Tagesarchiv für den 14. Dezember 2012

Badelj träumt von der Champions League – mit dem HSV!

14. Dezember 2012

Die Vorfreude ist allen anzumerken. Vor dem, bei dem und nach dem Training wirkten die HSV-Profis heute ziemlich locker und gelöst. Immerhin sind es nur noch wenige Stunden bis zum wohlverdienten – das kann man angesichts von 24 Punkten wirklich so sagen – Urlaub. Direkt nach Schlusspfiff löst sich die Mannschaft für rund zwei Wochen in alle Himmelsrichtungen – von den Bergen Norwegen bis Venezuela – auf die unterschiedlichsten Kontinente auf. „Einmal noch voll reinhauen“, sagt Tomas Rincon in sauberem Deutsch und ergänzt, „dann Holiday!“

Und genau so ist es.

Einmal noch Schwerstarbeit verrichten, immerhin geht es in Leverkusen gegen den Tabellenzweiten. „Aber die haben zuletzt auch drei Dinger bekommen“, weiß Trainer Thorsten Fink, „während wir zu null gespielt haben.“ Dass das auch in Leverkusen bleibt, davon ist Michael Mancienne überzeugt. Der Engländer wird wie gewohnt neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung auflaufen und es bei der Werkself mit Rene Adlers gutem Freund Stefan Kießling zu tun bekommen. Ob er sich schon bei Adler Tipps geholt hat? „Nein“, sagt Mancienne, „aber das werde ich noch.“ Zudem wird der sympathische Innenverteidiger wie gewohnt eine DVD mit den wichtigsten Infos zu der Leverkusener Offensive als Bettlektüre mitbekommen. „Wie immer“, sagt Mancienne, „aber am Ende spielen wir eh unser Spiel. Das machen wir gegen Augsburg genau so wie gegen Bayern oder eben jetzt Leverkusen.“

Klingt gut – weil selbstbewusst. Ebenso wie die Worte des so ruhig wirkenden Mittelfeldchefs Milan Badelj. Der Kroate ist wieder voll fit und mächtig heiß auf die Punkte 25, 26 und 27. „Ich fühle mich topfit, und wir sind in einer sehr guten Form. Wir werden in Leverkusen unser Spiel machen und gewinnen, wenn wir 100 Prozent bringen.“ Klar, 100 % beinhaltet: keine Fehler. Deshalb bereitet Fink seine Mannen im letzten saisonspiel auf einen Gegner vor, der für seine Offensivstärke bekannt ist und dennoch nicht zwingen das Spiel macht. Nicht einmal im eigenen Stadion. „Bayer ist eine sehr spielstarke Mannschaft, die überragend kontern kann“, sagt Fink, der schon deshalb nicht ins offene Messer laufen will. „Im Gegenteil, wir werden vorbereitet sein und trotzdem unser Spiel durchziehen.“ Mit der Rehhagel’schen „Kontrollierten Offensive“? „So ungefähr “, sagt Fink und lacht.

Soll heißen: das Mittelfeld ist auch defensiv eingerichtet. Zumindest rückt bleibt es beim Alten: Badelj auf der Sechs, Skjelbred auf der rechten und Aogo auf der linken Seite. Drei Mittelfeldspieler, die wie auch der erneute van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan ihre Stärken sowohl offensiv wie defensiv haben. „Wir sind im Mittelfeld sehr variabel“, weiß Badelj, „je nach Situation können wir reagieren. Das macht uns stark.“

Geht es nach Badelj sogar so stark, dass in Hamburg bald vom ganz großen Fußball gesprochen werden darf. „Die Europa League ist ein ganz realistisches Ziel“, formuliert der Champions League gewohnte Mittelfeldmann mutig. Und er setzt noch einen drauf: „Wenn man sich die Tabelle anguckt, sind es bis zur Champions League auch nur noch drei Punkte. Warum sollten wir uns diesen Tabellenplatz nicht als Ziel setzen?“

Weil es unnötig Druck aufbaut auf eine Mannschaft, die noch nicht ausreichend gefestigt ist? „Nein“, sagt Badelj, man brauche Ziele. Und die müssen immer etwas höher hängen als das, was man gerade erreicht hat. „Und in dieser verrückten Saison ist nur Bayern weg. Ansonsten ist doch für fast alle noch alles drin. Auch für uns. Wir dürfen uns nur nicht zu sicher sein. Wir müssen weiter jeden tag hart arbeiten“, relativiert Badelj und ich mag ihm zustimmen. „Das beginnt in Leverkusen. Dort sind drei Punkte zu holen.“ Sollte dem so sein, wäre zumindest Platz fünf als Winterquartier drin. Mit Tuchfühlung nach oben.

