Tagesarchiv für den 23. Oktober 2012

Beister: “Düsseldorf ist kein Thema”

23. Oktober 2012

Er war der Gewinner des Stuttgarts-Spiel – trotz der schmeichelhaften 0:1-Niederlage des HSV: Maximilian Beister. Der U-21-Nationalstürmer war zur Pause eingewechselt worden, gab mächtig Gas und beeindruckte den Trainer. Thorsten Fink lobte den 22 Jahre alten Angreifer und stellte erstmalig auch einen Auftritt in der Stammformation in Aussicht – nach zuletzt sieben Einwechslungen in dieser Saison. HSV-Coach Fink hat ja auf der linken Mittelfeldposition mehrere Optionen, aber Beister scheint im Moment die besten Karten zu haben. Er oder Ivo Ilicevic, der heute wieder auf dem Platz zu sehen war, wo er mit Reha-Trainer Markus Günther ein Einzeltraining genoss. Eine weitere Möglichkeit aber wäre sicherlich auch, Dennis Aogo hinten links zu bringen, und Marcell Jansen wieder nach vorne zu ziehen. Abwarten, für welche Variante sich Fink entscheiden wird. Es geht ja nun schon bald los, der HSV muss bekanntlich schon am Freitag wieder ran – bei den unbequemen Augsburgern.

„Maxi“ Beister wäre sicherlich die offensivere Aufstellung, was bei dem kampf- und defensiv-starken Tabellensechzehnten, der erst einmal gewonnen hat (bei 5:11 Toren), nicht verkehrt wäre. Angriff ist – oder soll ja – die beste Verteidigung (sein). Aber noch gab es vom Trainer keinen Hinweis, dass Beister nun „losgelassen“ wird. „Es gab bislang noch kein Signal des Trainers, ich warte ab und bereite mich wie auf jedes Spiel vor.“ Immerhin ist Thorsten Fink bei Beister kurz nach dem Stuttgart-Auftritt vorstellig geworden, um dem Angreifer mitzuteilen, dass er „zufrieden“ mit dem Maxi-Spiel gewesen sei. Das ist doch schon mal was. So etwas dürfte es in dieser Saison noch nicht (oft) gegeben haben. Für Beister aber großer Anlass zur Freude: „Wenn der Trainer mit mir zufrieden ist, dann ist das für mich noch kein Grund zu sagen, dass ich selbst mit mir zufrieden war. Es war vielleicht ein guter Schritt nach vorne für mich, aber trotzdem muss ich weiter hart an mir arbeiten – hart arbeiten wie alle anderen. Wenn der Trainer zufrieden ist mit mir, das ist für mich kein Grund, mich darauf auszuruhen.“

Die meisten Experten hatten „Maxi“ Beister einen steilen und schnellen Weg in die HSV-Stammformation zugetraut, aber bislang ging alles stets über die Bank. Der Unterschied zwischen der Ersten und der Zweiten Bundesliga scheint doch größer als gedacht. Beister sagt: „In der Ersten Liga wird mehr Fußball gespielt, in der Zweiten Liga wird mehr Wert auf die kompakte Defensive gelegt, auch auf ein gutes Zweikampfverhalten – das ist schon ein anderer Fußball, der in Liga eins gespielt wird, oftmals auch viel schneller.“ Die Umstellung dauert an, oder hat gedauert – wie man will. Er sagt selbst: „Ich stecke in dieser Phase noch drin, ich muss mich noch daran gewöhnen – aber ich bin, so denke ich, auf einem guten Weg. Ich merke das von Woche zu Woche, dass ich mich schon an gewisse Dinge gewöhnt habe.“

Maximilian Beister wirkt bei diesen Sätze reif und abgeklärt – anders als ein 22-Jähriger. Er über sich: „Ich schätze meine Situation schon ganz realistisch ein, denn in meinem ersten halben Jahr in Düsseldorf klappte das anfänglich nur stockend, und dann kam das von Spiel zu Spiel. Je mehr Einsatzzeiten ich bekommen habe, je besser lief es dann. Deshalb weiß ich für mich, dass es gut ist, mit Zeit zu geben. Und auch der Trainer gibt mir die Zeit, er redet mit mir und er vertraut mir. Deswegen kann ich das schon gut einschätzen, obwohl man als Spieler natürlich immer spielen will. Ich setze mich auf keinen Fall unter Druck, das kann ich nur sagen – ich blicke auf jeden Fall positiv in die Zukunft.“

