Tagesarchiv für den 20. Oktober 2012

Milan Badelj hielt durch und wird spielen

20. Oktober 2012

Die wichtigste Frage war schnell beantwortet: „Ist Milan Badelj dabei?“ Ja, war er. Und zwar von Beginn an bis zur letzten Sekunde. Der Mittelfeldspieler hat das gesamte Programm ohne sehenswerte Probleme mitgemacht, wird also morgen gegen den VfB Stuttgart (Anpfiff im Volkspark um 17.30 Uhr) mit von der Partie sein können. Es bleibt somit bei der Mannschaft, die zuletzt für den Aufschwung, für die Wende gesorgt hat. Es werden folgende elf Männer für den HSV beginnen: Rene Adler; Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Heiko Westermann, Marcell Jansen; Tolgay Arslan, Milan Badelj; Heung Min Son, Rafael van der Vaart, Petr Jiracek; Artjoms Rudnevs. Nicht im Kader sind diesmal Tomas Rincon, Gojko Kacar, Robert Tesche und Per Ciljan Skjelbred. Schiedsrichter des Spiels gegen die Schwaben ist Tobias Welz aus Lebecksmühle.

So ein Abschlusstraining am Sonnabend hat ja etwas. Zur Anstoßzeit der Bundesliga-Partien wird dann im Volkspark geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber in diesen Tagen geht fast nichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So an die 100 Fans waren trotz allem an die Arena gepilgert, um ihre Lieblinge zu sehen, um eventuell auch das eine oder andere Autogramm zu erhaschen. Und alle haben sie ihren Spaß. Die Fans und die Spieler. Was nicht nur an diesem herrlichen herbstlichen Super-Sonnenschein liegt, sondern auch an der kleinen Erfolgsserie, die es nun zu verteidigen gilt.

Und selbst das Trainer-Team ist mit Spaß und Feuereifer bei der Sache. Während die Spieler auf ihren Gummimatten lagen und sich dehnten und reckten, versuchte sich Co-Trainer Frank Heinemann als Kunstschütze. Zwei Meter hinter der Torauslinie stehend versuchte der frühere Bochumer „Rasenmäher“ den Ball ins Tor zu „schnibbeln“. In etwa zehn Versuche hatte der Fink-Assi, keiner flog ins Tor (oder zählte der erste?). Als Heinemann aufgab, schnappte sich der „Chef“ die einzig verbliebene Kugel. Thorsten Fink schnitt den Ball mit rechts ganz stark an – und drin! Gelernt ist eben gelernt. Aber Heinemann hatte etwas zu monieren: Fink hatte nicht zwei sondern nur einen Meter hinter der Linie gestanden. Also ließ sich Fink noch eine Kugel „reichen“ – und dann schoss er. Unterkante Latte – drin. Fink riss die Arme hoch und ging grinsend von dannen. Und Heinemann blieb nur das Staunen . . .

Es wurden technische Feinheiten trainiert (zum Beispiel Ball mit links annehmen und mit rechts zum Co-Trainer zurückspielen), dann ließ Fink den Spielaufbau üben – und auf einem kleinen Spielfeld (weniger als die Hälfte) gab es dann das Abschlussspielchen. A gegen B, und die B-Mannschaft konnte sich wahrlich sehenlassen: Sven Neuhaus; Jacopo Sala, Jeffrey Bruma, Paul Scharner, Dennis Aogo; Gojko Kacar, Tomas Rincon;
Per Ciljan Skjelbred, Robert Tesche, Maximilian Beister; Marcus Berg. Das könnte doch früher auch eine A-Mannschaft gewesen sein, oder? Aber so gut geht es dem HSV inzwischen (wieder). Wer dabei Rene Adler vermisst – der Keeper trainierte derweil mit Torwarttrainer Ronny Teuber.

Apropos Adler: Der neue Mann zwischen den HSV-Pfosten ist, so hat es den Anschein, inzwischen ebenso heiß begehrt wie Rafael van der Vaart – wenn es um Autogramme geht. Als der Nationaltorhüter mit Sack und Pack zum Training erschien, wurde er natürlich von den Fans verfolgt. Adler beruhigte alle seine Anhänger und vertröstete sie kurz: „Ich bringe meine Sachen nur schnell in die Kabine, und dann komme ich wieder heraus.“ Ein Mann – ein Wort. Das haben wir alle auch schon anders erlebt. Dass keiner mehr kam . . . Aber Rene Adler ist eben ein Gentleman, er schrieb geduldig und posierte für viele, viele Fotos.

