Tagesarchiv für den 10. November 2012

0:0 in Freiburg – Scharner vom Platz!

10. November 2012


Der HSV hat den ersten von sieben Punkten aus den nächsten drei Spielen geholt. 0:0 in Freiburg, und dieses Unentschieden holten sich die Hamburger mit zehn Spielern, denn Debütant Paul Scharner war in der 34. Minute mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden. Der HSV machte trotz dieser Dezimierung ein sehr gutes Spiel, kämpfte aufopferungsvoll und stand lange Zeit sogar vor dem Führungstreffer. Das Spiel war trotz dieser Nullnummer temporeich, spannend und interessant, der HSV bewies nach dem 0:3 gegen die Bayern einen leichten Aufwärtstrend. So könnte es durchaus noch zu den von Trainer Thorsten Fink verlangten sieben Punkten kommen, denn es wird ja wohl nicht immer ein Hamburger Spieler vom Platz gehen müssen. Der neben mir sitzende Bastian Reinhardt, der gleich ´mit „Matz ab live“ auf Sendung gehen wird, resümierte: „Dieses 0:0 war wie ein Sieg.“

Der HSV startete im Stile einer Heimmannschaft, alle Spieler brannten, rannten, wirkten hellwach. Selten habe ich den HSV auswärts in den vergangenen Monaten so konzentriert zu Werke gehen sehen, das sah von Beginn an nach einem weiteren Auswärtssieg aus. Das einzige Manko bei diesem Start: es wurden die besten Torchancen vergeben. Es begann schon nach 70 Sekunden, aber Artjoms Rudnevs stand leider im Abseits, als er frei vor dem Freiburger Torwart Baumann auftauchte. Aber diese Szene war offensichtlich richtungsweisend, denn danach lag das 1:0 des HSV gleich mehrfach in der Luft.

Maximilian Beister umkurvte den Freiburger Keeper, wurde dabei aber zu weit abgedrängt, sodass er selbst nicht mehr schießen konnte. Die anschließende Flanke verpuffte in der Strafraummitte (5.). In der 13. Minute schoss Beister mit rechts aus 18 Metern über das leere Tor – zugegeben, das war nicht ganz leicht, denn der Ball wurde dem Hamburger vom Gegner aus Versehen in die Füße gespielt. 120 Sekunden dann eine riesige Doppelchance: Heung Min Son scheitert an Baumann, den Abpraller schnappte sich wiederum Beister, der aus sieben Metern aber nur mit rechts das Außennetz traf. Und noch einmal Beister. In der 25. Minute versuchte er sich mit rechts aus 18 Metern, der Ball aber stieg weit über das SCF-Tor. Danach war Ende der Beister-Herrlichkeit – aber unverschuldet.

Weil es in diese Drangphase des HSV zwei Szenen gegeben hatte, die nicht ganz so unwichtig waren: Paul Scharner erhielt in der zehnten Minute Gelb, weil der Assistent von Schiedsrichter Günter Perl interveniert hatte. Der Unparteiische hatte trotz eines Fouls von Scharner weiter laufen lassen, und als diese Szene beendet war, meldete sich der Mann von der Außenlinie: Gelb. Ich hatte tags zuvor noch mit Scharner über Fouls und Karte gesprochen, fragte ihn, ob er nicht- nach der langen Pause – etwas übermotiviert ins Spiel gehen würde? Scharner aber war die Ruhe selbst, blieb cool und wirkte so, als hätte er sich und alles andere bestens im Griff.

Aber dieses Gelb war eindeutig zu früh – bei der Spielweise Scharners. Und prompt folgte Gelb Nummer zwei. In der 34. Minute brachte der Österreicher den Freiburger Caligiuri zu Fall, als ein Konter lief – Perl zückte sofort die Karte und danach auch folglich Rot. Das war die allzu kurze Bundesliga-Premiere von Paul Scharner. Er wurde dann durch Jeffrey Bruma ersetzt – vom Platz ging Beister. Zwei ganz bittere und wenig befriedigende Auftritte, über die Hamburg noch in den Tagen sicher ausreichend diskutieren wird.

Glück hatte Rafael van der Vaart in der 40. Minute, als die Freiburger ein Handspiel des Niederländers reklamierten. Perl (für mich der Un-Schiedsrichter der Liga – das wissen eingefleischte Matz-abber) pfiff – und van der Vaart baute sich vor dem 23. Mann auf, reklamierte und gestikulierte wie von Sinnen – und sah Gelb. Daraus hätte auch leicht mal Rot werden können. Aber das war eben auch kein Spiel für schwache Nerven.

