Zwei Tore – jetzt ist “Rudi” da!

7. Dezember 2012

Der HSV hat die Pflichtaufgabe gegen Hoffenheim erfüllt, schaffte im letzten Heimspiel des Jahres 2012 einen lockeren 2:0-Erfolg – und steht für eine Nacht auf Platz sechs! Das ist eine wirklich schöne Momentaufnahme, aber es sollte nicht vergessen werden, dass Abstiegskandidat Hoffenheim der wohl schlechteste HSV-Gegner in dieser Hinrunde gewesen ist. Der HSV musste sich kein Bein ausreißen, um diesen Dreier nach Hause zu bringen, aber das soll die Leistung gewiss nicht schmälern. Fest steht, dass sich der HSV gegen Ende der Herbstserie stabilisiert und auch deutlich verbessert hat. Abstiegsgefahr ist ein Fremdwort im Volkspark – jetzt wird nach oben geblickt. Und das nicht nur, weil es in den nächsten Minuten in die Luft und dann Richtung Südamerika geht. Viel Glück auf diesem Trip, der dem immerhin 850 000 Euro in die Kasse spülen wird.

Als der HSV am Abend aus dem Bus stieg, führte Artjoms Rudnevs die Mannschaftskameraden in Richtung Kabine. Von Hoffenheim. Plötzlich und unerwartet war der Gegner bereits in seiner Kabine. Aber dann fanden die HSV-Profis doch noch den rechten Weg. Und Artjoms Rudnevs ohnehin. Aber dazu später. Vor dem Anpfiff gab es erst noch einige Arbeit für den verletzten Maximilian Beister, der von ein er TV-Kamera zur nächsten hecheln musste. Und diese Kameras hielten, als die Interviews im Kasten waren, auf den neuen Mann im HSV-Team: Zhi Gin Lam. Trainer Thorsten Fink hatte sich für den Nachwuchsmann entschieden, ließ dafür – wie erwartet – Jeffrey Bruma auf der Bank. Risiko. Das hätte auch schief gehen können – ging es aber nicht. Weil der Gegner Hoffenheim hieß. Da geht im Moment recht wenig. Auch wenn die Mannschaft ganz gefällig aufspielte, aber meistens war am HSV-Strafraum Ende der Durchsage. Dann ging kaum mal etwas.

Lam – so der Grund für den Wechsel hinten links – sollte die offensivere Variante sein. Bruma der Defensivmann, Lam der Mann für die Offensive. So war es auf jeden Fall mal angedacht, aber der junge Lam riskierte kaum mal etwas offensiv, und seine Pässe gingen in der Regel immer nur zurück. Sicher ist sicher. Aber es war ja auch klar, dass Lam nicht unbedingt vor Selbstvertrauen strotzen würde. Woher sollte es auch kommen? Die Regionalliga-Mannschaft hatte sich zuletzt eine fast einmalige Niederlagen-Serie erlaubt. Bis heute. Das sei schon mal an dieser Stelle eingeflochten. Heute siegte der HSV-Nachwuchs bei Werder Bremen mit 1:0. Das Tor erzielte Fabian Graudenz in der 87. Minute. Herzlichen Glückwunsch der Mannschaft und ihrem Trainer Rodolfo Cardoso!

Zurück zur Bundesliga. Hoffenheim wollte, konnte aber nicht so recht. Und der HSV, der bereits in der fünften Minute eine gute Möglichkeit hatte, als Dennis Aogo aus zwölf Metern zum Schuss kam (genau auf Mann, leider), taute bei einigen Minusgraden ungefähr nach zwölf Minuten auf, als die Fans ihren Stimmungs-Boykott beendeten. Mit den Anfeuerungsrufen vor allen Dingen aus dem Norden fand der HSV vor einigen leeren Plätzen (mehr als sonst) stetig besser ins Spiel, ohne allerdings ein Feuerwerk abbrennen zu können. Das aber hatte ich auch nicht erwartet, denn es kann mir keiner erzählen, dass jeder Spieler in diesem Spiel nur an die Bundesliga-Punkte gedacht hat – wenn kurz vor Mitternacht der Flug nach Brasilien auf dem Programm steht. Erst sechseinhalb Stunden nach Dakar (Senegal) zum Auftanken, dann weiter nach Porto Alegro – wo nicht nur eine Zeitumstellung zu verkraften sein wird, sondern auch die der Temperaturen. Von minus vier Grad auf 27 Grad plus. Herzlich willkommen im brasilianischen Sommer. Zur Stadioneinweihung des ehemaligen Weltpokal-Gegners von 1983. Das Spiel findet am Sonnabend um Mitternacht statt, so der Telefon-Gott will, werde ich nach dem Schlusspfiff gegen zwei Uhr das Resultat bei „Matz ab“ reinstellen.

