Monatsarchiv für Dezember 2012

Der Hammer: Tesche und Kacar aussortiert ***ERGÄNZT von Scholle, 3.53 Uhr***

31. Dezember 2012

Das war Premiere. Am 31. Dezember war ich noch nie bei einem HSV-Training. Aber diesmal. Und lausig kalt war es, stürmisch dazu. Dass sich jedes Flugzeug, das sich über den Volkspark hinwegquälte, oben hielt, ist irgendwie immer wieder ein kleines Wunder. Dass mein rechtes Ohr nicht abgefallen ist, auch. Weil von rechts dieser schlimme Wind, der eigentlich ja schon ein Orkan ist, kam. Egal. Die HSV-Spieler, die gestern ihren Laktattest schon hinter sich gebracht hatten und deswegen heute für fast zwei Stunden auf den Acker mussten, um zu ackern, mussten diese schlechten äußeren Bedingungen ja auch überstehen. Und ich kann versichern, es hat auch ein jeder überstanden. Und wenn ich vom 31. Dezember – und noch nie – geschrieben habe: Co-Trainer Frank Heinemann kam mir, als er den Trainingsplatz abschloss, entgegen und sagte: „Ein frohes neues Jahr – ach, Mann, ist ja noch gar nicht so weit. Ich wünsche einen guten Rutsch. Ein frohes neues Jahr habe ich gestern schon immer in der Kabine gesagt – aus Macht der Gewohnheit. Weil es doch ungewöhnlich ist, dass die Winterpause noch im alten Jahr beendet wird . . .“ Stimmt. Aber watt mutt, datt mutt.

Und wo ich gerade schon mal dabei bin:

Ich wünsche allen Matz-abbern und ihren Lieben einen wunderschönen, nicht allzu stürmischen Rutsch ins neue Jahr, und dann für 2013 alles erdenklich Gute. Vor allem Gesundheit. Und dazu Erfolg im Job und im Privatleben, dass jeder absolut zufrieden oder sogar glücklich ist. Und dass, das kommt natürlich noch hinzu, der HSV allen seinen Fans und Anhängern in diesem Jahr endlich einmal mehr Freude bereitet, als Verdrossenheit. Ich drücke die Daumen – und bin, was den Aufschwung des HSV betrifft, durchaus optimistisch. Sehr sogar. Die Weichen für mehr Erfolg(e) sind gestellt, nun müssen es die Angestellten nur noch umsetzen. Aber wer mich fragt, der bekommt in diesen Tagen stets zu hören: „Ihr werdet es sehen, der HSV wird 2013 eine bessere Rolle spielen, als in den Jahren zuvor. Davon bin ich restlos überzeugt.“

Und irgendwie scheinen ja auch die meisten Verantwortlichen im Klub gelernt zu haben. Jedenfalls werden in den letzten Stunden des Jahres 2012 noch – in meinen Augen – sehr gute, vor allen Dingen richtungsweisende Maßnahmen getroffen. Weil alle, na ja, fast alle, inzwischen begriffen haben, dass es so ja auch nicht weitergehen darf. Neue Männer braucht das Land – so hieß ja einst ein deutscher Schlager, aber beim HSV wird es bekanntlich keine neuen Männer geben. Soll heißen, dass es in diesem Winter (zu 99 Prozent) keinen einzigen neuen Spieler mehr geben wird. Wozu auch? Der HSV hat eine perspektivisch sehr gute Mannschaft. Die muss sich nun zusammenraufen und es zeigen, wie gut sie tatsächlich ist. Und zu eventuellen Neueinkäufen hat Trainer Thorsten Fink gesagt: „Es wird die deswegen nicht geben, weil wir die Mittel dazu gar nicht haben.“ Ist schon klar. Inzwischen haben auch das die meisten (Fans) schon kapiert.

Aber zurück zu den neuen Maßnahmen, die jetzt noch getroffen wurden:

Irgendwie erwartet, vielleicht von vielen Anhängern sogar erhofft, ist folgende Entscheidung: Robert Tesche wird am Mittwoch nicht mit nach Abu Dhabi fliegen. Der Mittelfeldspieler wurde – so nenne ich das mal – „aussortiert“. Weil, so sehe ich das, er irgendwie doch „über ist“. Er hat es noch nicht bemerkt, der HSV jetzt aber (endlich) doch, und deswegen bleibt der 25-jährige ehemalige Bielefelder in der Heimat, während sich die Kollegen in der Sonne auf die Rückrunde vorbereiten. Vielleicht, und so werte ich das einmal, ist es auch ein letztes Zeichen an Tesche, sich in dieser Wechselperiode doch noch einen neuen Verein zu suchen. Statt den Renten-Vertrag beim HSV in aller Stille nur auszusitzen. Eventuell trägt ja diese harte Maßnahme (so sehe ich das mal) dazu bei, dass Tesche die Augen geöffnet werden. Er hat in Hamburg keine fußballerische Zukunft mehr, weil der HSV erstens genügend Mittelfeldspieler hat, und zweitens einige jüngere und talentiertere Mittelfeldspieler nachrücken, von hinten Druck machen. Zum Beispiel Matti Steinmann (wird am 8. Januar 18 Jahre alt) und Christian Nörgaard (18). Abschließend stelle ich in Sachen Tesche fest: Er hat hier genügend Chancen von allen Trainern bekommen, auch von Thorsten Fink, aber er hat diese Chancen nicht nutzen können. Nun überholt ihn seine Situation – auch das ist im Profi-Fußball nichts Außergewöhnliches, aber es gibt mit Sicherheit auch schönere Facetten des Sports.

Die zweite Maßnahme: Gojko Kacar, der mit Hannover 96 über einen Vereinswechsel verhandelt, wird ebenfalls nicht mit ins Trainingslager fliegen. Gestern erschien Kacar (wird am 23. Januar 26) zum Trainingsauftakt noch mit einem rauschigen Vollbart, heute war er glatt rasiert wie ein Baby-Popo – der Bart ist ab. Vielleicht sein Zeichen an Hamburg, dass er sich mit einem Wechsel an die Leine schon arrangiert hat. Genügend Zeit, um seine Situation beim HSV zu überdenken, hat er nun allemal, und genügend Zeit, um mit den Niedersachsen zu verhandeln, bleibt ihm nun auch noch. Es ist wohl das richtige Zeichen, das der HSV ihm mit dieser Nichtteilnahme an der Abu-Dhabi-Reise gegeben hat. Die Zeichen stehen eindeutig auf Trennung. Und das dürfte nicht nur für den HSV von Vorteil sein, sondern auch für Kacar, der bei 96 endlich wieder einmal aufblühen könnte. Dort wollen sie ihn, dort hat er eine neue Aufgabe – oft ist das hilfreich in diesem schwierigen Geschäft.

Insgesamt bedeuten diese beiden Fälle für mich, dass es beim HSV ab sofort härte Zeiten geben wird. Nicht nur für alle Abteilungen, sondern ab sofort auch für die Profis. Es wird härter und professioneller – der richtige Weg. Nur in Watte packen geht eben nicht. Und ist hier schon viel zu lange geschehen.

Kurz noch zum heutigen Training. Es wurde (ohne Thorsten Fink, der die Tests drinnen leitete) alles mit dem Ball gemacht, zum Schluss auch noch das obligatorische Abschlussspielchen. Bei diesem gefiel mir – auch das muss mal gesagt werden – Zhi Gin Lam sehr gut, der nicht nur einige Tore erzielte, sondern auch gut verteidigte. Überwiegend rechts. Ein Hinweis darauf, dass er – falls Jeffrey Bruma doch noch gehen würde – rechts ein Ersatz (oder Vertreter) für Dennis Diekmeier benötigt werden würde? Wie gesagt, Lam machte das heute sehr, sehr ordentlich. Auffällig an dieser Einheit ebenfalls: Sven Neuhaus war der lauteste Mann auf dem Rasen, er dirigierte seine Vorderleute und motivierte sie unheimlich engagiert. Gefiel mir. Das schönste Tor des Tages schoss Jacopo Sala, der den Ball an Neuhaus vorbei in den oberen linken Torwinkel zirkelte. Ein „Tor des Monats“, es erhielt von Fans und den Kollegen viel Beifall, eigentlich hätte der Italiener danach vom Platz gehen können, besser geht nämlich nicht. Und dann soll, es wurde mir nur von „Gobi“ berichtet, Michael Mancienne eine neue Frisur haben. Ohne Zopf. Sage ich unter Vorbehalt, weil die meisten Spieler heute – wegen des Orkans – Mützen trugen, sodass die Haarpracht nicht zu erkennen war.

