Monatsarchiv für November 2012

Zwischendurch: Emotionen der “Matz-abber”

24. November 2012

Dieses Spiel wirft Fragen auf. Und viele Emotionen. Dazu viele Meinungen, die in unterschiedliche Richtungen gehen. Auch bei „Matz ab“ geht es hoch her. Während ich an meinem Bericht schreibe, gebe ich euch schon einmal einen Überblick, worum es nach dieser 0:2-Pleite von Düsseldorf vorrangig geht. Viele sprechen mir dabei vollkommen aus der Seele – für diese Beiträge möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Was der Blogfather mit dem schlechten Spiel des HSV zutun hat, erschließt sich mir nicht ganz, aber auch das wird hingenommen und verarbeitet. Besser allerdings wäre es, wenn der HSV so arbeiten würde, dass der Blogfather machen und schreiben kann was er will – und die Rothosen gewinnen, gewinnen, gewinnen. So, nun fangen die für mich (und das Moderatoren-Team) sehr lesbaren Beiträge an – die ich nicht bearbeitet oder korrigiert habe:

Norbert G. schreibt auf seiner Facebook-Seite:

Denk gerade über gestern nach! Wieder einmal haben es 11 Leute geschafft
uns das WE zu versauen!!!

Von Peter M. kommt dies:

Habe bewußt gestern nach dem Stadionbesuch nichts mehr geschrieben und
erst mal die Nacht drüber geschlafen und mir gerade die Aufzeichnung bei
Sky nochmal reingezogen.

Habe mehrere Punkte:

Warum gibt der Herr Gagelmann das Tor von Westermann nicht? Lambertz
lässt sich mehr als theatralisch fallen. Das war nie und nimmer ein Foul
von Berg. Andersrum würde es dafür niemals Elfmeter geben, also wenn
Lambertz Berg so “foult”! Aber Herr Gagelmann war gestern bei weitem
nicht der Grund für die Niederlage. Die SR-Leistung war ordentlich bis gut.

Zu unseren “Fans” : diese hirnverbrannten Arschlöcher zünden 6-8
Bengalos und bringen uns alle wieder in Verruf. Und nachher stehen sie
unten und heulen rum, dass sie ihre eigenen Fahnen abgefackelt haben.
Wie doof muss man eigentlich sein? Wieso identifiziert man diese Leute
nicht per Video und brummt denen jedes mal ein Ordnungsgeld von 1000
Euro auf inkl. Strafanzeige? Wie schnell würde das aufhören? Chosen Few
und Poptown hat keine Fahnen mehr. Erst kein Hirn, jetzt keine Fahnen.
Hört endlich auf mit diesem Mist. Ich will gar nicht dran denken wie
diese Sache jetzt medial wieder aufgepusht wird.

Zu unserer Truppe: so harmlos und schlecht ermöglicht man einer wirklich
fussballerisch limitierten Düsseldorfer Truppe den ersten Heimsieg. Eine
Mannschaft die technisch überlegen ist, wie ich immer lese, muss auch in
der Lage sein in sehr hohem Tempo technisch überlegen zu sein. Sonst
bringt diese Überlegenheit überhaupt nichts, weil man einfach nur
defensiv gut stehen muss, um diese aus Sicht der Fortuna technische
Unterlegenheit auszugleichen. Und das ist bekannt, dass die Fortuna das
kann. Aber genau dieses angesprochene hohe Tempo ist mit Leuten wie
Aogo, Diekmeier, Arslan, Berg oder Rudnevs nicht gegeben. Also vergesst
hohe Ansprüche wie z.B. Fortuna Düsseldorf zu schlagen (Fink:” Unser
Anspruch muss es sein Fortuna zu schlagen”). Nicht mit diesen ebenfalls
limitierten Fussballern. Borussia Dortmund hätte gestern die Fortuna mit
mindestens drei Toren Unterschied nach Hause geschickt, wenn ich nur an
Götze, Reus und die drei Polen denke.

Also seid froh, dass wir schon 17 Punkte haben. Hofft auf 20-21 bis
Weihnachten und das Fürth und Augsburg weiter so schwach bleiben. Dann
klappt es auch mit Platz 14, einer Verbesserung zum Vorjahr!

ES WAR WIE IMMER! LEIDER NICHT GEIL!

Nur der HSV

Von Stoerzenhofegger gibt es das:

Wir brauchen einen Hügel, 65 Medizinbälle und Magath.

FinchLarsen schickte diese Zeilen:

Ich glaube kaum einer will eine Trainerdiskussion. Aber nach einem Jahr
Fink muss man mehr verlangen dürfen, als die definitiv talentierte
Truppe zurzeit bietet. Damit meine ich nicht nur das gestrige Spiel,
sondern die Leistung in all den letzten Spielen. Wie viele Tore haben
wir gemacht, wie viele herausgespielte Torchancen haben wir gehabt?

Insofern gilt Frank Arnesens Wort von Anfang der Saison, spätestens zu
Weihnachten muss Fink sich messen lassen.

Sicherlich gibt es keine einfachen Lösungen, aber so wie sich die
Situation z.Z. darstellt muss diskutiert werden ob wir unsere Felix
Magath und Bernd Hollerbach nach Hause holen. Schalkes Aufschwung hat
mit Magath begonnen, wo er aus nichts was gemacht hat. Viele der
heutzutage hoch bezahlten jungen Wilden kommen aus Magaths Stuttgarter
Schule.

Ich hoffe ein Herr Kühne und andere Gönner wissen nicht nur was sie mit
VdV Gutes gemacht haben, sondern das jetzt nachgelegt werden muss.

Der Beitrag von lo-king-kai:

Zunächst einmal, ich habe das Spiel gestern ( zum Glück ) nicht sehen
können. Was mir jetzt aber fürchterlich auf den Sack geht, ist das
Einschießen auf Thorsten Fink. Das Einzige, was ich ihm vorwerfe, ist
der gestrige Einsatz von Berg. Wann begreift er endlich, dass der
Schwede Bundesliga nicht kann? Für mich keine Überraschung, dass er
seine Chance gestern offensichtlich wieder nicht nutzen konnte.
Wann begreifen die Leute eigentlich endlich einmal, dass Europa in
dieser Saison mit dieser Mannschaft kein Ziel sein kann. Genau das ist
nämlich unser Problem. Wir können diesen Anspruch nicht stellen.
Natürlich ist unsere Mannschaft auf einigen Positionen durch Adler, van
der Vaart oder Badelj stärker geworden. Das alleine reicht aber noch
nicht. Der Einzige, der sich wirklich aus der alten Stammformation
gesteigert hat, ist Heiko Westermann, mit Abstriche wahrscheinlich wohl
auch Arslan. Der Rest spielt genauso wie im letzten Jahr. Der so
hochgelobte Son nimmt trotz seiner Tore ansonsten nicht am Spiel teil
und sollte bei entsprechenden Angeboten verkauft werden. Ein Illicevic
ist nur verletzt, Mancienne, Bruma und viele andere treten auf der Stelle.
Stattdessen wird wieder einmal der Kopf des Trainers gefordert. Er kann
aus dieser Truppe aber nicht mehr rausholen als einen Platz zwischen 10
und 13. Diese Diskussionen bin ich wirklich leid und wünsche mir gerade
auf dieser Position endlich einmal Kontinuität.

Der Beitrag von lovemachine:

wir mögen den 6-teuersten kader haben, aber was das wirklich wert ist,
konnten wir gestern wunderbar sehen, als wir mit unserem 14 mio sturm
aufgelaufen sind!

Das stammt von maddes1887:

Ich wundere mich schon daß viele hier, nach dem gestrigen Spiel,
plötzlich so entsetzt sind von der Leistung unserer Mannschaft.
Eigentlich waren doch die letzten Spiele schon alle schlecht! Nur hatte
man da einfach viel mehr Glück.
Der Unterschied zwischen HSV und Düsseldorf gestern war einfach daß
Fortuna einen Plan hatte und der HSV immer noch keinen! Und so machen
sehr biedere Düsseldorfer aus wenig viel! Hinten wenig zulassen und
dann, wenn möglich,kontern! Und da sah man etwas was man beim HSv
überhaupt nicht zu sehen bekommt, EINSTUDIERTE SPIELZÜGE!
Das einzige und letzte einstudierte was man in nahezu jedem HSV Spiel
unter Fink sieht ist das Einlaufen der Mannschaft!! Wir spielen
weiterhin ohne Trainer dem es nur den Hintern gerettet hat daß kurz vor
Transferschluss noch mal ordentlich investiert wurde! Aber nen System
oder gar ne Spielidee hat die Mannschaft immer noch nicht! Es ist schon
schwer aus so einer gut bestzten Mannschaft so wenig herauszuholen !!!!
Ich als düsseldorfer HSV Fan freu mich nicht so sehr auf die kommende
Arbeitswoche unter zig Fortunen grrrrr!

