Monatsarchiv für Oktober 2012

Rajkovic stoppt den VfB Lübeck!

28. Oktober 2012

Das war höchst interessant. Da die Profis heute Ruhetag hatten, fand ich mich bei der Zweiten im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ein. Deswegen hoch interessant, weil die HSV-Mannschaft mit Profis und solchen Spielern antrat, die mal Profis werden wollen. Um es gleich am Anfang zu schreiben: Beim HSV bildeten Paul Scharner und Slobodan Rajkovic die Innenverteidigung, für die beiden Nationalspieler war es die Premiere in der „Nachwuchs-Truppe“, und beide spielten gut. Wobei ich noch etwas weitergehen möchte, mit einer kleinen Nuance: Rajkovic war beim 3:1-Sieg des HSV der überragende Mann auf dem Rasen. An ihm bissen sich die Gäste immer wieder die Zähne aus, ich gehe sogar so weit: Rajkovic stoppte den VfB Lübeck. Das war eine fabelhafte Leistung, so gut habe und hatte ich den verbannten Innenverteidiger noch nie gesehen. Kurios: Scharner und Rajkovic schossen jeweils ein Tor.

Der HSV trat in Norderstedt mit folgender Mannschaft an: Tom Mickel, Henrik Dettmann (Kapitän), Paul Scharner, Slobodan Rajkovic, Janek Sternberg, Zhi Gin Lam (65. Jordan Brown), Matti Steinmann, Bentley Bexter Bahn, Farrona Pulido (65. Kevin Ingreso) , Dennis Bergmann (63. Fabian Graudenz), George Kelbel. Wie ihr sehen könnt, neben den Profis einige ambitionierte Talente dabei. Wobei einige davon auch keinen besonders guten Tag erwischt hatten. Sternberg kann wesentlich mehr, Steinmann auch, Lam ebenfalls. Auch 1:0-Torschütze Pulido (22. Min.) habe ich persönlich schon besser gesehen. Dettmann spielte hinten rechts solide, Bergmann zeigte einige (aber wenige) gute Ansätze. Bahn ebenfalls, er wurde zweite Halbzeit besser. Keinen besonders guten Tag hatte auch Kelbel, der aber auch sicher darunter litt, dass er nie so angespielt wurde, wie es nötig gewesen wäre.

Besonders auffällig: Nach dem 1:0 kamen bis auf Mickel, der in seinem Tor blieb, alle Spieler, um den Torschützen Pulido zu herzen. Auch die Profis Scharner und Rajkovic reihten sich in die Schar der Gratulanten ein. Ein sehr schönes Bild. Das für die Profis spricht. Überhaupt, beide Spieler ließen nie eine Überheblichkeit erkennen, sie gaben sich so, als würden sie schon immer in dieser Mannschaft spielen. Das 2:0 erzielte Scharner nach einem Eckstoß, als die Lübecker den Ball in Form einer Kerze Richtung Sonne klären wollte. Als die Kugel wieder zu Boden fiel, stand der Österreicher goldrichtig und drosch sie humorlos und trocken aus fünf Metern in die kurze Ecke (41.). Mit diesem Stand ging es in die Halbzeitpause.

Mit dem 3:0 von Rajkovic, der aus 32 Metern wuchtig abzog und das Glück hatte, dass VfB-Torwart Toboll den haltbaren Ball schon in den Händen hatte, ihn dann aber doch noch über die Linie rutschen ließ, war die Partie entschieden (63.). Nach diesem Treffer stürmten alle Kollegen auf Rajkovic ein, sogar Mickel war aus seinem Gehäuse bis in die gegnerische Hälfte gerast, um zu gratulieren. Etwas Spannung kam nach diesem dritten Tor des HSV noch einmal auf, weil Scharner mit einem Rückpass ein wenig arg daneben lag. Der Lübecker Hauck erlief den Ball und „tunnelte“ den ansonsten beschäftigungslosen Mickel (77.). Was mir auffiel beim HSV: Bis auf Dettmann, Scharner, Rajkovic und Kelbel, vielleicht auch noch Steinmann, müssen alle anderen Spieler körperlich noch deutlich zulegen. Der VfB Lübeck stellte da doch die wesentlich robustere Mannschaft. Ein Manko, was ich schon oft bei den „HSV-Amateuren“ erkannt habe, die Talente sind durchweg alle ein wenig zu schmal auf der Brust. Ob darauf beim HSV kein so großer Wert gelegt wird?