Nicht zu sehen waren heute zudem einige Spieler, die in den Katakomben der Arena ihre Tests zu absolvieren hatten. Der erste Mann am frühen Morgen war Heung Min Son, der bereits um acht Uhr auf der Matte zu stehen hatte. Bis nachmittags um drei Uhr sollen diese Tests gehen, danach wird es dann auch Zeit, sich auf die Silvester-Fete vorzubereiten. Oder? Übrigens: Petr Jiracek lief mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, und Rene Adler lief allein um das Stadion herum (durch den Wald). Weil er über Weihnachten ein wenig erkältet war. Adler wurde, das nur ganz nebenbei, von den Kollegen der Bundesliga zum besten Torwart der Hinrunde gewählt (im Kicker). Eine tolle Wahl, zu der ganz Hamburg sicher nur zustimmend nicken wird.

So, nun bin ich am Ende für dieses Jahr. Es hat mir in diesen zwölf Monaten wesentlich mehr Spaß gemacht, für den „Matz-ab-Blog“ zu schreiben, weil mir das Moderatoren-Team in den meisten Fällen den Rücken frei gehalten hat. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank. Und dazu ein Dank an alle, die sich für diesen Blog stark gemacht haben, die sich teilweise Kratzer und auch blaue Augen geholt haben, um diese gute Idee zu verteidigen. Dazu mein besonderer Dank vor allen Dingen an die weiblichen Matz-abber – ihr seid klasse! Danke, danke, danke – an alle. Auch an jene, die ich gestern und heute beim Training traf, die mich ansprachen und sich bei mir (und “Scholle”) für diesen Matz-ab-Blog bedankt haben. Es gibt ja so viele Leute, die hier nur lesen, aber nicht schreiben – und auch keine Kommentare (mehr) an sich heran lassen . . .
Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg – wie auch der HSV. Und wer die Matz-ab-Neujahrsansprache noch nicht gesehen hat, der sollte sich diese zehn Minuten durchaus mal gönnen, denn ich verrate dabei einige höchst interessante Zahlen. Zahlen, die ich so nicht geahnt und auch nicht für möglich gehalten hätte. Auch dafür an dieser Stelle noch einmal meinen ganz herzlichen Dank.

Und nun wünsche ich euch eine wunderschöne Feier. Haut rein!

Alles Gute in 2013 für euch!

Es grüßt euch Dieter (der das auch im Namen von „Scholle“ sagt).

***ERGÄNZUNG: Und Das macht der Scholle gern auch noch persönlich. Ich bedanke mich für ein sehr intensives, interessantes, kontroverses aber immer auch konstruktives Jahr im Blog und wünsche mir für 2013, dass es genau so weitergeht. Bleibt dabei, bleibt so kritsich, bleibt so fruendlich und bleibt so kreativ – aber vor allem: belibt gesund! LG, Scholle****

15.11 Uhr

Fink: “Wir haben schwierige Aufgaben vor uns”

30. Dezember 2012

Was müssen das schon wieder für Entzugserscheinungen gewesen sein? Der HSV im Weihnachtsurlaub, die HSV-Profis in der ganzen Welt unterwegs – und in Hamburg machen die Anhänger der Rothosen Nase. So geht es doch auch nicht . . . Jetzt aber ist fast alles wieder im Lot. Jedenfalls für heute und morgen, denn der HSV ist wieder da. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Am 2. Januar geht es dann allerdings schon ins Trainingslager nach Abu Dhabi, dann muss der geneigte Fan, der es gewohnt ist, seine Lieblinge im Volkspark trainieren zu sehen, wieder darben. Für etwas mehr als eine Woche – nur. Doch vielleicht waren deshalb heute schon so viele Fans wieder erwartungsfroh an die Arena gepilgert. Mindestens 150 (handgezählt) wurden gesehen – aber nicht alle Spieler. Weil einige heute ihren Laktattest absolviert haben, einige erst am Montag. Nicht dabei war auf jeden Fall Per Ciljan Skjelbred, der morgen(Montag) noch einmal heiraten will – nachdem er es kürzlich schon im Standesamt tat. Nun ist die Kirche (in Norwegen) an der Reihe. Und Tomas Rincon kehrte etwas verspätet aus der Heimat zurück – was allerdings nicht seine Schuld war. Ansonsten ist und war alles bestens. Es waren ja ohnehin nur 14 Tage, da kann ja nicht viel passiert sein – und auch zugenommen hat kein Profi in dieser kurzen Zeit. „Die Spieler wissen doch alle, wie man sich als Profi ernährt, da passiert nichts“, sagt Trainer Thorsten Fink.

Übrigens, weil es darum ja einigen Wirbel gegeben hatte: Fest vereinbart sind für das Trainingslager bisher (nur) zwei Testspiele. Am 7. Januar in Abu Dhabi gegen den usbekischen Club FK Lokomotiv Taschkent, und am 9. Januar in Dubai gegen Borussia Mönchengladbach. Ein dritter Gegner ist noch in der Pipeline, da soll es dann gegen eine einheimische Mannschaft (aus Abu Dhabi) gehen. Und die Generalprobe für die zweite Saisonhälfte erfolgt dann am 12. Januar bereits wieder in Hamburg: Gast ist der 23-malige österreichische Meister Austria Wien.

Bestens erholt stellte sich heute Thorsten Fink in Hamburg vor – braungebrannt. Das war die Sonne in Brasilien, beim Skilaufen in den Bergen und der Strand von Dubai. „Ich finde, dass man immer besser eher anfängt, als zu spät, deshalb der frühe Trainingsbeginn. Wir haben noch viel vor, wir haben schwierigen Aufgaben vor uns – und wir wollen vor allen Dingen gut aus den Startlöchern kommen. Das ist enorm wichtig. Wir haben mit dieser Mannschaft, die vom vierten Spieltag an beisammen war, in 14 Spielen 24 Punkte geholt, das ist, denke ich, sehr gut, jetzt müssen wir sehen, dass wir besser in die Saison starten als im Sommer – das ist nun unser Ziel. Wir wollen in den ersten Spielen schon mal eine ordentliche Zahl an Punkten holen“, sagt der HSV-Coach.

In Abu Dhabi soll, so Fink, nicht unbedingt Kondition gebolzt werden, sondern vor allen Dingen an den Automatismen gearbeitet werden: „Wir haben ja während der Saison eine kleine Änderung vorgenommen, dass das noch besser wird, dass das noch besser harmoniert.“ Stichwort Raute. Und dazu zwei Spitzen. Thorsten Fink lässt sich zwar noch nicht in die Karten schauen („Ich möchte mich da noch nicht festlegen. Man muss alles spielen können, verschiedene Systeme – man wird von Spiel zu Spiel sehen und überlegen, wie wir dem Gegner am besten weh tun können“), aber ich habe das Gefühl, dass es zunächst mit zwei HSV-Stürmern weitergehen wird. Und dazu soll von Mittwoch an den Offensiv-Standards geübt werden. Fink: „Da können wir noch mehr machen, da lässt sich mit Sicherheit noch der eine oder andere Punkt mehr rausholen, da waren wir nicht so gut. Und deswegen werden wir das dort auch ein wenig mehr als sonst trainieren.“

In Sachen Verkäufen ist bislang noch nicht allzu viel passiert. Tom Mickel ist bei Greuther Fürth gelandet – mehr ist noch nicht geschehen. Und es steht ja die Summe von 6,4 Millionen Euro im Raum, die der HSV von Januar an einsparen will – und soll. Eine große Aufgabe für Sportchef Frank Arnesen. Thorsten Fink wartet die Entwicklung ab – mehr bleibt ihm auch nicht: „Die Spieler wissen Bescheid, wie ihre Chancen hier stehen. Ob sie spielen oder auch nicht, das sollte auch jedem bewusst sein. Sie müssen genau überlegen, wie ihre Chancen hier sind, und wenn sie sich alles bestens überlegt haben und hier bleiben, dann heißt es für sie, ruhig bleiben und weiter Gas geben. Aber es ist immer schlecht, wenn man bei einem Klub ein, zwei Jahre auf der Bank sitzt, dadurch lässt sich kein Marktwert steigern. Und jeder sollte auch wissen, ob er so, wie sich die Situation auch immer für ihn stellt, zufrieden damit ist.“

