Monatsarchiv für Dezember 2012

Der Hammer: Tesche und Kacar aussortiert ***ERGÄNZT von Scholle, 3.53 Uhr***

31. Dezember 2012

Das war Premiere. Am 31. Dezember war ich noch nie bei einem HSV-Training. Aber diesmal. Und lausig kalt war es, stürmisch dazu. Dass sich jedes Flugzeug, das sich über den Volkspark hinwegquälte, oben hielt, ist irgendwie immer wieder ein kleines Wunder. Dass mein rechtes Ohr nicht abgefallen ist, auch. Weil von rechts dieser schlimme Wind, der eigentlich ja schon ein Orkan ist, kam. Egal. Die HSV-Spieler, die gestern ihren Laktattest schon hinter sich gebracht hatten und deswegen heute für fast zwei Stunden auf den Acker mussten, um zu ackern, mussten diese schlechten äußeren Bedingungen ja auch überstehen. Und ich kann versichern, es hat auch ein jeder überstanden. Und wenn ich vom 31. Dezember – und noch nie – geschrieben habe: Co-Trainer Frank Heinemann kam mir, als er den Trainingsplatz abschloss, entgegen und sagte: „Ein frohes neues Jahr – ach, Mann, ist ja noch gar nicht so weit. Ich wünsche einen guten Rutsch. Ein frohes neues Jahr habe ich gestern schon immer in der Kabine gesagt – aus Macht der Gewohnheit. Weil es doch ungewöhnlich ist, dass die Winterpause noch im alten Jahr beendet wird . . .“ Stimmt. Aber watt mutt, datt mutt.

Und wo ich gerade schon mal dabei bin:

Ich wünsche allen Matz-abbern und ihren Lieben einen wunderschönen, nicht allzu stürmischen Rutsch ins neue Jahr, und dann für 2013 alles erdenklich Gute. Vor allem Gesundheit. Und dazu Erfolg im Job und im Privatleben, dass jeder absolut zufrieden oder sogar glücklich ist. Und dass, das kommt natürlich noch hinzu, der HSV allen seinen Fans und Anhängern in diesem Jahr endlich einmal mehr Freude bereitet, als Verdrossenheit. Ich drücke die Daumen – und bin, was den Aufschwung des HSV betrifft, durchaus optimistisch. Sehr sogar. Die Weichen für mehr Erfolg(e) sind gestellt, nun müssen es die Angestellten nur noch umsetzen. Aber wer mich fragt, der bekommt in diesen Tagen stets zu hören: „Ihr werdet es sehen, der HSV wird 2013 eine bessere Rolle spielen, als in den Jahren zuvor. Davon bin ich restlos überzeugt.“

Und irgendwie scheinen ja auch die meisten Verantwortlichen im Klub gelernt zu haben. Jedenfalls werden in den letzten Stunden des Jahres 2012 noch – in meinen Augen – sehr gute, vor allen Dingen richtungsweisende Maßnahmen getroffen. Weil alle, na ja, fast alle, inzwischen begriffen haben, dass es so ja auch nicht weitergehen darf. Neue Männer braucht das Land – so hieß ja einst ein deutscher Schlager, aber beim HSV wird es bekanntlich keine neuen Männer geben. Soll heißen, dass es in diesem Winter (zu 99 Prozent) keinen einzigen neuen Spieler mehr geben wird. Wozu auch? Der HSV hat eine perspektivisch sehr gute Mannschaft. Die muss sich nun zusammenraufen und es zeigen, wie gut sie tatsächlich ist. Und zu eventuellen Neueinkäufen hat Trainer Thorsten Fink gesagt: „Es wird die deswegen nicht geben, weil wir die Mittel dazu gar nicht haben.“ Ist schon klar. Inzwischen haben auch das die meisten (Fans) schon kapiert.

