Monatsarchiv für November 2012

Bruma für Jansen? Hauptsache van der Vaart hüpft!

30. November 2012

Königs-Winterwetter und ne Menge Dampf im Training – so macht das Traininggucken doch mal richtig Spaß. Dass dabei die eine oder andere Blessur entsteht und ein Ivo Ilicevic beispielsweise die volle Härte von Jeffrey schmerzhaft zu spüren bekam – in meinen Augen völlig okay so kurz vor dem Spiel. Bitter für Ilicevic zwar, aber es zeugt davon, dass die Mannschaft heiß ist. Und so lange sich niemand verletzt… Immerhin gibt es Positionen neu zu besetzen. „Man spielt, wie man trainiert“, hatte Vorzeigeprofi Rene Adler uns gestern gesagt. Wenn dem wirklich so sein sollte, dann aber hallo. Dann dürfen wir uns noch mehr auf das Spiel in der wunderschönen VW-Stadt freuen als wir es eh schon machen…

Wobei, eine Trainingseinheit gibt es ja noch. Morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und diese Einheit könnte den bislang ordentlichen Eindruck der Trainingswoche noch runterziehen. Was ich allerdings für unwahrscheinlich halte, zumal dagegen spricht, dass Trainer Thorsten Fink nach den Ausfällen von Rafael van der Vaart (Muskelfaserriss), Tolgay Arslan (Gelbsperre) und jetzt auch noch Marcell Jansen (Schulter ausgekugelt) personell einiges umstellen bzw. umbesetzen muss. Wer ersetzt Arslan auf der zehn? Und vor allem: wer spielt hinten links? Fragen, auf die Fink heute noch nicht antworten wollte.

Allerdings nannte er die Alternativen. Die eine wäre, Ivo Ilicevic für Arslan beginnen zu lassen und hinten links einfach einen Innenverteidiger spielen zu lassen. Jeffrey Bruma beispielsweise, der nachweislich heiß ist und sich ebenso nachweislich als Rechtsverteidiger schon sehr beachtlich aus der Affäre ziehen konnte. So müsste Fink, der wie immer betonte, möglichst wenig umstellen zu wollen, die vakanten Positionen gegenüber dem Schalke-Spiel lediglich eins zu eins austauschen. Denn: Dass Fink am System mit zwei Angreifern festhalten wird, ist klar. Darauf legte er sich heute fest.

Zudem würde Dennis Aogo bei der Konstellation erneut im Mittelfeld auflaufen können. Dort, wo er gegen Schalke meiner Meinung nach eines seiner besten Spiele seit Jahren für den HSV gemacht hat. Dafür spricht auch, dass Fink ihn und Per Skjelbred nannte, als es darum ging, wie man Wolfsburg formstarken Regisseur Diego aus dem Spiel nehmen könne. „Unser Mittelfeld wird das im Kollektiv machen“, so Fink, „Per und Dennis werden sich da kümmern.“ Ebenso wie Milan Badelj, der von der Sechs in der aktuellen Verfassung nicht wegzudenken ist. „Milan will ich nicht verschieben. Er ist auf der Position einfach zu wichtig“, so Fink am Donnerstag noch. Die Alternative mit Tomas Rincon auf der Sechs und Badelj als Arslan-Ersatz (in dieser Formation würde Ilicevic nach links rücken) dürfte somit wegfallen.

Und obwohl Heung Min Son der Toptorjäger des HSV ist und sich für die Partie beim VfL Wolfsburg am Sonntag gesund zurückmeldete, dürfte der Südkoreaner für die Startelf eher (noch) keine Alternative sein. Auf jeden Fall soll Beister wieder vorn beginnen (Fink: „Wenn ich ihn zurückziehe, müsste ich das System ändern. Und das will ich nicht“). Und nach seinem Tor im letzten Spiel dürfte auch Artjoms Rudnevs in Wolfsburg seine Pferdelunge unter Beweis stellen können.

Seine Schnelligkeit beweisen muss Dennis Diekmeier zwar nicht mehr. Dafür will der Rechtsverteidiger in Wolfsburg seine seit Saisonbeginn ansteigende Formkurve bestätigen. Und dabei kommt ihm die Umstellung auf eine Raute im Mittelfeld entgegen. „Das neue System eröffnet mir rechts viel Platz“, so Diekmeier, „da kann ich meine Schnelligkeit optimal ausspielen.“ So gesehen gegen Schalke, dem vielleicht besten Spiel Diekmeiers seitdem er im Juli 2010 aus Nürnberg zum HSV gewechselt ist. Immer wieder nutzte Diekmeier da den ihm gebotenen Freiraum über außen. Nicht umsonst leitete er zunächst den Angriff zum 2:0 ein und bereitete am Ende das Tor von Rudnevs sogar mit seinem Querpass vor. Zudem kam Diekmeier immer wieder zu gefährlichen Flankenläufen. „Dennis ist in einer sehr guten Form“, sagt Fink, der den Rechtsverteidiger hauptsächlich deshalb (und auch mangels Alternativen) als „gesetzt“ bezeichnet.

Demnach dürfte die Startelf gegen Wolfsburg so aussehen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Bruma – Skjelbred, Badelj, Ilicevic, Aogo – Beister, Rudnevs. Und das klingt doch nach einer ordentlichen Mannschaft. „Wir werden uns noch speziell auf ihn vorbereiten“, sagt Diekmeier, „und Diego dann im Kollektiv bearbeiten. Er ist in einer sehr guten Verfassung. Aber wenn wir ihn ausschalten, gewinnen wir das Ding.“

Worte, die nach (neuem?) Selbstvertrauen klingen. Ob das Spiel gegen Schalke eine Art Initialzündung gewesen sein könnte? „Zumindest hat es uns einige wichtige Dinge klargemacht“, so Diekmeier. „Zum einen, dass wir auch zwei schwere Ausfälle als Mannschaft auffangen und verkraften können. Und zum anderen, was alles möglich ist, wenn alle Vollgas gehen. Es reißt einen einfach mit, wenn er sieht, dass der Nebenmann plötzlich den verlorenen Ball wiederholt.“ Trainer Thorsten Fink ist gewohnt vorsichtig. Allerdings ist er optimistisch. „Ich hoffe, dass wir aus den letzten beiden Spielen unsere Lehren gezogen haben. Wir wollen Konstanz“, so Fink, der sich über die durchdachten Worte Rene Adlers gefreut hat. „Rene hat das genau richtig gesagt. Und es ist gut, dass diese Erkenntnisse auch aus der Mannschaft kommen. Es wissen alle, dass sie mit Spaß und Leidenschaft ihre Spiele gewinnen.“

Das hätte man als Profi zwar auch vorher schon wissen müssen, allerdings sehe ich es ähnlich wie gestern Adler: Die Mannschaft ist auf einem sehr positiven Weg. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Mannschaft auch den namen „Mannschaft“ verdient, ist, dass Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan als Verstärkung mitreisen und die Mannschaft von der Tribüne aus anfeuern.

Aus einem Haufen netter Spieler wird endlich eine Mannschaft. Auf und neben dem Platz.

Wie wichtig dabei die Rolle des Superstars van der Vaart einzustufen ist, vermag ich aktuell gar nicht bemessen zu können, so enorm ist sie. Egal welchen Spieler ich spreche, jeder führt ihn und Adler an. Wobei van der Vaart nicht allein ob seines Weltklassefußballs sondern vielmehr auch als Integrationsfigur für alle Spieler bezeichnet wird. „Er ist ein Superstar, der sich überhaupt nicht so gibt“, hatte Arslan gelobt, „im Gegenteil: Rafael ist ein Vorbild auf und neben dem Platz. Er redet mit den Jungen und versucht allen zu helfen.“

Ein Niederländer als Vollblut-HSVer?

Klingt unwahrscheinlich, scheint aber immer mehr der Wahrheit zu entsprechen. Am Dienstag lief mir van der Vaart unmittelbar nach Schlusspfiff auf dem Weg zu den Kabinen über den Weg. Er freute sich und ich gratulierte, um scherzend hinzuzufügen: „Aber was sagt dir das, dass die Mannschaft ohne Dich ihre beste Saisonleistung abgerufen hat?“ Van der Vaart lachte laut und antwortet: „Ja, am besten ich haue wieder ab. Das läuft ja“, so die Nummer 23 im Scherz, ehe er etwas ernsthafter hinzufügte: „Ehrlich, das zeigt, dass wir eine gute Mannschaft haben, die noch viele Punkte holen kann.“ Wie ehrlich diese Freude war, zeigte anschließend der Jubel im Kabineninneren. Jeder Spieler, der die Kabine betrat, wurde von van der Vaart umarmt. Mit den meisten hüpfte er vor Freude über den langen Gang, mit einigen anderen sprach er kurz. „Er hat einfach nur gesagt, dass er stolz auf die Mannschaft ist“, so Adler über den etwas normaleren Superstar, der am Sonntag hoffentlich wieder allen Grund zum Hüpfen hat.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Wir sehen uns hoffentlich alle wieder am Sonntag nach dem Dreier (mein Tipp: VW – HSV 0:2) bei unserer nächsten „Matz-Ab“-Livesendung. Ich freue mich darauf!

Scholle

AKTUALISIERT: Jansen fällt bis Rückrunde aus!*** Adler hebt die Messlatte an – und Rincon “opfert” Finger für den HSV

29. November 2012

****Ich hatte den Text gerade freigeschaltet, da erreichte mich eine SMS des Mediendirektors Jörn Wolf. Der Inhalt las sich nicht gut. Immerhin stand dort geschrieben, dass sich Marcell Jansen bei einem Trainingsunfall mit einer Hantelstange die Schulter ausgekugelt hatte. Diese wurde im UKE zwar wieder eingerenkt. Allerdings hat Jansen jetzt noch immer Schmerzen, da auch die Kapsel in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sein Einsatz ist bis zum Beginn der Rückrunde definitiv ausgeschlossen, so Wolf weiter. Das könnte bedeuten, dass Aogo wieder nach hinten und entweder Son oder Ilicevic auf die linke Außenbahn rutschen. Bitte seht mir nach, dass diese taktische Variante in dem folgenden, vorher fertiggestellten Text noch nicht berücksichtigt war…***

Es gab schon viele Namen beim HSV, die mit einer hundertprozentigen Einstellung und Tadellosigkeit in Verbindung gebracht wurden. Es gab auch schon einige HSV-Spieler, die auf ihrer Position zur Weltklasse gezählt wurden. Letzteres ist zwar schon etwas her, aber seit Rafael van der Vaart und eben jenem Mann mal wieder Fakt: Rene Adler. Der 27-Jährige ist die große Konstante im HSV-Team. Bis auf einen unglücklich aussehenden Gegentreffer gegen Bayern hielt Adler alles, was zu halten war. Und noch etwas mehr. In den Fachmagazinen ist er der Notenbeste unter den Torhütern. Besser noch als Deutschlands eigentliche Nummer eins Manuel Neuer. Grund abzuheben ist das für den gereiften Keeper allerdings nicht. Im Gegenteil. Seine lange Verletzungspause hat ihm gezeigt, wie schnell der große Trubel und Jubel um seine Person abebben kann. „Fußballprofi bedeutet, jeden Tag aufs Neue alles geben zu müssen. Nicht mehr – aber auch nie weniger.“

Adler hat diesen Satz verinnerlicht, galt allerdings immer schon als jemand, der lieber zwei Läufe mehr als einen zu wenig macht. Als einer, den man manchmal eher stoppen muss, wie sein ehemaliger Torwarttrainer und Freund aus Leverkusener Zeiten, Rüdiger Vollborn, befand. „Rüdiger kennt mich sehr gut. Ich bin eher der Typ, der über das Arbeiten kommt. Er hat immer zu mir gesagt, dass ich ein Naturtalent sei, dass ich direkt aus dem Urlaub kommend Bundesliga spielen könnte. Deshalb überrascht es ihn wie mich auch nicht, dass ich so schnell wieder zu meiner Form finde.“ Vollborn war es allerdings auch, der Adler einen entscheidenden Tipp mit auf den Weg gab: „Er hat mir gezeigt, dass ich manchmal auch auf meine Stärke vertrauen kann und nicht nach jedem Training noch mal in den Kraftraum muss. Früher war ich da oft zu verbissen, heute gehe ich, wenn ich gut auf dem Platz gearbeitet habe, dann mal lieber mit Drobo (Jaroslav Drobny, d. Red.) in die Sauna. Ich finde so meine Balance.“

Und die will Adler jetzt auch mit dem HSV finden. „Konstanz ist das Zauberwort“, sagt der Keeper und spricht auf die teilweise noch heftigen Schwankungen zwischen ganz übel (z.B. Düsseldorf) und ganz stark (Schalke) an. „Die Erklärung ist einfach: Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Aber das kriegen andere besser hin. Darauf legen wir jetzt unser Hauptaugenmerk. Hier beim HSV soll eine Mentalität entstehen, dass uns das so nicht reicht. Wolfsburg ist ein Spiel, in dem man punkten kann. Aber wir müssen da hin fahren mit dem Selbstvertrauen, dass wir die drei Punkte holen wollen. Wir haben Schalke geschlagen – wir sind eine gute Mannschaft“, wählt Adler die Worte, die ich seit Oenning vermisst habe.

Vor allem aber bin ich erleichtert, dass die Mannschaft nicht noch kleiner geredet wird. Zu lange wurde auf Unzulänglichkeiten und fehlender Qualität (Erfahrung) herumgeritten, speziell zu Beginn der Umbruchphase 2011/2012. Wobei, damit mich hier niemand falsch versteht: ohne etwas ausschließen zu wollen, aber auch ich erwarte die Mannschaft noch nicht unter den ersten Sechs. Vielmehr hoffe ich, dass mit laut formulierten Ansprüchen auch die Spieler keine Alibis mehr haben, sich mit Mittelmaß zufrieden zu geben.

