Tagesarchiv für den 14. November 2012

Otto tritt zurück, Son soll verlängern – und Sala ist verletzt ***Ergänzt: 20. Todestag Ernst Happel***

14. November 2012

Das wird der Veranstaltung am 13. Januar noch mal etwas zusätzliche Brisanz verleihen: Alexander Otto, der Interims-Aufsichtsratsboss wird nicht erneut kandidieren. Ausgerechnet der Mann, der dem Rat in meinen Augen die lange vermisste Seriosität verlieh. Zum Verzicht auf seine Kandidatur gab Otto folgende Erklärung ab:

“Es war für mich eine große Herausforderung und als langjährigem HSV-Fan zugleich eine große Ehre, als ich vor vier Jahren zum Mitglied des HSV-Aufsichtsrats gewählt wurde. Die vier Jahre waren für mich eine bereichernde Erfahrung, die Leidenschaft und das Engagement der Mitglieder und Fans für den HSV zugleich Antrieb und Auftrag.

Ein besonderer Schritt war für mich die Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Ich hatte diese Position nie angestrebt, habe mich aber in einer für den HSV schwierigen Situation für einen befristeten Zeitraum dieser Aufgabe gestellt.

Trotz mancher Rückschläge ist es Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren gemeinsam gelungen, den Grundstein für eine sportlich und wirtschaftlich positive Entwicklung beim HSV zu legen:

• Die Bundesliga-Mannschaft wurde deutlich verjüngt und verfügt über die Substanz, um mittelfristig um die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb mitzuspielen.

• Mit dem Bau des HSV-Campus wird der Verein zudem seine Nachwuchsarbeit weiter optimieren und im Volkspark zentralisieren. Gleichzeitig schafft er damit eine Heimat für seine Mitglieder und Fans.

• Für den Amateursport wurde bereits die Infrastruktur des Trainingsgeländes Ochsenzoll verbessert, u.a. durch den Bau eines Vereinshauses sowie die Schaffung und Sanierung von Kunstrasenplätzen.

• Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke hat der Aufsichtsrat für Kontinuität im Vorstand gesorgt.

• Und bei aller berechtigten Kritik hat der Aufsichtsrat in den letzten Monaten entschlossenes Handeln und Geschlossenheit nach außen bewiesen.

Die Fortschritte in der Entwicklung des HSV sind klar erkennbar und die Richtung ist vorgegeben. Die Ablösung des Stadionkredits und neue Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen dem HSV zudem in absehbarer Zeit größere finanzielle Handlungsräume.

Auch wenn ich vor diesem Hintergrund große Lust hätte, die Zukunft des HSV weiter aktiv mit zu gestalten, lassen meine beruflichen Aufgaben bei der ECE und meine weiteren Verpflichtungen die Kandidatur für eine weitere Amtszeit leider nicht zu. Denn die zeitliche Beanspruchung durch das Mandat ist erheblich.

Ich danke meinen Kollegen im Aufsichtsrat, insbesondere meinen beiden Stellvertretern Manfred Ertel und Eckart Westphalen, für ihre Unterstützung und Loyalität. Ich bleibe dem HSV natürlich auch nach meinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat eng verbunden und werde mich weiter für meinen HSV engagieren.”

Worte, die nachvollziehbar klingen, die zu respektieren und zu akzeptieren sind, die aber zugleich wie ein harter Schlag in die Magengrube schmerzen. Immerhin war es allein Otto, der den im Sommer stark ins Wanken gebrachten Aufsichtsrat wieder auf Kurs brachte. Der Geschäftsmann und Milliardär sorgte mit Ausgewogenheit und Ruhe dafür, dass die Kontrolleure fortan ein einheitliches Bild abgaben. Selbst den existenziellen Transfer von Rafael van der Vaart wickelte Otto mit ab. „Ottos Rückzug ist für uns nicht gut“, sagt HSV-Sportchef Frank Arnesen, „er hat hervorragende Arbeit geleistet. Gerade in der schwierigen Phase war er entscheidend. Dass er nicht weiter kandidiert ist ein Verlust für den HSV.“

