Monatsarchiv für Oktober 2012

Van der Vaart: “Ich bleibe positiv”

24. Oktober 2012

So richtig gut drauf war Thorsten Fink heute nicht. Ob das an den quälenden Fragen der „Matz-abber“ vom Vorabend lag? Durchaus möglich, sagten mir die Kollegen, die bei dem Fan-Aussprache-Abend mit dem Trainer dabei waren. Endlich mal die wirklich wichtigen und harten Fragen stellen, nicht so wie die „Weicheier“ von den Zeitungen – so muss das Motto in etwa gewesen sein. Obwohl mir jene „Matz-abber“, die heute beim Training waren und am Vorabend beim Fink-Treffen, bestätigt haben: „Das war ein ganz harmonischer Abend mit dem Trainer.“ Mit „Toffi“ – denn es wurde im Laufe des Treffens alles und jeder geduzt. Mit Erlaubnis von „Toffi“. Weil wir doch alle eine Familie sind. Und um das abschließend zu sagen: Auch die größten Fink-Kritiker waren am Ende zufrieden und bescheinigten „Toffi“ (also dem Coach) einen sehr guten Auftritt.

Hoffentlich kann Thorsten Fink (also „Toffi“) diesen sehr gut Auftritt bis zum kommenden Freitag konservieren. Und dann kann man nur hoffen, dass dieser gute Auftritt auch auf die Mannschaft abfärbt. Sozusagen von einem guten Auftritt zum nächsten. Gut wäre es, und dem Klub würde das auch sehr gut tun, denn ein Wochenende weiter kommt der FC Bayern nach Hamburg, und das bedeutet für mich, dass es da nichts für den HSV zu erben gibt, denn: Die Münchner, so habe ich den Verdacht, werden in dieser Saison nicht ein Spiel verlieren. Der HSV sollte nur bis Weihnachten keine Partie mehr verlieren, aber die Bayern werden es bis zum Sommer 2013 durchziehen. Weil Uli Hoeneß und Co zu dieser Spielzeit ernst gemacht haben. Eine bessere Bayern-Mannschaft hat es seit Maier, Beckenbauer, Müller und Co nie gegeben.

Aber gut, das ist erstens meine Meinung, und zweitens geht es jetzt gegen Augburg. Und das ist ja erst einmal viel, viel wichtiger. Falls es dem einen oder anderen User entfallen sein sollte: Der HSV ist in der Bundesliga gegen Augsburg noch ohne Sieg. In Hamburg gab es in der vergangenen Spielzeit ein mageres 1:1, als nach dem FCA-Führungstor noch Paolo Guerrero mit einem Schulter-Kopfball-Tor noch den Ausgleich herstellen konnte. Der HSV war zwar feldüberlegen, scheiterte aber immer wieder am starken Augsburger Keeper Amsif. Dazu passt aber eine Meldung, die heute über die Deutsche Presse-Agentur kam:

Torwart Simon Jentzsch steht zum Gastspiel des HSV vor der Rückkehr ins Tor des FC Augsburg. Der Routinier werde am Freitag gegen den HSV wieder spielen, sagte Coach Markus Weinzierl der „Bild“. Zuletzt hatte der 36-Jährige wegen einer Fingerverletzung sechsmal aussetzen müssen. Beim 0:0 in Nürnberg saß Jentzsch zwar wieder auf der Bank, musste aber Mohamed Amsif noch den Vortritt lassen.

Der eigentliche Ersatzkeeper Amsif machte zuletzt mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, spielte dreimal zu Null und war an allen sechs Augsburger Punkten beteiligt. Schon in der vorigen Saison hatte er Jentzsch während einer Verletzungspause vertreten. Ein Konkurrenzkampf im Tor der Schwaben soll trotzdem nicht entstehen. „Wir haben eine klare Hierarchie“, sagte Manager Jürgen Rollmann der „Augsburger Allgemeinen“. „Jentzsch ist die klare Nummer eins.“

Ob diese Entscheidung gut oder schlecht für den HSV war, wird sich am Freitag um 22.20 Uhr gezeigt haben. Und wo ich gerade bei Personalien bin: FCA-Kapitän Paul Verhaegh fällt wegen eines Innenbandanrisses aus. Beim HSV wird definitiv Petr Jiracek fehlen, denn der Tscheche trainierte heute nicht. Dagegen mischte der zuletzt verletzt und krank fehlende Ivo Ilicevic wieder voll mit. Und eine Entscheidung hat Thorsten Fink bereits getroffen: Maximilian Beister wird die Position von Jiracek einnehmen. Fink: „Beister hat gut trainiert zuletzt, hat auch gut gespielt in den letzten Wochen, er hat sich diese Chance verdient.“ Der Coach hat sich zudem festgelegt: „An der Anfangs-Mannschaft wird sich ansonsten nichts verändert, das bleibt so – der Rest kann sich bis morgen im Training aufdrängen, sodass sie mit nach Augsburg fahren könnten.“

Pech für Dennis Aogo, der nun wieder völlig fit ist, aber zunächst einmal das Nachsehen hat – ab auf die Bank. „Er ist fit, hat wieder Spaß am Fußball. Er macht einen guten Eindruck – von daher ist er wieder dabei, er kann Druck machen. Wir haben einen guten Konkurrenzkampf in der Mannschaft, weil wir einen ausgeglichenen Kader haben, da fällt es mir schwer, den einen oder anderen zu Hause zu lassen“, sagt Fink. Gut möglich, dass dank einer Ersatzbank-Rotation auch wieder einmal Tomas Rincon die Reise zu einem Auswärtsspiel wird antreten können. Weil der Südamerikaner sich im Training durch gute Leistungen gezeigt hat. Fink: „Tomas hat Woche für Woche zugelegt, er macht einen guten Eindruck, er ist schon sehr weit.“

Über den Gegner Augsburg weiß Thorsten Fink: „Der FCA hat sich ganz gut gefangen, spielt zu Hause, steht sehr kompakt – auch auswärts. Zuletzt gab es beim 1. FC Nürnberg ein 0:0, da spielet Augsburg gut und hätte auch gewinnen können – on daher sind wir gewarnt. Wir haben etwas gut zu machen, dürfen die Augsburger nicht ins Spiel kommen lassen.“

Apropos nicht ins Spiel kommen lassen. Das hatte zuletzt der VfB Stuttgart (recht erfolgreich) mit Rafael van der Vaart gemacht. Das Zauberwort hieß „Manndeckung“. Ein „schreckliches Erlebnis“ in der heutigen Zeit des Raumdeckens, aber der Niederländer muss damit klar kommen. Aber er ist am Sonntag nicht nur wegen dieser Manndeckung gar nicht erst ins Spiel gekommen, sondern auch deswegen, weil die Mannschaftskollegen viele weite und hohe Bälle nach vorne gedroschen hatten, die alle über van der Vaart hinweg flogen. Auf meine Frage, ob er das bemerkt hätte, sagte er lachend: „Natürlich habe ich das bemerkt.“ Und erntete bei dieser Antwort viele Lacher.

Ich konnte damit leben, denn die Antwort bewies mir, dass dieses Manko bei der „ewigen 23“ sehr wohl registriert worden ist – und damit dann auch beim HSV (und dem Trainer-Team). Also wird über diese Sache zu sprechen sein. Um Abhilfe zu schaffen. Um zu erreichen, dass van der Vaart von den Mitspielern gesucht wird – damit er Ideen in das Spiel der Mannschaft bringen kann. Er sagte zu seinem Spiel: „Ich war in Manndeckung, und da muss man sich die Bälle oft von hinten holen, das habe ich in der zweiten Halbzeit mehr gemacht, und dann kommt man auch besser ins Spiel. Aber wenn die Mannschaft nicht so gut drauf ist, und ich dann auch nicht, dann wird das schnell ein Spiel zum Vergessen.“ Auf meine Frage, ob ihn die Manndeckung stören würde, antwortete Rafael van der Vaart: „Nein, das ist ja oft passiert. Aber wenn die Mannschaftskollegen damit dann mehr Platz haben, dann kann ich damit leben, ich muss nicht in jedem Spiel glänzen – oder so.“

Auf die Frage, was gegenüber dem Stuttgart-Spiel nun in Augsburg beim HSV besser werden muss, sagte der „kleine Engel“: „Viel.“ Und weiter: „Wir sind gegen den VfB nicht gut ins Spiel gekommen, standen oft zu weit weg von unseren Gegenspielern. In den Heimspielen zuvor haben wir immer viel Druck gemacht, haben Pressing gespielt, so haben wir unsere Spiele gewonnen. Das haben wir gegen Stuttgart nicht gemacht, das muss nun in Augsburg auf jeden Fall besser gemacht werden. Ich hoffe, dass Stuttgart nur ein schlechtes Spiel von uns war, das kann ja immer mal passieren, deshalb sollten wir nun die Köpfe nicht hängen lassen. Es wird in Augsburg wieder besser für uns laufen, ich bleibe positiv.“

Hoffentlich geht er in dieser Beziehung mit gutem Beispiel voran, denn Augsburg dürfte erneut nicht leicht für vdV werden. Sein „Manndecker“ ist Kevin Vogt, und der misst stolze 1,94 Meter, und ein solches Gardemaß könnte im Zusammenspiel mit einer gewissen Härte schon lästig werden – für „Rafa“. Der von sich sagt: „Ich habe gut trainiert und fühle mich auch fit.“ Dann kann es ja losgehen.

Aber um noch einmal auf Augsburg zu kommen: Dort gab es zuletzt im Sommer, im letzten Auswärtsspiel der Saison, eine 0:1-Niederlage für den HSV. Zu diesem Spiel las ich kürzlich in der „Sport-Bild“ eine mich doch irgendwie erschütternde Aussage von Thorsten Fink: „Vor dem bedeutungslosen Spiel in Augsburg am letzten Spieltag habe ich den Jungs gesagt: ‚Heute könnt ihr frei aufspielen, zeigt, was ihr könnt.’ Doch dann kam einfach nichts. Bei dem einen oder anderen Spieler hat mir diese Niederlage die Augen geöffnet. Ich wusste, dass wir Spieler brauchen, die richtige Säulen sind, starke Charaktere. Es braucht einfach zwei, drei Spieler, die den Weg vorgeben.“

Zeigt was ihr könnt. Und dann kam nichts. Hatten wir in der vergangenen Saison oft, zu oft. Jetzt aber hat Thorsten Fink diese zwei, drei Säulen – und er sagt selbst: „Die heutige Mannschaft ist mit der vom Sommer nicht mehr vergleichbar.“
Hoffentlich.