Erfreulich ist für den HSV (und seine Fans), dass Rafael van der Vaart und auch Petr Jiracek wieder fit sind – und mit nach Abu Dhabi fliegen. Im Moment sind alle so okay, dass sie die Vorbereitung aufnehmen können. Ich freue mich besonders auf Jiracek, denn den haben wir alle bislang ja nicht so ganz ausführlich genießen können. Und von dem Tschechen erwarte und erhoffe ich mir noch sehr viel, er wird dem HSV sicherlich noch sehr gut tun – so er denn verletzungsfrei bleiben wird. Gerade aber eine Schambein-Entzündung ist oft sehr langwierig, das haben in der Vergangenheit schon einige Bundesliga-Stars erfahren müssen (Mario Götze). Hoffen wir für Jiracek und den HSV, dass sich nun, mit Beginn von 2013, alle Leiden erledigt haben: Durchstarten, Gas geben, und allen zeigen, was wirklich Sache ist! Fink: „Thorsten Wir werden aber trotz allem sehr vorsichtig sein mit ihm, denn wir wollen nicht, dass da etwas chronisch wird.“

Auch Gojko Kacar ist wieder fit. Und im Moment ist noch geplant, dass er auch mit nach Abu Dhabi fliegen wird. Es sei denn, Hannover 96 greift eher zu – und Kacar wechselt an die Leine. Frank Arnesen ist in diesem Punkt ganz zuversichtlich: „Die Vereine haben sich angenähert, das sieht ganz gut aus, es sind eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.“ Das klingt doch gut. Der Däne ist optimistisch, dass eine Entscheidung innerhalb der nächsten zehn Tage fallen wird – im besten Fall sogar noch bis zum Abflug des HSV am Mittwoch. Wenn ihr mich fragt, wie ich diese Sache beurteile: Ich glaube, dass Kacar von Januar 2013 an für die Niedersachsen spielen wird. Die Chancen beziffere ich auf 80:20.

Mickel, Kacar – und wer geht noch? Gut möglich, dass auch Marcus Berg noch in diesem Winter in die Wärme wechseln wird. Es soll sich da etwas aus Spanien (mehrere Vereine) anbahnen. Was ja hervorragend wäre. Für Berg – und für den HSV. „Es wird wohl in den nächsten Tagen ein Angebot für Marcus Berg kommen, aber mehr kann ich zu diesem Thema noch nicht sagen. Bevor ich da weiter rede, muss es erst einmal richtig konkret werden, und das ist es im Moment noch nicht“, sagt Arnesen. Er wird aber auch noch erst einmal ein Gespräch mit dem Schweden führen müssen, ob der überhaupt einem Wechsel zustimmen würde. Und noch eine Personalie gibt es: Jeffrey Bruma soll oder könnte ein Angebot aus den Niederlanden bekommen. Arnesen: „Wir werden das Trainingslager abwarten, danach setzen wir uns zusammen und werden beraten, was besser für ihn ist.“ Im Sommer 2013 läuft sein Leihvertrag mit Chelsea aus, das spielt auch eine Rolle. Ginge Bruma, dann dürfte wohl Slobodan Rajkovic doch bleiben – Überraschung, Überraschung.

Und auch in eine andere Sache ist über Weihnachten ja Bewegung gekommen. Durch den Wechsel von Tom Mickel könnte es sein, dass Jaroslav Drobny doch beim HSV bleiben wird (soll). Thorsten Fink hat mit dem tschechischen Nationaltorwart schon gesprochen, Drobny weiß, dass ihn der HSV gerne halten würde – aber nicht um jeden Preis, logisch. Es wird ja auf allen Ebenen gespart, und auch die Profis werden von dieser Sparwelle nicht verschont. Fink: „Jaro ist ein sehr guter Torwart, das wissen wir, er ist loyal, er versteht sich bestens mit Rene Adler, Jaro ist super in Sachen Teamgeist – deshalb ist es eine Überlegung, dass er hier bleiben könnte. Aber im Moment ist das auch ganz sicher nicht die vordringlichste Personalie . . .“ Jetzt wird es darauf ankommen, was der HSV seinem Ersatztorwart finanziell wird bieten können.

So wird, wenn auch erst einmal nur ganz hinten, aber schon jetzt an der Zukunft (über das Saisonende 2013 hinaus) des HSV gebastelt. Die Perspektiven sind in meinen Augen nicht schlecht, sie sind sogar eher ganz gut, denn es steckt Qualität in diesem Kader. Das weiß auch Thorsten Fink, der nun bemüht ist, aus dem vorhandenen Kader den HSV der Neuzeit zu erstellen: „Das ist jetzt meine Basis, darauf wollen wir aufbauen, und vielleicht brauchen wir im nächsten Jahr nur noch zwei neue Spieler, mit denen wir uns dann nur noch auf zwei Positionen verstärken wollen.“ Auf ein neues Ziel wollte sich der Trainer aber – wieder einmal – nicht festlegen, und das ist auch gut so. Was soll dieses Gefasel von der Europa League? Man wird doch sehen, wohin der Weg führt. Von Spiel zu Spiel denken, und dann abwarten. Beruhigend ist doch für alle zu wissen, dass es nicht mehr gegen den Abstieg geht.

So sieht es auch der Sportchef. „Ich will nicht über Ziele reden. Wir kommen von sehr weit unten. Das war vor einem Jahr, jetzt sehen wir ganz ordentlich aus, wir haben in den letzten drei Monaten ganz ordentlich Fußball gespielt – und jetzt ist der Start wichtig. Erst in Nürnberg, dann zweimal zu Hause, das ist richtungsweisend, dann wissen wir, wohin es für uns geht. Eines ist klar: Wir müssen jeden Tag besser werden. Und dann den Aufwärtstrend fortsetzen. Wir haben viel Qualität, alle sind gesund, darauf müssen wir aufbauen. Wir haben alle Ambitionen, wir wollen alle so weit wie möglich nach oben kommen – und dafür müssen wir gut spielen und gewinnen“, sagt Frank Arnesen.

Gut spielen und gewinnen, dabei soll ab sofort auch wieder Rafael van der Vaart helfen. Er hat sich über die Festtage fit gehalten, im Studio, ist gelaufen und hat Tennis gespielt. Jetzt will er wieder angreifen: „Ich bin heiß, und jetzt hoffe ich dass wir ein gutes Trainingslager haben werden – und das wir gut in die Rückrunde starten.“ Die „ewige 23“ hat eine längere Pause hinter sich, wundert sich aber auch nicht, dass es nun schon so früh wieder losgeht: „Bei Thomas Doll haben wir einst bereits am 28. Dezember wieder begonnen, das ist schon okay.“ Wobei „Raffa“ ja auch in England gespielt hat, und da wird bekanntlich durchgespielt. Er sagt: „Ich habe zwei Jahre keinen Urlaub gehabt, aber mir hat das gefallen, das war nicht schlecht.“

Was erwartet van der Vaart von der Rückrunde? Jetzt, wo der HSV wieder komplett ist? „Schwer zu sagen. Wir müssen auf dem Teppich bleiben, es bringt nichts, über Europa oder sogar Champions League zu reden. Sicher haben wir einige gute Spiele dabei gehabt, aber man darf auch nicht vergessen, dass wir auch zwischendurch immer mal ein wenig Glück gehabt haben. Wir müssen hart kämpfen für unsere Punkte. Ich habe durchaus ein gutes Gefühl, aber dann muss jeder von uns 100 Prozent abrufen“, sagt van der Vaart. Ist er mit Platz zehn zufrieden? Oder denkt er schon, dass da noch mehr kommen muss – von seinem HSV? „Wir kommen von weit unten, das weiß jeder, aber wir haben das Potenzial, um noch weit zu kommen. Es fehlt uns allerdings noch die Konstanz, um mal vier, fünf Spiele hintereinander zu gewinnen. Deswegen bringt es uns nichts, von Europa oder Champions League zu reden, wir müssen ganz einfach hart weiter arbeiten, dass wir gut in die Rückrunde kommen – um dann etwas erreichen können“, sagt vdV.

