Skjelbred setzt auf seine letzte Chance – Erneutes Minus in Klubkasse

13. Dezember 2012

****Die Vorstellungsrunde der Aufsichtsratskandidaten ist nach knapp 140 Minuten beendet gewesen. Eine interssante Runde mit 11 Kandidaten und zwei Kandidatinnen (Pippig und Sattelmair). Wir werden versuchen, im Laufe des morgigen Tages alle Kandidatenreden reinzustellen, damit Ihr sie einzeln abrufen könnt. Gute Nacht!*****

Das wird ein langer Tag im Stadion. Pressekonferenz, Training, die Weihnachtsfeier Hamburger Weg mit den Profis und zu guter Letzt die Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten in der Westtribüne. Klingt nach einem netten Tag beim HSV – und ich hoffe, das wird er auch. Bisher war er es zumindest.

Wobei das kein Wunder ist, angesichts der sportlichen Situation. Nur drei Punkte sind es bis zur europäischen Überraschungsmannschaft Borussia Dortmund auf Platz drei. Ein Umstand, der heute bei der PK von meinen geschätzten Kollegen genannt wurde. Und mich zusammenzucken ließ. Zumal anschließend sogar Platz zwei ins Spiel gebracht wurde, der unter Umständen mit einem Sieg in Leverkusen die gesamte Winterpause über nur drei Punkte entfernt sein könnte. Es wurde in Konjunktiven orakelt – und mir wurde es zu viel. Ich bin ganz sicher kein Dauerpessimist. Ganz sicher nicht. Ich sage auch, dass dieser HSV alles mitnehmen muss, was andere liegenlassen. Aber jetzt schon wieder den ganz großen Gedanken Champions League mit dem HSV in Verbindung zu bringen wird niemandem helfen. Im Gegenteil: Am Ende, wenn der HSV wieder ins Mittelfeld rutschen sollte, wären plötzlich alle enttäuscht und die (noch) durchaus angemessene Position im non-europäischen Mittelfeld würde das sogar als Misserfolg gewertet.

Wozu also zu weit voraus denken?

„Das bringt uns nichts“, sagt auch per Skjelbred, der ein Lied davon singen kann, wie es ist, wenn man nicht weiß, was in nächster Zukunft passiert. Immerhin galt der Norweger bislang durchweg als Streichkandidat. Im Sommer hatte ihm der Verein einen Wechsel nahegelegt und wollte dies auch in diesem Winter tun. Bis zum Spiel gegen Schalke schien die Ausrichtung des Gesprächs unverändert. „Aber Per hat bewiesen, dass er es kann“, lobt Trainer Thorsten Fink, „ich habe immer gesagt, dass jeder seine Chance bekommt, wenn er Teamwork an den Tag legt. Per hat sich reingespielt.“ Ob das gleichbedeutend mit einem Verbleib des Norwegers in Hamburg ist? Fink weicht aus: „Ich habe mich nie zu diesem Thema geäußert. Ich habe nie gesagt, dass ich einen Spieler loswerden will.“ Ob er denn auf einen Verbleib von Skjelbred pochen wird? „Im Moment ist er im Team. Und ein Trainer will nicht unbedingt diese Spieler abgeben.“

Allerdings bleibt der Druck, Spieler verkaufen zu müssen. Zu den letztjährigen 4,87 Millionen Minus gesellen sich, so sagt es die abgedruckte Bilanz im HSV-Magazin „Live“ aus, für 2011/2012 noch mal 6,6 Millionen Euro Minus. „Das ist sicher kein Wunschergebnis“, sagt HSV-Boss Carl Jarchow, „aber sie wissen ja, was wir hier vorgefunden haben.“

Und ohne hier jetzt wieder ein Fass „Pro oder contra Bernd Hoffmann“ aufzumachen – Jarchow fand im März 2011 einen teuren Kader und geringe Einnahmen vor. Allerdings hat der neue Boss ein besseres Konzernergebnis in diesem Jahr erneut verpasst und dürfte es auch in diesem Jahr schwer haben. Zwar peilt der Klub für 2012/2013 weiter eine schwarze Null an. Allerdings haben die Schlusstransfers von Rafael van der Vaart und Petr Jiracek dieses Vorhaben in weite Ferne gerückt. Auch deshalb ist Sportchef Frank Arnesen angehalten, im Winter 6,4 Millionen Euro – so die Vorgabe vom Aufsichtsrat – einzusparen.

