Tagesarchiv für den 2. Dezember 2012

1:1 – Adler rettete den einen Punkt

2. Dezember 2012

Beim HSV kann im Moment ausfallen wer will – er kann es kompensieren. So gesehen scheint der Klub und vor allen Dingen der Sportchef alles richtig gemacht haben. Die Spieler haben ihre Qualität. Und deswegen wurde in Wolfsburg nicht verloren, sondern mit dem 1:1 ein wichtiger Punkt gewonnen. Das trotz der Tatsache, dass nach Rafael van der Vaart und Petr Jiracek diesmal Tolgay Arslan und Marcell Jansen ausfielen. Aber selbst bei der personellen Notlage kann sich dieser HSV erlauben, den erfolgreichsten Torschützen, nämlich Heung Min Son, der es bislang auf sechs Treffer bringt, auf die Bank zu setzen. Alles wird gut. Nein, inzwischen ist ja vieles schon gut. Schade eigentlich, dass die Winterpause bald naht. Obwohl er in Wolfsburg Mitte der zweiten Halbzeit auch ein wenig müde und überspielt wirkte. Das aber dürfte sich bis zum Freitag, dem Heimspiel im Volkspark gegen Hoffenheim, wieder gegeben haben. Die Punkteteilung in Wolfsburg war schließlich gerecht, obwohl der VfL-Treffer irregulär war. Aber dazu unten mehr.

Die jungen „Finken“ knüpften in der Autostadt dort an, wo sie beim 3:1 gegen Schalke 04 aufgehört hatten. Die Mannschaft wirkte entschlossen, konzentriert und willensstark. Obwohl auch der VfL Wolfsburg gleich mächtig auf die Tube drückte, geriet der HSV nicht unter Druck – und schon gar nicht in Gefahr. Das sah sehr souverän aus. Beängstigend war eigentlich nur, dass die „Wölfe“ in der Anfangsphase (und nicht nur dort) zu einigen Freistößen in HSV-Strafraumnähe kamen. Und bei Standards haben die Niedersachsen mit den Brasilianern Diego und Naldo ja zwei ganz hervorragende und gefährliche Stützen. Aber zur Not hat der HSV eben auch einen guten Torwart zwschen den Pfosten . . .

Auffällig war an diesem Abend, wie sehr sich vorne Artjoms Rudnevs „reinhing“. Ich behaupte einmal, dass dieser Auftritt bislang sein bester im HSV-Trikot war. Er lief und kämpfte nicht nur, nein, er gewann Kopfballduelle, er behauptete den Ball und verteilte ihn sogar klug. Bravo, „Rudi“, das war ganz stark – bärenstark. Und im Mittelfeld griff wieder, wie gegen die „Knappen“, ein Rädchen ins das andere. Großartig dabei, wie Per Ciljan Skjelbred aufgetaut ist. Je kälter es nun wird, umso heißer spielt der Norweger Fußball. Er ist auf dem besten Weg, sich in diese Mannschaft zu spielen. Oder sagen wir mal so: Thorsten Fink dürfte es an einem Punkt sicher sehr schwer haben, Skjelbred wieder aus dem Team zu nehmen. Natürlich, wenn Rafael van der Vaart wieder da ist, dann könnte es schon wieder eng werden.

Aber bislang, so habe ich den Ein druck, harmoniert Skjelbred vor allen Dingen sehr gut mit Milan Badelj, aber auch mit Rudnevs. Da finden sich im Moment Leute, die vor Wochen noch kaum einer so richtig auf dem Zettel hatte. Auch das kann nur im Sinne des HSV sein – also nur gut.

Die erste Möglichkeit in diesem Spiel hatte der VfL. Auf der Strafraumlinie wurde der Ball dem Niederländer Jeffrey Bruma an die Hand gedroschen, die Hausherren (und deren Fans) forderten lautstark Elfmeter. Manch einer gibt den wohl, obwohl wir im „Champs“, aus dem wir gleich nach Spielschluss wieder „Matz ab live“ senden werden, nicht sicher waren, ob es nun „drin“ war, oder draußen. Die Linie zählt zu drin! Aber man kann natürlich auch geteilter Meinung sein, ob man da „Hand“ geben kann – oder darf? Das ist in diesen Tagen ja ein ganz spezielles Thema, der eine pfeift es, der andere nicht. Peter Sippel zum Glück hat nicht gepfiffen – gut so! Den Freistoß schoss übrigens Diego in die HSV-Mauer. Er schoss, obwohl da eigentlich besser ein „Linksfuß“ geschossen hätte – aber das ist natürlich ganz allein eine Sache des VfL.

