Monatsarchiv für November 2012

3:1 gegen Schalke – ein traumhafter Abend

27. November 2012

Nebenan spielten zur selben Zeit die Toten Hosen. Aber im „richtigen“ Volkspark war diesmal die Hölle los – von wegen tote Hosen! Der HSV spielte endlich einmal wieder eine Sahne-Partie, und das ohne Rafael van der Vaart, ohne Heung Min Son, ohne Petr Jiracek. Alle Achtung. Mit 3:1 wurde ein ziemlich lahmer FC Schalke aus der Arena geschossen, die Heimstärke des HSV setzt sich fort. Diesmal war das Feuer von Beginn an auf dem Rasen zu sehen, es wurde gespielt, gekämpft, gerannt – und erfolgreich abgeschlossen. Trainer Fink hatte zwei Stürmer aufgeboten – beide trafen sie. Aufstellung voll gelungen. HSV-Herz, was willst du mehr? Wenn diese Einstellung jedes Mal abgerufen werden würde, oder sagen wir mal, jedes zweite Mal, dann wären wohl viele, viele HSV-Fans rundherum zufrieden. So wie diesmal. Alle gingen sie freudig, feiernd und strahlend nach Hause. Danke, HSV, für diesen Auftritt – und für diesen Dreier!

Die Arena war beim Anpfiff so leer wie seit Jahren nicht mehr. 47 127 Zuschauer waren da – sicher auch einige Fans, die mit ihrer Dauerkarte zu Hause geblieben waren. Die Frage ist die: spielen oder stolpern sie sie nun langsam aber sicher leer? Oder lag es nur am Dienstagabend? Diese Kulisse war auf jeden Fall kümmerlich – gegen Schalke! Gegen Fürth, Augsburg oder Hoffenheim wäre das verständlich, aber so? Und dann wurde auch noch – wie versprochen – zwölf Minuten lang geschwiegen. Grabesstille. Fußball zum Davonlaufen: „Ohne Stimme keine Stimmung“. Ist so, war diesmal schon so. Wobei vor dem Anstoß schon noch Stimmung gemacht wurde. Und Beifall gab es auch. Als Rene Adler in sein Tor im Norden ging – da gab es reichlich und warmen Applaus. Die Fans wissen eben, wem sie hier etwas zu verdanken haben.

Mit dem Anstoß stellte sich ein anderer HSV als zuletzt in Düsseldorf vor. Was nicht anders zu erwarten war, denn schlechter als bei dieser 0:2-Niederlage geht es ja nicht mehr. Ich muss mal berichten, dass ich in den Stunden und Tagen nach dem Spiel am Rhein das blanke Entsetzen in vielen, vielen Mails und Telefonaten gehört und gelesen habe. Ich hatte den Eindruck, dass sich einige HSV-Anhänger (und einige mehr) inzwischen jenem Punkt nähern, an dem sie resignieren oder auch nur schlicht die Nase voll von diesem Gekicke haben. Das ist mein Eindruck – er kann täuschen, aber ich habe so viele negative Rückmeldungen noch nie gehabt. Vom „Matz-ab“-Blog mal ganz abgesehen, da ging es ja schon während des Spiels in Düsseldorf hoch und höher zu.

Diesmal, gegen Schalke 04, war der HSV aber nicht nur konzentrierter, sondern auch engagierter bei der Sache. Die Mannschaft wollte, und das sah man ihr von der ersten Minute an auch an. Da sollte Wiedergutmachung betrieben werden, und dazu hatte sich Trainer Thorsten Fink auch einige Sachen einfallen lassen. Die Taktik wurde geändert. 4:4:2 oder auch 4:3:1:2. Auf jeden Fall zwei Stürmern: Maximilian Beister und Artjoms Rudnevs. Das war schon mal ein Zeichen. Und es blieb nicht nur in der Theorie offensiv, sondern auch auf dem neuen Rasen. Beister schoss – ein wenig übermütig – aus 28 Metern, der Ball wäre wahrscheinlich unterwegs verhungert, aber der Versuch war da (2.). Und 60 Sekunden später versuchte sich der im Mittelfeld aufgestellte Dennis Aogo aus 30 Metern, schloss wohl aber in etwa ebenso hoch ab. Aber auch das war ein Versuch wert.

Fink hatte Marcell Jansen wieder hinten links aufgestellt, und im rechten Mittelfeld erhielt wieder einmal Per Ciljan Skjelbred eine Chance. Der Norweger wirkte wie immer quirlig und emsig bei der Sache, aber er riskierte in der ersten halben Stunde kaum einen riskanten Pass, sondern übte sich in Sicherheitspässen. Nur keinen Fehler machen. Aber er taute mit der Zeit auf und riskierte ein wenig mehr – und das kam auch gut an. Der HSV spielte gegen erschreckend harmlose Schalker die beste Halbzeit seit langer Zeit (Gladbach? Freiburg?). Zwar hatte die Mannschaft aus Gelsenkirchen die wohl beste Möglichkeit des ersten Durchgangs, als Klaas-Jan Huntelaar den Ball viel zu lässig über die Torlinie drücken wollte – und die Kugel nur mit dem großen Onkel erwischte. Hochmut kommt vor dem Fall (20.). Und dann beförderte der nach einer Farfan-Ecke am langen Pfosten stehende Tolgay Arslan einen Obasi-Kopfball noch von der Linie – aber das war schon die ganze Schalker Herrlichkeit (22.).

Aogo hatte zuvor bereits den Pfosten des Schalker Tores getroffen, den Ball hätte Unnerstall niemals gehalten (7.). Rudnevs hatte (bedrängt von Fuchs) das 1:0 auf dem Fuß (8.), und nach einer sehenswerten Kombination über Jansen, Beister kam Skjelbred im Strafraum zum Schuss, doch der Ball wurde noch geklärt, wäre aber auch nicht drin gewesen (11.). Es roch nach dem 1:0 für den HSV, auch als der ehemalige Schalker Heiko Westermann im 04-Strafraum auftauchte – aber aus zwölf Metern weit daneben schoss. Nicht richtig getroffen, die Kugel (27.).

