Tagesarchiv für den 25. Oktober 2012

Rincon und Skjelbred sind dabei

25. Oktober 2012

Kurz zur Erinnerung: Am vergangenen Sonnabend gab es beim HSV-Abschlusstraining das berühmt-berüchtigte Spielchen A gegen B. Die Reservisten, die am Tag zuvor noch ganz hoch (im Bereich zwischen 0:6 und 0:8) verloren hatten, siegten 3:0 – die Stamm-Formation war chancenlos. Später, und zwar nach der 0:1-Pleite gegen den VfB Stuttgart, sagte Marcell Jansen dann: „Diese Niederlage hatte sich gestern beim Abschlusstraining schon angedeutet . . .“ Wenn das den zutreffend ist, dann könnte der HSV an diesem Freitag auf ein Unentschieden beim FC Augsburg hoffen, denn: Im heutigen Abschlussspielchen gab es zwischen A und B ein leistungsgerechtes 2:2. In einem Spiel, das sehr intensiv geführt wurde – also mit dem nötigen Ernst und mit dem entsprechenden Einsatz.

Das B-Team ging durch ein Tor von Gojko Kacar in Führung: Nach einer Flanke, die Dennis Aogo mit seinem rechten Fuß zur Mitte brachte, setzte sich Paul Scharner in einem wuchtigen Luftkampf mit Heiko Westermann durch und köpfte die Kugel zur Mitte, wo Kacar knallhart einschoss. Für das 1:1 sorgte Heung Min Son: Nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß und der Kopfballverlängerung am ersten Pfosten von Marcell Jansen stand der Südkoreaner am langen Pfosten goldrichtig und ließ Jaroslav Drobny keine Abwehrmöglichkeit. Die Reservisten gingen dann durch ein Tor von Marcus Berg erneut in Führung, doch Maximilian Beister glich mit einem strammen Schuss aus 14 Metern noch aus – Schlusspfiff. Damit nicht noch (und wieder) mit einer Niederlage für das A-Team aufgehört werden muss . . .

Vor dem Abschlussspiel hatte es noch ein längeres und heftigeres „Geballere“ gegeben. Es wurde aus allen Lagen geschossen, die Torhüter Rene Adler, Jaroslav Drobny und Tom Mickel flogen, hechteten, fausteten und fingen nach allen Regeln der Kunst. So gut und vor allen ´Dingen so ausdauernd hat der HSV schon lange keinen Torabschluss mehr geübt – herrlich. Hoffentlich trägt es für diesen Freitag auch Früchte. Ganz nebenbei noch zweierlei: Das schönste Tor erzielte Rafael van der Vaart, der den Ball zentimetergenau in den rechten oberen Torwinkel „zimmerte“. Ein „Tor des Monats“ – da capo. Und Artjoms Rudnevs legte heute nach dem Training keine (eigentlich vom Trainer versprochene) Sonderschicht ein. Auch in diesem Fall ein hoffentlich: Hoffentlich klappt es in Augsburg auch ohne diese Sonderschicht. Und wenn es nur dazu langen sollte, den Ball in die Mitte und auf den einschussbereiten linken Fuß von van der Vaart zu spielen . . . Aber wird schon. Ich bin jedenfalls guter Hoffnung.

Nach dem Training wurde dann noch ein großer Kreis gebildet, und Trainer Thorsten Fink tat vor versammelter Mannschaft dem einen oder anderen Spieler dann auch noch weh. Nicht körperlich. Der Coach erklärte aber noch auf dem Platz seinen Augsburg-Kader, zu dem es einige Härten zu verarbeiten gab (und gibt). Paul Scharner, Jacopo Sala und Petr Jiracek (verletzt) sind diesmal nicht im Kader, und Fink erklärt ihnen, dass diese Maßnahmen nichts mit ihren Trainingsleistungen zu tun hätten. Da der HSV nun einmal einen sehr großen Kader hat, müssen zwangsläufig einige Spieler immer zu Hause bleiben. Neu dabei sind Per Ciljan Skjelbred, Tomas Rincon und Ivo Ilicevic.

Drei kleinere oder auch größere Überraschungen, denn Skjelbred schien zuletzt chancenlos, muss sich aber durch gute Leistungen im Training aufgedrängt haben. Wobei ich gestern im Kreise der Kollegen festgestellt hatte, dass der Norweger im Training eigentlich fast immer eine gute Figur abgibt. Überraschend kommt auch die Rückkehr von Ivo Ilicevic, der erst am Mittwoch wieder mit Reha-Trainer Markus Günther auf „dem Acker“ zu sehen gewesen ist. Aber das ist wohl eine Maßnahme, falls es mit „Maxi“ Beister auf links nicht über 90 Minuten gehen sollte. Nicht ganz so überraschend kam die Nominierung von „Kampfmaschine“ Tomas Rincon. Der Venezolaner zeigt eigentlich in jeder Einheit, dass er wieder zurück in die Mannschaft will. Deswegen ist sein Mitwirken auch nur zu begrüßen, „Popeye“ haut rein und will sich immer beweisen. Kann nur zum Wohle der Mannschaft sein.

