Tagesarchiv für den 23. November 2012

0:2-Pleite in Düsseldorf – grausam!

23. November 2012

Dieses Spiel darf man nicht verlieren, dieses Spiel durfte man nicht verlieren, weil der Gegner wirklich nicht besser war – aber der HSV macht es möglich. Diese 0:2-Niederlage beim braven und biederen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ist ganz bitter – und sie tut wirklich, wirklich weh. Der HSV präsentierte sich wie eine Graue Maus am Rhein, er hätte noch Stunden spielen können – ein Tor wäre ihm niemals gelungen. Das war ein fußballerischer Offenbarungseid, obwohl die Anfangsphase noch ganz passabel aussah. In dieser Form muss sich der HSV eher wieder in den unteren Regionen umsehen, dass die Klubs von unten nicht zum Überholen ansetzen, in dieser Verfassung ist der HSV eben nur Mittelmaß und nicht mehr. Quo vadis, HSV? Jetzt kommt am Dienstag Schalke 04 in den Volkspark, was wird das dann wieder abgeben. Es gelingt dem HSV nicht, seine Berg-und-Tal-Fahrt zu beenden, es ist so etwas wie Konstanz einfach nicht in Sicht. Tragisch! Und unterirdisch.

Es war wie beim Spiel in Mönchengladbach: Der HSV übernahm die Initiative, der HSV drängte (wenn man es wohlwollend ausdrücken mag), aber er brachte nichts zustande. Weil oftmals nach den besten Aktionen im Mittelfeld dann der letzte, der finale Pass nicht ankam. Bitter für den HSV, aber es wurde auch einfach zu ungenau gespielt. So macht man sich das eigene Spiel zunichte. Was nützt die Überlegenheit, wenn man nicht zum Abschluss kommt. In den ersten 40 Minuten schoss nur einmal Milan Badelj auf das Fortunen-Tor, zielte aber meilenweit (gefühlt war es die Eckfahne) daneben. Das war kein Spaß-Fußball, das war einfach nur verkrampft – und teilweise auch schlecht.

Düsseldorf stand ganz tief hinten drin, lauerte auf Konter, wollte offensichtlich auch durch Standards gefährlich vor das HSV kommen. Das gelang vornehmlich durch Ecken auch gut. Ohne allerdings gefährlicher zu sein, als der HSV. Das Spiel plätscherte ohne große Höhepunkte vor sich hin, Farbe war in diese Partie lediglich vor dem Anpfiff gekommen, als einige HSV-Fans in ihrem Block Feuer entfachten (und ihre Fahne verbrannten). Da kommt doch Freude auf! Bei der DFL, die den HSV wieder kräftig zur Kasse bitten wird. Aber es trifft ja keinen Armen, und die Fans hatten ihren Spaß – der völlig ungefährlich aussah. Natürlich. Völlig ungefährlich. Sowie der HSV.

Trainer Thorsten Fink hatte diesmal Marcus Berg in die Spitze beordert, dafür blieb Artjoms Rudnevs auf der Bank. Die Erklärung: Fink erwartete die Düsseldorfer stark defensiv, und da sollte Berg als „Strafraumstürmer“ auf seine Chancen lauern. Er lauerte vergeblich, weil der HSV kaum einmal bis in den Fortuna-Strafraum kam.

Die härteste Szene in der ersten Halbzeit war die in der 20. Minute. Düsseldorfs Keeper Giefer sprang gemeinsam mit Rafael van der Vaart zum Ball, bei der Landung (der beiden Spieler) schlug der Torwart mit dem rechten Fuß gegen den rechten Oberschenkel des Niederländers. Unabsichtlich? Oder eine Tätlichkeit? Van der Vaart ging zu Boden, ließ sich behandeln, beschwerte sich dann bei den Schiedsrichtern ob des Trittes. Ohne Wirkung bei den Unparteiischen zu hinterlassen. Aber der Tritt hatte ganz offenbar seine Wirkung nicht verfehlt, denn in der 29. Minute brach van der Vaart mitten im Lauf zusammen, fasste sich an genau die Stelle, die zuvor Giefer getroffen hatte – und dann musste der HSV-Kopf ausgewechselt werden. Für ihn kam Tomas Rincon, Tolgay Arslan wechselte auf die Van-der-Vaart-Position. Welch eine Schwächung für den HSV. Der danach leicht ins Trudeln kam . . .

In der 41. Minute sprangen die meisten Fans im „Champs“, aus dem wir gleich „Matz-ab-live“ senden werden, in die Höhe und jubelten. 1:0 fü den HSV? Leider nein. Der Freistoß von Dennis Aogo wurde verlängert, und am langen Pfosten stand Michael Mancienne, der die Kugel ins Netzt beförderte, leider im Abseits. Welch ein Drama! Alle hätten sie dem Engländer dieses Tor gegönnt. Pech hatte Maximilian Beister in seiner besten Szene, als er den Ball aus 16 Metern um Zentimeter am Tor vorbei schoss – Giefer war offenbar noch dran, es gab einen Eckstoß für Hamburg, aber eben kein Tor. Ganz, ganz bitter.

