Tagesarchiv für den 17. Oktober 2012

Van der Vaart und Badelj sind angeschlagen – Beister auch

17. Oktober 2012

„Milan Badelj und Rafael van der Vaart angeschlagen“ vermeldete die HSV-App heute. Und ich zuckte so massiv zusammen wie es den VfB Stuttgart wahrscheinlich freut. Zu lesen war in der HSV-Mitteilung: „Milan Badelj und Rafael van der Vaart konnten am Mittwoch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Die beiden Auswahlspieler kehrten mit Blessuren von ihren Nationalmannschaftseinsätzen zurück. Badelj erhielt im Spiel der kroatischen Auswahl gegen Wales (2:0) einen Schlag aufs Sprunggelenk, van der Vaart hat nach dem 4:1-Erfolg gegen Rumänien Probleme mit den Adduktoren. ‚Ich hoffe, dass wir sie bis zum Spiel gegen Stuttgart fit bekommen’, sagte Thorsten Fink. Vorerst müssen die beiden allerdings pausieren.“

Klingt nach dem GAU für den HSV – seine beiden Top-Feldspieler (neben Arslan) der letzten Wochen verletzt. Und ich würde gern sofort entwarnen und von einer reinen Vorsichtsmaßnahme sprechen, aber während van der Vaart auf eigenen Wunsch pausiert und auch morgen noch aussetzen wird, soll bei Badelj eine Kernspin Klarheit bringen. Ergo: Daumen drücken. Beide. Und zwar alle.

Zudem mache ich mir ernsthaft Sorgen um Maximilian Beister. Rein sportlich natürlich, denn dem anfänglich mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachten Talent werden Wechselgedanken nachgesagt. So ist aus Düsseldorf zu hören, dass man sich bei der Fortuna sehr gut vorstellen kann, den Offensivspieler erneut auszuleihen. Beister selbst muss erstaunlich lange nachdenken, als wir ihn heute direkt darauf ansprechen. „Ich beschäftige mich jetzt nicht damit.“

Jetzt nicht. Aber später?

Beister lächelt, bleibt aber dabei. Er wirkt vorsichtig. „Jetzt ist nur der HSV mein Thema.“

Allerdings wirkte Beister nicht wirklich überzeigend. Zum einen, weil er trotz der frischen EM-Qualifikation mit seiner U21-Nationalelf mit Rückenproblemen auszufallen droht. Zum anderen aber ganz sicher auch, weil er in dieser Saison beim HSV noch nicht über Teileinsäze hinauskam. Im Gegenteil, gegen Fürth musste das so hoch gehandelte Talent sogar 90 Minuten über die Bank drücken. Dass er mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden sein könne, hatte er zuletzt immer wieder betont. Allerdings scheint Beister auch mit der immer wiederholten Erklärung von Trainer Thorsten Fink, dass er defensiv einfach noch zu viele Mängel habe, nicht wirklich viel anfangen zu können. Zumindest verdreht er gern die Augen, darauf angesprochen. Und, dass er am Sonnabend auf der Bank von Fortuna Düsseldorf bei deren Testspiel gegen einen Oberligisten zu Besuch war – es hat nichts zu sagen. Sagt Beister: „Wir waren in Leverkusen und hatten unseren freien Tag. Den habe ich genutzt und alte Freunde besucht. Als mich Trainer Norbert Meier einlud, während der zweiten Hälfte auf der Bank mit einigen Jungs quatschen zu können, habe ich angenommen…“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zumal es sehr schade wäre. Bislang kam Beister tatsächlich nicht zum Zug. Auch, weil er seine zweifellos vorhandene Defensivschwäche nicht deutlich verbessert hat. Allerdings kann dieses Argument tatsächlich nur bedingt gelten, immerhin ist Heung Min Son diesbezüglich nicht einen Deut besser. Aber der Südkoreaner macht Tore – und wird deshalb auf dem Platz gelassen. „Wir haben gerade einen Lauf, haben zehn Punkte in vier Spielen geholt“, sagt Beister, „da kann der Trainer nicht viel ändern.“ Klingt einsichtig. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich Beister alles anders vorgestellt hat und entsprechend anfällig sein dürfte für interessante Angebote.

