Tagesarchiv für den 9. November 2012

Gleich drei HSV-Spieler für Deutschland!

9. November 2012

Heute ist doch ein echter Freudentag! Drei HSV-Spieler wurden an diesem 9. November für Deutschland nominiert, da kommt doch wirklich Freude auf. Herzlichen Glückwunsch allen diesen Spielern, ich finde das überragend: Rene Adler und Heiko Westermann fahren zur A-Nationalmannschaft, die am Mittwoch in Amsterdam auf die Niederlande treffen wird, und der Deutsch-Türke Tolgay Arslan fährt zur U-21-Nationalmannschaft, die in Bochum im Testspiel auf – ausgerechnet – die Türkei treffen wird. Hervorragend! Ich freue mich, das kann ich nur noch einmal schreiben, so doll, als wäre ich nominiert worden. Alle haben es sich verdient – einfach nur großartig. So sehen das auch die Klub-Verantwortlichen, denn Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen freute sich mit dem Keeper und sagten unisono: „Das ist die Belohnung für seine überragenden Leistungen. Die Berufung ist verdient, obwohl wir schon überrascht sind, dass es nun doch so schnell ging.“

Ja, wirklich großartig. Und gelegentlich kann eben auch ein oft unbeweglicher Apparat wie der DFB über seinen Schatten springen. Heute haben mir schon so viele Fußball-Fans gesagt: „Wenn Adler nicht nominiert worden wäre, dann wäre das wohl das dickste Ding gewesen, was sich der DFB und der Bundestrainer in den letzten Jahren abgekniffen hätten.“ Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich bin auch überrascht (aber auch höchst erfreut), dass sich Joachim Löw und Torwart-Trainer Andreas Köpke zu diesem Entschluss durchringen konnten, aber selbstverständlich war das nicht. Weil beide Herren doch immer wieder betont hatten, dass es bei den Torhütern eine Reihenfolge gibt, die sie auch einhalten wollen . . . Da Hannovers Zieler aber (nach dem Platzverweis gegen Argentinien) gesperrt ist und Gladbachs ter Stegen zuletzt in einer Schießbude stand (fing sich am Donnerstag in Marseille einen direkt verwandelten Eckball ein), blieb dem DFB-Duo wohl keine andere Wahl. Es wäre doch ein echter Witz gewesen, wenn dann trotz allem ter Stegen nominiert worden wäre.
Aber: alles wird gut!

Rene Adler sagte zu seiner Nominierung: „Andy Köpke hat mich heute morgen angerufen und mich gefragt, was ich nächste Woche vorhabe? Dann hat er mich informiert, dass ich für das Spiel nominiert bin. Er hat gesagt: ‚Du und Manuel. So wie in alten Zeiten – nur dass ihr beide älter geworden seid.’ Ich freue mich riesig, nach so langer Zeit wieder dabei zu sein. Wenn ich daran denke, wo ich vor einem halben Jahr stand, kommt es mir fast vor wie im Märchen. Die Nominierung ist eine schöne Belohnung für die harte Zeit. Ich werde die Tage bei der Nationalmannschaft genießen und Vollgas geben.“

Bundestrainer „Jogi“ Löw über seine Entscheidung in Sachen Torhüter: „Adler hat im letzten halben Jahr sehr gute Leistungen gezeigt. Seine Fähigkeiten sind bekannt. In der Form gehört er in das Aufgebot.“. Ob auch der Rückkehrer oder allein Neuer zum Einsatz kommen wird, ließ Löw noch offen DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke hatte den Neu-Hamburger nach dessen Top-Leistungen beim HSV schon vor einem Monat in den höchsten Tönen gelobt: „Rene verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir bei der Nationalmannschaft sehen wollen.“ Den Coach hat beeindruckt, wie souverän Adler nach einjähriger Spielpause mit Stammplatzverlust bei Bayer Leverkusen an neuer Wirkungsstätte wieder aufgetreten ist: „René war vor seinen Verletzungen ein überragender Torhüter, und er ist es jetzt wieder.“
So ist es, Herr Köpke, so ist es.

