Tagesarchiv für den 6. November 2012

Fink über seine Sieben-Punkte-Forderung

6. November 2012

„Das geht schon. Man muss die Mannschaft nun ein wenig fordern – und nicht auf Mitleid machen, nur weil man gegen Bayern verloren hat.“ Das sagt HSV-Trainer Thorsten Fink mit Blickrichtung auf das kommende Wochenende, und auch mit einem Blick auf die nächsten drei Spiele. Erst in Freiburg, dann in Hamburg gegen Mainz, dann geht es nach Düsseldorf – und Fink hat aus diesen Begegnungen sieben Punkte von seiner Mannschaft gefordert. Der Coach sagt weiter: „Man muss jetzt mal das Bayern-Spiel außer Acht lassen und schauen, was wir besser machen können. Dabei müssen wir an die nächsten drei Partien denken, da geht es gegen Mannschaften, die mit uns auf Augenhöhe sind, oder Mannschaften, wo wir besser sein wollen, die aber in unserem Punkte-Bereich sind. Wir haben natürlich großen Respekt vor diesen drei Gegnern, und wenn wir die schlagen wollen, dann müssen wir 100 Prozent Leistung abrufen, aber das muss möglich sein.“

Schon in Freiburg dürfte die Partie am Sonnabend äußerst unangenehm für den HSV werden. Freiburg spielt mit zwölf Mann, weil Trainer Christian Streich gefühlt immer auf dem Rasen in irgendeiner Form mitmischt, und weil sich diese namenlose Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute total zerreißt. Fink weiß: „Freiburg spielt gut, und vor allen Dingen ist es in Freiburg schwierig zu gewinnen.“ So ist es. Der HSV-Trainer kalkuliert aber wie folgt: „Ich rechne mir aus, dass wir unsere Heimspiele gewinnen, dazu vielleicht ein Auswärtsspiel gewinnen und dazu ein Unentschieden – das ginge schon. Wir müssen dazu aber 100 Prozent abrufen, und wir müssen dazu unser Spiel durchbringen.“

Thorsten Fink über den nächsten HSV-Gegner: „Freiburg steht kompakt, die spielen befreit auf, spielen gut, sind heimstark. Und diese Mannschaft hat in keinem Spiel etwas zu verlieren, weil alle stets damit rechnen, dass Freiburg absteigt – aber genau das ist die Stärke dieser Mannschaft. Sie hat dazu natürlich einen Trainer, der voller Leidenschaft bei der Sache ist. Und das überträgt sich, so habe ich das Gefühl, auch auf die Mannschaft. Dieser Trainer hat ja schon im Nachwuchsbereich lange mit den meisten seiner Spieler gearbeitet, und das sieht man jetzt ja auch. Trotz allem aber wollen wir weiter nach oben, wollen uns da festsetzen – und dann müssen wir auch in Freiburg versuchen zu punkten. Den Anspruch müssen wir einfach haben.“

Viel Pech hat im Vorfeld dieser Begegnung Slobodan Rajkovic entwickelt. Erst wurde der Innenverteidiger von Thorsten Fink begnadigt (nach dem Faustkampf gegen Heung Min Son und dem anschließenden Interview gegen den Coach), nun sollte er morgen wieder mit dem Team trainieren – und verletzt sich. Rajkovic (für ihn wird heute Jeffrey Bruma bei der Zweiten um 18.30 Uhr in Norderstedt gegen Werder II spielen) fällt mit einem Muskelfaserriss wahrscheinlich drei Wochen aus. Schlimm für ihn, aber Fink wird es verkraften, denn im Kader wäre Rajkovic mit Sicherheit noch nicht wieder gewesen. Nun kann er es ganz ruhig angehen lassen. Da geht es ihm wie den ebenfalls verletzten Petr Jiracek und Ivo Ilicevic.

Nicht verletzt, aber auch zuletzt nicht unbedingt überzeugend und gut in Form, so stellte sich am Sonnabend Milan Badelj vor. Viele Unkonzentriertheiten, etliche Fehlpässe, kein besonders gutes Timing in den Zweikämpfen. Thorsten Fink aber nimmt den Kroaten in Schutz: „Das Bayern-Spiel sollte man in diesem Zusammenhang mal vergessen. Und es stimmt auch nicht, dass Milan im Moment nicht so gut drauf ist. Er hat zwar auch kein gutes Spiel gegen die Bayern gemacht, vom Spielerischen her, aber das war auch sehr schwierig, weil wir ständig unter Druck standen gegen eine Mannschaft, die die Räume sehr eng gemacht hat, die uns kaum zur Entfaltung hat kommen lassen, die heiß war – und das ist gegen die Bayern dann gleich zweimal schlecht, weil das natürlich eine Mannschaft mit absoluter Qualität ist.“ Dann sagt Thorsten Fink über Badelj direkt: „Milan ist in einer guten Verfassung – und muss sich trotz allem auch erst an die Bundesliga gewöhnen. Er ist technisch hervorragend, und er ist jemand, der unser Kopf vor der Abwehr sein kann – gerade im Spielaufbau. Da muss er sich zwar sicherlich auch noch weiterentwickeln, aber fest steht, dass er auch schon hervorragende Spiele für uns gemacht hat. Man muss da jetzt mal das Bayer-Spiel ausklammern, da hat kaum einer gut gespielt – und nun müssen alle schauen, was wir in Freiburg besser machen können.“