PS: Ich sehe gerade Everton gegen Chelsea (1:2 Endstand), und da fallen mir zwei positive Dinge auf. Erstens wird im englischen Fußball fast immer massenweise nachgespielt. Hier sind es vier Minuten, Weihnachten und danach gab es Spiele, da waren es fünf Minuten. Finde ich gut. Und sehr gut finde ich, dass es bei einer Abseitsentscheidung keine zehn Zeitlupen gibt. Hierzulande wird von links, von rechts, von oben und unten, aus der Maulwurf-Perspektive und aus der Sicht einer vorbei fliegenden Schwalbe gezeigt, ob es eine Abseitsstellung war, in England nicht eine. Kann natürlich sein, dass der Regisseur kurzfristig eingenickt war, aber wenn das Methode ist, dass da nichts gezeigt wird – toll. Nachahmenswert. Weil gepfiffen (oder auch nicht gepfiffen) ist ja ohnehin geschehen. Und in England können sie, die Fans, dann noch stundenlang diskutieren, ob es so oder so war. Die Schiedsrichter, in dem Falle die Assistenten, die hätten es auf jeden Fall schon mal leichter.

PSPS: Jetzt lief gerade bei mir Queens Park Rangers gegen Liverpool (0:3), damit höre ich für heute auf.

19.12 Uhr

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

Fink, Teil 1: “Mir haben alle vom HSV abgeraten – jetzt wissen sie es besser””

28. Dezember 2012

Ein Weihnachtswunsch hat sich bei mir bereits erfüllt: Dass hier im Blog weiterhin so fleißig Theorien entwickelt werden, wie Dieter und ich arbeiten und arbeiten sollten. Nicht, dass es mich erfreut, wenn mir jemand unsauberen Journalismus unterstellt. Allerdings stört es mich auch nicht mehr, weil ich inzwischen einzuschätzen weiß, warum hier einige die – mal diplomatisch formuliert – „überraschendsten“ Verschwörungstheorien auftischen. Normalerweise wollte ich hier ein „Best of“ machen. Denn davon gab es einige sehr kreative Formen. Aber ich beschränke mich mal auf die Top-Theorie, die da heißt: Dieter und ich schützen alle unsere Informanten mit Hofberichterstattung.

Eine These, die sich klar belegen lässt. Immerhin haben wir über Wochen und Monate die Einkaufspolitik kritisiert, was so gut wie alle Führungskräfte beinhaltet. Deshalb haben wir fast jeden Spieler mindestens einmal heftig für seine Leistungen kritisiert, ebenso wie den kompletten Aufsichtsrat. Wir haben den Vorstand für seinen Sparkurs kritisiert und in Mithaftung bei der zu schlechten Kaderzusammenstellung 20112/2012 sowie bis van der Vaart auch in dieser Saison genommen. Erst am Donnerstag habe ich Jarchow unterstellt, er hätte den Verein fast kaputtgespart und erst nach dem Fehlstart den allseits geforderten Verstärkungen zugestimmt. Dass er am Ende in der Transferabwicklung Rafael van der Vaarts neben Joachim Hilke eine wesentliche Rolle einnahm –Hofberichterstattung! Was sonst?

Wobei, das ebenso schöne wie in diesem Fall schwierige an geschriebenen Texten ist, dass der Leser keine Tonlage definitiv bestimmen kann. Er kann nur mutmaßen. Und das führt zu Missverständnissen. Oft wird so Ironie nicht erkannt oder gar mit Beleidigt sein verwechselt. Und wenn ich das dann nachträglich erkläre, heißt es noch, ich entschuldige mich – womit ich im Fall der Fälle nicht einmal ein Problem hätte.

Aber gut, die auch diesmal von mir nett gemeinte Einleitung werden hier einige verreißen wollen. Sollen sie. Aber den anderen 99 Prozent objektiven Bloggern sei gesagt: ich bin nicht mal einen Hauch beleidigt. Überhaupt nicht, sondern ganz im Gegenteil: Ich mag Diskussionen, vor allem über Fußball – so lange sie zielführend sind. Und das sind sie in diesem Blog eigentlich fast immer. Nur eben manchmal nicht – dann treiben sie die wahnwitzigsten Blüten und sind eher komisch. Im witzigen, unterhaltsamen Sinn. Immerhin wurde uns so schon das eine oder andere nette Verhältnis angedichtet, über das ich schmunzeln konnte.

Heute hätte ich demnach ein besonderes Verhältnis zu Thorsten Fink. Morgen auch noch, da ich das aufgezeichnete Gespräch in zwei Teilen hier reinstellen will, um möglichst wenig Worte des Trainers kürzen zu müssen und Euch trotzdem nicht mit sonst rund 1000 Zeilen sprichwörtlich zu erschlagen.

Aber zurück zum Gespräch. Um 19 Uhr Ortszeit habe ich den HSV-Trainer heute in seinem Dubai-Urlaub erreicht. Dort weilt er mit seiner Familie – und mit Nicholas MacGowan, der sich um die Gestaltung des Trainingslagers Anfang Januar kümmert. „Uns fehlen noch ein paar Testspiele, die ich unbedingt haben möchte“, sagt Fink, der diesen Wunsch vor Wochen auch Joachim Hilkes rechter Hand MacGowan mitgeteilt hatte. Am 2. Januar geht es für acht Tage nach Abu Dhabi. Am 9. Januar geht es an noch unbenannter Stelle gegen Gladbach. Zwei weitere Spiele sind noch nicht fix. „Nicholas wird das schon machen“, ist Fink um Ruhe bemüht, obgleich es nur noch eine Woche bis zum Trainingslager ist.

Zumal der HSV ansonsten früh dran ist. Früher als alle anderen Bundesligisten beginnt der HSV bereits am Sonntag um 15 Uhr mit seiner Vorbereitung. Dann geht es an der Imtech-Arena zu den Laktattests. Warum der HSV vergleichsweise früh beginnt? „Weil ich glaube, dass wir diese Zeit brauchen werden“, sagt Fink. „Wir können so die Laktattests absolvieren und schauen, ob noch Nachholbedarf besteht. Sollte das so sein, können wir auch die entsprechenden Läufe vor dem Trainingslager einstreuen und so ab dem 2. Januar an den Ball. Aber ich halte es generell für sehr gut, wenn man zwei tage früher als alle anderen beginnt. Das ist gut für das Gewissen der Spieler, von uns Trainern und es zeigt, was hier auf dem Plan steht: unsere Weiterentwicklung.“

Immerhin hat der HSV noch große Ziele. Mindestens die Punktzahl aus der Hinrunde soll es werden, hatte Sportchef Frank Arnesen gesagt. 48 Punkte wären das demnach mindestens, was im letzten Jahr immerhin für Platz sieben und somit zur Europa-League-Quali gereicht hätte. Wäre ja nicht das Schlechteste, oder?

Aber zurück zur Realität. Und die sieht den HSV auf dem zehnten Tabellenplatz mit zwölf Punkten Vorsprung zur Abstiegszone und nur zwei Punkten Rückstand auf die internationalen Ränge. Eine Ausgangslage, die zu Träumereien verführt, die aber allemal genug Motivation für die HSV-Profis darstellen sollte. „Das auf jeden Fall, sagt Fink, der sich ansonsten nicht zu großen Zielen äußern will. „Das wurde schon mal falsch gemacht. Es bringt ja auch nichts, viel zu reden. Wir müssen arbeiten. Und das immer etwas mehr als die Gegner. Wenn wir das dann gut machen, dann werden wir uns am Ende tabellarisch belohnen.“

Klar. Dennoch wollte ich von Fink zum bald ablaufenden Jahr 2012 auch ein paar klare Aussagen und formulierte Erkenntnisse. Deshalb habe ich ihn Sätze vollenden lassen. Los geht’s:

Mein schönster Moment 2012 war…
…als endgültig feststand, dass wir die Klasse gehalten hatten. Denn ich wollte hier nicht der Erste sein, der als Trainer mit dem HSV absteigt. Und dieses Risiko war ich bei Amtsantritt eingegangen. Damals hatten mich fast alle meine Bekannten und Freunde gewarnt, dass ich mir meine Zukunft verbaue, wenn ich die schwierige Aufgabe HSV übernehmen und scheitern würde. Alle sagten, ich hätte bei Basel doch alles, was ich brauchte. Vor alle Erfolg und einen sicheren Stand. Aber ich wollte noch nie den Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegenteil, die Aufgabe hat mich von Anfang an tierisch gereizt. Ich sage immer: Wasser, das steht, das fault und stinkt irgendwann. Und die Mannschaft und wir Verantwortlichen haben mir am Ende Recht gegeben. Wir haben die Klasse gehalten. Und das war Erleichterung, Glückseligkeit und Genugtuung zugleich. Ein irres Gefühl. Privat hatte ich einige schöne Momente. Aber der schönste war, dass diesmal alle meine Lieben von schweren Krankheiten verschont geblieben sind. Denn das ist und bleibt das Wichtigste in meinem Leben. Nicht zuletzt der tragische Zwischenfall in der Familie Marcus Bergs hat mir gezeigt, wie schnell alles gehen kann und wie unwichtig plötzlich alles wird.