Auch wirtschaftlich verliert der Aufsichtsrat und somit der HSV an Kompetenz. „Er wird nicht ganz weg sein“, hofft Arnesen, „Herr Otto hat ja schon gesagt, dass er nicht weg will. Er wird uns weiter mit seinem Wissen und seinem Netzwerk, das wir brauchen, als Helfer zur Seite stehen.“

Dass der frei gewordene Platz mit einem weiteren Sympathisanten der Supporters- und Fan-Fraktion besetzt werden könnte, ist auch Arnesen bewusst. Er sagt: „Wichtig wird sein, dass wir Leute bekommen, die auch Einfluss auf die Hamburger Wirtschaft habe“, fordert Arnesen und scheint Gehör gefunden zu haben. Zumindest ließen Manfred Etel und Co. bereits durchblicken, Kontakt zu einigen Hamburger Wirtschaftsgrößen aufgenommen zu haben. Erster Kandidat, der sich offiziell bewirbt, ist Esklepios-Geschäftsführer Christian Strauß. Zudem laufen Gespräche mit weiteren Hamburger Wirtschaftsgrößen, wie Ertel beteuert.


Gespräche wird es auch in absehbarer Zukunft mit Heung Min Son geben. Der Südkoreaner, dessen Vertrag noch bis 2014 läuft, soll seinen Kontrakt nach Möglichkeit schon sehr bald vorzeitig verlängern. „Ich werde noch diese Woche erste Gespräche mit Sons Berater führen“, sagt Arnesen. Eile sei allerdings trotz verschiedener kolportierter Angebote großer europäischer Topklubs nicht geboten. „Das kann dauern“, so Arnesen, der vielmehr darauf setzt, dass Son seine Entscheidung für den HSV aus Überzeugung fällt. „Er muss an den HSV glauben. Dafür haben wir im Sommer einen sehr guten Schritt gemacht mit den Verpflichtungen von van der Vaart, Badelj, Adler und Jiracek. Diese Transfers haben gezeigt, dass wir hier Ambitionen haben“, so Arnesen, der plötzlich sehr konkret wird. Hamburg ist ein großer Verein. Es ist klar, dass wir in der kommenden Saison um die internationalen Plätze spielen wollen. Dieses Jahr wollen wir uns finden, stabilisieren und dann möglichst wenig ändern. Und in der kommenden Saison müssen wir europäisch spielen“, sagt Arnesen und meint damit die Saison 2014/2015. „Damit machen wir es unseren Stützen im Team leichter, nicht weg zu wollen.“

So, wie er es sich bei Son erhofft. Der Angreifer, der neben seinen Toren auch Sponsoren für den HSV bedeutet, ist ein Gesamtrechenwerk. Das gibt auch Arnesen zu. „Natürlich rechnen wir im Vorstand alle Umstände mit ein. Wenn ein Spieler Geld einbringt, kann er auch etwas kosten. Es muss sich aber rechnen. Und Sonni ist erst 20 Jahre alt. Er ist die Zukunft des HSV. Er ist ein Spieler, den wir nicht verkaufen wollen.“

Konträr dazu hat Arnesen inzwischen etliche Gespräche mit den Streichkandidaten geführt. Skjelbred, Tesche, Rajkovic und Berg stehen ganz oben auf dem Zettel der zu verkaufenden Spieler. „Wir haben aktuell 29 Spieler im Kader und wollen uns auf 25 oder 26 verschlanken“, sagt der HSV-Sportchef, wissend, dass es schwer wird, im Winter Spieler abzugeben. Obgleich erste Angebote bereits eingetroffen sind. So soll Berg ein Angebot seiner Landsleute aus Göteborg vom dortigen IFK vorliegen haben. „Ich habe mit vielen Spielern schon im Sommer darüber gesprochen. Damals wollten sie bleiben und ihre Chance suchen und nutzen“, sagt Arnesen und hat Verständnis: „Damals war noch nicht klar, dass wir unmittelbar vor Transferende noch mal Qualität verpflichten würden. Deshalb ist es völlig legitim, dass der eine oder andere Spieler seine Meinung inzwischen revidiert hat.“

Sollte Berg abgegeben werden können und aus den Verkäufen etwas hängenbleiben, soll zudem in die Offensive, genauer gesagt, in den Angriff investiert werden. Ebenfalls nicht mehr ausgeschlossen ist eine vorgezogene Rückholaktion des an den KSC verliehenen Hakan Calhanoglu. „Allerdings will ihn der KSC in der aktuellen Situation seht gern behalten“, so Arnesen, gegen den die Fifa nach „SportBild“-Angaben ob seiner Transferabwicklungen im Sommer nun doch ein Ermittlungsverfahren einleiten will.

