Tagesarchiv für den 12. November 2012

Aus zwei mach’ eins – kombinieren wir Son und Rudnevs!

12. November 2012

Es ist wie immer: Urlaub ist extrem kurzweilig. Die Tage haben plötzlich nur noch gefühlt fünf Stunden. Und während man quasi noch in den Urlaubsvorbereitungen zu stecken scheint, sitzt man auch schon wieder im Büro. Genau so erging es mir. Allerdings muss ich zu meinem großen Glück sagen, dass ich einen Job habe, auf den ich mich tagtäglich freue. Mal mehr und mal etwas weniger – aber zumindest heute am ersten Tag kann ich sagen, dass ich meine Akkus aufgeladen und wieder richtig Bock habe. Auf das Abendblatt – und auf diesen Blog! Insofern: los geht’s!

Leider mit einem trainingsfreien und somit eher ereignisarmen Tag. Heute haben mal alle HSV-Verantwortlichen frei. Erholen vom kampfbetonten Spiel in Freiburg, über das Ihr hier immer noch fleißig diskutiert. Vor allem der Platzverweis von Paul Scharner wird hier sehr kontrovers gesehen. Dabei schien die Sache für mich ebenso klar, wie sie Mannschaftskollegen, Trainer und Scharner selbst anschließend analysiert haben: so etwas darf ihm nicht passieren. Taktische Fouls sind sicherlich mal notwendig. Aber zwei davon bedeuten nun mal gelbrot. Und das hätte auch ein Scharner wissen müssen. „Ich hätte routinierter handeln. Ich bin von meinem Auftritt selbst enttäuscht.“

Soweit würde ich dann aber nur ob des Platzverweises gehen. Der Rest mutete gut an. Scharner ist ein bissiger, guter Zweikämpfer mit ausreichend fußballtechnischen Qualitäten. Das hat er im Training bewiesen und auch im Spiel andeuten können. Der eigenwillige, ehrgeizige Österreicher, der laut medizinischer Abteilung mehr trainiert als nach menschlichem Ermessen möglich, muss sich jetzt dennoch hinten anstellen. Leider für ihn. Denn mit Bruma, der seine Sache als Scharner-Ersatz ab der 36. Minute sehr gut machte, dürfte erst einmal vor ihm sein. Und wahrscheinlich auch der bis zu seiner Verletzung gesetzte Michael Mancienne. Scharner wird sich gedulden müssen.

Aber warum nur meckern? Immerhin wissen wir so, dass wir zu unserer aktuellen Innenverteidigung noch mal Qualität in der Hinterhand haben. Denn somit dürften wir zumindest eines von zwei existenziellen Problemen langsam aber sicher im Griff haben: die Defensive.

Dagegen scheint es offensiv für uns alle zum Geduldsspiel zu werden. Denn hier fehlt mit Abstand am meisten. Zwar wusste Maxi Beister am Sonnabend in Freiburg mit Chancen und (leider nicht erfolgreichen) Abschlüssen aufzufallen, allerdings musste wieder konsterniert werden, dass im Angriffszentrum Qualität fehlt. Artjoms Rudnevs war sicher wieder fleißig. Allerdings offenbarte der Lette seine fußballerischen Mängel einmal mehr. Bei dem Letten wird es immer gleich sein: Entweder er trifft und qualifiziert sich durch Tore, oder er bekommt maximal Fleißpunkte mit gehörigen Abzügen für sein Spielverständnis und -vermögen. Nach außen beteuern Spieler wie Trainer weiterhin, dass sie an den bei allen Beteiligten sehr beliebten Letten glauben. Allerdings wird schon seit Monaten Ausschau nach einem weitern Angreifer gehalten, während der chancenlose Schwede Marcus Berg weiterhin verkauft werden soll.

Weshalb hier allerdings ausgerechnet jetzt, nach einem den Umständen entsprechend guten 0:0 in Freiburg eine Trainerdiskussion aufkommt, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Der ehemalige Bayern-Profi hat den HSV dahin geführt, wo er qualitativ hingehört. Dass bei optimalem Verlauf mehr drin wäre ist keine Frage. Aber Platz zehn ist keinesfalls als Enttäuschung zu werten nach dem misslungenen Saisonstart. Ganz im Gegenteil. Zudem: Fast noch wichtiger als die Frage nach dem „Ob man den Trainer diskutieren sollte“ ist, dass der HSV den Trainer nicht diskutieren kann und will. Momentan stehen für etwaige Trennungen absolut keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Das war schon bei den ersten Überlegungen in Richtung Arnesen vor einigen Wochen klargemacht worden: Im Moment wird niemand abgefunden.

