Tagesarchiv für den 22. November 2012

AKTUALISIERT: Fink setzt auf Berg statt Rudnevs in Düsseldorf

22. November 2012

Was soll er auch groß sagen? Als Dennis Diekmeier heute zu uns in die Runde kam, war allen klar, dass es taktisch und auch generell zum Spiel in Düsseldorf nicht mehr viel zu sagen gibt. Kompakt stehen, die Null halten, gegnerische Konter vermeiden und selbst seine Angriffe effektiv nutzen – alles schon gesagt. „Wir wissen selbst, dass sich alles wiederholt. Denn wir müssen auch in Düsseldorf wieder an unsere Grenzen gehen. Ansonsten wird es nichts. Das Einzige, was sich nicht wiederholt sondern verbessert, ist dann der Tabellenplatz.“ Und das Selbstvertrauen. Ob die Mannschaft ob der jüngsten Erfolge an Selbstsicherheit gewonnen hat? „Wir stehen hinten sehr gut. Wir wissen, dass wir die Null halten können. Zudem wissen wir, dass wir vorn immer für ein Tor gut sind. Wie gegen Mainz. Und so kann man jedes Spiel gewinnen. Das gibt einem schon ein besseres Gefühl.“ Dennoch gehören Siege nicht zum Selbstverständnis dieser Mannschaft. Was auch ein Vorteil sein kann. „Der Grat zwischen sicher sein und Überheblichkeit ist sehr schmal“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „und wir sind noch auf dem Weg. Das ganze Gebilde ist noch sehr fragil. Wir müssen uns erst noch festigen. Und dafür müssen wir die nächstens eineinhalb Monate nutzen. Wir müssen den Moment so lange festhalten, wie es nur irgendwie geht. Deshalb ist es gar nicht schlimm, wenn sich alle noch ein paar Wochen daran erinnern, woher wir kommen.“

Stimmt.

Ich weiß nicht mehr genau, wer es mir vorwerfen wollte, aber die Tatsache, dass der HSV für eine Nacht auf einen Europa-League-Platz vorrücken könnte, hat weder bei mir noch bei irgendwem sonst im HSV eine übermäßige Euphorie ausgelöst. Es ist schlichtweg ein Fakt. „Natürlich war das vor ein paar Wochen für uns hier fast undenkbar“, sagt Diekmeier, „aber es ist für uns heute auch nicht mehr als ein Antrieb, weiter und immer wieder 100 Prozent zu geben.“ Schließlich, und das fügt Diekmeier hinzu, kommen nach Düsseldorf mit Schalke, Wolfsburg und Leverkusen noch drei Teams, die sich in Topform befinden. „Deswegen sollten wir zunächst das nächste Spiel gewinnen. Danach könnten wir uns zumindest diesen Spieltag gemütlich von der Couch ansehen.“

Das hätten sie sich dann auch verdient. Und auch für Sportchef Frank Arnesen würde ein Sieg in Düsseldorf die Arbeit erleichtern. Noch immer muss der Sportchef versuchen, im Winter Einsparungen in Höhe von mindestens 6,4 Millionen Euro zu erzielen. Soll heißen: Spielergehälter einsparen und Transfersummen erlösen, die zusammen den betrag ergeben. Am besten sogar noch etwas mehr, um im Winter für den Angriff noch mal nachzulegen. „Wir haben eine klare Vorgabe vom Aufsichtsrat und haben die Zahlen intern besprochen. Daran halten wir uns.“ Soll heißen: es muss verkauft werden. „Gute Leistungen machen unsere Spieler interessanter“, so Arnesen, wissend, dass sich die Topklubs dann eher für die Stamm- und weniger für die Reservespieler interessieren werden. „Wir wollen keinen Spieler abgeben, der uns besser macht. Aber um Angebote ablehnen zu können, müssen wir finanziell gesund sein. Die finanzielle Situation wird immer entscheidend sein.“ Und da habe der HSV aktuell noch einen langen Weg vor sich. Ob es aktuell schon Angebote für Spieler gibt? „Es kommen immer wieder Berater, die mir von interessierten Klubs berichten. Aber noch nichts Konkretes“, so Arnesen, der hofft: „Aber das wird spätestens Anfang Dezember losgehen.“

Auf der internen Streichliste stehen weiterhin die bereits häufiger genannten Kandidaten Slobodan Rajkovic, Robert Tesche, Per Skjelbred, Jaroslav Drobny und Marcus Berg. Letztgenannter feiert nun in Düsseldorf etwas überraschend seine Startelfrückkehr. Berg ersetzt in Düsseldorf Rudnevs. Zuletzt stand der Schwede am ersten Spieltag gegen Nürnberg beim 0:1-Auftakt in der ersten Elf. Jetzt kann sich der Schwede empfehlen. In- wie extern. „Der Trainer hat mich gefragt und ich habe ihm gesagt, dass ich topfit bin. Ich habe diese Woche gut trainiert“, so Berg, der heute im Abschlussspiel für die A-Elf auflief. „Wir haben in den nächsten Wochen drei Spiele. Da ist das sicher eine Überlegung“, versuchte Fink eine klare Antwort zu umgehen.