Womit ich zum Stürmer des HSV komme. Artjoms Rudnevs sollte ja (seit dem Fürth-Spiel beschlossen) nach jedem Trainings-Tag noch eine zehnminütige Sonderschicht einlegen – Motto: „Was mache ich wenn ich allein auf das gegnerisch Tor zulaufe.“ Ich muss zugeben, dass ich diese Schichten nicht gesehen habe, was nicht daran liegen muss, dass sie nicht stattgefunden haben. Ich war eben nicht immer zur Stelle. Heute zum Beispiel spielte der gute „Rudi“ Fußballtennis mit Co-Trainer Nikola Vidovic. Was mich zu dem Schluss brachte, dass Rudnevs nicht nur den Torabschluss üben muss, sondern auch die (und seine) Technik. Vielleicht aber kam das Zulaufen auf das Tor ja auch noch – ich musste dann in den Presseraum in der Arena, um bei Rafael van der Vaart und der anschließenden PK zu sein. Aber ich bin gespannt, ob sich diese Sonderschichten schon beim Spiel in Augsburg bemerkbar machen werden – ich drücke dem Letten und auch dem HSV kräftig die Daumen.

PS: An diesem Donnerstag findet im Volkspark das Abschlusstraining statt, aber das ist (wie immer) nicht öffentlich.

18.25 Uhr

Beister: “Düsseldorf ist kein Thema”

23. Oktober 2012

Er war der Gewinner des Stuttgarts-Spiel – trotz der schmeichelhaften 0:1-Niederlage des HSV: Maximilian Beister. Der U-21-Nationalstürmer war zur Pause eingewechselt worden, gab mächtig Gas und beeindruckte den Trainer. Thorsten Fink lobte den 22 Jahre alten Angreifer und stellte erstmalig auch einen Auftritt in der Stammformation in Aussicht – nach zuletzt sieben Einwechslungen in dieser Saison. HSV-Coach Fink hat ja auf der linken Mittelfeldposition mehrere Optionen, aber Beister scheint im Moment die besten Karten zu haben. Er oder Ivo Ilicevic, der heute wieder auf dem Platz zu sehen war, wo er mit Reha-Trainer Markus Günther ein Einzeltraining genoss. Eine weitere Möglichkeit aber wäre sicherlich auch, Dennis Aogo hinten links zu bringen, und Marcell Jansen wieder nach vorne zu ziehen. Abwarten, für welche Variante sich Fink entscheiden wird. Es geht ja nun schon bald los, der HSV muss bekanntlich schon am Freitag wieder ran – bei den unbequemen Augsburgern.

„Maxi“ Beister wäre sicherlich die offensivere Aufstellung, was bei dem kampf- und defensiv-starken Tabellensechzehnten, der erst einmal gewonnen hat (bei 5:11 Toren), nicht verkehrt wäre. Angriff ist – oder soll ja – die beste Verteidigung (sein). Aber noch gab es vom Trainer keinen Hinweis, dass Beister nun „losgelassen“ wird. „Es gab bislang noch kein Signal des Trainers, ich warte ab und bereite mich wie auf jedes Spiel vor.“ Immerhin ist Thorsten Fink bei Beister kurz nach dem Stuttgart-Auftritt vorstellig geworden, um dem Angreifer mitzuteilen, dass er „zufrieden“ mit dem Maxi-Spiel gewesen sei. Das ist doch schon mal was. So etwas dürfte es in dieser Saison noch nicht (oft) gegeben haben. Für Beister aber großer Anlass zur Freude: „Wenn der Trainer mit mir zufrieden ist, dann ist das für mich noch kein Grund zu sagen, dass ich selbst mit mir zufrieden war. Es war vielleicht ein guter Schritt nach vorne für mich, aber trotzdem muss ich weiter hart an mir arbeiten – hart arbeiten wie alle anderen. Wenn der Trainer zufrieden ist mit mir, das ist für mich kein Grund, mich darauf auszuruhen.“

Die meisten Experten hatten „Maxi“ Beister einen steilen und schnellen Weg in die HSV-Stammformation zugetraut, aber bislang ging alles stets über die Bank. Der Unterschied zwischen der Ersten und der Zweiten Bundesliga scheint doch größer als gedacht. Beister sagt: „In der Ersten Liga wird mehr Fußball gespielt, in der Zweiten Liga wird mehr Wert auf die kompakte Defensive gelegt, auch auf ein gutes Zweikampfverhalten – das ist schon ein anderer Fußball, der in Liga eins gespielt wird, oftmals auch viel schneller.“ Die Umstellung dauert an, oder hat gedauert – wie man will. Er sagt selbst: „Ich stecke in dieser Phase noch drin, ich muss mich noch daran gewöhnen – aber ich bin, so denke ich, auf einem guten Weg. Ich merke das von Woche zu Woche, dass ich mich schon an gewisse Dinge gewöhnt habe.“

Maximilian Beister wirkt bei diesen Sätze reif und abgeklärt – anders als ein 22-Jähriger. Er über sich: „Ich schätze meine Situation schon ganz realistisch ein, denn in meinem ersten halben Jahr in Düsseldorf klappte das anfänglich nur stockend, und dann kam das von Spiel zu Spiel. Je mehr Einsatzzeiten ich bekommen habe, je besser lief es dann. Deshalb weiß ich für mich, dass es gut ist, mit Zeit zu geben. Und auch der Trainer gibt mir die Zeit, er redet mit mir und er vertraut mir. Deswegen kann ich das schon gut einschätzen, obwohl man als Spieler natürlich immer spielen will. Ich setze mich auf keinen Fall unter Druck, das kann ich nur sagen – ich blicke auf jeden Fall positiv in die Zukunft.“

Natürlich. Und spielen wollen sie stets immer alle. Aber bei ihm gab es zuletzt auch das Gerücht, dass er zurück zur Fortuna nach Düsseldorf will. Nur ein Gerücht? Oder doch mehr? „Maxi“ Beister bezieht Stellung: „Das Gerücht kam nicht von mir. Ich habe keine Ahnung, woher das kam, ich habe mich mit diesem Thema auf jeden Fall nicht beschäftigt. Ich war bei der U-21-Nationalmannschaft, da gab es ganz andere und viel wichtigere Themen, da habe ich bestimmt nicht an einen Wechsel oder an Fortuna Düsseldorf gedacht.“ Dann erklärt er unmissverständlich: „Mich interessiert dieses Thema nicht, ich habe mich damit nicht auseinander gesetzt, es wird auch in Zukunft kein Thema für mich sein, denn ich sehe meine Zukunft beim HSV, ich habe hier vier Jahre unterschrieben, meine Aufgabe liegt beim HSV. Es waren zwei sehr schöne Jahre in Düsseldorf, aber ich habe hier nun meine Aufgabe zu erfüllen, und nur darauf konzentriere ich mich.“

Dass „Maxi“ Beister für Zeitungen fotografiert wurde, als er neben Fortuna-Trainer Norbert Meier während eines Spiels auf der Bank saß, ist für den HSV-Spieler absolut kein Indiz für einen sich anbahnenden Wechsel: „Ich bin da nicht von allein hingegangen, sondern wurde gefragt, ob ich mich dorthin setzen möchte. Das habe ich dann getan. Ich habe dort nicht nur mit dem Trainer gesessen, ich habe dort mit vielen Personen gesessen, mit denen ich Freundschaften pflege. Und damit ist dieses Thema für mich auch nun beendet.“ Okay.

Der Mann weiß was er will. Und tritt auch selbstbewusst auf. Das gefällt mir. Das gefiel mir schon in seiner „ersten“ HSV-Zeit, und noch immer bin ich sprachlos, dass der HSV damals Beister gleich für zwei Jahre ausgeliehen hatte, während alle anderen HSV-Leihspieler nur für ein Jahr weg aus Hamburg waren. Aber das waren eben auch andere Zeiten, Zeiten, in denen es keinen Sportchef gab, der das Talent von „Maxi“ Beister hätte erkennen können. Aber gut, nun ist er wieder da, und auch wenn der Start stotternd verlief, so sagen der Trainer und auch der Sportchef Frank Arnesen unisono, dass sie von Beister nicht nur viel halten, sondern auch noch sehr viel erwarten, und dass sie auf ihn bauen.