„Ich sehe einen absolut positiven Trend in dieser Saison“, sagt Adler. Die Mannschaft habe speziell bei der Minusleistung in Düsseldorf (Adler: „Ich freue mich über Schalke und ärgere mich dadurch fast noch mehr über Düsseldorf“) gesehen, dass es ohne 100 Prozent Einstellung nicht funktioniert. „Jeder einzelne muss ein Anspruchsdenken entwickeln, nach dem Spiel in den Spiegel schauen und sagen zu können, dass er alles gegeben hat. Wenn das 90 Prozent der Mannschaft nach dem Spiel kann, haben wir das Spiel auch gewonnen. Ganz sicher.“

Und das beginnt im Training. Während Adler mit Ronny Teuber viele Einzelstudien der Gegner macht und vom detailgetreuesten Training spricht, absolvierte die Mannschaft heute einen kleinen Zirkel zum Aufwärmen, ein Pass- sowie ein intensiveres Abschlussspiel auf verkürztem Feld. Und während ich mir vor Düsseldorf noch Gedanken gemacht hatte, die Mannschaft sei in den kaum laufintensiven Trainingseinheiten vielleicht nicht genug gefordert worden, widerspricht Adler dem vehement. „Das Schalke-Spiel war für mich keine Überraschung. Es ist wirklich so: wie du trainierst, so spielst du. Und wir hatten überragend trainiert.“ Zwar nicht von der Intensität, dafür aber wurden Schwachpunkte gezielt abgestellt. „Wir haben einfache Ballverluste abgestellt und an der Chancenverwertung gearbeitet. Deshalb hatte sich das Ergebnis abgezeichnet“, sagt Adler und schickt gleich einen Appell hinterher: „Bei uns sind enorme Entwicklungschancen vorhanden – aber nur, wenn sich jeder einzelne bei jedem Training so hinterfragt. Beim HSV gilt das für jede Einheit, in jedem Spiel. Und da nehmen wir alle in die Pflicht.“

Dass dem so ist – darin sieht Adler eine seiner Aufgaben. Insbesondere den jungen Spielern müsse er helfen. „Ich bin ein großer Freund davon, auf dem Platz klare Worte zu sprechen. Man kann sich auch mal richtig reiben – daran wächst man letztlich. Ich lege gern den Finger in die Wunde. insbesondere, wenn es läuft. Denn im Erfolg macht man die meisten Fehler.“ Als Beispiel nimmt er die aktuelle Situation. Wir wissen, wo wir herkommen. Aber langsam müssen wir die alte Saison ad acta legen und uns konsolidieren. Und zwar von Spiel zu Spiel. Sollte das für Europa reichen – umso schöner.“

Dafür muss am Wochenende allerdings ein ziemlich schwer einzuschätzender VfL Wolfsburg geschlagen werden. Schon allein, um den Abstand zum Tabellen-15. Zu halten. „Vom Tabellenstand müssen wir uns beim VfL lösen“, warnt Adler, „die Mannschaft gehört von den einzelnen Spielern und dem Umfeld her in die obere Tabellenhälfte.“ Zumal mit Diego der überragende Mann wieder zu seiner Form gefunden hat. „Bei ihm hat man schon so eine Art Befreiung gespürt, nachdem Magath als Trainer entlassen worden war“, sagt Adler, „aber seither sind sie auch nicht ungeschlagen. Im Gegenteil, sie haben gerade gestern wieder verloren.“ Das allerdings sei nicht unbedingt ein Vorteil für den HSV, weil „die jetzt danach dürsten, die Punkte zurückzuholen“.

Danach dürsten, wieder auf dem Platz zu stehen trifft auch auf einige HSVer zu, die sich für die Rolle vom gesperrten Tolgay Arslan in Position bringen. „Sala, Tesche und Ivo sind da Kandidaten“, sagt Fink. „Tomas Rincon wäre eher die defensivere Variante. Aber ich will Milan nicht von der Sechs nehmen“ räumt Fink dem Venezolaner eher Außenseiterchancen ein. Dabei will der für einen etwaigen Einsatz sogar die Beweglichkeit seines rechten Ringfingers opfern. Eine endgültige Entscheidung, ob er operiert wird, soll am Freitag fallen. „Aber zu 80 Prozent steht sie schon“, sagt Rincon, „ich werde weiterspielen, weil die nächsten Wochen und Monate für mich einfach zu wichtig sind, jetzt, wo ich wieder dran bin.“ Insbesondere 2013 sei für ihn enorm wichtig. Neben den WM-Qualifikationsspielen mit Venezuela steht für den 24-Jährigen auch beim HSV eine wichtige Entscheidung an. „Im Sommer geht es darum, on ich verlängere oder nicht“, so Rincon, dessen Vertrag zwar erst 2014 ausläuft. Ergo: der HSV muss sich entscheiden, Rincon zu behalten oder die letzte Gelegenheit (den Winter 2013/2014 mal ausgenommen) nutzen, ihn noch zu verkaufen. „Ich habe das mit meiner Familie besprochen und wir waren einer Meinung. Immerhin verdiene ich jetzt mit Fußball mein Geld. Dafür brauche ich die Fingerkuppe nicht. Aber dafür will ich fit sein.“ Immerhin würde eine Operation rund 1,5 Monate Pause mit sich bringen.

Keine Pause mehr gibt sich Ivo Ilicevic. Der Kroate drängt ins Team. Als Ersatz für den gesperrten Arslan. „Ich habe diese Position schon häufiger gespielt“, so die Bewerbungsworte des Rechtsfußes, der nach der heutigen Trainingseinheit noch allein auf dem Platz blieb. 30 Minuten lang übte er Dribblings. Die Vorbereitung auf sein Comeback nach nunmehr fast zwei Monaten Pause (zuletzt stand er am 29. September gegen Hannover 45 Minuten auf dem Platz). „Mir geht es gut, alles ist ausgeheilt“, freut sich Ilicevic, der die zentrale Position als Vorteil für sich sieht. „Ich kenne sie und diese Position bringt es mit sich, dass man im Spiel ist und sehr viele Ballkontakte hat. So kommt man sehr schnell wieder rein.“ Ob das auch für ihn gilt, ist noch unklar. Allerdings wahrscheinlich.

In diesem Sinne, in dieser Adler’schen Art und Weise darf über größere Ziele gesprochen werden. Immer nah an der Realität gehalten, so gefällt mir das sogar richtig gut, weil es den Anspruch eines jeden Spielers anhebt. Vor allem an sich selbst. Verstecken gilt nicht mehr…

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Heung Min Son wird gegen Wolfsburg wieder in den Kader rutschen. „Er hat eine Stunde lang voll trainiert und keine Probleme gehabt“, sagt Fink, der Son nicht als Arslan-Ersatz sieht und zudem offen ließ, ob der Südkoreaner beginnt. „Nach Siegen sollte man nicht zu viel wechseln. Eigentlich halte ich mich daran ja auch immer…“

Das war ein großer Schritt in die richtige Richtung – mehr aber noch nicht

28. November 2012

Der Tag danach – bis auf Tolgay Arslan, der sich langsam der Bedeutung seiner Sperre bewusst, freute er alle komplett und uneingeschränkt. „Das war ein wichtiger Sieg für die Fans, den Verein, für die Mannschaft“, so sich Per Skjelbred, „und für mich. Ich habe vier Monate warten müssen und dann die Chance bekommen, die ich genutzt habe. Der Trainer meinte: ‚Gut gemacht, Junge.’ Und das fand ich auch. Ich bin mit meiner Rolle in diesem Spiel sehr zufrieden.“ Und das darf er absolut auch sein.

Skjelbred, der auf der von ihm eher ungeliebten rechten Mittelfeldseite ein extremes Laufpensum an den Tag legen musste, wird auch am Sonntag in Wolfsburg beginnen. Darauf legte sich Trainer Thorsten Fink („Per hat seine Aufgabe hervorragend gelöst“) bereits fest. Denn auch bei den Niedersachsen will Fink mit einem spielerisch starken Mittelfeld punkten. „Wir haben gewonnen, weil wir guten Fußball gespielt und dabei einen großen Fight geliefert haben“, fasste Milan Badelj nach dem Spiel zusammen. Und der Kroate hatte Recht. Der HSV lief 114,4 Kilometer, die Schalker hingegen nur 110,4 Kilometer. „So haben wir Druck gemacht“, freute sich Fink und Badelj ergänzte: „In Düsseldorf haben wir versucht, mit nur nett anzusehenem Fußball zu gewinnen. Aber spätestens jetzt wissen wir, dass wir gut spielen müssen UND immer kämpfen. Dann werden wir vielleicht bald wieder sagen können: Das war unser bisher bestes Spiel.“

Der beste Mann auf dem Platz neben – wie eigentlich immer – Adler, war für mich Badelj. So sehr ich mich über Skjelbred, Beisters ersten Treffer und natürlich über die starke Rückkehr Aogos auf seiner neuen Position gefreut habe, der Kroate machte auf der Sechs alles. Er war das Gehirn des HSV – und das funktionierte besser als das Starensemble aus Gelsenkirchen. „Bei Milan hat einfach alles geklappt. Er hat die Rolle als einziger Sechser angenommen und war der dominante Mann auf dem Platz. Er war die Schaltzentrale zwischen Abwehr und Mittelfeld. Und meistens auch noch zwischen Mittelfeld und Angriff“, lobt Arnesen den Rechtsfuß mit dem Ball-Magneten im Schuh. Nur fünf seiner 68 Pässe (Topwert aller Spieler) verfehlten den Mitspieler. Nur der ebenfalls bärenstarke Heiko Westermann (92) hatte mehr Ballkontakte als Badelj (87), der mit 11,58 Kilometern nach Aogo (12,12 Kilometer) auch noch der laufstärkste Spieler war. Mit 12 gewonnen Zweikämpfen schon sich Badelj zudem zwischen die vier Abwehrspieler. „Bei Milan fängt unser guter Fußball an, weil er für unsere Abwehr immer als Anspielpunkt dient. Egal, wer um ihn herum steht, Milan will den Ball und behauptet ihn auch. Er ist eine Lösung für alle Mitspieler und der Chef auf dem Platz“, so Arnesen. Und dass der Kroate den Elfer schießen durfte („Normalerweise hätten die Stürmer schießen müssen, ich wollte aber unbedingt“), spricht für Badeljs Akzeptanz bei den Kollegen.

Und wenn wir schon mal ein so gutes Spiel des HSV im Rücken haben, will ich nicht aufhören, das Positive hervorzuheben. Immerhin hatte ich bei Maximilian Beister lange das Gefühl, dass ihm die Härte fehlt. Auch gegen Schalke. Immer wieder verlor Maxi leichte Bälle, er verlor die Zweikämpfe, weil ihn seine Gegenspieler schier mühelos zur Seite schoben. Und das, obwohl Maxi durchaus robust gebaut ist. Und dann traf er. Mit 116 Kmh schlug der Ball direkt über Unnerstall ein. Dass der Ball haltbar war, ist für mich in diesem Fall ebenso unstrittig wie unwichtig. Denn entscheidend war, dass Beister sich endlich etwas zutraut. „Das war ein besonderer Moment für mich, mein erstes Bundesligator. Das pusht, das gibt mir neues Selbstvertrauen – und plötzlich klappen auch solche Hackentricks. Mit dem Tor ist eine Menge Druck von mir abgefallen, weil die Leute auch Erwartungen haben und ich natürlich auch an Toren gemessen werde.“

Dennoch, Beister braucht noch Zeit. Noch fehlen dem sympathischen und talentierten Linksfuß einige Bausteine, um komplett als Erstligaspieler anzukommen. Das weiß er auch selbst: „Ich weiß, dass ich immer noch in der Entwicklungsphase bin. Ich werde jetzt auch ganz sicher nicht ungeduldig. Der Rest kommt von allein.“

Auch wenn der letzte Satz eher eine Floskel als eine Wahrheit ist, so ist Beister deutlich anzumerken, dass er Fortschritte macht. Immer wieder musste er unmittelbar nach seinem ersten Treffer die Frage beantworten, ob er jetzt endlich „angekommen“ sei. Eine Frage, die dem intelligenten Offensivmann zu plump war. Er umschiffte die Frage gekonnt und formulierte wie ein alter Hase: „Diesmal kam viel zusammen. Die Position passte, weil ich sehr viel Raum hatte, meine Schnelligkeit nutzen konnte. Ich genieße einfach, dass ich von Spiel zu Spiel mehr Selbstvertrauen bekomme und der Trainer mir immer mehr Vertrauen entgegenbringt. Angekommen bin ich vor Monaten. Ich wusste damals aber auch, dass ich geduldig sein muss. Deshalb war und bin ich nicht unruhig.“

Muss er auch nicht sein. Im Gegenteil, die Richtung stimmt ja nachweislich. In Freiburg war er kurz vor seinem ersten Treffer, in Düsseldorf war er einer der wenigen Spieler mit positiven Ansätzen. Und jetzt hat er nicht nur getroffen sondern zudem auch das 2:0 mit initiiert. „Ich war mit ihm am Vortag noch essen, da haben wir schon viel gesprochen. Er ist mein Freund und ich habe mich über sein Tor so gefreut, als hätte ich es selbst geschossen“, freut sich Arslan für Beister, der ergänzt: „Wir haben gezeigt, dass wir trotz schwerwiegender Ausfälle gewinnen können. Das war die wichtige Lehre dieses Spiels.“