Bittere Szene danach: Tolgay Arslan foulte (?) Jones und beschwerte sich beim sehr guten Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe. Und zwar so lange, bis der Unparteiische die Gelbe Karte zückte. Arslans fünfter gelber Karton, deshalb darf er am Sonntag, beim Auswärtsspiel in Wolfsburg, zusehen. Das macht Spaß. Da kommt Freude auf. Nur weil er den Mund nicht halten konnte – bei der augenblicklichen Personalnot doppelt bitter.

Dennoch, es gab viel Beifall zur Pause. Weil der HSV so gut wie lange nicht mehr aufgezogen hatte, und weil Schalke auch so schwach wie selten einmal zuvor in Hamburg aufgetreten war. Aber das muss Huub Stevens ganz allein mit sich und der Mannschaft abmachen. Und: Jeder spielt so gut, wie es der Gegner zulässt, und der HSV hat nicht so sehr viel zugelassen. Schalke dagegen schon.

Auch im zweiten Durchgang zunächst nur der HSV. Arslan versuchte sich aus elf Metern und halblinker Position mit einem Schuss, halb Heber, halb Schlenzer – aber weit überweg (49.). Dennoch das 1:0 – drei Minuten später. Milan Badelj erkämpfte sich in Höhe Mittellinie den Ball, dann ein Pass auf Beister – und der zog ab. Erst mit der Kugel am Fuß, dann aus 20 Metern. 117 Stundenkilometer schnell. Und Tor! Sein erstes Bundesliga-Tor. Weil Unnerstall die Arme nicht hochbekam. Ein schöner Schuss, und richtiger Hammer, aber sicher nicht unhaltbar. Jede Wette: Im nächsten Schalke-Spiel steht ein anderer Torwart (Hildebrand) zwischen den Pfosten. Aber auch das ist nebensächlich – weil Schalker Sache.

Dann kam die Zeit von Rudnevs. Erst ein Kopfball (nach Zucker-Flanke Aogo) aus sechs Metern, den Unnerstall hält (62.). Und drei Minuten später das 2:0, das vierte Saisontor des Letten. Ein Treffer, den Dennis Diekmeier sensationell vorbereitete. Rudnevs hatte neun Meter vor dem Tor alle Zeit der Welt, die Kugel ins Netz zu bugsieren – er schaffte es mühelos. Die Vorentscheidung?

In der 80. Minute verursachte der eingewechselte Tomas Rincon einen Handelfmeter. Den Schuss von Huntelaar hielt Adler super, beim Nachschuss aber war der HSV-Keeper dann machtlos. Danach spielte nur noch Schalke. Und die Fans unterstützten ihren HSV großartig. Das war Fan-Verhalten bester Manier! Danke! Vorbildlich.

Und diesmal gab es ein versöhnliches Ende. In der Nachspielzeit wurde Aogo von Barnetta gefoult, klarer Elfmeter. Um den drängten sich gleich mehrere HSV-Profis – Milan Badelj setzte sich routiniert durch und verwandelte ebenso abgeklärt – klasse, sein erstes Tor für den HSV. Drei HSV-Tore in einem Spiel! 3:1 der Endstand – wer hätte das gedacht!?
Ich nicht!

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt erneut super, bekam aber auch lange Zeit kaum einmal die Möglichkeit, so richtig zu glänzen. Einmal hielt er gegen Höwedes sensationell (68.), parierte auch den Nachschuss von Farfan. Und in der 90. Minute meisterte er einen Freistoß von Fuchs – hervorragend. Da kochte der Volkspark.

Dennis Diekmeier spielte eine überragende Partei, er wird immer besser.

Michael Mancienne knüpfte an die zuletzt gezeigten starken Leistungen an. Inzwischen wie die Bank von England.

Heiko Westermann ist in der Form seines Lebens!

Marcell Jansen begann verhalten, dann aber trumpfte er immer besser auf. Gut.

Per Ciljan Skjelbred zeigte endlich einmal, warum ihn der HSV geholt hat – das macht Mut! Der Norweger nicht so zappelig wie sonst, sondern abgeklärt und souverän.

Milan Badelj zeigte jene Leistung, die er zu Beginn in Hamburg abgerufen hatte – großartig.

Dennis Aogo spielte auf ungewohnter Position ganz hervorragend – Note zwei. Auch wenn zum Schluss die Kräfte ein wenig schwanden.

Tolgay Arslan emsig, unermüdlich, leider auch mit dem Mund. Das schmälerte seine gute Leistung – leider.

Maximilian Beister scheint nichts zu kennen, was wie Nervosität oder mangelndes Selbstbewusstsein aussieht. Er zieht unerschütterlich seine Kreise, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – und haut dann noch einen rein! Unglaublich! Gut.

Artjoms Rudnevs war lange Zeit nicht zu sehen, dann trat er zweimal nachhaltig in Erscheinung – aus diesem Holze sind Torjäger geschnitzt.

Tomas Rincon (ab 65. Min. für Skjelbred) sollte aufräumen, tat das auch in seiner Art – und hatte das Pech mit dem Elfmeter. Ansonsten okay.

Paul Scharner (kam in der 89. Min. für Beister) durfte noch mitjubeln, zu mehr reichte es nicht. Aber auch das ist wichtig. Für das Team.

Schluss-Kommentar von Trainer Thorsten Fink: “Das war das beste Spiel der Saison von uns.”

22.09 Uhr

Skjelbred in die Startelf gegen Schalke?

26. November 2012

In der Redaktion habe ich seit zehn Jahren die glückliche Aufgabe, die Tipps meiner Sportkollegen für das Tippspiel des HA einzusammeln. Eine Runde, die ich in den letzten Jahren durchaus erfolgreich bestritten habe – obwohl ich den HSV grundsätzlich auf Sieg tippe. So unwahrscheinlich es auch manchmal ist. Selbst morgen gegen Schalke, wo wirklich nichts für den HSV spricht, setze ich auf die Männer, die sich in Düsseldorf sportlich verweigert haben. Wobei, das ist so ja gar nicht mal korrekt, denn gegen Schalke ist Trainer Thorsten Fink obendrein dazu gezwungen, die Ausfälle von Heung Min Son und leider auch Rafael van der Vaart zu kompensieren. Ein Unterfangen.

