Tagesarchiv für den 24. Oktober 2012

Van der Vaart: “Ich bleibe positiv”

24. Oktober 2012

So richtig gut drauf war Thorsten Fink heute nicht. Ob das an den quälenden Fragen der „Matz-abber“ vom Vorabend lag? Durchaus möglich, sagten mir die Kollegen, die bei dem Fan-Aussprache-Abend mit dem Trainer dabei waren. Endlich mal die wirklich wichtigen und harten Fragen stellen, nicht so wie die „Weicheier“ von den Zeitungen – so muss das Motto in etwa gewesen sein. Obwohl mir jene „Matz-abber“, die heute beim Training waren und am Vorabend beim Fink-Treffen, bestätigt haben: „Das war ein ganz harmonischer Abend mit dem Trainer.“ Mit „Toffi“ – denn es wurde im Laufe des Treffens alles und jeder geduzt. Mit Erlaubnis von „Toffi“. Weil wir doch alle eine Familie sind. Und um das abschließend zu sagen: Auch die größten Fink-Kritiker waren am Ende zufrieden und bescheinigten „Toffi“ (also dem Coach) einen sehr guten Auftritt.

Hoffentlich kann Thorsten Fink (also „Toffi“) diesen sehr gut Auftritt bis zum kommenden Freitag konservieren. Und dann kann man nur hoffen, dass dieser gute Auftritt auch auf die Mannschaft abfärbt. Sozusagen von einem guten Auftritt zum nächsten. Gut wäre es, und dem Klub würde das auch sehr gut tun, denn ein Wochenende weiter kommt der FC Bayern nach Hamburg, und das bedeutet für mich, dass es da nichts für den HSV zu erben gibt, denn: Die Münchner, so habe ich den Verdacht, werden in dieser Saison nicht ein Spiel verlieren. Der HSV sollte nur bis Weihnachten keine Partie mehr verlieren, aber die Bayern werden es bis zum Sommer 2013 durchziehen. Weil Uli Hoeneß und Co zu dieser Spielzeit ernst gemacht haben. Eine bessere Bayern-Mannschaft hat es seit Maier, Beckenbauer, Müller und Co nie gegeben.

Aber gut, das ist erstens meine Meinung, und zweitens geht es jetzt gegen Augburg. Und das ist ja erst einmal viel, viel wichtiger. Falls es dem einen oder anderen User entfallen sein sollte: Der HSV ist in der Bundesliga gegen Augsburg noch ohne Sieg. In Hamburg gab es in der vergangenen Spielzeit ein mageres 1:1, als nach dem FCA-Führungstor noch Paolo Guerrero mit einem Schulter-Kopfball-Tor noch den Ausgleich herstellen konnte. Der HSV war zwar feldüberlegen, scheiterte aber immer wieder am starken Augsburger Keeper Amsif. Dazu passt aber eine Meldung, die heute über die Deutsche Presse-Agentur kam:

Torwart Simon Jentzsch steht zum Gastspiel des HSV vor der Rückkehr ins Tor des FC Augsburg. Der Routinier werde am Freitag gegen den HSV wieder spielen, sagte Coach Markus Weinzierl der „Bild“. Zuletzt hatte der 36-Jährige wegen einer Fingerverletzung sechsmal aussetzen müssen. Beim 0:0 in Nürnberg saß Jentzsch zwar wieder auf der Bank, musste aber Mohamed Amsif noch den Vortritt lassen.

Der eigentliche Ersatzkeeper Amsif machte zuletzt mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, spielte dreimal zu Null und war an allen sechs Augsburger Punkten beteiligt. Schon in der vorigen Saison hatte er Jentzsch während einer Verletzungspause vertreten. Ein Konkurrenzkampf im Tor der Schwaben soll trotzdem nicht entstehen. „Wir haben eine klare Hierarchie“, sagte Manager Jürgen Rollmann der „Augsburger Allgemeinen“. „Jentzsch ist die klare Nummer eins.“

