Tagesarchiv für den 18. Oktober 2012

Badelj: “Ich glaube, es klappt bis Sonntag”

18. Oktober 2012

So, in der Hoffnung, dass heute nicht wieder etliche Anrufe, Emails und SMSe kommen, die mir sagen, sie könnten den neuen Blog nicht lesen – ein neuer Versuch. Wie mir als Technik-Laien erklärt wurde, lag es an den verschiedenen Browsern, die unterschiedlich funktionierten. So konnte ein Teil den Blog lesen, ein anderer nicht. Leider.

Ebenfalls leider: Rafael van der Vaart konnte heute noch nicht wieder mittrainieren du absolvierte eine individuelle Einheit im Kraftraum. Aber, um den Pessimisten unter uns etwas Futter zu nehmen, van der Vaart soll schon am Freitag, also morgen, wieder mittrainieren. Heute sei eher Schonung angesagt gewesen, so Trainer Thorsten Fink, der ausführte: „Wir wollten heute noch nichts riskieren und werden am Freitag testen, ob es geht.“ Wobei alles eher nach dem Einsatz des zuletzt besten Torvorbereiters des HSV aussieht.

Schlechter sei da der Stand bei Milan Badelj, den ein Bänderanriss im Knöchel Probleme bereitet. Und wer schon einmal einen Anriss von Euch hatte, der weiß, dass das Schmerzen bedeutet. Allerdings dürfte die- oder derjenige dann auch wissen, dass ein Anriss nicht immer auch einen Ausfall nach sich zieht. „Es kann eigentlich nichts schlimmer kaputtgehen“, sagt auch Fink, „aber wir müssen abwarten, wie sich die Schmerzen bei Milan entwickeln.“ Heute reichte das noch nicht. Auch morgen könnte eng werden. Dennoch sagte Badelj meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller im Interview heute: „Ich glaube, dass es reichen wird und ich am Sonntag spielen kann.“ Zumindest will es der Kroate mit aller Macht. Und wo ein Wille – da (zumal der HSV über eine Top-Medizinabteilung verfügt) ein Weg…

Ebenfalls wieder dabei ist Dennis Aogo, der nach seiner vierwöchigen Auszeit wieder zu Kräften gekommen ist und in den Testspielen neben Tolgay Arslan am meisten zu überzeigen wusste. Mehr noch: Aogo wirkt tatsächlich frischer als vor seiner Pause. Ich würde fast schon sagen – Achtung: Scherz! – er ist besser denn je. „Dennis ist tatsächlich sehr gut drauf und dürfte im Kader sein“, lobt Trainer Thorsten Fink. „Er hat sogar abgenommen.“ Gründe dafür sind schnell gefunden. Zum einen, weil Aogo Stress abbauen konnte und seine Blutwerte besser sind. Zum anderen aber auch, weil der Linksfuß nach seiner Quasi-Konkurrenzlosigkeit plötzlich mit Marcell Jansen einen Spieler auf seiner Position vorgesetzt bekommen hat, der diese Rolle gut spielt. „Dennis spürt den Konkurrenzkampf“, sagt Fink, „und das ist auch gut so.“

Am Sonntag dürfte Aogo zwar zum Kader gehören, wohl aber eher noch nicht zur Startelf. Es sei denn, nach Ilicevic (soll Montag ins Training einsteigen) würden auch Badelj und van der Vaart ausfallen. Dann könnte es sein, dass Petr Jiracek (trat im Training heute wegen leichter Kniebeschwerden kürzer, kann aber spielen) wieder ins defensive Mittelfeld rutscht und die linke offensive Seite frei würde. Eine Position, die Aogo kennt. „Im Training haben wir mit Dennis schon im Mittelfeld geübt“, sagt Marcell Jansen, der absolut nicht gewillt ist, den Linksverteidigerposten zu räumen. Im Gegenteil: „Das ist meine Position“, meldet der Linksfuß Besitzansprüche an.