Und das sage ich, obwohl ich absolut davon überzeugt bin, dass Tolgay Arslan Vollgas gibt. Der Jung lebt das, was beim HSV Programm sein sollte. Er stellt das Schönspielen hintenan und arbeitet zuerst seine Gegner weg. Selbst wenn er so mal ein Sche..spiel macht, Leuten wie ihm verzeiht man es schneller. Allerdings gibt es diesen Typ Spieler sonst kaum noch beim HSV. Tomas Rincon, der mit einem Sehnenriss im Finger auflaufen wird, ist ebenso wie Heiko Westermann und Michael Mancienne ein 100-Prozent-Kandidat. Macht schon mal vier Spieler. „Wir müssen den Kampf annehmen“, mahnt Fink vor der Partie gegen Ex-HSV-Trainer Huub Stevens, der so was wie das Gegenteil zu Fink darstellt. Immerhin ist Stevens ein Verfechter des Zu-Null-Spielens, der dem Ergebnis alles unterordnet. Auch die Attraktivität des eigenen Spiels, während Erstgenannter auf Ballbesitz und Kombinationsfußball drängt. Oder besser gesagt: drängte. Denn auch Fink ist nach der desolaten Vorstellung in Düsseldorf aufgewacht: „Wir haben gedacht, in Düsseldorf packen wir das mit schönem Fußball. Aber das geht nicht. Mit 90 Prozent verlieren wir.“ Sogar gegen eine Mannschaft wie Düsseldorf, die alles andere als einen guten (dafür aber glücklichen) Tag erwischt hatte. „Wir sind nicht 100 Prozent gegangen und waren überrascht, dass sich Düsseldorf rein aufs Kontern verlegt hatte. Das kannten wir so nicht“, resümierte Fink abschließend.

Anschließend sollte es nur noch um den Blick nach vorn gehen. Vier Spiele Schalke, in Wolfsburg, gegen Hoffenheim, und dann auswärts in Leverkusen – stehen an. Wie viele Punkte der HSV da holen muss, nachdem aus den letzten drei Spielen nur vier statt der von Fink avisierten sieben Punkte geholt wurden? „Ich nennen leine Zahl. Ich fand sieben Punkte sehr realistisch. Und jetzt müssen wir zusehen, aus den vier Spielen noch einige Punkte zu holen.“ Auch wenn eher der jeweilige Gegner (Hoffenheim ausgenommen) der Favorit ist. Fink „Wir haben zu Hause gegen Dortmund gewonnen – damit war auch nicht zu rechnen. Deshalb, im Fußball ist es doch immer so: Wenn man nicht mit Punktgewinnen rechnet, holt man sie. Und andersrum – wie in Düsseldorf.“ Insofern müsste der HSV, dieser Rechnung nach, noch neun Punkte aus den letzten vier Spielen holen. Sollte Hoffenheim tatsächlich unmittelbar vor dem Gastspiel in Hamburg den Trainer wechseln – was ich Markus Babbel und dem HSV nicht wünsche – müssten es der Fink’schen Gleichung nach sogar 12 Punkte werden…

Aber okay, zurück zur Ernsthaftigkeit. Und die ist ob der 17 bisherigen Punkte durchaus gegeben, nachdem sich jetzt auch Son und van der Vaart verletzungsbedingt abmelden mussten. Wie bereits erwähnt, wird Arslan die Rolle van der Vaarts übernehmen. Dafür rücken entweder Tomas Rincon oder – ACHTUNG JU aus Q!! – Per Skjelbred ins defensive Mittelfeld. Es wäre das erste Mal Startelf seit dem 25. August für den Norweger. „Tomas muss sich am Finger operieren lassen und fällt danach zwei Spiele aus“, erklärt Fink seine Gedankenspiele, „daher überlege ich, Per zu bringen, damit der sich einspielen kann.“

Im Abschlusstraining (Taktische Passübung, Kreisspiel, kurze Sprints und Abschlussspiel über den halben Platz binnen 62 Minuten) ließ sich Fink nicht wirklich in die Karten schauen. In der A-Elf spielten Badelj, Arslan, Skjelbred und Tesche im Mittelfeld vor der Viererkette Diekmeier/Westermann/Mancienne/Aogo. Und ich bin kein Prophet, wenn ich voraussage, dass das nicht das Mittelfeld gegen Schalke sein dürfte. Ebenso wenig wie Berg, der ebenso in der vermeintlichen A-Elf agierte.

Allerdings, selbst in der Viererkette deutete Fink mögliche Veränderungen an. „Hinten bleibt alles gleich“, so Fink auf die Frage, ob Jeffrey Bruma Michael Mancienne ersetzen könnte, zunächst eindeutig, um dann zu relativieren: „Wahrscheinlich jedenfalls. Aber da möchte ich mir noch etwas offenhalten.“ Immerhin kommt mit Klaas-Jan Huntelaar Brumas Landsmann nach Hamburg. Sollte Bruma den ausschalten können, wäre das nicht nur gut für das HSV-Spiel, sondern auch für das Prestige des niederländischen HSV-Verteidigers in seinem Heimatland. Speziell bei Bondscoach Louis van Gaal, der ihn zuletzt in die U-21-Nationalelf geschickt hatte.

Klar ist dagegen, dass Marcell Jansen nach auskurierter Verletzung (Knieprobleme) wieder in die Startelf rückt. „Er wird spielen“, so Fink, der Jansen links offensiv spielen lassen dürfte, damit Maxi Beister, der für mich in Düsseldorf erstmals ansatzweise (den Kurzeinsatz in Freiburg nicht mitgerechnet) das Engagement und den Mut an den tag legte, den ich mir von ihm eigentlich immer erhoffe, von links auf rechts (für Son) wechseln kann. Insofern ergäbe sich folgende Startelf: Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Aogo – Badelj, Rincon (Skjelbred) – Beister, Arslan, Jansen – Rudnevs. Warum ich Rudnevs Nominierung nicht erwähnt habe? Ganz einfach: Weil es zuletzt gehüpft wie gesprungen war, ob Rudnevs oder Berg aufliefen. Beide Angreifer stellten unter Beweis, dass sie so nicht helfen können.

