Tagesarchiv für den 8. November 2012

Mit Scharner gegen den SC Freiburg

8. November 2012

Die Entscheidung scheint gefallen. Weil der unter einer Erkältung leidende Michael Mancienne nicht rechtzeitig fit geworden ist, wird es einen neuen Innenverteidiger neben Heiko Westermann geben. Trainer Thorsten Fink ließ sich zwar noch ein klitzekleines Hintertürchen offen, aber es gehen alle Medienvertreter davon aus, dass Paul Scharner zu seinem ersten Start-Erlebnis beim HSV kommen wird. Für den Österreicher, so sagte es Fink, spricht die Erfahrung. Und zudem auch die Tatsache, dass er verbal besser drauf ist, denn er dirigiert und motiviert während des Spiels (und des Trainings) meistens recht lautstark Und das kann in dieser HSV-Mannschaft, in der außer Rene Adler und Kapitän Westermann kaum noch andere Spieler das Kommando ergreifen, durchaus von Vorteil sein. Ich hatte gestern ja noch geschrieben, dass ich Jeffrey Bruma statt Scharner spielen lassen würde, aber der Coach hat sich eben anders entschieden – und wird seine Gründe haben. Ich finde es aber immer leicht grenzwertig, wenn ein Spieler – wie jetzt Scharner – via „Bild“ verkündet – oder verkünden lässt: „Jetzt bin ich aber dran.“

Es dürfte aber ohnehin demnächst die Problemzone des HSV werden – diese Innenverteidigung, denn mit Westermann, Scharner, Mancienne, Bruma und dem begnadigten Slobodan Rajkovic gibt es gleich fünf Spieler für nur zwei Positionen. Ich bin gespannt, wie lange es dort ruhig bleibt – und wie letztlich Thorsten Fink entscheiden wird. N einem Punkt aber muss ich Fink zustimmen: Scharner hat zuletzt zweimal freiwillig für die Regionalliga-Mannschaft des HSV gespielt, gegen den VfB Lübeck und gegen Werder II. Damit hat der Österreicher einen Einsatz mehr auf dem Buckel – und damit also ein Spiel mehr Spielpraxis. Für mich wäre das zwar kein (großes) Kriterium gewesen, weil ich Bruma zuletzt gegen die Bremer ein wenig stärker gesehen habe (als Scharner), aber diese Meinung habe ich eben exklusiv und ist daher absolut unerheblich. Fink ist entscheidend.

Noch nicht entschieden ist das „linke“ Duell zwischen Marcell Jansen und Dennis Aogo. Lachender Dritter könnte in diesem Fall Maximilian Beister sein, der dann in der Mannschaft bleiben würde, wenn Jansen hinten links bleibt. Fink will diesen „Knoten“ sehr vorsichtig lösen, indem er Einzelgespräche führt. Es hängt aber wohl alles an Jansen, denn wenn er sich dazu durchringen könnte, eine Position nach vorne zu rücken, dann wäre der Fall (zu Gunsten von Aogo) geklärt. Eines steht aber jetzt schon fest, und Thorsten Fink hat es heute bereits verkündet: „Klar ist, dass Marcel Jansen auf jeden Fall in der Mannschaft bleiben wird.“ So oder so.

Bei der Gelegenheit: Das Training heute war kurz und schmerzlos – Termine, Termine, Termine. Der Coach musste ins Leistungszentrum Ochsenzoll, einige Spieler hatten andere Aufgaben zu erfüllen. Es wurde im Kreis gespielt – und dann aus allen Rohren geschossen und geköpft. Dabei kämpften drei Mannschaften voller Enthusiasmus um den Sieg (wer die meisten Treffer schaffte), die Stimmung war grandios, die Schüsse nicht unbedingt, denn Masseur (Physiotherapeut) Stefan Kliche musste auf dem Nebenplatz als Ballholer Schwerstarbeit verrichten. Wieder mit dabei war der am Dienstag gegen Werder II verletzt ausgeschiedene Gojko Kacar (hatte eine Knöchelprellung), der offensichtlich ohne jede Beeinträchtigung mitmachen konnte.

Auf einem Nebenplatz trainierten separat Co-Trainer Frank Heinemann mit Dennis Diekmeier, der nach einer halben Stunde in die Kabine ging. Ohne zu humpeln. Und frohen Mutes, denn er glaubt, dass er zuerst morgen (Freitag) beim Abschlusstraining mitmachen wird, und zweitens dass er auch in Freiburg in der Anfangsformation wird stehen können. Der Verteidiger sagte heute: „Ich habe nur mit links trainiert, um nichts zu riskieren, aber ich glaube, dass ich am Freitag wieder fit bin.“ Diekmeier hatte sich am Dienstag im Training eine Prellung auf dem rechten Spann zugezogen. Passiert war es, als der Abwehrspieler gemeinsam mit Rene Adler (nach einer Flanke) um den Ball kämpfte, beide wohl mit leicht gestreckten Beinen und mit vollstem Absatz. Als beide Spieler zusammenprallten, war der Ball der Hauptleidtragende, denn ihm ging die Luft und damit das Leben aus: geplatzt! Diekmeier: „Als ich dann abends zu hause war, schwoll der rechte Fuß gewaltig an, ich hatte schöne Schmerzen.“ Das soll aber, wie gesagt, am Freitag schon wieder vergessen sein.