Der “Winsener” schrieb:

Ich stell hier mal eine “Hoffnungsrechnung” rein:
wenn der HSV dem “Spielermaterial” nach die sagen wir mal 6.beste
Mannschaft der Liga sein sollte… und das am Ende der Saison sichtbar
sein soll…: also Platz 6…
wenn der HSV aufgrund der späten Neuzugänge nach dem 3. Spieltag auf
Platz 17 gestanden hat – und (durch positive Entwicklungen, wie auch
immer…) am Ende auf Platz 6 stehen soll, bleiben rechnerisch 33
Spieltage für 11 Platzierungen nach oben.
Soll heißen: im Schnitt alle 3 Spieltage einen Platz weiter oben, dann
passt es am Ende (plus/minus 3 Tabellenplätze pro Spieltag wäre also
alles normal im Laufe der Saison)…

…dann müssten wir jetzt, nach dem 13. Spieltag, auf Platz 17-4: 13 stehen.
nach dem 16. Spieltag auf 12, nach dem 19. auf 11, nach dem 22. auf 10,
nach dem 25. auf 9 usw.

aber leider funktioniert der HSV nicht “berechenbar” – er “funktioniert”
zur Zeit gar nicht…

ein gutes hat diese mathematische Theorie aber doch: sie zeigt auf, dass
bei einer erkennbaren positiven sportlichen Weiter-Entwicklung der
Mannschaft die ganze Saison über Zeit gegeben werden muss…!!!
aber wenn es diese Entwicklung nicht gibt?!… Sollten wir nach dem 16.
Spieltag schlechter stehen als Platz 12 (s.o.), sehe ich die Entwicklung
mit dem aktuellen Trainerstab jedenfalls als nicht positiv bzw. nicht
zielführend an. Dann muss leider ein Wechsel her! Meine Meinung. Ich mag
Fink eigentlich, aber eine solche step-by-step-Entwicklung müsste er mit
der vorhandenen Mannschaft (ob mit oder ohne VdV) schon hinbekommen!!!

Von scorpion stammt dieser Beitrag:

Wo Schatten ist, ist auch Licht.
.
Endlich scheint auch dem Blofather der Geduldsfaden zu reißen.
Wenn er jetzt noch die “richtigen” Schuldigen ausmacht, nicht immer
weiter auf Spielern rumhackt die pro Spiel trotz intensivster Laufarbeit
nur 5-6 Bälle bekommen, Spieler hochlobt, die anscheinend nur aufgrund
von Sponsorenverträgen auflaufen – dann hat alles ja noch einen Sinn.
.
Zur nun särker werdenden Trainerdiskussion. Wer sollte denn Nachfolger
werden? Wer ist frei? Wer will zu einem Chaosclub wie dem HSV? Wer ist
bezahlbar? wer ist dem gemeinen Fan vermittelbar (ich denke an die
unseligen Diskussionen um Slomka und Favre)?
.
Fragen über Fragen.

„aradia“ schickte diese Zeilen:

Da denkt man es geht nach oben.
Die Vorhersagen der Spieler deuteten dies an.
Alle waren motiviert, auch der Trainer.
Die Tabelle freute sich schon auf Veränderungen.
Und dann geschah es.
Im HSV Fan-Block wurde gekokelt obwohl die es angeblich im Griff haben.
Warum sind Jungs um die 20 immer noch blöd?
Hoffentlich haben die sich die Klamotten versenkt.
Ja und so komme ich zu unsere Spieler.
Begreifen die Fussball nicht?
Nehmen die ihren Job nicht ernst?
Wenn es so wäre würde Fink das schon mal raus posaunen, so geschwätzig
wie der ist.Er ist ja auch im grossen und ganzen zufrieden.
.
Das kann es nicht sein.
Also gibt er was vor, dass die Jungs nicht können.
Nun stellt sich die Frage wann er es merkt.
Darf er es nicht merken, weil Vorgabe durch Verein? Werbung?
Es ist sein Name, der leidet.
Oder ist er ein arroganter Gott!
.
Mir fällt auf, er wechselt ständig, ein Zeichen das er immer noch
nicht seine Mannschaft gefunden hat.
Das ist schwach.
Die Aussage, wir brauchen Zeit, ist lächerlich.
.
Der HSV hat sich fest gerannt.
Von den Verantwortlichen will das niemand erkennen.
Uns hilft jetzt nur noch der 21 Dezember.
Und wenn die Majas auch so jämmerlich versagen wie unsere Jungs,
dann hilft uns nur ein neues Jahr. 😉

Von Lothar H. (Name ist mir bekannt) gab es dies:

Hallo sehr geehrter Herr Matz,
bin ein leidenschaftlicher HSV-Fan, schon mein ganzes Leben,
54 Jahre. Wir gründeten vor 10 Jahren eine Fan Club, das
Nordbadische Elbufer, jetzt wird auch klar, woher ich komme,
eben aus Nordbaden.(Höpfingen eine kleine Gemeinde im Odenwald)
Herr Matz, ich verfolge ihren Blog jeden Tag, zu Beginn hatte ich
auch Berichte verfasst, doch dann begann, aus meiner Sicht, das
Niveau zu sinken, wofür nicht sie etwas könnnen, damit meine ich
die Schreiber, die aus meiner Sicht keine “HSV-Fans” sein können,
denn es wird vieles schlecht gemacht, geredet, nur im Blog eine
Botschaft abzusetzen.
Heute schreibe ich ihnen, weil aus meiner Sicht, gestern der Tiefpunkt
erreicht wurde, das hoffe ich wenigstens, denn schlimmer geht es nicht.
Ich frage mich was trainieren unsere “Stars”, wir können keine Standards,
wir spielen nicht nach vorne, wir kommen nicht zum Abschluss, wir spielen
so mut- und harmlos, das erinnert mich an die letzte Saison u. da mussten
wir bis zum vorletzten Spieltag zittern.
Aus meiner Sicht trägt hierbei unser Trainer einen großen Teil der
Verantwortung, es läßt zu wenig nach vorne spielen u. beweist jeden Spieltag, dass der Offensive-Fußball, den er verspricht, bisher leider
noch nie gespielt wurde. Ausnahme in Gladbach!!!
Um eines richtig zu stellen, ich bin keiner der den Trainer rausschmeißen würde, doch es darf u. muss hinterfragt werden, wohin geht der Weg u.
wo sind die Fortschritte, in allen Mannschaftsteilen, zu erkennen, dies
sehe ich nicht, leider.
Mir blutet das Herz wenn ich uns spielen sehe.
Herr Matz, da sie ganz nahe dran sind, wenn sie mit den Verantwortlichen sprechen, sehen die einen Fortschritt eine klare Handschrift?
Danke im Voraus für ihr Verständnis.
Einen schönen Sonntag liebe Grüße aus Nordbaden Lothar

NUR DER HSV!

So, das waren Beiträge aus eurer (unserer) Mitte. Wie gesagt, ich schreibe an meinen Gedanken herum, die erscheinen dann demnächst in dieser Stelle. Oder davor.
Bis dann.

16.33 Uhr

0:2-Pleite in Düsseldorf – grausam!

23. November 2012

Dieses Spiel darf man nicht verlieren, dieses Spiel durfte man nicht verlieren, weil der Gegner wirklich nicht besser war – aber der HSV macht es möglich. Diese 0:2-Niederlage beim braven und biederen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ist ganz bitter – und sie tut wirklich, wirklich weh. Der HSV präsentierte sich wie eine Graue Maus am Rhein, er hätte noch Stunden spielen können – ein Tor wäre ihm niemals gelungen. Das war ein fußballerischer Offenbarungseid, obwohl die Anfangsphase noch ganz passabel aussah. In dieser Form muss sich der HSV eher wieder in den unteren Regionen umsehen, dass die Klubs von unten nicht zum Überholen ansetzen, in dieser Verfassung ist der HSV eben nur Mittelmaß und nicht mehr. Quo vadis, HSV? Jetzt kommt am Dienstag Schalke 04 in den Volkspark, was wird das dann wieder abgeben. Es gelingt dem HSV nicht, seine Berg-und-Tal-Fahrt zu beenden, es ist so etwas wie Konstanz einfach nicht in Sicht. Tragisch! Und unterirdisch.