„Rudi wird spielen“, legte sich Fink bereits fest. Zumal der Lette zu der Sorte Fußballer gehört, auf die es gegen Schalke ankommen könnte. „Ich erwarte von uns spielerisch kein super Spiel“, so Fink, der nicht müde wird, seinen Jungs einzubläuen: „Wir müssen versuchen, Schalke weh zu tun. Wir müssen ihnen den Schneid abkaufen. Sie hatten zuletzt einige Englische Wochen, von daher müssen wir sie unter Druck setzen.“ Mit Einsatz. Und Leidenschaft. „Wir wissen, dass wir einen van der Vaart auf Sicht nicht ersetzen können. Wir müssen es mit anderen Mitteln lösen.“

Ich bin gespannt. Getippt habe ich jedenfalls auf einen 2:1-Heimsieg. Trotzdem.

In diesem Sinne, bleiben wir optimistisch. Vielleicht hilft das ja.

Bis morgen.
Scholle

Ein Bärendienst der “Pyro-Techniker” – und andere Hiobsbotschaften

25. November 2012

Das haben die Jungs mit den Feuerzeugen im Block ja optimal gelöst: Statt über die deprimierende 0:2-Niederlage von Düsseldorf zu reden, spricht „ganz Hamburg“ von den Pyrotechnikern unter den HSV-Anhängern. Fußball wird in den Hintergrund gedrängt, das allgemein beherrschende Thema war das Feuer im HSV-Block. Was für ein Wahnsinn – im doppelten Sinne. Was hätte da nicht alles passieren können? Statt der heiß geliebten Fahne hätten doch auch Jacken, Hosen – und sogar Menschen brennen können. Natürlich alles ganz harmlos . . .

Inzwischen gibt es dazu auch eine Stellungnahme vom Supporters Club:

Der HSV Supporters Club reagiert enttäuscht auf das Abbrennen von Pyrotechnik und dessen Folgen (Brand von Bannern und einige Leichtverletzte) kurz zu Beginn des Spiels Fortuna Düsseldorf gegen den HSV in der HSV-Fankurve. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass angesichts der aktuellen und z.T. hysterischen öffentlichen Debatte um die Sicherheit in den Stadien und der berechtigten Kritik daran, einige Fußballfans das negative Bild bestätigen und allen Recht zu geben scheinen, die ausschließlich auf hartes und kompromissloses Vorgehen gegen Fehlverhalten von Fans vorgehen wollen.

Auch wenn diejenigen, die am Zünden von Pyrotechnik in der Kurve beteiligt waren, sicher niemanden gefährden wollten, hat diese Aktion erneut gezeigt, dass Pyrotechnik unwägbare Risiken birgt und wir weit davon entfernt sind, kontrolliertes Abbrennen in den Fankurven zu ermöglichen.

Nichtsdestotrotz werden wir uns weiter für den Dialog mit der gesamten Fanszene einsetzen und plädieren für einen sachlichen Umgang mit der Sicherheitsthematik. Dazu gehört auch die Differenzierung zwischen Pyrotechnik und Gewalt. Wir fordern aber auch besonders die Fans, die das Abrennen von Pyrotechnik unterstützen, auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und Regeln so lange zu akzeptieren, so lange sie gelten. Wenn sie daran etwas ändern wollen, sollten sie dafür streiten, aber nicht systematisch gegen diese Regeln verstoßen. Zu einem sachlichen und konstruktiven Dialog gehören immer zwei und die jeweils andere Seite massiv unter Druck zu setzen, ist für keine Seite förderlich. Schon gar nicht für ein gutes Ergebnis.

Dieser Appell richtet sich aber nicht nur an die Fans, sondern auch an alle andere Beteiligten – wie die Verbände, Vereine, Sicherheitsbehörden, Ordnungsdienste, Politiker und die Presse – mit einer einseitigen, teilweise populistischen Betrachtungsweise werden wir den Dialog nicht fördern sondern nur für immer härtere und starrere Haltungen auf allen Seiten sorgen.

Unsere Aufforderung an alle Beteiligten lautet: Nur gemeinsam werden wir es hinbekommen!

Bei „Matz ab live“ hat das Vorstandsmitglied Joachim Hilke schon (wie ich finde) ausführlich und auch knallhart Stellung für den Klub bezogen. Heute war auch Vorstands-Chef Carl-Edgar Jarchow an der Arena und stellte sich diesem Thema. Der Klub-Boss sagte: „Diese kleine Gruppe von Unbelehrbaren ist in der Tat kaum davon zu überzeugen, von den Gefahren, die diese Bengalos bedeuten – aber ich denke jetzt, dass diese Ereignisse am Freitag in Düsseldorf auch denen gezeigt haben – als ihre Flagge brannte – wie gefährlich die ganze Geschichte doch ist. Vielleicht öffnet das bei einigen Leuten ja jetzt endlich mal die Augen. Es soll ja, wie ich gehört habe, auch zu Brandverletzungen geführt haben. Vielleicht ist das ja jetzt mal ein Anfang, dass man diese Gruppe der Unbelehrbaren noch weiter reduzieren kann.“

Kurios an diesen Vorfällen, oder sogar grotesk: Unten wurde gezündelt, und darüber hing ein Plakat: „DFL-Papier ablehnen.“ Und zu dem, was dort abgelehnt werden sollte, gehören ja auch die Pyro-Dinge, die bislang immer wieder als völlig harmlos hingestellt wurden. Hoffentlich, kann ich nur sagen, nimmt sich jetzt ganz Deutschland ein Beispiel daran, dass solche Sachen sehr wohl enorm gefährlich sind, und hoffentlich erkennen alle nun auch noch rechtzeitig, wie es wohl wäre, wenn Menschen von und mit dieser Pyro-Technik in Verbindung kommen sollten. Nicht auszudenken.