Wieder rankommen will auch Heung Min Son an seine gute Frühform in dieser Saison. Zuletzt schien der Südkoreaner etwas zu schwächeln und offenbarte neben wenig Torgefahr auch seine noch immer vorhandenen Mängel in der Defensivarbeit. Dennoch ist er gesetzt. „Sonni wird spielen“, sagt Fink, der mit Son und Rudnevs im Angriff beginnen will. Dass beide bislang sechs Saisontore haben freut Son. „Mir ist eigentlich egal, wer die Tore macht, Hauptsache wir gewinnen.“ Dass er dennoch gern noch ein paar Tore drauflegen will und auch nichts gegen die (interne) Torjägerkanone hat – klar. „Natürlich wäre das cool“, so Son, „aber ich mache mir da keinen Druck. Wenn Rudi trifft, ist das auch super.“ Kluge Worte, die auch ehrlich rüberkommen.
Nicht mithelfen werden in Leverkusen Robert Tesche, Marcus Berg und Slobodan Rajkovic, die allesamt nicht zum Kader gehören und dies als deutlichen Fingerzeig für die Winterpause verstehen dürfen.

Ob dem so ist und wer ansonsten noch zum Verkauf steht werden wir am Sonnabend nach dem Spiel Carl Jarchow fragen können. Mit dem Vorstandsboss werden wir das Leverkusen-Spiel, die Hinrunde, die bevorstehende Winterpause sowie die Rückrunde besprechen. Zudem werden wir sicherlich auch auf die Bilanz zu sprechen kommen, die ein erneutes Minus von 6,6 Millionen Euro ausweist. Ein Minus, für das sich der aktuelle Vorstand verantworten muss. Wofür noch, wird dabei auch geklärt werden können.
Zumal gerade das Thema „wer hat Schuld am Minus?“ hier im Blog noch immer die wildesten Blüten treibt. Weshalb noch immer einige behaupten, der aktuelle Vorstand habe kein Minus übernommen –unfassbar! Das ist so an der Realität vorbei wie nur irgendwas. Und vor allem: Nicht ein einziger Beteiligter leugnet diesen Umstand. Nicht einmal der alte Vorstandsboss höchstselbst. Oder wie ist es zu erklären, dass der HSV trotz des Umbruchs und vergleichsweise günstigen Zugängen wie Skjelbred, Mancienne, Bruma, Sala, Rajkovic etc. einen Transferaufwand von 27,6 Millionen Euro in 2011/12 hatte? Das würde alle bekannt gewordenen Zahlen ad absurdum führen und geht meines Erachtens nur, wenn noch Raten aus den vorangegangenen Transfers in das Geschäftsjahr 2011/’12 gerechnet werden müssen.

Womit ich doch noch einen kurzen Abstecher zur Präsentation der Kandidaten machen möchte, bei der Bernd Hoffmann als Unterstützung von Kathrin E. Sattelmair anwesend war. Sie und die anderen anwesenden 12 (Jan Harder fehlte entschuldigt) machten einen durchweg guten Eindruck. Mit einigen Ausschlägen nach oben. Und während diese Ausschläge bei renommierten Leuten wie Jens Meier, Ralf Bednarek und Cord Wöhlke erwartet und vollauf bestätigt wurden, konnte meines Erachtens Dr. Ralph Hartmann mit seiner Präsentation am meisten überraschen. Aber dazu werden wir uns hier noch deutlicher positionieren, wenn Ihr alle die Möglichkeit hattet, Euch von den Kandidaten selbst zu überzeigen. Das werden wir Euch ermöglichen. Nach jetzigem Stand wird es morgen Abend oder spätestens am Sonntag hier im Blog möglich sein, dass Ihr Euch die Reden der Kandidaten in voller Länge ansehen könnt. Vorher macht es meines Erachtens nach keinen Sinn.

In diesem Sinne, erst einmal wollen wir sehen, was den mutigen Worten der Spieler morgen in Leverkusen folgt. Wobei ich absolut davon überzeugt bin, dass in Leverkusen was drin ist. Wenn es gut läuft, sogar ein Dreier. Mein Tipp: 2:1, Torschützen: Badelj und Son – Gegentor: Kießling.

Bis morgen.
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Son, Rudnevs.