Es war wie beim Spiel in Mönchengladbach: Der HSV übernahm die Initiative, der HSV drängte (wenn man es wohlwollend ausdrücken mag), aber er brachte nichts zustande. Weil oftmals nach den besten Aktionen im Mittelfeld dann der letzte, der finale Pass nicht ankam. Bitter für den HSV, aber es wurde auch einfach zu ungenau gespielt. So macht man sich das eigene Spiel zunichte. Was nützt die Überlegenheit, wenn man nicht zum Abschluss kommt. In den ersten 40 Minuten schoss nur einmal Milan Badelj auf das Fortunen-Tor, zielte aber meilenweit (gefühlt war es die Eckfahne) daneben. Das war kein Spaß-Fußball, das war einfach nur verkrampft – und teilweise auch schlecht.

Düsseldorf stand ganz tief hinten drin, lauerte auf Konter, wollte offensichtlich auch durch Standards gefährlich vor das HSV kommen. Das gelang vornehmlich durch Ecken auch gut. Ohne allerdings gefährlicher zu sein, als der HSV. Das Spiel plätscherte ohne große Höhepunkte vor sich hin, Farbe war in diese Partie lediglich vor dem Anpfiff gekommen, als einige HSV-Fans in ihrem Block Feuer entfachten (und ihre Fahne verbrannten). Da kommt doch Freude auf! Bei der DFL, die den HSV wieder kräftig zur Kasse bitten wird. Aber es trifft ja keinen Armen, und die Fans hatten ihren Spaß – der völlig ungefährlich aussah. Natürlich. Völlig ungefährlich. Sowie der HSV.

Trainer Thorsten Fink hatte diesmal Marcus Berg in die Spitze beordert, dafür blieb Artjoms Rudnevs auf der Bank. Die Erklärung: Fink erwartete die Düsseldorfer stark defensiv, und da sollte Berg als „Strafraumstürmer“ auf seine Chancen lauern. Er lauerte vergeblich, weil der HSV kaum einmal bis in den Fortuna-Strafraum kam.

Die härteste Szene in der ersten Halbzeit war die in der 20. Minute. Düsseldorfs Keeper Giefer sprang gemeinsam mit Rafael van der Vaart zum Ball, bei der Landung (der beiden Spieler) schlug der Torwart mit dem rechten Fuß gegen den rechten Oberschenkel des Niederländers. Unabsichtlich? Oder eine Tätlichkeit? Van der Vaart ging zu Boden, ließ sich behandeln, beschwerte sich dann bei den Schiedsrichtern ob des Trittes. Ohne Wirkung bei den Unparteiischen zu hinterlassen. Aber der Tritt hatte ganz offenbar seine Wirkung nicht verfehlt, denn in der 29. Minute brach van der Vaart mitten im Lauf zusammen, fasste sich an genau die Stelle, die zuvor Giefer getroffen hatte – und dann musste der HSV-Kopf ausgewechselt werden. Für ihn kam Tomas Rincon, Tolgay Arslan wechselte auf die Van-der-Vaart-Position. Welch eine Schwächung für den HSV. Der danach leicht ins Trudeln kam . . .

In der 41. Minute sprangen die meisten Fans im „Champs“, aus dem wir gleich „Matz-ab-live“ senden werden, in die Höhe und jubelten. 1:0 fü den HSV? Leider nein. Der Freistoß von Dennis Aogo wurde verlängert, und am langen Pfosten stand Michael Mancienne, der die Kugel ins Netzt beförderte, leider im Abseits. Welch ein Drama! Alle hätten sie dem Engländer dieses Tor gegönnt. Pech hatte Maximilian Beister in seiner besten Szene, als er den Ball aus 16 Metern um Zentimeter am Tor vorbei schoss – Giefer war offenbar noch dran, es gab einen Eckstoß für Hamburg, aber eben kein Tor. Ganz, ganz bitter.

Und dieser Treffer, der in den letzten Minuten des ersten Durchgangs in der Luft lag, den schossen die Fortunen, die bis dahin kaum etwas für das Spiel getan hatten. In der Nachspielzeit wurde es doppelt bitter. Erst spielte Heung Min Son die Kugel in die Reihen der Düsseldorfer, dann lief der Konter – und als Kruse schoss, grätschte Mancienne in die Flugbahn des Balles und fälschte ihn unhaltbar ins kurze Eck ab. Rene Adler, der den Schuss gehalten hätte, blieb ohne Chance. So wurde aus einem klaren 0:0 zur Pause leider ein (ungerechter) Rückstand. So unverdient kann Fußball auch sein. Obwohl ich eines nicht beschönigen will: Der HSV spielte alles andere als brillant, im Gegenteil. Er ließ den Ball in den ungefährlichen Zonen laufen, aber dann, wenn es ernst wurde, dann versagten sie alle kläglich. Kläglich! Wahnsinn.

In der Halbzeit muss Thorsten Fink die richtigen Worte gefunden haben, denn der HSV kam wieder ins Spiel zurück. Mit Wut im Bauch, mit dem Willen, es zu zwingen. Es ging meistens in eine Richtung – in Richtung Düsseldorfer Tor. Berg hätte es schaffen können, Berg hätte treffen müssen – wenn er nach Arslan-Zuspiel seinen linken Fuß aus sechs Metern genommen hätte – statt des rechten. Aber vorbei – es gab nur Ecke. Das wäre die Wende gewesen (50.). Aber das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Reisinger tanzte Heiko Westermann und Mancienne aus und ließ Adler keine Chance – 2:0 in der 64. Minute. Fünf Minuten vorher hatte der Ball schon wieder im Düsseldorfer Tor gelegen, als Westermann einen abgefälschten Freistoß ins Netzt befördert hatte, aber Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) war nicht entgangen, dass Berg einen Düsseldorfer aus der Mauer zu kräftig beiseite geschoben und gezerrt hatte. Das war Pech, aber es war auch Dummheit von Berg. Die sofort bestraft wurde. Was für ein Abend!

Aber diesen Rückschlag hat der HSV selbst zu verantworten. Das war einfach, so krass muss man es sagen, zu schlecht. Natürlich war es Pech, dass Rafael van der Vaart raus musste, aber das allein kann es nicht sein. Da hätte sich schon mal der eine oder andere Hamburger aufbäumen und wehren können. Müssen! Das ist alles viel zu wenig. Wischi-Waschi-Fußball. Aber den dann vom Feinsten.

Die Einzelkritik:

Rene Adler blieb beschäftigungslos – und bei den Toren chancenlos. An Tagen wie diesen ist eben auch mal ein Wundermann überfordert.

Dennis Diekmeier begann offensiv vielversprechend, ließ aber einige Flanken von links zu – steigerte sich dann defensiv und ließ nach vorne nach. Note vier.

Michael Mancienne war wieder stark, er hat es gepackt, er kann Bundesliga, das beweist er seit Wochen konstant und gut.

Heiko Westermann mühte sich, legte sich ins Zeug, versuchte sich auch als Ankurbler, aber er fand wenig Gegenliebe bei den Kollegen dort vorne – sie können es offensichtlich nicht so, wie wir alle es uns erhofft haben.

Dennis Aogo marschierte von Beginn an mächtig nach vorne, flankte auch einige Male – aber es fand sich nie ein Abnehmer. Die Leistung des Links-Verteidigers war absolut in Ordnung.

Milan Badelj präsentierte sich mit Licht und Schatten, nach gutem Beginn tauchte er oftmals ab und war nur ein Mitläufer. Er kann es besser.

Tolgay Arslan fand auf der Sechs nie so wie gewohnt ins Spiel, und auch als Van-der-Vaart-Vertreter trat er kaum in Erscheinung. Er ging mit unter.

Heung Min Son war eine glatte Sechs. Er traf immer die verkehrte Entscheidung ins einem Spiel, das war nichts, das war nur ein Totalausfall.

