Tagesarchiv für den 17. Dezember 2012

Ditmar Jakobs über seinen HSV

17. Dezember 2012

Okay, zuerst einmal entschuldige ich mich. Es war nicht richtig von mir, die Sechs-Stunden-Bahnfahrt-Erklärung des Trainers aus dem Zusammenhang zu reißen. Und es war falsch, dass ich nicht erkannt habe, wie Thorsten Fink das alles gemeint hat. Er hat ja gar nicht nach Ausreden gesucht. Wie bitter für mich. Ich habe mich wahrscheinlich davon blenden lassen, dass der HSV in Leverkusen ganz in Weiß gespielt hat. Das hätte mir auffallen müssen: Finks „Real Saar-Tiere“. Bestimmt hat sich der Coach nicht wirklich über die Sechs-Stunden-Bahnfahrt und die anschließende Fahrt ins Hotel aufgeregt. Ganz sicher sogar nicht. Er hat sich nur darüber lustig machen wollen – und ich Dummchen habe es in meiner beschränkten Wahrnehmung nicht bemerkt. Im Gegensatz zu euch. Ihr habt es gleich erkannt. Die meisten jedenfalls – so glaube ich den Kommentaren entnommen zu haben. Alle Achtung! Deshalb vielen Dank für die so zahlreichen Proteste und Belehrungen. Das ist dann auf jeden Fall schön zu wissen, dass die meisten „Matz-abber“ da ganz gewaltig aufpassen. Und es auch besser und vor allen Dingen viel richtiger wissen. Kompliment. Ein ganz dickes sogar!

Und dass ich die Zitate aus dem Zusammenhang gerissen habe – wie peinlich. Voll auf den Leim bin ich damit dem Coach, der nur einen Scherz machen wollte, gekrochen, voll. Und das tut mir nun wirklich Leid, sorry. Zumal ich die anderen Zeitungen in Hamburg (und selbst die Agenturen!) bestimmt auch dazu animiert habe, in den heutigen Ausgaben diese „Real Saar-Tiere“ ebenfalls nicht zu erkennen. Die haben doch alle auch den Thorsten Fink falsch verstanden (verstehen wollen!). Also, um das Thema abzuschließen: Entschuldigung, soll nicht wieder vorkommen. Ich werde – so gut es geht – wachsam sein, ob mir da etwas untergejubelt werden soll, was ich falsch verstanden haben könnte. Und die niveaulosen Reime aus dem Kinder-Kanal („Eine Zugfahrt, die ist lustig . . .“) nehme ich selbstverständlich auch mit dem größten Bedauern zurück. Betrachtet sie als nie geschrieben. Danke.

Für diejenigen User, die nicht im Besitz der Hamburger Bild-Ausgabe sind, möchte ich nur schnell noch erwähnen, dass HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow zu dieser Sechs-Stunden-Bahnfahrt-Erklärung seines Trainers auch noch etwas gesagt hat. Wie geschrieben, das ist Original-Bild von Jarchow: „Wenn der Trainer der Meinung ist, wir sollten fliegen, dann soll er es rechtzeitig sagen. Dann werden wir uns darüber einigen.“ Jarchow weiter (in der Bild): „Ich habe nicht viel Verständnis dafür, dass man nach so einer Leistung solche Erklärungen sucht. Ich bin der Meinung, dass man mehr Einsatz und mehr Temperament auf dem Spielfeld erwarten kann. Egal, ob man drei, vier oder sechs Stunden angereist ist.“

Am Vortag. Erster Klasse!