Carl Jarchow weiter zum Freitagabend: „Mir wurde berichtet, dass die Leute, die diese Feuer verursacht haben, durchaus geschockt waren von dem, was passiert ist und von der Wirkung, die das haben kann. Was uns alle ja nicht mehr überrascht, denn wir wissen ja, wie gefährlich diese Pyrotechnik auf so engem Raum und bei so vielen Menschen sein kann.“ Zum Sicherheits-Papier der DFL sagte Jarchow: „Da muss man einige Dinge unterscheiden. Das bezieht sich ja nicht nur auf Pyro-Technik, das ist ja nur ein ganz kleiner Teil davon. Ich bin sehr dafür, dass man den Dialog mit den Fans, mit allen Betroffenen, in den Sicherheitsfragen weiter fortführt. Und nicht sagt: ‚Es gibt zwar nur eine relativ überschaubare Zahl von Pyro-Verrückten, aber wir brechen den gesamten Dialog dennoch ab.’ Das wäre mit Sicherheit verkehrt. Aber diejenigen, die für diese Vorfälle in Düsseldorf verantwortlich sind, die haben natürlich der Argumentation einen Bärendienst erwiesen.“

Kurz-Kommentar zu den heißen Vorkommnissen in Düsseldorf von HSV-Trainer Thorsten Fink: „Das war kein vorbildliches Verhalten unserer Fans, das können wir nicht gutheißen“

Übrigens: Zu dieser Thematik tut sich beim HSV in den nächsten Tagen etwas. Der Klub gibt dazu bekannt:

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat in dieser Woche das überarbeitete Eckpunktepapier „Sicheres Stadionerlebnis“, zu dem alle Klubs der Fußball-Bundesliga Ende Oktober ihre Stellungsnahmen abgegeben hatten, erneut an die Vereine geschickt und um eine Bewertung gebeten. Bevor der Vorstand des HSV der DFL erneut eine Stellungsnahme übermittelt, möchte er das Sicherheitspapier mit seinen hierfür im Verein zuständigen Bereichen der Fanbetreuung und des Sicherheitsbeauftragten sowie den Mitglieder und Fans diskutieren. Dazu lädt der Vorstand am Mittwoch, dem 28. November um 18:30 Uhr alle HSVer zu einer offenen Diskussionsrunde in die „Raute“ ein. Diese Vorgehensweise hat der Verein ebenfalls der DFL mitgeteilt.

Carl-Edgar Jarchow dazu: „Wir werden das mit den Fans besprechen, und dann werden wir entscheiden, was wir dazu sagen.“

Bislang hatten es die Vereine schwer, die Verursacher dieser Zündeleien zu identifizieren, denn diese Jungs trugen zumeist Masken, die ihre Gesichter (natürlich) verhüllten. Video-Aufnahmen aus den Kurven waren deshalb zweck- weil wertlos. Diesmal aber gibt es Hoffnung auf die Erkennung der Täter, denn einige von ihnen sollen Brandwunden erlitten – und deshalb auch ihre Masken kurzzeitig abgesetzt haben. Daher soll es Video-Aufnahmen geben, auf denen die Täter zu erkennen sind. Und wenn diese Leute identifiziert werden, dann dürften sie in den nächsten Wochen und Monaten auch richtig schön und tief in die Tasche kommen, denn der HSV will sich an diesen Jungs schadlos halten – in Sachen Geldstrafen. Es ist diesmal mit einem kleinen, lächerlichen Stadion-Verbot nicht mehr getan – und das ist auch gut so.

„Wir gehen gegen diese Leute vor, aber natürlich“, sagte Jarchow entschieden: „Wenn wir Namen haben, dann gehen wir gegen diese Leute vor. Diesmal waren offenbar nicht alle vermummt, und wenn diese Leute bekannt sind, dann werden wir tätig. So haben wir es in der Vergangenheit auch schon immer gemacht.“ Nur bei den „Pyro-Technikern“ bissen sie bislang – aus den schon geschilderten Gründen, auf Granit.

Carl-Edgar Jarchow sprach dann auch noch ganz allgemein zur Gewalt im Fußball – oder im Sport: „Wir müssen eines sehen, und das ist das Entscheidende bei dieser ganzen Sicherheitsproblematik – und das ist auch der Vorwurf gegenüber der DFL: Es gibt eine Gewalt-Problematik im Fußball, aber die gibt es nicht singulär im Fußball, sondern die hat durchaus gesellschaftliche Gründe. Und diese Situationen sind in den einzelnen Stadien durchaus unterschiedlich. Im Moment allerdings haben wir eine Situation, in der wir alles über einen Kamm scheren, und wo die DFL unter dem Druck der Politik versucht, möglichst schnell eine Lösung zu präsentieren. Ich bin aber ein Vertreter davon, erst einmal sehr genau zu sehen, wie individuell diese Situationen sind, denn hier in Hamburg haben wir das bislang normalerweise nicht gehabt, in Leverkusen oder anderen Stadien auch nicht.“ Deswegen plädiert Jarchow erst einmal für Ruhe: „Wir dürfen uns nicht von außen unter Druck setzen lassen, dass dies nun alles innerhalb von vier Wochen entschieden sein muss. Wenn ich von der DFL einen Brief bekomme, in dem mir nahe gelegt wird, mich mit meinen Fans auszutauschen, und um dann aber gleichzeitig die Kommentierung dieses Briefes innerhalb von fünf Tagen zurückzuschicken, dann halte ich das für unangemessen. Und das werde ich auch bei jeder Gelegenheit sagen. Ich sehe den Druck nämlich nicht.“

Über die Strafen, die jetzt auf den HSV aufgrund der Vorkommnisse in Düsseldorf zukommen werden, gibt es bislang nur Mutmaßungen. Es wird auf jeden Fall eine saftige Geldstrafe geben. Und dazu eine Block-Sperre für HSV-Fans in einem, zwei Auswärtsspielen? Carl-Edgar Jarchow: „Ich weiß nicht, was es geben wird, es sind ja einige Ding denkbar. Und sie werden nun sicher auch ein Zeichen setzen, denn es war ja schon etwas gravierender, was sich unsere Fans – Fans in Anführungsstrichen, denn das sind keine Fans für mich – da erlaubt haben.“

Zum Fußball, auch wenn der ja fast schon unwichtig geworden ist:

Gegen Schalke 04 am Dienstag wird der deutsche U-21-Nationalspieler Tolgay Arslan die Position des verletzten Rafael van der Vaart übernehmen. Und Arslan traut sich das zu, denn er sagt: „Ich habe schon viel gelernt von Rafa. Zum Beispiel seine Geduld. Und dass er zum Beispiel hinten einfach spielt, und vorne dann versucht, seine tödlichen Pässe an den Mann zu bringen. Er ist ein absoluter Führungsspieler. Dazu seine Präsenz, die der Gegner in jeder Szene und Situation spüren kann. Und er hat natürlich auch ein großes Selbstvertrauen. Ich will ihn so gut es geht ersetzen, traue mir das aber auch zu.“ Was wiederum auch für ein großes Selbstvertrauen spricht.