Dann werden auf der Doppel-Sechs wahrscheinlich (und wenn alle gesund bleiben) auch wieder Badelj und Tolgay Arslan spielen. Fink ist in diesem Punkt gerecht und berechenbar. Er setzt auf Bewährtes – und Tomas Rincon wird sich weiterhin erst einmal hinten anstellen müssen. Obwohl Thorsten Fink sagt: „Tomas ist ein Spieler, den man dann immer wieder bringen muss, wenn man ein bisschen mehr in der Defensive arbeiten muss. Und dann, wenn einer über Wochen schlecht spielt. Dann kann er seine Chance nutzen – er hat gegen die Bayern seine Aufgabe ordentlich erfüllt, das war nicht schlecht, das war das, was ich von ihm sehen wollte.“

Hätte es zur Pause noch 0:0 gegen die Bayern gestanden, dann wäre Rincon wohl auch zum zweiten Durchgang erschienen, aber so wollte der HSV-Trainer mit der offensiveren Variante noch auf den Ausgleich spielen lassen – was misslang, wie wir alle wissen. Fink noch einmal über Rincon: „Ich glaube auch, dass er noch nicht wieder bei 100 Prozent ist, dafür braucht man einige Spiele, man braucht auch ein wochenlanges gutes Training, denn er war ja eine lange Zeit verletzt, und er lebt ja von seiner Kraft. Ganz sicher hat Tomas schon gezeigt, dass er ein Top-Mann für uns ist, und über die ganze Saison gesehen brauchen wir jeden Spieler. Gerade im Mittelfeld, gerade ihn auch. Er wird versuchen müssen, sein Spiel durchzusetzen. Es wird der spielen, der besser ist.“

Und da haben, so der Coach, im Moment noch Badelj/Arslan die Nase vorn. Weil das so ist, geht es im Moment eigentlich nur um eine Position in der HSV-Mannschaft, die in Freiburg etwas reißen soll: Dennis Aogo nach hinten links, davor Marcell Jansen? Oder Jansen hinten links – und davor Maximilian Beister? Letzterer hat gegen Bayern ganz sicher schlecht gespielt, aber Thorsten Fink überlegt dennoch, dem Offensiv-Talent eine weitere Chance zu geben: „Maxi hat nun zweimal in Folge von Anfang an gespielt, und ich werde in dieser Woche sehen, wie er darauf reagiert. Ich habe aber immer schon gesagt, dass er noch ein wenig Zeit braucht. Aber ein Golfschläger wird auch nicht besser in der Tasche. Wenn ich ihn nicht raushole, dann werde ich es nie lernen, so ist es auch bei Maxi. Er muss zwischendurch Spiele machen, um zu lernen, um dahin zu kommen, wo wir ihn alle haben wollen. Das ist in der Bundesliga eben nun mal ein wenig enger, da kann man nur 80 Prozent Leistung abrufen, sondern man muss immer 100 Prozent bringen, man muss wach sein, man muss 100 Prozent Einsatz zeigen – und daran gewöhnt man sich erst mit der Zeit. Auch an die Schnelligkeit.“

Dann urteilt Thorsten Fink über das (kleine) „Sorgenkind“ des HSV: „Definitiv hat Maxi Beister die Qualitäten. Weil er schnell ist, weil er vor dem Tor einfach gut ist. Er wird, da bin ich mir sicher, einen ähnlichen Weg einschlagen wie der Son. Aber er muss weiterhin hart an sich arbeiten und an sich glauben. Und er muss sehen, wie er gegen Widerstände angeht, ob er sich da durchbeißen will und wird. Da muss er hartnäckig sein. Und er muss Kondition haben, um in diesen Punkten auch hartnäckig bleiben zu können. Er muss warten, dass er mal ein Tor schießt, und dann bin ich mir sicher, dass er dann auch einen besseren Lauf hat und in sein Spiel rein kommt. Aber er hat ja jetzt auch keine Krise. Man muss das alles auch nicht so hochstilisieren, er ist sicher noch nicht da, wo wir ihn haben wollen, aber da muss er dran bleiben – und dann kommt das schon. Hart arbeiten und sich verbessern wollen, das ist es.“

Hoffentlich.