Leider keine Lehre gezogen hatte indes Arslan vor dem Spiel aus dem persönlichen Gespräch mit Fink. „Der Trainer hat mich extra zur Seite genommen und gewarnt. Er meinte, ich sei als halber Türke vom Temperament her gefährdet und müsse mich besonders gut im Griff haben. Aber das hatte ich nicht. Ich konnte einfach nicht ruhig bleiben“, so Arslan zur fatalen Szene. Der Ersatz von Rafael van der Vaart ist zudem selbstkritisch genug, um zu wissen, dass er einen Fehler gemacht hat. „Der Schiedsrichter Gräfe war ein sehr guter Leiter der Partie. Er hat immer mit uns gesprochen, hat mich auch ruhig ermahnt. Aber ich konnte irgendwie nicht anders. Ich hätte mir die Gelbe auch gegeben. Und so dumm die fünfte Gelbe von mir war, die Mannschaft wird mich in Wolfsburg ersetzen können. Das haben wir gezeigt.“

Auch, weil sich alte Stammkräfte stark zurückmeldeten wie Dennis Aogo. „Die Position war überraschend und neu für mich, zudem haben wir im Mittelfeld taktisch umgestellt, das hat es nicht leichter gemacht. Aber wir hatten den Willen, die Laufbereitschaft und den Einsatzwillen, dieses Spiel egal wie zu gewinnen“, freut sich Aogo, der selbst für das Beschriebene ein Paradebeispiel darstellte. Bis zur völligen Erschöpfung („Ich hatte schon fast Krämpfe, die Beine wurden schwerer. Ab der 80. Minute war es richtig hart“) ackerte Aogo und lieferte ein bemerkenswert starkes Spiel ab. Zumindest erinnere ich mich nicht an ein Spiel, das ähnlich auffällig gut von ihm war. Warum das in Düsseldorf nicht abrufbar war? „Keine Ahnung“, so Aogo ehrlich, „es ist tatsächlich schon komisch. Wir das schaffen das nicht, wenn wir mal einen wichtigen Schritt nach vorn gehen können. Aber solche Spiele gewinnen wir.“ Dennoch sei er sich sicher, dass es in Wolfsburg die Fortsetzung geben wird. „Wir wissen, was nie fehlen darf…“

Nicht mehr fehlen wird bei den Niedersachsen am Sonntag (17.30 VW-Arena) voraussichtlich Heung Min Son, der nach seiner Verletzungspause davon profitieren könnte, dass Arslan gesperrt ausfällt. Heute absolvierte der bisherige Toptorschütze bereits wieder Lauftraining und könnte morgen schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, das von zehn auf 13 Uhr verlegt wurde. Allerdings dürfte auch Son klar geworden sein, wie wenig unverzichtbar er ist. „Es ist toll für die Mannschaft, dass sie auch ohne Sonni und Rafa gewinnt“, fasst Sportchef Frank Arnesen zusammen. „Zudem ist es auch gut für Rafa, weil es Druck von ihm nimmt. Auf jeden Fall war es das beste Spiel von uns, seitdem ich hier bin.“

Dennoch, bei aller Freude über das gute Spiel war Arnesen schnell wieder zurück im Alltag. Immerhin muss der Däne im Winter versuchen, 6,4 Millionen Euro Kosten einzusparen, indem er Spieler verkauft und von der Gehaltsliste bringt. Dazu zählt neben Drobny, Tesche und Rajkovic („Am kommenden Montag will ich wieder mit der Mannschaft trainieren“) auch weiterhin Per Skjelbred. Arnesen zu Skjelbred: „Wir haben viel gesprochen und sprechen noch immer sehr viel miteinander. Er wollte sich durchsetzen und ist geblieben – das ist legitim. Er hat auch Pech gehabt, als er gegen den KSC aufgestellt wurde und lange der beste Mann von uns war, bis die gesamte Mannschaft samt ihm abgestürzt ist. Aber er hat sich im Training immer reingehauen, lässt nie den Kopf hängen und will unbedingt zeigen, dass er es kann. Gegen Schalke hat er schon mal seine Visitenkarte abgegeben. Das freute mich sehr für ihn, denn per ist ein guter Fußballer und ein absoluter Teamplayer. Wir schauen uns das jetzt alles die nächsten Wochen an und werden dann sehen, was am besten ist. Denn klar ist: Per will spielen. Das ist das Wichtigste.“

So sieht es auch Ju’s Lieblingsspieler, der einen weniger anschaulichen, dafür aber sehr sinnvollen Oberlippenbart trägt. „Movember“ heißt die November-Aktion, bei der sich weltweit hunderttausende Männer einen Oberlippenbart stehen lassen, um so für Spenden zur Krebsforschung aufzurufen. Auch Skjelbred nimmt daran teil. Zu seiner HSV-Zukunft sagt er: „Ich denke jetzt nur an den HSV und habe keine Kontakte zu irgendwelchen anderen Vereinen. Entscheidend ist, was der Chef (zeigt auf Geschäftsstelle) da oben sagt. Ich habe immer gesagt, dass ich mich hier genauso wie meine Frau und meine Kinder sehr wohl fühle. Im Winter schauen wir dann, wie es weitergeht.“

Sollte er bis dahin noch drei Spiele wie gestern machen, wird er sich seine Zukunft wahrscheinlich selbst aussuchen können. Ich würde es dem sympathischen Blondschopf allemal gönnen.

In diesem Sinne, ich gönne mir heute Abend die Diskussion in der Raute. Fans und Verein diskutieren über das neue DFL-Sicherheitspapier, das am 12.12 (daher der Name 12.12 für die 12 Minuten und 12 Sekunden langen Protest-Schweigeaktionen in den Stadien an den Spieltagen 14 bis 16) in Frankfurt verabschiedet werden soll. Hitzige Diskussionen sind programmiert. Aber vielleicht zeigen die Verantwortlich und die Fans heute Abend ja mal eine ähnlich starke Leistung wie die Mannschaft gestern.

Bis morgen!

Scholle

P.S.: Damit niemand denkt, ich hätte ihn vergessen: Ganz stark war auch Dennis Diekmeier, der immer konstanter wird. Am Freitag haben wir den Rechtsverteidiger bei uns in der Runde. Dann kann und soll er uns erzählen, woran es liegt, dass er immer besser in Fahrt kommt.

3:1 gegen Schalke – ein traumhafter Abend

27. November 2012

Nebenan spielten zur selben Zeit die Toten Hosen. Aber im „richtigen“ Volkspark war diesmal die Hölle los – von wegen tote Hosen! Der HSV spielte endlich einmal wieder eine Sahne-Partie, und das ohne Rafael van der Vaart, ohne Heung Min Son, ohne Petr Jiracek. Alle Achtung. Mit 3:1 wurde ein ziemlich lahmer FC Schalke aus der Arena geschossen, die Heimstärke des HSV setzt sich fort. Diesmal war das Feuer von Beginn an auf dem Rasen zu sehen, es wurde gespielt, gekämpft, gerannt – und erfolgreich abgeschlossen. Trainer Fink hatte zwei Stürmer aufgeboten – beide trafen sie. Aufstellung voll gelungen. HSV-Herz, was willst du mehr? Wenn diese Einstellung jedes Mal abgerufen werden würde, oder sagen wir mal, jedes zweite Mal, dann wären wohl viele, viele HSV-Fans rundherum zufrieden. So wie diesmal. Alle gingen sie freudig, feiernd und strahlend nach Hause. Danke, HSV, für diesen Auftritt – und für diesen Dreier!

Die Arena war beim Anpfiff so leer wie seit Jahren nicht mehr. 47 127 Zuschauer waren da – sicher auch einige Fans, die mit ihrer Dauerkarte zu Hause geblieben waren. Die Frage ist die: spielen oder stolpern sie sie nun langsam aber sicher leer? Oder lag es nur am Dienstagabend? Diese Kulisse war auf jeden Fall kümmerlich – gegen Schalke! Gegen Fürth, Augsburg oder Hoffenheim wäre das verständlich, aber so? Und dann wurde auch noch – wie versprochen – zwölf Minuten lang geschwiegen. Grabesstille. Fußball zum Davonlaufen: „Ohne Stimme keine Stimmung“. Ist so, war diesmal schon so. Wobei vor dem Anstoß schon noch Stimmung gemacht wurde. Und Beifall gab es auch. Als Rene Adler in sein Tor im Norden ging – da gab es reichlich und warmen Applaus. Die Fans wissen eben, wem sie hier etwas zu verdanken haben.

Mit dem Anstoß stellte sich ein anderer HSV als zuletzt in Düsseldorf vor. Was nicht anders zu erwarten war, denn schlechter als bei dieser 0:2-Niederlage geht es ja nicht mehr. Ich muss mal berichten, dass ich in den Stunden und Tagen nach dem Spiel am Rhein das blanke Entsetzen in vielen, vielen Mails und Telefonaten gehört und gelesen habe. Ich hatte den Eindruck, dass sich einige HSV-Anhänger (und einige mehr) inzwischen jenem Punkt nähern, an dem sie resignieren oder auch nur schlicht die Nase voll von diesem Gekicke haben. Das ist mein Eindruck – er kann täuschen, aber ich habe so viele negative Rückmeldungen noch nie gehabt. Vom „Matz-ab“-Blog mal ganz abgesehen, da ging es ja schon während des Spiels in Düsseldorf hoch und höher zu.

Diesmal, gegen Schalke 04, war der HSV aber nicht nur konzentrierter, sondern auch engagierter bei der Sache. Die Mannschaft wollte, und das sah man ihr von der ersten Minute an auch an. Da sollte Wiedergutmachung betrieben werden, und dazu hatte sich Trainer Thorsten Fink auch einige Sachen einfallen lassen. Die Taktik wurde geändert. 4:4:2 oder auch 4:3:1:2. Auf jeden Fall zwei Stürmern: Maximilian Beister und Artjoms Rudnevs. Das war schon mal ein Zeichen. Und es blieb nicht nur in der Theorie offensiv, sondern auch auf dem neuen Rasen. Beister schoss – ein wenig übermütig – aus 28 Metern, der Ball wäre wahrscheinlich unterwegs verhungert, aber der Versuch war da (2.). Und 60 Sekunden später versuchte sich der im Mittelfeld aufgestellte Dennis Aogo aus 30 Metern, schloss wohl aber in etwa ebenso hoch ab. Aber auch das war ein Versuch wert.

Fink hatte Marcell Jansen wieder hinten links aufgestellt, und im rechten Mittelfeld erhielt wieder einmal Per Ciljan Skjelbred eine Chance. Der Norweger wirkte wie immer quirlig und emsig bei der Sache, aber er riskierte in der ersten halben Stunde kaum einen riskanten Pass, sondern übte sich in Sicherheitspässen. Nur keinen Fehler machen. Aber er taute mit der Zeit auf und riskierte ein wenig mehr – und das kam auch gut an. Der HSV spielte gegen erschreckend harmlose Schalker die beste Halbzeit seit langer Zeit (Gladbach? Freiburg?). Zwar hatte die Mannschaft aus Gelsenkirchen die wohl beste Möglichkeit des ersten Durchgangs, als Klaas-Jan Huntelaar den Ball viel zu lässig über die Torlinie drücken wollte – und die Kugel nur mit dem großen Onkel erwischte. Hochmut kommt vor dem Fall (20.). Und dann beförderte der nach einer Farfan-Ecke am langen Pfosten stehende Tolgay Arslan einen Obasi-Kopfball noch von der Linie – aber das war schon die ganze Schalker Herrlichkeit (22.).

Aogo hatte zuvor bereits den Pfosten des Schalker Tores getroffen, den Ball hätte Unnerstall niemals gehalten (7.). Rudnevs hatte (bedrängt von Fuchs) das 1:0 auf dem Fuß (8.), und nach einer sehenswerten Kombination über Jansen, Beister kam Skjelbred im Strafraum zum Schuss, doch der Ball wurde noch geklärt, wäre aber auch nicht drin gewesen (11.). Es roch nach dem 1:0 für den HSV, auch als der ehemalige Schalker Heiko Westermann im 04-Strafraum auftauchte – aber aus zwölf Metern weit daneben schoss. Nicht richtig getroffen, die Kugel (27.).

Bittere Szene danach: Tolgay Arslan foulte (?) Jones und beschwerte sich beim sehr guten Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe. Und zwar so lange, bis der Unparteiische die Gelbe Karte zückte. Arslans fünfter gelber Karton, deshalb darf er am Sonntag, beim Auswärtsspiel in Wolfsburg, zusehen. Das macht Spaß. Da kommt Freude auf. Nur weil er den Mund nicht halten konnte – bei der augenblicklichen Personalnot doppelt bitter.

Dennoch, es gab viel Beifall zur Pause. Weil der HSV so gut wie lange nicht mehr aufgezogen hatte, und weil Schalke auch so schwach wie selten einmal zuvor in Hamburg aufgetreten war. Aber das muss Huub Stevens ganz allein mit sich und der Mannschaft abmachen. Und: Jeder spielt so gut, wie es der Gegner zulässt, und der HSV hat nicht so sehr viel zugelassen. Schalke dagegen schon.