Dass Scharner und Rajkovic bei der „Zweiten“ spielten, das lag an den Spielern selbst. Beim HSV wird nämlich, so hörte ich heute, kein Profi mehr von „oben“ nach unten geschickt, weil das in der Vergangenheit nicht so viel gebracht hat (Paradebeispiel Muhamed Besic). Wer als Profi am Wochenende nicht zum Einsatz kam, der darf sich gerne freiwillig bei der Regionalliga-Mannschaft melden und anbieten, er wird dann auch genommen – weil er mit dieser (seiner) Meldung ja ganz offen bekundet, dass er spielen will (und damit auch Leistung bringen will). Eine in meinen Augen gute und sinnvolle Regelung.

Um noch einmal kurz auf Paul Scharner zu kommen: Der Österreicher spielte gut, keine Frage, aber die Regionalliga sollte auch für ihn kein Maßstab sein. Wenn ich Profi-Maßstäbe ansetze, dann würde ich sagen, dass da doch noch einiges für die Erste Liga fehlt. Vor allen Dingen Spielpraxis, denn viele Aktionen des Innenverteidigers sahen doch noch etwas hölzern und steif aus, ganz sicher war das noch nicht alles so souverän, dass ich sagen würde: „Das ist ein Mann für Fink.“ Noch ist er das in meinen Augen nicht, obwohl ich es ihm wünschen würde, denn er geht hart in jeden Zweikampf, schont weder sich noch den Gegner. Und einen solchen Abwehrmann, der ein wenig für Angst und Schrecken beim gegnerischen Sturm sorgen kann, täte der HSV-Defensive mal ganz gut.

So gesehen war Scharners Nebenmann Rajkovic schon unübersehbar auf einem erstklassigen Weg – und bei 90 Prozent. Ob allerdings Torwarttrainer Ronny Teuber, der dieses Spiel für die Profi-Abteilung beobachtete, das auch seinem Chef Thorsten Fink berichten wird? Ich glaube eher nicht, den Rajkovic ist und bleibt eine Persona non grata. Nach dieser Leistung muss ich es deutlich sagen: schade eigentlich.

Aber der HSV-Chef-Trainer kann ja ohnehin aus dem Vollen schöpfen, braucht einen Slobodan Rajkovic ja gar nicht – der HSV hat ja genügend Leute für die Profi-Mannschaft. Und so sehr ich mich gefreut hätte, wenn ich heute einen HSV-Spieler entdeckt hätte, der unbedingt zu Thorsten Fink und den Profis müsste – es gab diesen einen Spieler nicht. Weder hinten noch vorne, auch Mittelfeld nicht. Auch das eigentlich sehr schade. Denn ich hoffe ja immer noch, dass sich auch diese HSV-Abteilung demnächst oder auch bald oder zeitnah entwickelt. Aber wie lange hoffen wir das nicht schon? Und wie oft haben wir in den vergangenen Jahren nicht folgende Aussage von den Ochsenzoll-Verantwortlichen gehört: „Das muss sich erst entwickeln, das braucht seine Zeit . . .“ Ist schon klar.
Ich sage aber auch ganz deutlich, dass ich diesbezüglich schon seit geraumer Zeit total ungeduldig bin. Total!

Geduld wird der HSV noch mit Petr Jiracek beweisen müssen, denn der Tscheche, so viel steht schon fest, wird auch für das nächste Spiel (am Sonnabend kommen die Bayern nach Hamburg) ausfallen. Kurzzeitig war sogar zu befürchten, dass der Mittelfeldspieler wegen eines Leistenbruchs operiert werden müsse, aber zum Glück gab es in diesem Punkt die Entwarnung. Dennoch wird der Nationalspieler erst einmal ausfallen. Thorsten Fink spielt deshalb mit dem Gedanken einer Umstellung seiner Mannschaft, um dem Rekordmeister entsprechend Paroli bieten zu können. Die Überlegungen des Trainers könnten sein (oder sind so): Tomas Rincon neben Milan Badelj auf die Sechser-Positionen, und Tolgay Arslan statt Maximilian Beister ins linke offensivere Mittelfeld. Das ist, wie geschrieben, ein Gedankengang, es muss nicht so kommen – denn es wird ja noch einige Trainingstage geben, in denen sich auch der eine oder andere Spieler noch anbieten darf und kann – und vielleicht ja auch anbieten wird.

