Tagesarchiv für den 14. Oktober 2012

Fink hält an seinen Sieger-Typen fest

14. Oktober 2012

Von Sir Alf Ramsey stammt der berühmte Ausspruch: „Never change a winning team.“ Hat der englische Trainer während der WM in Mexiko 1970 geprägt. Und nach dieser Devise verfährt nun ganz offenbar auch Thorsten Fink. Bislang kam der HSV-Trainer ja kaum einmal dazu, nach einem gewonnenen Spiel seine Hamburger Mannschaft zur nächsten Partie unverändert zu lassen (weil es kaum zwei Siege in Folge gab) – aber nun. Und nun zeigt es sich, dass auch Fink an seinen Sieger-Typen festhält. Das bislang beste Beispiel war Tolgay Arslan, der für den rot-gesperrten Petr Jiracek ins Team kam gut und sehr gut spielte, der HSV gewann – und Arslan blieb drin. Trotz der Tatsache, dass der Tscheche aktueller Nationalspieler seines Landes ist – und zudem als Neuzugang bislang überzeugen konnte. Arslan aber hat alle überrascht, gehörte immer zu den Besten seiner Mannschaft und durfte weiter auf der „Sechs“ bleiben, obwohl ihm das vorher so gut wie niemand zugetraut hätte.

Nun bahnt sich der nächste „Fall“ an. Dennis Aogo, hat wegen seiner schlechten Blutwerte vier Wochen pausiert, wäre aber wieder da, ist nach Aussagen des Trainers auch topfit, wird aber gegen den VfB Stuttgart (am kommenden Sonntag) nur auf der Bank sitzen. Falls sich bis dahin Marcell Jansen nicht noch verletzt (oder erkrankt). Jansen ist neben Arslan die zweite „dicke Überraschung“ beim HSV, denn alle (oder fast alle) Experten hatten dem ehemaligen Nationalspieler ja abgesprochen, hinten links verteidigen zu können. Aber, oh Wunder, er kann es. Und zwar sehr gut. Und absolut überzeugend. Mitunter erinnert mich Jansen an den „Master of Grätsche“, unser aller Carsten Kober. Nie hätte ich gedacht, dass ich Jansen noch einmal so oft am Boden liegend sehe – und das nur und im absolut positiven Sinne. Jansen haut sich voll rein. Und bleibt deswegen – wie Arslan – drin. Hinten links.

Wobei ich da schnell mal an den Sommer denke, denken muss. Da hatte ich ja – ob der Vertragsverlängerung von Jansen – etwas geschrieben, was dem HSV-Profi weniger gefiel. Sportchef Frank Arnesen hatte über die HSV-Beweggründe, warum der Vertrag mit Jansen vorab verlängert werden soll, gesagt: „Weil sich Marcell top entwickelt hat.“ Ich hatte daraufhin bemerkt und geschrieben: „Wenn sich Jansen top entwickelt hat, dann habe ich mich so top entwickelt, dass ich demnächst den Nobel-Preis erhalten werde, und dazu werde ich der Nachfolger von Bundespräsident Gauck.“ Eine Vorhersage davon ist ja nun schon eingetreten. Die mit dem Nobel-Preis . . . Obwohl den ja eigentlich alle . . . Oder?
Kleiner Scherz am Rande.

Hut b aber vor Jansen. Und Hut ab auch vor Thorsten Fink. Denn nicht alle seine Trainerkollegen verfahren so. Gerade im Falle des gesperrten Tschechen Jiracek hätte wahrscheinlich jeder zweite Trainer gesagt (und auch so gehandelt): „Ich muss ihn doch wieder bringen, denn erstens war die Rote Karte in Frankfurt absolut ungerechtfertigt und lächerlich, und zweitens wird er sich doch in Zukunft ein wenig mehr zurückhalten, wenn es um Zweikämpfe geht, denn er will ja nicht eine zweite Rote Karte provozieren.“ Ich kenne einige Trainer, die so gehandelt hätten, Fink aber macht es anders. Und das ist ganz sicher auch nicht verkehrt, es ist eben Ansichtssache. Und für Tolgay Arslan ganz sicher von Vorteil, denn immerhin konnte er der ganzen Welt zeigen, dass er nicht nur gut „daddeln“ kann, sondern auch auf der „Sechs“ Defensivarbeit verrichten. Vielleicht war, und solche Stimmen habe ich zuletzt des Öfteren gehört, die Rote Karte für Jiracek ja auch die Geburtsstunde eines großen HSV-Spielers – nämlich Arslan.