Und es ist fast schon kurios, dass der Lüneburger sein Talent ja immer (oder auf jeden Fall meistens) bei der Nachwuchs-Nationalmannschaft gezeigt hat – durch ein stets engagiertes Spiel und mit erfolgreichen Torschüssen. Auch durch Beister-Tore hat der DFB den Start bei der U-21-Europameisterschaft geschafft. Und nun hat er auch für diese Mannschaft nur ein Ziel: „Wenn ein deutsches Team an einer EM teilnimmt, dann will dieses Team natürlich auch gewinnen, das ist doch klar. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, wir verstehen uns alle super – und wir haben auch die Qualität, um Europameister werden zu können.“

Und nebenbei mit dem HSV in die obere Tabellenhälfte – das wäre doch auch etwas. Jetzt, wo die Mannschaft doch noch entsprechend verstärkt worden ist. „Maxi“ Beister schwärmt von Rafael van der Vaart: „Er ist absolut positiv für mich, ich werde von ihm profitieren. Ein Rafael van der Vaart gibt immer alles für die Mannschaft, und er hat in den letzten Jahren so viele klasse Leistungen gezeigt und damit bewiesen, was er für eine Klasse hat, und trotzdem nimmt er sich hier nichts raus. Er ist ein absoluter Teamspieler, man kann als junger Spieler zu ihm gehen und sich Tipps holen, man kann sich ganz normal mit ihm unterhalten – und auf dem Platz kann er eben den einen oder anderen entscheidenden Pass schlagen.“

Dass Beister diese gewissen Anfangsschwierigkeiten beim HSV gehabt hat, soll ja auch an leichten Schwächen in seiner Defensivarbeit gelegen haben. Aber auch in diesem Punkt zeigte er sich zuletzt – in den Begegnungen mit der Schweiz – bei der U-21 – verbessert. Fast hätte ich geschrieben, deutlich verbessert, aber auch ein Freund von mir machte mich auf diesen >Umstand aufmerksam. Beister selbst konstatiert: „Ich glaube schon, dass ich mich in den letzten drei Wochen defensiv gesteigert habe, dass konnte man auch in den EM-Qualifikationsspielen sehen. Da hat das in meinen Augen sehr gut geklappt.“ Weiter führt er aus: „Wir Offensivspieler denken natürlich offensiv, deswegen ist es so eine Sache mit der Defensive. Wie versuche ich meine Defensivaufgaben zu verbessern, daran denkt man sehr wohl, aber ich denke, dass ich auch in dieser Beziehung schon einen Schritt nach vorne gemacht habe.“ Er gibt dann aber auch zu: „Ich weiß sehr wohl, dass ich da noch eine Schippe drauf legen muss, dass ich mich auch in taktischen Dingen noch verbessern muss – aber ich bin da, so glaube ich, schon auf einem guten Weg.“

Am Freitag in Augsburg wird er das unter Beweis stellen können. Er sagt: „Meine Erinnerungen an Augsburg sind nicht die besten, wir haben da mal 2:1 zur Pause geführt und noch 2:5 verloren. Der FCA ist eher defensiv eingestellt, man muss Geduld haben, man darf auch bei einem Spielstand von 0:0 in der 60. Minute nicht die Ruhe verlieren, sondern man muss weiter versuchen, sein Spiel zu spielen. Und man muss die Chancen, die man dann hat, auch eiskalt nutzen. Und wenn wir konzentriert spielen, die Zweikämpfe gewinnen und die zweiten Bälle erobern, dann werden wir auch mit einem Dreier nach Hamburg zurückkehren.“

Na, das ist doch mal ein Wort, „Maxi“!
Also nur beherzigen, diese Dinge, dann klappt es wahrscheinlich auch mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison.

In Sachen Aufstellung bin ich persönlich nicht nur gespannt, was Thorsten Fink nun mit Maximilian Beister vor hat. ich denke auch an die HSV-Defensive. In diesem Punkt stand in der Spiel-Information zu lesen, die es vor der Stuttgart-Partie vom HSV (für alle Journalisten) gegeben hat: “Der HSV und der VfB Stuttgart sind die beiden Bundesliga-Teams, die die meisten Schüsse auf das eigene Tor zulassen.” Da gibt es also auch noch harte Arbeit für das Trainer-Team zu verrichten. Und fast unbemerkt gab am vergangenen Sonntag ja ein “neuer Mann” seinen Einstand beim HSV: Paul Scharner. Wenn auch nur für die letzten fünf Minuten (für Son), wenn auch nur als Kopfball-Ungeheuer im Angriff. Geplant ist der Österreicher aber ja für die Innenverteidigung, und da wäre es sicher auch ein wenig hilfreich für den HSV, wenn es da (mal) einen Spieler geben würde, der auch das eine oder andere Mal kräftig zulangen oder dazwischen hauen kann. Man darf gespannt sein, wann Scharner dort hinten seine Vorzüge einbringen darf – und zwar von Anfang an. Ich, das will ich nicht verhehlen, würde mich freuen, wenn das recht bald geschehen könnte. Dann, so denke ich, würde der HSV in dieser geschilderten Statistik bestimmt nicht länger auf dem letzten Platz herumdoktern . . .

So, ein ganz anderes Thema:
Als ehemaliger HSV-Profi ist man ja nie so richtig aus dem Blickfeld aller Rothosen-Freunde. Deswegen nun noch diese Meldung: Piotr Trochowski ist in den USA wegen eines schweren Knorpelschadens operiert worden. Der „kleine Dribbelkünstler“ wird deshalb acht Monate pausieren müssen – was für eine Strecke. Und: Nationalmannschaft ade. Unglaublich gut aber die Aktion der Mannschaftskollegen vom FC Sevilla, die vor dem Erstliga-Spiel am Montag (gegen Mallorca, 3:2 gewonnen) alle ein T-Shirt trugen, auf denen beste Grüße und Genesungswünsche an „Troche“ zu lesen waren. Tolle Aktion!

Und dann noch ein Hinweis in eigener Sache:
Am Freitag gibt es die nächste Folge von „Matz ab live“ aus dem „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), und zwar mit zwei besonderen Gästen. Es sind Spieler aus jener HSV-Mannschaft, die dem Klub erstmalig – 1977 – einen Europapokal in die Vitrine stellten. Ihr Kommen haben die Abwehrrecken Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Darüber freue ich mich sehr – und ich hoffe, dass ihr nach dem HSV-Spiel in Augsburg einschalten werdet.

PS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

19.39 Uhr

0:1 – der Traum von Platz vier geplatzt!

21. Oktober 2012

Immer dann, wenn der HSV mal einen Sprung in der Tabelle machen könnte, immer dann – geht die Sache in die Hose. Oder in diesem Fall auch nur der Sprung. Der HSV taugt einfach nicht zu einem Känguru. Mit einem leeren Beutel kann man eben doch keine großen Sprünge machen, auch wenn der Kopf es vielleicht noch so gerne möchte. Auf Platz vier hätte der HSV an diesem achten Bundesliga-Spieltag vorstoßen können, vorher hörte ich an allen Ecken und Kanten der Arena nur: „Platz vier! Heute stehen wir am Ende des Tages auf Platz vier.“ Gute Nacht, Freunde – und ein fröhliches Aufwachen. Diese 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart hat deutlich, überdeutlich gezeigt, dass der „neue“ HSV doch noch nicht ganz so weit ist, wie ihn den Fans schon wieder gesehen haben wollten. Vier Spiele, zehn Punkte, das war auch einem überragenden Torwart zu verdanken. Vor allem ihm. Aber Rene Adler allein kann es nicht richten, wenn es, wie an diesem 21. Oktober 2012, vor ihm drunter und drüber geht. Das war über weite, weite Strecken ganz schlecht, HSV!

Die schönsten Trainer der Liga prallten an diesem Abend aufeinander, aber, und das ist kein großer Trost, der HSV hat den schönsten. Stuttgart aber in diesem Falle den erfolgreicheren. Dass die Schwaben hier völlig verdient drei Punkte ins Ländle entführten, müsste jedem noch so eingefleischten HSV-Fans klar sein. Der VfB spielte vor 53 121 Zuschauern engagierter, schneller, beweglicher, heißer, aggressiver, zweikampfstärker und ideenreicher. Der HSV dagegen ohne jeden Zusammenhang in den einzelnen Mannschaftsteilen. Viele lange Bälle wurden nach vorne gedroschen, aber sie kamen fast nie an – oder nur bei einem Stuttgarter. Das Nachrücken klappte zudem beim HSV kaum einmal, zu behäbig wurde sich von hinten heraus gelöst, es klaffte zwischen Defensive und Offensive eine riesige Lücke. Applaus gab es für den viel zu selten „stürmischen“ HSV schon dann, wenn es einen Eckstoß gab. Das war ganz, ganz dünn.

Und es begann schon alarmierend. Nach einer Minute und 18 Sekunden stand, wer konnte es anders sein, der Hamburger Martin Harnik allein vor Rene Adler. 0:1? Nein, nein, die Nummer eins des HSV, auch wenn er die Nummer 15 auf dem Rücken hat, blieb eiskalt (stehen) und hielt den Schuss. Bei der Parade hatte Adler einen Ausfallschritt hingelegt, und der sorgte für eine kleine Furche im Rasen – noch in der Sekunde, als der Keeper den Ball fest in den Händen hielt, galt seine ganze Sorge dem ramponierten Grün. Adler stapfte das Loch schnell zu – und dann schlug der die Kugel zur Mitte. Einmalig.

Aber es ging auch danach nur in Richtung HSV-Tor. Wahnsinn. Der HSV wirkte hilflos, war nicht im Spiel, lief der Musik nur hinterher. Ibisevic kreuzte in der 15. Minute frei vor dem HSV-Tor auf, schoss aber aus elf Metern daneben. In dieser Szene blieb Rene Adler nur das Nachsehen – und dann gab es das Aufatmen. Eigentlich hätte es da schon 2:0 für die Schwaben stehen müssen, denn es spielte nur eine Mannschaft. Und weil der HSV immer kräftiger bettelte, gab es dann auch folgerichtig das 0:1. Gentner auf den rechts ungedeckt lauernden Harnik, der flach zur Mitte, Ibisevic war vor Michael Mancienne zur Stelle und drückte die Kugel aus vier Metern ein. Ein Treffer, der überfällig war.

Auch danach stürmte der Tabellenfünfzehnte Stuttgart weiter Richtung Nordkurve. Zeitweise wurde der HSV vorgeführt. Das sah ganz bitter aus. Erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit keimte so etwas wie die Hamburger Hoffnung auf, weil sich der HSV vom Dauerdruck des VfB ein wenig befreien konnte. In der 43. Minute flanket Petr Jiracek von links, Rafael van der Vaart kam am langen Pfosten sieben Meter vor dem Tor an die Kugel, lenkte zur Mitte, wo Artjoms Rudnevs lauerte – aber Torwart Ulreich schnappte sich den Ball. Immerhin, da lag mal ein zarter Hauch von HSV-Torgefahr in der Volkspark-Luft.

Und in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs stempelte Milan Badelj mit einem satten Rechtsschuss aus 28 Metern die Torlatte des Stuttgarter Gehäuses. Dass Rudnevs den Abpraller ins Netz köpfte, hatte dann aber einen kleinen jedoch realistischen Schönheitsfehler: der Lette stand im Abseits. Kein Tor also – mit einen 0:1 ging es in die Pause. Nur 0:1 – das war auch Glück für den HSV, denn das Chancenverhältnis lag bei mindestens 1:5.