… das überraschendste Spiel 2012 war…
…für mich unser Sieg in dieser Saison gegen Dortmund. Nach 32 Spieltagen waren es ausgerechnet wir mit unseren null Punkten, die sie packen konnten. Das hatte ich bei allem damaligen Optimismus so nicht erwartet. Aber unsere Offensivpower hat uns den Erfolg gebracht. Generell geantwortet würde ich einige Spiele vom BVB nennen, die mich positiv überrascht haben. Eigentlich fast alle, die sie in der Champions-League-Gruppenphase gespielt haben. Nicht, dass ich es ihnen nicht zugetraut hätte, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der BVB eine so hammerharte Gruppe so dominiert. Respekt! Das hat mir imponiert.

…das beste Spiel 2012 war…
…für mich unser Spiel gegen Schalke. Damals haben wir an der einen oder anderen Stelle taktisch nachjustiert und am Ende ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Und obwohl wir Schalke sicher zum richtigen Moment hatten – immerhin haben sie anschließend nichts mehr auf die Reihe bekommen –, aber so abgeklärt und mit Spielfreude stelle ich mir unser Spiel immer vor. An dem Tag hat fast alles perfekt gepasst und nicht nur mir gezeigt, wozu wir schon jetzt in der Lage sind.

…den größten Fortschritt 2012…
…hat sicherlich die Verpflichtung von Rafael van der Vaart bewirkt. Allein sein Kommen hat hier einen allseitigen Positivtrend entfacht. Das war bei meiner Ankunft mit acht Spielen oder Niederlage auch schon so ähnlich, aber eben noch mal eine Stufe krasser. Rafael war eine definitiv sehr bedeutende Verpflichtung. Er hat die Wende maßgeblich mit eingeleitet. Vor allem auch, weil er als Mannschaftsspieler funktioniert. Er integrierte in Millisekunden und wusste bei seinen Kollegen menschlich zu gefallen. Er lebt Teamwork vor und nimmt sich einfach nicht zu wichtig. Obwohl er bekanntermaßen überragende Fähigkeiten besitzt, arbeitet er oft härter als die anderen. Er ist eine rundum positive Erscheinung für die Mannschaft, für den HSV – und natürlich für mich als Trainer.

… die größte Überraschung bei den Spielern war…
…sicherlich Tolgay Arslan im positiven Sinne. Wie er bei Rafas Verletzung nach zuvor guten Leistungen in die Bresche gesprungen ist war aller Ehren wert. Das zeigt mir, was wir von ihm sogar noch erwarten können. Er ist der Shootingstar, während ich bei Milan Badelj weniger von seinen gezeigten Leistungen denn von seinem Tempo beeindruckt war. So schnell wir er sich hier eingefunden und seine Bedeutung für die Mannschaft unter Beweis gestellt hat – damit hatte ich nicht gerechnet. Zumal er vorher schwierige Champions-League-Quali-Spiele hatte und die Anpassung an die deutlich bessere Bundesliga für ihn als Kroaten sicher nicht leicht war. Aber inzwischen ist er so etwas wie das Gehirn im Mittelfeld. Er ist auf jeden Fall der Spieler, der unser Spiel von hinten raus leitet, unsere offensiven Mittelfeldspieler mit exakten Pässen versorgt und unserem Aufbauspiel so neue Qualität verleiht. Von Anfang an.

So, das soll es für den Anfang gewesen sein. Morgen folgt Teil 2 des Fink-Gesprächs, in dem der Coach darüber spricht, wann der HSV wieder Meister wird, was und wer ihn 2012 am meisten enttäuscht hat, was Lionel Messi mit dem HSV zu tun hat und, und, und…

In diesem Sinne, bis morgen! Habt ’nen schönen Restfreitag und schaut Euch doch noch Dieters sehr launige Neujahrsansprache an!

Scholle

Auf ein besseres 2013 – oder warum der Fehlstart Arnesens Glück war…

27. Dezember 2012

Heute im Büro zu sitzen, ist irgendwie komisch. Die Straßen sind beachtlich leer und auch die Besetzung des Abendblattes erfüllt kaum mehr als die Mindestnorm zum Erstellen einer qualitativ hochwertigen Tageszeitung. Zu verführerisch war die Aussicht, mit zwei Urlaubstagen gleich sieben am Stück frei zu haben. „Wir müssen das Elend verwalten“, scherzte heute ein hier namentlich nicht genannt werden wollender Ressortleiter auf dem Weg im Fahrstuhl gen Redaktion – und er beschreibt ein wenig das, was Frank Arnesen und seine drei Vorstandskollegen sowie das Trainerteam im Sommer vorfanden: Eine Mannschaft, die mehr schlecht denn recht aufgestellt die Bundesligazugehörigkeit erspielen sollte.

„Wir haben ganz schlecht begonnen und viele Spiele verloren. Zu Hause gegen Nürnberg und davor sogar in Karlsruhe. Das war hart“, erinnert sich Frank Arnesen zurück und erklärt, weshalb er vom miesen Start profitierte. Immerhin musste der HSV so personell nachrüsten, weil auch dem Letzten klar wurde, dass das damalige Team in der Konstellation höchstwahrscheinlich um einen zweistelligen Tabellenplatz mit einer Quersumme größer/gleich sieben spielen würde. Und das wollte Arnesen: finanziell ins Risiko gehen. Zwar hatte man mit Rene Adler einen herausragenden Torwart verpflichtet, auch Milan Badelj war im Anflug schon reichlich Vorschusslorbeeren versehen worden – allerdings hakte es ansonsten überall auf dem Platz. Die Abwehr war kopf- und führungslos dem harmlosen FCN-Angriff unterlegen, das defensive Mittelfeld fand nicht statt, und offensiv gab es keinen Spieler, der auch nur annähernd für Gefahr sorgen konnte. Das alles verwundert nicht, schaut man sich mal die Aufstellung an:

Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg.

„Wir haben früh gesehen, dass noch Handlungsbedarf bestand“, sagt Carl Jarchow. Der Klubboss hatte zunächst die Zahlen im Auge behalten (müssen) und daher von großen Investitionen Abstand genommen, was zu teilweise heftigen Diskussionen zwischen ihm und Arnesen führte. Letztlich aber war es dann auch Jarchow, der zusammen mit Vorstands-Vize Joachim Hilke sowie Mediendirektor Jörn Wolf, der einen sehr freundschaftlichen Draht zum Spieler pflegt, und natürlich Darlehensgeber Klaus Michael Kühne den entscheidenden Transfer eintütete: Rafael van der Vaart. Womit ich nicht sagen will, dass van der Vaart spielerisch wichtiger war als Adler oder auch Badelj, die für mich entscheiden sind. Nein, aber van der Vaart war der einzige Spieler, der dem stark ins Wanken geratenen Bundesligadino mit einem Schlag Hoffnung verliehen konnte.

Allein seine Anwesenheit stimmte Fans optimistisch. Aber noch wichtiger war, dass sich die Mannschaft, die kaum noch selbst an sich glaubte, wieder Hoffnung hatte. „Wir hatten ja keine Erklärungen mehr, die nicht schon genannt worden waren“, sagte Mannschaftskapitän Heiko Westermann. Da sei es nur logisch gewesen, dass auch die Mannschaft an sich zweifelte. Zumindest bis van der Vaart. Der Niederländer kam am 31. August als Last-Minute-Transfer, sah (in Bremen zu) und verlor (in Frankfurt) zwar zunächst – siegte dann aber gegen Frankfurt und den BVB mit starken Auftritten als Passgeber, Mittelfeldlenker und Kämpfer in einem. Das 3:2 gegen Dortmund war dann sicherlich der Befreiungsschlag, nachdem Trainer Thorsten Fink den Fehler im System erkannt hatte und ausmerzte. Es war der Brustlöser, immerhin folgten weitere sieben Punkte aus drei Spielen, ehe in Stuttgart verloren wurde.