Ob diese Entscheidung gut oder schlecht für den HSV war, wird sich am Freitag um 22.20 Uhr gezeigt haben. Und wo ich gerade bei Personalien bin: FCA-Kapitän Paul Verhaegh fällt wegen eines Innenbandanrisses aus. Beim HSV wird definitiv Petr Jiracek fehlen, denn der Tscheche trainierte heute nicht. Dagegen mischte der zuletzt verletzt und krank fehlende Ivo Ilicevic wieder voll mit. Und eine Entscheidung hat Thorsten Fink bereits getroffen: Maximilian Beister wird die Position von Jiracek einnehmen. Fink: „Beister hat gut trainiert zuletzt, hat auch gut gespielt in den letzten Wochen, er hat sich diese Chance verdient.“ Der Coach hat sich zudem festgelegt: „An der Anfangs-Mannschaft wird sich ansonsten nichts verändert, das bleibt so – der Rest kann sich bis morgen im Training aufdrängen, sodass sie mit nach Augsburg fahren könnten.“

Pech für Dennis Aogo, der nun wieder völlig fit ist, aber zunächst einmal das Nachsehen hat – ab auf die Bank. „Er ist fit, hat wieder Spaß am Fußball. Er macht einen guten Eindruck – von daher ist er wieder dabei, er kann Druck machen. Wir haben einen guten Konkurrenzkampf in der Mannschaft, weil wir einen ausgeglichenen Kader haben, da fällt es mir schwer, den einen oder anderen zu Hause zu lassen“, sagt Fink. Gut möglich, dass dank einer Ersatzbank-Rotation auch wieder einmal Tomas Rincon die Reise zu einem Auswärtsspiel wird antreten können. Weil der Südamerikaner sich im Training durch gute Leistungen gezeigt hat. Fink: „Tomas hat Woche für Woche zugelegt, er macht einen guten Eindruck, er ist schon sehr weit.“

Über den Gegner Augsburg weiß Thorsten Fink: „Der FCA hat sich ganz gut gefangen, spielt zu Hause, steht sehr kompakt – auch auswärts. Zuletzt gab es beim 1. FC Nürnberg ein 0:0, da spielet Augsburg gut und hätte auch gewinnen können – on daher sind wir gewarnt. Wir haben etwas gut zu machen, dürfen die Augsburger nicht ins Spiel kommen lassen.“

Apropos nicht ins Spiel kommen lassen. Das hatte zuletzt der VfB Stuttgart (recht erfolgreich) mit Rafael van der Vaart gemacht. Das Zauberwort hieß „Manndeckung“. Ein „schreckliches Erlebnis“ in der heutigen Zeit des Raumdeckens, aber der Niederländer muss damit klar kommen. Aber er ist am Sonntag nicht nur wegen dieser Manndeckung gar nicht erst ins Spiel gekommen, sondern auch deswegen, weil die Mannschaftskollegen viele weite und hohe Bälle nach vorne gedroschen hatten, die alle über van der Vaart hinweg flogen. Auf meine Frage, ob er das bemerkt hätte, sagte er lachend: „Natürlich habe ich das bemerkt.“ Und erntete bei dieser Antwort viele Lacher.

Ich konnte damit leben, denn die Antwort bewies mir, dass dieses Manko bei der „ewigen 23“ sehr wohl registriert worden ist – und damit dann auch beim HSV (und dem Trainer-Team). Also wird über diese Sache zu sprechen sein. Um Abhilfe zu schaffen. Um zu erreichen, dass van der Vaart von den Mitspielern gesucht wird – damit er Ideen in das Spiel der Mannschaft bringen kann. Er sagte zu seinem Spiel: „Ich war in Manndeckung, und da muss man sich die Bälle oft von hinten holen, das habe ich in der zweiten Halbzeit mehr gemacht, und dann kommt man auch besser ins Spiel. Aber wenn die Mannschaft nicht so gut drauf ist, und ich dann auch nicht, dann wird das schnell ein Spiel zum Vergessen.“ Auf meine Frage, ob ihn die Manndeckung stören würde, antwortete Rafael van der Vaart: „Nein, das ist ja oft passiert. Aber wenn die Mannschaftskollegen damit dann mehr Platz haben, dann kann ich damit leben, ich muss nicht in jedem Spiel glänzen – oder so.“