“Das ist bislang nicht so doll heute, aber ich hoffe ja, dass der HSV den Schwung aus den letzten Minuten des ersten Durchgangs mit in die zweiten Halbzeit nimmt, dann kann es noch etwas werden”, sagte der Comedian Olli “Dittsche” Dittrich während des Pausentees noch voller Hoffnung.

Während der Halbzeit liefen sich Maximilian Beister und Dennis Aogo intensiv warm, aber nur Beister kam zum zweiten Durchgang. Thorsten Fink korrigierte das Missverständnis mit Petr Jiracek auf der linken Außenbahn. Der Tscheche kann sicher viele Positionen spielen, aber nicht links draußen. So nahm sich der HSV eine Option, nämlich die, schnell über den linken Flügel nach vorne zu kommen, um dann entweder zu flanken oder zu schießen. Jiracek schaffte es nur einmal, ansonsten herrschte Ebbe. Dramatisch Ebbe sogar. Der HSV hatte sich einer großen Waffe selbst beraubt. Wie gesagt, in den ersten 45 Minuten. Dann kam Beister.

Und der bereitete durch eine beherzte Aktion immerhin die zweite große HSV-Möglichkeit vor. Linksschuss von der Strafraumgrenze, Ulreich musste prallen lassen – Marcell Jansen köpfte über das verwaiste VfB-Tor. Das hätte das 1:1 sein können, wenn nicht sogar müssen (58.). Danach folgte ein Anrennen des HSV, einige Schüsse aus der zweiten Reihe – aber nichts war es mehr mit dem Ausgleich. Und erst recht nichts mehr mit dem vierten Platz. Es wäre ja auch zu schön gewesen – der HSV mal vor Dortmund!

Die Einzelkritik:

Rene Adler hatte von der ersten Minute an erkannt, wohin hier der Hase laufen wird –nämlich auf sein Tor. Deswegen nahm der das Tempo raus, bei jedem Abschlag, bei jedem Freistoß vor seinem Kasten – um für Ruhe zu sorgen. Hielt ansonsten wieder einmal bärenstark – Note eins.

Dennis Diekmeier wurde in der zweiten Halbzeit sicherer, spielte dann auch seine Schnelligkeit aus.

Michael Mancienne soll ja, so ein Gerücht, demnächst eine Einladung von der englischen Nationalmannschaft erhalten. In diesem Spiel aber musste er erkennen, dass da noch einiges an internationaler Klasse fehlt – die Nati sollte (noch) kein ernsthaftes Thema sein. Aber: Mancienne rettete einmal (78.) in höchster Not gegen Traore, das hätte das 0:2 sein müssen.

Heiko Westermann – noch Fragen? Er allein bremste in Halbzeit eins fast alle Stuttgarter Angriffe, die nicht mit einem Torabschluss endeten. Und der Kapitän trieb seine Mannen immer wieder an, war auch Einfädler und tauchte nicht selten in der gegnerischen Hälfte auf – eine überragende, eine absolute Top-Leistung.

Marcell Jansen begann ein wenig zu lässig und zu nachlässig, konnte sich später aber ein wenig steigern. Dennoch nicht so gut wie zuletzt.

Tolgay Arslan gelang ganz sicher nicht alles, aber er war dennoch der Pluspunkt im Mittelfeld, denn es gab keinen besseren Nebenmann. War giftig und hatte auch gute spielerische Szenen.

Milan Badelj ging offenbar angeschlagen ins Spiel, denn er wirkte fahrig und langsam – sein bislang schlechtestes Spiel für den HSV. Ging in der 74. Minute vom Platz, als Marcus Berg für ihn kam.

Heung Min Son mit Licht und Schatten, diesmal mit mehr Schatten. Immerhin: Wenn ein Hamburger einmal schoss, dann war er es. Aber so wird das nie etwas mit dem FC Liverpool. Gegen Ende des Spiels schwanden seine Kräfte, in der 85. Minute kam Paul Scharner – als Kampf-Maschine und als Kopfball-Ungeheuer.

Rafael van der Vaart versuchte einiges, aber er war von Beginn an nie im Spiel. Er kämpfte, er lief viel, aber diese Partie war nicht für ihn gemacht – er blieb blass.

Petr Jiracek ist eben kein Flügelflitzer . . . Was ihn aber ehrte – er lief, er biss, er kämpfte, er gab alles. Vielleicht wäre er besser auf die Sechs gegangen, und Badelj wäre zur Pause in der Kabine geblieben. Wer weiß es schon?

Artjoms Rudnevs kämpfte, lief, wollte, blieb aber glücklos.

Maximilian Beister kam in der 46. Minute für Jiracek und sorgte für Schwung, auch wenn er es sicher noch viel besser kann. Bei der U-21-Nationalmannschaft zeigt er es eigentlich regelmäßig.

Marcus Berg versuchte noch zu retten, was noch zu retten war – aber es gelang nicht mehr.

19.23 Uhr

Milan Badelj hielt durch und wird spielen

20. Oktober 2012

Die wichtigste Frage war schnell beantwortet: „Ist Milan Badelj dabei?“ Ja, war er. Und zwar von Beginn an bis zur letzten Sekunde. Der Mittelfeldspieler hat das gesamte Programm ohne sehenswerte Probleme mitgemacht, wird also morgen gegen den VfB Stuttgart (Anpfiff im Volkspark um 17.30 Uhr) mit von der Partie sein können. Es bleibt somit bei der Mannschaft, die zuletzt für den Aufschwung, für die Wende gesorgt hat. Es werden folgende elf Männer für den HSV beginnen: Rene Adler; Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Heiko Westermann, Marcell Jansen; Tolgay Arslan, Milan Badelj; Heung Min Son, Rafael van der Vaart, Petr Jiracek; Artjoms Rudnevs. Nicht im Kader sind diesmal Tomas Rincon, Gojko Kacar, Robert Tesche und Per Ciljan Skjelbred. Schiedsrichter des Spiels gegen die Schwaben ist Tobias Welz aus Lebecksmühle.

So ein Abschlusstraining am Sonnabend hat ja etwas. Zur Anstoßzeit der Bundesliga-Partien wird dann im Volkspark geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber in diesen Tagen geht fast nichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So an die 100 Fans waren trotz allem an die Arena gepilgert, um ihre Lieblinge zu sehen, um eventuell auch das eine oder andere Autogramm zu erhaschen. Und alle haben sie ihren Spaß. Die Fans und die Spieler. Was nicht nur an diesem herrlichen herbstlichen Super-Sonnenschein liegt, sondern auch an der kleinen Erfolgsserie, die es nun zu verteidigen gilt.

Und selbst das Trainer-Team ist mit Spaß und Feuereifer bei der Sache. Während die Spieler auf ihren Gummimatten lagen und sich dehnten und reckten, versuchte sich Co-Trainer Frank Heinemann als Kunstschütze. Zwei Meter hinter der Torauslinie stehend versuchte der frühere Bochumer „Rasenmäher“ den Ball ins Tor zu „schnibbeln“. In etwa zehn Versuche hatte der Fink-Assi, keiner flog ins Tor (oder zählte der erste?). Als Heinemann aufgab, schnappte sich der „Chef“ die einzig verbliebene Kugel. Thorsten Fink schnitt den Ball mit rechts ganz stark an – und drin! Gelernt ist eben gelernt. Aber Heinemann hatte etwas zu monieren: Fink hatte nicht zwei sondern nur einen Meter hinter der Linie gestanden. Also ließ sich Fink noch eine Kugel „reichen“ – und dann schoss er. Unterkante Latte – drin. Fink riss die Arme hoch und ging grinsend von dannen. Und Heinemann blieb nur das Staunen . . .

Es wurden technische Feinheiten trainiert (zum Beispiel Ball mit links annehmen und mit rechts zum Co-Trainer zurückspielen), dann ließ Fink den Spielaufbau üben – und auf einem kleinen Spielfeld (weniger als die Hälfte) gab es dann das Abschlussspielchen. A gegen B, und die B-Mannschaft konnte sich wahrlich sehenlassen: Sven Neuhaus; Jacopo Sala, Jeffrey Bruma, Paul Scharner, Dennis Aogo; Gojko Kacar, Tomas Rincon;
Per Ciljan Skjelbred, Robert Tesche, Maximilian Beister; Marcus Berg. Das könnte doch früher auch eine A-Mannschaft gewesen sein, oder? Aber so gut geht es dem HSV inzwischen (wieder). Wer dabei Rene Adler vermisst – der Keeper trainierte derweil mit Torwarttrainer Ronny Teuber.

Apropos Adler: Der neue Mann zwischen den HSV-Pfosten ist, so hat es den Anschein, inzwischen ebenso heiß begehrt wie Rafael van der Vaart – wenn es um Autogramme geht. Als der Nationaltorhüter mit Sack und Pack zum Training erschien, wurde er natürlich von den Fans verfolgt. Adler beruhigte alle seine Anhänger und vertröstete sie kurz: „Ich bringe meine Sachen nur schnell in die Kabine, und dann komme ich wieder heraus.“ Ein Mann – ein Wort. Das haben wir alle auch schon anders erlebt. Dass keiner mehr kam . . . Aber Rene Adler ist eben ein Gentleman, er schrieb geduldig und posierte für viele, viele Fotos.

Zurück zum Training: Um 16.28 Uhr gab es allerdings noch eine bange Minute zu überstehen. Rincon hatte Son umgegrätscht. Das sah ganz übel aus, aber Rincon war auch, das sei zu seiner Ehrenrettung gesagt, bei dieser Aktion etwas ausgerutscht. Er wollte zwar grätschen, aber den Südkoreaner ganz sicher nicht umtreten – aber das war es dann letztlich. Son schrie und wimmerte vor Schmerzen, blieb am Boden liegen, sodass Mannschaftarzt Dr. Philip Catala-Lehnen und Physiotherapeut Stefan Kliche auf das Feld eilen mussten, um zu helfen. Das gelang nach einigen Sekunden, und Son konnte alsbald wieder voll mitmachen. Das war knapp. Im Spiel hätte Rincon wohl Rot gesehen . . .