Auf der Gegenseite war es auch ein Freistoß, der für die erste Gefahr sorgte. Heiko Westermann deutete an, als wolle er schießen, dann schoss überraschend Dennis Aogo. VfL-Keeper Benaglio stand wie versteinert, er hätte nicht den Hauch einer Abwehrmöglichkeit gehabt, aber die Kugel flog um Millimeter vorbei (23.). Das war Pech – ich hätte Aogo (und auch dem HSV) dieses Tor so gegönnt. Das 1:0 erzielte dann Maximilian Beister. Milan Badelj spielte Rudnevs an, der Lette schickte Beister steil (ein sensationelles Zuspiel!), und Beister kreuzte allein vor dem VfL-Gehäuse auf und verwandelte nervenstark. Sein zweiter Saisontreffer – nach dem 1:0 gegen Schalke. Am Sonnabend hatte ich dem “Maxi“ noch alles Gute für Wolfsburg gewünscht und dabei gesagt: „Nach dem der Bann ja nun gebrochen ist, muss das ja jetzt auch in Wolfsburg klappen . . .“ Er blieb ganz kurz stehen, sah mich an und sagte: „Muss? Muss muss gar nicht.“ Natürlich. War ja auch gar nicht so als „muss“ gemeint – aber es hat ja doch bestens geklappt – das Ding mit dem „muss“.

Und: Der HSV wieder einmal enorm effizient, denn die zweite Torchance wurde genutzt. Wer macht das schon? Leider wurden die nächstfolgenden Möglichkeiten nicht so genutzt. Da ging dann die Effizienz ein wenig verloren. Wobei die Wolfsburg noch zweimal haarscharf vor dem 1:1 standen. Einmal warf sich Michael Mancienne in einen Diego-Schuss (29.), dann musste Rene Adler bei einem Naldo-Freistoß sein ganzes Können aufbieten, um den Ball über die Latte zu lenken (30.). Aber das darf ein Torwart ja auch – oder?

Auf der Gegenseite hätte Badelj sein zweites Tor für den HSV erzielen können – fast schon müssen. Der Mittelfeldspieler hatte den Ball auf dem linken Fuß, tauchte halblinks vor Benaglio auf – und schoss am langen Eck vorbei. Das war ganz bitter (43.). Mit einem 2:0 zur Pause hätte der HSV komfortabel aus der Kabine kommen können. Aber so ist Fußball.

Das musste in der 52. Minute auch Beister erkennen. Mustergültig von Aogo bedient, hätte der 1:0-Torshcütze auch zum 2:0 treffen können, fast (ebenfalls) müssen, aber Beister überlegte einen Hauch zu lange – und traf den Ball auch nicht richtig. Statt Tor nur Eckstoß – und der gute „Maxi“ ging in die Knie und hielt sich die Hände vor das Gesicht. Er wusste, dass das fast ein „Elfmeter“ gewesen ist, den er da liegen gelassen hatte. Beister wurde eine Minute später ausgewechselt – er schien verletzt. Neu ins Spiel kam Heung Min Son.