Rafael van der Vaart hatte einige gute „Dinger“ drauf, aber die frühe Verletzung nahm ihm und dem HSV die Kraft. Die Verletzung sah schlimm aus, ich befürchte einen Riss, und der würde einige Wochen Pause bedeuten. Ganz, ganz bitter.

Maximilian Beister wollte an alter Wirkungsstätte, aber er konnte nicht. Weil er zu viel auf einmal wollte, er wirkte überhastet und nie im Spiel.

Marcus Berg stand nur auf dem Papier in der Mannschaft, nicht aber auf dem Platz. Ein ganz, ganz bitterer Auftritt. Für einen, der sich in die Elf kämpfen wollte (und könnte), war das null!

Tomas Rincon kam für van der Vaart, räumte auf seine Art kräftig ab – mehr geht nicht.

Artjoms Rudnves kam in der 74. Minute für Badelj, bewirkte aber nichts – und vergab die letzte Chance per Kopf auch kläglich..

Robert Tesche kam in der 85. Minute für Arslan, aber was sollte er noch machen?

PS: Jetzt gleich Matz-ab-live!!! Mit Joachim Hilke und Lotto King Karl

22.30 Uhr

Lotto und Hilke bei Matz ab live

23. November 2012

Liebe Matz-abber

ein Versehen, aber jetzt wird es doch noch – quasi in letzter Minute – veröffentlicht:

Natürlich gibt es auch nach dem heutigen Spiel in Düsseldorf ein “Matz-ab.-live” aus dem “Champs” in Schnelsen (Burgwedel). Wir wollen nachdem Schlusspfiff zeitnah auf Sendung gehen.

Unsere Gäste sind heute das HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke und “Lotto King Karl”, der zum vierten Mal dabei ist (Rekordhalter!). Das Duo Hilke/Lotto war vor Wochen schon einmal geplant, dann aber musste der HSV-Mann einige Stunden vorher doch noch absagen. Heute wird das nun nachgeholt, ich wünsche euch viel Spaß dabei.

AKTUALISIERT: Fink setzt auf Berg statt Rudnevs in Düsseldorf

22. November 2012

Was soll er auch groß sagen? Als Dennis Diekmeier heute zu uns in die Runde kam, war allen klar, dass es taktisch und auch generell zum Spiel in Düsseldorf nicht mehr viel zu sagen gibt. Kompakt stehen, die Null halten, gegnerische Konter vermeiden und selbst seine Angriffe effektiv nutzen – alles schon gesagt. „Wir wissen selbst, dass sich alles wiederholt. Denn wir müssen auch in Düsseldorf wieder an unsere Grenzen gehen. Ansonsten wird es nichts. Das Einzige, was sich nicht wiederholt sondern verbessert, ist dann der Tabellenplatz.“ Und das Selbstvertrauen. Ob die Mannschaft ob der jüngsten Erfolge an Selbstsicherheit gewonnen hat? „Wir stehen hinten sehr gut. Wir wissen, dass wir die Null halten können. Zudem wissen wir, dass wir vorn immer für ein Tor gut sind. Wie gegen Mainz. Und so kann man jedes Spiel gewinnen. Das gibt einem schon ein besseres Gefühl.“ Dennoch gehören Siege nicht zum Selbstverständnis dieser Mannschaft. Was auch ein Vorteil sein kann. „Der Grat zwischen sicher sein und Überheblichkeit ist sehr schmal“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „und wir sind noch auf dem Weg. Das ganze Gebilde ist noch sehr fragil. Wir müssen uns erst noch festigen. Und dafür müssen wir die nächstens eineinhalb Monate nutzen. Wir müssen den Moment so lange festhalten, wie es nur irgendwie geht. Deshalb ist es gar nicht schlimm, wenn sich alle noch ein paar Wochen daran erinnern, woher wir kommen.“

Stimmt.

Ich weiß nicht mehr genau, wer es mir vorwerfen wollte, aber die Tatsache, dass der HSV für eine Nacht auf einen Europa-League-Platz vorrücken könnte, hat weder bei mir noch bei irgendwem sonst im HSV eine übermäßige Euphorie ausgelöst. Es ist schlichtweg ein Fakt. „Natürlich war das vor ein paar Wochen für uns hier fast undenkbar“, sagt Diekmeier, „aber es ist für uns heute auch nicht mehr als ein Antrieb, weiter und immer wieder 100 Prozent zu geben.“ Schließlich, und das fügt Diekmeier hinzu, kommen nach Düsseldorf mit Schalke, Wolfsburg und Leverkusen noch drei Teams, die sich in Topform befinden. „Deswegen sollten wir zunächst das nächste Spiel gewinnen. Danach könnten wir uns zumindest diesen Spieltag gemütlich von der Couch ansehen.“

Das hätten sie sich dann auch verdient. Und auch für Sportchef Frank Arnesen würde ein Sieg in Düsseldorf die Arbeit erleichtern. Noch immer muss der Sportchef versuchen, im Winter Einsparungen in Höhe von mindestens 6,4 Millionen Euro zu erzielen. Soll heißen: Spielergehälter einsparen und Transfersummen erlösen, die zusammen den betrag ergeben. Am besten sogar noch etwas mehr, um im Winter für den Angriff noch mal nachzulegen. „Wir haben eine klare Vorgabe vom Aufsichtsrat und haben die Zahlen intern besprochen. Daran halten wir uns.“ Soll heißen: es muss verkauft werden. „Gute Leistungen machen unsere Spieler interessanter“, so Arnesen, wissend, dass sich die Topklubs dann eher für die Stamm- und weniger für die Reservespieler interessieren werden. „Wir wollen keinen Spieler abgeben, der uns besser macht. Aber um Angebote ablehnen zu können, müssen wir finanziell gesund sein. Die finanzielle Situation wird immer entscheidend sein.“ Und da habe der HSV aktuell noch einen langen Weg vor sich. Ob es aktuell schon Angebote für Spieler gibt? „Es kommen immer wieder Berater, die mir von interessierten Klubs berichten. Aber noch nichts Konkretes“, so Arnesen, der hofft: „Aber das wird spätestens Anfang Dezember losgehen.“

Auf der internen Streichliste stehen weiterhin die bereits häufiger genannten Kandidaten Slobodan Rajkovic, Robert Tesche, Per Skjelbred, Jaroslav Drobny und Marcus Berg. Letztgenannter feiert nun in Düsseldorf etwas überraschend seine Startelfrückkehr. Berg ersetzt in Düsseldorf Rudnevs. Zuletzt stand der Schwede am ersten Spieltag gegen Nürnberg beim 0:1-Auftakt in der ersten Elf. Jetzt kann sich der Schwede empfehlen. In- wie extern. „Der Trainer hat mich gefragt und ich habe ihm gesagt, dass ich topfit bin. Ich habe diese Woche gut trainiert“, so Berg, der heute im Abschlussspiel für die A-Elf auflief. „Wir haben in den nächsten Wochen drei Spiele. Da ist das sicher eine Überlegung“, versuchte Fink eine klare Antwort zu umgehen.

Ähnliche Worte wählte der Chefcoach heute auch im Abschlusstraining. Da mahnte er: „Wir haben in der nächsten Woche drei Spiele – also seid motiviert und bleibt dran. Ihr könnt euch her im Training empfehlen. Jeder kann eingewechselt werden.“ Dass er nur ein paar Minuten später das Trainingsspiel unterbrach und mehr Einsatz forderte – es spricht (auch) nicht für die zweite Reihe. Allerdings stand heute das Taktische im Vordergrund. Zu intensiv war es nicht. Selbst das Abschlussspiel wurde auf stark verkürztem Feld gespielt.

Klar ist: Düsseldorf muss gewinnen, um den Anschluss an die Klasse sichernden Plätze zu halten. Frank Arnesen ist froh über den Zeitpunkt des Gastspiels in der Esprit Arena. „Am Anfang wäre es hart gewesen. Da lebten die Düsseldorfer noch von der Euphorie, das Jahr zuvor sehr viel gewonnen zu haben. Insofern ist der Zeitpunkt für uns gut.“ Allerdings relativiert sich das auch schnell wieder. „In einer Woche haben wir dafür Wolfsburg. Die wären vor ein paar Wochen vielleicht etwas anfälliger gewesen. Insofern gleicht sich das alles aus.“

Stimmt. Zudem machen derlei Rechnungen meist wenig Sinn.