So, nun aber wirklich zum Hoffenheim-Spiel. Das nicht so sehr von Höhepunkten geprägt war. Immerhin gab es noch vor der Pause ein Tor des HSV: Rechtsflanke von Dennis Diekmeier, Kopfball von Rudnevs aus zwölf Metern – und Tor! Wie das ging, war mir und auch vielen Kollegen unklar. Wahrscheinlich war und ist der Hoffenheimer Torwart Koen Casteels zu klein – mit seinen geschätzten 1,98 Meter. Wäre ich Hoffenheimer Trainer gewesen, hätte ich den Keeper ausgewechselt und den Busfahrer zwischen die Pfosten gestellt – dieses Tor war ein Witz. Aber es freut mich für Rudnevs, dass er wieder „sein“ Ding gemacht hat. Und es war ja nicht nur wichtig für ihn, sondern für die Mannschaft. Die er erst in die Irre geführt hatte. Vor dem Spiel – die falsche Kabine.

Schon vor dem Treffer hatte der HSV das Heft in die Hand genommen, nach diesem 1:0 nur noch mehr. Heung Min Son wurde auf die Reise geschickt, doch sein Schuss aus 14 Metern rauschte zwei Meter über die Torlatte. Immerhin, da war mal Schmackes hinter (32.). Und fast einen Volltreffer hatte fünf Minuten später Tolgay Arslan zu vermelden, das war klasse gemacht – aber leider nur die Latte. Seinen Drehschuss aus 13 Metern hätte Casteels nie gehalten, aber der Ball prallte leider von der Latte zurück ins Feld – viel Pech für den Van-der-Vaart-Vertreter.

Im zweiten Durchgang herrschte auf beiden Seiten Sturmflaute. Der HSV hielt den Ball, ließ Hoffenheim laufen, aber Torgefahr gab es auf beiden Seiten nicht zu registrieren. Es dauerte bis zur 74. Minute, dann gab es Freistoß auf der rechten Seite, den Aogo zur Mitte brachte. Dort wurde der Ball von den Hoffenheimer nicht abgewehrt, sondern nur verlängert. Die Kugel kam zu Rudnevs, und der Lette schoss, obwohl er gar nicht richtig traf, den Ball aus sieben Metern ins Netz. Die Vorentscheidung. Und für Rudnevs der erste Doppelpack in Deutschland – herzlichen Glückwunsch. Dass bei diesem 2:0 TSG-Schlussmann Casteels erneut nicht ganz so gut aussah, sollte eigentlich verschwiegen werden, aber die HSV-Fans skandierten: „Ohne Wiese habt ihr keine Chance.“ Vor dem Anpfiff hatte ich in den Katakomben den ehemaligen Aufsichtsrat Axel Formeseyn getroffen. Und das kennt dann jeder: „Was tippst du?“ Ich sagte 1:0 – „weil Wiese fehlt.“ Axel F. strahlte daraufhin und sagte auch: „Ich tippe auf Sieg, und ich bi so froh, dass Wiese nicht spielt – der würde doch wieder wie der Teufel halten . . .“ Eben, diesmal nicht. Zum Glück. Obwohl dieser HSV wahrscheinlich auch Tim Wiese bezwungen hätte. „Dittsche“ (der auf der Tribüne saß – Olli Dittrich) würde sagen: Man weiß es nicht, man weiß es nicht . . .“

Mit dem 2:0 war das Ding gelaufen. Und in dieser Verfassung ist Hoffenheim für mich Absteiger Nummer eins. Noch vor Augsburg und noch vor Fürth. Die TSG 1899 hatte in der zweiten Halbzeit keine einzige Tormöglichkeit. Und so spielt ein Absteiger.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt das, was er zu halten bekam – das war nicht viel. Aber immerhin, der Nationalkeeper spielte erneut eine fehlerlose Partie.

Dennis Diekmeier begann fahrig und lässig, brauchte diesmal fast eine halbe Stunde, um zu seinem Spiel zu finden, mit der Vorlage zum 1:0 war er dann drin.

Michael Mancienne hatte zu Beginn ein, zwei Szenen, in denen er nicht ganz so souverän aussah, aber dann wie gewohnt sicher und souverän.