Auch im zweiten Durchgang zunächst nur der HSV. Arslan versuchte sich aus elf Metern und halblinker Position mit einem Schuss, halb Heber, halb Schlenzer – aber weit überweg (49.). Dennoch das 1:0 – drei Minuten später. Milan Badelj erkämpfte sich in Höhe Mittellinie den Ball, dann ein Pass auf Beister – und der zog ab. Erst mit der Kugel am Fuß, dann aus 20 Metern. 117 Stundenkilometer schnell. Und Tor! Sein erstes Bundesliga-Tor. Weil Unnerstall die Arme nicht hochbekam. Ein schöner Schuss, und richtiger Hammer, aber sicher nicht unhaltbar. Jede Wette: Im nächsten Schalke-Spiel steht ein anderer Torwart (Hildebrand) zwischen den Pfosten. Aber auch das ist nebensächlich – weil Schalker Sache.

Dann kam die Zeit von Rudnevs. Erst ein Kopfball (nach Zucker-Flanke Aogo) aus sechs Metern, den Unnerstall hält (62.). Und drei Minuten später das 2:0, das vierte Saisontor des Letten. Ein Treffer, den Dennis Diekmeier sensationell vorbereitete. Rudnevs hatte neun Meter vor dem Tor alle Zeit der Welt, die Kugel ins Netz zu bugsieren – er schaffte es mühelos. Die Vorentscheidung?

In der 80. Minute verursachte der eingewechselte Tomas Rincon einen Handelfmeter. Den Schuss von Huntelaar hielt Adler super, beim Nachschuss aber war der HSV-Keeper dann machtlos. Danach spielte nur noch Schalke. Und die Fans unterstützten ihren HSV großartig. Das war Fan-Verhalten bester Manier! Danke! Vorbildlich.

Und diesmal gab es ein versöhnliches Ende. In der Nachspielzeit wurde Aogo von Barnetta gefoult, klarer Elfmeter. Um den drängten sich gleich mehrere HSV-Profis – Milan Badelj setzte sich routiniert durch und verwandelte ebenso abgeklärt – klasse, sein erstes Tor für den HSV. Drei HSV-Tore in einem Spiel! 3:1 der Endstand – wer hätte das gedacht!?
Ich nicht!

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt erneut super, bekam aber auch lange Zeit kaum einmal die Möglichkeit, so richtig zu glänzen. Einmal hielt er gegen Höwedes sensationell (68.), parierte auch den Nachschuss von Farfan. Und in der 90. Minute meisterte er einen Freistoß von Fuchs – hervorragend. Da kochte der Volkspark.

Dennis Diekmeier spielte eine überragende Partei, er wird immer besser.

Michael Mancienne knüpfte an die zuletzt gezeigten starken Leistungen an. Inzwischen wie die Bank von England.

Heiko Westermann ist in der Form seines Lebens!

Marcell Jansen begann verhalten, dann aber trumpfte er immer besser auf. Gut.

Per Ciljan Skjelbred zeigte endlich einmal, warum ihn der HSV geholt hat – das macht Mut! Der Norweger nicht so zappelig wie sonst, sondern abgeklärt und souverän.

Milan Badelj zeigte jene Leistung, die er zu Beginn in Hamburg abgerufen hatte – großartig.

Dennis Aogo spielte auf ungewohnter Position ganz hervorragend – Note zwei. Auch wenn zum Schluss die Kräfte ein wenig schwanden.

Tolgay Arslan emsig, unermüdlich, leider auch mit dem Mund. Das schmälerte seine gute Leistung – leider.

Maximilian Beister scheint nichts zu kennen, was wie Nervosität oder mangelndes Selbstbewusstsein aussieht. Er zieht unerschütterlich seine Kreise, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – und haut dann noch einen rein! Unglaublich! Gut.

Artjoms Rudnevs war lange Zeit nicht zu sehen, dann trat er zweimal nachhaltig in Erscheinung – aus diesem Holze sind Torjäger geschnitzt.

Tomas Rincon (ab 65. Min. für Skjelbred) sollte aufräumen, tat das auch in seiner Art – und hatte das Pech mit dem Elfmeter. Ansonsten okay.

Paul Scharner (kam in der 89. Min. für Beister) durfte noch mitjubeln, zu mehr reichte es nicht. Aber auch das ist wichtig. Für das Team.

Schluss-Kommentar von Trainer Thorsten Fink: “Das war das beste Spiel der Saison von uns.”

22.09 Uhr

Skjelbred in die Startelf gegen Schalke?

26. November 2012

In der Redaktion habe ich seit zehn Jahren die glückliche Aufgabe, die Tipps meiner Sportkollegen für das Tippspiel des HA einzusammeln. Eine Runde, die ich in den letzten Jahren durchaus erfolgreich bestritten habe – obwohl ich den HSV grundsätzlich auf Sieg tippe. So unwahrscheinlich es auch manchmal ist. Selbst morgen gegen Schalke, wo wirklich nichts für den HSV spricht, setze ich auf die Männer, die sich in Düsseldorf sportlich verweigert haben. Wobei, das ist so ja gar nicht mal korrekt, denn gegen Schalke ist Trainer Thorsten Fink obendrein dazu gezwungen, die Ausfälle von Heung Min Son und leider auch Rafael van der Vaart zu kompensieren. Ein Unterfangen.

Und das sage ich, obwohl ich absolut davon überzeugt bin, dass Tolgay Arslan Vollgas gibt. Der Jung lebt das, was beim HSV Programm sein sollte. Er stellt das Schönspielen hintenan und arbeitet zuerst seine Gegner weg. Selbst wenn er so mal ein Sche..spiel macht, Leuten wie ihm verzeiht man es schneller. Allerdings gibt es diesen Typ Spieler sonst kaum noch beim HSV. Tomas Rincon, der mit einem Sehnenriss im Finger auflaufen wird, ist ebenso wie Heiko Westermann und Michael Mancienne ein 100-Prozent-Kandidat. Macht schon mal vier Spieler. „Wir müssen den Kampf annehmen“, mahnt Fink vor der Partie gegen Ex-HSV-Trainer Huub Stevens, der so was wie das Gegenteil zu Fink darstellt. Immerhin ist Stevens ein Verfechter des Zu-Null-Spielens, der dem Ergebnis alles unterordnet. Auch die Attraktivität des eigenen Spiels, während Erstgenannter auf Ballbesitz und Kombinationsfußball drängt. Oder besser gesagt: drängte. Denn auch Fink ist nach der desolaten Vorstellung in Düsseldorf aufgewacht: „Wir haben gedacht, in Düsseldorf packen wir das mit schönem Fußball. Aber das geht nicht. Mit 90 Prozent verlieren wir.“ Sogar gegen eine Mannschaft wie Düsseldorf, die alles andere als einen guten (dafür aber glücklichen) Tag erwischt hatte. „Wir sind nicht 100 Prozent gegangen und waren überrascht, dass sich Düsseldorf rein aufs Kontern verlegt hatte. Das kannten wir so nicht“, resümierte Fink abschließend.

Anschließend sollte es nur noch um den Blick nach vorn gehen. Vier Spiele Schalke, in Wolfsburg, gegen Hoffenheim, und dann auswärts in Leverkusen – stehen an. Wie viele Punkte der HSV da holen muss, nachdem aus den letzten drei Spielen nur vier statt der von Fink avisierten sieben Punkte geholt wurden? „Ich nennen leine Zahl. Ich fand sieben Punkte sehr realistisch. Und jetzt müssen wir zusehen, aus den vier Spielen noch einige Punkte zu holen.“ Auch wenn eher der jeweilige Gegner (Hoffenheim ausgenommen) der Favorit ist. Fink „Wir haben zu Hause gegen Dortmund gewonnen – damit war auch nicht zu rechnen. Deshalb, im Fußball ist es doch immer so: Wenn man nicht mit Punktgewinnen rechnet, holt man sie. Und andersrum – wie in Düsseldorf.“ Insofern müsste der HSV, dieser Rechnung nach, noch neun Punkte aus den letzten vier Spielen holen. Sollte Hoffenheim tatsächlich unmittelbar vor dem Gastspiel in Hamburg den Trainer wechseln – was ich Markus Babbel und dem HSV nicht wünsche – müssten es der Fink’schen Gleichung nach sogar 12 Punkte werden…

Aber okay, zurück zur Ernsthaftigkeit. Und die ist ob der 17 bisherigen Punkte durchaus gegeben, nachdem sich jetzt auch Son und van der Vaart verletzungsbedingt abmelden mussten. Wie bereits erwähnt, wird Arslan die Rolle van der Vaarts übernehmen. Dafür rücken entweder Tomas Rincon oder – ACHTUNG JU aus Q!! – Per Skjelbred ins defensive Mittelfeld. Es wäre das erste Mal Startelf seit dem 25. August für den Norweger. „Tomas muss sich am Finger operieren lassen und fällt danach zwei Spiele aus“, erklärt Fink seine Gedankenspiele, „daher überlege ich, Per zu bringen, damit der sich einspielen kann.“

Im Abschlusstraining (Taktische Passübung, Kreisspiel, kurze Sprints und Abschlussspiel über den halben Platz binnen 62 Minuten) ließ sich Fink nicht wirklich in die Karten schauen. In der A-Elf spielten Badelj, Arslan, Skjelbred und Tesche im Mittelfeld vor der Viererkette Diekmeier/Westermann/Mancienne/Aogo. Und ich bin kein Prophet, wenn ich voraussage, dass das nicht das Mittelfeld gegen Schalke sein dürfte. Ebenso wenig wie Berg, der ebenso in der vermeintlichen A-Elf agierte.

Allerdings, selbst in der Viererkette deutete Fink mögliche Veränderungen an. „Hinten bleibt alles gleich“, so Fink auf die Frage, ob Jeffrey Bruma Michael Mancienne ersetzen könnte, zunächst eindeutig, um dann zu relativieren: „Wahrscheinlich jedenfalls. Aber da möchte ich mir noch etwas offenhalten.“ Immerhin kommt mit Klaas-Jan Huntelaar Brumas Landsmann nach Hamburg. Sollte Bruma den ausschalten können, wäre das nicht nur gut für das HSV-Spiel, sondern auch für das Prestige des niederländischen HSV-Verteidigers in seinem Heimatland. Speziell bei Bondscoach Louis van Gaal, der ihn zuletzt in die U-21-Nationalelf geschickt hatte.

Klar ist dagegen, dass Marcell Jansen nach auskurierter Verletzung (Knieprobleme) wieder in die Startelf rückt. „Er wird spielen“, so Fink, der Jansen links offensiv spielen lassen dürfte, damit Maxi Beister, der für mich in Düsseldorf erstmals ansatzweise (den Kurzeinsatz in Freiburg nicht mitgerechnet) das Engagement und den Mut an den tag legte, den ich mir von ihm eigentlich immer erhoffe, von links auf rechts (für Son) wechseln kann. Insofern ergäbe sich folgende Startelf: Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Aogo – Badelj, Rincon (Skjelbred) – Beister, Arslan, Jansen – Rudnevs. Warum ich Rudnevs Nominierung nicht erwähnt habe? Ganz einfach: Weil es zuletzt gehüpft wie gesprungen war, ob Rudnevs oder Berg aufliefen. Beide Angreifer stellten unter Beweis, dass sie so nicht helfen können.

„Rudi wird spielen“, legte sich Fink bereits fest. Zumal der Lette zu der Sorte Fußballer gehört, auf die es gegen Schalke ankommen könnte. „Ich erwarte von uns spielerisch kein super Spiel“, so Fink, der nicht müde wird, seinen Jungs einzubläuen: „Wir müssen versuchen, Schalke weh zu tun. Wir müssen ihnen den Schneid abkaufen. Sie hatten zuletzt einige Englische Wochen, von daher müssen wir sie unter Druck setzen.“ Mit Einsatz. Und Leidenschaft. „Wir wissen, dass wir einen van der Vaart auf Sicht nicht ersetzen können. Wir müssen es mit anderen Mitteln lösen.“

Ich bin gespannt. Getippt habe ich jedenfalls auf einen 2:1-Heimsieg. Trotzdem.

In diesem Sinne, bleiben wir optimistisch. Vielleicht hilft das ja.

Bis morgen.
Scholle

Ein Bärendienst der “Pyro-Techniker” – und andere Hiobsbotschaften

25. November 2012

Das haben die Jungs mit den Feuerzeugen im Block ja optimal gelöst: Statt über die deprimierende 0:2-Niederlage von Düsseldorf zu reden, spricht „ganz Hamburg“ von den Pyrotechnikern unter den HSV-Anhängern. Fußball wird in den Hintergrund gedrängt, das allgemein beherrschende Thema war das Feuer im HSV-Block. Was für ein Wahnsinn – im doppelten Sinne. Was hätte da nicht alles passieren können? Statt der heiß geliebten Fahne hätten doch auch Jacken, Hosen – und sogar Menschen brennen können. Natürlich alles ganz harmlos . . .

Inzwischen gibt es dazu auch eine Stellungnahme vom Supporters Club:

Der HSV Supporters Club reagiert enttäuscht auf das Abbrennen von Pyrotechnik und dessen Folgen (Brand von Bannern und einige Leichtverletzte) kurz zu Beginn des Spiels Fortuna Düsseldorf gegen den HSV in der HSV-Fankurve. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass angesichts der aktuellen und z.T. hysterischen öffentlichen Debatte um die Sicherheit in den Stadien und der berechtigten Kritik daran, einige Fußballfans das negative Bild bestätigen und allen Recht zu geben scheinen, die ausschließlich auf hartes und kompromissloses Vorgehen gegen Fehlverhalten von Fans vorgehen wollen.

Auch wenn diejenigen, die am Zünden von Pyrotechnik in der Kurve beteiligt waren, sicher niemanden gefährden wollten, hat diese Aktion erneut gezeigt, dass Pyrotechnik unwägbare Risiken birgt und wir weit davon entfernt sind, kontrolliertes Abbrennen in den Fankurven zu ermöglichen.

