Halbserie als Plus kommt, ist willkommen, darüber würde ich mich sehr freuen. Man soll ja immer Ziele haben, aber ich würde dem HSV raten, im Moment mehr an den Aufbau einer neuen Mannschaft zu denken, als an Europa. Ich weiß nicht, ob es der Mannschaft so gut tut, wenn man jetzt schon wieder vom internationalen Startplatz spricht. Man soll diese Saison spielen, und wenn man dann am Ende auf Platz fünf, sechs oder sieben steht, dann ist das doch nur positiv. Aber jetzt davon sprechen, wenn man mal ein paar Spiele gewonnen hat, das halte ich für falsch, das tut der Mannschaft sicher nicht so gut. Denn da haben wir doch alle schon festgestellt: Nach jedem Sieg waren wir doch schon wieder in Europa unterwegs, und prompt ging es im nächsten Spiel schon wieder schief. Nach jedem guten Spiel gab es Freude und Eierkuchen, aber danach gab es gleich wieder einen vor die Birne. Ich würde vorsichtig sein. Erst einmal aufbauen – und keine zu großen Ziele setzen.“

Dann fügt Uwe Seeler noch an: „Wenn man zu hoch hinaus will, es dann aber nicht schafft, dann verärgert man nur diese hervorragenden Fans, die der HSV hat. Was soll das? Wir alle, die Fans, sind doch froh, dass wir erst einmal gesichert sind. Klar, das ist schon so, wenn man ein bisschen Glück hat in der Rückrunde, dann wäre vielleicht vieles möglich, aber ich muss mich doch nicht selbst unter Druck setzen. Fußball spielen mit Spaß, Lust und Freude, die Punkte, die man dabei mitnehmen kann, würden Freude bei allen HSVern auslösen, aber die Ziele zu hoch zu schrauben, das wäre der verkehrte Weg.“

Sieht „uns Uwe“ dann aber schon Fortschritte, die diese Mannschaft gemacht hat? „Sicherlich, das Team ist stabiler geworden. Aber es fehlen eben auch noch einige Dinge – was für mich völlig normal ist. Die Mannschaft funktioniert teilweise schon ganz gut, und damit ist ja noch nicht alles erreicht. Sie muss konstanter werden, ganz klar.“ Dass der HSV in den letzten Tagen der Transferperiode noch Spieler wie Petr Jiracek und Rafael van der Fahrt geholt hat, war wichtig, Uwe Seeler sagt aber über das finanzielle Risiko, das der HSV eingegangen ist: „Mit Gewalt kann man ja auch keine Wunderdinge verrichten. Um die finanzielle Situation des HSV, die gewiss nicht so rosig ist, wissen wir ja schon länger Bescheid.“ Aber damit kamen doch immerhin noch zwei gestandene Profis hinzu, und deswegen dürfte man doch eigentlich schon etwas mehr von diesem HSV erwarten – oder? Seeler. „Wenn man die vergangene Saison gesehen hat, dann nicht. Es ist ein Fortschritt zu erkennen, das stimmt, aber in der vergangenen Saison wäre der HSV ja fast abgestiegen, da gab es doch sehr viele Defizite innerhalb der Mannschaft, und das können die neuen Spieler nicht auf Anhieb verbessern. Was man ja auch sehen kann, denn diese neuen Mannschaft spielt einfach noch zu unterschiedlich.“

Und wie stellt man das ab? Seeler: „Hartes Training, immer wieder an seinen Fehlern arbeiten, fleißig trainieren.“ Das könnte auch das Motto für Artjoms Rudnevs sein. Ist Uwe Seeler mit seinem Nach-Nach-Nachfolger zufrieden? „Zufrieden weiß ich nicht, Ich wünsche ihm viel Glück und noch ein paar Tore mehr, vor allen Dingen entscheidende Tore – damit der HSV etwas davon hat. Ich habe schon über Rudnevs gesagt, dass er ackert, er rackert für die Mannschaft, ist fleißig, arbeitet für die Mannschaft, das ist alles okay – man muss noch ein wenig Geduld haben mit ihm.“

Noch einmal zurück zu den Fans. Bevor ich die Frage stellen konnte, sagt Uwe Seeler: „Die Fans sind doch sensationell, die verlangen doch nichts, die unterstützen die Mannschaft doch großartig. In Sachen Unterstützung sind die HSV-Anhänger in meinen Augen einmalig, sie kommen ja auch nach schlechten Spielen immer wieder in die Arena.“ Und was hält er von den 12:12-Protesten? Uwe Seeler: „Wenn die Mannschaft gut spielt und Tore schießt, dann, davon bin ich überzeugt, dann sind die Fans nicht mehr ruhig.“ Und zu den Gründen der Proteste? Seeler: „Alles das, was da an Dingen wie Pyro-Technik diskutiert wird, das gehört ganz einfach nicht in ein Stadion. Das hat mit Sport nichts zu tun, mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“

Vielen Dank, Herr Seeler, für dieses kurze Gespräch.

