Tagesarchiv für den 24. November 2012

Van der Vaarts Ausfall tut weh

24. November 2012

HSV-Niederlagen am Freitag in der Bundesliga müssten verboten werden. Weil sie das ganze Wochenende versauen. Mir jedenfalls geht es so. Maximal zwei Stunden habe ich nach diesem grottigen HSV-Auftritt in Düsseldorf geschlafen. Und der Hals ist immer noch dick. Wie, so frage ich mich, kann man so schlecht spielen, wenn man die Chance hätte, weiter nach oben zu kommen? Mir will ein solcher Auftritt nicht in den Kopf, aber mitunter tröste ich mich damit, dass ich mir sage: „Sie können es eben nicht besser.“ Obwohl doch einige „Stars“ schon bewiesen haben, dass sie es einmal konnten. Zu satt? Zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt? Die Raute immer noch nicht verinnerlicht? Und auch noch nicht begriffen, dass der HSV und auch die Stadt Hamburg etwas ganz Besonderes ist in dieser Liga, für das es sich sehr wohl lohnen würde, sich den Hintern aufzureißen. Jedenfalls einmal in der Woche für 90 Minuten. Mehr wird ja gar nicht verlangt. Oder ist das zu viel verlangt? Sieben Punkte sollten die letzten drei Spiele bringen, vier wurden ist. Ein sehr verdienter in Freiburg, drei schmeichelhafte gegen Mainz 05 – und dann dieses trostlose Gekicke am Rhein. Wer da eine Weiterentwicklung erkennen kann, der soll es. Ich sehe in den letzten drei Partien keinerlei Fortschritte des HSV. Die Herren treten auf der Stelle, anstatt Gas zu geben.

Ich habe dazu auch viele private Mails erhalten. Einhelliger Tenor der Absender: „Warum tue ich mir das alles noch an? Warum tue ich mir diesen HSV, der nichts gelernt hat, immer noch an?“ Und ich kann diese desillusionierten Fans längst und durchaus verstehen, ich bringe inzwischen jede Menge Verständnis für sie auf. Weil es längst zum Verzweifeln ist – und auch alle Zweifel sind restlos verdient. Auch ich bin bedient. Restlos. Mal wieder. Weil Fußball doch eigentlich ganz anders geht, als ihn der HSV zu interpretieren versucht. Nur wer sagt es den hochgezüchteten „Stars“, die ja leider von allen Seiten immer nur in Watte gepackt werden?

Die Zeiten werden wieder härter. Allein schon deshalb, weil Rafael van der Vaart nun bis zum Jahresende ausfallen dürfte. Am Sonntag soll zwar erst eine Kernspintomographie Aufschluss über die Schwere der Verletzung des Niederländers bringen, aber „Rafa“ selbst hat sich schon eine heftige Diagnose gestellt: „Es ist keine Verletzung, mit der man in einer Woche wieder spielen kann. Es wird schwer, dieses Jahr nochmal zu spielen.“ Vom Hohn und Spott der Fortuna-Fans begleitet humpelte Rafael van der Vaart mit der Kulturtasche unter dem Arm in Richtung Mannschaftsbus, als er noch befand: „Die Verletzung schmerzt mich mehr als diese Niederlage.“ Es wird ein Muskelfaserriss im hinteren rechten Oberschenkel vermutet. Besonders alarmierend: Ohne van der Vaart blieb der HSV, der vor den abschließenden drei Sonntagsspielen noch auf Platz neun steht, in dieser Saison ohne Torerfolg!

Und allein deshalb dürfte es ganz sicher wieder sehr schwer werden. Neben Petr Jiracek nun auch der Ausfall des „kleinen Engels“. Und fast hätte es auch Milan Badelj erwischt, denn er verletzte sich in Düsseldorf am Knöchel (an dem er einst operiert worden ist). Heute aber gab es Entwarnung, die Hoffnung darauf, dass Badelj am Dienstag gegen Schalke 04 doch dabei ist, die ist enorm gestiegen – so auf etwa 70:30. Sollte aber auch Badelj noch passen müssen, dann stünde plötzlich „der HSV der ersten Stunde“ (nämlich dieser 50. Bundesliga-Saison), dem sämtliche Experten des Landes eine äußerst schwere und brisante Spielzeit prophezeit hatten, in der Verantwortung. Aber ich will nicht ganz so schwarz malen, denn auch Schalke ist zurzeit ja nicht gerade in Bestform. Damit versuche ich mich bis Dienstag um 20 Uhr zu trösten.

Was mich bewegt, das ist auch diese Aussage von van der Vaart: „Fortuna war sehr schlecht. Es ist bitter, dass man gegen so eine Mannschaft verliert.“ Er wird nun Zeit genug haben, über seine Situation nachzudenken, auch darüber zu befinden, was mit dieser Mannschaft los ist – woran es hapert, was hier falsch läuft, ob es einen Fehler im System gibt, was dazu führt, dass der HSV ohne Herz und Leidenschaft und dazu noch ideenlos und ohne Aggressionen in ein solches Spiel geht? Wahrlich: Fragen über Fragen. Und es soll mir von den Verantwortlichen nun bitte niemand erklären, dass es zuletzt doch ganz gut gelaufen ist – drei Spiele, vier Punkte. Da war auch viel Glück auf der Seite des HSV, und nicht immer nur die ganz hohe Fußballkunst mit im Spiel (wie es uns so gerne immer und immer wieder verkauft wird). Ich erinnere mich spontan an den 29. September zurück, als ich mit einem ganz großen Altinternationalen des HSV vor dem Spiel gegen Hannover 96 den Volkspark betrat. Er fragte mich: „Und, wie geht es aus?“ Ich: „Wer gegen Dortmund gewinnt, der gewinnt auch gegen 96.“ Er blieb abrupt stehen und fragte mich: „Was bist du den für ein Amateur? Hast du nicht gesehen, dass es in den letzten zehn Minuten gegen Dortmund statt eines 3:2 für den HSV auch ein 3:7 für den BVB hätte geben können?“
Ich gab kleinlaut zu, dass es mir sehr wohl nicht verborgen geblieben ist . . .