Aber hallo. Habe ich den HSV-Chef etwa auch dazu animiert, den Trainer gründlich falsch zu verstehen? Bestimmt. Wie konnte ich nur? So hat Matz (ab) allein für die ganz dicke Luft im HSV gesorgt – ausgerechnet zu Weihnachten, dem Fest der Liebe. Mein Gott, ist mir das alles höchst peinlich.
Aber gut finde ich Jarchows Erklärungen auf und in jedem Fall. Das ist mal Klartext, jetzt weiß jeder, woran er ist. Auch ich. Danke. Übrigens: Ich fahre immer mit der U-Bahn zur Arbeit. Nicht ganz in der Ersten Klasse – weil es die in der U-Bahn nicht gibt. Aber manchmal eben auch mit (kleineren) Verspätungen, weil irgendeine Bahn vor uns liegen geblieben ist. Irgendetwas ist ja immer, um es mit Lotto King Karl zu sagen. Okay, meinen Texten sieht man dann die eine oder andere Bahnfahrt (mit Verspätung) auch schon mal an (oder sogar häufiger), aber vielleicht ändert sich das im hohen Alter ja auch noch. Die Hoffnung stirbt auch unter Bahnfahrern zuletzt – sagen jedenfalls die Schaffner. Und die Kontrolleure.

Übrigens: Wolfsburgs Manager Klaus Allofs weiß wovon er spricht. Er hat nach der 0:2-Niederlage seines Teams gegen Frankfurt gesagt: „Ironie kann man nur schwer transportieren . . .“ Na ja, der eine sagt es so, der andere eben so. Und dem einen gelingt Ironie etwas besser, dem anderen misslingt Ironie dafür umso gründlicher. Schicksal.

Nun aber endgültig weg von diesem Thema – kein Komma mehr dazu. Versprochen.

Es gibt beim HSV ja auch noch wichtigere Themen. Zum Beispiel das Thema „Verkauf“. Für Sportchef Frank Arnesen brechen nun harte Zeiten an, denn er muss dem HSV einige Profis „von der Backe schaffen“. Bei „Matz ab live“ am Sonnabend nach dem Leverkusen-Spiel wollte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow zwar nichts von dieser Summe wissen, die da im Raum steht, aber genannt wird immer, dass der HSV für 6,4 Millionen Euro verkaufen muss. Diese Summe soll offenbar aus dem Aufsichtsrat stammen. Und wir wissen ja, dass dort nicht ganz so viele Fußball-Experten sitzen. Ansonsten wüssten die Herren ganz sicher, dass diese Summe, diese 6,4 Millionen, wohl völlig illusorisch ist. Wer zahlt denn für einen HSV-Spieler, den der HSV loswerden will (und muss!), so viel Geld? Natürlich, es würde sich summieren, wenn dann vier, fünf oder sechs Profis gehen müssten (oder würden), aber 6,? Da habe ich habe wirklich meine Zweifel. Wenn aber Arnesen das tatsächlich schaffen sollte, dann ziehe ich den Hut vor dieser Leistung. Das wäre in meinen Augen dann „sensationell“ zu nennen. Wobei ich noch immer ganz fest davon ausgehe, dass nicht Spieler wie Rene Adler, Rafael van der Vaart oder Milan Badelj gehen sollen . . . Oder werden. Um den HSV finanziell über Wasser zu halten.

Wir werden es erleben. So wie wir nun diese Hinrunde erlebt haben. Eine durchwachsene Spielzeit bislang. Über die ich mit dem ehemaligen HSV-„Helden“ Ditmar Jakobs gesprochen habe. Der heute 59-jährige Versicherungs-Unternehmer kommt immer noch fleißig in den Volkspark, um seinen HSV spielen (und natürlich siegen) zu sehen, er ist also immer noch auf Ballhöhe und weiß genau, wovon er spricht. War „Jako“ zufrieden mit dem HSV? „Mit der Punktausbeute von 24 Zählern bin ich voll und ganz zufrieden, so hatte ich es erwartet. Und mit der Entwicklung der Mannschaft bin ich ebenfalls zufrieden, das hätte man zu Saisonbeginn nicht so vermuten können“, sagt Jakobs.