Themenwechsel: Wir befinden uns, jeder weiß es, in der Winterpause. Die nur sehr kurz ist. Denn am 30. Dezember geht es beim HSV schon wieder weiter. Und danach geht es zur Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde nach Abu Dhabi (vom 2. – 10. Januar). In der Imtech Arena empfangen die Rothosen nach der Rückkehr dann am 12. Januar (Anstoß: 15.30 Uhr) den österreichischen Traditionsclub Austria Wien. Anstoß der Partie ist um 15.30 Uhr. Acht Tage später, am Sonntag, 20. Januar (Anstoß: 15.30 Uhr), spielt der HSV dann zum Rückrunden-Auftakt beim 1. FC Nürnberg.

Nach dem Trainings-Aufgalopp am 30. Dezember (15 Uhr) steht auch am letzten Tag des Jahres, am 31. Dezember, eine Trainingseinheit auf dem Programm; am 1. Januar ist frei (Erholung von der Silvesterfeier), bevor es am 2. Januar in die Sonne geht. Bis zum 10. Januar bereiten sich die Rothosen in angenehmen Temperaturen in Abu Dhabi auf die Rückrunde vor. Im Rahmen des Trainingslagers sind drei Testspiele geplant. Wer die Gegner sind und wann gespielt wird, steht aber noch nicht fest. Sicher ist allerdings der letzte Härtetest in Hamburg.

Der HSV-Winterfahrplan in der Übersicht:

Datum Zeit Ereignis

30.12.2012 15:00 Uhr Trainingsauftakt an der Imtech Arena
31.12.2012 – Training an der Imtech Arena (Zeit folgt)
02.-10.01.2013 – Trainingslager in Abu Dhabi
11.01.2013 – Training an der Imtech Arena (Zeit folgt)
12.01.2013 15:30 Uhr Testspiel gegen Austria Wien in der Imtech Arena
13.-19.01.2013 – Training an der Imtech Arena (Zeitplan folgt)
20.01.2013 15:30 Uhr Rückrundenauftakt beim 1. FC Nürnberg

So, dann habe ich heute noch eine besondere Mail erhalten. Von einem Gewinner (eines Buches):

Liebe Matz-abber,

da schaut man an einem verregneten Montagmorgen und einem furchtbaren
HSV-Kick im Hinterkopf in “Matz ab” rein und ist plötzlich ein Gewinnertyp.

Eine gute Gelegenheit mal Danke zu sagen – nicht nur für das tolle Buch, das
ich wohl bald bekomme und auf das ich mich riesig freue. Nein, ich danke für
einen wirklich sehr engagierten Blog. Ich quäle mich selbst als
freiberuflicher Journalist durch und bin deshalb grundsätzlich schon mal
neidisch über Euer „Arbeitsthema”.

Ich danke für jede Minute, die ich Euren Blog verschlungen
habe, seit ich ihn vor einem halben Jahr entdeckte. Mir ist klar, dass dies
Extraengagement für Euch ist, Extralebenszeit – und das ich manchmal
eigentlich etwas anderes tun sollte, als schnell mal Euren Blog zu lesen.
Ihr habt da etwas Tolles auf die Beine gestellt und ich hoffe, Ihr fühlt
Euch gewürdigt, seid mit Eurer Arbeit zufrieden – das könnt Ihr nämlich
sein. Danke!!!

Liebe Grüße, Jens Reimer Schinkel

Ich bedanke mich für diese Zeilen ebenfalls, sie stehen exemplarisch für viele Gewinner, die sich auf diese Art schon bei uns bedankt haben. Immer wieder toll, das zu lesen.

Nun auch schon mal einen Blick in den Sommer 2013:

Die Koffer dürfen schon mal (vor-)gepackt werden, die Fans werden den HSV wieder einmal international erleben. Es geht in die Ferne, wie der Sport-Informations-Dienst meldet:

Nur eine Woche nach der Rückkehr aus Brasilien plant der HSV seine nächste Fernreise. Der Tabellenzehnte der Bundesliga wird nach dem Ende der Saison nach Indonesien fliegen und dort gegen den AS Rom sowie den indonesischen Erstligisten Persebaya spielen. Nachdem die Rothosen im vergangenen Sommer bereits im Trainingslager in Südkorea weilten und dort am Peace Cup teilnahmen, geht es nach dem letzten Bundesliga-Spieltag gegen Bayer Leverkusen am 18. Mai 2013 erneut auf Asien-Tour. Der Klub soll 200 000 Euro für den Trip vom 22. bis 28. Mai 2013 kassieren.

Zunächst fliegt der HSV-Tross nach Jakarta, der Hauptstadt des indonesischen Inselstaates. Von dort geht es weiter nach Surabaya, der Hauptstadt der Hauptinsel Java. Dort stehen neben Sponsoren-Events und Trainingseinheiten zwei Testspiele auf dem Programm. Am 23. Mai treten die Rothosen gegen den Tabellenzweiten der letztjährigen indonesischen Premier League-Saison, Persebaya, an. Am 26. Mai wartet der italienische Traditionsklub AS Rom auf die Hanseaten.

Die Verträge für die Reise wurden in der vergangenen Woche mit einer Promotion-Agentur (Nine Sport) unterzeichnet. Zusätzlich wurde für den 27. Februar 2013 ein Testspiel gegen die indonesische U23-Nationalmannschaft in Hamburg fixiert.

17.12 Uhr