Dennoch, der Transferaufwand von insgesamt 27 Millionen Euro hätte bei jedem anderen Klub in der Bundesliga den Anspruch höher steigen lassen als nur davon zu sprechen, besser als letztes Jahr, wo man fast abgestiegen wäre, werden zu wollen. Immerhin gab es in der HSV-Historie nur 2009/2010 mehr Aufwand. Damals wurden auch in letzter Sekunde noch mal 16 Millionen Euro ausgegeben – für die Ladenhüter David Rozehnal und Marcus Berg. Heraussprang mit einer Gesamtinvestition von mehr als 30 Millionen Euro damals ein siebter Tabellenplatz und das Verfehlen der internationalen Wettbewerbe. Das gepaart mit dem Ärger um Dietmar Beiersdorfers Demission, die zu noch größerer Skepsis gegenüber dem gefühlten „Alleinherrscher“ (so nannten ihn viele Mitarbeiter und sogar Aufsichtsräte) Bernd Hoffmann führten schien der HSV nach Jahren des Aufstieges den rechten Weg verlassen zu haben.

Und das bis heute. Denn was folgte, wurde nicht besser. Der HSV verfehlte nicht nur wiederholt den internationalen Wettbewerb, sondern er verschlechterte sich tabellarisch und der Klub brach auch finanziell langsam ein. Die Einnahmen sanken, der Spieleretat blieb konstant hoch – eine Mischung, die heute aufwändig korrigiert werden muss. Allein in der vergangenen Saison musste der HSV noch 20 Millionen Euro für Transfers zahlen – dabei wurden gerade mal für zehn Millionen Euro neue Spieler geholt. „Es ist durchaus branchenüblich, Ratenzahlungen zu vereinbaren“, gab sich Jarchow zunächst diplomatisch, als ich ihn darauf ansprach. Der Klubboss weiß, dass jedes schlechte Wort über seine Vorgänger gegen ihn verwendet wird. Allerdings kann er auch nicht an den Fakten vorbei.

Und die bedeuten, dass der HSV insbesondere durch den Rekord-Transferaufwand 2009/2010 in der vergangenen Saison Einsparungen tätigen musste, die einen Umbruch innerhalb des Vereins und seiner Kaderstruktur unumgänglich machten. Dass der nicht zur Zufriedenheit umgesetzt wurde, ist deutlich an der Abschlusstabelle mit Platz 15 abzulesen. „Auch wir hatten uns mehr erhofft, als nur gegen den Abstieg zu spielen“, nimmt sich Jarchow in die Kritik mit ein. Auch er als Triebfeder des Sparkurses weiß, dass der HSV sich fast kaputtgespart hätte. Dass er draus gelernt hat, beweisen seine Zustimmungen für Jiracek (vier Millionen Euro) und van der Vaart (13 Millionen Euro).

Zwei Verpflichtungen, die teuer waren – und jetzt wieder zu Teilen eingespart werden müssen. 6,4 Millionen Euro soll Frank Arnesen über Verkäufe einsparen und einnehmen. Tom Mickel wandert ablösefrei gen Greuther Fürth ab. Ersparnis: maximal 100000 Euro. Bleiben also noch rund 6,3 Millionen, die nicht über Jaroslav Drobny – der Tscheche will seinen mit gut 1,8 Millionen Euro Jahreseinkommen sehr gut dotierten Vertrag bis Saisonende beim HSV erfüllen/aussitzen – generiert werden. Wobei, ich verstehe Drobny sogar. Immerhin ist sein Ruf als Torwart gut – der seiner Knie indes nicht mehr. Und mit 33 Jahren ist der Tscheche auch nicht mehr der Mann mit der größten Perspektive für andere Klubs.

Ziemlich weit ist der Transfer von Gojko Kacar zu Hannover 96. Bei dem Serben, der in Hamburg einen mit rund 2,2 Millionen Euro und bis 2015 dotierten Vertrag besitzt, liegen die Vereine bereits auf Wellenlänge – allein Kacar selbst konnte sich mit Hannover bislang noch nicht einigen. Marcus Berg (2,5 Millionen Euro Jahressalär/Vertrag bis 2014) soll ein noch unbestätigtes Angebot aus Spanien vorliegen (Jarchow: „Davon habe ich nichts gehört“) und Vitesse Arnheim soll an Jeffrey Bruma (etwas mehr als eine Million im Jahr/ausgeliehen bis Juni 2013) interessiert sein. Sollte Arnesen alle drei (Bruma, Berg, Kacar) und zudem noch Slobodan Rajkovic (2 Millionen per annum bis 2015) abgeben können – ich würde ihn dafür feiern. Genau so wie der Aufsichtsrat, dem der Däne dann die geforderten Einsparungen vorlegen könnte. Und: Für den zweifellos sympathischen aber sportlich bisher durchweg enttäuschenden Berg noch Ablöse zu kassieren – das wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Allein bei Bruma hätte ich nicht nur Freude, da ich ihn für den talentiertesten Jungprofi aus der Chelsea-Reihe halte. Allerdings hat sich der Niederländer bislang nicht durchsetzen können – trotz nicht allzu großer Konkurrenz.

Allerdings wären diese Aufräumarbeiten auch der erste Schritt, aus der Mängelverwaltung seit Juni 2011 endlich ein Team zu formen, das Perspektive hat, wieder international zu spielen. Dafür sind allerdings weitere Feinjustierungen nötig, über die ich mich hoffentlich heute oder morgen noch mit HSV-Sportchef Frank Arnesen unterhalten kann. „Wir wollen Fußball spielen“, betont Fink immerhin seit Monaten seine Vision vom HSV, die er so noch nicht erreicht hat. Der HSV der Zukunft soll demnach weniger mit Kampf denn mit technischen Finessen brillieren. Und dafür fehlt es in der Abwehr ebenso wie im Angriff noch zu sehr am Fußballerischen. Ebenso wie in der Breite des Kaders, die mit entscheidend für mich ist, zwischen der vorherrschenden Mängelverwaltung und einem hoffentlich bald wieder soliden Kadergerüst.

Klar, die HSV-Verantwortlichen der Gegenwart haben sicherlich keinen leichten Job. Aber sie haben nach den letzten Enttäuschungen allemal genug Möglichkeiten sich mit wenigen Schritten deutlich zu verbessern. Deshalb: Hoffen wir mal, dass Arnesen und seine Kollegen im Winter gut verkaufen – wobei das für mich zunächst nur wirtschaftlich der nächste Schritt wäre. Allerdings basiert darauf bekanntermaßen auch die sportliche Entwicklung. Und die muss besser werden. Und daran müssen sich die Herren Jarchow, Arnesen und Fink nach dem diesjährigen Transferaufkommen allein messen lassen. Altlasten hin oder her…

In diesem Sinne, bevor ich virtuell auf ein besseres 2013 mit Euch allen anstoße – zunächst einmal bis morgen!
Scholle

P.S.: Vielen Dank noch mal für die netten Geschenke und die vielen lieben Grüße zu Weihnachten! Ich kann nur hoffen, dass Ihr genau so schöne ruhige Tage wie ich hattet! und Euch an meinen sportlichen Wünschen für den HSV 2013 – wenigstens im Stillen – beteiligt habt. Dann sollte doch auch das klappen…

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

Teil zwei des HSV-Weihnachtsgedichts

25. Dezember 2012

Zwischen Puter, Gans und Karpfen schnell mal an den HSV denken, das kann auch zu Weihnachten nicht schaden – denke ich mal. Deswegen folgt heute nun Teil zwei des HSV-Weihnachtsgedichtes – und dann wünsche eich allen “Matz-abbern” und ihren Familien und Freunden weiterhin wunderschöne Festtage. Obwohl das Wetter ja ganz sicher nicht dafür gemacht ist, vor die Tür zu gehen. Doch man kann es sich ja auch in den eigenen vier Wänden komodig machen und es sich gut gehen lassen. Viel Spaß dabei!

 

Aogos Jahr – sag ich mal frech,

das brachte ihm doch sehr viel Pech,

erst Nati futsch, dann Stammplatz weg,

da sitzt er tief, der böse Schreck;

lass ihn nicht zu lange zappeln,

er soll sich ganz schnell berappeln,

soll nicht grübeln, nicht verzagen,

aufspiel’n wie zu besten Tagen,

egal auf welcher Position –

Aogo, ja, der macht das schon,

auch wenn Löw nicht auf ihn baute –

Dennis passt sehr gut zur Raute!