“Wir haben nun einmal einen großen Kader, da wird es sich nicht vermeiden lassen, dass es solche Härtefälle gibt – es können ja nicht alle mit. Aber dieser Kader bedeutet auch nicht, dass er automatisch auch für das Bayern-Spiel gilt. Dann kommen wahrscheinlich wieder einmal andere dran, denn im Moment trainieren alle Spieler richtig gut”, sagte Thorsten Fink zu seiner Bank-Rotation.

Was ich beim heutigen Training so still bei mir dachte: Jaroslav Drobny zeigt sich eigentlich an jedem Tag von seiner besten Seite – sein Einsatz ist bewundernswert. Das muss ganz einfach einmal gelobt werden, denn es ist für ihn gewiss nicht leicht. Erst ist er Ersatz hinter Frank Rost, dann kommt er als Nummer eins schwer in Fahrt, hält dann aber überragend – und wird doch wieder Ersatzmann. Und das als aktuelle Nummer zwei des tschechischen Nationalteams. Das alles muss man erst einmal verkraften, aber Drobny scheint es geschafft zu haben. Kompliment! Wie der Tscheche trainiert, wie gut er hält, und wie er mit den Kollegen lacht und scherzt – das hätte eigentlich einen Sonderpreis verdient. Ich ziehe den Hut vor Jaroslav Drobny!

Aber natürlich auch vor Rene Adler, der völlig berechtigt nun zwischen den HSV-Pfosten steht, weil er für mich die Nummer eins in Deutschland ist. Und nun dürfte es interessant werden: Am 14. November findet das letzte Länderspiel des Jahres statt, Niederland gegen Deutschland in Amsterdam. In der neuen „Sport Bild“ erteilt (angeblich) DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke einem Comeback von Adler eine Absage. Weil sich das Trainerteam für die entsprechenden drei Keeper entschieden hat: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler. Letzterer aber ist nach seiner Roten Karte aus dem Freundschafts-Länderspiel gegen Argentinien. Und ter Stegen bekommt die Bälle zurzeit nicht nur um die Ohren, sondern auch in seinen Kasten. Da wäre es ja wohl nur gerecht, wenn der aktuell beste Torwart dann auch zum Kader gehören würde: Adler. Ich bin mal gespannt, wie das der DFB („Jogi“ Löw und Köpke) entscheiden wird (werden).

Apropos Trainer: Thorsten Fink zeigte sich im Entlassungs-Fall Magath etwas betroffen. Der HSV-Coach wollte die Nachricht zunächst gar nicht glauben (war während des Trainings passiert), fragte nach und sagte dann: „Das kommt überraschend für mich, damit hätte ich nicht gerechnet. Weil Felix doch immer nach gewissen Anfangsschwierigkeiten immer noch in die richtige Spur mit seinen Mannschaften gekommen ist. Das hätte wohl auch mit Wolfsburg noch geklappt . . .“

So, zum Abschluss noch drei Namen. Wenn auch der erste mit etwas Verspätung kommt – und dann auch erst zwei Minuten vor Schluss. David Rozehnal, oft und ausgiebig belächelt und als Fehleinkauf des HSV abgestempelt, spielte am Dienstag Champions League. Rozenahl! Ja, unser aller David Rozehnal. Von der Champions League kann doch der HSV noch in Jahren nur träumen, aber der „Fehleinkauf“ läuft noch kurz vor Schluss für Lille gegen die Bayern auf. Das ist schon ein dickes Ding. Kann man sich so irren. Oder: So kann man sich irren? Egal, wie auch immer, der David spielt Champions League, und das ist doch auf jeden fall für ihn recht erfreulich. Und für mich wieder ein Beispiel, dass man nie nie sagen sollte. Ich hätte es ihm niemals zugetraut, aber da bin ich wahrscheinlich nicht so ganz allein.

Und dann möchte ich euch noch einmal an den Freitagabend erinnern. Aus dem „Champs“ in Schnelsen wird wieder „Matz ab libe“ übertragen, und zwar mit zwei Europapokal-Siegern des HSV: Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese beiden „Altmeister“ der Verteidigung schon sehr freue. Wir wollen gleich nach dem Schlusspfiff in Augsburg auf Sendung sein – ich hoffe, dass ihr wieder dabei sein werdet.

18.59 Uhr

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