Nichtsdestotrotz werden wir uns weiter für den Dialog mit der gesamten Fanszene einsetzen und plädieren für einen sachlichen Umgang mit der Sicherheitsthematik. Dazu gehört auch die Differenzierung zwischen Pyrotechnik und Gewalt. Wir fordern aber auch besonders die Fans, die das Abrennen von Pyrotechnik unterstützen, auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und Regeln so lange zu akzeptieren, so lange sie gelten. Wenn sie daran etwas ändern wollen, sollten sie dafür streiten, aber nicht systematisch gegen diese Regeln verstoßen. Zu einem sachlichen und konstruktiven Dialog gehören immer zwei und die jeweils andere Seite massiv unter Druck zu setzen, ist für keine Seite förderlich. Schon gar nicht für ein gutes Ergebnis.

Dieser Appell richtet sich aber nicht nur an die Fans, sondern auch an alle andere Beteiligten – wie die Verbände, Vereine, Sicherheitsbehörden, Ordnungsdienste, Politiker und die Presse – mit einer einseitigen, teilweise populistischen Betrachtungsweise werden wir den Dialog nicht fördern sondern nur für immer härtere und starrere Haltungen auf allen Seiten sorgen.

Unsere Aufforderung an alle Beteiligten lautet: Nur gemeinsam werden wir es hinbekommen!

Bei „Matz ab live“ hat das Vorstandsmitglied Joachim Hilke schon (wie ich finde) ausführlich und auch knallhart Stellung für den Klub bezogen. Heute war auch Vorstands-Chef Carl-Edgar Jarchow an der Arena und stellte sich diesem Thema. Der Klub-Boss sagte: „Diese kleine Gruppe von Unbelehrbaren ist in der Tat kaum davon zu überzeugen, von den Gefahren, die diese Bengalos bedeuten – aber ich denke jetzt, dass diese Ereignisse am Freitag in Düsseldorf auch denen gezeigt haben – als ihre Flagge brannte – wie gefährlich die ganze Geschichte doch ist. Vielleicht öffnet das bei einigen Leuten ja jetzt endlich mal die Augen. Es soll ja, wie ich gehört habe, auch zu Brandverletzungen geführt haben. Vielleicht ist das ja jetzt mal ein Anfang, dass man diese Gruppe der Unbelehrbaren noch weiter reduzieren kann.“

Kurios an diesen Vorfällen, oder sogar grotesk: Unten wurde gezündelt, und darüber hing ein Plakat: „DFL-Papier ablehnen.“ Und zu dem, was dort abgelehnt werden sollte, gehören ja auch die Pyro-Dinge, die bislang immer wieder als völlig harmlos hingestellt wurden. Hoffentlich, kann ich nur sagen, nimmt sich jetzt ganz Deutschland ein Beispiel daran, dass solche Sachen sehr wohl enorm gefährlich sind, und hoffentlich erkennen alle nun auch noch rechtzeitig, wie es wohl wäre, wenn Menschen von und mit dieser Pyro-Technik in Verbindung kommen sollten. Nicht auszudenken.

Carl Jarchow weiter zum Freitagabend: „Mir wurde berichtet, dass die Leute, die diese Feuer verursacht haben, durchaus geschockt waren von dem, was passiert ist und von der Wirkung, die das haben kann. Was uns alle ja nicht mehr überrascht, denn wir wissen ja, wie gefährlich diese Pyrotechnik auf so engem Raum und bei so vielen Menschen sein kann.“ Zum Sicherheits-Papier der DFL sagte Jarchow: „Da muss man einige Dinge unterscheiden. Das bezieht sich ja nicht nur auf Pyro-Technik, das ist ja nur ein ganz kleiner Teil davon. Ich bin sehr dafür, dass man den Dialog mit den Fans, mit allen Betroffenen, in den Sicherheitsfragen weiter fortführt. Und nicht sagt: ‚Es gibt zwar nur eine relativ überschaubare Zahl von Pyro-Verrückten, aber wir brechen den gesamten Dialog dennoch ab.’ Das wäre mit Sicherheit verkehrt. Aber diejenigen, die für diese Vorfälle in Düsseldorf verantwortlich sind, die haben natürlich der Argumentation einen Bärendienst erwiesen.“

Kurz-Kommentar zu den heißen Vorkommnissen in Düsseldorf von HSV-Trainer Thorsten Fink: „Das war kein vorbildliches Verhalten unserer Fans, das können wir nicht gutheißen“

Übrigens: Zu dieser Thematik tut sich beim HSV in den nächsten Tagen etwas. Der Klub gibt dazu bekannt:

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat in dieser Woche das überarbeitete Eckpunktepapier „Sicheres Stadionerlebnis“, zu dem alle Klubs der Fußball-Bundesliga Ende Oktober ihre Stellungsnahmen abgegeben hatten, erneut an die Vereine geschickt und um eine Bewertung gebeten. Bevor der Vorstand des HSV der DFL erneut eine Stellungsnahme übermittelt, möchte er das Sicherheitspapier mit seinen hierfür im Verein zuständigen Bereichen der Fanbetreuung und des Sicherheitsbeauftragten sowie den Mitglieder und Fans diskutieren. Dazu lädt der Vorstand am Mittwoch, dem 28. November um 18:30 Uhr alle HSVer zu einer offenen Diskussionsrunde in die „Raute“ ein. Diese Vorgehensweise hat der Verein ebenfalls der DFL mitgeteilt.

Carl-Edgar Jarchow dazu: „Wir werden das mit den Fans besprechen, und dann werden wir entscheiden, was wir dazu sagen.“

Bislang hatten es die Vereine schwer, die Verursacher dieser Zündeleien zu identifizieren, denn diese Jungs trugen zumeist Masken, die ihre Gesichter (natürlich) verhüllten. Video-Aufnahmen aus den Kurven waren deshalb zweck- weil wertlos. Diesmal aber gibt es Hoffnung auf die Erkennung der Täter, denn einige von ihnen sollen Brandwunden erlitten – und deshalb auch ihre Masken kurzzeitig abgesetzt haben. Daher soll es Video-Aufnahmen geben, auf denen die Täter zu erkennen sind. Und wenn diese Leute identifiziert werden, dann dürften sie in den nächsten Wochen und Monaten auch richtig schön und tief in die Tasche kommen, denn der HSV will sich an diesen Jungs schadlos halten – in Sachen Geldstrafen. Es ist diesmal mit einem kleinen, lächerlichen Stadion-Verbot nicht mehr getan – und das ist auch gut so.

„Wir gehen gegen diese Leute vor, aber natürlich“, sagte Jarchow entschieden: „Wenn wir Namen haben, dann gehen wir gegen diese Leute vor. Diesmal waren offenbar nicht alle vermummt, und wenn diese Leute bekannt sind, dann werden wir tätig. So haben wir es in der Vergangenheit auch schon immer gemacht.“ Nur bei den „Pyro-Technikern“ bissen sie bislang – aus den schon geschilderten Gründen, auf Granit.

Carl-Edgar Jarchow sprach dann auch noch ganz allgemein zur Gewalt im Fußball – oder im Sport: „Wir müssen eines sehen, und das ist das Entscheidende bei dieser ganzen Sicherheitsproblematik – und das ist auch der Vorwurf gegenüber der DFL: Es gibt eine Gewalt-Problematik im Fußball, aber die gibt es nicht singulär im Fußball, sondern die hat durchaus gesellschaftliche Gründe. Und diese Situationen sind in den einzelnen Stadien durchaus unterschiedlich. Im Moment allerdings haben wir eine Situation, in der wir alles über einen Kamm scheren, und wo die DFL unter dem Druck der Politik versucht, möglichst schnell eine Lösung zu präsentieren. Ich bin aber ein Vertreter davon, erst einmal sehr genau zu sehen, wie individuell diese Situationen sind, denn hier in Hamburg haben wir das bislang normalerweise nicht gehabt, in Leverkusen oder anderen Stadien auch nicht.“ Deswegen plädiert Jarchow erst einmal für Ruhe: „Wir dürfen uns nicht von außen unter Druck setzen lassen, dass dies nun alles innerhalb von vier Wochen entschieden sein muss. Wenn ich von der DFL einen Brief bekomme, in dem mir nahe gelegt wird, mich mit meinen Fans auszutauschen, und um dann aber gleichzeitig die Kommentierung dieses Briefes innerhalb von fünf Tagen zurückzuschicken, dann halte ich das für unangemessen. Und das werde ich auch bei jeder Gelegenheit sagen. Ich sehe den Druck nämlich nicht.“

Über die Strafen, die jetzt auf den HSV aufgrund der Vorkommnisse in Düsseldorf zukommen werden, gibt es bislang nur Mutmaßungen. Es wird auf jeden Fall eine saftige Geldstrafe geben. Und dazu eine Block-Sperre für HSV-Fans in einem, zwei Auswärtsspielen? Carl-Edgar Jarchow: „Ich weiß nicht, was es geben wird, es sind ja einige Ding denkbar. Und sie werden nun sicher auch ein Zeichen setzen, denn es war ja schon etwas gravierender, was sich unsere Fans – Fans in Anführungsstrichen, denn das sind keine Fans für mich – da erlaubt haben.“

Zum Fußball, auch wenn der ja fast schon unwichtig geworden ist:

Gegen Schalke 04 am Dienstag wird der deutsche U-21-Nationalspieler Tolgay Arslan die Position des verletzten Rafael van der Vaart übernehmen. Und Arslan traut sich das zu, denn er sagt: „Ich habe schon viel gelernt von Rafa. Zum Beispiel seine Geduld. Und dass er zum Beispiel hinten einfach spielt, und vorne dann versucht, seine tödlichen Pässe an den Mann zu bringen. Er ist ein absoluter Führungsspieler. Dazu seine Präsenz, die der Gegner in jeder Szene und Situation spüren kann. Und er hat natürlich auch ein großes Selbstvertrauen. Ich will ihn so gut es geht ersetzen, traue mir das aber auch zu.“ Was wiederum auch für ein großes Selbstvertrauen spricht.

Ergänzung um 21.15 Uhr

So, nun ist es raus. Rafael van der Vaart kennt seinen Körper eben am besten. Er selbst hatte sofort einen Muskelfaserriss diagnostiziert, und es ist ein Muskelfaserriss bestätigt worden. Damit fällt der Spielmacher voraussichtlich drei Wochen aus. Ob es für ihn noch zu einem Einsatz in der Hinrunde reichen wird, ist fraglich, aber noch nicht komplett ausgeschlossen.

Aber damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Auch Heung Min Son wird gegen Schalke nicht dabei sein. Der Südkoreaner zog sich im Spiel in Düsseldorf eine Zerrung im rechten Oberschenkel zu und steht Thorsten Fink ebenfalls nicht zur Verfügung. Zum Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonntag (02.12.12, Anstoß: 17.30 Uhr) könnte “Sonny” aber wieder dabei sein.

Und dann das noch: Auch mit Tomás Rincón meinte es Fortuna nicht gut. Dem Venezolaner riss eine Beugesehne im rechten Ringfinger. Gegen Schalke 04 wird der kampfstarke Mittelfeldspieler deshalb mit einer Spezialschiene auflaufen. Danach muss er allerdings operiert werden, teilte die medizinische Abteilung mit. Ob und wie lange Rincón danach ausfallen wird, hängt von den Möglichkeiten ab, auch nach der Operation eine Schiene zu tragen.

Neben Rincón muss auch Gojko Kacar operiert werden. Den Mittelfeldspieler wird ein knöcherndes Gewebestück im Knöchel entfernt, das sich nach seinem operierten Knöchelbruch im April gebildet hat und ihm in den vergangenen Wochen immer wieder Schmerzen bereitete. Diese sind nun so stark geworden, dass eine Operation unumgänglich ist. Kacar wird danach voraussichtlich drei Wochen pausieren müssen, bevor er wieder ins Training einsteigen kann.

Das war die personelle Ergänzung.

Nun aber wieder zurück zum Schalke-Spiel am Dienstag: Mit Tolgay Arslan spielt ein ehemaliger Dortmunder gegen die Knappen. Die Rivalität ist bekannt. Er sagt: „Es ist immer noch etwas Besonders, gegen Schalke zu spielen – das habe ich schon in der Jugend gemerkt. Das waren immer heiße Spiele.“ Und was gibt es am Dienstag, wenn der ersatzgeschwächte HSV gegen Gelsenkirchen spielt? „Wir müssen direkt zeigen, dass wir die Heimmannschaft sind, müssen direkt Pressing spielen, müssen Schalke unter Druck setzen. Die haben die englische Woche gehabt, das müssen wir ausnutzen – wir müssen mit Power zur Sache gehen.“

Ach, wenn’s doch wahr wäre . . .

Denn eines darf nicht passieren, dass der HSV noch einmal einen solchen erschreckenden Auftritt wie in Düsseldorf abliefert. Zu diesen 90 Minuten hatte Thorsten Fink ja gesagt: „Wir haben gedacht, dass wir mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen können. Das war ein Irrtum. Wir müssen viel mehr und härter arbeiten.“ Und: „Wenn du nur 60, 70 Prozent von dem bringst, was du kannst, reicht das nicht. Wir haben gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.“
Also: Ärmel aufkrempeln, zur Sache gehen, zur Sache gehen wollen – und los! Endlich mal wieder mit Herz Fußball spielen. Und mit Spaß und Lust.