Und tatsächlich sollte Fink derzeit Abstand nehmen von unerzwungenen Wechseln. Vor allem in der sich immer mehr stabilisierenden Abwehr. „Wir spielen jetzt in einer Formation und fangen an, Sicherheit zu entwickeln, die wichtig ist für unser Zusammenspiel“, hatte Kapitän und Abwehrchef Heiko Westermann gestern gesagt. Heute fügte Fink hinzu: „Wir entwickeln Automatismen. Und wir spielen gut. Zudem nimmt Rene Adler immer mehr Fahrt auf und wird zum Stabilisator von hinten raus.“

Stimmt. Was mit einen kurzen Abstecher machen lässt, da ich mir sicher bin, dass Adler dem HSV genauso viel Sicherheit gibt wie er den ansonsten coolen Manuel Neuer unter Druck setzt. Ich glaube, dass es tatsächlich kein Zufall ist, dass Neuer, den ich ansonsten für einen ebenso exzellenten Keeper wie Adler halte, plötzlich „greift“. Immerhin hatte der Bayern-Keeper in den letzten zwei Jahren nie eine auch nur annähernd bedrohliche Konkurrenz für seinen Stammplatz wie mit Adler. Eine gute Situation für Bundestrainer Jogi Löw, der seit kurzem wieder über zwei Weltklassekeeper verfügt…

So viel zum Abstecher. Zurück zum HSV, der in der Abwehr zuletzt zweimal zu Null gespielt hat. Heiko Westermann stabilisiert sich und unsere Abwehr“, sagt Fink und lobt gleich weiter: „daneben wächst Michael Mancienne gleich, Dennis Diekmeier ist defensiv deutlich besser geworden und Marcell Jansen hat auf links gar kein Probleme. Nicht umsonst haben wir zweimal zu Null gespielt – natürlich auch mit dem Glück des Tüchtigen.“ Dennoch, Finks Rechnung ist einfach. Passend zur Präsentation des neuen Sponsors MSC, der Kreuzfahrten anbietet, sagt Fink: „In Fürth waren wir in der ersten Hälfte gnadenlos effektiv. In der zweiten Hälfte überhaupt nicht. Das müssen wir noch lernen.“ Und gepaart mit der neuen Defensivsicherheit (Defensivstärke nenne ich es lieber erst, wenn es noch mindestens fünf Spiele hinten funktioniert hat) könnte das eine sehr erfolgreiche Mischung ergeben. „Wenn das alles zusammenspielt, dann können wir Kurs aufnehmen.“ Und Fink trieb das Wortspiel zuvor sogar noch weiter: „Wir wissen, wir stehen erst am Anfang unserer Kreuzfahrt – und wir haben eine Weltreise vor.“

Startpunkt dafür soll das Spiel werden, das in der letzten Saison den negativen Knackpunkt bescherte: das Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart. „Letztes Jahr hat uns der VfB in eine Misere gestürzt. Da haben wir etwas gutzumachen. Und das sage ich meinen Jungs.“ Als Motivationshilfe…

Davon hat Fink – einmal dabei – auch noch etwas für das Sorgenkind des Moments parat: für Maxi Beister. Der Youngster ist noch nicht so in die Saison gestartet, wie er es sich selbst nach seiner überragenden Zweitligasaison erhofft hatte. Selbst ein Wechsel auf Leihbasis im Winter scheint für ihn denkbar. Auch deshalb versucht Fink, seinem Talent Mut zu machen: „Er kann es genauso schaffen wie Son.“ Immerhin habe der Südkoreaner sich auch eine ganze Saison lang gedulden müssen. „Aber der Sprung aus der Zeiten in die erste Liga ist groß“, so Fink, der Beister ein Beispiel vorschlug: „Auch Son wurde immer nur eingewechselt. Und er hat seine Chance genutzt. Ich bin sehr zuversichtlich, bei Maxi. Son kann immer wieder ein sehr gutes Beispiel für ihn sein.“

Trainer Thorsten Fink, der sich mit einem Sieg am Sonntag im Mittelfeld festsetzen möchte, scheint derzeit nicht viel aus der Ruhe bringen zu können. Warum auch? Sportlich läuft es langsam an. Dass das einen Rafael van der Vaart dazu verführt, davon zu sprechen, bis zum Winter kein Spiel mehr zu verlieren, freut ihn. Allerdings schränkt er auch ein: „Ich will auch kein Spiel verlieren. Es freut mich auch, wenn die Jungs selbstbewusst sind. Aber es ist unrealistisch, sowas kann der FC Bayern sagen – nicht wir.“ Ausschließen wollte er eine solche Serie allerdings auch nicht. „Wie gesagt, wenn alles greift, ist alles drin.“

Logisch.