Aber zurück zu den neuen Maßnahmen, die jetzt noch getroffen wurden:

Irgendwie erwartet, vielleicht von vielen Anhängern sogar erhofft, ist folgende Entscheidung: Robert Tesche wird am Mittwoch nicht mit nach Abu Dhabi fliegen. Der Mittelfeldspieler wurde – so nenne ich das mal – „aussortiert“. Weil, so sehe ich das, er irgendwie doch „über ist“. Er hat es noch nicht bemerkt, der HSV jetzt aber (endlich) doch, und deswegen bleibt der 25-jährige ehemalige Bielefelder in der Heimat, während sich die Kollegen in der Sonne auf die Rückrunde vorbereiten. Vielleicht, und so werte ich das einmal, ist es auch ein letztes Zeichen an Tesche, sich in dieser Wechselperiode doch noch einen neuen Verein zu suchen. Statt den Renten-Vertrag beim HSV in aller Stille nur auszusitzen. Eventuell trägt ja diese harte Maßnahme (so sehe ich das mal) dazu bei, dass Tesche die Augen geöffnet werden. Er hat in Hamburg keine fußballerische Zukunft mehr, weil der HSV erstens genügend Mittelfeldspieler hat, und zweitens einige jüngere und talentiertere Mittelfeldspieler nachrücken, von hinten Druck machen. Zum Beispiel Matti Steinmann (wird am 8. Januar 18 Jahre alt) und Christian Nörgaard (18). Abschließend stelle ich in Sachen Tesche fest: Er hat hier genügend Chancen von allen Trainern bekommen, auch von Thorsten Fink, aber er hat diese Chancen nicht nutzen können. Nun überholt ihn seine Situation – auch das ist im Profi-Fußball nichts Außergewöhnliches, aber es gibt mit Sicherheit auch schönere Facetten des Sports.

Die zweite Maßnahme: Gojko Kacar, der mit Hannover 96 über einen Vereinswechsel verhandelt, wird ebenfalls nicht mit ins Trainingslager fliegen. Gestern erschien Kacar (wird am 23. Januar 26) zum Trainingsauftakt noch mit einem rauschigen Vollbart, heute war er glatt rasiert wie ein Baby-Popo – der Bart ist ab. Vielleicht sein Zeichen an Hamburg, dass er sich mit einem Wechsel an die Leine schon arrangiert hat. Genügend Zeit, um seine Situation beim HSV zu überdenken, hat er nun allemal, und genügend Zeit, um mit den Niedersachsen zu verhandeln, bleibt ihm nun auch noch. Es ist wohl das richtige Zeichen, das der HSV ihm mit dieser Nichtteilnahme an der Abu-Dhabi-Reise gegeben hat. Die Zeichen stehen eindeutig auf Trennung. Und das dürfte nicht nur für den HSV von Vorteil sein, sondern auch für Kacar, der bei 96 endlich wieder einmal aufblühen könnte. Dort wollen sie ihn, dort hat er eine neue Aufgabe – oft ist das hilfreich in diesem schwierigen Geschäft.

Insgesamt bedeuten diese beiden Fälle für mich, dass es beim HSV ab sofort härte Zeiten geben wird. Nicht nur für alle Abteilungen, sondern ab sofort auch für die Profis. Es wird härter und professioneller – der richtige Weg. Nur in Watte packen geht eben nicht. Und ist hier schon viel zu lange geschehen.

Kurz noch zum heutigen Training. Es wurde (ohne Thorsten Fink, der die Tests drinnen leitete) alles mit dem Ball gemacht, zum Schluss auch noch das obligatorische Abschlussspielchen. Bei diesem gefiel mir – auch das muss mal gesagt werden – Zhi Gin Lam sehr gut, der nicht nur einige Tore erzielte, sondern auch gut verteidigte. Überwiegend rechts. Ein Hinweis darauf, dass er – falls Jeffrey Bruma doch noch gehen würde – rechts ein Ersatz (oder Vertreter) für Dennis Diekmeier benötigt werden würde? Wie gesagt, Lam machte das heute sehr, sehr ordentlich. Auffällig an dieser Einheit ebenfalls: Sven Neuhaus war der lauteste Mann auf dem Rasen, er dirigierte seine Vorderleute und motivierte sie unheimlich engagiert. Gefiel mir. Das schönste Tor des Tages schoss Jacopo Sala, der den Ball an Neuhaus vorbei in den oberen linken Torwinkel zirkelte. Ein „Tor des Monats“, es erhielt von Fans und den Kollegen viel Beifall, eigentlich hätte der Italiener danach vom Platz gehen können, besser geht nämlich nicht. Und dann soll, es wurde mir nur von „Gobi“ berichtet, Michael Mancienne eine neue Frisur haben. Ohne Zopf. Sage ich unter Vorbehalt, weil die meisten Spieler heute – wegen des Orkans – Mützen trugen, sodass die Haarpracht nicht zu erkennen war.