Was ich noch zu dieser 0:2-Pleite sagen möchte: Das Beste an diesem erschütternden Auftritt von Düsseldorf war der Klartext, der von Kapitän Heiko Westermann („So geht es gar nicht, so kann man nicht auftreten“) gesprochen wurde. Hoffentlich hat er es nicht nur in Fernsehkameras gesagt, sondern auch in die Gesichter der Kollegen. Das wäre dringend vonnöten. Damit auch jedem mal die Augen geöffnet werden. Endlich mal. Denn man kann ja (mal) schlecht spielen, aber man darf dabei eines nicht vergessen: Kampfgeist! Kämpfen geht immer. Oder sollte immer gehen. Beim HSV sehe ich dieses Zerreißen, diese Leidenschaft, dieses Herz eben nur selten. Und wenn ich sehe, wie sich alle anderen Mannschaften, meistens die Außenseiter (nicht nur in der Ersten Liga!), von der ersten Minute an wehren und sich den Hintern aufreißen, dann muss eindeutig festgestellt werden: Da fehlt etwas beim HSV!

Zu diesem Dilemma gab es heute einen viel beachteten Bericht von „pietkunz“, der hier schon oft gelobt wurde. Da ich weiß, dass nur ein Bruchteil der Blogleser diese Kommentare auch liest, dieser aber lesenswert ist, stelle ich ihn hier nun in ganzer Länge (und er ist sehr lang!) hinein. Im ersten Absatz, das sage ich nur mal zur „Früherkennung”, werde ich mit meinem Bericht vom Sonnabend zitiert. Danach dann „pietzkunz“ – im Original und unverändert (von mir):

Auch ich bin bedient. Restlos. Mal wieder. Weil Fußball doch eigentlich ganz anders geht, als ihn der HSV zu interpretieren versucht. Nur wer sagt es den hochgezüchteten „Stars“, die ja leider von allen Seiten immer nur in Watte gepackt werden?

Keine Ahnung, ob unsere Stars immer nur in Watte oder überhaupt gepackt werden.
Entscheidend ist ja, ob sie denn auch in griffige Zielvorgaben und ein Anforderungsprofil gepackt werden und dies verinnerlichen…
Insofern habe ich das eigentlich mal als sehr wohltuend empfunden, dass Trainer Fink aus den drei Spielen allerdeutlichst 7 Punkte eingefordert hat!
Aber wie reagiert Fink nun auf die verkorkste Umsetzung, die in der Düsseldorf-Partie meiner Ansicht nach insbesondere den technischen Schwächen bei der Ballbehauptung, den Pässen und Flanken sowie einmal mehr der mangelnden Bereitschaft, nachzusetzen, sich freizulaufen, auch mal über mehr als 70 min Gas zu geben und sich gegen eine Niederlage zu stemmen geschuldet waren…?

Hat Fink allein die Autorität und den Respekt bei den Spielern, sie zu Leistungssteigerungen und Konstanz zu führen – oder will er hier wie seine Vorgänger in absehbarer Zeit “verschlissen” und abgefunden werden?

Es haben in der Hinsicht schon Eiches Berichte aus dem Trainingslager, wonach die Spieler ihrem Trainer kaum zuhören, Zweifel aufkommen lassen…

Und was ist denn mit dem Thema Son, der im rechten OM jedes Mal taktisch überfordert ist, aber trotz seiner Torjägerqualtitäten ja eh nie im Sturm eingesetzt wird – hat er wirklich eine vertraglich zugesicherte Einsatzgarantie…?? Dazu wäre allmählich eine öffentliche Stellungnahme seitens des Vereins erforderlich – solange solche Gerüchte kursieren und Son ohnehin Überheblichkeit nachgesagt wird, dürfte sich das angesichts Son`s fortlaufender Stümperei fatal auf die Team-Motivation auswirken… Schließlich besetzt er ständig die Ideal-Position von Beister – der als Rechtsfuß auf dem linken Flügel überhaupt nicht zurecht kommt und merklich angefressen ist, während sich ganz Hamburg über mangelnde Flanken wundert…
Und was ist mit Badelj, der erschreckend schwach spielt? Badelj war in Zagreb Kapitän, Leader, Spielgestalter und hat seinen (Ex-)Verein mit auch mit Freistoßtoren in die CL geballert…

Badelj vernüggert auf der 6er-Position von Spiel zu Spiel – ist mittlerweile ohne Selbstvertrauen… Warum wurde ein erfahrener, technisch beschlagener 8er wie Badelj nach der VdV-Auswechslung nicht als Spielmacher vorgeschoben statt des jungen Arslan, der auf der 6er Position mit seinem Elan und Biss doch bestens klarkommt…!?
Und es ehrt einen Klumpfuß wie Westermann, dass er dank Bergs dämlicher Catching-Einlage einen Freistoß in die Machen donnern durfte – aber warum ist Badelj bei so einer Freistoßposition außen vor…??

Mich wundert nicht, warum Badelj nur noch wie enteiert herumtrabt und in der eigenen Hälfte haarsträubende Fehlpässe fabriziert…

Und überhaupt Westermann – niemand hätte sich hintergangen fühlen brauchen, wenn hier ein van der Vaart sogleich zum Kapitän ernannt worden wäre – das hätte insbesondere Westermann gut getan, der sich dann viel mehr auf sich selbst hätte konzentrieren können… Er hat einfach nicht die Ausstrahlung eines Führungsspielers – aber kaum ist vdV vom Platz, nimmt Westermann mehr schlecht als recht alles wieder selbst in die Hand – von Spielgestalter über Freistoßschütze bis Stürmer – der Harmonie und Struktur im Team tut das alles andere als gut… Und niemand da, der ihn da mal bremst und eine frische Struktur fördert…
Das Sagen haben weiterhin Westermann und Aogo – was dabei herauskommt, wenn die vor`m Spiel ihre aufgesetzen Schlachtparolen in die Mikros heucheln, erleben wir hier jetzt schon seit Jahren…

Tja, wer sagt den “Stars” es nun, um noch mal auf Dieter´s Frage zurückzukommen…
Mir haben ja die Hinweise von Ju aus Qu zu Denken gegeben, wonach es bei einigen Spielern an der nötigen Berufsauffassung mangeln soll…

Mich haben die Kommentare von Lars49 einmal mehr sehr bewegt!
Der Verein zehrt inzwischen nur noch von seiner Tradition, seiner glorreichen Vergangenheit und seinem Kult – jeder im Verein, ob Vorständler, AR, Spieler oder Mitglied, hält sich hier sogleich für was Großes und 7-fachen Meister, Europacupsieger und Bundesliga-Dino… Energien werden nur noch für Eitelkeit, Macht, Traditionserhalt, Mitgliederbasis und Fankultur investiert – die Träume von einem zweiten Traditionsmodell Barcelona weichen modernen sportwirtschaftlichen Innovationen und entsprechenden Strukturveränderungen, ohne sachliche Realisierung, dass Vorbild Barca eine unerreichbare Ausnahmeerscheinung mit weltweiter Vermarktung, aber dennoch hoch verschuldet und im Grunde ein Auslaufmodell ist…

Und bei all der Träumerei verpasst man es beim HSV, professionelle Grundlagen zu schaffen, eine Strategielinie vorzugeben, neue Ziele schrittweise zu fixieren und den Leistungsdruck zu erhöhen… Visionen werden nur vernebelt vorgegeben und ohne klares Konzept und (entsprechend der Basis-Herkunft) überwiegend amateurhaft, kaum fachgerecht angegangen…
Es wirkt sich fatal aus, dass in diesem Wahn nach traditioneller Basisorientierung weder fremde Fachkräfte, Investoren oder Mitgesellschafter in den Entscheidungsprozessen zugelassen noch von außen jegliche wirtschaftliche Beratung angenommen wird. Frei nach dem Motto “wir brauchen keine Drittbeteiligungen und keine Stars mehr kaufen, bauen unseren Campus mit Fan-Anleihen selbst – und alles wird gut”…

Und ich finde es einfach absurd und bezeichnend für die Unprofessionalität unserer Vereinsführung, dass der Run auf diese Fan-Anleihen, die inzwischen einen hoch zu verzinsenden Schuldenberg von 17,5 Millionen zu Lasten des HSV angehäuft haben, auch noch bejubelt wird – während anderswo die Hannover 96 GmbH unter kapitalgesellschaftlicher Beteiligung von Rossmann, Street One u.a. ein 30-Mio-Nachwuchsleistungszentrum hinzimmert oder sich die FC Bayern AG über einen Umsatzgewinn von 11,1 Mio erfreut…
Bei uns zieht sich die Führungsschwäche wie ein roter Faden durch alle Ebenen – ein Jarchow ruft mit seinem letzten Laut Platz 11 – 15 als Saisonziel aus – entsprechend tritt die Mannschaft auch auf…

Ein Hilke präsentiert uns nun schon seit fast zwei Jahren diese beiden südkoreanischen Kleinsponsoren als sein Lebenswerk und stammelt bei der Präsentation des Campus ebenso verunsichert rum wie bei “Matz ab live”, wenn Dieter ihn nach den Finanzen fragt…

Ein Scheel ist im Vorstand völlig unnütz und beschert dem HSV mit seinen Ziehsöhnen Bednarik und Liebnau nur noch Schaden – und wenn schon im Verein niemand da ist, der selbst die Spieler mal hart anpackt und fordert, so schafft es beim HSV auch erst recht keiner, endlich mal die Hardcore-Supporters maßzuregeln und Ultras zu disziplinieren mit ihrem Pyro-Spielkram, der eine Menschengefährdung und saftige DFB-Geldstrafe nach der anderen nach sich zieht. Dann sollte man solche Funktionäre, die sich Sicherheitskonzepten widersetzen und lieber stur dem Fankult alle Freiheiten gewähren wollen, auch einmal wegen Unterlassung oder gar Anstiftung und Beihilfe strafrechtlich belangen.

Über unseren AR braucht man kaum noch Worte verlieren – dass Otto, Kraran und Debatin mit geballten Fäusten in der Tasche die Flucht ergreifen und die nächsten SC-Kandidaten schon mit den Hufen scharren, sagt alles über den Zustand des HSV…

Dann ist da noch Arnesen – einst hoffnungsvoll als “Messias” empfangen, inzwischen als Feindbild bestimmter SC-gesinnter Funktionäre verkommen und nur noch mit einem entsprechend enteierten Auftreten wahrnehmbar – und keine Hinweise vorhanden, dass er unseren leistungsverweigernden Spielern mal weniger lachs und smart grinsend gegenübertritt als den Kameras, auch keine Anhaltspunkte, dass er sich mit seinem Stab inzwischen mal besser im deutschen Fußballmarkt auskennen oder wenigstens unsere Ladenhüter an den Mann bringen würde…

Wer also sollte beim HSV mal auf den Tisch hauen, wenn`s nicht läuft – niemand… Und schlimmer noch – es kommt hier auch gar nicht erst jemand auf die Idee…
Dasselbe Bild zeichnet sich übrigens im Nachwuchsbereich ab, wo unsere Führung mit der Erennung solcher Schlafmützen wie Reinhardt und Schröder zu dessen Leitern und der Installation halb-ausgebildeter Trainer die Illusion der eigenen Aufzucht mit einem Schlag wieder zunichte gemacht hat, was sich an der verheerenden Niederlagenserie des HSVII und den Absturz auf den Relegationsplatz zu Liga 5 mehr als hinreichend bemerkbar macht… Aber wer gönnt sich schon den Luxus eines Campus für Fünftklässler…

Und warum nun ausgerechnet ein introvertierter biederer Handwerker wie Jarolim, noch behaftet mit all der Mehltau-Tristesse der vergangenen Jahre, in die Trainingsarbeit beim Nachwuchs eingebunden werden soll, erschließt sich mir nicht – aber Hauptsache einer mit Stallgeruch und Arni hat mal wieder ne “fantastische” Idee…

Tja, wer sagt es den “Stars” nun…

Mein Vorschlag – es muss sich endlich eine starke Opposition zu den Supporters entwickeln – warum sich das im großen Hamburg bisher nicht ergeben hat, finde ich merkwürdig…
Der AR muss mit selbstlosen Profis besetzt werden aus Wirtschaft und Bundesliga – die Satzung umändern und endlich die Ausgliederung der Profiabteilung vorantreiben – mit starken, wirtschaftlichen Führungskräften und modernen Visionen und einer leistungsorientierten Philosophie, die endlich auch mal auf die Spieler ausgestrahlt und übertragen wird – ein Klacks, solche im Bereich HH anzuheuern…

Und kein SCer bräuchte angesichts der deutschen 50+1-Regelung Angst um den Erhalt seines Traditionsvereins haben… Aber der HSV mit seinen Ambitionen wäre langfristig nur noch in kapitalgesellschaftlicher Form wettbewerbsfähig – in Hamburg fänden sich mit Kußhand hochkarätige Unternehmensbeteiligungen, die zum einen Hoeneß und Watzke vor Neid erblassen lassen würden, zum anderen wirtschaftliche Risiken mittragen, aber vielmehr Investitionen in die Kasse mit den drei Rostigen spulen, die sich gewaschen haben… Und dann wären auch solche ruinösen Fan-Anleihen bald Geschichte…

Und hier noch mal ein NDR-Zitat zur Lage beim VfL Osnabrück, an dem sich der HSV (wenn auch finanziell nicht so angeschlagen) auch mal messen kann… Die kleinen Vereine machen es schon vor!