Heiko Westermann stopfte vornehmlich zu Beginn viele Löcher, emsig wie eh und je, er stellte sich erneut in glänzender Form vor. Hut ab, Herr Kapitän!

Zhi Gin Lam riskierte kaum etwas, wenn er mal nach vorne ging, dann ging sein Abspiel meistens zum Gegner – dennoch kein schlechter Auftritt, ganz sicher nicht. Er hat diesen ersten Profi-Auftritt in dieser Saison ganz solide vollbracht.

Milan Badelj hatte auch zu Beginn einige Schwierigkeiten, ins Spiel zu kommen, spätestens mit dem 1:0 war es dann vollbracht. Note drei.

Per Ciljan Skjelbred machte Spaß. Der Norweger zeigte mir, dass er Lust am Spiel hat, er lief viel, unternahm einiges – das sah wieder recht gut aus.

Dennis Aogo lief wieder enorm viel, war überall zu finden, er ist eine Stütze der Mannschaft . und das im für ihn nicht besonders geliebten Mittelfeld. Noch nicht geliebten – das wird aber, so glaube ich, noch kommen.

Tolgay Arslan präsentierte sich mit Licht und Schatten, er hat die Sechs inzwischen besser drauf als die Zehn. Immerhin, in der zweiten Halbzeit lief es etwas besser für ihn.

Heung Min Son begann unternehmungslustig, das sah gut aus, dann misslangen ihm einige Dinge – und schon schlichen sich einige misslungene Sachen ein. Das kann er besser.

Artjoms Rudnevs hatte vor einiger Zeit versprochen: „Ich werde noch besser.“ Er hält Wort. Erster Doppelpack für ihn, stark.

Jeffrey Bruma kam in der 79. Minute und half noch mit, den Sieg über die Zeit zu bringen.

Jacopo Sala kam in der 84. Minute für Skjelbred und durfte sich so noch über die Siegprämie zu Weihnachten freuen.

Marcus Berg löste in der 90. Minute Rudnevs ab – auch für ihn noch die Siegprämie.

Die Stimmen zum Spiel:

Thorsten Fink: „Wir hatten am Anfang einige Probleme, aber dann wurde es sicherlich besser, dann haben wir auch ein gutes Spiel gemacht. Rudnevs ist so, wie ein Torjäger sein muss, er ist schnell und willig, und er steht dort, wo er stehen muss. Das zeichnet einen Torjäger aus.“

Tolgay Arslan: „Pech für mich, mit dem Lattenschuss, aber wichtig ist für mich, dass wir gewinnen. Obwohl ein Tor sicherlich sehr schön gewesen wäre.“

Heiko Westermann: „Mit diesem Sieg haben wir auf jeden Fall schon mal ein schönes Weihnachtsfest. Und nun versuchen wir auch am Sonnabend noch in Leverkusen etwas zu holen.“

Sportchef Frank Arnesen: „Ich habe immer gesagt, dass Artjoms Rudnevs noch kommen wird, aber er brauchte seine Zeit. Nun ist er da, weil er sehr hart trainiert – und weil er es drauf hat. Wer drei Jahre lang Torjäger Nummer eins in Ungarn und Polen wird, der schießt auch in Deutschland seine Tore, und das macht er nun.“

22.39 Uhr

210 Reaktionen zu “Zwei Tore – jetzt ist “Rudi” da!”

  1. kauz sagt:

    Billy Bremner sagt:

    8. Dezember 2012 um 17:44

    kauz sagt:
    8. Dezember 2012 um 17:42
    Der HSV stellt aktuell die 3. beste Abwehr der Liga!”

    Relevanz-freier Statistik-Stuss. Vielleicht stellt der HSV auch die 26.-beste Abwahr seit Bestehen der BL nnach dem soundsovielten Spieltag.

    Auch hier liegst Du wieder falsch.
    Wenn man nur 18 Tore geschossen hat, dann ist die Gegentorbilanz sehr wohl von Relevanz.
    Und über die halbe Saison hinweg ist diese Statistik sehr aussagekräftig.

  2. kauz sagt:

    Vergleicht man die Torbilanz mit der des Vorjahres zum hleichen Zeitpunkt, dann darf man daraus Rückschlüssen ziehen, wo das Trainerteam die Mannschaft verbessert hat.
    Also auch da gibt es eine Relevanz und das hat Aussagekraft.