Ergänzung um 21.15 Uhr

So, nun ist es raus. Rafael van der Vaart kennt seinen Körper eben am besten. Er selbst hatte sofort einen Muskelfaserriss diagnostiziert, und es ist ein Muskelfaserriss bestätigt worden. Damit fällt der Spielmacher voraussichtlich drei Wochen aus. Ob es für ihn noch zu einem Einsatz in der Hinrunde reichen wird, ist fraglich, aber noch nicht komplett ausgeschlossen.

Aber damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Auch Heung Min Son wird gegen Schalke nicht dabei sein. Der Südkoreaner zog sich im Spiel in Düsseldorf eine Zerrung im rechten Oberschenkel zu und steht Thorsten Fink ebenfalls nicht zur Verfügung. Zum Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonntag (02.12.12, Anstoß: 17.30 Uhr) könnte “Sonny” aber wieder dabei sein.

Und dann das noch: Auch mit Tomás Rincón meinte es Fortuna nicht gut. Dem Venezolaner riss eine Beugesehne im rechten Ringfinger. Gegen Schalke 04 wird der kampfstarke Mittelfeldspieler deshalb mit einer Spezialschiene auflaufen. Danach muss er allerdings operiert werden, teilte die medizinische Abteilung mit. Ob und wie lange Rincón danach ausfallen wird, hängt von den Möglichkeiten ab, auch nach der Operation eine Schiene zu tragen.

Neben Rincón muss auch Gojko Kacar operiert werden. Den Mittelfeldspieler wird ein knöcherndes Gewebestück im Knöchel entfernt, das sich nach seinem operierten Knöchelbruch im April gebildet hat und ihm in den vergangenen Wochen immer wieder Schmerzen bereitete. Diese sind nun so stark geworden, dass eine Operation unumgänglich ist. Kacar wird danach voraussichtlich drei Wochen pausieren müssen, bevor er wieder ins Training einsteigen kann.

Das war die personelle Ergänzung.

Nun aber wieder zurück zum Schalke-Spiel am Dienstag: Mit Tolgay Arslan spielt ein ehemaliger Dortmunder gegen die Knappen. Die Rivalität ist bekannt. Er sagt: „Es ist immer noch etwas Besonders, gegen Schalke zu spielen – das habe ich schon in der Jugend gemerkt. Das waren immer heiße Spiele.“ Und was gibt es am Dienstag, wenn der ersatzgeschwächte HSV gegen Gelsenkirchen spielt? „Wir müssen direkt zeigen, dass wir die Heimmannschaft sind, müssen direkt Pressing spielen, müssen Schalke unter Druck setzen. Die haben die englische Woche gehabt, das müssen wir ausnutzen – wir müssen mit Power zur Sache gehen.“

Ach, wenn’s doch wahr wäre . . .

Denn eines darf nicht passieren, dass der HSV noch einmal einen solchen erschreckenden Auftritt wie in Düsseldorf abliefert. Zu diesen 90 Minuten hatte Thorsten Fink ja gesagt: „Wir haben gedacht, dass wir mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen können. Das war ein Irrtum. Wir müssen viel mehr und härter arbeiten.“ Und: „Wenn du nur 60, 70 Prozent von dem bringst, was du kannst, reicht das nicht. Wir haben gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.“
Also: Ärmel aufkrempeln, zur Sache gehen, zur Sache gehen wollen – und los! Endlich mal wieder mit Herz Fußball spielen. Und mit Spaß und Lust.

Was ich noch zu dieser 0:2-Pleite sagen möchte: Das Beste an diesem erschütternden Auftritt von Düsseldorf war der Klartext, der von Kapitän Heiko Westermann („So geht es gar nicht, so kann man nicht auftreten“) gesprochen wurde. Hoffentlich hat er es nicht nur in Fernsehkameras gesagt, sondern auch in die Gesichter der Kollegen. Das wäre dringend vonnöten. Damit auch jedem mal die Augen geöffnet werden. Endlich mal. Denn man kann ja (mal) schlecht spielen, aber man darf dabei eines nicht vergessen: Kampfgeist! Kämpfen geht immer. Oder sollte immer gehen. Beim HSV sehe ich dieses Zerreißen, diese Leidenschaft, dieses Herz eben nur selten. Und wenn ich sehe, wie sich alle anderen Mannschaften, meistens die Außenseiter (nicht nur in der Ersten Liga!), von der ersten Minute an wehren und sich den Hintern aufreißen, dann muss eindeutig festgestellt werden: Da fehlt etwas beim HSV!

Zu diesem Dilemma gab es heute einen viel beachteten Bericht von „pietkunz“, der hier schon oft gelobt wurde. Da ich weiß, dass nur ein Bruchteil der Blogleser diese Kommentare auch liest, dieser aber lesenswert ist, stelle ich ihn hier nun in ganzer Länge (und er ist sehr lang!) hinein. Im ersten Absatz, das sage ich nur mal zur „Früherkennung”, werde ich mit meinem Bericht vom Sonnabend zitiert. Danach dann „pietzkunz“ – im Original und unverändert (von mir):

Auch ich bin bedient. Restlos. Mal wieder. Weil Fußball doch eigentlich ganz anders geht, als ihn der HSV zu interpretieren versucht. Nur wer sagt es den hochgezüchteten „Stars“, die ja leider von allen Seiten immer nur in Watte gepackt werden?