 

Skjelbred aus dem hohen Norden,

ist nicht glücklich hier geworden,

Per hat sich viel vorgenommen,

doch so viel ist nicht gekommen,

er kam nicht in das Team hinein,

das fand der JU aus Qu gemein,

doch nun wird kräftig aussortiert,

da scheint die Trennung programmiert,

der Per wird auf die Reise geh’n –

da hilft kein betteln, hilft kein flehn.

 

Von der Sechs auf Wolke sieben,

Arslan hat’s hier toll „getrieben“

die Super-Sechs, die er nun gibt,

die macht den jungen Mann beliebt,

er ist in Hamburg Shooting-Star,

und findet das ganz wunderbar,

doch, lieber guter Weihnachtsmann,

es fängt ja jetzt erst richtig an,

bewahre ihn vor Übermut,

denn dieser tut auch ihm nicht gut,

lass ihn weiter kräftig beißen,

denn nur so wird er was reißen,

lass ihn weiter Vollgas geben,

dann wird er nach oben streben,

er steht am Anfang erst – genau,

für Deutschland und den HSV.

 

Marcus Berg dem gib die Sporen,

Stürmer leben ja von Toren,

und da gibt es viel zu schelten,

denn er trifft ja viel zu selten,

wenn er mal spielt, dann unterkühlt,

er ist kein Stürmer – der mal wühlt,

der schnell ist und voll Temp’rament,

der Biss hat und der richtig brennt

lang’ liegt mir das schon im Magen

– könntest Du ihm das mal sagen?

 

Ilicevic – das war ein Traum,

ich traute meinen Ohren kaum,

als es da hieß, er käm’ hierher,

ich hatte keine Wünsche mehr;

dieser Mann – das war der Kracher,

wollte nicht g’rad Bayerns Macher,

auch den Ivo zu sich holen?

Und dann Hamburg – echt der Hammer

– und nun dieser Katzenjammer!

Es war bislang nicht viel zu seh’n,

ich kann das nicht so ganz versteh’n.

Was hindert ihn? Was bremst ihn aus?

Er spielt zu oft die graue Maus,

kannst Du ihm noch Feuer machen?

Sonst fällt er dem Reinemachen,

auch noch zum Opfer – und muss weg,

denn so hat das nicht wirklich Zweck.

 

Wenn Beister stürmt – das ist ‚ne Pracht,

dann kommt mir schnell mal der Verdacht,

dass nichts auf dieser großen Welt,

ihn dann noch stoppt, ihn dann noch hält,

er sprintet dann, den Kopf voraus,

und schaltet alle Sinne aus,

er läuft auch durch die dickste Wand,

das macht er oft – er macht’s konstant,

er flitzt, er rast – als wär’s ‚ne Flucht,

und dann sein Schuss – mit voller Wucht –

verfehlt sein Ziel, wird abgeblockt,

er ist noch lang’ nicht abgezockt,

auch wenn man’s manchmal denken kann,

doch das kommt sicher irgendwann –

sag ihm bis dahin – das wär gut:

„Versuch es mal mit ruhig Blut.“

 

Gojko Kacar hat gelitten,

deshalb möchte ich drum bitten,

stell ihn wieder auf die Beine,

und dann schick ihn an die Leine,

dort zeigt er was er wirklich kann

– denn hier kam er nie wirklich an.

 

Und beschenke auch den Sala,

denkst Du noch an seine Gala?

Er traf super gegen Bayern,

ließ sich danach lange feiern,

der Rausch hält noch bis heute an,

was ja nicht wirklich wahr sein kann,

tritt ihm in den Hintern – mächtig,

das wär voll und ganz berechtigt,

zeig ihm den Ernst der Lage auf

– ansonsten droh’ ihm mit Verkauf!

 

Artjoms Rudnevs, unser Lette,

ist ja wirklich voll der Nette,

ist der Liebling der Kollegen,

und schießt Tore – welch ein Segen,

er läuft und läuft – und rennt und rennt,

das macht er wirklich exzellent,

nur am Ball – da gibt’s Probleme,

das ist nicht die Creme der Creme,

er schießt auch manchmal sehr diffus,

drum schule bitte seinen Fuß,

gib ihm mal Pattex auf den Spann,

und man wird seh’n – der Ball klebt dran.

 

Bei van der Vaarts – da hilf mir mal,

das ist mitunter recht fatal,

ich weiß oft nicht – wer hat gespielt?

Hat „Raffa“ nun das Tor erzielt?

Oder vielleicht die Sylvie-Maus?

Oft sah es ja dann doch so aus,

als hätt’ Sylvie mal getroffen

– in der Zeitung blieb das offen,

da war sehr oft das große Bild

(das machte mich als Mann ganz wild!),

die Sylvie – uns’re Zauberfee,

auch deshalb kam mir die Idee,

dass auch die Sylvie Tore schießt

– weil’s Mann so in der Zeitung liest.

Klär’ mich mal auf, was ist jetzt wahr?

Ist „Raffa“ nun der Fußball-Star?

Die Sylvie, seine tolle Frau,

die macht bei uns doch viel TV,

und diese Seite Fußball-Sport,

das wär für „Raffa“ doch der Ort . . .

Wenn er sich dann in’ Gang gesetzt,

so richtig fit ist – nicht verletzt,

grätschen soll er, und auch kloppen,

soll die besten Gegner stoppen,

ich weiß, dass längst ein jeder denkt:

als Regisseur ist er verschenkt,

der Fußball heute ist durchdacht,

das eig’ne Tor wird streng bewacht,

ganz offensiv, dass es mal kracht,

wird heute kaum noch mal gedacht,

ein Lenker Marke van der Vaart,

der wird heut’ meistens eingespart,

das ist auch so beim HSV,

das weiß der „Raffa“ auch genau,

er spielt jetzt das, was er nicht kann,

das Zauberwort heißt: Abwehrmann.

11.49 Uhr

Ein weihnachtliches HSV-Gedicht

24. Dezember 2012

Liebe “Matz-abber”

euch und euren Lieben wünschen wir, “Scholle”, das Moderatoren-Team und ich, ein wunderschönes, stressfreies Weihnachtsfest. Weihnachten ist ein Fest der Liebe, deswegen wäre es fein, wenn es überall friedlich und liebevoll zugehen würde. Ich wünsche es euch. Und bedanke mich gleichzeitig für eure unglaubliche Treue und eure Freundschaft – es ist auch für ich ein großes Glück, so viele nette Menschen hier kennengelernt zu haben. Danke dafür. Und einen besonderen Dank möchte ich mal an die weiblichen “Matz-abber” loswerden – ihr seid wirklich, wirklich klasse. Herzlichen Dank für eure nimmermüde Unterstützung, ihr tragt viel für den Zusammenhalt des Blogs bei. Ein besonderer Dank geht auch an “el Presidente” Benno Hafas.

So, nun das Gedicht – Teil eins. Heute schon etwas früher, aber es ist ja Weihnachten. Und da ich drei Familien kenne, wo die Knaben (einmal auch der Vater) diese Reime vor dem Tannenbaum aufsagen (vorlesen) sollen, haben sie nun noch ein wenig Zeit, um für den heutigen Nachmittag zu üben. Viel Spaß damit!
Teil zwei folgt morgen ebenfalls in den Vormittagsstunden. Und los geht es:

Du lieber guter Weihnachtsmann,
nimm Dich ’ner guten Sache an,
ich glaub Du weißt es schon genau,
es geht um uns’ren HSV,
kümmer’ Dich nun auf die Schnelle,
denn der Klub tritt auf der Stelle,
Platz zehn ist ja nicht wirklich gut,
mir jedenfalls macht das kein’ Mut,
ein wenig mehr dürft’ es schon sein,
für einen Traditions-Verein,
nimm das nun in Deine Hände,
gib uns endlich diese Wende.

Wir alle ha’m schon viel geflucht,
der HSV hat viel versucht,
im Dschungel wurde aufgetankt,
die Mannschaft hat es nicht gedankt,
Fußball ha’m sie glatt vergessen,
lernten dafür Maden essen,
von der Umwelt abgeschnitten,
haben sie im Wald gelitten,
Handy, Laptop, Playmobile,
gab es nicht – nur and’re Spiele,
Feuer machen – Fische fangen,
Spinnen jagen – und auch Schlangen,
Kanu fahren – Hölzer hacken,
ab und an ein Brot noch backen,
damit Mann überleben kann –
nur Fußball fiel dabei nie an,
und das war dann auch zu sehen,
wie soll das nur weitergehen?