Fest „im Sattel“ dagegen sitzen zurzeit die treffsicheren Offensivkräfte. Heung Min Son und Artjoms Rudnevs haben mit ihren Treffern in Augsburg nicht nur den Sieg perfekt gemacht, sie haben auch ihre Positionen deutlich gefestigt. Und nach seinem fünften Saisontor redet ja nun ganz Hamburg davon, dass der HSV den Vertrag mit Son (läuft noch bis Sommer 2014) sofort und so schnell wie möglich verlängern sollte. Aber der Südkoreaner hat andere Pläne: „Ich weiß noch nicht, ob ich den Vertrag in diesem Winter schon verlängern werde. Ich fühle mich aber, das kann ich in jedem Fall sagen, sehr wohl in Hamburg.“ Schön zu hören.

Nicht ganz so schön war für mich dagegen die Aussage von Sportchef Frank Arnesen, der zum Thema Son sagte: „Er kann noch drei, vier Jahre bei uns spielen. Wichtig wird sein, dass für ihn die Perspektive stimmt. Spieler wie Son, Badelj oder van der Vaart wollen da mitspielen, wo es lustig ist, also international.“
Ja, das ist wohl so, aber daran können doch alle mitwirken, dass es noch so lustig wird beim HSV. Und warum sollte Son nur drei, vier Jahre hier spielen? Der junge Mann ist 20 Jahre alt. Warum kann er nicht auch noch zehn Jahre beim HSV sein? Oder sogar noch länger? Muss man immer davon ausgehen, dass die Etappen der Spieler immer kürzer und kürzer werden – Hamburg nur als Durchgangsstation anzusehen ist? Aber wahrscheinlich bin ich in diesem Punkt ein hoffnungsloser Träumer, es ist wohl so, dass die meisten Spieler ex und hopp bevorzugen – und schnellstens wieder weg vom HSV (der natürlich wichtige Aufbauhilfe geleistet hat). Der HSV als Ausbildungsverein.

Vielleicht geht es ja auch im „Fall“ Rudnevs so. Der Lette kommt allmählich, schoss in Augsburg sein drittes Bundesliga-Tor. „Ich habe mir vor der Saison einen Plan aufgestellt, wie viele Treffer ich in dieser Saison machen möchte. Ich sage aber nicht, wie viele Tore ich mir vorgenommen habe. Nur so viel verrate ich: noch bin ich im Plan.“ Rudnevs also mit der Tor-Planwirtschaft zufrieden, und der Trainer mit Rudnevs ebenfalls. Fink sagt: „Artjoms erarbeitet sich in jedem Spiel seine Chancen, und wenn er alle genutzt hätte, dann stünde er wahrscheinlich schon bei sechs Toren – aber er kommt, er macht seine Sache gut.“ Und das Tor zum 2:0 war sehenswert, keine Frage. Erst die herrliche Vorarbeit von Rafael van der Vaart (mit dem Tunnel-Pass), dann die blitzschnelle Drehung des Letten und der wuchtig Abschluss – hervorragend. So kann und darf es weitergehen. Auch wenn Rudnevs sagt: „Der Unterschied zwischen der polnischen Liga und der Bundesliga ist riesig. Hier wird viel schneller gespielt – und die Torhüter sind auch viel besser.“ Klar doch, Deutschland steht doch europaweit auf Rang drei – bei den Vereinsmannschaften.