In diesem Sinne, zum Ende hin habe ich noch eine kleine Aufgabe für Euch alle. Die Sparda-Bank sucht für eine besondere Aktion im November Leute, die vor etwas mehr als 30 Jahren mitflogen und entweder auf dem unten stehenden Foto zu sehen sind oder eben solche, die Leute auf diesem Foto wiedererkennen und benennen können. Schickt Eure Antworten bitte einfach an hsv@sparda-bank-hamburg.de schicken. Ich bin gespannt, was die Leute von diesem Foto zu erzählen haben… Das Foto:

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Ich freue mich darauf. Allerdings nicht annähernd so sehr wie auf das Spiel am Sonntag…

Scholle

Teilweise Probleme im Internet Explorer

18. Oktober 2012

Wir haben festgestellt, dass bei manchen Lesern mit Internet Explorer der neueste Blogeintrag vom 17.10.2012 nicht angezeigt wird.

Der Artikel hier in voller Länge, verbunden mit der Hoffnung, dass danach wieder alles normal funktioniert:

„Milan Badelj und Rafael van der Vaart angeschlagen“ vermeldete die HSV-App heute. Und ich zuckte so massiv zusammen wie es den VfB Stuttgart wahrscheinlich freut. Zu lesen war in der HSV-Mitteilung: „Milan Badelj und Rafael van der Vaart konnten am Mittwoch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Die beiden Auswahlspieler kehrten mit Blessuren von ihren Nationalmannschaftseinsätzen zurück. Badelj erhielt im Spiel der kroatischen Auswahl gegen Wales (2:0) einen Schlag aufs Sprunggelenk, van der Vaart hat nach dem 4:1-Erfolg gegen Rumänien Probleme mit den Adduktoren. ‚Ich hoffe, dass wir sie bis zum Spiel gegen Stuttgart fit bekommen’, sagte Thorsten Fink. Vorerst müssen die beiden allerdings pausieren.“

Klingt nach dem GAU für den HSV – seine beiden Top-Feldspieler (neben Arslan) der letzten Wochen verletzt. Und ich würde gern sofort entwarnen und von einer reinen Vorsichtsmaßnahme sprechen, aber während van der Vaart auf eigenen Wunsch pausiert und auch morgen noch aussetzen wird, soll bei Badelj eine Kernspin Klarheit bringen. Ergo: Daumen drücken. Beide. Und zwar alle.

Zudem mache ich mir ernsthaft Sorgen um Maximilian Beister. Rein sportlich natürlich, denn dem anfänglich mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachten Talent werden Wechselgedanken nachgesagt. So ist aus Düsseldorf zu hören, dass man sich bei der Fortuna sehr gut vorstellen kann, den Offensivspieler erneut auszuleihen. Beister selbst muss erstaunlich lange nachdenken, als wir ihn heute direkt darauf ansprechen. „Ich beschäftige mich jetzt nicht damit.“

Jetzt nicht. Aber später?

Beister lächelt, bleibt aber dabei. Er wirkt vorsichtig. „Jetzt ist nur der HSV mein Thema.“

Allerdings wirkte Beister nicht wirklich überzeigend. Zum einen, weil er trotz der frischen EM-Qualifikation mit seiner U21-Nationalelf mit Rückenproblemen auszufallen droht. Zum anderen aber ganz sicher auch, weil er in dieser Saison beim HSV noch nicht über Teileinsäze hinauskam. Im Gegenteil, gegen Fürth musste das so hoch gehandelte Talent sogar 90 Minuten über die Bank drücken. Dass er mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden sein könne, hatte er zuletzt immer wieder betont. Allerdings scheint Beister auch mit der immer wiederholten Erklärung von Trainer Thorsten Fink, dass er defensiv einfach noch zu viele Mängel habe, nicht wirklich viel anfangen zu können. Zumindest verdreht er gern die Augen, darauf angesprochen. Und, dass er am Sonnabend auf der Bank von Fortuna Düsseldorf bei deren Testspiel gegen einen Oberligisten zu Besuch war – es hat nichts zu sagen. Sagt Beister: „Wir waren in Leverkusen und hatten unseren freien Tag. Den habe ich genutzt und alte Freunde besucht. Als mich Trainer Norbert Meier einlud, während der zweiten Hälfte auf der Bank mit einigen Jungs quatschen zu können, habe ich angenommen…“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zumal es sehr schade wäre. Bislang kam Beister tatsächlich nicht zum Zug. Auch, weil er seine zweifellos vorhandene Defensivschwäche nicht deutlich verbessert hat. Allerdings kann dieses Argument tatsächlich nur bedingt gelten, immerhin ist Heung Min Son diesbezüglich nicht einen Deut besser. Aber der Südkoreaner macht Tore – und wird deshalb auf dem Platz gelassen. „Wir haben gerade einen Lauf, haben zehn Punkte in vier Spielen geholt“, sagt Beister, „da kann der Trainer nicht viel ändern.“ Klingt einsichtig. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich Beister alles anders vorgestellt hat und entsprechend anfällig sein dürfte für interessante Angebote.