Das Überleben hat geklappt,
nur Punkte wurden nicht geschnappt,
im Dschungel kamen sie zurecht,
nur spielten alle wie bezecht,
Nürnberg, Bremen und die Hessen,
ha’m den HSV gefressen,
den Spielern schlotterten die Knie,
der Abstieg schien so nah wie nie.

Bis dann Herr Kühne übernahm,
und auf die „23“ kam,
für den Engel gab’s Millionen,
und die sollten sich gleich lohnen,
Tore gab es – dazu Siege,
„Raffa“ – keine Eintagsfliege,
brachte Ordnung, brachte Ruhe,
ohne großes Star-Getue,
und im Falle eines Falles,
hielt der Adler einfach alles,
der Keeper wurd’ der große Held,
so ging es bald ins Mittelfeld.

Doch das kann ja nicht alles sein,
das, Weihnachtsmann, siehst Du wohl ein;
einst war’n wir in der Spitze drin,
da wollen wir auch wieder hin,
neben Bayern – vor den „Knappen“,
Titel woll’n wir wieder schnappen,
führ’ an der Eintracht uns vorbei,
denn wir gehö’rn doch auf Platz drei,
wir woll’n nicht nur überleben,
lass uns nach ganz oben streben,
gib uns Geld – ’nen ganzen Batzen,
lasse Träume nicht gleich platzen,
mach uns Mut und gib uns Klasse,
schenk uns auch noch neue Asse
so kriegen wir dann einen Lauf,
und roll’n das Feld von hinten auf.

Drum lieber, guter Weihnachtsmann,
pack es nun echt mal richtig an,
leg sofort los – und mach mal hin,
dann ist doch noch Europa drin!
Bring’ Spaß und Lust und Leidenschaft,
das wäre sicher vorteilhaft,
lass die Spieler sich zerreißen,
lass sie kämpfen, kratzen, beißen,
und schenke auch – das ist kein Scherz,
jedem der Jungs ein Rauten-Herz,
pack sie am besten einzeln an –
und nun mal los, Du Weihnachtsmann:

Dem Drobny gebe viel Geduld,
dass er nicht spielt – nicht seine Schuld,
oder Du suchst ihm ein’ Verein,
dort könnt’ er Nummer eins dann sein,
gut wär’ auch, er würd’ mal sprechen,
lass ihn den Boykott nun brechen,
er hat lang genug geschwiegen –
so viel Sturkopf ist gediegen.

Den Rene Adler – Torwart-Gott,
den halte fit, den halte flott,
schenk ihm nochmals tausend Hände,
so wird er hier zur Legende . . .

Halt auch Mickel bei der Stange,
dass er manchen Ball noch fange,
ein gutes Team braucht auch Ersatz –
und er ist gut, macht kein’ Rabatz,
auf ihn ist in der Not Verlass,
das kommt dann allen hier zupass.

Gib Sven Neuhaus Spaß und Laune,
ich geb zu, dass ich nur staune,
wie er hier nur als Nummer vier,
sich Ball auf Ball greift – voller Gier,
er hat Lust sich zu bewegen,
und ist wichtig für Kollegen,
weil er sie aufbaut – munter macht,
bei bester Stimmung auch viel lacht.

Diekmeiers Dennis gib den Tipp
– er ist zwar auf ’nem guten Trip –
doch da ist noch Luft nach oben,
er muss rechts noch viel mehr toben,
lass ihn rauf und runter laufen,
lass ihn stöhnen, lass ihn schnaufen,
lass ihn auch mal schärfer flanken –
seine Stürmer würden’s danken,
und in Sachen Zweikamphärte,
könnte Rincon, als Experte,
wie man es macht, und wie geht,
wie man auf Gegners Füßen steht,
wie man sich fair Respekt verschafft
– der Dennis steht doch voll im Saft.

Und gib Mancienne den Pass nach vorn,
er schürt per Fehlpass Volkes Zorn,
oftmals hilft auch eine Brille,
und dann dankt es die Pupille,
Fehler lassen sich vermeiden,
und kein Fink, kein Fan muss leiden.

Heiko Westermann – Maschine,
gib die Kraft als Mannschafts-Biene,
er ist Vorbild, Chef und Klopper,
und als Double Meister Propper,
dieser Kerl ist eine Pracht,
der hier nun jedem Freude macht,
’ne glatte Eins, der gute Mann,
der hier zuletzt nur noch gewann.

Marcell Jansen schenke Power,
er ist jetzt ja sehr viel schlauer,
er sucht nun hinten links sein Glück,
und rückte nur ein Stück zurück,
um für Jogis Team zu spielen,
und nach Rio so zu schielen,
denn die WM am Zuckerhut,
die täte ihm bestimmt ganz gut,
und auch der HSV wär’ froh,
denn brennt der Jansen lichterloh,
dann ist er fit, dann gibt er Gas,
dann zeigt er hinten links auch was.

Den Jeffrey Bruma wecke auf,
der steckt in einem Anti-Lauf,
und merkt nichts und vergisst den Kampf,
setz ihn mal wieder unter Dampf,
mach ihn stark und mach ihn munter,
denn sonst geht er leider unter.

Den Zhi Gin Lam, der Lahm-Verschnitt,
den mach auch auf der Brust mal fit,
schick ihn in die Folterkammer,
dann sind auch die Waden strammer,
lass ihn die Gewichte heben,
und nach einem Body streben,
mit dem er jeden Gegner checkt,
vor dem sich jeder Gegner schreckt.

Scharners Paul musst Du stoppen,
der lässt sich nicht gerne foppen,
dann langt er hin, dann langt er zu,
dann kommt der Schiri und sagt: „Du,
das war der eine Tritt zu viel . . .“
Es folgt das Rot vom Kartenspiel.
Verhind’re das, das muss nicht sein,
denn Scharner, der ist nicht gemein,
er ist so nett, ein braver Mann,
der niemand’ etwas Böses kann.

Den Badelj, den mach zum Sprinter,
jetzt, sofort, noch diesen Winter,
ein wenig schneller – wär schon klasse,
und wär hilfreich – eine Masse,
dann wär er auf der Sechs der Mann,
der alles macht, der alles kann.

Hol Tomas Rincon von der Bank,
er hat den Tiger stets im Tank,
gib dem Meister der Attacke,
etwas Spielwitz an die Hacke,
mit viel Ideen – und etwas List,
dass er nicht nur Zerstörer ist.

Bring bitte Petr Jiracek,
so schnell wie möglich hier an Deck,
der Mann reißt mit, der Mann gibt Gas,
und ist er fit – ist er ein Ass,
der bringt den HSV voran,
drum bitte führ ihn schnell mal ran,
mit ihm geht’s bestimmt nach oben –
holst Du ihn – ich werd Dich loben.

Rajkovic gib Boxhandschuhe,
oder die gewisse Ruhe,
dass er die Contenance bewahrt,
dass er im Training smart und zart,
ganz sachte nur dazwischen fährt,
das wär für ihn nicht so verkehrt,
nie mehr treten, nie mehr schlagen,
nie mehr den geplatzten Kragen,
mal auszurasten ist tabu –
ein Gentleman von Kopf bis Schuh,
und Interviews sind auch verpönt,
weil die nie von Erfolg gekrönt.

Der „Liverpooler“ Heung Min Son,
geht uns vielleicht schon bald davon,
er hat sich ja fein rausgemacht,
er schießt so hart – dass es schön kracht,
doch auch mal dagegenhalten,
Gegner mal zusammenfalten,
da macht er stets ‚nen Bogen drum,
da stellt er sich ganz plötzlich dumm,
da hält er sich ganz vornehm raus,
da nimmt er lieber schnell Reißaus;

drum knöpf ihn Dir mal richtig vor,
sonst geht’s nach unten – statt empor,
und alle lachen sich halbschlapp,
denn Liverpool winkt dann auch ab.

Der Robert-Tesche-Fußball-Gott,
der spielt im Training meistens flott,
er schießt, er köpft – und nichts misslingt,
was nichts bedeutet – weil’s nichts bringt,
wird ins Spiel er mal beordert,
und ist richtig mal gefordert,
gibt’s von Tesche nichts zu sehen,
so ist das schon oft geschehen,
deshalb schick ihn in die Ferne,
er spielt ja ganz sicher gerne,
das muss dann woanders gehen,
er wird das bestimmt verstehen . . .

So, noch einmal frohe Festtage – Teil zwei folgt morgen an dieser Stelle.

Alles Gute für euch, feiert schön und in aller Ruhe,

Dieter

10.36 Uhr

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