Nur noch die Nummer zwei bei der Nummer drei, wenn ich das einmal so salopp umschreiben darf, ist zurzeit ja Dennis Aogo. Durch die lange Pause wegen der schlechten Blutwerte hat der Nationalspieler seinen Linksverteidiger-Posten an Marcell Jansen vorerst verloren. In Augsburg wurde Aogo nun erstmalig wieder eingewechselt, aber erst in der 90. Minute (für „Maxi“ Beister). Dennoch befand Aogo: „Ich war zumindest mal wieder dabei, und es war auch ein schöner Moment, mal wieder auf dem Platz zu stehen, aber ich würde schon gerne auch mal wieder länger spielen. Mal wieder von Anfang an. Aber das ist eine schwierige Situation, ich muss hart arbeiten und mich im Training anbieten. Ich bin fit und überzeugt, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

Das denke ich auch. Zumal Dennis Aogo für mich der Spieler war, der im Zusammenspiel mit Kapitän Heiko Westermann in schweren und schwerste Bundesliga-Zeiten versucht hat, die stark angeschlagene HSV-Mannschaft wieder aufzurichten. Jeden Tag. Aogo hat sich für das gesamte Team eingesetzt, damit es wieder bergauf geht – und nun ist er im Pech. Auch deshalb, weil Jansen seine Sache hinten links sehr gut macht. Aogo sagt über diesen Konkurrenzkampf: „Ich muss mich hinten anstellen und auf meine Chance warten, aber ich möchte auch nicht auf eine andere Position ausweichen. Ich bin linker Verteidiger, das habe ich viereinhalb Jahre hier gemacht, das ist meine Position.“ Über sein Verhältnis zu Jansen sagt er: „Ich habe mit Marcell ein offenes Verhältnis – wir wollen nur beide auf dieser einen Position spielen.“

Das wird noch ein hartes und vereinsinternes Duell. Wobei mich erstaunt, dass Jansen jetzt offenbar hinten links spielen will, obwohl es jahrelang so aussah, dass sich der ehemalige Bayern-Spieler weiter nach vorne orientiert hat. Aber nun ist sein Motto wohl: „Vorwärts Marcell, es geht zurück.“ Ich bin gespannt, wie lange Dennis Aogo geduldig wartet und still bleibt. Ganz gespannt. Wobei Thorsten Fink zu diesem brisanten „Zweikampf“ sagt: „Kein Trainer der Welt würde die Mannschaft jetzt ändern. Dennis ist ein guter Junge, er muss nun Geduld aufbringen und auf seine Chance warten.“

PS: Heute wird Mittelfeldspieler Tolgay Arslan Gast beim „Sportclub“ im Dritten sein, die Sendung beginnt um 22.50 Uhr. Und an diesem Montag wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Noch steht es in München bei der Partie Bayern gegen Leverkusen nur 1:1. Ein Zeichen, dass auch die übermächtigen Bayern, denen ich ja Unbesiegbarkeit bescheinigt habe, doch verletzbar sind? Wie schön wäre das denn? Am nächsten Sonnabend . . .

19.09 Uhr

Traumtore – Son übt sie mit dem Papa

27. Oktober 2012

In der 60. Minute wiederholte Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp seine Meinung, die er schon mehrfach vor und in der Halbzeitpause geäußert hatte: „Dieses Spiel kann der HSV gar nicht mehr verlieren. Augsburg ist zu schwach, und der HSV steht gut und spielt clever.“ Auf den Punkt gebracht, diese Analyse. So souverän sah das aus – und da gilt es, das Wort souverän zu unterscheiden von gut. Gut hat der HSV nämlich nicht so oft während dieser 90 Minuten gespielt, aber dennoch war dieser Dreier doch nur höchst selten in Gefahr. Für mich eigentlich nur beim Stande von 0:1, als der Augsburger Werner mit Beginn der zweiten Halbzeit gleich „zwei Elfmeter“ ausließ, als er aus fünf Metern neben das HSV-Tor köpfte. Ein kleines Wunder, einen solchen Ball nicht mal auf das Tor zu bekommen – aber natürlich gut für den HSV. Und als Werner dieses „dicke Ding“ liegen ließ, der HSV auf 2:0 erhöhte, da war das Spiel gelaufen. Auch deshalb, weil der durchaus engagierte und sehr wohl bemühte FC Augsburg eben viel schlechter spielte als der HSV.