Natürlich. Und spielen wollen sie stets immer alle. Aber bei ihm gab es zuletzt auch das Gerücht, dass er zurück zur Fortuna nach Düsseldorf will. Nur ein Gerücht? Oder doch mehr? „Maxi“ Beister bezieht Stellung: „Das Gerücht kam nicht von mir. Ich habe keine Ahnung, woher das kam, ich habe mich mit diesem Thema auf jeden Fall nicht beschäftigt. Ich war bei der U-21-Nationalmannschaft, da gab es ganz andere und viel wichtigere Themen, da habe ich bestimmt nicht an einen Wechsel oder an Fortuna Düsseldorf gedacht.“ Dann erklärt er unmissverständlich: „Mich interessiert dieses Thema nicht, ich habe mich damit nicht auseinander gesetzt, es wird auch in Zukunft kein Thema für mich sein, denn ich sehe meine Zukunft beim HSV, ich habe hier vier Jahre unterschrieben, meine Aufgabe liegt beim HSV. Es waren zwei sehr schöne Jahre in Düsseldorf, aber ich habe hier nun meine Aufgabe zu erfüllen, und nur darauf konzentriere ich mich.“

Dass „Maxi“ Beister für Zeitungen fotografiert wurde, als er neben Fortuna-Trainer Norbert Meier während eines Spiels auf der Bank saß, ist für den HSV-Spieler absolut kein Indiz für einen sich anbahnenden Wechsel: „Ich bin da nicht von allein hingegangen, sondern wurde gefragt, ob ich mich dorthin setzen möchte. Das habe ich dann getan. Ich habe dort nicht nur mit dem Trainer gesessen, ich habe dort mit vielen Personen gesessen, mit denen ich Freundschaften pflege. Und damit ist dieses Thema für mich auch nun beendet.“ Okay.

Der Mann weiß was er will. Und tritt auch selbstbewusst auf. Das gefällt mir. Das gefiel mir schon in seiner „ersten“ HSV-Zeit, und noch immer bin ich sprachlos, dass der HSV damals Beister gleich für zwei Jahre ausgeliehen hatte, während alle anderen HSV-Leihspieler nur für ein Jahr weg aus Hamburg waren. Aber das waren eben auch andere Zeiten, Zeiten, in denen es keinen Sportchef gab, der das Talent von „Maxi“ Beister hätte erkennen können. Aber gut, nun ist er wieder da, und auch wenn der Start stotternd verlief, so sagen der Trainer und auch der Sportchef Frank Arnesen unisono, dass sie von Beister nicht nur viel halten, sondern auch noch sehr viel erwarten, und dass sie auf ihn bauen.

Und es ist fast schon kurios, dass der Lüneburger sein Talent ja immer (oder auf jeden Fall meistens) bei der Nachwuchs-Nationalmannschaft gezeigt hat – durch ein stets engagiertes Spiel und mit erfolgreichen Torschüssen. Auch durch Beister-Tore hat der DFB den Start bei der U-21-Europameisterschaft geschafft. Und nun hat er auch für diese Mannschaft nur ein Ziel: „Wenn ein deutsches Team an einer EM teilnimmt, dann will dieses Team natürlich auch gewinnen, das ist doch klar. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, wir verstehen uns alle super – und wir haben auch die Qualität, um Europameister werden zu können.“

Und nebenbei mit dem HSV in die obere Tabellenhälfte – das wäre doch auch etwas. Jetzt, wo die Mannschaft doch noch entsprechend verstärkt worden ist. „Maxi“ Beister schwärmt von Rafael van der Vaart: „Er ist absolut positiv für mich, ich werde von ihm profitieren. Ein Rafael van der Vaart gibt immer alles für die Mannschaft, und er hat in den letzten Jahren so viele klasse Leistungen gezeigt und damit bewiesen, was er für eine Klasse hat, und trotzdem nimmt er sich hier nichts raus. Er ist ein absoluter Teamspieler, man kann als junger Spieler zu ihm gehen und sich Tipps holen, man kann sich ganz normal mit ihm unterhalten – und auf dem Platz kann er eben den einen oder anderen entscheidenden Pass schlagen.“