Nicht zu sehen waren heute zudem einige Spieler, die in den Katakomben der Arena ihre Tests zu absolvieren hatten. Der erste Mann am frühen Morgen war Heung Min Son, der bereits um acht Uhr auf der Matte zu stehen hatte. Bis nachmittags um drei Uhr sollen diese Tests gehen, danach wird es dann auch Zeit, sich auf die Silvester-Fete vorzubereiten. Oder? Übrigens: Petr Jiracek lief mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, und Rene Adler lief allein um das Stadion herum (durch den Wald). Weil er über Weihnachten ein wenig erkältet war. Adler wurde, das nur ganz nebenbei, von den Kollegen der Bundesliga zum besten Torwart der Hinrunde gewählt (im Kicker). Eine tolle Wahl, zu der ganz Hamburg sicher nur zustimmend nicken wird.

So, nun bin ich am Ende für dieses Jahr. Es hat mir in diesen zwölf Monaten wesentlich mehr Spaß gemacht, für den „Matz-ab-Blog“ zu schreiben, weil mir das Moderatoren-Team in den meisten Fällen den Rücken frei gehalten hat. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank. Und dazu ein Dank an alle, die sich für diesen Blog stark gemacht haben, die sich teilweise Kratzer und auch blaue Augen geholt haben, um diese gute Idee zu verteidigen. Dazu mein besonderer Dank vor allen Dingen an die weiblichen Matz-abber – ihr seid klasse! Danke, danke, danke – an alle. Auch an jene, die ich gestern und heute beim Training traf, die mich ansprachen und sich bei mir (und “Scholle”) für diesen Matz-ab-Blog bedankt haben. Es gibt ja so viele Leute, die hier nur lesen, aber nicht schreiben – und auch keine Kommentare (mehr) an sich heran lassen . . .
Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg – wie auch der HSV. Und wer die Matz-ab-Neujahrsansprache noch nicht gesehen hat, der sollte sich diese zehn Minuten durchaus mal gönnen, denn ich verrate dabei einige höchst interessante Zahlen. Zahlen, die ich so nicht geahnt und auch nicht für möglich gehalten hätte. Auch dafür an dieser Stelle noch einmal meinen ganz herzlichen Dank.

Und nun wünsche ich euch eine wunderschöne Feier. Haut rein!

Alles Gute in 2013 für euch!

Es grüßt euch Dieter (der das auch im Namen von „Scholle“ sagt).

***ERGÄNZUNG: Und Das macht der Scholle gern auch noch persönlich. Ich bedanke mich für ein sehr intensives, interessantes, kontroverses aber immer auch konstruktives Jahr im Blog und wünsche mir für 2013, dass es genau so weitergeht. Bleibt dabei, bleibt so kritsich, bleibt so fruendlich und bleibt so kreativ – aber vor allem: belibt gesund! LG, Scholle****

15.11 Uhr

Fink: “Wir haben schwierige Aufgaben vor uns”

30. Dezember 2012

Was müssen das schon wieder für Entzugserscheinungen gewesen sein? Der HSV im Weihnachtsurlaub, die HSV-Profis in der ganzen Welt unterwegs – und in Hamburg machen die Anhänger der Rothosen Nase. So geht es doch auch nicht . . . Jetzt aber ist fast alles wieder im Lot. Jedenfalls für heute und morgen, denn der HSV ist wieder da. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Am 2. Januar geht es dann allerdings schon ins Trainingslager nach Abu Dhabi, dann muss der geneigte Fan, der es gewohnt ist, seine Lieblinge im Volkspark trainieren zu sehen, wieder darben. Für etwas mehr als eine Woche – nur. Doch vielleicht waren deshalb heute schon so viele Fans wieder erwartungsfroh an die Arena gepilgert. Mindestens 150 (handgezählt) wurden gesehen – aber nicht alle Spieler. Weil einige heute ihren Laktattest absolviert haben, einige erst am Montag. Nicht dabei war auf jeden Fall Per Ciljan Skjelbred, der morgen(Montag) noch einmal heiraten will – nachdem er es kürzlich schon im Standesamt tat. Nun ist die Kirche (in Norwegen) an der Reihe. Und Tomas Rincon kehrte etwas verspätet aus der Heimat zurück – was allerdings nicht seine Schuld war. Ansonsten ist und war alles bestens. Es waren ja ohnehin nur 14 Tage, da kann ja nicht viel passiert sein – und auch zugenommen hat kein Profi in dieser kurzen Zeit. „Die Spieler wissen doch alle, wie man sich als Profi ernährt, da passiert nichts“, sagt Trainer Thorsten Fink.