Über Sinn und Sinnlosigkeit wurde zuletzt auch im Zusammenhang mit der kaputten Stadionuhr diskutiert. Es wurde sogar abgestimmt. Poschmann würde sagen 60 Prozent waren für die Neubeschaffung einer Stadionuhr. Das Ergebnis wurde auf hsv.de veröffentlicht. Dort heißt es: „Durch diese Abstimmung und die zahlreichen Gespräche mit vielen Vereinsvertretern, Mitglieder und Fans haben wir uns dazu entschlossen, eine neue Uhr zu installieren“, gab Vorstand Oliver Scheel bekannt. Im nächsten Schritt sollen nun alle technischen und preisrelevanten Dinge geklärt werden. Wann die Umsetzung im Stadion zu bewundern ist, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich sei aber, dass die neue Uhr zum ersten Heimspiel im Januar in der Nord-West-Ecke wieder installiert sein wird.

Dann, wenn der HSV von Platz sechs aus die Rückrunde angeht. Hoffe ich. Ohne bitte daraus abzuleiten, dass der HSV schon reif für internationale Ränge ist. Im Gegenteil: Dafür fehlt offensiv leider noch zu viel. Das habe ich mehrfach geschrieben. Und das denke ich auch.

In diesem Sinne, dann eben über die Defensive gehen. Spielen wir eben hinten zu Null, und vorne machen wir irgendwie einen. Ist nicht schön, aber eben erfolgreich. Das reicht oft. Huub Stevens hat so schon Titel gewonnen. Ergo: Aogo flankt auf Son, der wiederum auf Berg ablegt. Der Schwede, anschließend umworben von Bayern München, Arsenal London und ganz sicher Liverpool, besorgt den 1:0-Siegtreffer. Der HSV gewinnt, klettert auf Rang zwei der Auswärtstabelle und auf rang sechs im Gesamtranking. Und das durch ein Spiel, in dem der HSV entgegen Finks Forderungen gerade einmal (frei nach Poschi, der mir bitte verzeiht) 33:65 Prozent Ballbesitz hat…

Bis morgen!
Scholle

KURZ NOTIERT:

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Manciennen, Westermann, Aogo – Arslan, Badelj – Son, van der Vaart, Beister – Berg.

Jarolim soll wieder zum HSV

Seit drei Wochen steht Frank Arnesen bereits in Kontakt mit David Jarolim. „Wir würden ihn hier mit offenen Armen empfangen. Er würde perfekt zu uns passen. Er ist ein super Vorbild“, so der HSV-Sportchef, der sich in den nächsten drei Wochen persönlich mit dem Ex-HSV-Kapitän treffen will. Dabei wird es um eine Einbindung in das Nachwuchskonzept gehen. „Er könnte bei uns als Trainer fungieren. Allerdings“, schränkt Arnesen ein, „muss Jaro dafür auch erst einmal bereit sein, mit dem aktiven Fußball aufzuhören.“ Das wiederum will der Tscheche (noch) nicht. „Wir werden uns in den nächsten Tagen unterhalten“, so Arnesen, „und am Ende eine gemeinsame Lösung finden. Da bin ich sicher.“

Für eine Nacht Europa League?

21. November 2012

Es gibt so viele Dinge, die keinen Sinn machen. Wie zum Beispiel das 20-Millionen-Euro-Angebot für Heung Min Son. Da spielt der Südkoreaner seine erste halbwegs erfolgreiche – allerdings noch längst nicht konstant gute – Saison, und schon überschlagen sich europäische Topklubs? Zumindest soll das so sein. Liverpool will Son, heißt es! Inzwischen ist aus anfänglich kolportierten zehn Millionen kurzer Hand ein Angebot über 20 Millionen Euro geworden! Und der HSV lehnt ab.

Der HSV lehnt ab? Macht das alles einen Sinn?

Nein! Absolut nicht. Für 20 Millionen Euro würde der HSV Son in Watte verpackt bis in die Umkleidekabine der Reds liefern, um auch ganz sicher zu sein, dass an dem Deal nichts mehr schiefgeht. 20 Millionen wären absolut nicht ablehnbar. Wahrscheinlich wären es nicht einmal die zehn Million, obgleich man mit Son auch gleich zwei, drei neue Werbepartner verpflichtet. Was auch für einen Verkauf spricht: Der HSV ließ trotz derzeit deutlich geringerer finanzieller Nöte schon deutlich arriviertere Spielergrößen ziehen. Rafael van der Vaart beispielsweise ging für 15 Millionen zu Real Madrid, Vincent Kompany für knapp zehn Millionen Euro zu ManCity. Dazu gingen van Buyten, Ujfalusi, Boulahrouz und de Jong einst, weil das jeweilige Angebot nicht abzulehnen war. Das Einzige, was bei der Kiste Son einen Sinn ergibt, ist der Zeitpunkt der kolportierten Angebote. Denn: Dass diese Zahlen unmittelbar im Vorfeld der Vertragsgespräche des HSV mit seinem Talent auftauchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zufall! Da wird versucht, einen Preis nach oben zu schrauben. Und das nicht vom HSV.

Aber wohl mit Erfolg. Medien springen auf die Meldung an. Auch wir hier mit dem „MatzAb-Blog“ springen jetzt darauf an, nachdem zuvor im Blog fleißig über Sinn und Unsinn eines Verkaufes diskutiert wurde. Eine Diskussion, an der ich gern ganz kurz teilhaben möchte: Ich würde es ebenso fahrlässig finden, wenn der HSV in der jetzigen Situation ohne Ersatz seinen besten Torschützen verkauft wie den Umstand, eine 20-Millionen-Offerte für den Sükoreaner abzulehnen. Immerhin ist Son eines der größten Talente des HSV – aber in finanziell schwierigen Zeiten sicher alles andere als unverkäuflich. Sportchef Frank Arnesen – und das wird er gemacht haben – ist auf jeden Fall gut beraten, sich schon mal nach vergleichsweise günstigem aber sportlich adäquatem Ersatz umzusehen, sollte tatsächlich mal ein Millionenangebot für Son ins Haus flattern.

Bis dahin allerdings werde ich das Thema Son weitgehend umschiffen – weil es bei derartig viel „Stiller-Post-Fakten“ einfach keinen Sinn macht.

Viel mehr Sinn macht es dagegen, sich mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Das findet in zwei Tagen in Düsseldorf statt und könnte den HSV wenigstens für eine Nacht in das obere Drittel schieben. Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wäre mit einem Punkt aus der Düsseldorf-Partie bereits erreicht. Und dass Hannover (in München), Werder (in Wolfsburg) und Mainz (gegen Dortmund) an diesem Spieltag punktlos bleiben, ist längst nicht ausgeschlossen. Ergo: Düsseldorf wird mal wieder ein Schlüsselspiel.

Schon letzte Woche hatten Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen und auch Arnesen von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen. Und das wiederholte Fink heute – allerdings bezogen auf Düsseldorf am Freitag. Ich hatte geschrieben, dass Mainz der erste Schritt in eine bessere Zukunft werden soll. Und der HSV machte mit einem schmucklosen, glücklichen 1:0 diesen Step. Sportlich zwar allemal nicht, aber ergebnistechnisch.

Zudem hatten zuvor einige Spieler behauptet, der HSV könnte keine Spiele gewinnen, in denen er „ka….“ spiele. „Dass es trotzdem ging, zeigt, dass wir als Mannschaft gefestigter sind. Gerade in der Defensive arbeiten wir besser gegen den Ball. Wir lassen einfach nicht mehr so viele Chancen zu. Das ist das Geheimnis im Moment“, so HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich weiter im Leistungshoch befindet und der hinzufügt, dass es hinter dem angesprochenen Geheimnis noch ein Geheimnis gibt. „Wir haben die Abstände zwischen den Viererketten verbessert und sind eingespielt, weil wir lange Zeit mit einer Formation gespielt haben.“ Und geht es nach Fink, wäre das auch so geblieben. Allein die Verletzung von Marcell Jansen zwingt den HSV-Coach zu einem Wechsel. „Dennis Aogo kommt rein, mehr ändere ich nicht“, so Fink.