„Sie können wirtschaftlich tragfähige und weitreichende Entscheidungen nicht mehr auf emotionalisierten Mitgliederversammlungen mit Hunderten von Mitgliedern entscheiden. Sie brauchen kleine, effiziente Gremien mit Menschen, die etwas von Fußball verstehen, aber auch etwas von Finanzen”, erklärte Fritz Brickwedde, Fraktionschef der Osnabrücker CDU, dem NDR Sportclub: “Wenn wir Geld in Richtung VfL geben, dann muss das unter Strukturen erfolgen, bei denen wir die Sicherheit haben, dass das nachhaltige Lösungen sind.”

PS: Morgen, am Montag, findet das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

18.13 Uhr

Van der Vaarts Ausfall tut weh

24. November 2012

HSV-Niederlagen am Freitag in der Bundesliga müssten verboten werden. Weil sie das ganze Wochenende versauen. Mir jedenfalls geht es so. Maximal zwei Stunden habe ich nach diesem grottigen HSV-Auftritt in Düsseldorf geschlafen. Und der Hals ist immer noch dick. Wie, so frage ich mich, kann man so schlecht spielen, wenn man die Chance hätte, weiter nach oben zu kommen? Mir will ein solcher Auftritt nicht in den Kopf, aber mitunter tröste ich mich damit, dass ich mir sage: „Sie können es eben nicht besser.“ Obwohl doch einige „Stars“ schon bewiesen haben, dass sie es einmal konnten. Zu satt? Zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt? Die Raute immer noch nicht verinnerlicht? Und auch noch nicht begriffen, dass der HSV und auch die Stadt Hamburg etwas ganz Besonderes ist in dieser Liga, für das es sich sehr wohl lohnen würde, sich den Hintern aufzureißen. Jedenfalls einmal in der Woche für 90 Minuten. Mehr wird ja gar nicht verlangt. Oder ist das zu viel verlangt? Sieben Punkte sollten die letzten drei Spiele bringen, vier wurden ist. Ein sehr verdienter in Freiburg, drei schmeichelhafte gegen Mainz 05 – und dann dieses trostlose Gekicke am Rhein. Wer da eine Weiterentwicklung erkennen kann, der soll es. Ich sehe in den letzten drei Partien keinerlei Fortschritte des HSV. Die Herren treten auf der Stelle, anstatt Gas zu geben.

Ich habe dazu auch viele private Mails erhalten. Einhelliger Tenor der Absender: „Warum tue ich mir das alles noch an? Warum tue ich mir diesen HSV, der nichts gelernt hat, immer noch an?“ Und ich kann diese desillusionierten Fans längst und durchaus verstehen, ich bringe inzwischen jede Menge Verständnis für sie auf. Weil es längst zum Verzweifeln ist – und auch alle Zweifel sind restlos verdient. Auch ich bin bedient. Restlos. Mal wieder. Weil Fußball doch eigentlich ganz anders geht, als ihn der HSV zu interpretieren versucht. Nur wer sagt es den hochgezüchteten „Stars“, die ja leider von allen Seiten immer nur in Watte gepackt werden?

Die Zeiten werden wieder härter. Allein schon deshalb, weil Rafael van der Vaart nun bis zum Jahresende ausfallen dürfte. Am Sonntag soll zwar erst eine Kernspintomographie Aufschluss über die Schwere der Verletzung des Niederländers bringen, aber „Rafa“ selbst hat sich schon eine heftige Diagnose gestellt: „Es ist keine Verletzung, mit der man in einer Woche wieder spielen kann. Es wird schwer, dieses Jahr nochmal zu spielen.“ Vom Hohn und Spott der Fortuna-Fans begleitet humpelte Rafael van der Vaart mit der Kulturtasche unter dem Arm in Richtung Mannschaftsbus, als er noch befand: „Die Verletzung schmerzt mich mehr als diese Niederlage.“ Es wird ein Muskelfaserriss im hinteren rechten Oberschenkel vermutet. Besonders alarmierend: Ohne van der Vaart blieb der HSV, der vor den abschließenden drei Sonntagsspielen noch auf Platz neun steht, in dieser Saison ohne Torerfolg!

Und allein deshalb dürfte es ganz sicher wieder sehr schwer werden. Neben Petr Jiracek nun auch der Ausfall des „kleinen Engels“. Und fast hätte es auch Milan Badelj erwischt, denn er verletzte sich in Düsseldorf am Knöchel (an dem er einst operiert worden ist). Heute aber gab es Entwarnung, die Hoffnung darauf, dass Badelj am Dienstag gegen Schalke 04 doch dabei ist, die ist enorm gestiegen – so auf etwa 70:30. Sollte aber auch Badelj noch passen müssen, dann stünde plötzlich „der HSV der ersten Stunde“ (nämlich dieser 50. Bundesliga-Saison), dem sämtliche Experten des Landes eine äußerst schwere und brisante Spielzeit prophezeit hatten, in der Verantwortung. Aber ich will nicht ganz so schwarz malen, denn auch Schalke ist zurzeit ja nicht gerade in Bestform. Damit versuche ich mich bis Dienstag um 20 Uhr zu trösten.

Was mich bewegt, das ist auch diese Aussage von van der Vaart: „Fortuna war sehr schlecht. Es ist bitter, dass man gegen so eine Mannschaft verliert.“ Er wird nun Zeit genug haben, über seine Situation nachzudenken, auch darüber zu befinden, was mit dieser Mannschaft los ist – woran es hapert, was hier falsch läuft, ob es einen Fehler im System gibt, was dazu führt, dass der HSV ohne Herz und Leidenschaft und dazu noch ideenlos und ohne Aggressionen in ein solches Spiel geht? Wahrlich: Fragen über Fragen. Und es soll mir von den Verantwortlichen nun bitte niemand erklären, dass es zuletzt doch ganz gut gelaufen ist – drei Spiele, vier Punkte. Da war auch viel Glück auf der Seite des HSV, und nicht immer nur die ganz hohe Fußballkunst mit im Spiel (wie es uns so gerne immer und immer wieder verkauft wird). Ich erinnere mich spontan an den 29. September zurück, als ich mit einem ganz großen Altinternationalen des HSV vor dem Spiel gegen Hannover 96 den Volkspark betrat. Er fragte mich: „Und, wie geht es aus?“ Ich: „Wer gegen Dortmund gewinnt, der gewinnt auch gegen 96.“ Er blieb abrupt stehen und fragte mich: „Was bist du den für ein Amateur? Hast du nicht gesehen, dass es in den letzten zehn Minuten gegen Dortmund statt eines 3:2 für den HSV auch ein 3:7 für den BVB hätte geben können?“
Ich gab kleinlaut zu, dass es mir sehr wohl nicht verborgen geblieben ist . . .

Nestbeschmutzer? Oder Realist? Das überlasse ich euch. Sehr gerne sogar.

Zurück zum HSV Ende November. „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir auch Rafas Ausfall mal verkraften“, sagte Maximilian Beister nach seiner missglückten Rückkehr an den Rhein. Trainer Thorsten Fink sprach von einem „pomadigen Auftritt“ seiner Mannschaft. Das ist stark untertrieben – in meinen Augen. Kapitän Heiko Westermann kritisierte nach der blutleeren Vorstellung derweil die Einstellung seiner Teamkollegen: „Wenn man ins Spiel geht, und glaubt, dass man locker spielen kann, geht das nicht.“ Mit Blick auf den Ballverlust von Heung-Min Son vor dem 0:1 von Kruse sagte der HSV-Kapitän noch: „Ich kann es nicht verstehen, warum man nicht einfach Fußball spielt. Düsseldorf hätte nie ein Tor geschossen.“ Dass Westermann beim 0:2 seine Aktien mit drin hatte, war allerdings auch unübersehbar. Er sagte aber nur kurz: „Da spielen wir sieben gegen zwei. Das darf nicht passieren.“

Es war aber ein total verkorkster Tag, dieser 23. November 2012. Denn die „Stars“ hatten nicht nur die Niederlage zu verdauen, sondern auch eine äußerst unruhige Nacht in ihrem Düsseldorfer Hotel. Weil ein Feuerlöscher missbräuchlich eingesetzt wurde (es sollen drei HSV-Fans gewesen sein!), war gegen 4.30 Uhr ein Fehlalarm ausgelöst worden. Alle Gäste mussten das Gebäude in der Nacht zum Sonntag für 20 Minuten verlassen – dieser Zwischenfall rundete einen legendären Betriebsausflug des HSV noch einmal zusätzlich ab. Wahnsinn.
Apropos Wahnsinn. Was sich da gestern einige HSV-Fans in Düsseldorf wieder geleistet haben, ist eine absolute Katastrophe. Ich wiederhole das: eine absolute Katastrophe. Und eine unglaubliche Frechheit gegenüber allen HSV-Fans, die wegen eines Fußballspiels ins Stadion gehen, nicht wegen einer Feuerwehrübung. Ich will dieses leidige Thema gar nicht mehr groß thematisieren, ich möchte diesen Herren nur einmal eines vor Augen halten: Diesmal waren es nur eure Fahnen. Und es flossen Tränen. Was passiert aber, wenn statt der Fahnen ein Mensch dort auf der Tribüne verbrennt? Sind diese bengalischen Fackeln wirklich so harmlos, wie die Leute, die so gerne zündeln wollen, behaupten? Bitte einmal nachdenken. Obwohl, indem ich dieses Wort nachdenken schreibe, verliere ich schon wieder den Mut. Wer mag denn nachdenken, von diesen Herren? Wer? Dazu hätten diese feinen Herren doch schon ganz, ganz lange die Zeit gehabt –aber sie habend diese Zeit immer großkotzig verstreichen lassen. Also weiter so. Auf die nächsten Fahnen. Es muss aber wohl erst der erste Mensch brennen oder verbrennen, bevor dieser Wahnsinn beendet wird.

Ganz kurz zu einem viel netteren Thema. Beim „Matz ab live“ gestern aus dem „Champs“ in Schnelsen waren auch 20 „Matz-abber“ dabei. Diese Damen und Herren feierten den ersten Geburtstags des „OFC Matz ab“ – und überreichten „Scholle“ und mir ein ganz besonderes Geschenk. Handarbeit! Ganz toll. Vielen, vielen Dank dafür, auch im Namen von „Scholle“, an die User, die uns diese Überraschung bereitet haben – wirklich eine große Freude für uns, danke, danke, danke. Und liebe Grüße an „el Presidente“, das ist „Benno Hafas“, der zurzeit noch die Sonne über Teneriffa genießen kann. Gute und gesunde Heimkehr. Und nochmals ein ganz dickes und großes Dankeschön. Und noch ein solches Dankeschön schnell noch an HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke und auch an „Lotto King Karl“. Beide waren unsere „Matz-ab-live“-Gäste und waren dafür verantwortlich, dass diese „Sendung“ sehr, sehr viel Lob erhalten hat. Einige (aber nicht wenige) haben sogar gesagt, dass es unsere beste Sendung gewesen sein soll. Wer es also noch nicht gesehen haben sollte – es würde sich lohnen.
So, ich bin am Ende. Vorerst. Und fiebere schon dem Schalke-Spiel entgegen. Wie geschrieben: Schalke ist ja auch nicht mehr das, was es noch vor Wochen war. Oder? Die Hoffnung stirbt doch auch im Volkspark zuletzt. Das gilt auch für jene Herren, die mal über ihre Zündelversuche nachdenken sollten. Würde einige Tränen ersparen.

PS: Morgen, am Sonntag, wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert. Eventuell aber bleiben die Spieler in der Arena, trainieren also in den Katakomben und nicht unter den Augen der Fans.

18.51 Uhr

Zwischendurch: Emotionen der “Matz-abber”

24. November 2012

Dieses Spiel wirft Fragen auf. Und viele Emotionen. Dazu viele Meinungen, die in unterschiedliche Richtungen gehen. Auch bei „Matz ab“ geht es hoch her. Während ich an meinem Bericht schreibe, gebe ich euch schon einmal einen Überblick, worum es nach dieser 0:2-Pleite von Düsseldorf vorrangig geht. Viele sprechen mir dabei vollkommen aus der Seele – für diese Beiträge möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Was der Blogfather mit dem schlechten Spiel des HSV zutun hat, erschließt sich mir nicht ganz, aber auch das wird hingenommen und verarbeitet. Besser allerdings wäre es, wenn der HSV so arbeiten würde, dass der Blogfather machen und schreiben kann was er will – und die Rothosen gewinnen, gewinnen, gewinnen. So, nun fangen die für mich (und das Moderatoren-Team) sehr lesbaren Beiträge an – die ich nicht bearbeitet oder korrigiert habe:

Norbert G. schreibt auf seiner Facebook-Seite:

Denk gerade über gestern nach! Wieder einmal haben es 11 Leute geschafft
uns das WE zu versauen!!!

Von Peter M. kommt dies:

Habe bewußt gestern nach dem Stadionbesuch nichts mehr geschrieben und
erst mal die Nacht drüber geschlafen und mir gerade die Aufzeichnung bei
Sky nochmal reingezogen.

Habe mehrere Punkte:

Warum gibt der Herr Gagelmann das Tor von Westermann nicht? Lambertz
lässt sich mehr als theatralisch fallen. Das war nie und nimmer ein Foul
von Berg. Andersrum würde es dafür niemals Elfmeter geben, also wenn
Lambertz Berg so “foult”! Aber Herr Gagelmann war gestern bei weitem
nicht der Grund für die Niederlage. Die SR-Leistung war ordentlich bis gut.