Auch für Heiko Westermann ist dies ein besonders schöner Tag. Bei den vergangenen beiden WM-Qualifikationsspielen (Irland und Schweden) war er zuletzt (nur) deshalb nominiert worden, weil der Dortmunder Mats Hummels gefehlt hat. Da hätte jeder Fan noch sagen können: „Okay, Löw brauchte Ersatz, dazu ist Westermann gut genug.“ Nun aber ist Westermann wieder dabei, nicht nur deshalb, weil Bayerns Holger Badstuber fehlt, sondern weil es sich der HSV-Kapitän verdient hat. Westermann hat sich in den vergangenen Monaten, ja Jahren, hier beim HSV den Hintern aufgerissen, er hat sich vorbildlich für diese schwächelnde Mannschaft aufgeopfert und eingesetzt – jetzt erhält er die Belohnung dafür. Völlig verdient, völlig berechtigt – herzlichen Glückwunsch. Westermann hat längst die Raute in (!) seiner Brust, und eines müssen die HSV-Fans, die ihn nicht so sehr schätzen, doch zugeben: In diesem Jahr sind die Leistungen des Kapitäns doch konstant gut geworden – er spielt doch auf einem stets sehr guten Niveau. Der Innenverteidiger zu seiner Nominierung: „Schön, dass ich jetzt zum zweiten Mal in Folge dabei bin. Spiele gegen Holland haben ihren besonderen Reiz. Natürlich hoffe ich, dieses Mal auch zum Einsatz zu kommen. Ich würde auch aufpassen, dass Rafael van der Vaart nichts passiert, keine Sorge.“
Das wollen wir doch hoffen . .

Zum Spiel in Freiburg. Der HSV hat ja gleich einige personelle Ausfälle zu beklagen, heute kam noch ein weiterer Profi hinzu. Marcus Berg reiste am Vormittag nach Schweden, denn seine Schwiegermutter ist so schwer gestürzt, dass sie erhebliche, sogar lebensbedrohende Verletzungen erlitt. Um bei ihr zu sein, flog Berg sofort in die Heimat. So kam es, dass es diesmal nur einen Spieler „erwischt“ hat, der in Hamburg bleiben muss, diesmal ist das (erneut) Gojko Kacar. Auch die bislang noch offenen Personalien beim HSV wurden heute geklärt. Dennis Diekmeier kann morgen spielen, er trainierte heute (nach seiner Spannprellung) ohne jede Einschränkung mit. Und das „linke Ding“ in der Viererkette ist auch entschieden. Zuvor hatte es ein Gespräch zwischen Marcell Jansen und dem Trainer gegeben – alles bleibt so, wie es war: Jansen verteidigt, Maximilian Beister stürmt im linken Mittelfeld – und Dennis Aogo wird wieder (nur) auf der Bank Platz nehmen. In dieser Formation gab es heute noch zum Abschluss ein Spielchen A gegen B, die Partie endete 1:1. Torschützen: Für B traf Aogo, für A war Artjoms Rudnevs erfolgreich. Thorsten Fink zu seinen Entscheidungen: „Da wir durch die Erkrankung von Michael Mancienne schon in der Innenverteidigung zu einer Änderung gezwungen sind, wollte ich in der Abwehr nicht noch mehr ändern.“ Und zu „Maxi“ Beister, der zuletzt gegen die Bayern ein wenig (mehr) schwächelte befand der Coach: „Er ist ein junger Spieler, der jetzt zeigen kann, dass er lernen will – und schon gelernt hat.“ Auf der einen Seite gut, wie der Trainer denkt (und handelt), denn so sammelt Beister tatsächlich Spielpraxis, kann sich in Form und auch in die Mannschaft kämpfen – oder eben auch nicht.

Ähnlich geht es ja auch mit Paul Scharner. Der Österreicher steht erstmals in der Stammformation und „brennt“: „Die Vorfreude ist da, auf jeden Fall – ich freue mich, dass ich nach längerer Zeit endlich mal wieder auf die Spielwiese darf. Es ist ja jetzt doch schon länger her, dass ich mal Top-Fußball gespielt habe, deswegen ist die Freude darauf schon riesig.“ Er hat lange genug darauf warten müssen. Erst die etwas langwierigere Verletzung, dann die erfolgreiche Mannschaft, die kein Trainer der Welt ändern würde. „Meine Ausgeglichenheit war in dieser Zeit nicht gerade optimal, denn als Fußballer trainierst du ja nun mal, um in den Wettkampf zu gehen. Aber ich habe in meiner Karriere gelernt, dran zu bleiben, hart zu arbeiten und auf meine Chance zu warten. Und jetzt werde ich versuchen, sie zu nutzen.“

Früher war er ein ungeduldiger Typ – gibt er zu: „Das hat mir geholfen, denn dadurch war ich ständig motiviert, dran zu bleiben, mehr zu machen, besser zu trainieren, um so voranzukommen. Und mittlerweile kommt die Erfahrung dazu, meine Geduld ein bisschen im Zaume zu halten. Das ist wohl Altersweisheit.“ Und lacht. Er ist meistens sehr gut gelaunt, ein offener und lustiger Typ, und einer, der stets den geraden Weg nimmt – und liebt.