Und dieser Treffer, der in den letzten Minuten des ersten Durchgangs in der Luft lag, den schossen die Fortunen, die bis dahin kaum etwas für das Spiel getan hatten. In der Nachspielzeit wurde es doppelt bitter. Erst spielte Heung Min Son die Kugel in die Reihen der Düsseldorfer, dann lief der Konter – und als Kruse schoss, grätschte Mancienne in die Flugbahn des Balles und fälschte ihn unhaltbar ins kurze Eck ab. Rene Adler, der den Schuss gehalten hätte, blieb ohne Chance. So wurde aus einem klaren 0:0 zur Pause leider ein (ungerechter) Rückstand. So unverdient kann Fußball auch sein. Obwohl ich eines nicht beschönigen will: Der HSV spielte alles andere als brillant, im Gegenteil. Er ließ den Ball in den ungefährlichen Zonen laufen, aber dann, wenn es ernst wurde, dann versagten sie alle kläglich. Kläglich! Wahnsinn.

In der Halbzeit muss Thorsten Fink die richtigen Worte gefunden haben, denn der HSV kam wieder ins Spiel zurück. Mit Wut im Bauch, mit dem Willen, es zu zwingen. Es ging meistens in eine Richtung – in Richtung Düsseldorfer Tor. Berg hätte es schaffen können, Berg hätte treffen müssen – wenn er nach Arslan-Zuspiel seinen linken Fuß aus sechs Metern genommen hätte – statt des rechten. Aber vorbei – es gab nur Ecke. Das wäre die Wende gewesen (50.). Aber das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Reisinger tanzte Heiko Westermann und Mancienne aus und ließ Adler keine Chance – 2:0 in der 64. Minute. Fünf Minuten vorher hatte der Ball schon wieder im Düsseldorfer Tor gelegen, als Westermann einen abgefälschten Freistoß ins Netzt befördert hatte, aber Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) war nicht entgangen, dass Berg einen Düsseldorfer aus der Mauer zu kräftig beiseite geschoben und gezerrt hatte. Das war Pech, aber es war auch Dummheit von Berg. Die sofort bestraft wurde. Was für ein Abend!

Aber diesen Rückschlag hat der HSV selbst zu verantworten. Das war einfach, so krass muss man es sagen, zu schlecht. Natürlich war es Pech, dass Rafael van der Vaart raus musste, aber das allein kann es nicht sein. Da hätte sich schon mal der eine oder andere Hamburger aufbäumen und wehren können. Müssen! Das ist alles viel zu wenig. Wischi-Waschi-Fußball. Aber den dann vom Feinsten.

Die Einzelkritik:

Rene Adler blieb beschäftigungslos – und bei den Toren chancenlos. An Tagen wie diesen ist eben auch mal ein Wundermann überfordert.

Dennis Diekmeier begann offensiv vielversprechend, ließ aber einige Flanken von links zu – steigerte sich dann defensiv und ließ nach vorne nach. Note vier.

Michael Mancienne war wieder stark, er hat es gepackt, er kann Bundesliga, das beweist er seit Wochen konstant und gut.

Heiko Westermann mühte sich, legte sich ins Zeug, versuchte sich auch als Ankurbler, aber er fand wenig Gegenliebe bei den Kollegen dort vorne – sie können es offensichtlich nicht so, wie wir alle es uns erhofft haben.

Dennis Aogo marschierte von Beginn an mächtig nach vorne, flankte auch einige Male – aber es fand sich nie ein Abnehmer. Die Leistung des Links-Verteidigers war absolut in Ordnung.

Milan Badelj präsentierte sich mit Licht und Schatten, nach gutem Beginn tauchte er oftmals ab und war nur ein Mitläufer. Er kann es besser.

Tolgay Arslan fand auf der Sechs nie so wie gewohnt ins Spiel, und auch als Van-der-Vaart-Vertreter trat er kaum in Erscheinung. Er ging mit unter.

Heung Min Son war eine glatte Sechs. Er traf immer die verkehrte Entscheidung ins einem Spiel, das war nichts, das war nur ein Totalausfall.

Rafael van der Vaart hatte einige gute „Dinger“ drauf, aber die frühe Verletzung nahm ihm und dem HSV die Kraft. Die Verletzung sah schlimm aus, ich befürchte einen Riss, und der würde einige Wochen Pause bedeuten. Ganz, ganz bitter.

Maximilian Beister wollte an alter Wirkungsstätte, aber er konnte nicht. Weil er zu viel auf einmal wollte, er wirkte überhastet und nie im Spiel.

Marcus Berg stand nur auf dem Papier in der Mannschaft, nicht aber auf dem Platz. Ein ganz, ganz bitterer Auftritt. Für einen, der sich in die Elf kämpfen wollte (und könnte), war das null!

Tomas Rincon kam für van der Vaart, räumte auf seine Art kräftig ab – mehr geht nicht.

Artjoms Rudnves kam in der 74. Minute für Badelj, bewirkte aber nichts – und vergab die letzte Chance per Kopf auch kläglich..

Robert Tesche kam in der 85. Minute für Arslan, aber was sollte er noch machen?

PS: Jetzt gleich Matz-ab-live!!! Mit Joachim Hilke und Lotto King Karl

22.30 Uhr

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