Dass Beister diese gewissen Anfangsschwierigkeiten beim HSV gehabt hat, soll ja auch an leichten Schwächen in seiner Defensivarbeit gelegen haben. Aber auch in diesem Punkt zeigte er sich zuletzt – in den Begegnungen mit der Schweiz – bei der U-21 – verbessert. Fast hätte ich geschrieben, deutlich verbessert, aber auch ein Freund von mir machte mich auf diesen >Umstand aufmerksam. Beister selbst konstatiert: „Ich glaube schon, dass ich mich in den letzten drei Wochen defensiv gesteigert habe, dass konnte man auch in den EM-Qualifikationsspielen sehen. Da hat das in meinen Augen sehr gut geklappt.“ Weiter führt er aus: „Wir Offensivspieler denken natürlich offensiv, deswegen ist es so eine Sache mit der Defensive. Wie versuche ich meine Defensivaufgaben zu verbessern, daran denkt man sehr wohl, aber ich denke, dass ich auch in dieser Beziehung schon einen Schritt nach vorne gemacht habe.“ Er gibt dann aber auch zu: „Ich weiß sehr wohl, dass ich da noch eine Schippe drauf legen muss, dass ich mich auch in taktischen Dingen noch verbessern muss – aber ich bin da, so glaube ich, schon auf einem guten Weg.“

Am Freitag in Augsburg wird er das unter Beweis stellen können. Er sagt: „Meine Erinnerungen an Augsburg sind nicht die besten, wir haben da mal 2:1 zur Pause geführt und noch 2:5 verloren. Der FCA ist eher defensiv eingestellt, man muss Geduld haben, man darf auch bei einem Spielstand von 0:0 in der 60. Minute nicht die Ruhe verlieren, sondern man muss weiter versuchen, sein Spiel zu spielen. Und man muss die Chancen, die man dann hat, auch eiskalt nutzen. Und wenn wir konzentriert spielen, die Zweikämpfe gewinnen und die zweiten Bälle erobern, dann werden wir auch mit einem Dreier nach Hamburg zurückkehren.“

Na, das ist doch mal ein Wort, „Maxi“!
Also nur beherzigen, diese Dinge, dann klappt es wahrscheinlich auch mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison.

In Sachen Aufstellung bin ich persönlich nicht nur gespannt, was Thorsten Fink nun mit Maximilian Beister vor hat. ich denke auch an die HSV-Defensive. In diesem Punkt stand in der Spiel-Information zu lesen, die es vor der Stuttgart-Partie vom HSV (für alle Journalisten) gegeben hat: “Der HSV und der VfB Stuttgart sind die beiden Bundesliga-Teams, die die meisten Schüsse auf das eigene Tor zulassen.” Da gibt es also auch noch harte Arbeit für das Trainer-Team zu verrichten. Und fast unbemerkt gab am vergangenen Sonntag ja ein “neuer Mann” seinen Einstand beim HSV: Paul Scharner. Wenn auch nur für die letzten fünf Minuten (für Son), wenn auch nur als Kopfball-Ungeheuer im Angriff. Geplant ist der Österreicher aber ja für die Innenverteidigung, und da wäre es sicher auch ein wenig hilfreich für den HSV, wenn es da (mal) einen Spieler geben würde, der auch das eine oder andere Mal kräftig zulangen oder dazwischen hauen kann. Man darf gespannt sein, wann Scharner dort hinten seine Vorzüge einbringen darf – und zwar von Anfang an. Ich, das will ich nicht verhehlen, würde mich freuen, wenn das recht bald geschehen könnte. Dann, so denke ich, würde der HSV in dieser geschilderten Statistik bestimmt nicht länger auf dem letzten Platz herumdoktern . . .

So, ein ganz anderes Thema:
Als ehemaliger HSV-Profi ist man ja nie so richtig aus dem Blickfeld aller Rothosen-Freunde. Deswegen nun noch diese Meldung: Piotr Trochowski ist in den USA wegen eines schweren Knorpelschadens operiert worden. Der „kleine Dribbelkünstler“ wird deshalb acht Monate pausieren müssen – was für eine Strecke. Und: Nationalmannschaft ade. Unglaublich gut aber die Aktion der Mannschaftskollegen vom FC Sevilla, die vor dem Erstliga-Spiel am Montag (gegen Mallorca, 3:2 gewonnen) alle ein T-Shirt trugen, auf denen beste Grüße und Genesungswünsche an „Troche“ zu lesen waren. Tolle Aktion!

Und dann noch ein Hinweis in eigener Sache:
Am Freitag gibt es die nächste Folge von „Matz ab live“ aus dem „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), und zwar mit zwei besonderen Gästen. Es sind Spieler aus jener HSV-Mannschaft, die dem Klub erstmalig – 1977 – einen Europapokal in die Vitrine stellten. Ihr Kommen haben die Abwehrrecken Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Darüber freue ich mich sehr – und ich hoffe, dass ihr nach dem HSV-Spiel in Augsburg einschalten werdet.

PS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

19.39 Uhr