Übrigens, weil es darum ja einigen Wirbel gegeben hatte: Fest vereinbart sind für das Trainingslager bisher (nur) zwei Testspiele. Am 7. Januar in Abu Dhabi gegen den usbekischen Club FK Lokomotiv Taschkent, und am 9. Januar in Dubai gegen Borussia Mönchengladbach. Ein dritter Gegner ist noch in der Pipeline, da soll es dann gegen eine einheimische Mannschaft (aus Abu Dhabi) gehen. Und die Generalprobe für die zweite Saisonhälfte erfolgt dann am 12. Januar bereits wieder in Hamburg: Gast ist der 23-malige österreichische Meister Austria Wien.

Bestens erholt stellte sich heute Thorsten Fink in Hamburg vor – braungebrannt. Das war die Sonne in Brasilien, beim Skilaufen in den Bergen und der Strand von Dubai. „Ich finde, dass man immer besser eher anfängt, als zu spät, deshalb der frühe Trainingsbeginn. Wir haben noch viel vor, wir haben schwierigen Aufgaben vor uns – und wir wollen vor allen Dingen gut aus den Startlöchern kommen. Das ist enorm wichtig. Wir haben mit dieser Mannschaft, die vom vierten Spieltag an beisammen war, in 14 Spielen 24 Punkte geholt, das ist, denke ich, sehr gut, jetzt müssen wir sehen, dass wir besser in die Saison starten als im Sommer – das ist nun unser Ziel. Wir wollen in den ersten Spielen schon mal eine ordentliche Zahl an Punkten holen“, sagt der HSV-Coach.

In Abu Dhabi soll, so Fink, nicht unbedingt Kondition gebolzt werden, sondern vor allen Dingen an den Automatismen gearbeitet werden: „Wir haben ja während der Saison eine kleine Änderung vorgenommen, dass das noch besser wird, dass das noch besser harmoniert.“ Stichwort Raute. Und dazu zwei Spitzen. Thorsten Fink lässt sich zwar noch nicht in die Karten schauen („Ich möchte mich da noch nicht festlegen. Man muss alles spielen können, verschiedene Systeme – man wird von Spiel zu Spiel sehen und überlegen, wie wir dem Gegner am besten weh tun können“), aber ich habe das Gefühl, dass es zunächst mit zwei HSV-Stürmern weitergehen wird. Und dazu soll von Mittwoch an den Offensiv-Standards geübt werden. Fink: „Da können wir noch mehr machen, da lässt sich mit Sicherheit noch der eine oder andere Punkt mehr rausholen, da waren wir nicht so gut. Und deswegen werden wir das dort auch ein wenig mehr als sonst trainieren.“

In Sachen Verkäufen ist bislang noch nicht allzu viel passiert. Tom Mickel ist bei Greuther Fürth gelandet – mehr ist noch nicht geschehen. Und es steht ja die Summe von 6,4 Millionen Euro im Raum, die der HSV von Januar an einsparen will – und soll. Eine große Aufgabe für Sportchef Frank Arnesen. Thorsten Fink wartet die Entwicklung ab – mehr bleibt ihm auch nicht: „Die Spieler wissen Bescheid, wie ihre Chancen hier stehen. Ob sie spielen oder auch nicht, das sollte auch jedem bewusst sein. Sie müssen genau überlegen, wie ihre Chancen hier sind, und wenn sie sich alles bestens überlegt haben und hier bleiben, dann heißt es für sie, ruhig bleiben und weiter Gas geben. Aber es ist immer schlecht, wenn man bei einem Klub ein, zwei Jahre auf der Bank sitzt, dadurch lässt sich kein Marktwert steigern. Und jeder sollte auch wissen, ob er so, wie sich die Situation auch immer für ihn stellt, zufrieden damit ist.“

Erfreulich ist für den HSV (und seine Fans), dass Rafael van der Vaart und auch Petr Jiracek wieder fit sind – und mit nach Abu Dhabi fliegen. Im Moment sind alle so okay, dass sie die Vorbereitung aufnehmen können. Ich freue mich besonders auf Jiracek, denn den haben wir alle bislang ja nicht so ganz ausführlich genießen können. Und von dem Tschechen erwarte und erhoffe ich mir noch sehr viel, er wird dem HSV sicherlich noch sehr gut tun – so er denn verletzungsfrei bleiben wird. Gerade aber eine Schambein-Entzündung ist oft sehr langwierig, das haben in der Vergangenheit schon einige Bundesliga-Stars erfahren müssen (Mario Götze). Hoffen wir für Jiracek und den HSV, dass sich nun, mit Beginn von 2013, alle Leiden erledigt haben: Durchstarten, Gas geben, und allen zeigen, was wirklich Sache ist! Fink: „Thorsten Wir werden aber trotz allem sehr vorsichtig sein mit ihm, denn wir wollen nicht, dass da etwas chronisch wird.“