Begeistert vom Angebot, wieder in der Nationalelf zu spielen war Heiko Westermann. Oder besser: er ist es noch. Trotz des Schocks beim 4:4 gegen Schweden. „Ein 4:0 solltest du nach Hause bringen“, so der HSV-Kapitän. „Zumal, da wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die uns 60 Minuten lang nicht das Wasser reichen konnte. Erklärungen gibt es dafür keine, wir waren alle geschockt und sind es noch“, sagt Westermann, der auf dem Weg zur Kabine ausgerechnet Marcus Berg, dem einzigen Schweden im HSV-Team über den Weg lief. Was der gesagt hat? Westermann lacht: „Er ist fair. Ich habe ihm gratuliert – das war’s.“

Dabei darf auch Westermann Glückwünsche entgegennehmen. Er hatte immer wieder betont, dass er sich nur auf den HSV konzentrieren wolle und die Nationalelf automatisch kommen würde, wenn die Leistung beim und mit dem HSV stimmt. Dabei war sich Westermann selbst gar nicht mehr so sicher, ob er bei Nationaltrainer Jogi Löw noch auf dem Zettel war. „Jetzt haben wir gesprochen“, so Westermann, „und er hat mir gesagt, dass ich mich weiterhin immer bereithalten soll.“ Übrigens, für alle die, die es genauso wenig wie ich am TV gesehen haben: Westermann stand schon umgezogen an der Seite und wurde doch nicht eingewechselt. „Das war in der 89. Minute, als Löw mir zurief, ich solle mich fertigmachen. Das habe ich gemacht.“ Warum er nicht eingewechselt wurde, wusste Westermann nicht. Aber auch er schrieb es den turbulenten Schlussminuten zu.

Schade für Westermann, gut für den HSV. So blieb dem Abwehrmann ein direktes Mitwirken an einer bitteren (halben) Stunde der DFB-Elf erspart. Vor allem aber blieb bei Westermann das Positive hängen. Der HSV-Kapitän verlebt insgesamt das erste Mal in seiner zeit beim HSV ein paar schöne Tage mit dem Klub. „Ich habe immer daran geglaubt“, sagt Westermann, „und das ist jetzt tatsächlich die beste Phase, seit ich beim HSV bin.“ Umso wichtiger sei jetzt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne nachzulassen. Schöneren Fußball erwartet Westermann nicht, im Gegenteil: Der HSV-Verteidiger setzt weiter auf harte Arbeit und bodenständigen Fußball. „Das Wichtigste ist weiter, dass wir stabil sind. Denn das Fußballspielen wird bei uns von ganz allein kommen, weil wir nur gute Fußballer haben.“

Allerdings ist auch Westermann gewarnt in Anbetracht des nächsten Gegners. In der Vorsaison befand sich der HSV vor dem Duell in der Imtech-Arena mit dem VfB Stuttgart ebenfalls auf dem Weg in sichere Tabellengefilde, ehe ein bitteres 0:4 samt Roter Karte und Acht-Wochen-Sperre für Guerrero zum Knackpunkt wurden. „Anschließend sind wir eingebrochen“, sagt Westermann, der Gleiches diese Saison für nahezu ausgeschlossen hält, „wenn wir weiter 100 Prozent gehen. Denn, das ist klar, diese Saison sind wir personell wir sportlich deutlich stärker.“ Zumindest, wenn Badelj und van der Vaart fit sind.

In diesem Sinne, weiter alle Daumen drücken, dass die beiden Edeltechniker bis zum Sonntag fit werden. Und dafür, dass Beister zu seiner Form findet und seine Chance nicht nur bekommt, sondern auch nutzt.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder zweimal (zehn und 15 Uhr) an der Imtech-Arena trainiert .

Scholle

P.S.: Eben vergessen: Die HSV-Anleihe ist bis auf das letzte Papier ausverkauft. Somit stehn für das Projekt Campus 12,5 Millionen Euro bereit. Gut möglich, dass der HSV in einiger Zeit die Anleihe um ein paar Millionen Euro aufstockt.