Womit wir wieder bei Per Skjelbred sind. Denn während die einen sagen, dass der sympathische Norweger seine Chance genutzt hat zu bleiben, sagen die anderen, dass er dadurch seinen Wert etwas steigern konnte und noch eher verkauft werden sollte. Das wiederum sieht Skjelbred anders. „Ich habe es immer gesagt: Ich würde sehr gern in Hamburg bleiben. Ich hoffe auch, dass ich bleiben kann. Aber der Verein ist der Boss. Ich muss schauen, was der Verein sagt“, so der 25-Jährige, der sich auf Gespräche in der Winterpause vorzubereiten scheint. Ob er schon Angebote von anderen Klubs hat oder sogar schon Gespräche diesbezüglich geführt hat? „Da ist gar nichts. Nein.“

Und nachdem Fink heute klar sagte, er wolle gegenüber dem Hoffenheim-Sieg nichts verändern, ist auch klar, dass Skjelbred eine weitere Gelegenheit haben wird, sich für den HSV anzubieten. Immerhin gilt der Rechtsfuß als der Gewinner der Systemumstellung auf eine Raute im Mittelfeld. „Das System passt perfekt zu mir“, so Skjelbred, „das habe ich früher schon gespielt. Und mein Gefühl ist auch sehr gut, weil wir gut spielen. Dann ist alles gut.“ Einzig die Nationalmannschaft fehlt ihm noch. Am 11. August 2010 war er das letzte Mal dabei. „Natürlich ist die Nationalmannschaft ein großes Ziel für mich.“ Dennoch blende er diesen Gedanken immer aus, um sich zunächst auf den HSV konzentrieren zu können. „Denn wenn ich hier spiele, spiele ich auch wieder für die Nationalmannschaft.“ Zu gönnen wäre es dem fleißigen Teamplayer, der heute trotz einer leichten Prellung mittrainierte, allemal.

Gegönnt hätte ich mir in Leverkusen übrigens auch einen Wechsel: Beister für Son. Den wird es allerdings nicht geben, wie Fink klarstellte.

Klar scheint auch, wen der Coach in den kommenden Tagen zu sich zum Gespräch bitten wird. Zuletzt hatte Fink selbst gesagt, er werde mit Robert Tesche und Ivo Ilicevic das Gespräch suchen. Zwei Spieler, bei denen ein Wechsel sehr nahe liegen dürfte. Immerhin hat sich Tesche, dessen vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2014 für mich noch immer eines der größten Rätsel überhaupt ist, bislang nie durchsetzen können. Der Rechtsfuß, dem alle Verantwortlichen großes Talent und nahezu alle Profi-notwendigen Fähigkeiten (zweikampf- und kopfballstark, technisch versiert, schussstark etc.) attestieren, ist allerdings ein Ladenhüter. Mit etwas über einer Million Euro im Jahr ist Tesche für nahezu alle Abnehmer uninteressant. Ob der HSV in so einem Fall zumindest die Ausgaben einspart und den Spieler umsonst ziehen lässt?

Er MUSS.

Denn ansonsten wird er Spieler wie Tesche oder auch Jaroslav Drobny (Vertrag bis Juni 2013, rund 1,7 Millionen Euro per annum) weiter auf der Gehaltsliste haben. Gut möglich sogar, dass ein Tesche nur dann abzugeben ist, wenn der HSV noch einen teil des Gehaltes übernimmt.

Klar scheint auf jeden Fall, dass beide angesprochenen Spieler ihre gut dotierten Verträge in Hamburg aussitzen wollen. „Wir haben mit einigen Spielern schon im Sommer ihre Situationen besprochen“, sagt Fink, ohne direkt Namen zu nennen, „und es gibt auch jetzt Spieler, die unzufrieden sind. Mit denen werden wir uns zusammensetzen und schauen, was das Beste für Spieler und Verein ist.“ Dass die Spieler das oft eins zu eins mit Gehalt gleichsetzen – Arnesen kann es verstehen. „Kein Spieler hat den Verein gezwungen, ihm einen Vertrag zu geben. Deshalb eines klar vorweg: Wir akzeptieren die Entscheidungen der Spieler. Aber ich sehe es auch als meine Aufgabe, den Spielern die Reichweite ihrer Entscheidungen aufzuzeigen.“

Die da heißt: Bank. Im Falle Drobny machen sich weder Fink noch Arnesen große Hoffnungen. Der Tscheche mit den angeschlagenen Knien hat mehr als deutlich gesagt, dass er bis Juni 2013 bleiben wolle. Zumal sein Kind hier zur Schule geht und der fürsorgliche Vater. Wobei man auch ganz klar sagen muss, dass Drobny im Training Vollgas gibt. „Sportlich ist er absolut einwandfrei“, lobt auch Arnesen das Engagement des Ersatzkeepers. Dass dies alles bei Spielern wie Ilicevic und insbesondere Tesche anders ist, sagt Arnesen nicht. Aber auch er sagt: „Jeder Spieler hat nur diese eine Karriere. Und die Spieler, die auf der Bank sitzen, sind selten die, die für große Klubs interessant werden. Im Gegenteil. Die bekommen oft Schwierigkeiten.“