Im Sommer war der ehemalige Nationalspieler skeptischer, wie er zugibt: „Ich habe eine ganz schwierige Saison erwartet, aber die Transfers, die zuletzt getätigt wurden, die haben doch sehr geholfen. Dass Petr Jiracek und Rafael van der Vaart verpflichtet wurden, das hat dafür gesorgt, dass erheblicher Druck von der Mannschaft genommen worden ist. Durch diese beiden Spieler haben die anderen befreiter aufspielen können, die Neuen haben Verantwortung übernommen, die Verantwortung ist jetzt auf mehrere Schultern verteilt worden – und das tat dem Team sehr gut. Vor allem van der Vaart hat Verantwortung übernommen, und er kann damit sehr gut umgehen.“

Und wer ist für Ditmar Jakobs der HSV-Aufsteiger des ersten Halbjahres dieser Spielzeit? Er sagt: „Eindeutig Tolgay Arslan, er hat schon einen großen Sprung gemacht, hat sich schon sehr, sehr weiter und zum Positiven entwickelt. Obwohl ich ihn nicht als Shooting-Star bezeichnen würde, das wäre dann doch eine zu große Nummer für ihn“, so Jakobs. Und ein Dennis Diekmeier? Oder auch Michael Mancienne? Jakobs: „Das habe ich schon erwartet, schließlich haben sie schon ein paar Jahre im Profi-Fußball hinter sich, da darf man sich dann auch mal weiterentwickeln.“ Und was sagt der ehemalige HSV-Kapitän zu Heung Min Son? „Er hat auch einen großen Sprung nach vorne gemacht, ich sehe das positiv.“ Aber käme ein Wechsel zu einem großen europäischen Spitzen-Klub wie der FC Liverpool zum Beispiel nicht doch viel zu früh für den Südkoreaner? „Jako“: „Was heißt zu früh? Erinnert euch doch mal an den jungen Hasan Salihamidzic. Da haben doch damals alle gesagt, was der beim FC Bayern will? Der würde dort nie spielen. Und was war? Er wurde auf Anhieb Stammspieler. Vom ersten tag an. Zu früh gibt es nicht. Man wächst an der Aufgabe und an den Mitspielern.“ Aber wäre Son denn schon jetzt reif für die Premiere League? Ist er nicht doch zu zweikampfschwach, weil zu weich? Jakobs: „Was heißt denn nun schon wieder zu weich? Wenn er permanent dazwischenhauen würde, dann würde es doch gleich heißen er ist zu ungestüm. Er kann schon den Ball behaupten, aber ich sehe es auch so, dass ihm dann oftmals die Anspielstationen da vorne fehlen. Ein bisschen Unterstützung wäre für ihn schon wünschenswert.“

Und gibt es eine Enttäuschung der Saison für Ditmar Jakobs? Eindeutig nein. Was aber sagt er zu Artjoms Rudnevs? „Ich habe immer gesagt, dass man ihm Zeit geben muss. Der wurde aus Polen geholt, und dann muss man ihm auch eine Eingewöhnungsphase zugestehen. Genau wie bei zum Beispiel Jacopo Sala oder Michael Mancienne.“ Dass mich Rudnevs körperlich ein wenig an den großen Horst Hrubesch erinnert, das wurde bei Ditmar Jakobs zum großen Lacherfolg: „Wie bitte? Das ist nicht dein Ernst, so etwas kannst du nicht behaupten. Rudnevs ist eine Kante? Also bitte!“ Aber Hrubesch, so sage ich, hat von Beginn an seine Top-Leistungen in Hamburg gebracht, obwohl er aus der Zweiten Liga (Rot-Weiß Essen) zum HSV gekommen war. Jakobs: „Hrubesch sprach auch Deutsch. Das hat die Sache vereinfacht, deswegen konnte er diese Leistungen auch bringen.“

Und was sagt „Jako“ zu Rene Adler? „Überragend! Er ist der Shooting-Star des HSV. Nach einer so schweren und langen Verletzung so schnell wieder auf Top-Niveau zu halten, das ist sensationell – das ist der Shooting-Star überhaupt. Viele sagen ja, dass Adler dem HSV mindestens acht Punkte gerettet hat, aber das ist mir egal. Egal wie viele es auch waren, er ist der ganz große Rückhalt des HSV. Deswegen ist er für mich die größte Überraschung, denn solche Leistungen habe ich nicht auf Anhieb zu erwarten.“