Begeistert vom Angebot, wieder in der Nationalelf zu spielen war Heiko Westermann. Oder besser: er ist es noch. Trotz des Schocks beim 4:4 gegen Schweden. „Ein 4:0 solltest du nach Hause bringen“, so der HSV-Kapitän. „Zumal, da wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die uns 60 Minuten lang nicht das Wasser reichen konnte. Erklärungen gibt es dafür keine, wir waren alle geschockt und sind es noch“, sagt Westermann, der auf dem Weg zur Kabine ausgerechnet Marcus Berg, dem einzigen Schweden im HSV-Team über den Weg lief. Was der gesagt hat? Westermann lacht: „Er ist fair. Ich habe ihm gratuliert – das war’s.“

Dabei darf auch Westermann Glückwünsche entgegennehmen. Er hatte immer wieder betont, dass er sich nur auf den HSV konzentrieren wolle und die Nationalelf automatisch kommen würde, wenn die Leistung beim und mit dem HSV stimmt. Dabei war sich Westermann selbst gar nicht mehr so sicher, ob er bei Nationaltrainer Jogi Löw noch auf dem Zettel war. „Jetzt haben wir gesprochen“, so Westermann, „und er hat mir gesagt, dass ich mich weiterhin immer bereithalten soll.“ Übrigens, für alle die, die es genauso wenig wie ich am TV gesehen haben: Westermann stand schon umgezogen an der Seite und wurde doch nicht eingewechselt. „Das war in der 89. Minute, als Löw mir zurief, ich solle mich fertigmachen. Das habe ich gemacht.“ Warum er nicht eingewechselt wurde, wusste Westermann nicht. Aber auch er schrieb es den turbulenten Schlussminuten zu.

Schade für Westermann, gut für den HSV. So blieb dem Abwehrmann ein direktes Mitwirken an einer bitteren (halben) Stunde der DFB-Elf erspart. Vor allem aber blieb bei Westermann das Positive hängen. Der HSV-Kapitän verlebt insgesamt das erste Mal in seiner zeit beim HSV ein paar schöne Tage mit dem Klub. „Ich habe immer daran geglaubt“, sagt Westermann, „und das ist jetzt tatsächlich die beste Phase, seit ich beim HSV bin.“ Umso wichtiger sei jetzt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne nachzulassen. Schöneren Fußball erwartet Westermann nicht, im Gegenteil: Der HSV-Verteidiger setzt weiter auf harte Arbeit und bodenständigen Fußball. „Das Wichtigste ist weiter, dass wir stabil sind. Denn das Fußballspielen wird bei uns von ganz allein kommen, weil wir nur gute Fußballer haben.“

Allerdings ist auch Westermann gewarnt in Anbetracht des nächsten Gegners. In der Vorsaison befand sich der HSV vor dem Duell in der Imtech-Arena mit dem VfB Stuttgart ebenfalls auf dem Weg in sichere Tabellengefilde, ehe ein bitteres 0:4 samt Roter Karte und Acht-Wochen-Sperre für Guerrero zum Knackpunkt wurden. „Anschließend sind wir eingebrochen“, sagt Westermann, der Gleiches diese Saison für nahezu ausgeschlossen hält, „wenn wir weiter 100 Prozent gehen. Denn, das ist klar, diese Saison sind wir personell wir sportlich deutlich stärker.“ Zumindest, wenn Badelj und van der Vaart fit sind.

In diesem Sinne, weiter alle Daumen drücken, dass die beiden Edeltechniker bis zum Sonntag fit werden. Und dafür, dass Beister zu seiner Form findet und seine Chance nicht nur bekommt, sondern auch nutzt.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder zweimal (zehn und 15 Uhr) an der Imtech-Arena trainiert .

Scholle

P.S.: Eben vergessen: Die HSV-Anleihe ist bis auf das letzte Papier ausverkauft. Somit stehn für das Projekt Campus 12,5 Millionen Euro bereit. Gut möglich, dass der HSV in einiger Zeit die Anleihe um ein paar Millionen Euro aufstockt.