Kurz noch ein Schlenker zu Heung Min Son. Thorsten Fink sagte über Sons immer wieder aufkommenden Wechselgerüchte (z. B. Liverpool): „Er macht nicht den Eindruck, dass er uns verlassen will, oder dass er vor der Wahl steht, ich weiß auch nicht, ob da Angebote auf dem Tisch liegen – ich habe davon auf jeden Fall noch nichts gehört. Wenn ein Angebot kommt, dann werden wir darüber sprechen. Das machen dann schon andere, er soll in Ruhe spielen, und er ist auch, so glaube ich, vernünftig zu wissen, dass er sich auf seine Leistung konzentrieren muss.“ Dann fügte der Coach noch ergänzend an: „Den nächsten Schritt muss er immer noch hier und bei uns machen. Und sein nächster Schritt ist, mit dieser Mannschaft erfolgreich Fußball zu spielen – und dabei eine tragende Rolle zu spielen. Jetzt ist November, im August hat die Saison erst begonnen, jetzt schon ein neuer Verein im Gespräch – das geht alles viel zu schnell. Das macht er aber auch nicht . . .“

Dann noch kurz zum Thema Nationalmannschaft:

In einer Woche (am Mittwoch) spielt Deutschland ein Freundschafts-Länderspiel in den Niederlanden. Rene Adler hat wohl inzwischen mit Torwarttrainer Andreas Köpke telefoniert, aber ob der HSV-Schlussmann auch nominiert wird, das ist weiter offen. Ich hoffe es aber sehr für Adler, für den sich zuletzt ja viele, viele Experten und Fußball-Größen stark gemacht haben. Thorsten Fink zu diesem Thema: „Aber ich sage immer, dass Rene weiter gute Leistungen bringen muss, und fertig.“ Dann klappst auch mit dem Bundestrainer.
Das gilt wohl auch für Heiko Westermann. Ich bin gespannt, ob er erneut dabei ist – verdient hätte er es auf jeden Fall. Und ob Bayerns Holger Badstuber noch bis zum nächsten Mittwoch, wenn in Amsterdam gespielt wird, fit sein wird, das steht in den Sternen. Deswegen würde der HSV-Kapitän schon passen.

Ich komme zum Ende. Kurz aber noch zum heutigen Tag im Volkspark. Morgens machten die Kiebitze (und auch wir) lange Gesichter, denn die „Helden“ kamen nicht auf den „Acker“. Grund: Erst wurde ein Waldlauf veranstaltet, anschließend ging es in den Kraftraum. Nachmittags folgte dann eine Einheit auf dem Trainingsplatz, allerdings fehlten – wegen Erkältungen – Michael Mancienne und Per Ciljan Skjelbred.
Und wo ich gerade bei Training bin – morgen (Mittwoch) wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, eventuell, aber auch nur sehr eventuell, findet auch noch nachmittags „etwas“ statt, aber das hängt vielleicht auch von der Intensität des Vormittags ab.

Ganz zum Schluss in eigener Sache:

Der Herr „Bremner“ schreibt wieder. Es stimmt tatsächlich! Aber was für ein Echo. Ehre wem Ehre gebührt, kann ich nur sagen. Aber eines muss ich unbedingt erklären: Dass Abendblatt hat weder auf nachlassende Zahlen noch aus sonstigen „mauen“ Gründen reagiert. Mir gehen Zahlen ohnehin da vorbei, wo es angebracht ist, weil ich nicht von irgendwelchen Quoten abhängig sein möchte. Niemals. Und glaubt mir, die Herren vom Abendblatt und von Axel Springer sind nach wie vor mit den Matz-ab-Quoten zufrieden. Wenn das einmal nicht mehr der Fall sein sollte, würdet ihr es merken . . . Und ansonsten möchte ich festhalten, dass sich das Abendblatt auch nicht einmischt, eingemischt hat, einmischen wird. Es ist alles eine Sache des Moderatoren-Teams. Und das macht in meinen Augen ganz hervorragende Arbeit (das sage ich trotz der Tatsache, dass von drei Personen eine mein großer Sohn Andre ist), denn ich höre stets und von allen Seiten, dass sich das Klima erheblich verbessert hat. Und wenn die Moderatoren einen Herrn „Bremner“ wieder zulassen, dann wird das seinen Grund haben – auch ich mische mich dabei nicht ein.
Und, es ist ja auch schon geschrieben worden, der Herr „Eiche“ war zwar kurz gesperrt, das stimmt, er ist aber schon längst (und zwar seit Tagen oder auch Wochen) frei, dürfte also wieder – möchte aber noch nicht wieder.