Wer nicht weiß, wer „Ditschi“ Ripp ist: Er war der Libero der Europapokal-Gewinner-Mannschaft von 1977, und er saß gestern gemeinsam mit dem Linksverteidiger der HSV-Sieger-Elf, Peter Hidien, bei „Matz ab live“. Vielen Dank auch noch einmal an dieser Stelle an die beiden Hamburger EC-Helden, sie waren prima Gäste, es hat mir viel Spaß gemacht. Und wer die Sendung nicht gesehen hat, der sollte dieses kalte und vielleicht sogar auch noch verschneite Wochenende dazu nutzen. Ist ja auch ein wenig HSV-Geschichte, die dort ver- und bearbeitet wurde.

Aber zurück zum Augsburg-Spiel.
Einer der großen Gewinner im HSV-Team war der 1:0-Torschütze. Heung Min Son wird immer stärker zu einem Hoffnungsträger des HSV. Der Südkoreaner, nun fünf Saisontore (insgesamt 13 in der Bundesliga für den HSV), hat vor allen Dingen seinen linken Fuß ganz erstaunlich entwickelt. Ich schrieb es bereits: Wie gegen Dortmund ließ er einen herrlich präzisen und dennoch auch harten Schlenzer mit links von der Strafraumgrenze los. Solche „Dinger“ hat er früher noch nicht so drauf gehabt, aber mit 20 Jahren ist man eben im besten Alter, um (schnell) zu lernen. Das hat er in den vergangenen Monaten offensichtlich getan. Auch wenn er gelegentlich noch ein wenig weich erscheint (in Augsburg, das sage ich ausdrücklich, war das aber diesmal nicht der Fall), wenn es um die Zweikampfführung geht. Aber er kann ja auch nicht alles auf einmal erledigen, er muss ja noch Ziele haben . . .

„Und er ist ja auch noch jung, er weiß, dass er noch ein bisschen konstanter werden muss. Aber wenn man das Tor sieht, das war einfach nur überragend“, lobte Nebenmann Rafael van der Vaart.
Der Niederländer hätte es nicht besser machen können, hat schon viele solcher Klasse-Treffer erzielen können, aber es ehrt ihn, dass er so über Son spricht. Aber so ist sie, die „ewige 23“, ein Teamplayer. Son war nach diesem Sieg und seinem Treffer natürlich bestens gelaunt: „Solche Tore machen Spaß. Und solche Treffer kommen vom Üben, aber jetzt muss man so weiter üben.“ Heung Min Son übt aber nicht nur beim HSV-Training, sondern auch mit seinem Vater (der fast bei jedem Training am Rande steht und alles ganz genau beobachtet). Wong-Jung hat sicherlich ganz entscheidenden Anteil am Höhenflug seines Sohnes, auch wenn der sagt: „Mein Vater ist schon sehr anstrengend, sehr kritisch. Er wird jetzt sagen: ‚Schnell vergessen, nächste Woche spielen wir wieder.’ So ist er immer.“

Sons Traumtor war ansonsten aber einer der wenigen Höhepunkte in dieser Partie. Offensiv trat der HSV höchst selten mal in Erscheinung, vornehmlich in Halbzeit eins war da Harmlosigkeit Trumpf. Allerdings war Augsburg ja noch harmloser, und im zweiten Durchgang konnte der HSV dann ja auch noch einen (kleinen) Zahn zulegen. Mit dem 2:0 von Artjoms Rudnevs (63.) war die Partie quasi entschieden. Auch deshalb, weil der HSV ist trotz der vielen Abspielfehler meistens gut verstand, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. So nahmen die Hamburger den unternehmungslustigen Schwaben doch erheblich an Motivation. Dennoch befand HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Wir müssen noch mehr bringen.“ Ganz sicher. Denn so schwach wie Augsburg sind nicht viele Mannschaften. Aber der Däne fügte auch noch an: „Wir wollen uns ja auch noch nicht ganz oben ansiedeln, sondern unter die Top ten kommen.“ Im Moment rangiert der HSV auf Platz sechs – international! Welch eine schöne Momentaufnahme.