Deutliche, ehrlich und korrekte Worte. Bleibt nur die Frage, weshalb Arnesen mit Tesche verlängert hat. „Weil er ein guter Fußballer ist“, so die Antwort, der ein Nachsatz folgen soll. Allerdings stockt Arnesen. „Er muss es nur zeigen. Auf dem Platz.“

In diesem Sinne, ich mache mich jetzt auf in Richtung Westtribüne. Ich werde Euch am späten Abend davon ein kleines Update hier reinstellen. Sollte alles klappen, könnt Ihr Euch morgen hier im Blog alle Reden der Kandidatinnen und Kandidatinnen anschauen. Wir werden auf jeden Fall heute Abend alle filmen und – deren Einverständnis vorausgesetzt – sie hier einzeln abrufbar machen.

Apropos Video: Am Sonnabend drehen wir unser letztes „Matz-Ab Live“ im Champs. Zumindest für das Jahr 2012. Unser Gast wird Carl Jarchow sein, mit dem wir nicht nur das Spiel in Leverkusen analysieren wollen sondern auch eine kleine Bilanz sowie einen Ausblick auf das neue Jahr wagen wollen. Wir freuen uns darauf. Zumal, wenn wir in Leverkusen gewinnen!

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Rest-Donnerstag.

Scholle

P.S.: Zum verabschiedeten Sicherheitspapier sagt Jarchow heute: “Unsere Fans müssen sich keine Gedanken machen. Für unsere Fans wird sich nichts ändern.”

210 Reaktionen zu “Skjelbred setzt auf seine letzte Chance – Erneutes Minus in Klubkasse”

  1. Schenefelder sagt:

    http://www.mopo.de/hsv/auch-in-leverkusen-hsv-ultras-kuendigen-weiteren-protest-an,5067038,2111708
    .
    Sie lernen und verstehen es nicht! Hauptsache Protest. Es geht auch ohne euch, liebe Popto** und CF**!
    .
    Das Sicherkeitskonzept stellt Leitplanken dar,´die vom Verein individuell mit Inhalt gefüllt werden sollen. Zusätzlich wurden einige Beschlüsse noch vor der Verabschiedung geändert.
    Hat jemand die genauen Beschlüsse schon gefunden?

  2. Hansinator sagt:

    Schade, dass Frau Pippig nicht zu sehen war.

  3. Lars49 sagt:

    @schbaggn 18:53

    oops – was hab ich getan?

  4. Kubikmeter sagt:

    Mein HSV ist doch nicht in den 90ern gelandet. Puuhhh, Glück gehabt!
    Juhuuu!!!

  5. Sasch sagt:

    Wie jetzt?

  6. WORTSPIELER sagt:

    klitze-kleiner test:
     
    *˛°*/..\* ˛*. * ˛_Π_____. * ˛* .°••°. * . * ( . • . )
    ˛°./• ‘ ‘ •\.˛*,*./______/~\*. ˛*.。. *。 *(…’•’.. )
    * ˛╬╬╬╬╬ ˛° .|田田 |門|╬╬╬╬ .˜”*°••°*”˜¯`
    ´¯˜”*°••°*”˜¯` ´¯˜”*°´¯˜”* °••°*”˜¯`´¯˜”*°

  7. Schenefelder sagt:

    @ waf: Danke für den link! Ist also tatsächlich so, dass die Ganzkörperkontrolle gar nicht explizit genannt wird. Der Zusatzantrag zur Formulierung von Frankfurt ist sinnvoll.
    .
    Und auch die Einschränkung des Gästekartenkontigents ist dem DFB / der DFL zu erklären´. Also mal eben so aus Bock Gäste verbieten geht nicht. Nun sind die Fans an der Reihe zu zeigen, dass es keine Gründe für eine Reduzierung gibt.
    .
    @ Wortspieler: Bist also auch ein genialer Zeichenkünster! Sieht klasse aus!

  8. WORTSPIELER sagt:

     
    *˛°*/..\* ˛*. * ˛_Π_____. * ˛* .°••°. * . * ( . • . )
    ˛°./• ‘ ‘ •\.˛*,*./______/~\*. ˛*.。. *。 *(…’•’.. )
    * ˛╬╬╬╬╬ ˛° .|田田 |門|╬╬╬╬ .˜”*°••°*”˜¯`
    ´¯˜”*°••°*”˜¯` ´¯˜”*°´¯˜”* °••°*”˜¯`´¯˜”*°