Was traut Ditmar Jakobs dem HSV in diese Saison noch zu? Viele träumen immer noch von Europa? Er sagt: „Das mit Europa ist völliger Quatsch. Ich sehe den HSV zwischen Platz acht und zwölf.“ Und wann geht es mal wieder nach oben? „Abwarten. Das hängt doch auch davon ab, ob diese Mannschaft nun zusammen bleiben wird, wer verkauft werden muss. Zeitlich lässt sich so etwas nie einengen. Immerhin haben sie ja in dieses Team mal richtig investiert, das war schon mal gut.“ Obwohl jetzt schon wieder einige in Hamburg Angst davor haben, dass zum Beispiel ein Milan Badelj schon gleich wieder von einem großen Verein weggeholt wird . . . Jakobs: „Ich muss doch als Klub wissen, was ich machen will. Wohin ich will. Will ich in die nationale Spitze? Will ich wieder international spielen? International ist eigentlich ein Muss für den HSV, bei dem Etat, bei den Kosten, die man hier hat. Deshalb muss man in den internationalen Wettbewerb. Schafft man das nicht, gibt es wieder vermehrt finanzielle Probleme, das muss man wissen. Also kann ich nicht diese Mannschaft schwächen, indem ich wieder Leistungsträger abgebe. Das muss in Hamburg irgendwie und irgendwann mal kapiert werden.“

Dann noch einmal zur Sechs-Stunden-Bahnfahrt nach Leverkusen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann fuhr der HSV zu Jakobs-Zeiten oft mit dem Zug, auch sehr oft mit dem Bus. Richtig? Er sagt: „das stimmt. Als ich damals zu Zeiten von Branko Zebec zum HSV kam, fuhren wir oft vom Bahnhof Dammtor mit der Bahn, aber sehr oft auch mit dem Bus. Später sogar nur mit dem Bus in den Westen. Nur in den Süden wurde geflogen.“ Und erfolgreich war dieser HSV doch, wenn ich mich recht erinnere, auch ganz passabel, oder? Besonders mit dem Bus hat es freitags oft viel länger gedauert – wegen der Staus. Kann Ditmar Jakobs solche Erklärung, wie sie nun von Thorsten Fink kam, verstehen? Der einst eisenharte Vorstopper: „Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang das der Trainer gesagt hat. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er es so gesagt hat. Aber man sollte generell mal sechs Stunden mit dem Bus fahren, danach dann sechs Stunden mit der Bahn – dann weiß man, dass sechs Stunden mit der Bahn Erholung ist. Im Zug kann sich jeder Spieler bewegen, sich die Füße vertreten . . . Aber ich kann mir, wie gesagt, nicht vorstellen, dass Thorsten Fink so etwas gesagt hat.“

Kein weiterer Kommentar dazu (von mir).

Aber ich habe da noch einen Brief, der an den HSV geschickt wurde. Vom OFC Matz ab. Sollte jeder wissen – und lesen:

Sehr geehrte Herren Jarchow, Arnesen, Hilke und Scheel,
liebe Nicole Fister,

im Namen aller Mitglieder unseres OFC HSV Matz ab bringen wir hiermit zum Ausdruck, dass wir jeglichen weiteren Stimmungsboykott und einen angedrohten Spieltagsboykott, wie es CFHH und PT 98 fordern, ablehnen.

Des Weiteren distanzieren wir uns mit Nachdruck von allen Aufrufen zur Gewalt, Pyro usw. die augenblicklich in diversen Internetforen und Netzwerken verbreitet werden.
Wir akzeptieren geschlossen sowohl unsere Stadionordnung als auch den Verhaltenskodex des HSV Supportes Club.
Auszug: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unkontrolliertes Abbrennen pyrotechnischer Erzeugnisse bei Spielen des HSV gefährlich ist,den Verein (erhebliche) Strafen kostet und unvorhergesehene persönliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Es wird an alle HSVer appelliert, das Abbrennen zu unterlassen.

Mit sportlichen Grüßen,

HSV Matz ab
OFC 13022

17.44 Uhr