Tagesarchiv für den 26. November 2012

Skjelbred in die Startelf gegen Schalke?

26. November 2012

In der Redaktion habe ich seit zehn Jahren die glückliche Aufgabe, die Tipps meiner Sportkollegen für das Tippspiel des HA einzusammeln. Eine Runde, die ich in den letzten Jahren durchaus erfolgreich bestritten habe – obwohl ich den HSV grundsätzlich auf Sieg tippe. So unwahrscheinlich es auch manchmal ist. Selbst morgen gegen Schalke, wo wirklich nichts für den HSV spricht, setze ich auf die Männer, die sich in Düsseldorf sportlich verweigert haben. Wobei, das ist so ja gar nicht mal korrekt, denn gegen Schalke ist Trainer Thorsten Fink obendrein dazu gezwungen, die Ausfälle von Heung Min Son und leider auch Rafael van der Vaart zu kompensieren. Ein Unterfangen.

Und das sage ich, obwohl ich absolut davon überzeugt bin, dass Tolgay Arslan Vollgas gibt. Der Jung lebt das, was beim HSV Programm sein sollte. Er stellt das Schönspielen hintenan und arbeitet zuerst seine Gegner weg. Selbst wenn er so mal ein Sche..spiel macht, Leuten wie ihm verzeiht man es schneller. Allerdings gibt es diesen Typ Spieler sonst kaum noch beim HSV. Tomas Rincon, der mit einem Sehnenriss im Finger auflaufen wird, ist ebenso wie Heiko Westermann und Michael Mancienne ein 100-Prozent-Kandidat. Macht schon mal vier Spieler. „Wir müssen den Kampf annehmen“, mahnt Fink vor der Partie gegen Ex-HSV-Trainer Huub Stevens, der so was wie das Gegenteil zu Fink darstellt. Immerhin ist Stevens ein Verfechter des Zu-Null-Spielens, der dem Ergebnis alles unterordnet. Auch die Attraktivität des eigenen Spiels, während Erstgenannter auf Ballbesitz und Kombinationsfußball drängt. Oder besser gesagt: drängte. Denn auch Fink ist nach der desolaten Vorstellung in Düsseldorf aufgewacht: „Wir haben gedacht, in Düsseldorf packen wir das mit schönem Fußball. Aber das geht nicht. Mit 90 Prozent verlieren wir.“ Sogar gegen eine Mannschaft wie Düsseldorf, die alles andere als einen guten (dafür aber glücklichen) Tag erwischt hatte. „Wir sind nicht 100 Prozent gegangen und waren überrascht, dass sich Düsseldorf rein aufs Kontern verlegt hatte. Das kannten wir so nicht“, resümierte Fink abschließend.

Anschließend sollte es nur noch um den Blick nach vorn gehen. Vier Spiele Schalke, in Wolfsburg, gegen Hoffenheim, und dann auswärts in Leverkusen – stehen an. Wie viele Punkte der HSV da holen muss, nachdem aus den letzten drei Spielen nur vier statt der von Fink avisierten sieben Punkte geholt wurden? „Ich nennen leine Zahl. Ich fand sieben Punkte sehr realistisch. Und jetzt müssen wir zusehen, aus den vier Spielen noch einige Punkte zu holen.“ Auch wenn eher der jeweilige Gegner (Hoffenheim ausgenommen) der Favorit ist. Fink „Wir haben zu Hause gegen Dortmund gewonnen – damit war auch nicht zu rechnen. Deshalb, im Fußball ist es doch immer so: Wenn man nicht mit Punktgewinnen rechnet, holt man sie. Und andersrum – wie in Düsseldorf.“ Insofern müsste der HSV, dieser Rechnung nach, noch neun Punkte aus den letzten vier Spielen holen. Sollte Hoffenheim tatsächlich unmittelbar vor dem Gastspiel in Hamburg den Trainer wechseln – was ich Markus Babbel und dem HSV nicht wünsche – müssten es der Fink’schen Gleichung nach sogar 12 Punkte werden…