Und wo ich gerade bei Heung Min Son war: Der beste HSV-Torjäger dieser Saison (vier Treffer) soll ja hartnäckig vom FC Liverpool umworben sein. Jetzt, im Herbst. Wo keine Transfers mehr machbar sind. So schlimm ist es inzwischen schon geworden, dass sich solche Wechsel-Spielchen nun schon über die gesamte Saison erstrecken. Ganz, ganz bitter. Oder ist es doch nur so, dass diese vielen Länderspielpausen sich einfach nur dazu anbieten, solche Transfergerüchte auf den Markt zu schmeißen?

Sollte Son tatsächlich in der Winterpause gehen (und ich werde das tatsächlich so häufig von HSV-Fans gefragt), dann können alle Hamburg total zufrieden sein. Weil Son dann mächtig erfolgreich gespielt haben muss, noch viele, viele Tore mehr auf sein Konto gebracht haben – und dem HSV damit viel, viel Geld in die Kasse. Geht Son, dann könnte zum Beispiel Viagogo gleich mitgehen. Das wäre doch mal was. Zum Beispiel. Obwohl ich nicht wüsste, ob sich Heung Min Son mit einem Wechsel nach England denn tatsächlich einen Gefallen tun würde, aber das muss er, seine Familie und auch der Berater dann natürlich wissen. Ich würde – aber natürlich werde ich nicht gefragt – ihm ganz heftig abraten.

Ebenso abraten würde ich „Maxi“ Beister – nämlich erneut den Verein zu wechseln. Zurück nach Düsseldorf. Das kann er immer noch. Erst einmal aber wäre es doch eine heldenhafte Aufgabe, sich beim HSV durchzubeißen. Den Kopf nicht hängen lassen, die Zähne zeigen, die Ärmel aufkrempeln – und dann das zeigen, was doch fast jeder in Hamburg auch in ihm sieht. Frechheit siegt eigentlich so oft, und das müsste dem „frechen Maxi“ doch auch gelingen. Nur nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, das wäre gundverkehrt. Obwohl auch in diesem Fall ja Beister, seine Familie und auch sein Berater zu entscheiden haben, und nicht ich oder der HSV. Auch wenn ihm der Sportchef ja in dieser Woche ein Wechsel-Verbot erteilte.

Übrigens: Das Abschlussspielchen gewann gestern ja noch das A-Team haushoch. Und heute? Da siegte die B-Vertretung mit 3:0. Tesche hatte nach einem Abspielfehler von Adler (und auf Zuspiel von Skjelbred) das 1:0 erzielt, Rincon erhöhte mit einem Fernschuss auf 2:0, und Aogo sorgte mit einem strammen Flachschuss für den Endstand. Aber: Nach einer verpatzten Generalprobe folgt ja oft auch eine glanzvolle Vorstellung. Hoffen wir es mal.

So, zum Schluss des Trainings ging Rafael van der Vaart als einziger Spieler etwas früher in die Kabine. Während alle anderen noch schossen und jonglierten, verschwand der Niederländer schnell unter der Dusche. Eine Vorsichtsmaßnahme nach den Adduktorenproblemen. Ansonsten ist aber alles gut bei ihm. Sein Schlusswort, bevor er in den Katakomben der Arena verschwand: „Drück die Daumen für morgen, das wird nicht leicht.“ So ist es. Und Daumen drücken ist doch Ehrensache. Nur sollte tatsächlich niemand glauben, dass diese Partie ein Selbstgänger für den HSV werden wird. Ich sage nur Harnik und Ibisevic. Und der VfB-Trainer dürfte auch genügend Gründe gefunden haben, warum ihm ein Sieg in Hamburg sehr gut in die Karten spielen würde . . .

Mein Tipp: 1:0 für den HSV.

18.54 Uhr

“Hier haben wirklich alle wieder richtig Spaß!”

19. Oktober 2012

Wahnsinn, wie unser Blog-Netzwerk funktioniert. Da stehe ich mit zwei Bloggern, unterhalte mich – und binnen weniger Minuten ist sogar der Inhalt des Gesprächs online. Nicht hundertprozentig korrekt wiedergegeben – aber online und für alle zugänglich. Ebenso wie die beste Nachricht es Tages: Rafael van der Vaart ist fit. „Ich kann spielen, der Trainer hat Grünes Licht, mich aufzustellen“, so der Niederländer auf Nachfrage. Leichte Adduktorenprobleme hätte der Topspieler des HSV nach seinen beiden Länderspiel(tor)en für die niederländische Nationalelf gehabt, wurde gestern mitgeteilt – und heute belächelt. „Ich wusste von Beginn an, dass er spielen können würde“, so Trainer Thorsten Fink mit einem Lächeln, „aber man weiß ja nie. Am Donnerstag haben wir ihn geschont, heute hat er voll mitgemacht. Ohne Probleme. Deshalb ist er am Sonntag auch dabei.“

Van der Vaart machte tatsächlich ohne Probleme mit. Mehr noch: das Abschlussspiel, das die A-Elf haushoch (auch wenn Fink behauptetet, es wäre nur 3:0 gewesen) gewann, dominierte der Niederländer mit seinen Geistesblitzen. Hier mal ein kleiner Stoß mit der Fußspitze, hier ein No-Look-Pass (passen, ohne dabei in die Passrichtung zu gucken) und dort ein Tor – van der Vaart war extrem spielfreudig. „Ich bin in Hamburg wieder fit und glücklich“, so der Mann mit der Rückennummer 23. „Das war in Tottenham auch so – aber hier herrscht ein ganz anderer Druck. Das ist schöner.“ Zumal dem Niederländer das ihm entgegengebrachte Vertrauen, die hohen Erwartungen an ihn sowie natürlich die mit ihm verbundene Hoffnung schmeicheln. Und das ganze Lob scheint nicht abzuebben. Heute wartete ein holländischer Radioreporter auf van der Vaart, um anschließend auch Fink über seinen neuen Top-Scorer zu befragen. Und Fink holte weit aus: „Rafa wollten alle im Klub. Es gibt wohl keinen bei uns, der ihn nicht mindestens einmal angerufen hat, um ihm Hamburg nahezulegen. Und mit ihm haben wir das Winner-Gen dazubekommen. Neben ihm wachsen die anderen, die vorher noch an sich gezweifelt haben. Er ist mein verlängerter Arm, der mir Feedback gibt.“

Worte, die den erfahrenen van der Vaart zwar nicht zwingend die Schamesröte ins Gesicht treiben. Aber sie spornen auch einen Star wie ihn noch an. „Es macht mir auch Spaß hier“, so der Linksfuß, der für seine Pause am Donnerstag die Anstrengungen der letzten Wochen seit Bekanntwerden seines Wechsels zum HSV anführte. „Ich habe sehr viel gespielt und wenig geschlafen. Aber die Pause war nicht nur für den Körper gut, sondern auch für mich“, sagt van der Vaart, dem ich angesichts des heutigen Trainings geneigt war, alles zu glauben. Und ganz ehrlich, sollte ein Tag Pause immer solche Folgen haben, dann bitte, Herr Fink: Schonen Sie Rafael van der Vaart morgen noch einmal. Es lohnt sich…

Wobei, genau das soll zu seiner Zeit beim HSV ein gewisser Bruno Labbadia anders gesehen haben. So zumindest wird sich erzählt. Dass das so nicht wahr ist, dürfte jedem Fußballkenner klar sein. „Der HSV hat sehr teuer aber auch sehr gut eingekauft“, lobt der heutige Stuttgart-Trainer die Verpflichtung eben jenes van der Vaarts, bezieht dabei aber auch Milan Badelj und Petr Jiracek mit ein. „Ich bin auch wenig überrascht, dass der HSV so gut dasteht. Die Mannschaft wurde immer schlechter gemacht, als sie war.“ Und wenn es glücklicherweise in Hamburg schon keiner macht, dann wenigstens die Gegner: „Der HSV hat ganz klar die Möglichkeit, noch viel weiter nach vorn zu klettern. Es ist eine Mannschaft, die in die Europa League kommen kann.“

Ist ja auch nicht sein Druck, den er da aufbaut.

Wobei Labbadia nach seinem verpatzten Saisonstart und seiner drastischen Wutrede vor zwei Wochen beim nächsten HSV-gegner mächtig unter Druck steht. Manager Fredi Bobic leugnet das branchenüblich noch, aber viel erlauben darf sich der VfB nicht mehr, will man dort seinen Trainer behalten. Ob er den Druck spürt? Labbadia verneint: „Ich habe keinen Druck. Ich freue mich auf das Spiel.“

Klar, was soll er auch anderes antworten. Dabei bin ich mir sicher, dass Labbadia weiß, dass eine Niederlage sein Aus besiegeln könnte. Dafür hat der VfB trotz der minimalsten Ausgaben in der Ersten Liga (keiner gab weniger als der VfB _ 200000 Euro – aus) zu hohe Ansprüche. Immerhin sind die Schwaben in der letzten Saison mit einer nahezu identischen Mannschaft in die Europa League eingezogen. Allerdings, und das muss man dazu sagen, hat Labbadia nicht zuletzt durch den Kreuzbandriss Cacaus (Gute Besserng aus Hamburg!) erhebliche Probleme in der Offensive. Inzwischen steht dem akribischen Coach nur noch Vedad Ibisevic zur Verfügung. „Viel darf nicht mehr passieren“, sagt Labbadia, der gern noch einmal kurz vor Transferschluss 17 Millionen Euro wie der HSV ausgegeben hätte. Dennoch, und so war der Ex-Bayern-Profi in Hamburg auch, Labbadia bleibt klar. Loyal eben. „Das wünscht sich natürlich jeder Trainer. Aber ich gehe den Weg des Vereins.“ Und der heißt: Sparen.

Kennen wir doch auch irgendwoher, oder?