  3. Singh sagt:

    Also, ich gestehe ich bin eher selten im Stadion, so 1-2 Mal pro Saison, als ehrenamtlicher Jugendtrainer ist das Wochenende ja meistens verplant. Um so schöner, dass ich dieses Freitagsspiel mal mit meinen Sohn dabei sein konnte. War zwar ziemlich “Fußkalt”, ist aber immer wieder schön Fußball Live im Volkspark zu sehen. Großer Fußball war es zwar nicht, Hoffenheim erschreckend schwach, ich glaube heute hätte auch eine gute Oberligamannschft die SAP Truppe geschlagen. Ein paar Sachen, die mir während des Spieles durch den Kopf gegangen sind.
    Was ist mit Aogo los? Der wirkte vollkommen ausgebrannt. Der Junge braucht Zuspruch, da fehlt im Moment die Eigenmotivation. Ich habe etwas von schlechten Blutwerten gehört, was immer das bedeutet, auf mich wirkte Aogo eher wie Deisler kurz vor seinem Karriereende. Und Rudnevs ist wirklich ein Grobmotoriker, bei jeder filigranen Bewegung verliert er das Gleichgewicht, die 2 Tore heute waren doch eher Torwartgeschenke und im Jahre 2012 ist eine Hrubesch light Version auch ein wenig anachronistisch.
    Ihr merkt schon, ich bin kein Freund von “Der Erfolg heiligt die Mittel”, ich will schon eine Entwicklung sehen und die war heute nicht zu sehen. Das letzte Spiel, dass wir live gesehen hatten, war der Saisonabschluß gegen Mainz, ein Spiel auf unterem 2 Liga Niveau. Heute war es eigentlich nicht viel besser, nur kälter.
    Fußball ist eigentlich ein einfaches Spiel und lässt sich mit wenigen “Merksätzen” erklären. Einer der wichtigsten lautet: “Wenn der Ball auf dem Weg zu Dir ist musst Du schon wissen, was Du als nächstes machen willst.” Ich hatte heute den den Eindruck, dass nur Badelj und Skelbredt diese “Weisheit kennen.

  4. Schenefelder sagt:

    Kann Wolfburg eigentlich auch ohne Hilfe des Schiedsrichters gewinnen? Gegen uns ein klares Foul von Olic nicht gepfiffen, gegen den BVB nun die nächste Schote.
    .
    Was ist bloß mit den Schiedsrichtern los? Die betteln ja förmlich um den TV-Beweis!? Ist das Spiel inzwischen zu schnell für die menschliche Entscheidungskraft? Oder liegt es nur daran, dass wir zig Kameras mehr haben im Stadion?

  5. Schenefelder sagt:

    War Bayern schlecht oder warum schießen die gegen Augsburg nicht 5 – 6 Tore? Diese Frage konnte man sich gestern auch beim HSV stellen. Scheint aber in Mode zu sein, dass man sich im Bewußtsein anderer Aufgaben nicht zu 100% quält,wenn es nicht sein muss…!

  6. flashbax sagt:

    wieso wird arnautovic mit 5 toren so gehyped ?
    und wieso wird rudi nicht so gefeiert ?
    fragen über fragen…

  7. Blogfan sagt:

    flashbax sagt:

    8. Dezember 2012 um 18:16

    wieso wird arnautovic mit 5 toren so gehyped ?
    und wieso wird rudi nicht so gefeiert ?
    fragen über fragen…
    —-

    ….weil die in der Fischerdorf-Ecke keinen DM haben :-)

  8. Blogfan sagt:

    gibt es evtl. einen Stream aus Brasilien ??????
    Wer weiß mehr ?

  9. Gut-Fink sagt:

    @Blogfan

    Versuche es im neuen Blog, da hast du bessere Chancen.

  10. Dylan1941 sagt:

    Schenefelder sagt:
    8. Dezember 2012 um 17:52

    Kann Wolfburg eigentlich auch ohne Hilfe des Schiedsrichters gewinnen? Gegen uns ein klares Foul von Olic nicht gepfiffen, gegen den BVB nun die nächste Schote.
    .
    Was ist bloß mit den Schiedsrichtern los? Die betteln ja förmlich um den TV-Beweis!? Ist das Spiel inzwischen zu schnell für die menschliche Entscheidungskraft? Oder liegt es nur daran, dass wir zig Kameras mehr haben im Stadion?
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    Fahren vielleicht alle Marken der VW Dachgesellschaft ….günstig geschossen….halt Vorführwagen!