Von nun an ging’s bergab. Was nicht an Son lag, sicher nicht. Aber allmählich schwang sich Wolfsburg auf, den Ausgleich zu machen. Dass ausgerechnet ein Fehler des Schiedsrichters dazu führen würde, passt irgendwie und ein wenig zur Saison des HSV. Weil es ja keine Spitzen-Schiedsrichter sind, die einen Mittelklasse-Klub pfeifen. Sippel wird man kaum mal in Dortmund sehen, da pfeift die erste Liga – Sippel pfeift Wolfsburg – HSV. Und dass dieser Sippel nicht erkennt, dass der ehemalige Hamburger Ivica Olic unserem Rene Adler bei dem Versuch, eine Flanke zu greifen, in den Arm fasst – das ist nicht nur bitter, sondern peinlich. Zudem spielte sich diese Szene einen Meter vor der Torlinie ab, das hätte auf jeden Fall abgepfiffen werden müssen. Aber Herr Sippel wollte es anders, es gab danach eine erneute Flanke der Wolfsburger, und diese führte dann prompt zum 1:1, von Kjaer per Kopf erzielt. Unhaltbar. Und weil sich Adler danach noch über die Szene zuvor lautstark und vehement bei Sippel beschwert hatte, zog der Unparteiische Gelb. Natürlich. Und nun bin ich mal gespannt, was der Schiedsrichter-Ausschuss zieht – für Sippel. Ich würde wetten, dass der Herr am nächsten Wochenende mal wieder die Zweite Liga pfeifen darf.

Danach spielte fast nur noch Wolfsburg. Adler stand im Brennpunkt. Der HSV wackelte, aber er kippte nicht um. Wenigstens ein Punkt wurde gerettet. Mit Glück, denn Vieirinha traf mit der Pieke aus elf Metern noch den Pfosten des HSV-Tores (76.). Durchatmen. Es blieb bis zum Schlusspfiff hart umkämpft – und eine Zitterpartie.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt wieder überragend, auch wenn er zweimal an Eckbällen vorbei griff – zum Glück köpfte Naldo stets über das HSV-Tor. Adler rettete den Punkt!

Dennis Diekmeier stellte seine gute Form auch in Wolfsburg unter Beweis, er ist im Moment sehr gut drauf – er hat es anscheinend gepackt (die Erste Liga).

Michael Mancienne stellte sich wieder einmal überragend vor, allmählich, so denke ich, könnten ihn die Engländer durchaus mal auf dem Zettel haben – für ihre Nationalmannschaft.

Heiko Westermann war wieder ein Vorbild in Sachen Kampf und Einsatz, er musste Schwerstarbeit verrichten, verlor aber selten einmal die Ruhe und die Übersicht. Note zwei.

Jeffrey Bruma spielte auf der für ihn ungewohnten linken Seite eine solide Partie. Er ist eine gute Alternative.

Tomas Rincon räumte mehr als einmal rustikal ab, nicht sehr wählerisch in seinen Mitteln – er konnte auch schon mal etwas besser Fußball „spielen“.

Per Ciljan Skjelbred brachte eine ausgezeichnete erste Halbzeit hinter sich, dann verließen ihn langsam aber stetig die Kräfte. Ging in der 73. Minute raus, für ihn kam Sala.

Dennis Aogo war der Kilometerfresser beim HSV, tauchte überall auf und bot erneut im Mittelfeld eine sehr gute Leistung.

Milan Badelj spielte eine großartige erste Halbzeit, aber im zweiten Durchgang ließ auch er etwas nach.

Artjoms Rudnevs überzeugte in den ersten 45 Minuten, dann war er wieder zu oft allein auf sich gestellt – und schaffte kaum noch etwas Produktives.

Maximilian Beister hätte das 2:0 machen müssen – und drin der Fisch. Wirkte aber selbstbewusst und scheint sich immer mehr in der Liga eins wohl zu fühlen.

Jacopo Sala kam für Skjelbred, spielte bis zum Abpfiff nur noch mit, und das sehr unauffällig.

Pauls Scharner kam in der 84. Minute für Rudnevs und machte mit bei der Abwehrschlacht. Effektiv mit.

Heung Min Son kam in der 53. Minute für Beister – und was mir während der Sendung “Matz ab live” ein- und aufgefallen ist, das hatten natürlich schon unzählige User schnell entdeckt: Matz hat den Südkoreaner vergessen. Stimmt. Wobei ich Son auch gar nicht gesehen habe. Das mag eventuell auch dem einen oder anderen User so ergangen sein. Also für mich hat Son nicht viel gezeigt, um es milde zu formulieren, das mag vielleicht daran liegen, dass er kein Einwechselspieler ist. Oder nicht unbedingt ein Einwechselspieler ist. Aber das kann sich ja auch mal ändern.
Ergänzt um 21.16 Uhr

19.32 Uhr