Zurück zum Training: Um 16.28 Uhr gab es allerdings noch eine bange Minute zu überstehen. Rincon hatte Son umgegrätscht. Das sah ganz übel aus, aber Rincon war auch, das sei zu seiner Ehrenrettung gesagt, bei dieser Aktion etwas ausgerutscht. Er wollte zwar grätschen, aber den Südkoreaner ganz sicher nicht umtreten – aber das war es dann letztlich. Son schrie und wimmerte vor Schmerzen, blieb am Boden liegen, sodass Mannschaftarzt Dr. Philip Catala-Lehnen und Physiotherapeut Stefan Kliche auf das Feld eilen mussten, um zu helfen. Das gelang nach einigen Sekunden, und Son konnte alsbald wieder voll mitmachen. Das war knapp. Im Spiel hätte Rincon wohl Rot gesehen . . .

Und wo ich gerade bei Heung Min Son war: Der beste HSV-Torjäger dieser Saison (vier Treffer) soll ja hartnäckig vom FC Liverpool umworben sein. Jetzt, im Herbst. Wo keine Transfers mehr machbar sind. So schlimm ist es inzwischen schon geworden, dass sich solche Wechsel-Spielchen nun schon über die gesamte Saison erstrecken. Ganz, ganz bitter. Oder ist es doch nur so, dass diese vielen Länderspielpausen sich einfach nur dazu anbieten, solche Transfergerüchte auf den Markt zu schmeißen?

Sollte Son tatsächlich in der Winterpause gehen (und ich werde das tatsächlich so häufig von HSV-Fans gefragt), dann können alle Hamburg total zufrieden sein. Weil Son dann mächtig erfolgreich gespielt haben muss, noch viele, viele Tore mehr auf sein Konto gebracht haben – und dem HSV damit viel, viel Geld in die Kasse. Geht Son, dann könnte zum Beispiel Viagogo gleich mitgehen. Das wäre doch mal was. Zum Beispiel. Obwohl ich nicht wüsste, ob sich Heung Min Son mit einem Wechsel nach England denn tatsächlich einen Gefallen tun würde, aber das muss er, seine Familie und auch der Berater dann natürlich wissen. Ich würde – aber natürlich werde ich nicht gefragt – ihm ganz heftig abraten.

Ebenso abraten würde ich „Maxi“ Beister – nämlich erneut den Verein zu wechseln. Zurück nach Düsseldorf. Das kann er immer noch. Erst einmal aber wäre es doch eine heldenhafte Aufgabe, sich beim HSV durchzubeißen. Den Kopf nicht hängen lassen, die Zähne zeigen, die Ärmel aufkrempeln – und dann das zeigen, was doch fast jeder in Hamburg auch in ihm sieht. Frechheit siegt eigentlich so oft, und das müsste dem „frechen Maxi“ doch auch gelingen. Nur nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, das wäre gundverkehrt. Obwohl auch in diesem Fall ja Beister, seine Familie und auch sein Berater zu entscheiden haben, und nicht ich oder der HSV. Auch wenn ihm der Sportchef ja in dieser Woche ein Wechsel-Verbot erteilte.

Übrigens: Das Abschlussspielchen gewann gestern ja noch das A-Team haushoch. Und heute? Da siegte die B-Vertretung mit 3:0. Tesche hatte nach einem Abspielfehler von Adler (und auf Zuspiel von Skjelbred) das 1:0 erzielt, Rincon erhöhte mit einem Fernschuss auf 2:0, und Aogo sorgte mit einem strammen Flachschuss für den Endstand. Aber: Nach einer verpatzten Generalprobe folgt ja oft auch eine glanzvolle Vorstellung. Hoffen wir es mal.

So, zum Schluss des Trainings ging Rafael van der Vaart als einziger Spieler etwas früher in die Kabine. Während alle anderen noch schossen und jonglierten, verschwand der Niederländer schnell unter der Dusche. Eine Vorsichtsmaßnahme nach den Adduktorenproblemen. Ansonsten ist aber alles gut bei ihm. Sein Schlusswort, bevor er in den Katakomben der Arena verschwand: „Drück die Daumen für morgen, das wird nicht leicht.“ So ist es. Und Daumen drücken ist doch Ehrensache. Nur sollte tatsächlich niemand glauben, dass diese Partie ein Selbstgänger für den HSV werden wird. Ich sage nur Harnik und Ibisevic. Und der VfB-Trainer dürfte auch genügend Gründe gefunden haben, warum ihm ein Sieg in Hamburg sehr gut in die Karten spielen würde . . .

Mein Tipp: 1:0 für den HSV.

18.54 Uhr