Fink konnte heute mit Freude registrieren, dass sich Tolgay Arslan im Training schmerzfrei bewegte und somit auch in Düsseldorf wieder spielen wird. „Arslan kann spielen“, so Fink, der mit einem Sieg Druck auf die tabellarischen Nachbarn ausüben will – der aber zugleich warnt: „Düsseldorf hat jetzt 11 Punkte und ist auf einem Relegationsplatz. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte an uns ran. Man sieht, dass wir eine gute Möglichkeit haben, uns in der Tabelle höher zu schieben. Das müssen wir ausnutzen.“ Insbesondere bei den oben beschriebenen aktuellen Spieltagspaarungen. „Aber es kann alles ganz schnell gehen.“ In beide Richtungen. Umso wichtiger sei es, sich mit einem Dreier erst mal auf lange Sicht von den Abstiegsrängen zu entfernen.

Der Rahmen dafür ist gegeben. Mit einem allseits beliebten Freitagabendspiel. „Als erste Mannschaft zu spielen, abends, und dazu noch unter Flutlicht – das ist das Schönste“, schwärmt Westermann, der den reiz wie folgt erklärt: „Das Stadion ist super, die Atmosphäre stimmt. Und wir legen vor. Als erste Mannschaft des Spieltages. Das ist cool. Das Ganze hat was von internationalem Feeling.“ Stimmt. Immerhin werden einige Millionen Zuschauer das Spiel sehen, das (fußballtechnisch) konkurrenzlos übertragen wird. Mehr als sonst in der Konferenz die Option HSV wählen auf sicher.

Vor allem aber ist es ein Auswärtsspiel – womit sich die Mannen um Westermann momentan deutlich besser zurechtfinden. „Auswärts klappt es besser“, bestätigt Westermann, „vor allem fußballerisch tun wir uns leichter.“ Weil sie dort im Gegensatz zu den Heimspielen nicht das Spiel machen müssen? „Auch“, sagt Westermann, „allerdings haben wir gegen Freiburg bis zum Platzverweis auch das Spiel gemacht. Wir nutzen auswärts besser unsere Räume, wie wir es gegen Mainz auch hätten machen müssen.“ Und da Düsseldorf nach zuletzt sieben sieglosen Spielen (sechs Niederlagen und ein Remis) kommen muss, dürfte es in der gut gefüllten Düsseldorfer Esprit-Arena für den HSV darum gehen, hinten kompakt wie zuletzt zu stehen, um die Kontermöglichkeiten zu nutzen. „Ich rechne mit einer kämpferisch starken Truppe“, sagt Fink, „da werden wir sicher nicht ins offene Messer laufen. Ich habe gesehen, dass Düsseldorf gute und starke Konter fährt.“

Klingt nach einem nicht allzu attraktiven Spiel. Aber okay, jetzt wieder eine Prognose abzugeben, ob das Spiel gut wird oder nicht, ist auch recht sinnlos. Allerdings glaube ich, dass der HSV mit Dennis Aogo hinten links einen Spieler haben wird, der auf seinen Einsatz brennt. Hoffentlich nicht so sehr wie Scharner vor zwei Wochen in Freiburg…

Zum Ende dieses Blogs habe ich noch zwei kleinere Meldungen. Zum einen bin ich in letzter Zeit häufiger (auch von Bloggern) gefragt worden, ob ich an einen Wechsel von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef zu Werder Bremen glaube. Meine Antwort war immer: Nein. Allerdings hatte ich meine Bedenken, immerhin ist das Band zwischen Werder-Trainer Thomas Schaaf, Ex-Profi Marco Bode (hätte sich bei einem Beiersdorfer-Engagement auch zum Helfen bereiterklärt) und Dietmar Beiersdorfer sehr dick. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass Beiersdorfer in St. Petersburg, wo man mit seiner Arbeit hochzufrieden ist, nach nur vier Monaten trotz Vertrages bis 2015 wieder aufhört. Zum Glück habe ich ihn eben erreicht. Unmittelbar vor dem Spiel Zenits gegen den FC Malaga, habe ich mit Beiersdorfer gesprochen. Und? Es ist zum Glück genau wie erwartet gekommen. „Ich kenne dort sehr viele Leute und hatte ein Angebot aus Bremen. Aber ich habe es abgelehnt, weil ich meinen Vertrag bei Zenit erfüllen möchte.“ Der läuft bis 2015. Ergo: Eine Rückkehr zum HSV ist – ohne Frank Arnesen etwas Böses zu wollen, ganz im Gegenteil: Bis 2015 ist noch viel Zeit – in Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre es aber wahrscheinlich für sehr viele HSV-Fans gewesen, wenn sich der Ex-HSV-Sportchef mit dem Nordrivalen eingelassen hätte.

Bei David Jarolim hatte ich ebenfalls Glück. Den ehemaligen Kapitän habe ich heute erreichen können, nachdem durchgesickert war, dass der Tscheche seinen Vertrag beim französischen Erstligisten FC Evian auf eigenen Wunsch „aus persönlichen Gründen“ aufgelöst hat. Zum Glück waren es keine schlimmen Ereignisse sondern einfach der Umstand, „dass es nicht mehr gepasst hat“, wie Jarolim mir schrieb. Jaro weiter: „Es war meine Entscheidung und besser, es dann direkt zu beenden.“

In diesem Sinne, Jarolim übernimmt beim HSV eine Jugendmannschaft, führt diese bis in die A-Bundesliga und bildet dabei drei, vier absolute Toptalente der Kategorie Götze aus. Beiersdorfer übernimmt zudem, wenn Arnesen den HSV auf Champions-League-Ebene irgendwann abgeben möchte. Und Son erzielt in Düsseldorf den (hoffentlich nur einen von vielen) Siegtreffer(n) auf Flanke von Dennis Aogo, der die kompletten 90 Minuten auf dem Platz steht und zusammen mit Westermann, Mancienne, Diekmeier und Adler hinten erneut die Null sichert.

Einverstanden?

Ich schon. Bis morgen!
Scholle

Aogo ersetzt Jansen – und Jiracek kommt erst 2013 wieder

20. November 2012

Ich hatte es gestern geschrieben und befürchtet, nun ist es amtlich: Petr Jiracek wird dieses Jahr nicht mehr für den HSV auflaufen können. Der tschechische Späteinkauf leidet weiter an einer Schambeinentzündung. Auch die Untersuchungen bei einem Spezialisten in Berlin ergaben kein klares Ergebnis. „Petr wird jetzt noch mal zwei Wochen Ruhe bekommen und dann operiert“, sagt Trainer Thorsten Fink. „Er wird uns aller Voraussicht nach Anfang Januar wieder zur Verfügung stehen, wenn es ins Trainingslager geht.“ Das soll zu Jahresbeginn in den Vereinigten Emiraten in Abu Dhabi stattfinden.

Bitter.

Zumal der Tscheche in körperlich gesundem Zustand eine absolute Bereicherung wäre. Der Linksfuß, der auf nahezu allen Positionen im Mittelfeld spielen kann, würde selbiges zusätzlich variabler machen. Er könnte auf die Sechs rutschen und 1:1 den Platz von Tolgay Arslan neben Milan Badelj übernehmen, sollte dieser mal ausfallen. Oder er ersetzt links Beister. Oder zentral van der Vaart, sollte dieser – ich klopfe gerade dreimal auf Holz, dass dies nicht passiert – wirklich mal ausfallen.

Egal. Jiracek ist erst wieder 2013 ein Thema für Fink und den HSV. Bis dahin muss der HSV-Trainer mit dem vorhandenen Material auskommen. Auch mit seinem Zwei-Mann-Angriff Marcus Berg und Artjoms Rudnevs. Bislang galt der Lette als gesetzt, allerdings überzeugte Rudnevs in den letzten Partien nicht. Marcus Berg auch nicht wirklich. Allerdings wusste Berg zumindest heute im Training zu überzeugen. Der Schwede, der im Winter nach Möglichkeit (sofern das Angebot kommt und stimmt) den Verein verlassen soll, zeigte auf jeden Fall, dass er ballsicherer ist – und er traf. Mehrfach für das B-Team gegen Jaroslav Drobny und später Rene Adler (hier allerdings auch mit Cotrainer Heinemann als Gegenspieler).

Anschließend stellte Fink seinem Berg in Aussicht, aufgrund der bevorstehenden englischen Woche für Artjoms Rudnevs in die Startelf zu rutschen. Noch nicht in Düsseldorf. Aber eventuell beim Heimspiel gegen Schalke am kommenden Dienstag. „Es ist ein Thema für mich“, so Fink zur Überlegung, den laufstarken Rudnevs auswärts (Fink: „Das Spiel mit viel Raum liegt ihm eher“) rauszunehmen und Berg zu bringen.