Und nur um eines klarzustellen: ich halte Labbadia samt seinem Cotrainer Erdinc „Eddy“ Sözer für einen sehr guten Trainer. Dass er in Hamburg gescheitert ist, hat mich dennoch nicht überrascht, da Labbadia als weitgehend beratungsresistent zu Hamburger Zeiten keinen Sportchef an seiner Seite hatte – wenn man Bernd Hoffmann und Katja Kraus mal nicht als solche werten mag. Aber ich bin mir sicher, dass Labbadia mit Dietmar Beiersdorfer zusammen in Hamburg großen Erfolg hätte haben können. Immerhin bestätigen selbst die Spieler, die bei Labbadia durchs Rost fielen dem Deutsch-Italiener fachliche Qualitäten, wie sie selten zu sehen sind.

Aber okay, wo wir schon bei Konjunktiven sind: Stellt Euch mal vor, Sven Ulreich hätte nicht so hervorragend gehalten in den letzten Jahren. Dann wäre Rene Adler heute nicht in Hamburg.

Warum?

Immerhin verdrängte Ulreich so Bernd Leno beim VfB, den wiederum Leverkusen nach seiner Leihphase unbedingt weiterverpflichten wollte und konnte. Wäre aber Leno zurück nach Stuttgart – Leverkusen hätte Adler wohl niemals ziehen lassen…

Insofern: Danke Sven Ullreich! Danke Bernd Leno!

Ein großer Dank geht auch an Milan Badelj, der am Sonnabend beim Abschlusstraining wieder mitmischen soll und nach eigener Aussage spielen will. Der Kroate ist hart im Nehmen und will trotz Bänderanrisses mit einem bandagierten Knöchel alles geben. „Klar ist aber auch, dass ich ihn nur dann bringe, wenn er 100 Prozent geben kann“, sagt Fink, der die Einsatzwahrscheinlichkeit Badeljs auf 60:40 schätzt. „Es ist eben ein reines Schmerzproblem“, so Fink, wissend, dass Badelj nach eigener Aussage zur Not auch ein, zwei Schmerztabletten nehmen will, um zu spielen.

Sollte Badelj wider Erwarten nicht auflaufen können, will Fink wie heute im Abschlussspiel auflaufen. Soll heißen: Jiracek rückt ins zentral-defensive Mittelfeld und Maxi Beister auf die linke Außenbahn. Das Riesentalent hat seine Rückenprobleme („Ich habe mir einen Nerv eingeklemmt, den wir mit zweimal Physio und Strombehandlung in den Griff bekommen haben“) auskuriert und brennt auf seine Chance. „Ich habe immer gesagt, dass ich geduldig bin“, sagt Beister und lacht dabei, „vielleicht bekomme ich ja jetzt meine Chance.“

Wie Beister herrschte heute bei den HSV-Spielern allgemein gute Laune. Nach Trainingsende wurden weiter fleißig Standards, Torabschlüsse und für die Torhüter Flankenbälle geübt. Oder es wurden bereitwillig Autogramme geschrieben und Interviews gegeben. „Es macht einfach allen wieder Spaß“, sagt Dennis Diekmeier, selbst ein Gewinner der letzten vier Spiele. „Der Erfolg trägt dazu bei. Deshalb gibt es für uns für Sonntag auch nur ein Ziel: Gewinnen“, so Diekmeier, der in seiner noch jungen Karriere ausgerechnet gegen den VfB in fünf Spielen noch nie gewinnen konnte. Aber – und das ist das gute Omen – das galt für Diekmeier auch vor dem Spiel gegen Dortmund. „Insofern kann ja nichts mehr schiefgehen“, so der Rechtsverteidiger, der ebenso wie Fink daran glaubt, dass sich der HSV mit einem Sieg im Mittelfeld vorerst festsetzen wird. Wobei der Trainer beim holländischen Radioreporter noch weiter ging. Auf die Frage, was denn das Ziel mit dem HSV in dieser Saison sei, antwortete er: „Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz – und jetzt auf dem Boden bleiben. Wenn wir jetzt nicht abheben und weiter Punkte sammeln, ist das auch drin.“

Absolut. In diesem Sinne: Bis morgen. Dann wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert und Dieter ist wieder am Ball. Sogar die nächsten drei Wochen lang, da ich mich vorerst in meinen Urlaub (der erste 2012) verabschiede und mich am 12. November wieder zurückmelden werde. Ich hoffe, dass wir bei meiner Rückkehr sieben Punkte mehr auf dem Konto haben, der NTSV sogar 9. Ich hoffe, dass beim HSV alle zuletzt angeschlagenen Spieler zurückkehren und Trainer Thorsten Fink ein mächtiges Problem in Sachen Kaderberufung (am Sonntag ist übrigens Paul Scharner dabei, Rincon und Kacar noch nicht) hat. Und vor allem hoffe ich, dass Ihr alle hier genau wie in den letzten Tagen und Wochen weiter so konstruktiv diskutiert. Unterstützt Dieter bitte, denn 21 Tage lang jeden Tag einen Blog schreiben ist anstrengend. Körperlich wie mental. Ich weiß das zu beurteilen…

In diesem Sinne, uns allen weiterhin schöne Fußballtage!

Bis bald,

Euer Scholle

Badelj: “Ich glaube, es klappt bis Sonntag”

18. Oktober 2012

So, in der Hoffnung, dass heute nicht wieder etliche Anrufe, Emails und SMSe kommen, die mir sagen, sie könnten den neuen Blog nicht lesen – ein neuer Versuch. Wie mir als Technik-Laien erklärt wurde, lag es an den verschiedenen Browsern, die unterschiedlich funktionierten. So konnte ein Teil den Blog lesen, ein anderer nicht. Leider.

Ebenfalls leider: Rafael van der Vaart konnte heute noch nicht wieder mittrainieren du absolvierte eine individuelle Einheit im Kraftraum. Aber, um den Pessimisten unter uns etwas Futter zu nehmen, van der Vaart soll schon am Freitag, also morgen, wieder mittrainieren. Heute sei eher Schonung angesagt gewesen, so Trainer Thorsten Fink, der ausführte: „Wir wollten heute noch nichts riskieren und werden am Freitag testen, ob es geht.“ Wobei alles eher nach dem Einsatz des zuletzt besten Torvorbereiters des HSV aussieht.

Schlechter sei da der Stand bei Milan Badelj, den ein Bänderanriss im Knöchel Probleme bereitet. Und wer schon einmal einen Anriss von Euch hatte, der weiß, dass das Schmerzen bedeutet. Allerdings dürfte die- oder derjenige dann auch wissen, dass ein Anriss nicht immer auch einen Ausfall nach sich zieht. „Es kann eigentlich nichts schlimmer kaputtgehen“, sagt auch Fink, „aber wir müssen abwarten, wie sich die Schmerzen bei Milan entwickeln.“ Heute reichte das noch nicht. Auch morgen könnte eng werden. Dennoch sagte Badelj meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller im Interview heute: „Ich glaube, dass es reichen wird und ich am Sonntag spielen kann.“ Zumindest will es der Kroate mit aller Macht. Und wo ein Wille – da (zumal der HSV über eine Top-Medizinabteilung verfügt) ein Weg…

Ebenfalls wieder dabei ist Dennis Aogo, der nach seiner vierwöchigen Auszeit wieder zu Kräften gekommen ist und in den Testspielen neben Tolgay Arslan am meisten zu überzeigen wusste. Mehr noch: Aogo wirkt tatsächlich frischer als vor seiner Pause. Ich würde fast schon sagen – Achtung: Scherz! – er ist besser denn je. „Dennis ist tatsächlich sehr gut drauf und dürfte im Kader sein“, lobt Trainer Thorsten Fink. „Er hat sogar abgenommen.“ Gründe dafür sind schnell gefunden. Zum einen, weil Aogo Stress abbauen konnte und seine Blutwerte besser sind. Zum anderen aber auch, weil der Linksfuß nach seiner Quasi-Konkurrenzlosigkeit plötzlich mit Marcell Jansen einen Spieler auf seiner Position vorgesetzt bekommen hat, der diese Rolle gut spielt. „Dennis spürt den Konkurrenzkampf“, sagt Fink, „und das ist auch gut so.“

Am Sonntag dürfte Aogo zwar zum Kader gehören, wohl aber eher noch nicht zur Startelf. Es sei denn, nach Ilicevic (soll Montag ins Training einsteigen) würden auch Badelj und van der Vaart ausfallen. Dann könnte es sein, dass Petr Jiracek (trat im Training heute wegen leichter Kniebeschwerden kürzer, kann aber spielen) wieder ins defensive Mittelfeld rutscht und die linke offensive Seite frei würde. Eine Position, die Aogo kennt. „Im Training haben wir mit Dennis schon im Mittelfeld geübt“, sagt Marcell Jansen, der absolut nicht gewillt ist, den Linksverteidigerposten zu räumen. Im Gegenteil: „Das ist meine Position“, meldet der Linksfuß Besitzansprüche an.