Ähnliche Worte wählte der Chefcoach heute auch im Abschlusstraining. Da mahnte er: „Wir haben in der nächsten Woche drei Spiele – also seid motiviert und bleibt dran. Ihr könnt euch her im Training empfehlen. Jeder kann eingewechselt werden.“ Dass er nur ein paar Minuten später das Trainingsspiel unterbrach und mehr Einsatz forderte – es spricht (auch) nicht für die zweite Reihe. Allerdings stand heute das Taktische im Vordergrund. Zu intensiv war es nicht. Selbst das Abschlussspiel wurde auf stark verkürztem Feld gespielt.

Klar ist: Düsseldorf muss gewinnen, um den Anschluss an die Klasse sichernden Plätze zu halten. Frank Arnesen ist froh über den Zeitpunkt des Gastspiels in der Esprit Arena. „Am Anfang wäre es hart gewesen. Da lebten die Düsseldorfer noch von der Euphorie, das Jahr zuvor sehr viel gewonnen zu haben. Insofern ist der Zeitpunkt für uns gut.“ Allerdings relativiert sich das auch schnell wieder. „In einer Woche haben wir dafür Wolfsburg. Die wären vor ein paar Wochen vielleicht etwas anfälliger gewesen. Insofern gleicht sich das alles aus.“

Stimmt. Zudem machen derlei Rechnungen meist wenig Sinn.

Über Sinn und Sinnlosigkeit wurde zuletzt auch im Zusammenhang mit der kaputten Stadionuhr diskutiert. Es wurde sogar abgestimmt. Poschmann würde sagen 60 Prozent waren für die Neubeschaffung einer Stadionuhr. Das Ergebnis wurde auf hsv.de veröffentlicht. Dort heißt es: „Durch diese Abstimmung und die zahlreichen Gespräche mit vielen Vereinsvertretern, Mitglieder und Fans haben wir uns dazu entschlossen, eine neue Uhr zu installieren“, gab Vorstand Oliver Scheel bekannt. Im nächsten Schritt sollen nun alle technischen und preisrelevanten Dinge geklärt werden. Wann die Umsetzung im Stadion zu bewundern ist, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich sei aber, dass die neue Uhr zum ersten Heimspiel im Januar in der Nord-West-Ecke wieder installiert sein wird.

Dann, wenn der HSV von Platz sechs aus die Rückrunde angeht. Hoffe ich. Ohne bitte daraus abzuleiten, dass der HSV schon reif für internationale Ränge ist. Im Gegenteil: Dafür fehlt offensiv leider noch zu viel. Das habe ich mehrfach geschrieben. Und das denke ich auch.

In diesem Sinne, dann eben über die Defensive gehen. Spielen wir eben hinten zu Null, und vorne machen wir irgendwie einen. Ist nicht schön, aber eben erfolgreich. Das reicht oft. Huub Stevens hat so schon Titel gewonnen. Ergo: Aogo flankt auf Son, der wiederum auf Berg ablegt. Der Schwede, anschließend umworben von Bayern München, Arsenal London und ganz sicher Liverpool, besorgt den 1:0-Siegtreffer. Der HSV gewinnt, klettert auf Rang zwei der Auswärtstabelle und auf rang sechs im Gesamtranking. Und das durch ein Spiel, in dem der HSV entgegen Finks Forderungen gerade einmal (frei nach Poschi, der mir bitte verzeiht) 33:65 Prozent Ballbesitz hat…

Bis morgen!
Scholle

KURZ NOTIERT:

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Manciennen, Westermann, Aogo – Arslan, Badelj – Son, van der Vaart, Beister – Berg.

Jarolim soll wieder zum HSV

Seit drei Wochen steht Frank Arnesen bereits in Kontakt mit David Jarolim. „Wir würden ihn hier mit offenen Armen empfangen. Er würde perfekt zu uns passen. Er ist ein super Vorbild“, so der HSV-Sportchef, der sich in den nächsten drei Wochen persönlich mit dem Ex-HSV-Kapitän treffen will. Dabei wird es um eine Einbindung in das Nachwuchskonzept gehen. „Er könnte bei uns als Trainer fungieren. Allerdings“, schränkt Arnesen ein, „muss Jaro dafür auch erst einmal bereit sein, mit dem aktiven Fußball aufzuhören.“ Das wiederum will der Tscheche (noch) nicht. „Wir werden uns in den nächsten Tagen unterhalten“, so Arnesen, „und am Ende eine gemeinsame Lösung finden. Da bin ich sicher.“