Aber okay, zurück zur Ernsthaftigkeit. Und die ist ob der 17 bisherigen Punkte durchaus gegeben, nachdem sich jetzt auch Son und van der Vaart verletzungsbedingt abmelden mussten. Wie bereits erwähnt, wird Arslan die Rolle van der Vaarts übernehmen. Dafür rücken entweder Tomas Rincon oder – ACHTUNG JU aus Q!! – Per Skjelbred ins defensive Mittelfeld. Es wäre das erste Mal Startelf seit dem 25. August für den Norweger. „Tomas muss sich am Finger operieren lassen und fällt danach zwei Spiele aus“, erklärt Fink seine Gedankenspiele, „daher überlege ich, Per zu bringen, damit der sich einspielen kann.“

Im Abschlusstraining (Taktische Passübung, Kreisspiel, kurze Sprints und Abschlussspiel über den halben Platz binnen 62 Minuten) ließ sich Fink nicht wirklich in die Karten schauen. In der A-Elf spielten Badelj, Arslan, Skjelbred und Tesche im Mittelfeld vor der Viererkette Diekmeier/Westermann/Mancienne/Aogo. Und ich bin kein Prophet, wenn ich voraussage, dass das nicht das Mittelfeld gegen Schalke sein dürfte. Ebenso wenig wie Berg, der ebenso in der vermeintlichen A-Elf agierte.

Allerdings, selbst in der Viererkette deutete Fink mögliche Veränderungen an. „Hinten bleibt alles gleich“, so Fink auf die Frage, ob Jeffrey Bruma Michael Mancienne ersetzen könnte, zunächst eindeutig, um dann zu relativieren: „Wahrscheinlich jedenfalls. Aber da möchte ich mir noch etwas offenhalten.“ Immerhin kommt mit Klaas-Jan Huntelaar Brumas Landsmann nach Hamburg. Sollte Bruma den ausschalten können, wäre das nicht nur gut für das HSV-Spiel, sondern auch für das Prestige des niederländischen HSV-Verteidigers in seinem Heimatland. Speziell bei Bondscoach Louis van Gaal, der ihn zuletzt in die U-21-Nationalelf geschickt hatte.

Klar ist dagegen, dass Marcell Jansen nach auskurierter Verletzung (Knieprobleme) wieder in die Startelf rückt. „Er wird spielen“, so Fink, der Jansen links offensiv spielen lassen dürfte, damit Maxi Beister, der für mich in Düsseldorf erstmals ansatzweise (den Kurzeinsatz in Freiburg nicht mitgerechnet) das Engagement und den Mut an den tag legte, den ich mir von ihm eigentlich immer erhoffe, von links auf rechts (für Son) wechseln kann. Insofern ergäbe sich folgende Startelf: Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Aogo – Badelj, Rincon (Skjelbred) – Beister, Arslan, Jansen – Rudnevs. Warum ich Rudnevs Nominierung nicht erwähnt habe? Ganz einfach: Weil es zuletzt gehüpft wie gesprungen war, ob Rudnevs oder Berg aufliefen. Beide Angreifer stellten unter Beweis, dass sie so nicht helfen können.

„Rudi wird spielen“, legte sich Fink bereits fest. Zumal der Lette zu der Sorte Fußballer gehört, auf die es gegen Schalke ankommen könnte. „Ich erwarte von uns spielerisch kein super Spiel“, so Fink, der nicht müde wird, seinen Jungs einzubläuen: „Wir müssen versuchen, Schalke weh zu tun. Wir müssen ihnen den Schneid abkaufen. Sie hatten zuletzt einige Englische Wochen, von daher müssen wir sie unter Druck setzen.“ Mit Einsatz. Und Leidenschaft. „Wir wissen, dass wir einen van der Vaart auf Sicht nicht ersetzen können. Wir müssen es mit anderen Mitteln lösen.“

Ich bin gespannt. Getippt habe ich jedenfalls auf einen 2:1-Heimsieg. Trotzdem.

In diesem Sinne, bleiben wir optimistisch. Vielleicht hilft das ja.

Bis morgen.
Scholle