Aber der HSV ist eben nicht nur „runderneuert“ worden, sondern auch auf Vordermann gebracht. Dank van der Vaart („Kein überragender Fußball von uns, aber trotzdem gewonnen.“), der in meinen Augen dafür gesorgt hat, dass alle jetzt viel konzentrierter und auch engagierter zu Werke gehen. Im Training. Und in den Spielen. Seit sieben Bundesliga-Begegnungen ist der „kleine Engel“ nun wieder beim HSV, in dieser Zeit führte der 29-Jährige den Abstiegskandidaten mit 13 Punkten aus dem Keller. Auch wenn van der Vaart nicht immer glänzt, schon gar nicht immer in Bestform spielt – er hat die Sinne seiner Nebenleute geschärft. Eindeutig. Alle haben eine Schippe drauf gelegt, jeder reißt sich nun mehr zusammen – auch wenn es immer noch die gelegentlichen Aussetzer wie die gegen den VfB Stuttgart gibt. Dennoch ist unübersehbar, dass sich der HSV stabilisiert hat. Linksverteidiger Marcell Jansen scheint das indirekt zu bestätigen: „Wir haben in Augsburg nach schwachem Beginn eine Reaktion gezeigt. Da war ich selber verwundert, denn wenn man mal die vergangenen Jahre zurückblickt, sind wir meistens untergegangen oder haben den Faden komplett verloren.“

Trainer Thorsten Fink, der während der Partie beim FCA nicht sonderlich aufgeregt wirkte (aber das war wahrscheinlich nur von außen betrachtet so), befand nach dem verdienten Dreier: „Wir haben den Sieg nicht gestohlen, heute hat die Effektivität gesiegt.“ So ist es. Und Augsburgs Torwart Simon Jentzsch gab dann auch zu: „Am Ende konnte man das Gefühl haben, wir hätten noch drei Stunden länger spielen können und es wäre kein Tor gefallen.“

Nun wird sich am Sonnabend im Volkspark (Anstoß um 18.30 Uhr) zeigen, in wie weit dieser HSV schon wieder den ganz Großen der Liga schon wieder nahe gekommen ist. Die Bayern geben ihre Visitenkarte ab. Eigentlich noch immer mindestens eine Nummer zu groß für den um Anschluss bemühten HSV, aber Wunder soll es ja vor allen Dingen im Fußball immer wieder einmal geben. Und der erfahrene Rafael van der Vaart blickte wohl auch deshalb ein wenig optimistisch in Richtung nächstes Wochenende: „Wir können jedes Spiel gewinnen – auch gegen die Bayern.“

Naja, wir werden es ja ohnehin abwarten müssen.

Dann gab es auch noch diese – für mich sehr betrübliche – SID-Meldung:

Das Verletzungspech bei Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski (früher HSV) reißt nicht ab. Nachdem der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler vom spanischen Fußball-Erstligisten FC Sevilla vor wenigen Tagen wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden musste und acht Monate ausfällt, wurde bei einer weiteren Röntgenuntersuchung beim Ex-Hamburger ein Schienbeinbruch festgestellt. Trochowski muss sich erneut einem Eingriff unterziehen, bei dem eine Metallplatte eingesetzt wird. Trochowski befindet sich zurzeit noch in Denver/US-Bundesstaat Colorado. Er hatte sich bei der 2:3-Niederlage Ende September gegen den FC Barcelona verletzt. Wegen seiner starken Auftritte in Sevilla hatte sich Trochowski zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gemacht.

PS: Morgen (Sonntag) wird im Volkspark nicht trainiert. Sie haben es sich verdient.
Aber: Wer dennoch nicht ganz auf den HSV verzichten will, der sollte sich um 14 Uhr in Norderstedt die Zweite im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ansehen. Wahrscheinlich mit Paul Scharner – allein der “Ösi” ist ein Erlebnis.

18.11 Uhr

2:0 – der HSV siegt souverän in Augsburg

26. Oktober 2012

Und wieder drei Punkte! Sogar bis zu diesem Sonnabend um 17.20 Uhr Tabellenvierter! Der HSV ist dank des 2:0-Erfolges über den FC Augsburg eine Nacht vor Borussia Dortmund – und hatte nicht der BVB gerade Real Madrid besiegt? Es geht bergauf. Mit dem HSV. Allerdings wurde dieser Sieg nicht gerade glanzvoll herausgespielt, sondern eher mit einer durchwachsenen Leistung erarbeitet. Verdient aber, das muss festgehalten werden, ist dieser Dreier auf jeden Fall, denn die Augsburger waren zwar ständig bemüht, blieben aber harmlos und im Abschluss total daneben. So spielt ein Absteiger. Glückwunsch, HSV, zum ersten Bundesliga-Erfolg über den FCA. Nun kann der FC Bayern am nächsten Sonnabend in den Volkspark kommen, zu verlieren gibt es in dieser Partei nicht viel.