Und nun fahre ich zum Edmund-Plambeck-Sportpark, wo das Regionalliga-Spiel zwischen HSV II und Werder II stattfindet. Ich melde mich nach dem Spiel noch einmal kurz zu Wort. Bis dahin – alles Gute. Und keine so große Aufregung mehr um den Herrn „Bremner“.

17.27 Uhr

PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat das Punktspiel gegen Werder II vor 215 Zuschauern (darunter 35 Bremer)mit 2:3 verloren. Bei Dauerregen gingen die Bremer bereits nach vier Minuten in Führung, als sie einen unglaublichen Fehler von HSV-Keeper Tom Mickel nutzten. Der Schlussmann ließ eine an sich harmlose Flanke aus den Handschuhen rutschen, sodass Röcker den Ball nur noch aus einem Meter über die Linie drücken musste. Welch ein fataler Fehlgriff, welch ein Auftakt. Aber der HSV-Nachwuchs erholte sich relativ schnell, gestattete den Bremern bis zum Halbzeitpfiff keine Tormöglichkeit mehr. Das lag vornehmlich an den beiden Innenverteidigern Jeffrey Bruma und Paul Scharner, die sehr gut standen, obwohl sie auf dem glatten Rasen nicht fehlerfrei waren. Dennoch standen sie solide und souverän. Wobei Bruma, der sehr engagiert wirkte (so hatte ich ihn nicht erwartet!), den etwas besseren Eindruck von den beiden Profis machte.

Im Mittelfeld spielte Gojko Kacar mit, er benötigte eine Anlaufphase von zehn, 15 Minuten, war dann aber drin in diesem Spiel. Trotz allem musst festgehalten werden, dass er noch lange nicht in Bestform spielt, da fehlt noch einiges – vor allen Dingen Spritzigkeit. Aber das ist natürlich selbstverständlich, und jedes Spiel wird ihn weiter nach vorne bringen. Obwohl das heute wohl schwer sein dürfte, denn Kacar, der in der 67. und 69. Minute zweimal hart gefoult worden war, musste in der 74. Minute verletzt aufgeben. Der Tritt des Bremers Trinks hatte Nachhaltigkeit.

Die HSV-Tore erzielten Janek Sternberg mit einem Freistoß (kein Zufall, Sternberg schoss überhaupt an diesem Abend gute Standards) zum 1:1 (36.), und eine Minute vor der Pause schoss Farrona Pulido nach Vorbarbeit von George Kelbel den 2:1-Halbzeitstand heraus. Zu diesem Zeitpunkt war der HSV in einer oft hektischen (und auch sehr lauten) Partie, die aber immer volles Tempo bot, die bessere Mannschaft. Ich habe nicht mehr an eine Niederlage geglaubt.

Im zweiten Durchgang spielte Werder dann “bergab” (in Norderstedt) und übernahm allmählich das Kommando. Auch deshalb, weil beim HSV Kapitän Henrik Dettmann in der 46. Minute ausschied – ich denke, dass er sich einen Nasenbeinbruch zugezogen hat. Für ihn kam Bentley Baxter Bahn. In der 57. Minute fiel der Ausgleich, als Pulido nach einem Eckstoß den Ball unglücklich zur Mitte abwehrte (per Kopf), Trinks schoss den Ball zum 2:2 ein. Und in der 77. Minute erzielte noch einmal Trinks das 2:3.

Der Bremer Sieg war vielleicht nicht unverdient, denn in Halbzeit zwei waren sie oft einen Tick schneller, ich hätte mit einem 2:2 besser leben können, denn die HSV-Mannschaft bot unter den Augen zahlreicher Scouts (aus ganz Deutschland) und Chef-Trainer Thorsten Fink (auch Assi Frank Heinemann und Maximilian Beister waren da) ein engagiertes Spiel. Diese Vorstellung hat mir besser gefallen, als beim 3:1-Sieg zuletzt gegen den VfB Lübeck. Neben Bruma und Scharner gefielen mir Sternberg (deutlich besser als gegen Lübeck) und Pulido. Nicht so viel gesehen habe ich erneut von dem großen HSV-Talent Matti Steinmann. Zu den beiden Innenverteidigern sei noch gesagt, dass sich Michael Mancienne und Heiko Westermann (noch) keine großen Gedanken über eine eventuelle Ablösung machen müssen, bei Bruma und Scharner fehlt noch eine Menge Spielpraxis.