Ebenfalls auf dem HSV-Wunschzettel ist der langfristige Verbleib von Jeffrey Bruma. Der Niederländer, der beim FC Chelsea noch bis 2015 unter Vertrag steht, soll Arnesens Wunsch zufolge möglichst nach dieser Saison schon gekauft werden. „Es liegt in Chelseas Händen“, so Arnesen, „sollten die sich dazu entscheiden, Bruma in die erste Mannschaft hochzuziehen, geht er zurück. Alles andre würde aber keinen Sinn machen.“ Soll heißen: sollte Chelsea den 21-Jährigen nicht fürs erste Team vorgesehen haben, sollte er in Hamburg bleiben. Ein Umstand, der mich sehr freuen würde, da ich den Niederländer für den talentiertesten der aktuell im Kader stehenden Verteidiger halte. Kopfball- und zweikampfstark, mit einer guten Spieleröffnung, Robustheit und einer Schnelligkeit ausgestattet, bringt Bruma alles mit, was ein Verteidiger braucht. „Jeff hat wirklich alles“, lobt Arnesen, „und er ist in den letzten Wochen und Monaten auch besser geworden. Allerdings braucht er Spiele. Und dafür muss er solche Leistungen zeigen wie zuletzt in Freiburg. Dann kann aus ihm irgendwann ein ganz Großer werden.“

In Hamburg angekommen ist Artjoms Rudnevs Familie. Sehr zum Wohle des Letten. „Ich habe vorher täglich telefoniert und meine Familie nur über Skype gesehen“, so der Angreifer, „das war nicht gut. Sie haben mir gefehlt.“ Umso glücklicher ist der Lette jetzt. „Nach hause zu kommen und alle in den Arm nehmen zu können tut mir gut. Mir fehlt nichts mehr und ich kann mich endlich voll auf den Fußball und den HSV fokussieren.“ Immerhin ist Hamburg für ihn mehr als nur ein Schritt vorwärts in der Karriere. „Ich will hier die nächsten Schritte machen. Der HSV ist eine große Chance für mich.“ Immerhin ist das Leistungsniveau in der Bundesliga und beim HSV höher als alles, was er bisher erlebt hat. „Es ist körperlicher, schneller – die Bundesliga ist einfach alles in allem besser. Auch für mich.“ Sein nächstes Ziel? „Ich will das Vertrauen des Trainers in mich mit Toren bestätigen.“

Klingt gut. Ebenso wie das Wort Feierabend. Und den mache ich jetzt. Mit einem guten Gefühl für die Saison und der Hoffnung, dass im Winter ausgedünnt und im Angriff personell nachgebessert wird. Aber vor allem freue ich mich auf das Ewig-Duell der Deutschen gegen die Niederlande heute Abend. Mal sehen, was wir mit unserer absagegeplagten Mannschaft gegen den Großkotz van Gaal reißen können. Und natürlich auf das U21-Spiel der DFB-Junioren mit Arslan, der gerade mit einer Energieleistung und einer Menge Übersicht das 1:0 (20.) vorbereitet hat, sowie natürlich mit Beister und Calhanoglu gegen die Türkei.

In diesem Sinne, uns allen einen schönen Fußballabend! Bis morgen um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

Scholle

Zum Abschluss des Blogs möchte ich an dieser Stelle noch einmal dem großen Ernst Happel gedenken, der heute seinen 20. Todestag hat. Weil er es mehr als verdient hat. Möge er in Friede ruhen.

P.S.: Verletzt vom U21-Länderspiel seiner Italiener kehrte Jacopo Sala zurück. Der italienische Allrounder zog sich am Dienstag im Spiel gegen Spaniens Nachwuchs eine Wadenverletzung zu und wird vorläufig ausfallen.