Klar ist allerdings, dass ein neuer Rasen kommt. Weil das „Grün“ zuletzt in einem desolaten Zustand war, plant der HSV, den Untergrund noch bis zum Schalke-Spiel am kommenden Dienstag auszutauschen. Nicht viel Zeit, um den alten Rasen abzunehmen und den neuen zu verlegen. „Die Frage ist, ob der Rasen überhaupt so schnell anwächst“, befürchtet Fink und beruhigt sich selbst: „Allerdings: Schlechter als zuletzt geht es ja kaum.“

Auf jeden Fall sei ein ebener Rasen enorm wichtig für das eigene Spiel. „Unser Mittelfeld ist sehr spielstark, da waren diese Flicken im Rasen nicht gerade ein Vorteil gegen Mainz“, sagt Fink und meint damit sicher nicht Artjoms Rudnevs. Im Gegenteil: dem zuletzt schwachen Angreifer drohen etliche Sonderschichten. „Den Ball annehmen, ihn verarbeiten und wieder steil gehen – das fehlt Rudi im Moment. Zum einen, weil er natürlich nicht das große Selbstvertrauen hat. Aber er hat da seine Schwierigkeiten.“ Deshalb übt der glücklose aber äußerst fleißige Rudnevs nach den Einheiten insbesondere seine Ballfertigkeit. Er spielt Fußball-Tennis mit Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Rudnevs ist sich seiner Schwächen bewusst und arbeitet. Heute absolvierte er mit Heung Min Son Torschussübungen, in den nächsten Wochen sollen weitere Technikübungen dazukommen. Insbesondere, wie er den Ball mit dem Rücken zum Gegenspieler verarbeitet und in den eigenen reihen hält. „Das werden wir üben“, so Fink, „aber ich bin da sehr guter Dinge.“

Ich bin zwar nicht wirklich optimistisch, ich hoffe aber. Auch darauf, dass der HSV im Winter noch mal personell nachbessert – was intern als primäre Personalie gilt. Dafür muss zwar zunächst Marcus Berg (s. o.) verkauft werden, allerdings deutet genau darauf einiges hin. Dem Schweden soll konkret eine Anfrage vom IFK Göteborg sowie lockere Anfragen aus den Niederlanden vorliegen. „Wenn wir Spieler verkaufen, können wir schauen“, so Sportchef Frank Arnesen, der die Anfrage aus Göteborg bestätigt.

Eine Personalie, die dringend notwendig ist. Dem HSV fehlt wie schon mit Bernardo Romeo (allerdings traf dieser häufiger) in der Spitze eine Anspielmöglichkeit, um das Mittelfeld zu entlasten. Viele Angriffe enden spätestens dann, wenn Rudnevs so angespielt wird, dass er in den Zweikampf muss. Deshalb müssen van der Vaart, Badelj, Arslan, Son und auch Beister, die Bälle selbst bis in die Spitze schleppen. Rudnevs hingegen gefällt zumeist mit seinen Laufwegen und darf sich darüber freuen, dass die Mannschaft Erfolg hat. Ansonsten hätte Fink, der bekennend kein Freund vieler Wechsel ist, mit Sicherheit auch Rudnevs in Frage gestellt.

Mehr als fraglich ist momentan auch Marcell Jansen. Der Linksallrounder leidet weiter an einer Kapselreizung im Knie und wird gegen Düsseldorf am Freitag ziemlich sicher auszufallen. „Bei Marcell sagen die Ärzte, dass es schwer wird bis Düsseldorf“, so Finks Aussicht auf die Auswärtspartie beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Sollte Jansen ausfallen, womit Fink zu rechnet, rückt Dennis Aogo nach. „Nicht das Schlechteste für einen Trainer, so nachbessern zu können“, freut sich Fink über die wieder erstarkte Alternative. Im Gegensatz zum Angriff hat Fink hinten links zwei richtig gute Alternativen. Und darüber freut sich der Trainer. Vor allem, weil so sein vor 14 Tagen ausgegebenes Ziel weiter realistisch ist. „Ich hatte sieben Punkte aus Freiburg, Mainz und Düsseldorf gefordert – und noch sind wir im Soll.“ Zudem sieht Fink de Druck am Freitag klar beim Gastgeber. „Am Anfang haben sie fünfmal zu Null gespielt, schwebten auf einer Welle der Euphorie. Das ist jetzt vorbei. Sie stehen unter Druck. Und wir wollen versuchen, diese Situation auszunutzen. Die Chance ist groß.“

Es wären die ersten drei von insgesamt neun Punkten, die Michael Mancienne aus den letzten fünf Hinrundenspielen erwartet. Der Engländer, der überraschenderweise Jeffrey Bruma und den wieder in den Kader zurückkehrenden Paul Scharner aus der Innenverteidigung verdrängen konnte, ist in der Form seines Lebens. Oder? „Es läuft recht gut“, bleibt der Stammspieler bescheiden, „aber dafür arbeite ich jeden tag hart und muss das auch weiter so machen. Die Konkurrenz ist groß.“ Ebenso wie sein persönliches Ziel, das da heißt: Englische Nationalelf. „Das ist und bleibt mein großer Traum“, so Mancienne, wissend, dass er es als Legionär nicht annähernd so leicht hat, wie ein Premier-League-Verteidiger. Deshalb wechseln will Mancienne allerdings nicht. Glaubhaft versichert er: „Ich bin in Hamburg sehr, sehr glücklich. Ein Wechsel ist kein Thema. Im Gegenteil: Der HSV ist ein riesengroßer verein mit großem Potenzial. Selbst die Stadt ist nahezu identisch mit London.“

Zudem: Dass er nach seiner Krankheit (Grippe) sofort wieder ins Team rutschen würde, hatte Mancienne gehofft – gerechnet hatte er allerdings nicht damit. Wobei ihm die Gelbrote und die daraus resultierende Sperre für Scharner zusätzlich in die Karten spielten. Oder? „Ich wäre fast gestorben, als ich sah, wie Paul runter musste“, erinnert sich Mancienne an das Freiburg-Spiel, das er per Liveticker aus dem Krankenbett verfolgte. Mancienne weiter: „Ich habe mich richtig schlecht gefühlt, weil ich ihm mehr Glück in seinem ersten Spiel gewünscht hatte. Aber er ist ein Profi und verarbeitet das. Da bin ich mir sicher.“

Sicher sein kann er sich auch, weiter in der Startelf zu stehen. „Der Coach vertraut mir – und das ehrt mich sehr. Ich habe jetzt die Verantwortung, ihm dafür auf dem Platz mit Leistung zu danken.“ Und das macht er. Lob ist dem schüchternen Engländer indes fast unangenehm. „Michael hat wie alle gegen Bayern und dann noch gegen Frankfurt nicht gut gespielt – aber das war’s dann auch. Der Rest war sehr gut“, lobte Fink den Verteidiger heute nach dem Training – und Mancienne wusste gar nicht, wohin mit sich, als ihm einer meiner Kollegen das Lob heute zitierte. Immer wieder – und das spricht für ihn als Teamplayer – begründet er seinen persönlichen Lauf mit der Leistung seiner Kollegen. „Wir arbeiten seit Wochen als Team. Wir verteidigen schon ganz vorn, stehen so viel kompakter. Wir entwickeln uns und werden von Woche zu Woche besser. Das ist mit dem Saisonbeginn nicht mehr zu vergleichen.“

Zum Glück nicht.

In diesem Sinne, morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Aller Voraussicht nach auch wieder mit Tolgay Arslan, der beim heutigen Training (nur Kreis- und anschließend ein Abschlussspiel) wahrlich nichts verpasste. Der U21-Nationalspieler pausierte ob leichter Beschwerden heute, soll aber ab morgen wieder voll einsetzbar sein. „Ich rechne wieder mit ihm“, so Fink, der auch am Freitag auf Arslan setzt: „Ist er fit, spielt er.“

Hoffen wir es.

Bis morgen!