Zu unseren “Fans” : diese hirnverbrannten Arschlöcher zünden 6-8
Bengalos und bringen uns alle wieder in Verruf. Und nachher stehen sie
unten und heulen rum, dass sie ihre eigenen Fahnen abgefackelt haben.
Wie doof muss man eigentlich sein? Wieso identifiziert man diese Leute
nicht per Video und brummt denen jedes mal ein Ordnungsgeld von 1000
Euro auf inkl. Strafanzeige? Wie schnell würde das aufhören? Chosen Few
und Poptown hat keine Fahnen mehr. Erst kein Hirn, jetzt keine Fahnen.
Hört endlich auf mit diesem Mist. Ich will gar nicht dran denken wie
diese Sache jetzt medial wieder aufgepusht wird.

Zu unserer Truppe: so harmlos und schlecht ermöglicht man einer wirklich
fussballerisch limitierten Düsseldorfer Truppe den ersten Heimsieg. Eine
Mannschaft die technisch überlegen ist, wie ich immer lese, muss auch in
der Lage sein in sehr hohem Tempo technisch überlegen zu sein. Sonst
bringt diese Überlegenheit überhaupt nichts, weil man einfach nur
defensiv gut stehen muss, um diese aus Sicht der Fortuna technische
Unterlegenheit auszugleichen. Und das ist bekannt, dass die Fortuna das
kann. Aber genau dieses angesprochene hohe Tempo ist mit Leuten wie
Aogo, Diekmeier, Arslan, Berg oder Rudnevs nicht gegeben. Also vergesst
hohe Ansprüche wie z.B. Fortuna Düsseldorf zu schlagen (Fink:” Unser
Anspruch muss es sein Fortuna zu schlagen”). Nicht mit diesen ebenfalls
limitierten Fussballern. Borussia Dortmund hätte gestern die Fortuna mit
mindestens drei Toren Unterschied nach Hause geschickt, wenn ich nur an
Götze, Reus und die drei Polen denke.

Also seid froh, dass wir schon 17 Punkte haben. Hofft auf 20-21 bis
Weihnachten und das Fürth und Augsburg weiter so schwach bleiben. Dann
klappt es auch mit Platz 14, einer Verbesserung zum Vorjahr!

ES WAR WIE IMMER! LEIDER NICHT GEIL!

Nur der HSV

Von Stoerzenhofegger gibt es das:

Wir brauchen einen Hügel, 65 Medizinbälle und Magath.

FinchLarsen schickte diese Zeilen:

Ich glaube kaum einer will eine Trainerdiskussion. Aber nach einem Jahr
Fink muss man mehr verlangen dürfen, als die definitiv talentierte
Truppe zurzeit bietet. Damit meine ich nicht nur das gestrige Spiel,
sondern die Leistung in all den letzten Spielen. Wie viele Tore haben
wir gemacht, wie viele herausgespielte Torchancen haben wir gehabt?

Insofern gilt Frank Arnesens Wort von Anfang der Saison, spätestens zu
Weihnachten muss Fink sich messen lassen.

Sicherlich gibt es keine einfachen Lösungen, aber so wie sich die
Situation z.Z. darstellt muss diskutiert werden ob wir unsere Felix
Magath und Bernd Hollerbach nach Hause holen. Schalkes Aufschwung hat
mit Magath begonnen, wo er aus nichts was gemacht hat. Viele der
heutzutage hoch bezahlten jungen Wilden kommen aus Magaths Stuttgarter
Schule.

Ich hoffe ein Herr Kühne und andere Gönner wissen nicht nur was sie mit
VdV Gutes gemacht haben, sondern das jetzt nachgelegt werden muss.

Der Beitrag von lo-king-kai:

Zunächst einmal, ich habe das Spiel gestern ( zum Glück ) nicht sehen
können. Was mir jetzt aber fürchterlich auf den Sack geht, ist das
Einschießen auf Thorsten Fink. Das Einzige, was ich ihm vorwerfe, ist
der gestrige Einsatz von Berg. Wann begreift er endlich, dass der
Schwede Bundesliga nicht kann? Für mich keine Überraschung, dass er
seine Chance gestern offensichtlich wieder nicht nutzen konnte.
Wann begreifen die Leute eigentlich endlich einmal, dass Europa in
dieser Saison mit dieser Mannschaft kein Ziel sein kann. Genau das ist
nämlich unser Problem. Wir können diesen Anspruch nicht stellen.
Natürlich ist unsere Mannschaft auf einigen Positionen durch Adler, van
der Vaart oder Badelj stärker geworden. Das alleine reicht aber noch
nicht. Der Einzige, der sich wirklich aus der alten Stammformation
gesteigert hat, ist Heiko Westermann, mit Abstriche wahrscheinlich wohl
auch Arslan. Der Rest spielt genauso wie im letzten Jahr. Der so
hochgelobte Son nimmt trotz seiner Tore ansonsten nicht am Spiel teil
und sollte bei entsprechenden Angeboten verkauft werden. Ein Illicevic
ist nur verletzt, Mancienne, Bruma und viele andere treten auf der Stelle.
Stattdessen wird wieder einmal der Kopf des Trainers gefordert. Er kann
aus dieser Truppe aber nicht mehr rausholen als einen Platz zwischen 10
und 13. Diese Diskussionen bin ich wirklich leid und wünsche mir gerade
auf dieser Position endlich einmal Kontinuität.

Der Beitrag von lovemachine:

wir mögen den 6-teuersten kader haben, aber was das wirklich wert ist,
konnten wir gestern wunderbar sehen, als wir mit unserem 14 mio sturm
aufgelaufen sind!

Das stammt von maddes1887:

Ich wundere mich schon daß viele hier, nach dem gestrigen Spiel,
plötzlich so entsetzt sind von der Leistung unserer Mannschaft.
Eigentlich waren doch die letzten Spiele schon alle schlecht! Nur hatte
man da einfach viel mehr Glück.
Der Unterschied zwischen HSV und Düsseldorf gestern war einfach daß
Fortuna einen Plan hatte und der HSV immer noch keinen! Und so machen
sehr biedere Düsseldorfer aus wenig viel! Hinten wenig zulassen und
dann, wenn möglich,kontern! Und da sah man etwas was man beim HSv
überhaupt nicht zu sehen bekommt, EINSTUDIERTE SPIELZÜGE!
Das einzige und letzte einstudierte was man in nahezu jedem HSV Spiel
unter Fink sieht ist das Einlaufen der Mannschaft!! Wir spielen
weiterhin ohne Trainer dem es nur den Hintern gerettet hat daß kurz vor
Transferschluss noch mal ordentlich investiert wurde! Aber nen System
oder gar ne Spielidee hat die Mannschaft immer noch nicht! Es ist schon
schwer aus so einer gut bestzten Mannschaft so wenig herauszuholen !!!!
Ich als düsseldorfer HSV Fan freu mich nicht so sehr auf die kommende
Arbeitswoche unter zig Fortunen grrrrr!

Der “Winsener” schrieb:

Ich stell hier mal eine “Hoffnungsrechnung” rein:
wenn der HSV dem “Spielermaterial” nach die sagen wir mal 6.beste
Mannschaft der Liga sein sollte… und das am Ende der Saison sichtbar
sein soll…: also Platz 6…
wenn der HSV aufgrund der späten Neuzugänge nach dem 3. Spieltag auf
Platz 17 gestanden hat – und (durch positive Entwicklungen, wie auch
immer…) am Ende auf Platz 6 stehen soll, bleiben rechnerisch 33
Spieltage für 11 Platzierungen nach oben.
Soll heißen: im Schnitt alle 3 Spieltage einen Platz weiter oben, dann
passt es am Ende (plus/minus 3 Tabellenplätze pro Spieltag wäre also
alles normal im Laufe der Saison)…

…dann müssten wir jetzt, nach dem 13. Spieltag, auf Platz 17-4: 13 stehen.
nach dem 16. Spieltag auf 12, nach dem 19. auf 11, nach dem 22. auf 10,
nach dem 25. auf 9 usw.

aber leider funktioniert der HSV nicht “berechenbar” – er “funktioniert”
zur Zeit gar nicht…

ein gutes hat diese mathematische Theorie aber doch: sie zeigt auf, dass
bei einer erkennbaren positiven sportlichen Weiter-Entwicklung der
Mannschaft die ganze Saison über Zeit gegeben werden muss…!!!
aber wenn es diese Entwicklung nicht gibt?!… Sollten wir nach dem 16.
Spieltag schlechter stehen als Platz 12 (s.o.), sehe ich die Entwicklung
mit dem aktuellen Trainerstab jedenfalls als nicht positiv bzw. nicht
zielführend an. Dann muss leider ein Wechsel her! Meine Meinung. Ich mag
Fink eigentlich, aber eine solche step-by-step-Entwicklung müsste er mit
der vorhandenen Mannschaft (ob mit oder ohne VdV) schon hinbekommen!!!

Von scorpion stammt dieser Beitrag:

Wo Schatten ist, ist auch Licht.
.
Endlich scheint auch dem Blofather der Geduldsfaden zu reißen.
Wenn er jetzt noch die “richtigen” Schuldigen ausmacht, nicht immer
weiter auf Spielern rumhackt die pro Spiel trotz intensivster Laufarbeit
nur 5-6 Bälle bekommen, Spieler hochlobt, die anscheinend nur aufgrund
von Sponsorenverträgen auflaufen – dann hat alles ja noch einen Sinn.
.
Zur nun särker werdenden Trainerdiskussion. Wer sollte denn Nachfolger
werden? Wer ist frei? Wer will zu einem Chaosclub wie dem HSV? Wer ist
bezahlbar? wer ist dem gemeinen Fan vermittelbar (ich denke an die
unseligen Diskussionen um Slomka und Favre)?
.
Fragen über Fragen.

„aradia“ schickte diese Zeilen:

Da denkt man es geht nach oben.
Die Vorhersagen der Spieler deuteten dies an.
Alle waren motiviert, auch der Trainer.
Die Tabelle freute sich schon auf Veränderungen.
Und dann geschah es.
Im HSV Fan-Block wurde gekokelt obwohl die es angeblich im Griff haben.
Warum sind Jungs um die 20 immer noch blöd?
Hoffentlich haben die sich die Klamotten versenkt.
Ja und so komme ich zu unsere Spieler.
Begreifen die Fussball nicht?
Nehmen die ihren Job nicht ernst?
Wenn es so wäre würde Fink das schon mal raus posaunen, so geschwätzig
wie der ist.Er ist ja auch im grossen und ganzen zufrieden.
.
Das kann es nicht sein.
Also gibt er was vor, dass die Jungs nicht können.
Nun stellt sich die Frage wann er es merkt.
Darf er es nicht merken, weil Vorgabe durch Verein? Werbung?
Es ist sein Name, der leidet.
Oder ist er ein arroganter Gott!
.
Mir fällt auf, er wechselt ständig, ein Zeichen das er immer noch
nicht seine Mannschaft gefunden hat.
Das ist schwach.
Die Aussage, wir brauchen Zeit, ist lächerlich.
.
Der HSV hat sich fest gerannt.
Von den Verantwortlichen will das niemand erkennen.
Uns hilft jetzt nur noch der 21 Dezember.
Und wenn die Majas auch so jämmerlich versagen wie unsere Jungs,
dann hilft uns nur ein neues Jahr. 😉

Von Lothar H. (Name ist mir bekannt) gab es dies:

Hallo sehr geehrter Herr Matz,
bin ein leidenschaftlicher HSV-Fan, schon mein ganzes Leben,
54 Jahre. Wir gründeten vor 10 Jahren eine Fan Club, das
Nordbadische Elbufer, jetzt wird auch klar, woher ich komme,
eben aus Nordbaden.(Höpfingen eine kleine Gemeinde im Odenwald)
Herr Matz, ich verfolge ihren Blog jeden Tag, zu Beginn hatte ich
auch Berichte verfasst, doch dann begann, aus meiner Sicht, das
Niveau zu sinken, wofür nicht sie etwas könnnen, damit meine ich
die Schreiber, die aus meiner Sicht keine “HSV-Fans” sein können,
denn es wird vieles schlecht gemacht, geredet, nur im Blog eine
Botschaft abzusetzen.
Heute schreibe ich ihnen, weil aus meiner Sicht, gestern der Tiefpunkt
erreicht wurde, das hoffe ich wenigstens, denn schlimmer geht es nicht.
Ich frage mich was trainieren unsere “Stars”, wir können keine Standards,
wir spielen nicht nach vorne, wir kommen nicht zum Abschluss, wir spielen
so mut- und harmlos, das erinnert mich an die letzte Saison u. da mussten
wir bis zum vorletzten Spieltag zittern.
Aus meiner Sicht trägt hierbei unser Trainer einen großen Teil der
Verantwortung, es läßt zu wenig nach vorne spielen u. beweist jeden Spieltag, dass der Offensive-Fußball, den er verspricht, bisher leider
noch nie gespielt wurde. Ausnahme in Gladbach!!!
Um eines richtig zu stellen, ich bin keiner der den Trainer rausschmeißen würde, doch es darf u. muss hinterfragt werden, wohin geht der Weg u.
wo sind die Fortschritte, in allen Mannschaftsteilen, zu erkennen, dies
sehe ich nicht, leider.
Mir blutet das Herz wenn ich uns spielen sehe.
Herr Matz, da sie ganz nahe dran sind, wenn sie mit den Verantwortlichen sprechen, sehen die einen Fortschritt eine klare Handschrift?
Danke im Voraus für ihr Verständnis.
Einen schönen Sonntag liebe Grüße aus Nordbaden Lothar

NUR DER HSV!

So, das waren Beiträge aus eurer (unserer) Mitte. Wie gesagt, ich schreibe an meinen Gedanken herum, die erscheinen dann demnächst in dieser Stelle. Oder davor.
Bis dann.

16.33 Uhr

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