Auch Gojko Kacar ist wieder fit. Und im Moment ist noch geplant, dass er auch mit nach Abu Dhabi fliegen wird. Es sei denn, Hannover 96 greift eher zu – und Kacar wechselt an die Leine. Frank Arnesen ist in diesem Punkt ganz zuversichtlich: „Die Vereine haben sich angenähert, das sieht ganz gut aus, es sind eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.“ Das klingt doch gut. Der Däne ist optimistisch, dass eine Entscheidung innerhalb der nächsten zehn Tage fallen wird – im besten Fall sogar noch bis zum Abflug des HSV am Mittwoch. Wenn ihr mich fragt, wie ich diese Sache beurteile: Ich glaube, dass Kacar von Januar 2013 an für die Niedersachsen spielen wird. Die Chancen beziffere ich auf 80:20.

Mickel, Kacar – und wer geht noch? Gut möglich, dass auch Marcus Berg noch in diesem Winter in die Wärme wechseln wird. Es soll sich da etwas aus Spanien (mehrere Vereine) anbahnen. Was ja hervorragend wäre. Für Berg – und für den HSV. „Es wird wohl in den nächsten Tagen ein Angebot für Marcus Berg kommen, aber mehr kann ich zu diesem Thema noch nicht sagen. Bevor ich da weiter rede, muss es erst einmal richtig konkret werden, und das ist es im Moment noch nicht“, sagt Arnesen. Er wird aber auch noch erst einmal ein Gespräch mit dem Schweden führen müssen, ob der überhaupt einem Wechsel zustimmen würde. Und noch eine Personalie gibt es: Jeffrey Bruma soll oder könnte ein Angebot aus den Niederlanden bekommen. Arnesen: „Wir werden das Trainingslager abwarten, danach setzen wir uns zusammen und werden beraten, was besser für ihn ist.“ Im Sommer 2013 läuft sein Leihvertrag mit Chelsea aus, das spielt auch eine Rolle. Ginge Bruma, dann dürfte wohl Slobodan Rajkovic doch bleiben – Überraschung, Überraschung.

Und auch in eine andere Sache ist über Weihnachten ja Bewegung gekommen. Durch den Wechsel von Tom Mickel könnte es sein, dass Jaroslav Drobny doch beim HSV bleiben wird (soll). Thorsten Fink hat mit dem tschechischen Nationaltorwart schon gesprochen, Drobny weiß, dass ihn der HSV gerne halten würde – aber nicht um jeden Preis, logisch. Es wird ja auf allen Ebenen gespart, und auch die Profis werden von dieser Sparwelle nicht verschont. Fink: „Jaro ist ein sehr guter Torwart, das wissen wir, er ist loyal, er versteht sich bestens mit Rene Adler, Jaro ist super in Sachen Teamgeist – deshalb ist es eine Überlegung, dass er hier bleiben könnte. Aber im Moment ist das auch ganz sicher nicht die vordringlichste Personalie . . .“ Jetzt wird es darauf ankommen, was der HSV seinem Ersatztorwart finanziell wird bieten können.

So wird, wenn auch erst einmal nur ganz hinten, aber schon jetzt an der Zukunft (über das Saisonende 2013 hinaus) des HSV gebastelt. Die Perspektiven sind in meinen Augen nicht schlecht, sie sind sogar eher ganz gut, denn es steckt Qualität in diesem Kader. Das weiß auch Thorsten Fink, der nun bemüht ist, aus dem vorhandenen Kader den HSV der Neuzeit zu erstellen: „Das ist jetzt meine Basis, darauf wollen wir aufbauen, und vielleicht brauchen wir im nächsten Jahr nur noch zwei neue Spieler, mit denen wir uns dann nur noch auf zwei Positionen verstärken wollen.“ Auf ein neues Ziel wollte sich der Trainer aber – wieder einmal – nicht festlegen, und das ist auch gut so. Was soll dieses Gefasel von der Europa League? Man wird doch sehen, wohin der Weg führt. Von Spiel zu Spiel denken, und dann abwarten. Beruhigend ist doch für alle zu wissen, dass es nicht mehr gegen den Abstieg geht.