Auf die Frage, was gegenüber dem Stuttgart-Spiel nun in Augsburg beim HSV besser werden muss, sagte der „kleine Engel“: „Viel.“ Und weiter: „Wir sind gegen den VfB nicht gut ins Spiel gekommen, standen oft zu weit weg von unseren Gegenspielern. In den Heimspielen zuvor haben wir immer viel Druck gemacht, haben Pressing gespielt, so haben wir unsere Spiele gewonnen. Das haben wir gegen Stuttgart nicht gemacht, das muss nun in Augsburg auf jeden Fall besser gemacht werden. Ich hoffe, dass Stuttgart nur ein schlechtes Spiel von uns war, das kann ja immer mal passieren, deshalb sollten wir nun die Köpfe nicht hängen lassen. Es wird in Augsburg wieder besser für uns laufen, ich bleibe positiv.“

Hoffentlich geht er in dieser Beziehung mit gutem Beispiel voran, denn Augsburg dürfte erneut nicht leicht für vdV werden. Sein „Manndecker“ ist Kevin Vogt, und der misst stolze 1,94 Meter, und ein solches Gardemaß könnte im Zusammenspiel mit einer gewissen Härte schon lästig werden – für „Rafa“. Der von sich sagt: „Ich habe gut trainiert und fühle mich auch fit.“ Dann kann es ja losgehen.

Aber um noch einmal auf Augsburg zu kommen: Dort gab es zuletzt im Sommer, im letzten Auswärtsspiel der Saison, eine 0:1-Niederlage für den HSV. Zu diesem Spiel las ich kürzlich in der „Sport-Bild“ eine mich doch irgendwie erschütternde Aussage von Thorsten Fink: „Vor dem bedeutungslosen Spiel in Augsburg am letzten Spieltag habe ich den Jungs gesagt: ‚Heute könnt ihr frei aufspielen, zeigt, was ihr könnt.’ Doch dann kam einfach nichts. Bei dem einen oder anderen Spieler hat mir diese Niederlage die Augen geöffnet. Ich wusste, dass wir Spieler brauchen, die richtige Säulen sind, starke Charaktere. Es braucht einfach zwei, drei Spieler, die den Weg vorgeben.“

Zeigt was ihr könnt. Und dann kam nichts. Hatten wir in der vergangenen Saison oft, zu oft. Jetzt aber hat Thorsten Fink diese zwei, drei Säulen – und er sagt selbst: „Die heutige Mannschaft ist mit der vom Sommer nicht mehr vergleichbar.“
Hoffentlich.

Womit ich zum Stürmer des HSV komme. Artjoms Rudnevs sollte ja (seit dem Fürth-Spiel beschlossen) nach jedem Trainings-Tag noch eine zehnminütige Sonderschicht einlegen – Motto: „Was mache ich wenn ich allein auf das gegnerisch Tor zulaufe.“ Ich muss zugeben, dass ich diese Schichten nicht gesehen habe, was nicht daran liegen muss, dass sie nicht stattgefunden haben. Ich war eben nicht immer zur Stelle. Heute zum Beispiel spielte der gute „Rudi“ Fußballtennis mit Co-Trainer Nikola Vidovic. Was mich zu dem Schluss brachte, dass Rudnevs nicht nur den Torabschluss üben muss, sondern auch die (und seine) Technik. Vielleicht aber kam das Zulaufen auf das Tor ja auch noch – ich musste dann in den Presseraum in der Arena, um bei Rafael van der Vaart und der anschließenden PK zu sein. Aber ich bin gespannt, ob sich diese Sonderschichten schon beim Spiel in Augsburg bemerkbar machen werden – ich drücke dem Letten und auch dem HSV kräftig die Daumen.

PS: An diesem Donnerstag findet im Volkspark das Abschlusstraining statt, aber das ist (wie immer) nicht öffentlich.

18.25 Uhr