Der Außenseiter begann druckvoll, der HSV stand hinten drin und ließ Augsburg kommen. In den erste zehn Minuten sah das ganz gewiss nicht nach einem Hamburger Sieg aus. Ich sehe noch Torwart Rene Adler mit seinen Armen durch die Luft rudern, um so seine Vorderleute ein wenig aufzumischen. Oftmals schienen die Abwehrspieler allzu sorglos. Zudem schlichen sich im Aufbauspiel doch viele, viele Fehlpässe ein, mit denen sich der HSV das Leben zusätzlich erschwerte. Immerhin aber war erkennbar, dass die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink den Ausrutscher gegen den VfB Stuttgart (0:1) vergessen machen wollte.

Da traf es sich prächtig, dass die erste richtig gute Möglichkeit gleich genutzt wurde. Artjoms Rudnevs bediente in der 13. Minute den halbrechts nach vorne preschenden Heung Min Son, und der traf wie gegen Dortmund: Mit einem herrlichen Linksschlenzer von der Strafraumgrenze war er erneut erfolgreich, und das gegen einen Riesen wie FCA-Torwart Jentzsch. Super gemacht!

Dabei blieb es zunächst. Der HSV war in den nächsten zehn Minuten die bessere Mannschaft, aber Chancen gab es keine mehr. Und dann kämpfte sich Augsburg wieder zurück in die Partie – ohne allerdings auch zu guten Möglichkeiten zu kommen. Glück hatte Rafael van der Vaart, der kämpfte und grätschte, dabei aber einmal überzog, als er Werner zu Boden beförderte. Schiedsrichter Michael Weiner aber beließ es bei einer Ermahnung. Der Unparteiische zeigte dann aber erst Tolgay Arslan Gelb (nach einem Foul) – und dann Son. Wegen einer Schwalbe. Der Südkoreaner nahm sie lächelnd hin, obwohl eine Schwalbe auch eine sehr harte Entscheidung war. Vielleicht sollte Son mehr protestieren, dann hätte es diesen Karton unter Umständen nicht gegeben. Vielleicht.
Halbzeit.

Der zweite Durchgang begann mit Druck der Hausherren – und mit Glück für den HSV. Wie Werner einen Kopfball aus fünf Metern noch neben das Hamburger Tor befördern konnte, wird ewig sein Geheimnis bleiben. Da hätte es 1:1 stehen müssen, so aber setzte sich mit den folgenden Minuten der HSV immer besser in Szene – und verdiente sich so den Sieg. Der von Rudnevs herausgeschossen wurde. Son bediente von rechts van der Vaart, er bediente den in die Gasse gehenden Letten, ein wuchtiger Schuss aus der Drehung – Tor. Herrlich gemacht (63.).

Bis zum Schlusspfiff passierte dann kaum noch etwas, der HSV hatte die Kontrolle über dieses Spiel gewonnen, die Augsburger ließen mehr und mehr die Köpfe hängen und glaubten nicht mehr an ihre Chance. Völlig berechtigt, nebenbei.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt den Weitschuss von Vogt bravourös (4.), ansonsten immer da, wenn er benötigt wurde, er spielt stets und ständig ganz hervorragend mit. Seine Abschläge allerdings waren diesmal doch sehr durchwachsen. Note drei.

Dennis Diekmeier benötigte einige Minuten, um im Spiel zu sein, dann knüpfte er an die Leistungen an, die ihm erst einmal den Stammplatz in der rechten Verteidigung eingebracht haben. Hatte in der 50. Minute das 2:0 auf dem Fuß, traf aber nur das Außennetz. Note drei.

Michael Mancienne hatte diesmal nicht seinen besten Tag (Abend), baute einige Male „Mist“ und hatte Glück, dass es ohne Schaden blieb. Note vier – aber so gerade noch. Und weil er sich im zweiten Durchgang stabiler zeigte.