So sieht es auch der Sportchef. „Ich will nicht über Ziele reden. Wir kommen von sehr weit unten. Das war vor einem Jahr, jetzt sehen wir ganz ordentlich aus, wir haben in den letzten drei Monaten ganz ordentlich Fußball gespielt – und jetzt ist der Start wichtig. Erst in Nürnberg, dann zweimal zu Hause, das ist richtungsweisend, dann wissen wir, wohin es für uns geht. Eines ist klar: Wir müssen jeden Tag besser werden. Und dann den Aufwärtstrend fortsetzen. Wir haben viel Qualität, alle sind gesund, darauf müssen wir aufbauen. Wir haben alle Ambitionen, wir wollen alle so weit wie möglich nach oben kommen – und dafür müssen wir gut spielen und gewinnen“, sagt Frank Arnesen.

Gut spielen und gewinnen, dabei soll ab sofort auch wieder Rafael van der Vaart helfen. Er hat sich über die Festtage fit gehalten, im Studio, ist gelaufen und hat Tennis gespielt. Jetzt will er wieder angreifen: „Ich bin heiß, und jetzt hoffe ich dass wir ein gutes Trainingslager haben werden – und das wir gut in die Rückrunde starten.“ Die „ewige 23“ hat eine längere Pause hinter sich, wundert sich aber auch nicht, dass es nun schon so früh wieder losgeht: „Bei Thomas Doll haben wir einst bereits am 28. Dezember wieder begonnen, das ist schon okay.“ Wobei „Raffa“ ja auch in England gespielt hat, und da wird bekanntlich durchgespielt. Er sagt: „Ich habe zwei Jahre keinen Urlaub gehabt, aber mir hat das gefallen, das war nicht schlecht.“

Was erwartet van der Vaart von der Rückrunde? Jetzt, wo der HSV wieder komplett ist? „Schwer zu sagen. Wir müssen auf dem Teppich bleiben, es bringt nichts, über Europa oder sogar Champions League zu reden. Sicher haben wir einige gute Spiele dabei gehabt, aber man darf auch nicht vergessen, dass wir auch zwischendurch immer mal ein wenig Glück gehabt haben. Wir müssen hart kämpfen für unsere Punkte. Ich habe durchaus ein gutes Gefühl, aber dann muss jeder von uns 100 Prozent abrufen“, sagt van der Vaart. Ist er mit Platz zehn zufrieden? Oder denkt er schon, dass da noch mehr kommen muss – von seinem HSV? „Wir kommen von weit unten, das weiß jeder, aber wir haben das Potenzial, um noch weit zu kommen. Es fehlt uns allerdings noch die Konstanz, um mal vier, fünf Spiele hintereinander zu gewinnen. Deswegen bringt es uns nichts, von Europa oder Champions League zu reden, wir müssen ganz einfach hart weiter arbeiten, dass wir gut in die Rückrunde kommen – um dann etwas erreichen können“, sagt vdV.

PS: Ich sehe gerade Everton gegen Chelsea (1:2 Endstand), und da fallen mir zwei positive Dinge auf. Erstens wird im englischen Fußball fast immer massenweise nachgespielt. Hier sind es vier Minuten, Weihnachten und danach gab es Spiele, da waren es fünf Minuten. Finde ich gut. Und sehr gut finde ich, dass es bei einer Abseitsentscheidung keine zehn Zeitlupen gibt. Hierzulande wird von links, von rechts, von oben und unten, aus der Maulwurf-Perspektive und aus der Sicht einer vorbei fliegenden Schwalbe gezeigt, ob es eine Abseitsstellung war, in England nicht eine. Kann natürlich sein, dass der Regisseur kurzfristig eingenickt war, aber wenn das Methode ist, dass da nichts gezeigt wird – toll. Nachahmenswert. Weil gepfiffen (oder auch nicht gepfiffen) ist ja ohnehin geschehen. Und in England können sie, die Fans, dann noch stundenlang diskutieren, ob es so oder so war. Die Schiedsrichter, in dem Falle die Assistenten, die hätten es auf jeden Fall schon mal leichter.

PSPS: Jetzt lief gerade bei mir Queens Park Rangers gegen Liverpool (0:3), damit höre ich für heute auf.

19.12 Uhr

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

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