Und er hat seine Vorstellungen von seinem Spiel – und das seiner Mannschaft: „Und diese Vorstellungen möchte ich gerne in die Mannschaft einbringen, was ihr meiner Meinung nach noch gefehlt hat – das werde ich versuchen, umzusetzen.“ Damit ist nicht unbedingt sein Talent zur Organisation gemeint, auch nicht seine verbale Stärke. Er sagt: „Meiner Meinung nach stehen wir noch zu tief. Das gehört noch geändert, das werde ich versuchen einzubringen, dass die Mannschaft höher steht, mehr Risiko nimmt, um die Offensive in Szene und den Gegner unter Druck zu setzen. Denn umso tiefer man steht, umso schwieriger ist es, den Gegner unter Druck zu setzen. Das wird mein erster Ansatzpunkt sein, das in die Tat umzusetzen.“

Aber hallo! Da kommt einer, der sein erstes Spiel macht (machen will), und dann solche Sätze. Alle Achtung. Ich hoffe nur, dass der Paul Scharner das auch mit dem Trainer abgesprochen hat (oder noch absprechen wird), denn ansonsten möchte ich nicht wissen, wie es mit ihm weitergehen wird, sollte dieses Vorhaben schief gehen. Er sagt weiter: „Man wird sehen, was noch zu ändern ist, wenn ich erst in dieser Mannschaft stehe.“ Scharner wird sich an diesem Abend noch ganz genau auf das Freiburg-Spiel vorbereiten. Er sieht sich Videos aller SCF-Stürmer an, das Videos wurde extra auf seinen Wunsch hin zusammengestellt: „Ich möchte nichts dem Zufall überlassen.“ Die Sache mit den Videos hat er auch dann immer schon gemacht, wenn er nicht gespielt hat. Der Grund: „Wenn man ständig studiert, wie sich die Stürmer bewegen, dann lernt man immer wieder hinzu.“

Mit Paul Scharner kommt nun auch ein Spieler-Typ in die Mannschaft, der nicht nur laut ist, sondern auch (ordentlich) zur Sache geht. Er schont weder sich noch den Gegenspieler. „Ich bin hart, aber herzlich. Aber ich bin kein unfairer Spieler“, sagt er über seine Spielweise. In der Zweiten des HSV schoss Scharner bei zwei Einsätzen sogar schon ein Tor (gegen den VfB Lübeck). Er kann es also auch vorne. Und sagt über seine „Torgefährlichkeit“: „Ungefährlich bin ich nicht. In 200 Premier-League-Spielen in England habe ich 21 Tore erzielt. Ich bin immer für ein Tor gut.“

Was Scharner über die Partie in Freiburg denkt, das verriet er auch: „Das wird definitiv ein schweres Spiel, weil Freiburg in dieser Saison schon einigen Mannschaften Probleme bereitet. Dass wir dort runter fahren, die Punkte kassieren und wieder zurück – so wird das nicht laufen. In erster Linie wird es auf unsere Einstellung ankommen. Und dass wir dem Klub den Schneid abkaufen, immer ein bisschen den Körper und auch Einsatz zeigen.“ Die Zahlen zu diesem Spiel sehen wie folgt aus: Die Breisgauer gewannen erst drei Heimspiele gegen den HSV, aber auch drei der letzten vier Duelle mit den Hanseaten, die in den letzten vier Auftritten an der Dreisam genau ein Gegentor kassierten. Von ihren letzten fünf Pflichtspielen verloren die Freiburger nur eins (0:2 gegen Dortmund am 27. Oktober). In den letzten vier Begegnungen bejubelten sie drei Elfmetertore von Daniel Caligiuri, der vier ihrer letzten sieben Pflichtspieltore schoss. Sieben ihrer 13 Gegentore kassierten die Breisgauer in den 15 Minuten nach dem Wechsel. Der HSV gewann die letzten beiden Gastspiele ohne Gegentor, wobei Heung-Min Son jeweils das 1:0 erzielte. In der zweiten Halbzeit haben die Hanseaten mit 4:9 Treffern die schlechteste Bilanz aller Klubs. Freiburg ließ bislang die wenigsten Flanken zu (60), Hamburg die meisten (152). – Vergangene Saison: 1:2 und 3:1.
Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 3 S, 5 U, 5 N – 11:17 Tore – Gesamtbilanz: 6 S, 8 U, 12 N – 23:45 Tore. Letzter Heimsieg: 1:0 am 4.12.10 – Letzte Heimniederlage: 1:2 am 16.10.11.

Schlusswort von Paul Scharner (danach ging er): „Und am Sonntag werden wir dann sehen, wie es gelaufen ist . . .“

Genau. Am Sonnabend aber auch schon. Gegen 17.20 Uhr. Nach dem Spiel sind wir dann wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, live aus dem „Champs“ in Schnelsen. Dann ist Andreas Fischer unser Gast – und auch Marcus „Scholle“ Scholz ist wieder mit von der Partie.

17.42 Uhr