Und tatsächlich sollte Fink derzeit Abstand nehmen von unerzwungenen Wechseln. Vor allem in der sich immer mehr stabilisierenden Abwehr. „Wir spielen jetzt in einer Formation und fangen an, Sicherheit zu entwickeln, die wichtig ist für unser Zusammenspiel“, hatte Kapitän und Abwehrchef Heiko Westermann gestern gesagt. Heute fügte Fink hinzu: „Wir entwickeln Automatismen. Und wir spielen gut. Zudem nimmt Rene Adler immer mehr Fahrt auf und wird zum Stabilisator von hinten raus.“

Stimmt. Was mit einen kurzen Abstecher machen lässt, da ich mir sicher bin, dass Adler dem HSV genauso viel Sicherheit gibt wie er den ansonsten coolen Manuel Neuer unter Druck setzt. Ich glaube, dass es tatsächlich kein Zufall ist, dass Neuer, den ich ansonsten für einen ebenso exzellenten Keeper wie Adler halte, plötzlich „greift“. Immerhin hatte der Bayern-Keeper in den letzten zwei Jahren nie eine auch nur annähernd bedrohliche Konkurrenz für seinen Stammplatz wie mit Adler. Eine gute Situation für Bundestrainer Jogi Löw, der seit kurzem wieder über zwei Weltklassekeeper verfügt…

So viel zum Abstecher. Zurück zum HSV, der in der Abwehr zuletzt zweimal zu Null gespielt hat. Heiko Westermann stabilisiert sich und unsere Abwehr“, sagt Fink und lobt gleich weiter: „daneben wächst Michael Mancienne gleich, Dennis Diekmeier ist defensiv deutlich besser geworden und Marcell Jansen hat auf links gar kein Probleme. Nicht umsonst haben wir zweimal zu Null gespielt – natürlich auch mit dem Glück des Tüchtigen.“ Dennoch, Finks Rechnung ist einfach. Passend zur Präsentation des neuen Sponsors MSC, der Kreuzfahrten anbietet, sagt Fink: „In Fürth waren wir in der ersten Hälfte gnadenlos effektiv. In der zweiten Hälfte überhaupt nicht. Das müssen wir noch lernen.“ Und gepaart mit der neuen Defensivsicherheit (Defensivstärke nenne ich es lieber erst, wenn es noch mindestens fünf Spiele hinten funktioniert hat) könnte das eine sehr erfolgreiche Mischung ergeben. „Wenn das alles zusammenspielt, dann können wir Kurs aufnehmen.“ Und Fink trieb das Wortspiel zuvor sogar noch weiter: „Wir wissen, wir stehen erst am Anfang unserer Kreuzfahrt – und wir haben eine Weltreise vor.“

Startpunkt dafür soll das Spiel werden, das in der letzten Saison den negativen Knackpunkt bescherte: das Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart. „Letztes Jahr hat uns der VfB in eine Misere gestürzt. Da haben wir etwas gutzumachen. Und das sage ich meinen Jungs.“ Als Motivationshilfe…

Davon hat Fink – einmal dabei – auch noch etwas für das Sorgenkind des Moments parat: für Maxi Beister. Der Youngster ist noch nicht so in die Saison gestartet, wie er es sich selbst nach seiner überragenden Zweitligasaison erhofft hatte. Selbst ein Wechsel auf Leihbasis im Winter scheint für ihn denkbar. Auch deshalb versucht Fink, seinem Talent Mut zu machen: „Er kann es genauso schaffen wie Son.“ Immerhin habe der Südkoreaner sich auch eine ganze Saison lang gedulden müssen. „Aber der Sprung aus der Zeiten in die erste Liga ist groß“, so Fink, der Beister ein Beispiel vorschlug: „Auch Son wurde immer nur eingewechselt. Und er hat seine Chance genutzt. Ich bin sehr zuversichtlich, bei Maxi. Son kann immer wieder ein sehr gutes Beispiel für ihn sein.“

Trainer Thorsten Fink, der sich mit einem Sieg am Sonntag im Mittelfeld festsetzen möchte, scheint derzeit nicht viel aus der Ruhe bringen zu können. Warum auch? Sportlich läuft es langsam an. Dass das einen Rafael van der Vaart dazu verführt, davon zu sprechen, bis zum Winter kein Spiel mehr zu verlieren, freut ihn. Allerdings schränkt er auch ein: „Ich will auch kein Spiel verlieren. Es freut mich auch, wenn die Jungs selbstbewusst sind. Aber es ist unrealistisch, sowas kann der FC Bayern sagen – nicht wir.“ Ausschließen wollte er eine solche Serie allerdings auch nicht. „Wie gesagt, wenn alles greift, ist alles drin.“

Logisch.

In diesem Sinne, zum Ende hin habe ich noch eine kleine Aufgabe für Euch alle. Die Sparda-Bank sucht für eine besondere Aktion im November Leute, die vor etwas mehr als 30 Jahren mitflogen und entweder auf dem unten stehenden Foto zu sehen sind oder eben solche, die Leute auf diesem Foto wiedererkennen und benennen können. Schickt Eure Antworten bitte einfach an hsv@sparda-bank-hamburg.de schicken. Ich bin gespannt, was die Leute von diesem Foto zu erzählen haben… Das Foto:

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Ich freue mich darauf. Allerdings nicht annähernd so sehr wie auf das Spiel am Sonntag…

Scholle

Teilweise Probleme im Internet Explorer

18. Oktober 2012

Wir haben festgestellt, dass bei manchen Lesern mit Internet Explorer der neueste Blogeintrag vom 17.10.2012 nicht angezeigt wird.

Der Artikel hier in voller Länge, verbunden mit der Hoffnung, dass danach wieder alles normal funktioniert:

„Milan Badelj und Rafael van der Vaart angeschlagen“ vermeldete die HSV-App heute. Und ich zuckte so massiv zusammen wie es den VfB Stuttgart wahrscheinlich freut. Zu lesen war in der HSV-Mitteilung: „Milan Badelj und Rafael van der Vaart konnten am Mittwoch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Die beiden Auswahlspieler kehrten mit Blessuren von ihren Nationalmannschaftseinsätzen zurück. Badelj erhielt im Spiel der kroatischen Auswahl gegen Wales (2:0) einen Schlag aufs Sprunggelenk, van der Vaart hat nach dem 4:1-Erfolg gegen Rumänien Probleme mit den Adduktoren. ‚Ich hoffe, dass wir sie bis zum Spiel gegen Stuttgart fit bekommen’, sagte Thorsten Fink. Vorerst müssen die beiden allerdings pausieren.“

Klingt nach dem GAU für den HSV – seine beiden Top-Feldspieler (neben Arslan) der letzten Wochen verletzt. Und ich würde gern sofort entwarnen und von einer reinen Vorsichtsmaßnahme sprechen, aber während van der Vaart auf eigenen Wunsch pausiert und auch morgen noch aussetzen wird, soll bei Badelj eine Kernspin Klarheit bringen. Ergo: Daumen drücken. Beide. Und zwar alle.

Zudem mache ich mir ernsthaft Sorgen um Maximilian Beister. Rein sportlich natürlich, denn dem anfänglich mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachten Talent werden Wechselgedanken nachgesagt. So ist aus Düsseldorf zu hören, dass man sich bei der Fortuna sehr gut vorstellen kann, den Offensivspieler erneut auszuleihen. Beister selbst muss erstaunlich lange nachdenken, als wir ihn heute direkt darauf ansprechen. „Ich beschäftige mich jetzt nicht damit.“

Jetzt nicht. Aber später?

Beister lächelt, bleibt aber dabei. Er wirkt vorsichtig. „Jetzt ist nur der HSV mein Thema.“

Allerdings wirkte Beister nicht wirklich überzeigend. Zum einen, weil er trotz der frischen EM-Qualifikation mit seiner U21-Nationalelf mit Rückenproblemen auszufallen droht. Zum anderen aber ganz sicher auch, weil er in dieser Saison beim HSV noch nicht über Teileinsäze hinauskam. Im Gegenteil, gegen Fürth musste das so hoch gehandelte Talent sogar 90 Minuten über die Bank drücken. Dass er mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden sein könne, hatte er zuletzt immer wieder betont. Allerdings scheint Beister auch mit der immer wiederholten Erklärung von Trainer Thorsten Fink, dass er defensiv einfach noch zu viele Mängel habe, nicht wirklich viel anfangen zu können. Zumindest verdreht er gern die Augen, darauf angesprochen. Und, dass er am Sonnabend auf der Bank von Fortuna Düsseldorf bei deren Testspiel gegen einen Oberligisten zu Besuch war – es hat nichts zu sagen. Sagt Beister: „Wir waren in Leverkusen und hatten unseren freien Tag. Den habe ich genutzt und alte Freunde besucht. Als mich Trainer Norbert Meier einlud, während der zweiten Hälfte auf der Bank mit einigen Jungs quatschen zu können, habe ich angenommen…“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zumal es sehr schade wäre. Bislang kam Beister tatsächlich nicht zum Zug. Auch, weil er seine zweifellos vorhandene Defensivschwäche nicht deutlich verbessert hat. Allerdings kann dieses Argument tatsächlich nur bedingt gelten, immerhin ist Heung Min Son diesbezüglich nicht einen Deut besser. Aber der Südkoreaner macht Tore – und wird deshalb auf dem Platz gelassen. „Wir haben gerade einen Lauf, haben zehn Punkte in vier Spielen geholt“, sagt Beister, „da kann der Trainer nicht viel ändern.“ Klingt einsichtig. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich Beister alles anders vorgestellt hat und entsprechend anfällig sein dürfte für interessante Angebote.

Begeistert vom Angebot, wieder in der Nationalelf zu spielen war Heiko Westermann. Oder besser: er ist es noch. Trotz des Schocks beim 4:4 gegen Schweden. „Ein 4:0 solltest du nach Hause bringen“, so der HSV-Kapitän. „Zumal, da wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die uns 60 Minuten lang nicht das Wasser reichen konnte. Erklärungen gibt es dafür keine, wir waren alle geschockt und sind es noch“, sagt Westermann, der auf dem Weg zur Kabine ausgerechnet Marcus Berg, dem einzigen Schweden im HSV-Team über den Weg lief. Was der gesagt hat? Westermann lacht: „Er ist fair. Ich habe ihm gratuliert – das war’s.“

Dabei darf auch Westermann Glückwünsche entgegennehmen. Er hatte immer wieder betont, dass er sich nur auf den HSV konzentrieren wolle und die Nationalelf automatisch kommen würde, wenn die Leistung beim und mit dem HSV stimmt. Dabei war sich Westermann selbst gar nicht mehr so sicher, ob er bei Nationaltrainer Jogi Löw noch auf dem Zettel war. „Jetzt haben wir gesprochen“, so Westermann, „und er hat mir gesagt, dass ich mich weiterhin immer bereithalten soll.“ Übrigens, für alle die, die es genauso wenig wie ich am TV gesehen haben: Westermann stand schon umgezogen an der Seite und wurde doch nicht eingewechselt. „Das war in der 89. Minute, als Löw mir zurief, ich solle mich fertigmachen. Das habe ich gemacht.“ Warum er nicht eingewechselt wurde, wusste Westermann nicht. Aber auch er schrieb es den turbulenten Schlussminuten zu.