Es war klar, dass der in Unterzahl spielende HSV im zweiten Durchgang kein Feuerwerk mehr würde abbrennen können. Die Mannschaft aber machte es ganz stark, sie stand in der Defensive ganz sicher und hielt klug die Bälle – es war kein Unterschied zum mit elf Mann spielenden SC Freiburg erkennbar. Kompliment, HSV!

Und wenn der liebe Fußball-Gott ein Herz für die Hamburger gehabt hätte, dann hätte Rudnevs nach einer flachen Eingabe von Marcell Jansen sogar das 1:0 gemacht (68.) – aber es fehlte ein Zentimeter an der Stiefelspitze des Letten. Pech.

Und Glück hatte der HSV dann in der Schlussphase, als Rosenthal den Pfosten des HSV-Tores traf (87.). Da wäre der starke Adler machtlos gewesen. Aber Glück hat eben auch nur der Tüchtige, und tüchtig war der HSV an diesem Tage auf jeden Fall. Der Punkt ist verdient.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hatte relativ wenig Beschäftigung, war immer die Ruhe selbst – auch wenn er zu Beginn ein, zwei leichte Unsicherheiten drauf hatte. Hielt gegen Kruse aber überragend und in Weltklasse-Manier. Sicher wie die Bank von England.

Dennis Diekmeier stürmte oft mit nach vorne (hätte aber besser flanken können), arbeitete nach hinten solide – Note drei.

Paul Scharner einem erfahrenen Mann wie ihm hätte das eigentlich nicht passieren dürfen. Schade, schade, schade.

Heiko Westermann war wieder einmal überragend und der beste Mann auf dem Platz – Note eins. Und Glückwunsch „Jogi“ Löw, dass er sich einen so guten Abwehrspieler geholt hat.

Marcell Jansen blieb lange recht unauffällig, legte aber nach und fand noch zu seiner Form. Note drei.

Milan Badelj war fußballerisch eine Augenweide, legte eine ganz starke ersten Halbzeit hin, dann hatte er doch die eine oder andere Szene, die nicht so gelungen war, Dennoch eine Stütze – schon aufgrund seiner Erfahrung.

Tolgay Arslan schien von der U-21-Nationalmannschafts-Berufung beflügelt, legte eine sehr, sehr gute Partie auf den Rasen.

Heung Min Son blieb blass und vieles schuldig.

Rafael van der Vaart war ganz stark, ebenso überragend wie Westermann, weil sich die „ewige 23“ aufopferte, ackerte auch super nach hinten, riesiges Pensum – Note eins.

Maximilian Beister hatte vier teilweise recht gute Chancen, er war unternehmungslustig, wechselte oft die Positionen – und musste in der 39. Minute vom Platz; als Bauernopfer nach dem Platzverweis von Scharner.

Artjoms Rudnevs hatte seine Chance, traf aber nicht. Kein Vorwurf an ihn, denn er war nach dem Rot von Scharner ein absoluter Einzelkämpfer und erhielt noch die meiste Unterstützung von van der Vaart. Aber nicht von den Flügeln.

Jeffrey Bruma kam in der 39. Minute für den vom Platz gestellten Scharner und machte seine Sache gut. Das war mal ein Anfang – oder?

Dennis Aogo kam in der 87. Minute für Jansen, konnte sich aber nicht mehr hervortun.

Robert Tesche kam in der 92. Minute für Son, um ein paar Sekunden zu schinden. Es half.

So, gleich sind wir auf Sendung – mit Andreas Fischer und Bastian Reinhardt – und „Scholle“.

PS: Mein Laptop ist mir im Laufe des Berichts viermal abgestürzt, ich hoffe, ich kann trotzdem senden – sorry, tut mir Leid.

PS: Nachdem es nun bereits den dritten Anruf gab, in denen ich nach dem Ellenbogenschlag von Rene Adler gegen den Freiburger Max Kruse gefragt worden bin, ob der noch ein Nachspiel haben könnte: Nein, weil Schiedsrichter Perl den Schlag gesehen und spontan Gelb für den HSV-Schlussmann gegeben hatte. Und eine doppelte Bestrafung ist nicht möglich – Adler wird nicht nachträglich gesperrt. Im Gegensatz zum Bremer Eljero Elia, der gegen den Schalker Höwedes tätlich geworden ist. Das sah Schiedsrichter Florian Meyer nicht – aber die Kameras. Und deswegen für das ein Fall für das DFB-Sportgericht. Klarer Fall!

17.35 Uhr