Und vielleicht wird ja auch Jansen hinten links wieder eine feste Größe. Beim HSV, und eventuelle ja auch noch einmal in der Nationalmannschaft, die auf dieser Position ja großen Bedarf entwickelt hat. Obwohl ich auch glaube, dass sich Dennis Aogo nicht so mir nichts dir nichts beiseite schieben lassen wird, sondern ordentlich Gas geben wird, um seinen Platz wieder einnehmen zu können. Auf jeden Fall beim HSV. Und ich sage ganz deutlich, dass ich mich für Aogo (der in den letzten beiden Testspielen vor Spielfreude sprühte) freuen würde, denn auch als es bei ihm nicht mehr so richtig rund lief, gab er für die Mannschaft immer alles – er übernahm Verantwortung und ging sowohl auf dem Platz als auch daneben stets vorbildlich voran. In der vergangenen Saison war er die beste Stütze für Heiko Westermann, der ansonsten ganz allein auf weiter Flur gestanden hätte.

Dennis Aogo hat, als es zuletzt im Volkspark gegen den VfB Stuttgart ging, auch damals gefehlt. Und das war am 3. März 2012, da verteidigte hinten links beim HSV Marcell Jansen, und der HSV verlor (nicht wegen Jansen!) hoch mit 0:4. Ein echtes Debakel, nach dem der HSV fast schon für den Start in Liga zwei hätte planen können. Das waren damals noch ganz harte Zeiten, und nur einmal zur Erinnerung, welche HSV-Mannschaft damals auf dem Rasen stand:
Jaroslav Drobny; Dennis Diekmeier, Heiko Westermann, Slobodan Rajkovic, Marcell Jansen; Tomas Rincon, David Jarolim; Jacopo Sala, Paolo Guerrero, Ivo Ilicevic; Mladen Petri. Eingewechselt wurdfen Tolgay Arslan und Heung Min Son. Übrigens: Das war Guerreros letzte Rote Karte für den HSV, als er an der Eckfahne VfB-Keeper Ulreich übel in die Beine trat.

Die HSV-Mannschaft von heute hat sich sehr verändert, hat fast ein ganz anderes Gesicht. Und spielt jetzt endlich wieder erfolgreich. Was allerdings im Hinblick auf nächsten Sonntag nichts bedeuten muss, denn Stuttgart kommt wie ein angeschlagener Boxer nach Hamburg – und diese Art von Boxern hängt man ja besonders gerne den Ruf an, sehr gefährlich zu sein. Der HSV aber dürfte erstens schon mal deshalb gewarnt sein, und zweitens gibt es gerade wegen dieser 0:4-Niederlage einiges wieder gut zu machen. Deshalb: Hoffentlich kehren alle Nationalspieler gesund von ihren WM-Qualifikationsspielen zurück.

Einer derjenigen, die bereits am Freitag im Einsatz waren, ist Rafael van der Vaart. Und er wurde nun erneut riesig gefeiert. Weil er das 1:0 der Niederländer gegen Andorra schoss. Sogar im Videotext habe ich nach dem 3:0-Erfolg von „überragenden Holländern“ gelesen. Und habe mich dabei gefragt, um was es dabei eigentlich geht? Andorra? Das kann es doch nicht sein, da nach einem 3:0 von „überragenden Holländern“ zu berichten. Dann waren die Deutschen ja in „Weltklasse-Form“, als sie die biederen Iren mit 6:1 aus ihrem Stadion schossen. Aber das ist wohl so, wenn die „Saure-Gurken-Zeit“ angebrochen ist. Keine Erste Liga, keine Zweite Liga, nicht mal Dritte Liga – dann erscheint eben auch schon mal ein „8:1-Kantersieg des HSV“ (bei Eintracht Elbmarsch) ganz oben im öffentlich-rechtlichen Videotext. Nun gut, einmal noch Länderspiel, und dann wieder Bundesliga. Endlich, endlich.

Einen Tag vor dem Länderspiel in Berlin gegen Schweden findet beim HSV ja der Mitgliederversammlung Teil drei statt. Die Fortsetzung der am 15. Januar 2012 und am 20. Mai 2012 vertagten Mitgliederversammlung. An diesem Montag ist im CCH (Saal zwei) um 19 Uhr Beginn, Einlass ab 18 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht:

1. Eröffnung und Begrüßung der Mitglieder

2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und Beschlussfähigkeit

3. Feststellung der Anwesenheit

4. Genehmigung des Protokolls der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 20. Mai 2012

5. Antrag auf Änderung der Satzung durch Hans-Ulrich Klüver (Anlage 1) und Begründung

6. Antrag auf Änderung der Satzung durch Reimund Slany und Klaus Manal (Anlage 2)

7. Antrag auf Änderung der Satzung durch Tobias Lemke (Anlage 3)

8. Antrag auf Änderung der Satzung durch Claus Runge (Anlage 4 – 9)

9. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ralf Bednarek (Anlage 10)

10. Antrag auf Änderung der Satzung durch Marco Hepe ( Anlage 11)

11. Antrag auf Änderung der Satzung durch Gabriele Czarnetzki (Anlage 12)

12. Antrag durch Dieter Grzesik (Anlage 13)

13. Antrag durch Marco Hepe (Anlage 14)

14. Verschiedenes

So, dann gibt es in diesen Oktober-Tagen noch ein Jahr Thorsten Fink beim HSV zu beachten. Dazu gab es heute die folgende dpa-Meldung:

„Zum einjährigen Jubiläum hat Trainer Thorsten Fink ein großes Lob vom Vorstandsvorsitzenden des HSV erhalten. „Wir haben uns damals nach reiflicher Überlegung für Thorsten Fink entschieden, weil er uns in allen Punkten überzeugt hat. Er war unser Wunschtrainer – und an unserer Einstellung ihm gegenüber hat sich nichts verändert“, sagte Carl-Edgar Jarchow der „Hamburger Morgenpost“.

„Es freut mich sehr und bestätigt die Arbeit unseres Trainers, dass man bei der Mannschaft eine klare Entwicklung sieht. Diese Erkenntnis ist hin und wieder sogar wichtiger als so mancher Punkt.“ Nach einem schlechten Saisonauftakt holte der Bundesligist zuletzt zehn Punkte aus vier Partien und kletterte auf Rang acht.

„Man spricht ja immer von Kontinuität. Dafür müssen aber auch die passenden Leute am Werk sein. Mit Thorsten Fink meinen wir, den absolut passenden Mann zu haben. Ich würde mich freuen, wenn die Zusammenarbeit noch lange anhält“, sagte Jarchow. Natürlich ist es der Anspruch des HSV, auch mal wieder europäisch zu spielen – das wollen wir mit Thorsten Fink gemeinsam schaffen.“

Die Bilanz in 35 Pflichtspielen (32 Bundesliga, 3 DFB-Pokal) von Fink ist durchwachsen: Zehn Siege stehen 13 Niederlagen und zwölf Remis gegenüber. 1,2 Punkte pro Spiel holte der HSV unter dem ehemaligen Trainer des FC Basel im Schnitt. Finks Vertrag in Hamburg läuft noch bis 2014.“

Wäre ja schön, wenn es der HSV tatsächlich einmal schaffen würde, in Sachen Trainer Kontinuität zu beweisen. Wünschenswert wäre es in jedem Falle, und zu gönnen wäre es dem Verein (der endlich mal – auf dieser Position – zur Ruhe kommen würde) und auch dem Trainer, der trotz der prekären Lage in der vergangenen Saison nie die Ruhe und auch nie die Contenance verloren hat. Fink flippte nie aus, drehte nicht groß am Rad, sondern zog sein Ding durch. Das ist lobenswert. Und ich hatte ja vorhergesagt, dass es in meinen Augen noch zu einem kleinen „Köpfe-rollen“ kommen wird, as ist ausgeblieben, ich habe mich geirrt – zum Glück für den HSV, denn auch deshalb blieb es ruhig, und auch deshalb ging es nun wieder bergauf. Jetzt stehen alle Weichen auf Richtung oberes Mittelfeld, und ich hoffe, dass daran auch morgen die Jahreshauptversammlung nichts ändern wird. Zu befürchten gibt es schon mal nichts, deswegen denke ich, wird es auch ruhig bleiben.
Hoffentlich.

Ob sich Thorsten Fink aber für die Zukunft etwas von einem Kollegen (aus dem Ausland) abschauen wird, das wage ich doch stark zu bezweifeln. In Kroatien haben sich in den vergangenen Stunden merkwürdige Dinge zugetragen. Wie die Agentur zu berichten weiß:

Der kroatische Fußball-Nationaltrainer Igor Stimac geht neue Wege und hat sich vor dem WM-Qualifikationsspiel am Dienstag gegen Wales offen für Anregungen gezeigt. Im Internet bat der 45-Jährige die Fans des WM-Dritten von 1998 nach deren Meinung zu Taktik und Aufstellung.

„Ich möchte eine Diskussion bezüglich der Begegnung gegen Wales anregen. Wie sieht eure ideale Mannschaft aus? Mit welchem System würdet ihr spielen lassen? 4-3-3? Schießt los!“, schrieb Stamic auf seiner ofiziellen Facebook-Seite.

Kroatien liegt mit sieben Punkten aus drei Spielen auf dem zweiten Platz der Gruppe A, Wales (Rang vier/drei Punkte) benötigt ein Erfolgserlebnis, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren.

Andere Länder, andere Sitten. Obwohl, wenn ich es mir überlege – vielleicht sollte Fink trotz allem mal seine HSV-Fans befragen, wie und wen er aufstellen . . .
Oder doch nicht?

Einen schönen Rest-Sonntag noch für euch und eure Lieben.

PS: Am Montag wird im Volkspark nicht trainiert, es geht erst am Dienstag um 10 Uhr weiter. Und nachmittags (am Dienstag) gibt es eine zweite Einheit, die aber ist bislang als Waldlauf geplant.

17.35 Uhr