Schade für Westermann, gut für den HSV. So blieb dem Abwehrmann ein direktes Mitwirken an einer bitteren (halben) Stunde der DFB-Elf erspart. Vor allem aber blieb bei Westermann das Positive hängen. Der HSV-Kapitän verlebt insgesamt das erste Mal in seiner zeit beim HSV ein paar schöne Tage mit dem Klub. „Ich habe immer daran geglaubt“, sagt Westermann, „und das ist jetzt tatsächlich die beste Phase, seit ich beim HSV bin.“ Umso wichtiger sei jetzt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne nachzulassen. Schöneren Fußball erwartet Westermann nicht, im Gegenteil: Der HSV-Verteidiger setzt weiter auf harte Arbeit und bodenständigen Fußball. „Das Wichtigste ist weiter, dass wir stabil sind. Denn das Fußballspielen wird bei uns von ganz allein kommen, weil wir nur gute Fußballer haben.“

Allerdings ist auch Westermann gewarnt in Anbetracht des nächsten Gegners. In der Vorsaison befand sich der HSV vor dem Duell in der Imtech-Arena mit dem VfB Stuttgart ebenfalls auf dem Weg in sichere Tabellengefilde, ehe ein bitteres 0:4 samt Roter Karte und Acht-Wochen-Sperre für Guerrero zum Knackpunkt wurden. „Anschließend sind wir eingebrochen“, sagt Westermann, der Gleiches diese Saison für nahezu ausgeschlossen hält, „wenn wir weiter 100 Prozent gehen. Denn, das ist klar, diese Saison sind wir personell wir sportlich deutlich stärker.“ Zumindest, wenn Badelj und van der Vaart fit sind.

In diesem Sinne, weiter alle Daumen drücken, dass die beiden Edeltechniker bis zum Sonntag fit werden. Und dafür, dass Beister zu seiner Form findet und seine Chance nicht nur bekommt, sondern auch nutzt.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder zweimal (zehn und 15 Uhr) an der Imtech-Arena trainiert .

Scholle

P.S.: Eben vergessen: Die HSV-Anleihe ist bis auf das letzte Papier ausverkauft. Somit stehn für das Projekt Campus 12,5 Millionen Euro bereit. Gut möglich, dass der HSV in einiger Zeit die Anleihe um ein paar Millionen Euro aufstockt.

Van der Vaart und Badelj sind angeschlagen – Beister auch

17. Oktober 2012

„Milan Badelj und Rafael van der Vaart angeschlagen“ vermeldete die HSV-App heute. Und ich zuckte so massiv zusammen wie es den VfB Stuttgart wahrscheinlich freut. Zu lesen war in der HSV-Mitteilung: „Milan Badelj und Rafael van der Vaart konnten am Mittwoch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Die beiden Auswahlspieler kehrten mit Blessuren von ihren Nationalmannschaftseinsätzen zurück. Badelj erhielt im Spiel der kroatischen Auswahl gegen Wales (2:0) einen Schlag aufs Sprunggelenk, van der Vaart hat nach dem 4:1-Erfolg gegen Rumänien Probleme mit den Adduktoren. ‚Ich hoffe, dass wir sie bis zum Spiel gegen Stuttgart fit bekommen’, sagte Thorsten Fink. Vorerst müssen die beiden allerdings pausieren.“

Klingt nach dem GAU für den HSV – seine beiden Top-Feldspieler (neben Arslan) der letzten Wochen verletzt. Und ich würde gern sofort entwarnen und von einer reinen Vorsichtsmaßnahme sprechen, aber während van der Vaart auf eigenen Wunsch pausiert und auch morgen noch aussetzen wird, soll bei Badelj eine Kernspin Klarheit bringen. Ergo: Daumen drücken. Beide. Und zwar alle.

Zudem mache ich mir ernsthaft Sorgen um Maximilian Beister. Rein sportlich natürlich, denn dem anfänglich mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachten Talent werden Wechselgedanken nachgesagt. So ist aus Düsseldorf zu hören, dass man sich bei der Fortuna sehr gut vorstellen kann, den Offensivspieler erneut auszuleihen. Beister selbst muss erstaunlich lange nachdenken, als wir ihn heute direkt darauf ansprechen. „Ich beschäftige mich jetzt nicht damit.“

Jetzt nicht. Aber später?

Beister lächelt, bleibt aber dabei. Er wirkt vorsichtig. „Jetzt ist nur der HSV mein Thema.“

Allerdings wirkte Beister nicht wirklich überzeigend. Zum einen, weil er trotz der frischen EM-Qualifikation mit seiner U21-Nationalelf mit Rückenproblemen auszufallen droht. Zum anderen aber ganz sicher auch, weil er in dieser Saison beim HSV noch nicht über Teileinsäze hinauskam. Im Gegenteil, gegen Fürth musste das so hoch gehandelte Talent sogar 90 Minuten über die Bank drücken. Dass er mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden sein könne, hatte er zuletzt immer wieder betont. Allerdings scheint Beister auch mit der immer wiederholten Erklärung von Trainer Thorsten Fink, dass er defensiv einfach noch zu viele Mängel habe, nicht wirklich viel anfangen zu können. Zumindest verdreht er gern die Augen, darauf angesprochen. Und, dass er am Sonnabend auf der Bank von Fortuna Düsseldorf bei deren Testspiel gegen einen Oberligisten zu Besuch war – es hat nichts zu sagen. Sagt Beister: „Wir waren in Leverkusen und hatten unseren freien Tag. Den habe ich genutzt und alte Freunde besucht. Als mich Trainer Norbert Meier einlud, während der zweiten Hälfte auf der Bank mit einigen Jungs quatschen zu können, habe ich angenommen…“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zumal es sehr schade wäre. Bislang kam Beister tatsächlich nicht zum Zug. Auch, weil er seine zweifellos vorhandene Defensivschwäche nicht deutlich verbessert hat. Allerdings kann dieses Argument tatsächlich nur bedingt gelten, immerhin ist Heung Min Son diesbezüglich nicht einen Deut besser. Aber der Südkoreaner macht Tore – und wird deshalb auf dem Platz gelassen. „Wir haben gerade einen Lauf, haben zehn Punkte in vier Spielen geholt“, sagt Beister, „da kann der Trainer nicht viel ändern.“ Klingt einsichtig. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich Beister alles anders vorgestellt hat und entsprechend anfällig sein dürfte für interessante Angebote.

Begeistert vom Angebot, wieder in der Nationalelf zu spielen war Heiko Westermann. Oder besser: er ist es noch. Trotz des Schocks beim 4:4 gegen Schweden. „Ein 4:0 solltest du nach Hause bringen“, so der HSV-Kapitän. „Zumal, da wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die uns 60 Minuten lang nicht das Wasser reichen konnte. Erklärungen gibt es dafür keine, wir waren alle geschockt und sind es noch“, sagt Westermann, der auf dem Weg zur Kabine ausgerechnet Marcus Berg, dem einzigen Schweden im HSV-Team über den Weg lief. Was der gesagt hat? Westermann lacht: „Er ist fair. Ich habe ihm gratuliert – das war’s.“

Dabei darf auch Westermann Glückwünsche entgegennehmen. Er hatte immer wieder betont, dass er sich nur auf den HSV konzentrieren wolle und die Nationalelf automatisch kommen würde, wenn die Leistung beim und mit dem HSV stimmt. Dabei war sich Westermann selbst gar nicht mehr so sicher, ob er bei Nationaltrainer Jogi Löw noch auf dem Zettel war. „Jetzt haben wir gesprochen“, so Westermann, „und er hat mir gesagt, dass ich mich weiterhin immer bereithalten soll.“ Übrigens, für alle die, die es genauso wenig wie ich am TV gesehen haben: Westermann stand schon umgezogen an der Seite und wurde doch nicht eingewechselt. „Das war in der 89. Minute, als Löw mir zurief, ich solle mich fertigmachen. Das habe ich gemacht.“ Warum er nicht eingewechselt wurde, wusste Westermann nicht. Aber auch er schrieb es den turbulenten Schlussminuten zu.

Schade für Westermann, gut für den HSV. So blieb dem Abwehrmann ein direktes Mitwirken an einer bitteren (halben) Stunde der DFB-Elf erspart. Vor allem aber blieb bei Westermann das Positive hängen. Der HSV-Kapitän verlebt insgesamt das erste Mal in seiner zeit beim HSV ein paar schöne Tage mit dem Klub. „Ich habe immer daran geglaubt“, sagt Westermann, „und das ist jetzt tatsächlich die beste Phase, seit ich beim HSV bin.“ Umso wichtiger sei jetzt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne nachzulassen. Schöneren Fußball erwartet Westermann nicht, im Gegenteil: Der HSV-Verteidiger setzt weiter auf harte Arbeit und bodenständigen Fußball. „Das Wichtigste ist weiter, dass wir stabil sind. Denn das Fußballspielen wird bei uns von ganz allein kommen, weil wir nur gute Fußballer haben.“

Allerdings ist auch Westermann gewarnt in Anbetracht des nächsten Gegners. In der Vorsaison befand sich der HSV vor dem Duell in der Imtech-Arena mit dem VfB Stuttgart ebenfalls auf dem Weg in sichere Tabellengefilde, ehe ein bitteres 0:4 samt Roter Karte und Acht-Wochen-Sperre für Guerrero zum Knackpunkt wurden. „Anschließend sind wir eingebrochen“, sagt Westermann, der Gleiches diese Saison für nahezu ausgeschlossen hält, „wenn wir weiter 100 Prozent gehen. Denn, das ist klar, diese Saison sind wir personell wir sportlich deutlich stärker.“ Zumindest, wenn Badelj und van der Vaart fit sind.

In diesem Sinne, weiter alle Daumen drücken, dass die beiden Edeltechniker bis zum Sonntag fit werden. Und dafür, dass Beister zu seiner Form findet und seine Chance nicht nur bekommt, sondern auch nutzt.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder zweimal (zehn und 15 Uhr) an der Imtech-Arena trainiert .

Scholle

P.S.: Eben vergessen: Die HSV-Anleihe ist bis auf das letzte Papier ausverkauft. Somit stehn für das Projekt Campus 12,5 Millionen Euro bereit. Gut möglich, dass der HSV in einiger Zeit die Anleihe um ein paar Millionen Euro aufstockt.

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