Noch eine Änderung im HSV-Team wäre ja einem guten Spiel auch gewiss nicht sonderlich förderlich. Denn Freiburg wird schwer. Sehr schwer sogar – ganz sicher. Heiko Westermann sagte es heute noch einmal ausdrücklich: „Das wird ein verdammt schweres Spiel.“ Trotz allem: Thorsten Fink hatte sieben Punkte aus den nächsten drei Spielen (Freiburg, Mainz, Düsseldorf) gefordert. Und Westermann pflichtete ihm bei: „Gegen diese drei Mannschaften, gegen die wir nun spielen, muss das Ziel natürlich auch sein, sieben Punkte zu holen. Das ist doch ganz klar. Das sind Mannschaften, die eine ähnliche Punktzahl haben wie wir, mit denen wir uns auch messen müssen. Und da ist das optimal, ganz klar, sieben oder auch neun Punkte zu holen.“ Der Kapitän dann noch ergänzend: „Ob wir das erreichen, das werden wir sehen.“ Wir auch.

Heiko Westermann, der eventuell eine Einladung für das Länderspiel Niederlande gegen Deutschland (Mittwoch in Amsterdam) erhalten wird, befand über die Freiburg-Partie am Sonnabend noch: „Das wird eine richtungsweisende Partie, wie auch die anderen beiden danach. Dann werden wir wissen, ob wir im Niemandsland mitspielen, oder ob wir uns in den einstelligen Tabellenplätzen halten werden. In Freiburg geht es nun schon darum, ob wir uns in dem oberen Bereich festsetzen können.“ Wie schön es doch wäre . . .

Von Anfang an in Freiburg dabei sein wird wieder Artjoms Rudnevs, der zuletzt gegen die Bayern aus taktischen Erwägungen geopfert und auf die Bank gesetzt worden war. Und nicht nur dabei, sondern voll mittendrin – ist Rafael van der Vaart. Der heute, das sollten alle auswärtigen „Matz-abber“ auch wissen, in der „Bild Hamburg“ selbstkritisch gesagt hat: „Ich bin erst bei Bild-Note vier“. Hut ab, „Rafa“, so viel Selbstkritik ist absolut unüblich, aber ich finde das klasse. Und nachahmenswert. Vielleicht nimmt sich das ja auch demnächst so manch anderer HSV-Profi zu Herzen, gibt zu, dass er noch hinter den Erwartungen stecken geblieben ist – und gibt auch gleichzeitig mächtig Gas, um für Besserung zu sorgen. Das wäre doch mal wegweisend – in die richtige Richtung.

Gegen Freiburg, das muss ich noch einmal loswerden, sind von allen Spielern 100 Prozent gefordert. Nur so ginge es – mit einem Auswärtssieg. Denn die namenlosen Freiburger werden heiß sein, wie werden brenne, darauf kann und darf sich jeder Hamburger einstellen. Mir haben die bisherigen Auftritte dieser Streich-Truppe gehörigen Respekt abgenötigt. Und im DFB-Pokal sind die Freiburger, die sich zuletzt beim souveränen Zweitliga-Tabellenführer Eintracht Braunschweig ebenso souverän behauptet hatten (und 2:0 gewannen), auch noch vertreten – da hat sich schon sehr viel getan und entwickelt. Und wenn der HSV zuletzt in Fürth und in Augsburg (jeweils denkbar knapp) gewann – in Freiburg wartet ein besseres Kaliber, dort wird es ungleich schwerer. Davon darf jeder getrost ausgehen.

Dazu passt übrigens folgende dpa-Meldung aus Freiburg:

Der SC Freiburg will seinen Erfolgstrend auch gegen den Hamburger SV bestätigen. Nachdem der Fußball-Bundesligist nur eines seiner letzten fünf Pflichtspiele verloren hat, geht er das Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) entsprechend optimistisch an. Dennoch warnte SC-Trainer Christian Streich am Donnerstag vor dem HSV, auch wenn die Hanseaten zuletzt beim 0:3 gegen den FC Bayern München chancenlos waren. „Die sind selbstbewusst, und das können sie auch sein. Hamburg hat eine kompakte Mannschaft, in der sich jede Menge Nationalspieler tummeln“, erklärte Streich.
Der 47-Jährige betonte ausführlich die Qualitäten der Gäste: „Für mich galt der Hamburger SV auch zu Saisonbeginn nicht als Abstiegskandidat.“ Inzwischen sei die Elf von Coach Thorsten Fink auch dank der Nachverpflichtung von Rafael van der Vaart „vielleicht sogar ein Europa-League-Kandidat. Durch die Verstärkungen, die sie geholt haben, sind sie außergewöhnlich besetzt.“
Mit René Adler hätten die Gäste zudem einen „Ausnahmetorhüter“. Auch kämen nun in der Offensive die Fähigkeiten von Heung-Min Son besser zum Tragen, da Hamburg im Mittelfeld mit Milan Badelj und van der Vaart Leute mit außergewöhnlicher Qualität habe. Streich erwartet daher „ein wahnsinnig schwieriges Spiel“ und hofft, „dass wir richtig dagegenhalten und Hamburg schlagen können“. Seine Mannschaft trete „mit einer großen Überzeugung“ auf, sagte Streich weiter.
Familienintern ist die Partie allerdings nicht ganz konfliktfrei, denn Streichs Vater ist langjähriger HSV-Fan. „Inzwischen ist er aber auch ein bisschen SC-Fan“, sagte Streich Junior. Er freut sich am Samstag auf ein besonderes Wiedersehen mit Dennis Aogo. Den Hamburger Außenverteidiger bildete er einst als Jugendtrainer an der Freiburger Fußballschule aus. „Toll, was Dennis für eine Entwicklung gemacht hat, gegen viele Widerstände“, erklärte Streich.
Verzichten muss er gegen den Bundesliga-Dino auf Matthias Ginter (muskuläre Probleme im Rücken) und Ergänzungsspieler Immanuel Höhn (Riss des Syndesmosebands im Sprunggelenk). Ginter wird in der kommenden Woche auch nicht zur U 19-Nationalmannschaft reisen. Fraglich ist laut Streich zudem, ob Mittelfeldspieler Johannes Flum (grippaler Infekt) zur Verfügung steht. Jan Rosenthal, der zuletzt beim 1:1 in Mönchengladbach nach längerer Pause überraschend sein Comeback feierte, sei „eine Option“ für die Startelf.

Egal wie das Spiel am Sonnabend ausgehen wird, wir werden nach dem Schlusspfiff wieder aus dem Restaurant „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel) mit „Matz ab live“ auf Sendung sein. Einen Gast haben wir bereits für diesen Nachmittag gewinnen können, die HSV-Fans werden sich ganz sicher auf den ehemaligen Profi Andreas Fischer freuen.

PS: Morgen findet das Abschlusstraining des HSV wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

PSPS: Zum Schluss noch eine Erklärung, warum zum Beispiel heute Rafael van der Vaart relativ schnell aus dem Volkspark verschwand:

Am Donnerstag war HSV-Spieler Rafael van der Vaart im Kinder-Hospiz Sternenbrücke zu Gast, um dort die Weihnachtszeit einzuläuten. Gemeinsam mit Ute Nerge, der Leiterin des Hospizes, schmückte er einen Tannenbaum und sammelte die ersten Weihnachtswünsche der Kinder ein. Diese werden im Rahmen der alljährlich stattfinden Hamburger Weg Weihnachtsaktion erfüllt – die Übergabe der Geschenke erfolgt am 13. Dezember beim Hamburger Weg Weihnachtstag, bei dem auch alle Profispieler des HSV persönlich anwesend sind.

„Weihnachten ist etwas ganz Besonderes, vor allem für Kinder. Der geschmückte Tannenbaum erinnert einen, dass es gar nicht mehr so lang hin ist bis zum Fest. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Kinder aus dem Hospiz am Weihnachtstag viele tolle Geschenke unter dem Baum finden”, so van der Vaart.

Ein erstes Vorweihnachtsgeschenk hat der HSV-Spieler am Donnerstag schon mitgebracht: Tickets für das Spiel des HSV gegen die TSG Hoffenheim am 7. Dezember – eine Überraschung nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren Familien.

„Wir sind dankbar und sehr gerührt, dass die wunderbare Wunschbaumaktion des Hamburger Wegs nun schon seit fünf Jahren Herzenswünsche unserer kleinen und großen Gäste erfüllt und vor allem natürlich, dass der HSV und die tollen Fußballfans auch unabhängig von der Weihnachtszeit so eng an unserer Seite sind. Zu sehen, wie sich Menschen, die sportlich und beweglich sind, an die Seite von Kindern und Jugendlichen stellen, die das nicht können, ist ein großes Geschenk für die Familien und uns”, freut sich Nerge.

Gemeinsam mit allen Hamburgern möchte der HSV in dieser Saison das Förderprojekt des Hamburger Wegs „Kinder-Hospiz Sternenbrücke” unter der Schirmherrschaft des HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl Jarchow unterstützen. Mit jedem Ticketkauf für ein Heimspiel des Hamburger Sport-Vereins kann zusätzlich ein Euro für das Kinder-Hospiz gespendet werden. Die gesammelte Summe fließt zu hundert Prozent in das Projekt, mit dem ein Spielzimmer neu gestaltet werden soll. Wer sein Ticket schon gekauft hat, kann trotzdem helfen:

Förderverein Kinder-Hospiz Sternenbrücke: Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Kto. 1261148561, Betreff: Der Hamburger Weg

Der Hamburger Weg und das Kinder-Hospiz Sternenbrücke sagen danke.

18.22 Uhr