Keine Ahnung, ob unsere Stars immer nur in Watte oder überhaupt gepackt werden.
Entscheidend ist ja, ob sie denn auch in griffige Zielvorgaben und ein Anforderungsprofil gepackt werden und dies verinnerlichen…
Insofern habe ich das eigentlich mal als sehr wohltuend empfunden, dass Trainer Fink aus den drei Spielen allerdeutlichst 7 Punkte eingefordert hat!
Aber wie reagiert Fink nun auf die verkorkste Umsetzung, die in der Düsseldorf-Partie meiner Ansicht nach insbesondere den technischen Schwächen bei der Ballbehauptung, den Pässen und Flanken sowie einmal mehr der mangelnden Bereitschaft, nachzusetzen, sich freizulaufen, auch mal über mehr als 70 min Gas zu geben und sich gegen eine Niederlage zu stemmen geschuldet waren…?

Hat Fink allein die Autorität und den Respekt bei den Spielern, sie zu Leistungssteigerungen und Konstanz zu führen – oder will er hier wie seine Vorgänger in absehbarer Zeit “verschlissen” und abgefunden werden?

Es haben in der Hinsicht schon Eiches Berichte aus dem Trainingslager, wonach die Spieler ihrem Trainer kaum zuhören, Zweifel aufkommen lassen…

Und was ist denn mit dem Thema Son, der im rechten OM jedes Mal taktisch überfordert ist, aber trotz seiner Torjägerqualtitäten ja eh nie im Sturm eingesetzt wird – hat er wirklich eine vertraglich zugesicherte Einsatzgarantie…?? Dazu wäre allmählich eine öffentliche Stellungnahme seitens des Vereins erforderlich – solange solche Gerüchte kursieren und Son ohnehin Überheblichkeit nachgesagt wird, dürfte sich das angesichts Son`s fortlaufender Stümperei fatal auf die Team-Motivation auswirken… Schließlich besetzt er ständig die Ideal-Position von Beister – der als Rechtsfuß auf dem linken Flügel überhaupt nicht zurecht kommt und merklich angefressen ist, während sich ganz Hamburg über mangelnde Flanken wundert…
Und was ist mit Badelj, der erschreckend schwach spielt? Badelj war in Zagreb Kapitän, Leader, Spielgestalter und hat seinen (Ex-)Verein mit auch mit Freistoßtoren in die CL geballert…

Badelj vernüggert auf der 6er-Position von Spiel zu Spiel – ist mittlerweile ohne Selbstvertrauen… Warum wurde ein erfahrener, technisch beschlagener 8er wie Badelj nach der VdV-Auswechslung nicht als Spielmacher vorgeschoben statt des jungen Arslan, der auf der 6er Position mit seinem Elan und Biss doch bestens klarkommt…!?
Und es ehrt einen Klumpfuß wie Westermann, dass er dank Bergs dämlicher Catching-Einlage einen Freistoß in die Machen donnern durfte – aber warum ist Badelj bei so einer Freistoßposition außen vor…??

Mich wundert nicht, warum Badelj nur noch wie enteiert herumtrabt und in der eigenen Hälfte haarsträubende Fehlpässe fabriziert…

Und überhaupt Westermann – niemand hätte sich hintergangen fühlen brauchen, wenn hier ein van der Vaart sogleich zum Kapitän ernannt worden wäre – das hätte insbesondere Westermann gut getan, der sich dann viel mehr auf sich selbst hätte konzentrieren können… Er hat einfach nicht die Ausstrahlung eines Führungsspielers – aber kaum ist vdV vom Platz, nimmt Westermann mehr schlecht als recht alles wieder selbst in die Hand – von Spielgestalter über Freistoßschütze bis Stürmer – der Harmonie und Struktur im Team tut das alles andere als gut… Und niemand da, der ihn da mal bremst und eine frische Struktur fördert…
Das Sagen haben weiterhin Westermann und Aogo – was dabei herauskommt, wenn die vor`m Spiel ihre aufgesetzen Schlachtparolen in die Mikros heucheln, erleben wir hier jetzt schon seit Jahren…

Tja, wer sagt den “Stars” es nun, um noch mal auf Dieter´s Frage zurückzukommen…
Mir haben ja die Hinweise von Ju aus Qu zu Denken gegeben, wonach es bei einigen Spielern an der nötigen Berufsauffassung mangeln soll…

Mich haben die Kommentare von Lars49 einmal mehr sehr bewegt!
Der Verein zehrt inzwischen nur noch von seiner Tradition, seiner glorreichen Vergangenheit und seinem Kult – jeder im Verein, ob Vorständler, AR, Spieler oder Mitglied, hält sich hier sogleich für was Großes und 7-fachen Meister, Europacupsieger und Bundesliga-Dino… Energien werden nur noch für Eitelkeit, Macht, Traditionserhalt, Mitgliederbasis und Fankultur investiert – die Träume von einem zweiten Traditionsmodell Barcelona weichen modernen sportwirtschaftlichen Innovationen und entsprechenden Strukturveränderungen, ohne sachliche Realisierung, dass Vorbild Barca eine unerreichbare Ausnahmeerscheinung mit weltweiter Vermarktung, aber dennoch hoch verschuldet und im Grunde ein Auslaufmodell ist…

Und bei all der Träumerei verpasst man es beim HSV, professionelle Grundlagen zu schaffen, eine Strategielinie vorzugeben, neue Ziele schrittweise zu fixieren und den Leistungsdruck zu erhöhen… Visionen werden nur vernebelt vorgegeben und ohne klares Konzept und (entsprechend der Basis-Herkunft) überwiegend amateurhaft, kaum fachgerecht angegangen…
Es wirkt sich fatal aus, dass in diesem Wahn nach traditioneller Basisorientierung weder fremde Fachkräfte, Investoren oder Mitgesellschafter in den Entscheidungsprozessen zugelassen noch von außen jegliche wirtschaftliche Beratung angenommen wird. Frei nach dem Motto “wir brauchen keine Drittbeteiligungen und keine Stars mehr kaufen, bauen unseren Campus mit Fan-Anleihen selbst – und alles wird gut”…