Auf der anderen Seite werden im Moment auch keine Verträge verlängert. Weder bei Spielern noch bei den Angestellten. Der HSV sortiert sich und versucht, einen Gesamtüberblick zu haben. Dass dabei im Winter offen und hoffentlich auch schonungslos ehrlich über die Fehler in der Hinrunde gesprochen wird – ganz klar! Das muss sein, wenn sich der HSV irgendwann wieder in Richtung internationale Plätze entwickeln will.


Lasst es am Urlaub liegen, dass ich noch etwas positiver bin als viele hier, aber im Freiburg-Spiel hat sich für mich noch etwas sehr Positives hervorgetan: Der Auftritt von Rafael van der Vaart. Denn wenn ein Spieler in den HSV-Reihen den Respekt der Mitspieler hat, dann er. Der Niederländer ist für viele vorbildlich. Zumindest behaupten das Spieler wie Maxi Beister, Milan Badelj, Dennis Diekmeier und vor allem auch Heung Min Son. Denn der Südkoreaner ist für mich im Moment derjenige, von dem ich am meisten Steigerung erwarte. Gegenüber seinem Freiburg-Auftritt wird das nicht schwer. Auch nicht gegenüber seiner Partie gegen Bayern München. Immer wieder steht Son in der Startelf. Immer wieder darf er auf dem Platz bleiben, auch wenn es mal nicht so läuft. Allerdings muss sich der zuletzt ob seiner Tore (vielleicht schon überzogen?) gefeierte Offensivspieler endlich für das ihm vom Trainer entgegengebrachte Vertrauen sportlich bedanken. Denn es gibt allemal absolut keinen Grund, weshalb der zweifellos talentierte Rechtsfuß nicht wenigstens kämpfen kann…

So, wie es ihm unter anderen auch ein Tolgay Arslan vormacht. Der Junge, der mit Abstand den größten Sprung gemacht hat, seit Saisonbeginn. Arslan ist ballsicher. Er ist eben ein sehr guter Techniker. Aber für die Mannschaft sucht der völlig verdient zum U21-Nationalspieler berufene Rechtsfuß die Zweikämpfe im Mittelfeld. Arslan zieht sich nicht raus und noch weniger zurück. Und er gewinnt seine Zweikämpfe immer häufiger. Etwas, was bei Son einfach nicht zu erkennen ist. Son fällt durch Tore auf. Son ist schnell und schussstark. Aber Zweikämpfe führt er noch immer so, als habe er Angst. Auch deshalb sticht dem Zuschauer Arslan massiv ins Auge, während Son kämpferisch eher durch- als auffällt. Dass es am Läuferischen nicht liegen kann, beweist die Statistik (www.bundesliga.de), die besagt, dass Son mit 11,09 Kilometern gerade einmal 270 Meter weniger gelaufen ist als Arslan.

Oder man kombiniert beide Mängel – also Sons Defensivschwäche und Rudnevs fußballerische Schwäche und stellt Son einfach wieder in die Spitze. Denn, und auch das besagt die Statistik, Son absolviert mehr Sprints und intensive Läufe als Rudnevs, dem man genau das (neben Torerfolgen natürlich) als letzten Rechtfertigungsgrund für seine Aufstellung nachsagt…

Dennoch, ich sehe noch lange nicht so schwarz wie einige andere hier. Im Gegenteil: Ich glaube, die Verantwortlichen wissen um die Probleme und arbeiten im Hintergrund fieberhaft (an neuen Stürmern) daran. Und nur damit mich keiner falsch versteht, auch ich finde, dass die eine oder andere Personalie diskutabel ist. So, wie es hier bei uns passiert.

Bis morgen! Da geht’s wieder in die Vollen mit zwei Trainingseinheiten an der Imtech-Arena. Eine um zehn und die zweite um 15 Uhr. Ich freue mich darauf!

Bis morgen,
Scholle