Nestbeschmutzer? Oder Realist? Das überlasse ich euch. Sehr gerne sogar.

Zurück zum HSV Ende November. „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir auch Rafas Ausfall mal verkraften“, sagte Maximilian Beister nach seiner missglückten Rückkehr an den Rhein. Trainer Thorsten Fink sprach von einem „pomadigen Auftritt“ seiner Mannschaft. Das ist stark untertrieben – in meinen Augen. Kapitän Heiko Westermann kritisierte nach der blutleeren Vorstellung derweil die Einstellung seiner Teamkollegen: „Wenn man ins Spiel geht, und glaubt, dass man locker spielen kann, geht das nicht.“ Mit Blick auf den Ballverlust von Heung-Min Son vor dem 0:1 von Kruse sagte der HSV-Kapitän noch: „Ich kann es nicht verstehen, warum man nicht einfach Fußball spielt. Düsseldorf hätte nie ein Tor geschossen.“ Dass Westermann beim 0:2 seine Aktien mit drin hatte, war allerdings auch unübersehbar. Er sagte aber nur kurz: „Da spielen wir sieben gegen zwei. Das darf nicht passieren.“

Es war aber ein total verkorkster Tag, dieser 23. November 2012. Denn die „Stars“ hatten nicht nur die Niederlage zu verdauen, sondern auch eine äußerst unruhige Nacht in ihrem Düsseldorfer Hotel. Weil ein Feuerlöscher missbräuchlich eingesetzt wurde (es sollen drei HSV-Fans gewesen sein!), war gegen 4.30 Uhr ein Fehlalarm ausgelöst worden. Alle Gäste mussten das Gebäude in der Nacht zum Sonntag für 20 Minuten verlassen – dieser Zwischenfall rundete einen legendären Betriebsausflug des HSV noch einmal zusätzlich ab. Wahnsinn.
Apropos Wahnsinn. Was sich da gestern einige HSV-Fans in Düsseldorf wieder geleistet haben, ist eine absolute Katastrophe. Ich wiederhole das: eine absolute Katastrophe. Und eine unglaubliche Frechheit gegenüber allen HSV-Fans, die wegen eines Fußballspiels ins Stadion gehen, nicht wegen einer Feuerwehrübung. Ich will dieses leidige Thema gar nicht mehr groß thematisieren, ich möchte diesen Herren nur einmal eines vor Augen halten: Diesmal waren es nur eure Fahnen. Und es flossen Tränen. Was passiert aber, wenn statt der Fahnen ein Mensch dort auf der Tribüne verbrennt? Sind diese bengalischen Fackeln wirklich so harmlos, wie die Leute, die so gerne zündeln wollen, behaupten? Bitte einmal nachdenken. Obwohl, indem ich dieses Wort nachdenken schreibe, verliere ich schon wieder den Mut. Wer mag denn nachdenken, von diesen Herren? Wer? Dazu hätten diese feinen Herren doch schon ganz, ganz lange die Zeit gehabt –aber sie habend diese Zeit immer großkotzig verstreichen lassen. Also weiter so. Auf die nächsten Fahnen. Es muss aber wohl erst der erste Mensch brennen oder verbrennen, bevor dieser Wahnsinn beendet wird.

Ganz kurz zu einem viel netteren Thema. Beim „Matz ab live“ gestern aus dem „Champs“ in Schnelsen waren auch 20 „Matz-abber“ dabei. Diese Damen und Herren feierten den ersten Geburtstags des „OFC Matz ab“ – und überreichten „Scholle“ und mir ein ganz besonderes Geschenk. Handarbeit! Ganz toll. Vielen, vielen Dank dafür, auch im Namen von „Scholle“, an die User, die uns diese Überraschung bereitet haben – wirklich eine große Freude für uns, danke, danke, danke. Und liebe Grüße an „el Presidente“, das ist „Benno Hafas“, der zurzeit noch die Sonne über Teneriffa genießen kann. Gute und gesunde Heimkehr. Und nochmals ein ganz dickes und großes Dankeschön. Und noch ein solches Dankeschön schnell noch an HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke und auch an „Lotto King Karl“. Beide waren unsere „Matz-ab-live“-Gäste und waren dafür verantwortlich, dass diese „Sendung“ sehr, sehr viel Lob erhalten hat. Einige (aber nicht wenige) haben sogar gesagt, dass es unsere beste Sendung gewesen sein soll. Wer es also noch nicht gesehen haben sollte – es würde sich lohnen.
So, ich bin am Ende. Vorerst. Und fiebere schon dem Schalke-Spiel entgegen. Wie geschrieben: Schalke ist ja auch nicht mehr das, was es noch vor Wochen war. Oder? Die Hoffnung stirbt doch auch im Volkspark zuletzt. Das gilt auch für jene Herren, die mal über ihre Zündelversuche nachdenken sollten. Würde einige Tränen ersparen.

PS: Morgen, am Sonntag, wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert. Eventuell aber bleiben die Spieler in der Arena, trainieren also in den Katakomben und nicht unter den Augen der Fans.

18.51 Uhr

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