Und ich finde es einfach absurd und bezeichnend für die Unprofessionalität unserer Vereinsführung, dass der Run auf diese Fan-Anleihen, die inzwischen einen hoch zu verzinsenden Schuldenberg von 17,5 Millionen zu Lasten des HSV angehäuft haben, auch noch bejubelt wird – während anderswo die Hannover 96 GmbH unter kapitalgesellschaftlicher Beteiligung von Rossmann, Street One u.a. ein 30-Mio-Nachwuchsleistungszentrum hinzimmert oder sich die FC Bayern AG über einen Umsatzgewinn von 11,1 Mio erfreut…
Bei uns zieht sich die Führungsschwäche wie ein roter Faden durch alle Ebenen – ein Jarchow ruft mit seinem letzten Laut Platz 11 – 15 als Saisonziel aus – entsprechend tritt die Mannschaft auch auf…

Ein Hilke präsentiert uns nun schon seit fast zwei Jahren diese beiden südkoreanischen Kleinsponsoren als sein Lebenswerk und stammelt bei der Präsentation des Campus ebenso verunsichert rum wie bei “Matz ab live”, wenn Dieter ihn nach den Finanzen fragt…

Ein Scheel ist im Vorstand völlig unnütz und beschert dem HSV mit seinen Ziehsöhnen Bednarik und Liebnau nur noch Schaden – und wenn schon im Verein niemand da ist, der selbst die Spieler mal hart anpackt und fordert, so schafft es beim HSV auch erst recht keiner, endlich mal die Hardcore-Supporters maßzuregeln und Ultras zu disziplinieren mit ihrem Pyro-Spielkram, der eine Menschengefährdung und saftige DFB-Geldstrafe nach der anderen nach sich zieht. Dann sollte man solche Funktionäre, die sich Sicherheitskonzepten widersetzen und lieber stur dem Fankult alle Freiheiten gewähren wollen, auch einmal wegen Unterlassung oder gar Anstiftung und Beihilfe strafrechtlich belangen.

Über unseren AR braucht man kaum noch Worte verlieren – dass Otto, Kraran und Debatin mit geballten Fäusten in der Tasche die Flucht ergreifen und die nächsten SC-Kandidaten schon mit den Hufen scharren, sagt alles über den Zustand des HSV…

Dann ist da noch Arnesen – einst hoffnungsvoll als “Messias” empfangen, inzwischen als Feindbild bestimmter SC-gesinnter Funktionäre verkommen und nur noch mit einem entsprechend enteierten Auftreten wahrnehmbar – und keine Hinweise vorhanden, dass er unseren leistungsverweigernden Spielern mal weniger lachs und smart grinsend gegenübertritt als den Kameras, auch keine Anhaltspunkte, dass er sich mit seinem Stab inzwischen mal besser im deutschen Fußballmarkt auskennen oder wenigstens unsere Ladenhüter an den Mann bringen würde…

Wer also sollte beim HSV mal auf den Tisch hauen, wenn`s nicht läuft – niemand… Und schlimmer noch – es kommt hier auch gar nicht erst jemand auf die Idee…
Dasselbe Bild zeichnet sich übrigens im Nachwuchsbereich ab, wo unsere Führung mit der Erennung solcher Schlafmützen wie Reinhardt und Schröder zu dessen Leitern und der Installation halb-ausgebildeter Trainer die Illusion der eigenen Aufzucht mit einem Schlag wieder zunichte gemacht hat, was sich an der verheerenden Niederlagenserie des HSVII und den Absturz auf den Relegationsplatz zu Liga 5 mehr als hinreichend bemerkbar macht… Aber wer gönnt sich schon den Luxus eines Campus für Fünftklässler…

Und warum nun ausgerechnet ein introvertierter biederer Handwerker wie Jarolim, noch behaftet mit all der Mehltau-Tristesse der vergangenen Jahre, in die Trainingsarbeit beim Nachwuchs eingebunden werden soll, erschließt sich mir nicht – aber Hauptsache einer mit Stallgeruch und Arni hat mal wieder ne “fantastische” Idee…

Tja, wer sagt es den “Stars” nun…

Mein Vorschlag – es muss sich endlich eine starke Opposition zu den Supporters entwickeln – warum sich das im großen Hamburg bisher nicht ergeben hat, finde ich merkwürdig…
Der AR muss mit selbstlosen Profis besetzt werden aus Wirtschaft und Bundesliga – die Satzung umändern und endlich die Ausgliederung der Profiabteilung vorantreiben – mit starken, wirtschaftlichen Führungskräften und modernen Visionen und einer leistungsorientierten Philosophie, die endlich auch mal auf die Spieler ausgestrahlt und übertragen wird – ein Klacks, solche im Bereich HH anzuheuern…

Und kein SCer bräuchte angesichts der deutschen 50+1-Regelung Angst um den Erhalt seines Traditionsvereins haben… Aber der HSV mit seinen Ambitionen wäre langfristig nur noch in kapitalgesellschaftlicher Form wettbewerbsfähig – in Hamburg fänden sich mit Kußhand hochkarätige Unternehmensbeteiligungen, die zum einen Hoeneß und Watzke vor Neid erblassen lassen würden, zum anderen wirtschaftliche Risiken mittragen, aber vielmehr Investitionen in die Kasse mit den drei Rostigen spulen, die sich gewaschen haben… Und dann wären auch solche ruinösen Fan-Anleihen bald Geschichte…

Und hier noch mal ein NDR-Zitat zur Lage beim VfL Osnabrück, an dem sich der HSV (wenn auch finanziell nicht so angeschlagen) auch mal messen kann… Die kleinen Vereine machen es schon vor!

„Sie können wirtschaftlich tragfähige und weitreichende Entscheidungen nicht mehr auf emotionalisierten Mitgliederversammlungen mit Hunderten von Mitgliedern entscheiden. Sie brauchen kleine, effiziente Gremien mit Menschen, die etwas von Fußball verstehen, aber auch etwas von Finanzen”, erklärte Fritz Brickwedde, Fraktionschef der Osnabrücker CDU, dem NDR Sportclub: “Wenn wir Geld in Richtung VfL geben, dann muss das unter Strukturen erfolgen, bei denen wir die Sicherheit haben, dass das nachhaltige Lösungen sind.”

PS: Morgen, am Montag, findet das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

18.13 Uhr

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