Scholle

Übrigens: Beim Abschlussspiel agierte Trainer Fink im A-Team mit – und er sorgte für den schönsten Treffer beim 3:3. Eine flache Hereingabe von Diekmeier nahm der Coach aus rund 16 Metern direkt und traf in den rechten oberen Winkel. Keeper Drobny war chancenlos, die Fans applaudierten. Auf die Nachfrage, ob er beim Schuss ausgerutscht sei, antwortete Fink trocken: „Nein, das war ja nicht das erste Mal. So einen habe ich auch schon mal mit Links gemacht. Im Bernabeu-Stadion. Gegen Real Madrid. Kur bevor wir mit Bayern 2001 die Champions League geholt haben. Noch Fragen?“, so Finks humorige Antwort auf eine nicht ganz ernst gemeinte Frage.

Beister: “Ich weiß, wo in Düsseldorf die Tore stehen”

19. November 2012

Ich gebe zu, ich gehörte nicht zu denen, die an einen Verbleib von Maxi Beister geglaubt haben. Nicht am Sonnabend. Auch ich hatte nach der ersten Hälfte gegen Mainz damit gerechnet, dass der Linksfuß ausgewechselt wird. Ich dachte, Trainer Thorsten Fink würde Dennis Aogo hinten links eine Chance geben und Marcell Jansen eine Position nach vorn rücken lassen.

Weit gefehlt.

Fink machte nichts. Beister blieb auf dem Platz und leitete mit seiner Hereingabe sogar den Siegtreffer von Heung Min Son ein. „Das war für mein Selbstvertrauen ganz wichtig“, gesteht Beister unmittelbar vor seinem ersten Duell mit seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr). Dass er in der ersten Hälfte einen gebrauchten Tag erwischt hatte – vergessen. Oder besser: abgehakt. „Mainz stand anfänglich defensiv sehr gut, da hatten wir Probleme. Wir mussten uns erst einmal in das Spiel hineinkämpfen. Alle. Aber dann wurde es besser. Für mich speziell sogar Minute für Minute nach meinem ersten Assist.“ Ergo: gerade rechtzeitig für das brisante Spiel in Düsseldorf? Beister grinst verschmitzt. „Das Spiel ist schon etwas Besonderes für mich.“ Ob er mit alten Weggefährten schon Kontakt hatte? „Noch nicht. Die müssen erst noch das Spiel vom Sonntag verarbeiten. Aber das wird kommen. Da wird mit Sicherheit gefrötzelt…“

Gewettet hingegen nicht. Zum einen, weil Beister nie wettet. Zum anderen, weil die Partie für ihn schon ausreichend Bedeutung hat und er dort nicht noch mehr Tamtam rund ums Spiel gebrauchen kann. „Der Druck dort wird eh schon groß genug sein“, sagt Beister, der die letzten zwei Saisons an das Team vom Rhein verliehen war. „Zwei Jahre, an die ich fast ausschließlich gute Erinnerungen habe. Gekrönt von dem Aufstieg 2012. Ich werde mit Sicherheit einen Schuss extra motiviert sein.“

Zumal sich Beister auf dem richtigen Weg wähnt. Nach Anfangsschwierigkeiten spielte der vor der Saison schon hoch gelobte Offensivmann zuletzt vier Mal von Beginn an. Wie er selbst seinen Leistungsstand beurteilen würde? „Ich bin in einer Entwicklungsphase, das geht alles nicht von heute auf morgen. Aber ich habe gerade in den letzten vier Wochen wieder viel gelernt, insbesondere was mein Defensivverhalten betrifft. Dazu kommt das Erfolgserlebnis mit dem Assist gegen Mainz. Vor vier Wochen habe ich mir natürlich mehr Einsatzzeiten gewünscht. Gerade weil ich mich entwickeln will. Dennoch glaube ich, dass ich jetzt auf dem richtigen Weg bin.“

Dabei hatte ich zwischendurch befürchtet, Beister könnte ein wenig den Anschluss verpassen. Weil es so wirkte, als würde Beister resignieren. „Ich war natürlich nicht zufrieden mit den wenigen Einsatzzeiten“, so Beister, „aber das will ich ändern.“ Immerhin bis zum Freitag sollte Beister seinen Startplatz halten können. Zumal Marcell Jansen angeschlagen (Kapselreizung im Knie) ist. Ob der zuletzt formstarke Links-Allrounder bis Freitag fit wird ist ungewiss. Allerdings gibt Jansen selbst die Hoffnung nicht auf.

Wobei sich Thorsten Fink links hinten kaum Gedanken machen muss, nachdem Dennis Aogo wieder fit ist. Denn – auch wenn es hier im Blog viele Kritiker von Aogo gibt – gegen Mainz brachte Aogo Schwung ins Spiel und wirkte hochmotiviert. Er ackerte, kämpfte – und er spielte gut. Zwar wäre Aogo das erste Opfer, sobald Jansen für Düsseldorf Grünes Licht gibt – aber Aogo ist wieder dran. Endlich wieder, wie er selbst sagt.

Weit weg und immer weiter weg scheint Petr Jiracek zu sein. Der Tscheche, bei dem als offizielle Verletzung am Sonnabend vom HSV eine Schambeinentzündung angegeben wurde, trainiert noch immer nicht mit der Mannschaft. Im Gegenteil, zuletzt wurde gar die Notwendigkeit einer Operation befürchtet, obgleich es medizinisch noch keine sichere Heilmethode für Schambeinentzündungen gibt. Klarere Anzeichen gibt es hingegen dafür, dass Jiracek, der sich noch immer nur im Rehatraining befindet die Hinrunde wohl leider nicht mehr zum Einsatz kommen wird.

Beister indes schon. Der Linksfuß will in Düsseldorf den nächsten Schritt machen, sich einem Stammplatz weiter annähern. „Das war mein Ziel vor Saisonbeginn und ich bin auf dem Weg“, so Beister, der selbst nicht glaubt, dass der Hype um seine Person vor und zu Saisonbeginn zu viel Druck auf ihn ausgeübt haben könnte. „Ich habe mich damit ehrlich nicht befasst“, so Beister, „ich wusste immer, dass es wesentlichere Dinge gibt, auf die ich mich konzentrieren will.“

Auf elf Einsätze in zwölf Spielen bringt es Beister, davon nur eins über 90 Minuten – und das war am Sonnabend gegen Mainz. „In Düsseldorf habe ich vor zwei Jahren zum selben Zeitpunkt einen Einsatz gehabt, insofern bin ich im Soll. Dass ich mehr will ist klar. Auch, dass ich mich stabilisieren will und noch eine Menge Steigerungspotenzial habe.“ Gänzlich unzufrieden sei er dennoch nicht. Auch nicht, wie zuletzt so oft vermutet, gefrustet ob seiner Rolle als Ein- und Auswechselspieler. „Nein, warum? Ich stehe in einem sehr guten Kontakt mit dem Trainer, der viel mit mir spricht. Ich weiß, worauf es ankommt, was der Trainer von mir sehen will.“

Neben der schon häufig erwähnten Defensivarbeit sind das auch Tore. Ob er sich über einen Treffer bei seinem und vor allem gegen seinen ehemaligen Klub freuen und jubeln würde? „Klar freue ich mich. Ich finde es auch etwas leidig, dass man plötzlich nicht jubeln darf. Ich würde es auf jeden Fall machen, Ohne zu provozieren, aber auch nicht künstlich gebremst.“ Immerhin wäre es sein erster Erstligatreffer. „Ich würde mich freuen, wenn ich das in Düsseldorf schon schaffe. Zumindest weiß ich ganz gut, wo dort die Tore stehen…“

Dann hoffen wir mal, dass er sich am Sonnabend ab 20.30 Uhr wieder genau erinnert und trifft. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Und das vermutlich weiter ohne Ivo Ilicevic (Aufbautraining nach Oberschenkelproblemen) und Tolga Arslan. Die Überraschung der Hinrunde laboriert an einer leichten Sprunggelenkverletzung, soll aber am Freitag problemlos auflaufen können. Und das ist gut so.

Scholle

P.S.: Zur Szene am Sonnabend in der ersten Halbzeit, wo er von Rafael van der Vaart auf dem Platz angeschrien wurde, sagt Beister heute: “Das ist doch nur gut, wenn Rafa mir Zeichen gibt, wenn er den Ball fordert. Ich bin auch nicht sauer. Dass man sich auf dem Platz mal anschreit, gehört dazu. Gerade als Jüngerer sollte man dabei den Älteren zuhören.”

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