Heiko Westermann begann sehr fahrig (was war da los?), fing sich aber in der 27. Minute, als er wieder einmal in höchster Not rettete. Von diesem Zeitpunkt an lief es besser für ihn. Und dass er in Sachen Kopfball eine Bank ist, das hat er wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Note drei.

Marcell Jansen hatte mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, fing sich aber zeitig. Was auffiel: er schlug oft „lang Hafer“. Auch dann, wenn ein ruhiger Pass angebracht gewesen wäre. Note vier.

Milan Badelj erinnert mich immer ein wenig an Joris Mathijsen – vom Laufstil her. Und auch vom Tempo her. Fußballerisch aber ist er eine Augenweide, auch wenn er einige Minuten benötigte, um voll da zu sein. Note vier.

Tolgay Arslan wirkte einige Male ein wenig unkonzentriert, fiel dadurch aber nicht groß ab. Aber er ist immer dann ganz stark, wenn er sich konzentriert und in sein Spiel und seine Aufgabe hineinbeißen kann. Verursachte aber einige überflüssige Freistöße in Strafraum-Nähe (des HSV), das kann auch mal schiefgehen. Note vier.
Ging in der 68. Minute, weil er gelb-rot-gefährdet war.

Heung Min Son schoss sein fünftes Saisontor – großartig. Und er machte sich damit noch ein wenig teurer – für den FC Liverpool. Viel und gut in Bewegung, Note zwei.

Rafael van der Vaart fand diesmal mehr Beachtung in der eigenen Mannschaft, er wurde einbezogen, und er machte auch in den meisten Fälle etwas Gutes aus und mit der Kugel. Besonders gut: er war auch kämpferisch voll da, oft sogar ein Giftnickel! Note drei. In der 88. Minute ging vdV, für ihn kam Per Ciljan Skjelbred.

Maximilian Beister begann übervorsichtig. Sicherheit zuerst , so hatte es den Anschein, er spielte den Ball ohne jedes Risiko ab, um nur keinen Fehler zu machen. Wenn das Selbstvertrauen erst voll da ist, dann werden wir auch den Beister erleben, der die Welt aus den Angeln heben will – mit seinen unwiderstehlichen Alleingängen. In etwas so wie in der 58. Minute, als er loslegte und aus spitzem Winkel wuchtig abzog – Jentzsch hielt mit Mühe. Note drei – weil er zweite Halbzeit deutlich zulegen konnte. Für Beister kam in der 90. Minute noch Dennis Aogo für ein paar Sekunden.

Artjoms Rudnevs hatte viele ganz starke Szenen – in Halbzeit eins die besten davon im eigenen Strafraum, denn dort rettete er einige Male in höchster Not. Vorne gab er läuferisch wieder alles, blieb im Abschluss zunächst glücklos – aber dann „ballerte“ er das 2:0 heraus. Große Szene, sein dritte Saisontor. Na bitte, er kommt. Und zudem hatte er den Ball auf den 1:0-Torschütze Son. Note zwei.

Tomas Rincon kam in der 68. Minute für Arslan – herzlichen Glückwunsch! Zu seinem Comeback – und dem HSV Glückwunsch, weil es nun wieder eine Alternative mehr gibt. Rosige Zeiten für den Klub und den Trainer.

So, dann zwei Dinge noch am Rande:

Es war heute der „Chef“ und sein bester Freund im Champs in Schnelsen, plötzlich und unerwartet standen sie vor mir. Aber ohne Anmeldung. Deswegen waren sie so schnell, wie sie gekommen waren, auch wieder weg. Das tat mir Leid, aber es waren ja alle Tische vergeben. Deswegen möchte ich allen, die bei „Matz ab live“ als Zuschauer dabei sein wollen, den Tipp geben, dass man sich bitte vorher im „Champs“ in Schnelsen anmelden möge. Dann klappt’s auch mit dem Tisch.

Apropos Tisch. An einem solchen sitzen nun Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp und Peter Hidien, zwei der Europapokal-Helden von 1977. Wir werden nun gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung gehen, über dieses Spiel reden – und über alten, glorreiche Zeiten des HSV. Ich hoffe sehr, dass ihr dabei sein werdet.

PS: Morgen (Sonnabend) soll gegen 13 Uhr im Volkspark trainiert werden.

22.25 Uhr

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